DiskursReview: Aktuelle Beiträge zur Sprach- und Medienkritik

Jugendwörter – Der Ruin der deutschen Sprache?

Von Ana Sofia Gomes

Bereits seit 2008 kürt der Langenscheidt-Verlag jedes Jahr das sogenannte Jugendwort des Jahres. Hierbei handelt es sich um ein Wort, welches angeblich der in dem jeweiligen Jahr am stärksten in der Jugendsprache verwendete Ausdruck war (vgl. Langenscheidt, 2025). Die jährliche Auswahl eines Jugendwortes geschieht hierbei aus der Begründung heraus, dass genau solche Wörter zeigen würden, wie jüngere Generationen sich fühlen und denken. Ein weiterer Grund ist zudem, dass Jugendsprache von manchen auch als Teil unserer Sprachkultur angesehen wird. (vgl. Langenscheidt, 2025).

Dieses Jahr setzte sich neben Wörtern wie „checkst du“ der Ausdruck „das crazy“ als Jugendwort des Jahres 2025 durch (vgl. NDR, 2025). Seine Bedeutung wird dabei als sogenannte „Allzweckwaffe“ (Langenscheidt, 2025) beschrieben. Demnach könnte es sowohl eingesetzt werden, wenn eine passende Antwort fehlt, als auch wenn Höflichkeit das Ziel ist oder auch das Gespräch am Laufen gehalten werden soll (vgl. Langenscheidt, 2025). Andere Menschen interpretieren „das crazy“ auch als Möglichkeit, auszudrücken, dass sie etwas als besonders erstaunlich oder verwunderlich empfinden (vgl. Schäfer, 2025). Über eine einheitliche oder auch singuläre Bedeutung verfügt der Ausdruck also nicht.

Betrachtet man den Ausdruck „das crazy“ zudem genauer, fällt außerdem auf, dass er mehrere Besonderheiten aufweist. So besteht er aus dem Artikel „das“ und aus dem englischen Wort „crazy“, welches übersetzt so viel wie „verrückt“ bedeutet. Eine wörtliche Übersetzung könnte also „das verrückt“ lauten. Dies zeigt, dass der Ausdruck „das crazy“ zum einen aufgrund des fehlenden Prädikats gegen die typischen Regeln deutscher Sprache verstößt (vgl. Duden, 2025) und zum anderen aufgrund der Nutzung eines sogenannten Anglizismus. Hierbei bezeichnet Anglizismus ein Wort, das aus dem Englischen stammt, aber auf eine nicht englische Sprache, in diesem Fall die deutsche Sprache, übertragen wird (vgl. Duden, 2025).

Somit ist „das crazy“ ein Jugendwort, das ziemlich klar darstellt, durch welche Charakteristiken sehr viele Jugendwörter, wie auch „cringe“ oder Ähnliches, gekennzeichnet sind. Nämlich beispielsweise Anglizismen und Bedeutungsveränderungen (vgl. Neuland; Efing, 2022, S. 195). Genau dies führt jedoch auch immer wieder zu starker Kritik an der Jugendsprache. So steht sie unter dem ständigen Verdacht, für einen Sprachverfall und eine Überfremdung der deutschen Sprache zu sorgen. Ein weiterer Kritikpunkt liegt außerdem auch darin, dass Jugendsprache für Sprachbarrieren sorgen würde. So soll Jugendsprache nämlich die Kommunikation zwischen jüngeren und älteren Generationen massiv beeinflussen. Dies sind zumindest Aspekte, die in der öffentlichen Sprachkritik immer wieder aufkommen (vgl. Neuland; Efing, 2022, S. 330). So auch bei der Kritik an dem Ausdruck „das Crazy“ selbst. Doch trifft all dies zu? Sorgt die Jugendsprache, so wie wir sie heutzutage kennen, tatsächlich für einen Verfall der deutschen Sprache und massive Sprachbarrieren zwischen jung und alt?

Betrachtet man in diesem Sinne zunächst öffentliche Kritik zur Jugendsprache, lautet beispielsweise ein Teil einer Onlinekritik an dem Ausdruck „das crazy“ unter der Bekanntgabe des Jugendwortes 2025 durch das rbb24:

Was für ein Schwachsinn, fördert nur weiterhin die langsame Abschaffung der deutschen Sprache. (Knex50, 2025)

Unter einem ähnlichen Beitrag des BR24 wurde wiederum:

Wie sehr ist unsere Sprache verkommen? Dazu fällt mir nix mehr ein. (Bezzelle, 2025)

kommentiert. Solche und ähnliche Kritiken können unter diversen Berichten zum Jugendwort 2025 und generell zu Jugendwörtern gefunden werden. Doch was haben diese Kritiken gemeinsam?

Gemeinsamkeiten zeigen sich besonders vor dem Hintergrund der linguistischen Sprachkritik nach Rainer Wimmer. So unterscheidet Wimmer zwischen zwei Formen der Sprachkritik. Diese sind zum einen eine sprachwissenschaftlich fundierte und linguistisch begründete Sprachkritik und zum anderen eine Sprachkritik, die sich nicht auf sprachwissenschaftliche Erkenntnisse bezieht (vgl. Wimmer, 1982, S. 293). Aufgrund der gegebenen Thematik lässt sich vor allem die zweite Art der Sprachkritik gut auf die hier gegebene Kritik an dem Jugendwort „das crazy“ anwenden. So spricht Wimmer bei einer nicht sprachwissenschaftlich fundierten Kritik nämlich von einer Kritik, die sich besonders dadurch auszeichnet, dass sie unreflektiert von einem Sprachverfall spricht und hierbei auch oft einseitige und starre Vorurteile gegenüber einem bestimmten Sprecher oder einer Sprechergruppe verkörpert (vgl. Wimmer, 1982, S. 293).

Genau diese Muster können häufig in der Kritik an Jugendsprache, die ja eine Kritik an einer spezifischen Sprechergruppe darstellt, beobachtet werden. So ist, wie bereits erwähnt, der Vorwurf, dass Jugendsprache einen Verfall der deutschen Standardsprache verursachen würde und somit einen erheblichen Schaden in Bezug auf die deutsche Sprache auslösen würde, einer der häufigsten Kritikpunkte an der deutschen Jugendsprache (vgl. Neuland; Efing, 2022, S. 330). Auch die gegebenen kritischen Äußerungen zeigen diesen Charakter sehr deutlich, durch Formulierungen wie „langsame Abschaffung der deutschen Sprache“ (Knex50, 2025) oder auch „Wie sehr ist unsere Sprache verkommen“ (Bezzele, 2025).

Wimmers Ausführungen ermöglichen eine eventuelle Begründung für die Entstehung einer solchen Kritik in einem derart großen Ausmaß, wie es bei der Jugendsprache der Fall zu sein scheint. So beschreibt Wimmer einen sogenannten Normenkonflikt. Dieser läge dann vor, wenn bestimmte Regeln, die von einer Mehrheit als richtig angesehen werden, plötzlich nicht mehr von jedem befolgt würden (vgl. Wimmer, 1982, S. 297 f.). Ein Aspekt, der bei der Kritik an der Jugendsprache klar vorzuliegen scheint. So wird spezifisch in den Fällen, in denen die Regeln der deutschen Standardsprache beispielsweise durch das Weglassen von Prädikaten und die Nutzung von Anglizismen, wie bei dem Ausdruck „das crazy“, ignoriert werden, solche Kritik geäußert. Auch dies ist klar an den bereits betrachteten kritischen Äußerungen zu erkennen, da diese eben eine spezifische Reaktion auf einen Fall bilden, in dem die ursprünglich bekannten Regeln deutscher Sprache nicht eingehalten worden sind. Wimmer benennt solche Normenkonflikte auch als sogenannte Kommunikationskonflikte (vgl. Wimmer, 1982, S. 298). So könnten durch die Verwendung unterschiedlicher Handlungsmuster im Sprachgebrauch durchaus Verständigungsprobleme auftauchen. Dies ist eine weitere stark verbreitete Angst, wenn es um die Jugendsprache geht (vgl. Neuland; Efing, 2022, S. 330).

Doch entsteht durch Jugendsprache denn nun tatsächlich eine Sprachbarriere zwischen jüngeren und älteren Generationen? Betrachtet man die Kritikpunkte vor einem soziolinguistischen Hintergrund, einer Wissenschaft, die sich spezifisch mit sozialen Differenzen im Sprachgebrauch auseinandersetzt (vgl. Neuland; Efing, 2022, S. 73), zeigt sich, dass die Annahme, Jugendsprache würde langfristig für Verständigungsprobleme sorgen, lediglich ein mediales Konstrukt ist (vgl. Neuland; Efing, 2022, S. 188). Es entsteht also durch sich wiederholende Übertreibungen in Form von Karikaturen oder Ähnlichem. So zeigen empirische Studien nämlich, dass Jugendliche sehr gut zwischen verschiedenen Domänen des Sprachgebrauchs unterscheiden können. Sie sind also dazu in der Lage, ihren Sprachgebrauch der Situation entsprechend anzupassen und so Verständigungsprobleme zu vermeiden (Neuland; Efing, 2022, S. 189). Jugendliche nutzen Jugendsprache dementsprechend also in der Regel nicht als gänzlichen Ersatz für die Standardsprache und verlernen diese somit, sondern lediglich in den Momenten, in denen es ihnen angemessen erscheint. Dies, um zum einen eine Identifikation nach innen in ihrer Gruppe zu erreichen und zum anderen um eine Abgrenzung nach außen zu schaffen. Jedoch, wie bereits erwähnt, nur in jenen Situationen, in denen es ihnen auch angemessen zu sein scheint (vgl. Neuland; Efing, 2022, S. 193). Dementsprechend entsteht durch die alleinige Existenz und Nutzung von Jugendsprache keine wirkliche Sprachbarriere und dadurch, dass Jugendliche noch immer zur Standardsprache wechseln können, auch kein wirklicher Verfall der deutschen Sprache.

Bei einer gesammelten Betrachtung wird also deutlich, dass es sich bei öffentlicher Jugendsprachkritik häufig um eine nicht sprachwissenschaftlich fundierte Kritik zu handeln scheint, die eher Vorurteile gegenüber der Sprechergruppe der Jugendlichen zu verkörpern scheint, statt reale Bedrohungen widerzuspiegeln. Ein Aspekt, der besonders anhand bestimmter Vorwürfe, wie dem, dass Jugendsprache eine Sprachbarriere erzeugen würde, deutlich wird.

Quellenverzeichnis

Bezzele (2025). „Das crazy“ ist Jugendwort des Jahres 2025. BR24. https://www.br.de/nachrichten/kultur/das-crazy-ist-jugendwort-des-jahres-2025,Uzye2PZ (Abgerufen am 15.12.2025)

Donalies, Elke, (2024). Nachdenken über Sprache: Laienansichten zur deutschen Sprache in Internetforen, Leserbriefen und Sprachratgebern. Heidelberg: Universitätsverlag Winter. ISBN 9783825395698

Duden (2025). Anglizismus. Duden. https://www.duden.de/rechtschreibung/Anglizismus (Abgerufen am 15.12.2025)

Duden (2025). Was ist ein Satz. Duden. https://www.duden.de/sprachwissen/sprachratgeber/Was-ist-ein-Satz (Abgerufen am 15.12.2025)

Knex50 (2025). „Das crazy“ zum Jugendwort des Jahres gewählt. Rbb24. https://www.rbb24.de/kultur/beitrag/2025/10/dascrazy-jugendwort-ausdruck-sprachlosigkeit-das-crazy-berlin.html (Abgerufen am 15.12.2025)

Langenscheidt (2022). Game Over – Jugendwort 2025 ist da! Langenscheidt. https://www.langenscheidt.com/jugendwort-des-jahres?srsltid=AfmBOoqJxsM2vnUfGwJwsEO0F5N2H8NnQM5VLv6kQKjgf5Jj54-12Jtd (Abgerufen am 15.12.2025)

NDR (2025). „Das crazy“ ist das Jugendwort des Jahres 2025. Radio&TV. https://www.ndr.de/kultur/buch/das-crazy-ist-jugendwort-des-jahres-2025,jugendwort252.html (Abgerufen am 15.12.2025)

Neuland, E., & Efing, C. (2022). Soziolinguistik der deutschen Sprache: eine Einführung. Narr Francke Attempto Verlag. https://doi.org/10.36198/9783838544557

Schäfer, C.D. (2025). Das Jugendwort 2025: „Das crazy“ in der Kommunikation. Dr. Christa D. Schäfer Pädagogik und Mediation. https://www.christaschaefer.de/blog/2025/jugendwort_2025_das_crazy/ (Abgerufen am 15.12.2025)

Zitiervorschlag

Gomes, Ana Sofia (2026): Jugendwörter – Der Ruin der deutschen Sprache?. In: Diskursmonitor – DiskursReview: Aktuelle Beiträge zur Sprach-, Medien- und Diskurskritik. Online unter: https://diskursmonitor.de/review/sprach-und-medienkritik (Zugriff: ##.##.####)