DiskursReview: Aktuelle Beiträge zur Sprach- und Medienkritik
Wenn aus Vielen Einer wird – Warum pauschale Nationsbezeichnungen sprachlich gefährlich sind
Von Diana Gerner
„In dieser Situation sind die Deutschen sehr unzufrieden mit der Arbeit der Politik.“ (Kinkartz, 2025), schreibt die Deutsche Welle im November 2025. Gemeint ist dabei keine einzelne Person oder klar definierte Gruppe, sondern eine ganze Nation, welche mit einem einzigen Artikel zu einem scheinbar einheitlichen Kollektiv zusammengefasst wurde. Solche Formulierungen sind kein Einzelfall. Ähnliche Beispiele, wie „Die Russen greifen an vielen Stellen an“ (Die Welt am Morgen, 2024), „Die Ukrainer sind bereit, ein Friedensabkommen zu akzeptieren“ (Merkur, 2025) oder „Die Amerikaner denken mehrheitlich positiv über Deutschland, die Deutschen hingegen schreiben die USA ab“ (Hanfeld, 2025), begegnen uns täglich in Medien, wie auch politischer und öffentlicher Kommunikation. Dabei sind sie kein neues Phänomen. Bereits 2015 schreibt die Süddeutsche Zeitung, „Die Franzosen streiken nicht nur häufiger als die Deutschen, sondern auch verrückter. Und dreckiger“ (Timmler & Schmidbauer, 2015). In all diesen Fällen werden komplexe Bevölkerungen sprachlich zu homogen wirkenden Gruppen zusammengefasst. Solche Kollektivbezeichnungen erscheinen selbstverständlich und fallen im Alltag kaum auf, wobei ihre sprachkritische Relevanz häufig übersehen wird. Doch worin besteht die sprachkritische Relevanz? Sind die Formulierungen so unbedenklich, wie sie erscheinen? Was passiert grammatisch und semantisch, wenn ganze Bevölkerungen als einheitlich beschrieben werden? Welche Vorstellungen über Gruppen entstehen dabei? Und inwiefern kann eine solche Vereinheitlichung problematisch sein? Der vorliegende Aufsatz untersucht Kollektivbezeichnungen aus sprachkritischer Perspektive. Im Zentrum steht dabei nicht die Bewertung einzelner Länder oder politischer Situationen, sondern die Frage, wie Sprache gesellschaftliche Gruppen konstruiert und welche Herausforderungen diese Konstruktionen mit sich bringen. Es geht somit weniger um die konkreten Beispiele und Nationen, als um die dahinterliegenden sprachlichen Muster. Dafür wird im Folgenden im sprachkritischen Zusammenhang betrachtet, was sprachlich bei solchen Formulierungen passiert. Anschließend werden historische Muster, sprachkritische Kriterien sowie die Verwendung solcher Kollektivbezeichnungen in den aktuellen Medien thematisiert.
Bei den angeführten Beispielen handelt es sich um Ethnonyme, also Namen von Völkern mit einer gemeinsamen Kultur, Geschichte, Staatlichkeit oder Sprache (Glück & Rödel, 2024, S. 176). Darunter werden beispielsweise die Begriffe „Schweizer“ und „Briten“ gefasst (Glück & Rödel, 2024, S. 176). Mit der Verwendung solcher Ethnonyme findet eine Kollektivbildung statt, welche auch als Kollektivum bezeichnet wird. Ein Kollektivum beschreibt beispielsweise eine Sammelbezeichnung für eine Personengruppe, die entsprechend Suffixe modifizieren (Glück & Rödel, 2024, S. 327). Eine solche Modifikation meint in der Wortbildungslehre, dass Bezeichnungen für Ableitungen eine semantische Veränderung durchleben, ohne dass ein Wechsel der Wortart stattfindet (Glück & Rödel, 2024, S. 419). Somit ist ein Kollektiv eine „Bezeichnung, die mehrere gleichartige Gegenstände, Lebewesen oder Sachverhalte zusammenfasst“ (Dudenredaktion, o.J.) und ihnen eine Sammelbezeichnung oder einen Sammelnamen gibt (Dudenredaktion, o.J.). Auf syntaktischer Ebene verhalten sich Kollektive wie Stoffbezeichnungen, wie beispielsweise Schmuck oder Obst, oder wie Appellative, etwa Familie oder Gebüsch, wodurch ihnen der „Status einer eigenständigen Substantivsubklasse abgesprochen wird“ (Glück & Rödel, 2024, S. 327). Da Substantive Wörter sind, die „für sich selbst Bestand“ (Glück & Rödel, 2024, S. 650) haben, werden den Menschen der Nationen somit durch die Wahl der Schreibweise ihre Individualität genommen.
Nach der begrifflichen Klärung lohnt sich ein Blick auf die historische Dimension solcher Bezeichnungen. Ethnonyme werden bereits seit Jahrhunderten verwendet und sind nicht nur Bezeichnungen für Gruppen, sondern stets ein Ausdruck ihrer jeweiligen historischen Einbettung (Lötzsch, 1998, S. 136). Lötzsch zeigt in seiner Analyse deutlich, dass ethnische Gruppenbezeichnungen keine festen, zeitlosen Kategorien darstellen, sondern historische Konstruktionen sind, die sich im Verlauf politischer, kultureller und sozialer Entwicklungen verändern (Lötzsch, 1998, S. 136). Dies kann an der uneinheitlichen und teils widersprüchlichen Entstehungsgeschichte des Ethnonyms „Germanen“ erkannt werden (Lötzsch, 1998, S. 136). In wissenschaftlichen Debatten wird dieses einerseits in die „erste Hälfte des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts“ (Lötzsch, 1998, S. 136) datiert, während andererseits betont wird, dass die „Germanen“ ein Produkt der Verschmelzung sehr unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen gewesen seien (Lötzsch, 1998, S. 136). Der Begriff „Germanen“ vereint hierbei die einheimischen Hügelgräbergemeinschaften und aus dem Osten eingewanderten „indogermanischen Streitaxtleuten“ in einem Kollektiv (Lötzsch, 1998, S. 136), wodurch die einzelnen Gemeinschaften und die darin lebenden Menschen ihre Individualität verlieren. Weiterführend verdeutlicht Lötzsch, dass dieses Phänomen nicht auf die Bezeichnung „Germanen“ beschränkt ist. So führt Lötzsch ein Kollektivum auf, welches „in den meisten frühen russischen Belegstellen, entweder Staatsname oder Bezeichnung der Gesamtheit der Bevölkerung, der Ostslawischen Russen“ (Lötzsch, 1998, S. 137) beschreibt. In älteren griechischen Belegen wird diese Bezeichnung jedoch als „Schweden“ verstanden (Lötzsch, 1998, S. 137). Auch in der kolonialen Zeit wurden Dorfgemeinschaften zu einem Staat oder einem Reich zusammengefasst (Zimmermann, 1992, S. 105). Diese Passagen machen sichtbar, dass Ethnonyme nicht naturgegeben, sondern im Nachhinein erzeugte Kategorien sind, die komplexe historische Prozesse vereinheitlichen und rückwirkend zu homogenen Kollektiven formen. Gleichzeitig zeigt sich, dass solche Bezeichnungen wandelbar sind. Ein weiteres Beispiel für vereinheitlichende Zuschreibungen ist, laut dem AntiDiskriminierungsBüro (ADB) aus Köln, die Verwendung des Begriffs „Afrika“ als Herkunftsangabe (ADB Köln, 2013, S. 20). Diese zeigt, „dass nicht über die Herkunft des Bezeichneten recherchiert wurde und sie ausschließlich der Stereotypisierung dient“ (ADB Köln, 2013, S. 20). Dabei handelt es sich um ein Muster der Vereinheitlichung (ADB Köln, 2013, S. 20). Solche Vereinheitlichungen sind „versteckte Rassismen“, welche auf Desinteresse, Unwissenheit, dem fehlenden Hinterfragen oder der Annahme beruhen, dass es schon immer so verwendet wurde (ADB Köln, 2013, S. 20). „Beschreibende und Beschriebene stehen in einem gesellschaftlichen Verhältnis zueinander, das nicht von Gleichheit geprägt ist, sondern von unterschiedlichen Macht-Diskurspositionen“ (ADB Köln, 2013, S. 29). In diesem Zusammenhang werden Gruppen konstruiert, wobei festgelegt wird, wer diesen Gruppen angehört und wer nicht (ADB Köln, 2013, S. 30). Personen, die einer Kategorie zugeordnet werden, erhalten bestimmte Eigenschaften zugeschrieben und können bewertet werden (ADB Köln, 2013, S. 29f.). Diese zugeschriebenen Eigenschaften und daraus entstehenden Stereotype verfestigen sich, sodass es unmöglich erscheint, dass ein Individuum diese Eigenschaften nicht erfüllt (ADB Köln, 2013, S. 32). In der Folge entstehen „Wir-“ und „Fremdgruppen“, die sich durch vorurteilsgeleitetes Denken voneinander unterscheiden (ADB Köln, 2013, S. 40). Journalist*innen und die dahinterstehenden Medien tragen daher eine besondere Verantwortung. Sie müssen Aussagen stets kritisch hinterfragen und nicht unreflektiert übernehmen, „um ihrer Rolle als öffentliche Kontrollinstanz staatlichen Handelns besser gerecht“ (ADB Köln, 2013, S. 56) zu werden. Der Blick in die Vergangenheit zeigt, welche Wirkung eine solche sprachliche Vereinheitlichung haben kann. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden alle Menschen des jüdischen Glaubens unter der Bezeichnung „die Juden“ (Klemperer, 1999, S. 53) zusammengefasst. Einzelne Personen wurden auf ihre Gruppenzugehörigkeit reduziert und die Gruppe homogenisiert. Viktor Klemperer beschreibt, dass wiederholte Einzelwörter und Satzformulierungen unbewusst und mechanisch übernommen werden (Klemperer, 1999, S. 26). Die „Lingua Tertii Imperii“ (Klemperer, 1999, S. 3), die „Sprache des Dritten Reichs“ (Klemperer, 1999, S. 3), findet sich „sogar bei den Juden“ (Klemperer, 1999, S. 32) selbst in ihren Briefen, Büchern und Gesprächen wieder (Klemperer, 1999, S. 32). Menschen werden hierbei als Vertreter einer Gruppe wahrgenommen, wodurch aus vielen Individuen ein sprachlich erzeugter „Einer“ wird. Dieses Muster lässt sich auf heutigen Medien übertragen, in denen Ethnonyme, wie „Die Deutschen“, „die Russen“ oder „die Ukrainer“ in ähnlicher Weise vereinheitlichend verwendet werden. Klemperers Analyse verdeutlicht damit, wie wichtig eine sprachliche Reflexion ist, um der Verkürzung und politischen Instrumentalisierung ethnonymischer Kollektive entgegenzuwirken.
Auch Girnth und Hofmann betonen, dass eine kritische Sprach- und Medienreflexion notwendig ist, um die Sprache in den Medien und ihre Konstruktion von Realität zu hinterfragen (Girnth & Hofmann, 2016, S. 16). Besonders Kinder und Jugendliche verbringen viel Zeit im Internet und sind damit ständig der Sprache der Medien ausgesetzt (Girnth & Hofmann, 2016, S. 16). Daher sei es laut den Autoren von großer Relevanz, sprachliche Reflexion in der Schule zu thematisieren (Girnth & Hofmann, 2016, S. 16). Überträgt man diesen Gedanken auf ethnonymische Bezeichnungen, wird deutlich, dass auch der Umgang mit Ethnonymen eine solche Reflexion erfordert. Medien verdichten komplexe soziale Gruppen häufig zu kollektiven Etiketten, wodurch die von Girnth und Hofmann beschriebenen Mechanismen der Realitätskonstruktion (Girnth & Hofmann, 2016, S. 16) verstärkt werden. Eine kritische Auseinandersetzung mit der medialen Verwendung von Ethnonymen ist daher notwendig, um Pauschalisierungen, Stereotypisierungen und ausgrenzende Kollektivbildungen sichtbar und hinterfragbar zu machen. Zudem ist jeder Mensch ein Individuum und hat „gesellschaftlich relevante Attribute, die ihn von anderen Menschen“ (Zimmermann, 1992, S. 77) unterscheiden. Weigert und Teitge unterscheiden zwischen verschiedenen Kategorien der Identität, wobei die Ethnizität der gesellschaftlichen Identität angehört (Zimmermann, 1992, S. 80). Die Identität ist dabei eng mit der Gruppe verbunden, da diese als Spiegel dient, in dem sich das Individuum selbst erfährt (Zimmermann, 1992, S. 92). Gruppen können somit als kollektive Individuen verstanden werden, deren Mitglieder „sich von Mitgliedern anderer Gruppen in bestimmten Merkmalen unterscheiden“ (Zimmermann, 1992, S. 93). In solchen Gruppen bildet sich ein Wir-Gefühl, das durch Bezeichnungen, wie „die XY“, andere Gruppen explizit ausschließt (Zimmermann, 1992, S. 93f.). Gruppen werden außerdem als Ganzes wertmäßig bestimmt, wodurch Nationen und ethnische Gruppen hinsichtlich ihrer Wertschätzung, Möglichkeiten oder kulturellen Leistungen eingeordnet und mit stereotypischen Eigenschaften versehen werden (Zimmermann, 1992, S. 93). Handlungen und Leistungen einzelner Mitglieder werden der gesamten Gruppe zugeschrieben (Zimmermann, 1992, S. 94), wodurch Nationen als homogene Einheit wahrgenommen werden. Dies lässt sich in zahlreichen Medienartikeln beobachten. Sollte eine Person einer Nation eine gute oder schlechte Eigenschaft haben oder Tat begangen haben, wird diese der Gruppe zugesprochen.
Besonders deutlich wird die Wirkmacht ethnonymischer Kollektive in Krisen- und Kriegskontexten, in welchen Medien verstärkt dazu tendieren, komplexe politische Situationen über kollektive Zuschreibungen zu vereinfachen. In der Analyse der Ukraine-Berichterstattung der Jahre 2014 wird deutlich, dass Akteur*innen unterschiedlich benannt und damit unterschiedlich bewertet wurden (Schiffer, 2020, S. 135). Westukrainische Gruppen wurden häufig neutral oder positiv konnotiert als „Demonstranten“ (Schiffer, 2020, S. 135) bezeichnet, während vergleichbare Gruppen im Osten der Ukraine als „pro-russischer Mob“ (Schiffer, 2020, S. 135) charakterisiert wurden. Auch staatliche Akteure erscheinen sprachlich homogenisiert, etwa wenn vom „Westen“ (Schiffer, 2020, S. 135) oder „Russland/Putin“ (Schiffer, 2020, S. 135) gesprochen wird, obwohl diese Begriffe jeweils hochkomplexe, heterogene politische Akteure umfassen. Somit werden dieselben politischen Handlungen je nach Akteur und Zuschreibung unterschiedlich benannt und bewertet. Dadurch entstehen sprachliche Wirklichkeiten, in denen bestimmte Gruppen vereinheitlicht, emotionalisiert oder abgewertet werden, während andere neutral oder legitim erscheinen. Damit wird sichtbar, wie Ethnonyme und kollektive Benennungen in Krisendiskursen nicht nur beschreiben, sondern aktiv politische Deutungen erzeugen. Diese Beispiele verdeutlichen, dass Ethnonyme in Konflikt- und Krisenkontexten eine erhebliche diskursive Wirkmacht besitzen. Sie rahmen Wahrnehmungen, strukturieren „Wir-vs-Sie“-Logiken und tragen dazu bei, Feindbilder oder Solidaritäten sprachlich zu stabilisieren, oft ohne dass diese Mechanismen bewusst reflektiert werden. Für eine sprachkritische Analyse bedeutet dies, Ethnonyme nicht als neutrale Bezeichnungen zu betrachten, sondern als machtvolle Mittel der Deutung und der politischen Positionierung. Schiffer weist darauf hin, dass angesehene Redaktionen eigene Stereotype bevorzugen und abweichende Meinungen kritischer prüfen (Schiffer, 2020, S. 138). Der amerikanische Logiker Charles Sanders Peirce erklärt, „dass Menschen zu fast allem bereit sind, um an ihrem Glauben oder ihren Überzeugungen festhalten zu können, die es ihnen ermöglichen, unbequeme Zweifel zu eliminieren. Anstatt die gesamte Brandbreite der verfügbaren Informationen zu untersuchen, glauben wir lieber genau das, was wir bereits glauben“ (Peirce, 1877, zitiert nach Ranan, 2021, S. 9). Gerade dies macht Stereotype so gefährlich, da sie, einmal entstanden, kaum wieder abgebaut werden. Ethnonyme und die mit ihnen verbundenen Verallgemeinerungen in den Medien tragen zur Produktion solcher dauerhaften Stereotype bei.
Abschließend lässt sich festhalten, dass dieser Artikel nur einige Ethnonyme thematisiert, um anhand dessen, das generelle Muster abzubilden. Er soll als Einstieg in die Problematik der Kollektivierung dienen und Denkanstöße geben. „Ein nächster Schritt wäre es, bestehende Konzepte aufzubrechen und neue zu entwickeln“ (ADB Köln, 2013, S. 57). Journalist*innen kommt dabei eine besondere Verantwortung zu, Begrifflichkeiten reflektiert zu verwenden (ADB Köln, 2013, S. 57). Um dem „kritischen Publikum die Möglichkeit des Nachprüfens zu geben, braucht es Transparenz“ (Schiffer, 2020, S. 139), welche Journalisten schaffen müssen.
Die Analyse zeigt, dass Kollektivbezeichnungen im Alltag zwar effizient erscheinen, jedoch eine starke vereinfachende Wirkung haben. Aus solchen sprachlichen Vereinfachungen können gedankliche Vereinfachungen entstehen, welche unmerklich zu Stereotypen oder Feindbildern werden. Dabei werden komplexe, heterogene Bevölkerungen zu scheinbar einheitlichen Gruppen zusammengefasst, wobei die erzeugten Vorstellungen selten hinterfragt werden. Gerade, weil solche Formulierungen so selbstverständlich wirken, ist es umso wichtiger, für ihre sprachkritische Relevanz zu sensibilisieren. Ein Verbot wäre hierbei weder realistisch noch sinnvoll. Notwendig ist vielmehr ein reflektierter Umgang mit diesen Ausdrucksweisen. Ein erster Schritt besteht darin, sich der Wirkung solcher sprachlichen Vereinheitlichungen bewusst zu werden. Alternativen, wie „einige Menschen aus …“, sowie die Nennung konkreter Altersgruppen, Regionen oder andere präzisere Angaben, ermöglichen eine differenzierte Beschreibung und reduzieren die Gefahr, unbewusst stereotype Bilder zu erzeugen. Dies ist von großer Relevanz, da eine differenzierte Sprache zu einem differenzierten Denken führt. Es resultiert ein bewussterer Umgang miteinander in einer demokratischen Kultur. Dabei zeigt ein sprachkritischer Blick, dass es nicht „gute“ oder „schlechte“ Nationen gibt, sondern individuelle Menschen mit unterschiedlichen Haltungen, Geschichten und Erfahrungen. Ein solches Bewusstsein sollte möglichst früh gefördert werden, idealerweise bereits in der Grundschule. Eine frühe Sensibilisierung hilft dabei, unreflektierte Feindbilder gar nicht erst entstehen zu lassen und stärkt einen kritischen, respektvollen und friedlichen Umgang in einer vielfältigen Gesellschaft. Die Auseinandersetzung mit Kollektivbezeichnungen ist daher ein zentraler Bestandteil reflektierter Sprachverwendung.
Quellenverzeichnis
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Kinkartz, S. (6. November 2025). ARD-Deutschlandtrend: Jeder Zweite fühlt sich unsicher. Deutsche Welle. https://www.dw.com/de/ard-deutschlandtrend-jeder-zweite-f%C3%BChlt-sich-unsicher-migration-bundesregierung/a-74646696
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Zitiervorschlag
Gerner, Diana (2026): Wenn aus Vielen Einer wird – Warum pauschale Nationsbezeichnungen sprachlich gefährlich sind. Online unter: https://diskursmonitor.de/review/sprach-und-medienkritik (Zugriff: ##.##.####)