„Clan“

Beobachtungen zur gegenwärtigen Diskurslandschaft

Von Friedemann Vogel, Review, Sprach- und Diskurskritik

Im Gemeinsprachgebrauch (insb. im Pressediskurs) wird der Ausdruck „Clan“ in aller Regel im Kontext organisierter Kriminalität und Organisationen verwendet. Das statistisch basierte DWDS-Wortprofil (23.09.2026) gibt als typische Partnerwörter (Kookkurrenzen) an:

„rivalisierend“, „verfeindet“, „kriminell“, „arabischstämmig“, „Sizilianer“, „somalisch“, „Oberhaupt“, „arabisch“, „libanesisch“, „Fehde zwischen“, „herrschend“, „weitverzweigt“, „Stamm“, „konkurrierend“, „mafiös“, „einflussreich“, „donezker“, „verzweigt“, „zurechnen“, „Angehörige“

An ethnischen Zuschreibungen (Adjektivattribute) finden sich „arabisch“, „libanesisch“, „doneszker“, „schottisch“ und „kalibrisch“. Regelmäßig finden gewalttätige Auseinandersetzungen verschiedener als „Clan“ bezeichneter Gruppen Eingang in die Berichterstattung.

Angehörige dieser Gruppen sind auf der politischen, offiziellen Bühne grundsätzlich tabuisiert: Politische Akteure, Abgeordnete oder Funktionsträger möchten sich zumindest nicht öffentlich sichtbar mit Mitgliedern von „Clans“ treffen oder mit ihnen Geschäfte machen. Ein Beispiel in der jüngeren Zeit ist der „Besuch“ des „Remmo-Clanchefs“ Issa Remmo im Abgeordnetenhaus in Berlin auf Einladung der CDU, der „für Empörung“ gesorgt habe (so Spiegel Online vom 24.01.2025). In anderen Fällen „posierte“ der damals frisch gewählte Bürgermeister Kai Wegner 2023 in Berlin laut Bildzeitung „mit Mehmet K. – der laut RTL mehrfach vorbestraft sei“ und dem „mehrere Spielhallen gehören [sollen]“; ein Selfie des „Clan“-Mitglieds Firas Remmo brachte den Ex-Regierenden Michael Müller in Bedrängnis.

Spiegel Online vom 24.01.2025: „Clan“ und die CDU

An diese Fälle erinnert sich derzeit jedoch kaum jemand – das mediale Diskursgedächtnis ist kurz. So ist möglich, dass die in Berlin erfolgreiche Partei „Die Linke“ zumindest zwischenzeitlich kontaktdiffamierend in die „Nähe von“ (so die typische Wendung) Clankriminalität gerückt werden kann, ohne dass eine differenzierte Betrachtung möglich ist. Anlass hier bot der Kontakt eines Linken-Abgeordneten zu Angehörigen des Remmo-„Clans“ und daran anschließende öffentliche Kommunikation (Eingeständnis, Entschuldigung und Distanzierung).

Versuche, politische Gegner durch Behauptung von „Nähe zu“ Kriminellen in Misskredit zu bringen, oder generell mit dem Thema Kriminalität(sbekämpfung) vorübergehend Wahlkampf zu führen, haben vor allem bei politisch konservativen und nationalistischen Parteien eine lange Tradition.

Zitiervorschlag

Vogel, Friedemann (2026): „Clan“ – Beobachtungen zur gegenwärtigen Diskurslandschaft. In: Diskursmonitor. Online-Plattform zur Aufklärung und Dokumentation von strategischer Kommunikation. Veröffentlicht am 24.09.2026. Online unter: https://diskursmonitor.de/review/clan.