DiskursGlossar

Akteur

Kategorie: Grundbegriffe
Verwandte Ausdrücke: Diskursakteur, Interessengruppe, Stakeholder, Subjekt, Agent, Agency, Voice, Diskursgemeinschaft, Diskurselite, Ideology Broker
Siehe auch: Diskursfigur, Diskurs
Autor: Friedemann Vogel
Version: 1.0 / Datum: 06.09.2026

Kurzzusammenfassung

Als Akteur oder Diskursakteur werden in der Diskursforschung meist Gruppen oder Gruppenstellvertreter verstanden, die mit kommunikativen Mitteln in der Öffentlichkeit versuchen, ihre Deutungen und Ressourcenansprüche gegen Rivalen durchzusetzen.

Typischerweise gelten als Akteure große Interessengruppen, deren Mitglieder untereinander sozial und/oder medial vernetzt sind, ähnliche Bedürfnisse und Kommunikationskanäle teilen, sich mit einem gemeinsamen Gruppennamen identifizieren und/oder in Institutionen organisiert sind (z. B. Bürgerinitiativen, Parteien, Gewerkschaften, Wirtschaftsverbände, Lobbyorganisationen, Medienkonzerne etc.). Einzelpersonen treten in Diskursen normalerweise nur dann als Akteure in Erscheinung, wenn sie eine privilegierte Sprecherrolle und damit Machtposition innehaben, wenn ihnen also als Stellvertreter für eine bestimmte Interessengruppe oder Ideologie besonderes Gehör geschenkt wird, wie etwa Parteivorsitzenden, BundeskanzlerInnen oder MinisterInnen, IntendantInnen großer Medienanstalten, Influencern o. ä. Vorübergehend können aber auch Personen des Alltags ins Zentrum öffentlicher Aufmerksamkeit rücken, wenn sie von bereits etablierten Diskursakteuren (z. B. Presse) eingeführt werden.

Akteure existieren in öffentlichen Diskursen nicht einfach, sondern sie sind Ergebnis sprachlich-medialer Konstruktion aus Selbst- und Fremdzuschreibungen (Wir sind X / Ihr seid Y / Ich stehe für Z) vor allem in massenkommunikativen Zusammenhängen. Je nach kommunikativer Aufgabe, je nach Prestige, Akzeptanz und Position im Feld lassen sich verschiedene Akteurstypen unterscheiden, insb. „Gemeinschaften“, „Diskurseliten“ und „Konsumenten“.

Erweiterte Begriffsklärung

Im Unterschied zu themen-, inhalts- oder strukturfokussierten Ansätzen untersuchen akteursakzentuierte Diskursanalysen, welche Kollektive als Interessensgruppen mit welchen sprachlich-kommunikativen Praktiken in der Öffentlichkeit in Erscheinung treten und in welchem Verhältnis diese Kollektive zueinander stehen im Ringen um Deutungshoheit und Macht. Akteure sind zunächst all jene, die einen Diskurs durch ihre kommunikativen Beiträge zu einem gemeinsamen Thema tragen, indem sie Texte schreiben oder sich in mündlichen Gesprächen äußern und dabei ihre Sicht auf die Welt und ihre Bedürfnisse gegenüber anderen zum Ausdruck bringen.

Eine ausgearbeitete Diskurstheorie zu Diskursakteuren liegt bisher nicht vor, aber Beiträge (insb. Schwab-Trapp 2001; Kämper 2017a), die verschiedene Typen von Akteuren entlang ihrer kommunikativen Rolle und/oder ihrer Position im sozialen Feld unterscheiden:

  • „Gemeinschaften“: Historisch gewachsene Vergemeinschaftung von Individuen zu mehr oder weniger organisierten Gruppen, die ein gemeinsames Thema zum Gegenstand haben und damit verbundene Wahrheitsannahmen, Bedürfnisse, kommunikative Muster (z. B. Schlagwörter, Argumentationsmuster, Narrative usw.) und Handlungsappelle teilen. Prototypisch handelt es sich um Interessengruppen (oder ‚Stakeholder‘) wie Parteien, Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände, aber auch loser organisierte Gruppen wie Bürgerinitiativen oder Stammtische. Auf einer abstrakten Ebene lassen sich Diskursgemeinschaften nach Eigengruppe, konkurrierender Gegner- sowie Feindgruppe sortieren.
  • Zur „Diskurselite“ gehören Akteure (Personen oder Teilgruppen), die in der Öffentlichkeit stellvertretend für eine bestimmte Diskursgemeinschaft sprechen können („Ideology Broker“, Blommaert 1999: 9). Sie sind dazu in der Lage, weil sie erstens diskurskompetent sind – also über für das jeweilige Tätigkeitsfeld und Thema relevante kommunikative Fähigkeiten, Wissen und Zeit (kulturelles und oft auch ökonomisches Kapital) verfügen –; und weil sie zweitens (an)gehört werden, sie also als Autoritäten sowohl in der eigenen Diskursgemeinschaft akzeptiert als auch von anderen Diskursgemeinschaften wahrgenommen und adressiert werden. Wer zur Diskurselite gehört, hat eine exklusive Machtposition im Vergleich zu anderen Mitgliedern einer Diskursgemeinschaft, bestimmt stärker als andere die Agenda, die Teilhaberegeln (wer darf wann zu wem was äußern) und Sagbarkeitsgrenzen. Seine/ihre Stimme hat Gewicht („Voice“; Blommaert 2005: 68 ff.).

    „Zum Personenkreis diskursiver Eliten gehören die bekannten Repräsentanten der politischen Parteien und zentraler politischer Institutionen; bekannte Intellektuelle, die ihre Reputation in speziellen Diskursfeldern wie der Wissenschaft oder im Kunstbetrieb erworben haben; schließlich Medienakteure, die als Leitartikler oder Moderatoren ihre politische Meinung in Presse, Rundfunk und Fernsehen lancieren können. […]“ (Schwab-Trapp 2001: 294 f.)

  • Manche typisierbaren und in der Regel zu den Diskurseliten zählenden Akteure erfüllen im politisch-medialen Diskurs eine autoritative Rolle bei der Legitimierung von Positionen (Knobloch 1998): „Experten“ (aus Wissenschaft und Thinktanks), „Moralagenturen“ (z. B. Ethikrat, Foodwatch oder Greenpeace – Akteure, die als Autorität bei der moralischen Bewertung von Sachverhalten gehört werden) und „Prominenz“ (Akteure, deren Stimme qua Bekanntheit Anerkennung findet).
  • Der größte Teil der Diskursgemeinschaften haben keinen privilegierten Zugang zum Diskurs, sie sind eher Zuschauer oder ‚Konsumenten‘, die den Diskurs am Laufen halten, ihn reproduzieren und sich gegenüber konkurrierenden Akteuren formieren. An diesem Status ändert sich auch wenig unter Bedingungen internetbasierter Kommunikation, in der Konsumenten auch als ‚Prosumenten‘ eigenen Mikrocontent verteilen können – nur in Ausnahmefällen werden diese Einzeläußerungen diskursgestaltend.

Akteure können außerdem im Diskurs in unterschiedlichen Interaktionsrollen (Adamzik 2002) auftreten, etwa danach, ob

  • sie eine bestimmte „illokutionäre Rolle“ (z. B. Erpresster, Drohender, Kommentator) verkörpern,
  • als „Funktionsträger“ in Erscheinung treten (Institutionen wie Bundesärztekammer, Ethikrat, oder Repräsentanten von Institutionen wie Rektor, Bischof, Gewerkschaftsvorsitzende),
  • als Interaktanten und Mitglieder einer Sprach-/Kommunikationsgemeinschaft (Fremdsprachensprecher, Muttersprachler) zugeschrieben werden, oder
  • eine Beteiligungsrolle in der Interaktion verkörpern, wie Produzent, Rezipient, Sprecher, Hörer.

Akteure sind Gegenstand diskursiver Aushandlung. Damit ist gemeint, dass in Diskursen oft umstritten ist, welche Eigenschaften Individuen zugeschrieben und sie damit als Teil welcher Kollektive und Interessengruppen eingeordnet werden (zum Beispiel: Sie sind doch kein Sozialdemokrat! oder die gehören zur fünften Kolonne Moskaus). Diese Zuschreibungen und Positionierungen können von Individuen selbst (als Gewerkschaftler und Demokrat sage ich…) oder von anderen vorgenommen werden (diese linksgrün-versifften Woken). Sowohl Selbst- als auch Fremdkategorisierungen stehen aber immer unter dem Vorbehalt ihrer Wiederaufnahme, Akzeptanz und also Reproduktion in anderen Kommunikationssituationen, nur so wird eine Personengruppe als Akteur im Diskurs sicht- und hörbar.

Bei der diskursiven Aushandlung können Akteure als Diskursfiguren in Erscheinung treten, zum Beispiel als Helden, Psychopathen, Nerds, Utopisten, Genies, Zecken usw. Gemeint sind damit in der Bevölkerung viel verbreitete Deutungsschablonen, mit denen Akteure in der Öffentlichkeit leichter lesbar (also einord- und klassifizierbar) werden. Ob Maschinen (zum Beispiel teilautonom agierende KI-Agenten) als Akteure in Diskursen Geltung beanspruchen können, ist noch offen. Versuche dazu zeigen sich etwa durch die Entwicklung von multimodalen Avataren, die – zumindest der Ankündigung nach – stellvertretend ministerielle Aufgaben wahrnehmen sollen (wie „Diella“ in Albanien oder der „Weimatar“ des Staatsministers Weimer, beide 2025).

In der Forschungspraxis werden Diskursakteure oft deduktiv und/oder induktiv auf zwei Arten bestimmt und unterschieden, nämlich

  • entlang von Kontextinformationen (Metadaten) zu Autoren- bzw. Sprechergruppen (zum Beispiel die Einordnung von einzelnen SprecherInnen im Parlament als Teil einer Interessengruppe über ihre formale Parteizugehörigkeit oder über grobmaschigere Kategorien wie ‚linksliberal‘ oder ‚konservativ‘);
  • entlang von wiederholter Bezugnahme von Kommunikationspartnern auf Personen oder Organisationen als Teil von Kollektiven und Interessengruppen, zum Beispiel wenn sich SprecherInnen selbst zuordnen (etwa mit dem Sprecher-inkludierendem Wir: Unsere Fraktion hat beschlossen… (Miro Jennerjahn, Die Grünen Leipzig) / It’s class warfare, my class is winning, but they shouldn’t be. (Milliardär Warren Buffett, CNN 2005)) oder wenn SprecherInnen andere Personen als Angehörige einer Fremdgruppe klassifizieren (Sie sind nichts anderes als Lobbyist der Rüstungsindustrie / Wer Bürgergeld empfängt, muss auch arbeiten gehen).

In Teilen der Diskursforschung werden schließlich auch Forschende als Akteure diskutiert. Gegenstand ist dabei die Frage, ob und inwiefern WissenschaftlerInnen in öffentliche Debatten eingreifen sollen und können. Vor allem kritische Ansätze sehen Forschende in der Pflicht, sich im Dienste von Menschen- und Grundrechten etwa gegen Diskriminierungen, Militärwerbung u. ä. aktiv in der Öffentlichkeit zu äußern (zur Diskussion: Vogel/Deus 2020).

Beispiele

(1) In medialen und politischen Arenen der Bundesrepublik Deutschland werden die großen politischen Diskursgemeinschaften oft entlang von ideologischen Grundhaltungen sprachlich aufgerufen, zum Beispiel mit Attributen wie links, rechts, Mitte, konservativ, liberal, extremistisch u. ä. Im engeren Sinne werden damit auch Parteien als organisierte, institutionalisierte Interessengruppen benannt (z. B. Die Konservativen – CDU/CSU). Innerhalb der Parteien als diskursive Gemeinschaften haben aber nicht alle Mitglieder die gleichen Mitspracherechte: Vorsitzende – meist hierarchisch gegliedert auf kommunaler, Kreis-, Landes- und Bundesebene – sind dazu gewählt, die politische und argumentative Richtung der Partei zu prägen, die Partei gegen Konkurrenten durchzusetzen und nach außen repräsentativ gegenüber Medien, wählender Bevölkerung usw. zu vertreten. Auch wenn theoretisch jedes Mitglied eine solche Elitenposition innerhalb einer Partei erlangen kann, so schaffen es in der Regel nur diejenigen, die über besondere kommunikative und/oder sachbezogene Kompetenzen verfügen und diese im politisch-medialen Alltag routiniert einzusetzen wissen. Von Vorteil ist zum Beispiel die Fähigkeit, frei zu reden und mit Mikrofonen und Kameras gekonnt umzugehen, eine breite Allgemeinbildung oder juristische Kenntnisse zu haben, oder je nach Zielpublikum flexibel verschiedene Sprachen zu sprechen (zum Beispiel Deutsch/Englisch/Türkisch oder Standardsprache/Dialekt etc.).

(2) Ob ein Akteur in Talkshows, Leitartikeln und Podiumsveranstaltungen Gehör findet, hängt nicht allein von der Sachkenntnis ab, sondern auch von habituellen Ressourcen: Akademische Titel, ein vertrauter Sprachduktus, institutionelle Anbindung und ein souveränes Auftreten verschaffen bestimmten SprecherInnen hohe Glaubwürdigkeit, während Betroffene ohne dieses kulturelle Kapital – etwa Geflüchtete, prekär Beschäftigte oder migrantische Stimmen – seltener als legitime ExpertInnen wahrgenommen werden. Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Militarisierung des Diskurses verschiebt sich dieses Feld zusätzlich: Generäle, ehemalige Offiziere und sicherheitspolitische BeraterInnen treten verstärkt als gefragte Stimmen auf und gelten qua Uniform, Dienstgrad und Fachvokabular als besonders ‚realistisch‘ und kompetent. Ihr militärischer Duktus – Entschlossenheit, Lagebewertung, strategische Nüchternheit – wird bei bestimmten Personengruppen als Autorität gelesen, die kaum hinterfragt wird, während pazifistische oder zivilgesellschaftliche Positionen rasch als naiv abgewertet werden.

(3) Veränderungen in der öffentlichen Sichtbarkeit von Diskursakteuren oder Diskussionen über den Ein- oder Ausschluss von Personen, Teilgruppen oder Themen sind oft ein Indikator für diskursive Umbrüche. Heidrun Kämper (2017b) zeigt dies an drei Umbruchdiskursen des 20. Jahrhunderts, die jeweils besondere Akteurskonstellationen aufweisen: In der frühen Weimarer Republik (1918 bis 1925) lösen Vertreterinnen und Vertreter der politischen Linken sowie erstmals wahlberechtigte Frauen die Akteure der konstitutionellen Monarchie als diskursbestimmende Kräfte ab. Im Schulddiskurs der Nachkriegsjahre (1945 bis 1955) stehen sich drei verschiedene Sprechergruppen gegenüber – Opfer, die nun anklagen können, Täter, die sich nur noch verteidigen können, und Nichttäter, die den Diskurs maßgeblich gestalten und die Nachkriegsdemokratie institutionell etablieren. In den späten 1960er Jahren schließlich gelingt es der studentischen und intellektuellen Linken, ohne einen eigentlichen Systemwechsel oder Austausch politischer Verantwortungsträger, den öffentlichen Diskurs durch ihren Bildungshabitus, ihre Kommunikationsformen und ihr charakteristisches Vokabular vorübergehend als dominante Stimme zu prägen.

Literatur

Zum Weiterlesen

Zitierte Literatur

  • Adamzik, Kirsten (2002): Interaktionsrollen. Die Textwelt und ihre Akteure. In: Adamzik, Kirsten (Hrsg.): Texte – Diskurse – Interaktionsrollen. Analysen zur Kommunikation im öffentlichen Raum. Tübingen: Stauffenburg-Verlag (Textsorten, 6), S. 211–256.
  • Blommaert, Jan (1999): Language-ideological Debates. Berlin: De Gruyter.
  • Blommaert, Jan (2005): Discourse. A critical introduction. Cambridge: Cambridge Univ. Press (Key topics in sociolinguistics).
  • Kämper, Heidrun (2017a): Personen als Akteure. In: Roth, Kersten S., Wengeler, Martin; Ziem, Alexander (Hrsg.): Handbuch Sprache in Politik und Gesellschaft. Berlin, Boston: De Gruyter (Handbücher Sprachwissen, Band 19), S. 259–279.
  • Kämper, Heidrun (2017b): Sprachliche Umbrüche des 20. Jahrhunderts – Überlegungen zu einem vorläufigen Abschluss. In: Dąbrowska-Burkhardt, Jarochna; Eichinger, Ludwig M.; Itakura, Uta (Hrsg.): Deutsch: lokal – regional – global. Tübingen: Gunter Narr Verlag (Studien zur deutschen Sprache, 77), S. 115–128.
  • Knobloch, Clemens (1998): Moralisierung und Sachzwang. Politische Kommunikation in der Massendemokratie. Duisburg: DISS Duisburger Inst. für Sprach- und Sozialforschung.
  • Schwab-Trapp, Michael (2001): Diskurs als soziologisches Konzept. In: Keller, Reiner (Hrsg.): Handbuch sozialwissenschaftliche Diskursanalyse. Opladen: Leske + Budrich, S. 261–283. Online verfügbar unter https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-322-99906-1_10 ; Zugriff: 12.08.2026.
  • Vogel, Friedemann; Deus, Fabian (Hrsg.) (2020): Diskursintervention. Normativer Maßstab der Kritik und praktische Perspektiven zur Kultivierung öffentlicher Diskurse. Wiesbaden: Springer VS (Interdisziplinäre Diskursforschung).

Zitiervorschlag

Vogel, Friedemann (2026): Akteur. In: Diskursmonitor. Glossar zur strategischen Kommunikation in öffentlichen Diskursen. Hg. von der Forschungsgruppe Diskursmonitor und Diskursintervention. Veröffentlicht am 06.09.2026. Online unter: https://diskursmonitor.de/glossar/akteur/.

DiskursGlossar

Grundbegriffe

Diskursfigur

Diskursfiguren – wie der Held oder der Experte, das Genie, der Gefährder, Gutmensch, Nerd oder Psychopath – sind im medial-politischen Diskurs konstruierte und verbreitete Vorstellungen von Handlungsträgern, die stereotyp mit bestimmten Eigenschaften assoziiert werden. Sie erhalten durch musterhaften Sprachgebrauch, aber auch durch bildhafte Darstellungen eine kommunizierbare, wiedererkennbare Kontur.

Repräsentative Anekdote

Repräsentative Anekdote bezeichnet ein modellhaftes Kurznarrativ, das in Theorien, Weltanschauungen und komplexen Erklärungen selektiv reproduziert wird. So ist z.B. das „survival of the fittest“ (‚die Stärksten überleben‘) die repräsentative Anekdote, die in allen darwinistischen, sozialdarwinistischen und neodarwinistischen Theorien und Deutungsmustern als Modell dient und variabel ausgearbeitet wird.

Begriffsgeschichte

Die Begriffsgeschichte lässt sich allgemein als eine historische Methode beschreiben, die den zeitlichen Wandel der Bedeutungen von bestimmten Ausdrücken untersucht. Da einzelne Worte nie isoliert begegnen und ihre jeweiligen Bedeutungen erst im Kontext größerer sprachlicher Zusammenhänge oder semantischer Felder greifbar werden, verbindet sie sich flexibel mit anderen Methoden historischer Semantik, wie etwa der Diskursgeschichte, der Argumentationsgeschichte oder der Metaphernforschung (Metaphorologie).

Diskurssemantische Verschiebung

Mit dem Begriff der diskurssemantischen Verschiebung wird in der Diskursforschung ein Wandel in der öffentlichen Sprache und Kommunikation verstanden, der auf mittel- oder län-gerfristige Veränderung des Denkens, Handelns und/oder Fühlens größerer Gesellschafts-gruppen hinweist.

Domäne

Der Begriff der Domäne ist aus der soziologisch orientierten Sprachforschung in die Diskursforschung übernommen worden. Hier wird der Begriff dafür verwendet, um Muster im Sprachgebrauch und kollektiven Denken von sozialen Gruppen nach situationsübergreifenden Tätigkeitsbereichen zu sortieren.

Ideologie

Der Begriff Ideologie weist im Wesentlichen drei unterschiedliche Bedeutungen auf: Erstens kann er ein trügerisches, realitätsfernes oder dogmatisches Denken bezeichnen; so eignet er sich auch als Schlagwort bzw. politischer Kampfbegriff. Zweitens kann er auf eine sozial bedingte Weltanschauung oder ein umfassendes Ideen- und Wertesystem verweisen. Drittens kann mit Ideologie ein politisches Programm gemeint sein, welches Vorstellungen über gesellschaftliche Ordnung sowie Ziele für politisches Handeln beinhaltet.

Positionieren

Positionieren ist Grundbestandteil menschlicher Kommunikation. Wann immer wir miteinander interagieren und kommunizieren, bringen wir uns selbst, andere und die Objekte, über die wir sprechen, in bestimmte Relationen zueinander.

Deutungsmuster

Unter einem Deutungsmuster wird die problem- und lösungsbezogene Interpretation gesellschaftlicher und politischer Tatbestände verstanden, die Aussicht auf Akzeptanz in sozialen Gruppen hat. Der Begriff des Deutungsmusters hat Ähnlichkeit mit den Begriffen der Theorie und Ideologie. Meist werden gesellschaftlich verbreitete Leitdeutungen, die oft mit Schlagwörtern und Argumentationsmustern einhergehen (wie Globalisierung, Kapitalismus, Leistungsgesellschaft, Chancengleichheit etc.) als Beispiele für Deutungsmuster genannt.

Sinnformel

‚Wer sind wir? Woher kommen, wo stehen und wohin gehen wir? Wozu leben wir?‘ Auf diese und ähnliche existentielle Fragen geben Sinnformeln kondensierte Antworten, die in privaten wie sozialen Situationen Halt und Argumenten in politischen und medialen Debatten einen sicheren Unterbau geben können.

Praktik

Eine Praktik ist ein spezifisches, situativ vollzogenes und sinnhaftes Bündel von körperlichen Verhaltensweisen, an dem mehrere Menschen und Dinge beteiligt sein können (z. B. Seufzen, um Frust auszudrücken, oder einen Beschwerdebrief schreiben, Fußballspielen).

Techniken

Whataboutism

Whataboutism (auch Whataboutismus) bezeichnet zum einen eine rhetorische Praktik, zum anderen wird der Ausdruck als Schlagwort verwendet.
Als Praktik zielt Whataboutism darauf ab, von Kritik oder von einem unerwünschten Thema abzulenken – typischerweise durch einen Gegenverweis auf einen anderen Sachverhalt, einen anderen Akteur oder einen anderen Kontext. Dabei ist die Grenze zu legitimen Vergleichen und Rückfragen fließend und regelmäßig Gegenstand diskursiver Aushandlung.

Korruption

Korruption wird zum einen als Fachbegriff (Recht, Wissenschaft) verwendet und verweist auf ein Gebiet des Strafrechts und damit auf einen Teil des gesellschaftlichen Normensystems, das Delikte in Kontaktzonen von Politik und Ökonomie definiert.

Beschriftete Waffen

Das Betexten von Waffen, speziell Projektilen wie Schleuderbleien, Kanonenkugeln oder Bomben, mit an die Feindgruppe gerichteten Botschaften (Sarkasmus, Beleidigungen, Todeswünsche u. ä.) ist eine Praktik, die sich bis in die römische Antike zurückverfolgen lässt. Sie dient der Identifikation der Eigengruppe (Truppe oder Gefolgsleute) mit dem Ziel, die Moral vor einem Kampfansatz zu heben (emotional-psychologische Bewältigungsstrategie) sowie Gelassenheit und Siegesgewissheit propagandistisch gegenüber der Eigen- und Fremdgruppe zu inszenieren.

Zitieren

Zitieren bezeichnet die Wiedergabe ausgewählter Text(teil)e in unterschiedlichen Kommunikationskontexten wie Alltag, Wissenschaft, Journalismus und Politik. Grundsätzlich kann Zitieren der möglichst wertneutralen Wiedergabe bzw. Verweisung auf fremde Aussagen dienen, aber auch zur strategischen Positionierung eingesetzt werden. Auch in wissenschaftlichen Texten erfüllt das Zitieren neben der formal korrekten Bezugnahme auf fremde Aussagen u.a. argumentationsstützende Funktionen.

AI-Washing/KI-Washing

Unter AI-Washing ist die Praxis von Unternehmen oder Organisationen zu verstehen, Produkte, Dienstleistungen oder Geschäftsmodelle mit dem Etikett „Künstliche Intelligenz“ (KI bzw. „Artificial Intelligence“ (AI)) zu versehen, obwohl deren tatsächlicher Einsatz von KI-Technologien entweder stark übertrieben, nur marginal vorhanden oder überhaupt nicht gegeben ist.

Dogwhistle

Unter Dogwhistle wird in Teilen der Forschung eine doppeldeutige Äußerung verstanden, die eine offene und eine verdeckte Botschaft an jeweils eine Zuhörerschaft kommuniziert.

Demonstrieren

« Zurück zur ArtikelübersichtDemonstrieren Kategorie: TechnikenVerwandte Ausdrücke: Auf die Straße gehen, Straßenprotest, Kundgebung, öffentliche Versammlung, Mahnwache, Menschenkette, Marsch, SitzblockadenSiehe auch: Protest, Politische Aktion, Politische Bildung,...

Boykottaufruf

Der Boykottaufruf ist eine Maßnahme, die darauf abzielt, ein Ziel, also meist eine Verhaltensänderung des Boykottierten, hervorzurufen, indem zu einem Abbruch etwa der wirtschaftlichen oder sozialen Beziehungen zu diesem aufgefordert wird.

Tabuisieren

Das Wort Tabuisierung bezeichnet die Praxis, etwas Unerwünschtes, Anstößiges oder Peinliches unsichtbar zu machen oder als nicht akzeptabel zu markieren. Das Tabuisierte gilt dann moralisch als unsagbar, unzeigbar oder unmachbar.

Aus dem Zusammenhang reißen

Das Aus-dem-Zusammenhang-Reißen gehört in den Funktionskreis der Redewiedergabe bzw. der Wiedergabe kommunikativer Ereignisse. Es kann (1) als intentionale argumentativ-polemische Strategie für ganz unterschiedliche diskursive Zielsetzungen von Akteuren genutzt werden, oder (2) es kann SprecherInnen und SchreiberInnen in unbeabsichtigter, fehlerhafter Weise unterlaufen.

Schlagwörter

Meinungsfreiheit

Meinungsfreiheit ist ein positiv konnotiertes Schlagwort. Das im Schlagwort kondensierte Pro-gramm wird allgemein zustimmend propagiert oder eingefordert, ohne dass immer verdeutlicht wird, welche Ausgestaltung von Meinungsfreiheit zugrunde liegt. Aufgrund dieser allgemeinen Zu-stimmung kann Meinungsfreiheit als Hochwertwort kategorisiert werden: In der öffentlichen Debat-te gibt es keine wahrnehmbaren Stimmen, die sich gegen Meinungsfreiheit (in dieser unbestimm-ten Form) aussprechen.

Diversität / Vielfalt

Diversität/Vielfalt ist ein aus einschlägigen US-Diskursen der (frühen) 1980er und der 1990er Jahre importiertes Schlagwort und ein Topos, der ethnische, sexuelle und körperliche (Behinderung etc.) Verschiedenheit positiv und programmatisch als Ressourcen der Mehrheitsgesellschaft kodiert. Vielfalt als Chance dürfte der hierzulande häufigste Slogan des Diversitäts-Hypes sein. Qua Diversität werden identitätsrelevante Unterschiede zwischen gesellschaftlichen Gruppen von Stigmata für Minderheiten zu Ressourcen für die Allgemeinheit umgedeutet.

Brückentechnologie

Ganz allgemein wird unter dem Schlagwort der Brückentechnologie sowohl in den öffentlichen Medien als auch in technisch und wirtschaftlich dominierten Kontexten eine Technologie verstanden, die zeitlich befristet eingesetzt werden soll, bevor in Zukunft der Übergang zu einer als sinnvoller eingeschätzten anderen Technologie möglich ist.

Deindustrialisierung

Der Ausdruck Deindustrialisierung (auch De-Industrialisierung oder als Verb deindustrialisieren) beschreibt im öffentlichen Sprachgebrauch eine negativ bewertete Form des Strukturwandels durch Rückgang von produzierendem Gewerbe.

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit als ein Schlagwort des öffentlichen Diskurses bezieht sich ganz allgemein auf einen ressourcenschonenderen Umgang mit dem, was uns Menschen der Planet Erde bietet, mit dem Ziel, dass auch nachfolgende Generationen noch die Möglichkeit haben, ähnlich gut zu leben wie wir heute (Generationengerechtigkeit).

Echokammer

Der Begriff der Echokammer steht in seiner heutigen Verwendung vor allem im Zusammenhang mit der Nutzung Sozialer Medien. Er verweist metaphorisch auf einen digitalen Kommunikations- und Resonanzraum, in dem Mediennutzer*innen lediglich Inhalten begegnen, die ihre eigenen, bereits bestehenden Ansichten bestätigen, während abweichende Perspektiven und Meinungen ausgeblendet bzw. abgelehnt werden.

Relativieren

Der Ausdruck relativieren besitzt zwei zentrale Bedeutungsvarianten: In bildungssprachlichen und wissenschaftlichen Kontexten bezeichnet er eine analytische Praxis, bei der Aussagen, Begriffe oder Phänomene durch Bezugnahme auf andere Sachverhalte eingeordnet, differen-ziert und in ihrer Geltung präzisiert werden.

Massendemokratie

Geprägt wurde der Begriff Massendemokratie im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts von völkisch-konservativen Akteuren (prominent darunter Carl Schmitt 1926). Der Ausdruck Masse hatte damals bei den bürgerlichen Eliten eine rundum bedrohliche Assoziation.

Social Bots

Als Social Bots werden Computerprogramme bezeichnet, die in der Lage sind, in sozialen Medien Kommunikation menschlicher Nutzer*innen (teilweise) automatisiert nachzuahmen.

Kriegsmüdigkeit

Der Ausdruck Kriegsmüdigkeit bezeichnet die emotionale und physische Erschöpfung von Menschen, die einen Krieg erleben, sowie die gesellschaftliche und politische Ermüdung angesichts langanhaltender Konflikte. Er beschreibt den sinkenden Kampfeswillen bei Kriegsparteien und heute wird er auch für das wachsende Desinteresse an Kriegsthemen in Medien und Öffentlichkeit genutzt.

Verschiebungen

Dehumanisierung

Mit Dehumanisierung bzw. Anthropomorphisierung werden solche kommunikativen Techniken und Praktiken bezeichnet, die Personen, Sachverhalten oder Gegenständen menschliche Eigenschaften ab- bzw. zusprechen. Dehumanisierung und Anthropomorphisierung können sowohl durch sprachliche Mittel als auch durch andere, z. B. bildliche, Zeichen vollzogen werden.

Kriminalisierung

Kriminalität meint ein Verhalten, das gegen ein Gesetz verstößt. Folglich bedeutet Kriminalisierung im engeren Sinne den Vorgang, durch den Verhalten ungesetzlich gemacht wird – indem Gesetze geschaffen werden.

Versicherheitlichung

In akademischen Kontexten wird Versicherheitlichung in Abgrenzung zu einem naiv-realistischen Sicherheitsverständnis verwendet. Dieses betrachtet Sicherheit als einen universell erstrebenswerten und objektiv feststellbaren Zustand, dessen Abwesenheit auf das Handeln von Akteuren zurückzuführen ist, die feindselig, kriminell, unverantwortlich oder zumindest fahrlässig agieren.

Ökonomisierung

Ökonomisierung wird in gegenwärtigen Diskursen in der Regel zur Bezeichnung von Prozessen verwendet, in denen die spezifisch wirtschaftlichen Funktions-Elemente wie Markt, Wettbewerb/Konkurrenz, Kosten-Nutzen-Kalküle, Effizienz, Gewinnorientierung in Bereiche übertragen werden, die zuvor teilweise oder ganz nach anderen Leitkriterien ausgerichtet waren

Moralisierung

Moralisierung verlagert Macht- und Interessenkonflikte in die Sphäre der Kommunikation von Achtung / Missachtung. Sie reduziert Ambivalenz zugunsten einer Polarisierung von gut und böse.

Konstellationen

Krise

Krise ist vom Wort mit fachsprachlicher Bedeutung zur Zeitdiagnose und einem zentralen Begriff der öffentlich-politischen Kommunikation geworden. Der öffentlich-politische Krisenbegriff ist dabei – unabhängig vom Gegenstand der Krise – in eine krisendiskurstypische Konstellation zur Begründung von krisenüberwindenden Handlungen eingebettet.

Partizipatorischer Diskurs

Partizipation ist mittlerweile von der Forderung benachteiligter Personen und Gruppen nach mehr Beteiligung in der demokratischen Gesellschaft zu einem Begriff der Institutionen selbst geworden: Kein Programm, keine Bewilligung mehr, ohne dass bestimmte Gruppen oder Personen dazu aufgefordert werden, für (mehr) Partizipation zu sorgen.

Skandal

Die Diskurskonstellation des Skandals zeichnet sich durch eine in den Medien aufgegriffene (bzw. durch sie erst hervorgerufene) empörte Reaktion eines erheblichen Teils der Bevölkerung auf einen tatsächlichen oder vermeintlichen Missstand aus. Die schuldhafte Verursachung dieses Missstandes wird dabei einem gesellschaftlichen Akteur zugeschrieben, dessen Handeln als ‚unmoralisch‘ gedeutet wird.

DiskursReview

Review-Artikel

Tagung 2027: Politisches Lobbying

Sprache und Lobbyismus- Strategische Kommunikation in Politik und Medien Tagung der Forschungsgruppe Diskursmonitor Tagung: 10. und 11. Juni 2027  |  Ort: Universität Siegen [Map]Kontakt: Prof. Dr. Friedemann Vogel, Joline Schmallenbach Call for Papers: 31.10.2026...

Der Totalverweigerer – Anmerkungen zu einer Diskursfigur der Feindbildproduktion im Sicherheits- und Sozialdiskurs

Die Bezeichnung Totalverweigerer wurde ursprünglich in den späten 70er Jahren im Rahmen der Auseinandersetzungen um die Inanspruchnahme des Rechtes auf Kriegsdienstverweigerung nach § 4.3 GG verwendet. Mit diesem Ausdruck wurden junge Männer stigmatisiert, die nicht nur den Wehrdienst, sondern auch den (längeren) zivilen „Ersatzdienst“ (später „Zivildienst“) verweigerten und damit, wie auch nicht-anerkannte Kriegsdienstverweigerer, Haftstrafen riskierten. Wer Zwangsdienste aus Gewissensgründen ablehnte, wurde darüber hinaus wahlweise als politisch unzuverlässig, fehlgeleitet-überspannt, renitent, feige und/oder faul markiert.

Memes als moderne Propaganda – Eine sprach- und medienkritische Untersuchung

Digitale Kommunikationsformen prägen heutige gesellschaftliche Debatten weitaus stärker als die klassischen Medien. Ihr Einfluss auf die politische Meinungsbildung und die Ausbildung ideologischer Positionen ist inzwischen unverkennbar und zählt zu den markantesten Entwicklungen der digitalen Gegenwart. Besonders hervorzuheben sind Memes: Sie verbreiten sich schnell, arbeiten mit humoristischen Mitteln und verdichten komplexe Inhalte auf ein Minimum an Zeichen. In öffentlichen Diskursen werden sie daher nicht mehr als spielerisches Internetphänomen betrachtet, sondern als ernstzunehmendes Instrument politischer Kommunikation und den damit einhergehenden propagandistischen Strategien.

Zeitalter der Polykrisen – Was sagt die Polykrise über die Gegenwart und Zukunft?

Beim Durchscrollen der Tagesschlagzeilen ist einem in den letzten Jahr wahrscheinlich der Ausdruck Polykrise ins Blickfeld geraten. Solche Schlagzeilen in deutschsprachigen Medien lauten beispielsweise (1) „Klimawandel, Krieg in der Ukraine, Abstiegsängste – die Welt ist aus den Fugen geraten: Drei Bücher zeigen Wege aus der Polykrise“ (Friedl 2026); (2) „Kritische Psychotherapie: Psychotherapie in der Polykrise“ (Dicks 2026); (3) „Optimismus in der Polykrise“ (Kolev 2025); (4) „Was tun gegen die …

„Genderwahn“ als sprachkritische Abwertung: Eine kritische Betrachtung

„Die Debatte über Gendern und Nicht-Gendern kann ich schon nicht mehr hören. Soll es doch jeder machen, wie er es selbst will.“ Dieses Zitat äußert der ehemalige Bundeskanzler Olaf Scholz im Rahmen der Feier zugunsten des Grundgesetzes, welches im Jahre 2024 den 75. Geburtstag feierte (vgl. Steinkohl et al. 2024). Deutlich wird hierbei, dass die Thematik rund um das Gendern in der Politik aufgefasst wird. Allerdings wird gleichzeitig deutlich, dass die Debatte in der Öffentlichkeit stark kritisiert …

Klimaterroristen: Wie Sprache politische Fronten schafft

Der öffentliche Diskurs über Klimaaktivismus ist in den vergangenen Jahren zunehmend polarisiert. Vor diesem Hintergrund hat sich der Ausdruck Klimaterrorist zu einem politisch und gesellschaftlich stark aufgeladenen Schlagwort entwickelt, das im Jahr 2022 als „Unwort des Jahres“ gewählt wurde (vgl. 2020ff. – Unwort des Jahres). Seine Verwendung verweist auf Konflikte über Legitimität, Moral und Rechtmäßigkeit verschiedener Formen des Protests. Gleichzeitig fungiert der Begriff als sprachliches …

Negativ konnotierte Fremdzuschreibung durch diskriminierende Begriffe – Ein sprachkritischer Beitrag zur Bezeichnung „Kanake“ und dem Zukunftswort „Talahon“

„Gerade diese scheinbar ›milden‹ Formen des Rassismus, die über die Sprache transportiert werden, sind schwer zu bekämpfen, da vielen Menschen nicht klar zu sein scheint, welche Macht Sprache besitzt.“ (Kunz, 2021, S. 58).

Der Begriff „Kanake“ (teilweise auch „Kanacke“) bedeutet in seiner ursprünglichen Bedeutung Mensch und bezeichnete Bewohner*innen der Inselgruppe Neukaledoniens im südlichen Pazifik (vgl. Trost, 2002). Dem Gebrauch lag dabei die Charakterisierung einer spezifischen Gesellschaft …