
DiskursGlossar
Ironie
Kategorie: Techniken
Verwandte AusdrĂŒcke: Sarkasmus, Selbstironie, Ironisierung
Siehe auch: Dekontextualisierung, Gegenrede, Sagbarkeit, Parodie
Autorin: Helga Kotthoff
Version: 1.0 / Datum: 10.06.2025
Kurzzusammenfassung
Ironie (altgriechisch ΔጰÏÏÎœÎ”ÎŻÎ± (eirĆneĂa), wörtlich âVerstellungâ, âVortĂ€uschungâ) ist in unserer unmittelbaren und massenmedialen Kommunikationskultur sehr bedeutsam. Sie arbeitet mit einem Bewertungsgegensatz zwischen Gesagtem und Gemeintem. Mit dieser Kommunikationsstrategie kann man einem GegenĂŒber oder einer bekannten Person/Gruppe eine Haltung zuordnen und sich selbst die gegenteilige. Ironie ist auf Durchschaubarkeit angelegt. Im Ironisieren liegt das Angebot fĂŒr die Herstellung einer geteilten Haltung mittels der Abgrenzung von einer fĂŒr eine bestimmte Person/Gruppe typischen Sprech-, Denk- und/oder Handlungsweise.
Die besondere Relevanz von Ironie im strategischen und politischen Kontext liegt in der Aktivierung geteilter WissensbestĂ€nde und Haltungen und in der Kreation eines Objektes der Ablehnung. Wichtige Funktionen von Ironie bestehen in der Kommunikation einer Bewertungskluft, gebunden an die Abgrenzung von sozialen Typisierungen in bestimmten Kontexten (beispielsweise Monsanto als der Typ eines völlig skrupellosen Konzerns, der sich das noch als Verdienst anrechnet, siehe Beispiele unten). Neben der Pragmatik der Ironie wird so auch ihre Meta-Pragmatik relevant. Unter Meta-Pragmatik verstehen wir das Studium von Sprechhandlungen, die beim Sprechen oder Schreiben selbst zum Gegenstand der Betrachtung gemacht werden. Dies geschieht beispielsweise, wenn â wie bei der Ironie â eine reflexive Interpretation erforderlich ist. Zu dieser Interpretation können sich die Interagierenden im weiteren GesprĂ€chsverlauf positionieren. Sie können die Ironie ausbauen oder sogar steigern oder ablehnen.
Erweiterte BegriffsklÀrung
Die linguistische Pragmatik unterscheidet zwischen dem Gesagten (Diktum) und dem Gemeinten (Implikatum). In der Regel meinen wir mehr als wir sagen und es ist die Aufgabe des Hörerenden/Lesenden, dies mithilfe seines Weltwissens zu erschlieĂen (zu inferieren). Wenn ich sage âHol doch bitte die WeinglĂ€serâ versteht der/die Angesprochene aus dem Kontext heraus, dass aus diesen GlĂ€sern getrunken werden soll. Es wĂ€re geradezu lachhaft, hinzuzufĂŒgen: âDaraus wollen wir trinken.â Das ist ein Zuviel an Information und wĂŒrde somit die Gricesche Maxime der QuantitĂ€t verletzen (vgl. Grice 1975). Das Zusammenspiel zwischen dem Gesagten und dem Gemeinten, das unter Hinzuziehung von Information aus dem Kontext erschlossen wird, ist der Gegenstandsbereich der linguistischen Pragmatik. Je höher der Grad an geteiltem Wissen, umso mehr BezĂŒge können im GesprĂ€ch hergestellt werden, umso anspielungshafter kann die Kommunikation laufen (vgl. Kotthoff 1998).
Ironie, so sagt die Forschung (vgl. Winner 1988; Markewitz 2024), wird erst sehr spÀt erworben, ja, sie gehört zu den letzten kommunikativen Kompetenzen, die das Kind sich aneignet. Wir sehen in der kurzen GesprÀchsszene 1, dass die neunjÀhrige Karla die angedeutete Ironie der Schulpraktikantin Martha ausbaut:
GesprÀchsszene 1
(konversationsanalytisches Transkript mit GroĂschreibung fĂŒr lauter Gesprochenes, eingeklammertem Minus als Pausenzeichen, Doppelpunkten fĂŒr LautlĂ€ngung und Punkten an Phrasengrenzen fĂŒr fallende Intonation, siehe Birkner et al. 2020)
4 M: dem christian gings SE::HR schlecht.
5   der musste ZE::HN sÀtze schreiben.
6 K: ja TOLL. (-) ich musste DREIĂig sĂ€tze schreiben.
Die neunjĂ€hrige Karla versteht Marthas Ironie. Diese mokiert sich darĂŒber, dass der SchĂŒler Christian bereits unter dem Schreiben von zehn SĂ€tzen litt und ironisiert diese Haltung. Sie bringt dessen Haltung zum Ausdruck und deutet gleichzeitig ihre eigene an, die das Leiden ĂŒbertrieben findet. Martha spricht mit Ăbertreibung (LĂ€ngungen im Adverb und im Zahlwort und beides laut gesprochen). Karlas Antwort âja TOLLâ reagiert auf das Gesagte (im Diktum ist enthalten, dass zehn SĂ€tze viel sind). Lob, wenn Kritik gemeint ist, gehört zu den StandardfĂ€llen von Ironie. Sie baut die angedeutete Ironie zunĂ€chst aus. Dann stellt sie ihre eigene Leistung dagegen. Zehn SĂ€tze sind wenig (Implikatum). Wer wirklich etwas zu leisten hatte, war SchĂŒlerin Karla. Sie nimmt teil an Marthas Ironisierung von Christians Wahrnehmung seiner Situation.
Im Alter zwischen 3 und 9 nĂ€hern sich Kinder dem Spiel mit doppeltkodierten ĂuĂerungen, die je nach Kontextgestaltung der Teilnahme des Kindes unterschiedliche Leistungen abverlangen (vgl. Kotthoff 2009). Ironie funktioniert nur, wenn man sich darauf verlĂ€sst, dass das GegenĂŒber sich das Gemeinte erschlieĂt. Insofern hat Ironie mit Wissen zu tun, vor allem dem Wissen um Haltungen und Verhaltensweisen, auch um Macharten von SprechaktivitĂ€ten und um Sprechstile.
Oft wird in der Ironie mit einer ĂuĂerung gespielt, die der Adressat selbst zuvor so Ă€hnlich geĂ€uĂert hatte. Ein fiktives Beispiel: Peter möchte mit Karin zu einer Party seines Freundes Willi gehen. Karin hat aber keine Lust dazu. Peter ĂŒberredet sie, indem er ihr erzĂ€hlt, auf Willis Partys sei immer enorm was los, es herrsche eine Superstimmung und es gebe tolles Essen. Sie gehen also hin. Ein paar Leute hĂ€ngen dort gelangweilt in den Sesseln und haben sich wenig zu sagen. Es gibt Butterbrezeln und Nudelsalate. Karin flĂŒstert Peter zu: âDas ist ja eine Wahnsinnsstimmung hier.â Und kurz darauf: âUnd diese unglaublich raffinierte KĂŒche. Umwerfend!â Karin greift in ihrer Ironie genau die Inhalte auf, mit denen Peter ihr die Party schmackhaft machen wollte. Peter kann mĂŒhelos erkennen, dass sie das Gegenteil meint und merkt auch, dass ihm seine eigene Erwartung gespiegelt wird. Noch dazu spricht Karin ĂŒbertrieben und mit einem leicht genervten Tonfall. Es ist inszenierte IntertextualitĂ€t im Spiel (vgl. Kotthoff 2002; 2003). Karin bezieht sich mit ihrem âTextâ implizit auf Peters frĂŒheren âTextâ. Sie setzt diesen fort, wertet ihn um, spielt mit ihm. In der Literatur wird das âIronie der ErwĂ€hnungâ genannt (Sperber/Wilson 1992). Sie erinnert ihn an seine Worte und bescheinigt ihnen indirekt und reflexiv Unangemessenheit. Peter kann das mĂŒhelos erkennen. Geteilte WissenshintergrĂŒnde sind fĂŒr das Funktionieren von Ironie immer bedeutsam. Peter kann auf Karins Ironie reagieren, indem er lacht und/oder indem er das Diktum ausbaut (âEs ist doch eine ganz besondere Butter auf den Brezelnâ). So wĂŒrde ein freundschaftliches Frotzelspiel entstehen (vgl. Kotthoff 2003). Er kann auch das Implikatum zurĂŒckweisen (âWarum gilt es denn als langweilig, wenn sich Leute mal ruhig unterhalten?â).
Ironie zu produzieren und zu verstehen, setzt sehr viel geteiltes Wissen, Kombinations- und Inferenzvermögen voraus, denn es wird etwas gesagt, aber eine Art Gegenteil davon ist gemeint. Um Ironie zu verstehen, muss man gedanklich erschlieĂen,
- was die Sprecherin selbst wirklich denkt und
- welches Denken sie der thematischen Instanz oder dem GegenĂŒber unterstellt.
Ăhnliche Ironisierungen der Aussagen und Positionen von Agenten des öffentlichen Lebens durchziehen viele mediale GesprĂ€chsrunden (siehe Inszenierte Kontroverse) und vor allem Formate des Late Night Talks und sorgen dort fĂŒr die anvisierte Verbindung von Vergemeinschaftung einer kritischen Haltung zum Objektbereich der Ironie und gleichzeitiger Unterhaltung (vgl. GĂ€bler 2016; Kotthoff 2017; Calpestrati 2021). Late Night Talk wie etwa die âheute showâ des ZDF kann unter der Gattungsbezeichnung Satire laufen und arbeitet mit dem Untertyp der kritischen Ironie (Sarkasmus, fĂŒr nĂ€here AusfĂŒhrungen dazu und zum Genre der Satire vgl. Capelotti 2024).
Die folgenden Faktoren spielen bei der Konstitution von Ironie eine wesentliche Rolle:
- Ironie ist die Kommunikation einer Bewertungskluft (vgl. Winner 1988).
- Es besteht eine Art von Gegensatz zwischen dem Gesagten (Diktum) und dem Gemeinten (Implikatum).
- Die evaluativen Dimensionen sowohl vom Diktum als auch vom Implikatum mĂŒssen verstanden werden.
- Das Diktum muss fĂŒr sich alleine durch seine Anspielungshaftigkeit Sinn ergeben (vgl. Stempel 1976).
- Auf der Beziehungsebene reicht Ironisieren von freundlichem Frotzeln bis zu sarkastischem Angriff.
- Die Formulierungsebene ist relevant (Wortwahl, Prosodie, Mimik, Gestik, Orthografie) und deutet oft metapragmatisch im Sinne einer Kontextualisierung (vgl. dazu Kotthoff 1998; Verschueren 2000) auf Ironie hin.
- Aber gesonderte Ironiesignale gibt es in der Regel weder im MĂŒndlichen noch im Schriftlichen, mit Ausnahme der sozialen Medien, wo sich ein Emoticon mit Strichpunkt ( đ ) oder ein Emoji (đ) zur Anzeige von Ironie eingebĂŒrgert hat. Eine ebenso viel beobachtbare Praxis in sozialen Medien ist, vor allem, sarkastische ĂuĂerungen mit einem Ironie-signalisierenden, metakommunikativen Kommentar abzuschlieĂen, z. B. *Ironieoff* (siehe Beispiele). Ansonsten weichen ironische Sprechstile durchaus von ihrer Umgebung ab, indem etwa inhaltliche Begeisterung betont flach intoniert wird.
- Das humoristische Potential ist unterschiedlich; Ironie kann ernsthaft und witzig sein.
- Die IntertextualiÀt wird in der Ironie mehr oder weniger stark zur Schau gestellt.
GĂ€ngige kommunikative Gegenstrategien sind die explizite ZurĂŒckweisung des Implikatums (vgl. Kotthoff 2003). Das ist in politischen Auseinandersetzungen oft der Fall. Im privaten Kontext wird die Ironie mitunter ausgebaut, indem der Adressat sie unterstĂŒtzt und dadurch spaĂige Fiktionen entstehen.
Ironie kann sehr unterschiedliche Funktionen erfĂŒllen, z. B. in Neckereien integriert sein (wie im Party-Beispiel), aber auch in scharfe Kritik (wie im Monsanto-Beispiel). Immer ist auch die Einbettung des Ironischen in Interaktion und Diskurs und die Diskursgeschichte von Bedeutung.
Daneben diskutiert MĂŒller (1995) auch spezifisch mit einer historischen Phase oder einem Autor verbundene Formen der Ironie, wie etwa die Sokratische oder die romantische oder die Ironie im Werk von Cervantes, Thomas Mann und einigen mehr. So eingegrenzt lassen sich dann doch spezifische Ironiesignale finden, etwa spitzfindiges Wortverdrehen bei Sokrates.
Beispiele
(1) Betrachten wir einen Ausschnitt aus der âLiebeserklĂ€rung an Monsantoâ aus der Tageszeitung TAZ (vgl. Kriener 2018). Hier begegnet uns die Strategie des Lobens als Kritik, die einen Standardfall des Ironischen darstellt (vgl. Lapp 1992).
LiebeserklĂ€rung [âŠ] Monsanto hat uns immer wieder ĂŒberrascht mit souverĂ€nem Handling mysteriöser TodesfĂ€lle, widerspenstiger Regierungen, uneinsichtiger Wissenschaftler. Das filigrane Kurzpassspiel zwischen US-Regierung, CIA, privaten âSicherheitsfirmenâ und Monsanto â das war groĂer Sport. Und wie bei Gentechgegnern und Forschern plötzlich die Lichter ihrer Computer ausgingen â Chapeau! (taz/Kriener 2018)
ZunĂ€chst einmal ist in einer Tageszeitung eine LiebeserklĂ€rung an einen Konzern schon so unwahrscheinlich, dass die Vermutung, es könne sich um Ironie handeln, sofort entsteht. Dann war dieser Aggro-Chemie-Konzern schon vor der Ăbernahme durch den deutschen Bayer-Konzern in der Ăffentlichkeit schlecht beleumundet, u. a. weil er das Entlaubungsmittel Agent Orange produzierte, das die USA im Vietnamkrieg zur Entlaubung der dortigen WĂ€lder eingesetzt hat (vgl. Wikipedia o. J.) und weil der Unkrautvernichter Glyphosat als krebserregend gilt und groĂe internationale Proteste ausgelöst hat (vgl. Deutschlandfunk 2018).
Der Autor des TAZ-Artikels attestiert dem Konzern souverĂ€nes Handling mysteriöser TodesfĂ€lle, widerspenstiger Regierungen, uneinsichtiger Wissenschaftler. Hier wird mit einem deutlich zu Tage tretenden Widerspruch gearbeitet. SouverĂ€n hat positive Konnotationen, soll aber als âkriminell, aber geschicktâ gelesen werden und damit als negativ konnotiert. Und so geht es weiter. Erneut komplimentiert der Autor das Agieren des Konzerns als groĂen Sport, weil er die CIA und private Sicherheitsfirmen gegen seine Kritiker einsetzt. Die Lob-als-Kritik-Strategie des Ironischen durchzieht den Artikel. Chapeau! gilt auch als klassisches Lob, soll hier auf das Gegenteil hindeuten. Gesagt wird etwas Positives, gemeint ist etwas Negatives, nĂ€mlich, dass Monsanto vor keinen kriminellen Machenschaften zurĂŒckschreckt und so mĂ€chtig ist, dass es auch den Staat fĂŒr seine Interessen einspannen kann. Auf solche WissensbestĂ€nde spielt der Artikel nur an.
Bei dem TAZ-Artikel wird Monsanto unterstellt, sich selbst mit all seinen Machenschaften toll zu finden. Autor Kriener denkt das Gegenteil und glaubt, dass die Leser(innen) der TAZ die Doppelkodierung durch das ĂŒbertriebene Lob erkennen, goutieren und seine Haltung teilen werden. Zur Funktion des Ironischen gehören hier die Gemeinschaftsbildung mit den Leser(inne)n und der hohe Unterhaltungswert. Mit der Ironisierung seiner Kritik an dem Aggro-Konzern unterhĂ€lt Kriener das Publikum viel besser als mit einer gradlinig und direkt vorgebrachten Kritik, weil es dadurch, dass es selbst das Gemeinte zu erschlieĂen hat, aktiver einbezogen wird (vgl. Kotthoff 2017; Calpestrati 2021).
Um den ironischen Angriff abzuwehren, hĂ€tte ein Vertreter von Monsanto beispielsweise das Implikatum des TAZ-Artikels zurĂŒckweisen und sagen können, dass Monsanto niemals die Computer von Gentechgegnern angegriffen habe.
(2) Das Ironisieren ist kommunikationsstrategisch kontraproduktiv, wenn im ĂuĂerungskontext kaum jemand den adĂ€quaten Wissenshintergrund zum Verarbeiten der Doppelkodierung aktiviert. Beispielsweise hatte die Kette Burger King 2021 in England am Weltfrauentag den Satz getwittert: Women belong in the kitchen und wollte damit Frauen fĂŒr Positionen in der gehobenen Gastronomie fördern (sie also gerade nicht in die WohnkĂŒche verbannen). Rezipient(inn)en hĂ€tten den alten Chauvi-Spruch umkodieren mĂŒssen, zeigten aber dazu wenig Neigung (es gab Proteste), wohl auch deshalb, weil die gegenteilige Position schwer erkennbar war (vgl. Kelleher 2021). Es hat auch eine Rolle gespielt, dass Burger King vorher nicht als Aktivist der Frauenemanzipation bekannt geworden war. Bei einer feministischen Zeitschrift hĂ€tte die Ironie mit dem Spruch funktioniert. Die gradlinige Lesart einer Aussage wird am schnellsten verweigert, wenn sie der Einordnung des Senders zuwiderlĂ€uft.
(3) Im folgenden Posting auf der Social Media Plattform X (ehemals Twitter) distanziert sich ein linksliberaler Polizeiaccount von einem Polizisten, der laut Medienbericht einen HitlergruĂ geĂ€uĂert und dann als âIrrtumâ (ein Versehen) abgestritten habe. Die Distanzierung erfolgt mithilfe eines ironischen Kommentars, der die Handlung (HitlergruĂ) des Polizisten aufgreift und mit einer fĂŒr entschuldigende Relativierungen bekannten Redewendung veralltĂ€glicht (Wem ist das nicht auch schon passiert). So soll deutlich gemacht werden, dass das Gegenteil gemeint ist. Um die Doppelkodierung aus Diktum (das Gesagte: Zustimmung) und Implikatum (das implizit Gemeinte: Ablehnung der Relativierung) besonders sichtbar zu machen und damit MissverstĂ€ndnisse zu vermeiden, wird die ironische ĂuĂerung mit einem in Social Media bekannten Marker (mit dem Hashtag #ironieoff) explizit als ironisch ausgewiesen.
Abb. 1: Tweet auf X (12.04.2025): Ironische Thematisierung von „Heil Hitler“-ĂuĂerungen eines Polizisten durch einen linksliberalen Polizeiaccount.
Literatur
Zum Weiterlesen
- Gibbs, Raymond W.; Colston, Herbert L. (Hrsg.) (2007): Irony in Language and Thought. A Cognitive Science Reader. New York, London: Lawrence Erlbaum Ass.
- Gibbs, Raymond W.; Colston, Herbert L. (Hrsg.) (2024): The Cambridge Handbook of Irony and Thought. Cambridge University Press.
- Giora, Rachel; Gur, Inbal (2003): Irony in conversation: salience, role, and context effects. In: Nerlich, Brigitte; Todd, Zazie; Herman, Vimala; Clarke, David D. (Hrsg.): Polysemy: Flexible Patterns of Meaning in Mind and Language. Berlin, New York: De Gruyter Mouton, S. 297â316.
Zitierte Literatur und Belege
- Birkner, Karin et al. (2020): EinfĂŒhrung in die Konversationsanalyse. Berlin, Boston: de Gruyter.
- Deutschlandfunk (2018): Monsanto â erklĂ€rt. Online unter: https://www.deutschlandfunk.de/saatguthersteller-monsanto-erklaert-100.html ; Zugriff: 31.01.2025.
- Calpestrati, Nicolo (2021): Ironie als VerfĂŒhrungskunst: Kommunikative Funktionen und pragmatische Effekte ironischer ĂuĂerungen zur Schaffung von Gruppenbildung in halbstrukturierten GesprĂ€chen. Linguistik Online, Jg. 106, Heft 1, S. 47â65.
- Capelotti, Joao Paulo (2024): Satire and Parody. In: Thomas E. Ford et al. (Hrsg.): De Gruyter Handbook of Humor Studies. Berlin, Boston: de Gruyter, S. 327â345.
- GÀbler, Bernd (2016): heute show. Quatsch oder AufklÀrung? Witz und Politik in heute show und Co., 16. Otto Brenner Stiftung. Online unter: https://www.otto-brenner-stiftung.de/fileadmin/user_data/stiftung/05_Presse/02_Pressemitteilungen/2016_09_26_PM_AH88.pdf ; Zugriff: 31.01.2025.
- Grice, Paul (1975): Logic and Conversation. In: Cole, Peter; Morgan, Jerry (Hrsg.): Syntax and Semantics. Bd. 3. New York, San Francisco, London: Brill, S. 41â58. (Dt. 1979): Logik und Konversation. In: Meggle, Georg (Hrsg.): Handlung, Kommunikation, Bedeutung. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, S. 243â266.
- Kelleher, Suzanne Rowan (2021): âWomen Belong In The Kitchenâ: Burger Kingâs International Womenâs Day Tweet Goes Down In Flames. In: Forbes. Online unter: https://www.forbes.com/sites/suzannerowankelleher/2021/03/09/women-belong-in-the-kitchen-burger-kings-international-womens-day-tweet-goes-up-in-flames/ ; Zugriff: 31.01.2025.
- Kotthoff, Helga (1998): SpaĂ Verstehen. Zur Pragmatik von konversationellem Humor. TĂŒbingen: Niemeyer.
- Kotthoff, Helga (2002): Irony, Quotation, and Other Forms of Staged Intertextuality. In: Graumann, Carl; Kallmeyer, Werner (Hrsg.): Perspective and Perspectivity in Discourse. Amsterdam: Benjamins.
- Kotthoff, Helga (2003): Responding to Irony in Different Contexts. On Cognition in Conversation. Journal of Pragmatics, Jg. 35, Heft 9, S. 1387â1411. Nachgedruckt 2007 in Gibbs, Raymond; Colston, Herbert L. (Hrsg.): Irony in Language and Thought. A Cognitive Science Reader. New York: Lawrence Erlbaum, S. 381â409.
- Kotthoff, Helga (2009): An interactional approach to irony development. In: Chiaro, Delia; Norrick, Neal (Hrsg.): Humor in interaction. Amsterdam: Benjamins, S. 49â79.
- Kotthoff, Helga (2017): Ironie im Radiotext und im GesprĂ€ch. In: Muttersprache. Vierteljahresschrift fĂŒr deutsche Sprache, Jg. 127, Heft 3, S. 40â52.
- Kriener, Manfred (2018): LiebeserklÀrung an Monsanto. TAZ 9./10.6.2018.
- Lapp, Edgar (1992): Linguistik der Ironie. TĂŒbingen: Narr.
- Markewitz, Friedrich (2024): Ironie. Heidelberg: UniversitÀtsverlag Winter.
- MĂŒller, Marika (1995): Die Ironie. Kulturgeschichte und Textgestalt. WĂŒrzburg: Königshausen und Neumann.
- Stempel, Wolf-Dieter (1976): Ironie als Sprechhandlung. In: Preisendanz, Wolfgang; Warning, Rainer (Hrsg.): Das Komische. MĂŒnchen: Wilhelm Fink, S. 205â237.
- Verschueren, Jef (2000): Notes on the Role of Metapragmatic Awareness in Language Use. In: Pragmatics, Jg. 10, Heft 4, S. 439â456.
- Wilson, Deidra; Sperber, Dan (1992): On Verbal Irony. Lingua, Jg. 87, Hefte 1â2, S. 53â76.
- Winner Ellen (1988): The Point of Words: Children’s Understanding of Metaphor and Irony. Cambridge: Harvard University Press.
- Wikipedia (o. J.): Monsanto. Online unter: https://en.wikipedia.org/wiki/Monsanto ; Zugriff: 31.01.2025.
Abbildungsverzeichnis:
- Abb. 1: Tweet auf X (12.04.2025): Ironische Thematisierung von „Heil Hitler“-ĂuĂerungen eines Polizisten durch einen linksliberalen Polizeiaccount. Online unter: https://x.com/PolizeiGruen/status/1911067615784501506 ; Zugriff: 08.06.2025.
Zitiervorschlag
Kotthoff, Helga (2025): Ironie. In: Diskursmonitor. Glossar zur strategischen Kommunikation in öffentlichen Diskursen. Hg. von der Forschungsgruppe Diskursmonitor und Diskursintervention. Veröffentlicht am 10.06.2025. Online unter: https://diskursmonitor.de/glossar/ironie. Â
DiskursGlossar
Grundbegriffe
Begriffsgeschichte
Die Begriffsgeschichte lĂ€sst sich allgemein als eine historische Methode beschreiben, die den zeitlichen Wandel der Bedeutungen von bestimmten AusdrĂŒcken untersucht. Da einzelne Worte nie isoliert begegnen und ihre jeweiligen Bedeutungen erst im Kontext gröĂerer sprachlicher ZusammenhĂ€nge oder semantischer Felder greifbar werden, verbindet sie sich flexibel mit anderen Methoden historischer Semantik, wie etwa der Diskursgeschichte, der Argumentationsgeschichte oder der Metaphernforschung (Metaphorologie).
Diskurssemantische Verschiebung
Mit dem Begriff der diskurssemantischen Verschiebung wird in der Diskursforschung ein Wandel in der öffentlichen Sprache und Kommunikation verstanden, der auf mittel- oder lĂ€n-gerfristige VerĂ€nderung des Denkens, Handelns und/oder FĂŒhlens gröĂerer Gesellschafts-gruppen hinweist.
DomÀne
Der Begriff der DomĂ€ne ist aus der soziologisch orientierten Sprachforschung in die Diskursforschung ĂŒbernommen worden. Hier wird der Begriff dafĂŒr verwendet, um Muster im Sprachgebrauch und kollektiven Denken von sozialen Gruppen nach situationsĂŒbergreifenden TĂ€tigkeitsbereichen zu sortieren.
Positionieren
Positionieren ist Grundbestandteil menschlicher Kommunikation. Wann immer wir miteinander interagieren und kommunizieren, bringen wir uns selbst, andere und die Objekte, ĂŒber die wir sprechen, in bestimmte Relationen zueinander.
Deutungsmuster
Unter einem Deutungsmuster wird die problem- und lösungsbezogene Interpretation gesellschaftlicher und politischer TatbestĂ€nde verstanden, die Aussicht auf Akzeptanz in sozialen Gruppen hat. Der Begriff des Deutungsmusters hat Ăhnlichkeit mit den Begriffen der Theorie und Ideologie. Meist werden gesellschaftlich verbreitete Leitdeutungen, die oft mit Schlagwörtern und Argumentationsmustern einhergehen (wie Globalisierung, Kapitalismus, Leistungsgesellschaft, Chancengleichheit etc.) als Beispiele fĂŒr Deutungsmuster genannt.
Sinnformel
âWer sind wir? Woher kommen, wo stehen und wohin gehen wir? Wozu leben wir?â Auf diese und Ă€hnliche existentielle Fragen geben Sinnformeln kondensierte Antworten, die in privaten wie sozialen Situationen Halt und Argumenten in politischen und medialen Debatten einen sicheren Unterbau geben können.
Praktik
Eine Praktik ist ein spezifisches, situativ vollzogenes und sinnhaftes BĂŒndel von körperlichen Verhaltensweisen, an dem mehrere Menschen und Dinge beteiligt sein können (z. B. Seufzen, um Frust auszudrĂŒcken, oder einen Beschwerdebrief schreiben, FuĂballspielen).
Kontextualisieren
Kontextualisieren wird im allgemeineren bildungssprachlichen Begriffsgebrauch verwendet, um das Einordnen von etwas oder jemandem in einen bestimmten Zusammenhang zu bezeichnen.
Narrativ
Mit der diskursanalytischen Kategorie des Narrativs werden Vorstellungen von komplexen Denk- und Handlungsstrukturen erfasst. Narrative in diesem Sinne gehören wie Schlagwörter, Metaphern und Topoi zu den Grundkategorien der Analyse von Diskursen.
Argumentation
Argumentation bezeichnet jene sprachliche TĂ€tigkeit, in der man sich mithilfe von GrĂŒnden darum bemĂŒht, die Richtigkeit einer Antwort auf eine bestimmte Frage zu erweisen. Das kann in ganz verschiedenen Situationen und Bereichen nötig sein, namentlich um eine poli-tische, wissenschaftliche, rechtliche, unternehmerische oder private Angelegenheit zu klĂ€ren.
Techniken
AI-Washing/KI-Washing
Unter AI-Washing ist die Praxis von Unternehmen oder Organisationen zu verstehen, Produkte, Dienstleistungen oder GeschĂ€ftsmodelle mit dem Etikett âKĂŒnstliche Intelligenzâ (KI bzw. âArtificial Intelligenceâ (AI)) zu versehen, obwohl deren tatsĂ€chlicher Einsatz von KI-Technologien entweder stark ĂŒbertrieben, nur marginal vorhanden oder ĂŒberhaupt nicht gegeben ist.
Dogwhistle
Unter Dogwhistle wird in Teilen der Forschung eine doppeldeutige ĂuĂerung verstanden, die eine offene und eine verdeckte Botschaft an jeweils eine Zuhörerschaft kommuniziert.
Demonstrieren
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Boykottaufruf
Der Boykottaufruf ist eine MaĂnahme, die darauf abzielt, ein Ziel, also meist eine VerhaltensĂ€nderung des Boykottierten, hervorzurufen, indem zu einem Abbruch etwa der wirtschaftlichen oder sozialen Beziehungen zu diesem aufgefordert wird.
Tabuisieren
Das Wort Tabuisierung bezeichnet die Praxis, etwas UnerwĂŒnschtes, AnstöĂiges oder Peinliches unsichtbar zu machen oder als nicht akzeptabel zu markieren. Das Tabuisierte gilt dann moralisch als unsagbar, unzeigbar oder unmachbar.
Aus dem Zusammenhang reiĂen
Das Aus-dem-Zusammenhang-ReiĂen gehört in den Funktionskreis der Redewiedergabe bzw. der Wiedergabe kommunikativer Ereignisse. Es kann (1) als intentionale argumentativ-polemische Strategie fĂŒr ganz unterschiedliche diskursive Zielsetzungen von Akteuren genutzt werden, oder (2) es kann SprecherInnen und SchreiberInnen in unbeabsichtigter, fehlerhafter Weise unterlaufen.
Lobbying
Lobbying ist eine Form strategischer Kommunikation, die sich primĂ€r an Akteure in der Politik richtet. Beim Lobbying wird ein BĂŒndel von kommunikativen TĂ€tigkeiten mit dem Ziel eingesetzt, die Entscheidungen von Personen mit politischem Mandat oder den Entstehungsprozess von neuen Gesetzestexten interessengeleitet zu beeinflussen.
Karten
Karten dienen dazu, Raumausschnitte im Hinblick auf ausgewÀhlte Charakteristika so darzustellen, dass die Informationen unmittelbar in ihrem Zusammenhang erfasst und gut kommuniziert werden können. Dazu ist es notwendig, Daten und Darstellungsweisen auszuwÀhlen und komplexe und oft umkÀmpfte Prozesse der Wirklichkeit in einfachen Darstellungen zu fixieren.
Pressemitteilung
Pressemitteilungen sind standardisierte Mitteilungen von Organisationen, die sich an Journalist:innen und andere Multiplikator:innen richten. Sie dienen der offiziellen und zitierfĂ€higen Informationsweitergabe und ĂŒbernehmen zugleich strategische Funktionen in der öffentlichen Kommunikation und Meinungssteuerung.
Shitstorm
Der Begriff Shitstorm beschreibt eine relativ junge Diskurskonstellation, die seit den 2010er Jahren an Bedeutung gewonnen hat und gemeinhin als Online-Wutausbruch bezeichnet wer-den kann.
Schlagwörter
BrĂŒckentechnologie
Ganz allgemein wird unter dem Schlagwort der BrĂŒckentechnologie sowohl in den öffentlichen Medien als auch in technisch und wirtschaftlich dominierten Kontexten eine Technologie verstanden, die zeitlich befristet eingesetzt werden soll, bevor in Zukunft der Ăbergang zu einer als sinnvoller eingeschĂ€tzten anderen Technologie möglich ist.
Deindustrialisierung
Der Ausdruck Deindustrialisierung (auch De-Industrialisierung oder als Verb deindustrialisieren) beschreibt im öffentlichen Sprachgebrauch eine negativ bewertete Form des Strukturwandels durch RĂŒckgang von produzierendem Gewerbe.
Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit als ein Schlagwort des öffentlichen Diskurses bezieht sich ganz allgemein auf einen ressourcenschonenderen Umgang mit dem, was uns Menschen der Planet Erde bietet, mit dem Ziel, dass auch nachfolgende Generationen noch die Möglichkeit haben, Àhnlich gut zu leben wie wir heute (Generationengerechtigkeit).
Echokammer
Der Begriff der Echokammer steht in seiner heutigen Verwendung vor allem im Zusammenhang mit der Nutzung Sozialer Medien. Er verweist metaphorisch auf einen digitalen Kommunikations- und Resonanzraum, in dem Mediennutzer*innen lediglich Inhalten begegnen, die ihre eigenen, bereits bestehenden Ansichten bestÀtigen, wÀhrend abweichende Perspektiven und Meinungen ausgeblendet bzw. abgelehnt werden.
Relativieren
Der Ausdruck relativieren besitzt zwei zentrale Bedeutungsvarianten: In bildungssprachlichen und wissenschaftlichen Kontexten bezeichnet er eine analytische Praxis, bei der Aussagen, Begriffe oder PhÀnomene durch Bezugnahme auf andere Sachverhalte eingeordnet, differen-ziert und in ihrer Geltung prÀzisiert werden.
Massendemokratie
GeprĂ€gt wurde der Begriff Massendemokratie im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts von völkisch-konservativen Akteuren (prominent darunter Carl Schmitt 1926). Der Ausdruck Masse hatte damals bei den bĂŒrgerlichen Eliten eine rundum bedrohliche Assoziation.
Social Bots
Als Social Bots werden Computerprogramme bezeichnet, die in der Lage sind, in sozialen Medien Kommunikation menschlicher Nutzer*innen (teilweise) automatisiert nachzuahmen.
KriegsmĂŒdigkeit
Der Ausdruck KriegsmĂŒdigkeit bezeichnet die emotionale und physische Erschöpfung von Menschen, die einen Krieg erleben, sowie die gesellschaftliche und politische ErmĂŒdung angesichts langanhaltender Konflikte. Er beschreibt den sinkenden Kampfeswillen bei Kriegsparteien und heute wird er auch fĂŒr das wachsende Desinteresse an Kriegsthemen in Medien und Ăffentlichkeit genutzt.
Woke
Der Ausdruck woke stammt aus dem afroamerikanischen Englisch und bezeichnete dort zunĂ€chst den Bewusstseinszustand der AufgeklĂ€rtheit ĂŒber die Verbreitung von rassistischen Vorurteilen und Diskriminierung unter Angehörigen ethnischer Minderheiten.
IdentitÀt
Unter IdentitĂ€t versteht man allgemein die Summe von Merkmalen, die Individuen oder sozialen Kollektiven â etwa Nationen, Organisationen oder sozialen Gruppen â als charakteristisch oder gar als angeboren zugeordnet werden.
Verschiebungen
Dehumanisierung
Mit Dehumanisierung bzw. Anthropomorphisierung werden solche kommunikativen Techniken und Praktiken bezeichnet, die Personen, Sachverhalten oder GegenstÀnden menschliche Eigenschaften ab- bzw. zusprechen. Dehumanisierung und Anthropomorphisierung können sowohl durch sprachliche Mittel als auch durch andere, z. B. bildliche, Zeichen vollzogen werden.
Kriminalisierung
KriminalitĂ€t meint ein Verhalten, das gegen ein Gesetz verstöĂt. Folglich bedeutet Kriminalisierung im engeren Sinne den Vorgang, durch den Verhalten ungesetzlich gemacht wird â indem Gesetze geschaffen werden.
Versicherheitlichung
In akademischen Kontexten wird Versicherheitlichung in Abgrenzung zu einem naiv-realistischen SicherheitsverstĂ€ndnis verwendet. Dieses betrachtet Sicherheit als einen universell erstrebenswerten und objektiv feststellbaren Zustand, dessen Abwesenheit auf das Handeln von Akteuren zurĂŒckzufĂŒhren ist, die feindselig, kriminell, unverantwortlich oder zumindest fahrlĂ€ssig agieren.
Ăkonomisierung
Ăkonomisierung wird in gegenwĂ€rtigen Diskursen in der Regel zur Bezeichnung von Prozessen verwendet, in denen die spezifisch wirtschaftlichen Funktions-Elemente wie Markt, Wettbewerb/Konkurrenz, Kosten-Nutzen-KalkĂŒle, Effizienz, Gewinnorientierung in Bereiche ĂŒbertragen werden, die zuvor teilweise oder ganz nach anderen Leitkriterien ausgerichtet waren
Moralisierung
Moralisierung verlagert Macht- und Interessenkonflikte in die SphÀre der Kommunikation von Achtung / Missachtung. Sie reduziert Ambivalenz zugunsten einer Polarisierung von gut und böse.
Konstellationen
Krise
Krise ist vom Wort mit fachsprachlicher Bedeutung zur Zeitdiagnose und einem zentralen Begriff der öffentlich-politischen Kommunikation geworden. Der öffentlich-politische Krisenbegriff ist dabei â unabhĂ€ngig vom Gegenstand der Krise â in eine krisendiskurstypische Konstellation zur BegrĂŒndung von krisenĂŒberwindenden Handlungen eingebettet.
Partizipatorischer Diskurs
Partizipation ist mittlerweile von der Forderung benachteiligter Personen und Gruppen nach mehr Beteiligung in der demokratischen Gesellschaft zu einem Begriff der Institutionen selbst geworden: Kein Programm, keine Bewilligung mehr, ohne dass bestimmte Gruppen oder Personen dazu aufgefordert werden, fĂŒr (mehr) Partizipation zu sorgen.
Skandal
Die Diskurskonstellation des Skandals zeichnet sich durch eine in den Medien aufgegriffene (bzw. durch sie erst hervorgerufene) empörte Reaktion eines erheblichen Teils der Bevölkerung auf einen tatsĂ€chlichen oder vermeintlichen Missstand aus. Die schuldhafte Verursachung dieses Missstandes wird dabei einem gesellschaftlichen Akteur zugeschrieben, dessen Handeln als âunmoralischâ gedeutet wird.
DiskursReview
Review-Artikel
Der Totalverweigerer â Anmerkungen zu einer Diskursfigur der Feindbildproduktion im Sicherheits- und Sozialdiskurs
Die Bezeichnung Totalverweigerer wurde ursprĂŒnglich in den spĂ€ten 70er Jahren im Rahmen der Auseinandersetzungen um die Inanspruchnahme des Rechtes auf Kriegsdienstverweigerung nach § 4.3 GG verwendet. Mit diesem Ausdruck wurden junge MĂ€nner stigmatisiert, die nicht nur den Wehrdienst, sondern auch den (lĂ€ngeren) zivilen âErsatzdienstâ (spĂ€ter âZivildienstâ) verweigerten und damit, wie auch nicht-anerkannte Kriegsdienstverweigerer, Haftstrafen riskierten. Wer Zwangsdienste aus GewissensgrĂŒnden ablehnte, wurde darĂŒber hinaus wahlweise als politisch unzuverlĂ€ssig, fehlgeleitet-ĂŒberspannt, renitent, feige und/oder faul markiert.
Memes als moderne Propaganda â Eine sprach- und medienkritische Untersuchung
Digitale Kommunikationsformen prÀgen heutige gesellschaftliche Debatten weitaus stÀrker als die klassischen Medien. Ihr Einfluss auf die politische Meinungsbildung und die Ausbildung ideologischer Positionen ist inzwischen unverkennbar und zÀhlt zu den markantesten Entwicklungen der digitalen Gegenwart. Besonders hervorzuheben sind Memes: Sie verbreiten sich schnell, arbeiten mit humoristischen Mitteln und verdichten komplexe Inhalte auf ein Minimum an Zeichen. In öffentlichen Diskursen werden sie daher nicht mehr als spielerisches InternetphÀnomen betrachtet, sondern als ernstzunehmendes Instrument politischer Kommunikation und den damit einhergehenden propagandistischen Strategien.
Zeitalter der Polykrisen â Was sagt die Polykrise ĂŒber die Gegenwart und Zukunft?
Beim Durchscrollen der Tagesschlagzeilen ist einem in den letzten Jahr wahrscheinlich der Ausdruck Polykrise ins Blickfeld geraten. Solche Schlagzeilen in deutschsprachigen Medien lauten beispielsweise (1) âKlimawandel, Krieg in der Ukraine, AbstiegsĂ€ngste – die Welt ist aus den Fugen geraten: Drei BĂŒcher zeigen Wege aus der Polykriseâ (Friedl 2026); (2) âKritische Psychotherapie: Psychotherapie in der Polykriseâ (Dicks 2026); (3) âOptimismus in der Polykriseâ (Kolev 2025); (4) âWas tun gegen die …
âGenderwahnâ als sprachkritische Abwertung: Eine kritische Betrachtung
âDie Debatte ĂŒber Gendern und Nicht-Gendern kann ich schon nicht mehr hören. Soll es doch jeder machen, wie er es selbst will.â Dieses Zitat Ă€uĂert der ehemalige Bundeskanzler Olaf Scholz im Rahmen der Feier zugunsten des Grundgesetzes, welches im Jahre 2024 den 75. Geburtstag feierte (vgl. Steinkohl et al. 2024). Deutlich wird hierbei, dass die Thematik rund um das Gendern in der Politik aufgefasst wird. Allerdings wird gleichzeitig deutlich, dass die Debatte in der Ăffentlichkeit stark kritisiert …
Klimaterroristen: Wie Sprache politische Fronten schafft
Der öffentliche Diskurs ĂŒber Klimaaktivismus ist in den vergangenen Jahren zunehmend polarisiert. Vor diesem Hintergrund hat sich der Ausdruck Klimaterrorist zu einem politisch und gesellschaftlich stark aufgeladenen Schlagwort entwickelt, das im Jahr 2022 als âUnwort des Jahresâ gewĂ€hlt wurde (vgl. 2020ff. â Unwort des Jahres). Seine Verwendung verweist auf Konflikte ĂŒber LegitimitĂ€t, Moral und RechtmĂ€Ăigkeit verschiedener Formen des Protests. Gleichzeitig fungiert der Begriff als sprachliches …
Negativ konnotierte Fremdzuschreibung durch diskriminierende Begriffe â Ein sprachkritischer Beitrag zur Bezeichnung âKanakeâ und dem Zukunftswort âTalahonâ
âGerade diese scheinbar âșmildenâč Formen des Rassismus, die ĂŒber die Sprache transportiert werden, sind schwer zu bekĂ€mpfen, da vielen Menschen nicht klar zu sein scheint, welche Macht Sprache besitzt.â (Kunz, 2021, S. 58).
Der Begriff âKanakeâ (teilweise auch âKanackeâ) bedeutet in seiner ursprĂŒnglichen Bedeutung Mensch und bezeichnete Bewohner*innen der Inselgruppe Neukaledoniens im sĂŒdlichen Pazifik (vgl. Trost, 2002). Dem Gebrauch lag dabei die Charakterisierung einer spezifischen Gesellschaft …
Wenn aus Vielen Einer wird â Warum pauschale Nationsbezeichnungen sprachlich gefĂ€hrlich sind
âIn dieser Situation sind die Deutschen sehr unzufrieden mit der Arbeit der Politik.â (Kinkartz, 2025), schreibt die Deutsche Welle im November 2025. Gemeint ist dabei keine einzelne Person oder klar definierte Gruppe, sondern eine ganze Nation, welche mit einem einzigen Artikel zu einem scheinbar einheitlichen Kollektiv zusammengefasst wurde. Solche Formulierungen sind kein Einzelfall. Ăhnliche Beispiele, wie âDie Russen greifen an vielen Stellen anâ (Die Welt am Morgen, 2024), âDie Ukrainer …
Das Crazy, wenn Worte BrĂŒcken zwischen Generationen sprengen! â Eine sprachkritische Betrachtung von Jugendsprache: Mediale Darstellung, Generationenkonflikt und PĂ€dagogische EinschĂ€tzung
Das Jugendwort des Jahres 2025 lautet âdas Crazyâ. Es meint: âEs gibt keine wirklich passende Antwort. Oder keine wirklich höfliche. Oder eine zu ausfĂŒhrliche, auf die der Antwortende aber gerade keine Lust hat. Oder einfach nur okayâ (Tagesschau, 2025). Torsten StrĂ€ter, Kabarettist und Vertreter der Generation X, hört es und stockt: ââŠdas sind zwei Worte⊠[auĂerdem] fehlt eins⊠Vielleicht bin ich ein zu verknöcherter alter Mann geworden, dass ich mich ĂŒber so eine KaÂcke⊠Wer es sagt â Ohrfeigeâ …
âStadtbildâ als politisches Schlagwort â Ein sprach- und medienkritischer Beitrag zur migrationspolitischen ĂuĂerung von Friedrich Merz
Im Rahmen einer Pressekonferenz Ă€uĂerte sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am 14. Oktober 2025 bei einem Besuch in Brandenburg zur Migrationspolitik. Er verwies dabei auf sinkende Migrationszahlen sowie auf bereits geplante und umgesetzte MaĂnahmen, insbesondere RĂŒckfĂŒhrungen. Merz verwendete dabei den Ausdruck âStadtbildâ, der im gegebenen Kontext negativ konnotiert wurde und sich daraufhin innerhalb kurzer Zeit zu einem politischen Schlagwort entwickelte.
Ausgangspunkt war eine journalistische …
Sprache im Scroll-Modus – Brainrot, Memes und medienkritische Deutungen der kindlichen Kommunikation
Laut der KIM-Studie im Jahr 2024 nutzten 54 Prozent der 6- bis 13-JĂ€hrigen tĂ€glich das Internet (mpfs, 2024). Das sind 7 Prozent mehr als im Jahr 2022 (mpfs, 2024). Besonders auffĂ€llig ist, dass 23 Prozent dieser Altersgruppe tĂ€glich oder fast tĂ€glich TikTok verwenden, wĂ€hrend Instagram nur von 11 Prozent genutzt wird (mpfs, 2024). Mit der intensiveren Nutzung der sozialen Medien gewinnen auch Memes an Bedeutung: Dabei handelt es sich um multimodale Inhalte aus Texten, Bildern, Videos, GIFs, Sounds …