DiskursGlossar

Skandal

Kategorie: Konstellation
Verwandte Ausdrücke: Medienskandal, Krisenkommunikation, Affäre, -gate, Shitstorm, Empörung, Tabubruch; Skandalisierung
Siehe auch: Entlarven, Skandalisierung
Autor/in: Felix Tripps
Version: 1.0 / Datum: 10.03.2022

Kurzzusammenfassung

Die Diskurskonstellation des Skandals zeichnet sich durch eine in den Medien aufgegriffene (bzw. durch sie erst hervorgerufene) empörte Reaktion eines erheblichen Teils der Bevölkerung auf einen tatsächlichen oder vermeintlichen Missstand aus. Die schuldhafte Verursachung dieses Missstandes wird dabei einem gesellschaftlichen Akteur zugeschrieben, dessen Handeln als ‚unmoralisch‘ gedeutet wird. Aufgrund dieser Tatsache sind vor allem diejenigen Akteure prädestiniert dafür, zum Gegenstand eines Skandals zu werden, denen ein besonders hoher moralischer Anspruch bzw. eine hohe moralische Verantwortung zugeschrieben wird.

Für die Entstehung eines Skandals ist vor allem die kommunikative Technik des Skandalisierens relevant. Hiermit sind kommunikative Handlungen gemeint, die darauf abzielen, öffentlichkeitswirksam auf einen (vermeintlichen) Missstand aufmerksam zu machen, diesen auf eine (vermeintliche) moralische Verfehlung eines gesellschaftlichen Akteurs zurückzuführen und so öffentliche Empörung auszulösen.

Erweiterte Begriffsklärung

Zentral für die Konstellation des Skandals ist das Zusammenspiel von öffentlicher Skandalisierung und Empörung. Ohne eine breite öffentliche Empörung fehlt es den medialen Skandalisierungen von Missständen oder moralischen Verfehlungen an sozialer Brisanz. Ohne mediale Aufmerksamkeit wiederum droht die (teil)gesellschaftliche Empörung aufgrund fehlender Reichweite nur ein lokales Phänomen und somit wirkungslos zu bleiben (vgl. Hondrich 2002: 15).

Der Ausdruck Skandal wird sowohl als wissenschaftlicher Analysebegriff als auch als operativer Begriff (Schlagwort) verwendet. Als Analysebegriff dient er der deskriptiven Benennung der oben beschriebenen Diskurskonstellation (z.B. in den Sozial-, Kommunikations- und Medienwissenschaften). In seiner operativen Verwendung kann der Ausdruck zur Bewertung eines Sachverhaltes als ‚Missstand‘ bzw. von Handlungen bestimmter Akteure als ‚moralische Verfehlungen‘ genutzt werden (Das ist doch ein Skandal!). Durch die Benennung eines Sachverhalts als Skandal wird dabei immer eine moralische Verurteilung vorgenommen, die den Adressaten einer solchen Äußerung Empörung als Reaktion nahelegt. So kann die Benennung von Sachverhalten als Skandal genutzt werden, um öffentliche Empörung auszulösen und somit auch zur Herbeiführung ebendieser Diskurskonstellation beitragen.

An einem Skandal sind folgende Diskursakteure beteiligt: (1) Der Skandalisierte, dem öffentlich die schuldhafte und moralisch verwerfliche Verursachung eines gesellschaftlichen Missstands vorgeworfen wird, (2) die Skandalisierer, die diese Verfehlung öffentlich enthüllen bzw. die öffentliche Aufmerksamkeit darauf lenken, und (3) eine Gruppe von Dritten, die auf die Enthüllungen (üblicherweise empört) reagieren (s. hierzu die „Skandaltriage“ von Neckels 1989: 58 f.). Diese Akteurskonstellation zeichnet sich des Weiteren durch eine Lagerbildung aus: Auf der einen Seite stehen hierbei die Skandalisierer (zumeist Medien oder reichweitenstarke NGOs) und eine empört reagierende (Teil-)Öffentlichkeit. Sie stehen auf der Seite der ‚Guten‘ und bilden gewissermaßen eine ‚Gemeinschaft der Verteidiger moralischer Normen‘. Auf der anderen Seite steht der Skandalisierte in der Rolle des ‚unmoralisch‘ und somit ‚verwerflich‘ handelnden Verursachers des beklagten Missstandes.

Als Folge ihres als ‚unmoralisch‘ gedeuteten Handelns werden diese von der ‚Gemeinschaft der Moralischen‘ ausgeschlossen. Soziale, politische oder auch rechtliche Sanktionen gegen sie werden in dieser Konstellation folglich als legitime, wenn nicht sogar notwendige Konsequenzen wahrgenommen. Dies führt auch dazu, dass eine öffentliche Solidarisierung bzw. das Sympathisieren anderer Akteure mit dem Skandalisierten mit dem Risiko verbunden ist, selbst Gegenstand der Kritik und Empörung zu werden.

Aufgrund dieser Gegebenheit generieren Skandale somit auch Identifikationsmöglichkeiten und (re-)produzieren verschiedene heterogene Öffentlichkeiten.

Typischer Verlauf

Skandale verlaufen häufig nach einem ähnlichen Muster. Steffen Burkardt formuliert in diesem Zusammenhang für den prototypischen Ablauf eines Skandals folgende aufeinanderfolgende Phasen (vgl. Burkardt 2011: 142 ff. und 2015: 184-201):

  1. Latenzphase: Die Protagonisten und Schlüsselereignisse des Skandals werden in der Öffentlichkeit durch journalistische Berichterstattung bekannt gemacht. Die Berichterstattung setzt scheinbar plötzlich ein und nimmt schlagartig zu.
  2. Aufschwungphase: Die betroffenen Protagonisten und Schlüsselereignisse werden in der Medienberichterstattung kontextualisiert und weitere thematische Aspekte des skandalisierten Sachverhalts werden in den Diskurs eingespeist. Die Medienberichterstattung nimmt in der Aufschwungphase weiter zu.
  3. Etablierungsphase: Die skandalisierten Akteure werden von der Öffentlichkeit angehört. In dieser Phase wird das Verhalten der Skandalisierten am öffentlichen Moralkodex gemessen und bewertet. Anschließend richtet die Öffentlichkeit gewissermaßen über die Schuld oder Unschuld der Skandalisierten mit dem letztlichen Ziel, das öffentliche Fehlverhalten der Skandalisierten zu korrigieren. Im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Gruppen oder Organisationen (z.B. politische Parteien) kann dieser Aspekt auch die Funktion der gruppeninternen Disziplinierung erfüllen. Skandale sind dann auch Schauprozesse, um exemplarisch den Umgang mit ‚Moralbrechern‘ vorzuführen bzw. den gruppeninternen moralischen Erwartungshorizont zu bekräftigen. Am Ende der Etablierungsphase steht der Höhepunkt des Skandals: Je nach Ausgang werden die Skandalisierten entweder von der ‚Gemeinschaft der Moralischen‘ ausgegrenzt oder es erfolgt keine symbolische Ausgrenzung.
  4. Abschwungphase: Der moralische Konflikt gilt nun als gelöst. Die Medienberichterstattung reflektiert das von der Öffentlichkeit gefällte Urteil sowie die bisherigen Diskursabläufe retrospektiv.
  5. Rehabilitationsphase: Die Ereignisse des Medienskandals werden marginalisiert bzw. nicht länger thematisiert. Es erfolgt eine Rückkehr vom Ausnahmezustand der Empörung zum Normalzustand. Sofern die empörte Öffentlichkeit mit der Reaktion des Skandalisierten oder den anderweitigen Konsequenzen zufrieden ist, wird dessen symbolische Ausgrenzung aufgehoben und der betroffene Akteur kann nun soziales Kapital (z.B. Reputation) zurückgewinnen.

Allerdings weicht der Ablauf konkreter Fallbeispiele nicht selten von dem oben beschriebenen prototypischen Schema ab, da der Verlauf eines Skandals von zahlreichen Einflussfaktoren abhängt. Kepplinger et al. (2002) formulieren daher ein alternatives Ablaufschema, das versucht, den unterschiedlichen Möglichkeiten des Ablaufs eines Skandals Rechnung zu tragen:

 
Abb1 Skandal
Abbildung 1: Missstand, Skandalisierung und Folgen (nach Kepplinger et al. 2002: 86)

Die Diskurskonstellation des Skandals ist keineswegs ein modernes Phänomen. Tatsächlich wird die erste dokumentierte Verwendung des Begriffs in das vierte Jahrhundert vor Christus datiert (vgl. Burkhardt 2011: 132). Ohne eine massenmediale Öffentlichkeit blieben Skandale zu dieser Zeit aber lokal begrenzte Phänomene. Seit der Verbreitung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert zeichnen sich Skandale durch eine zunehmende Kopplung an (massen)mediale Kommunikation aus (vgl. Thompson 2000; vgl. Burkhardt 2011: 132). In Anlehnung an Thompson unterscheidet Burkhardt bei der Evolution von Skandalen drei Medialisierungsgrade:

  • Skandal: Ein (ortsgebundener) Skandal ohne Medienberichterstattung
  • medialisierter Skandal: Ein Skandal, über den medial berichtet wird
  • Medienskandal: Ein von den Medien erst produzierter Skandal

Gegenstrategien

Aus der Perspektive der skandalisierten Akteure bergen Skandale immer die Gefahr unerwünschter sozialer, politischer oder gar rechtlicher Konsequenzen. Aus diesem Grund versuchen die Betroffenen in der Regel kommunikative Gegenstrategien anzuwenden, um die für sie negativen Auswirkungen des Skandals (wie z.B. Imageverlust) zu verhindern bzw. zu minimieren.

Hierbei lassen sich grundsätzlich zwei Ansätze beschreiben, mit denen skandalisierte Akteure musterhaft auf die für sie gefährliche Diskurskonstellation reagieren:

  1. Zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Deutung des betroffenen Akteurs als ‚schuldhaft unmoralischen Verursacher eines gesellschaftlichen Missstandes‘ noch nicht im Diskurs durchgesetzt hat, kann dieser die negativ wertende Darstellung des Sachverhalts durch eigene Strategische Kommunikation anfechten. Beispielsweise können betroffene Akteure das Bestehen des beklagten Missstands leugnen bzw. versuchen, diesen zu normalisieren oder bagatellisieren. Eine weitere Möglichkeit kann die öffentlichkeitswirksame Umdeutung des skandalisierten Handelns von der ‚schuldhaften Verfehlung‘ zum ‚ehrlichen Fehler‘ oder die Verschleierung von problematischen Handlungen (bspw. durch von möglichen Verursachern absehende Passivierungen: Es ist zu Fehlern gekommen vs. Wir haben Fehler gemacht) sein.
  2. Ist eine glaubhafte Umdeutung des skandalisierten Sachverhalts nicht möglich (oder gescheitert), bleibt den      betroffenen Akteuren die (aufrichtige oder inszenierte) Durchführung von Demutsritualen (z.B. öffentliche Entschuldigungen, Rücktritte von Ämtern) oder Reparationshandlungen (z.B. freiwillige Schadensersatzleistungen, das Einrichten interner Ethikkommissionen, Spenden an wohltätige Zwecke, etc.). Mit kommunikativen Akten dieser Art können skandalisierte Akteure suggerieren, dass der Grund für die öffentlichen Empörung nicht länger bestehe – schließlich habe der Verursacher des Skandals das eigene Fehlverhalten anerkannt, Reue gezeigt und bereits selbst Maßnahmen zur Behebung des Missstands ergriffen. Hat diese Strategie Erfolg, kann es so zur sozialen Rehabilitation des skandalisierten Akteurs kommen und weitere soziale, politische bzw. rechtliche Konsequenzen des Skandals abgewendet werden.

Relevante Techniken / Operationen

Im Zusammenhang mit Skandalen lassen sich einige wiederkehrende kommunikative Techniken bzw. Operationen benennen, die entweder von Skandalisierern oder Skandalisierten angewandt werden.

Hierbei ist zuallererst die Technik des Skandalisierens zu nennen. Damit sind kommunikative Handlungen gemeint, die öffentlichkeitswirksam auf einen (vermeintlichen oder tatsächlichen) gesellschaftlichen Missstand aufmerksam machen und diesen auf (vermeintliche oder tatsächliche) moralische Verfehlungen eines gesellschaftlichen Akteurs zurückführen. Skandalisierungen zielen darauf ab, den beklagten Sachverhalt ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit zu stellen und eine empörte Reaktion der Öffentlichkeit herbeizuführen, die letztlich zu sozialen, politischen oder rechtlichen Konsequenzen führt.

Die Antizipation und bewusste Provokation von Skandalisierungshandlungen können andererseits von Akteuren genutzt werden, um sich selbst gezielt zum Gegenstand von Skandalrufen zu machen und somit öffentliche Aufmerksamkeit zu erlangen. Durch eine kalkulierte Provokation öffentlicher Empörung können also durchaus auch (kurzfristige) medienökonomische Aufmerksamkeitsprofite erzielt werden. Ein klassisches Beispiel hierfür ist die bewusste Verletzung diskursiver Sagbarkeitsgrenzen und die anschließende Relativierung (,Zurückrudern‘), sobald öffentliche Empörung – und mit ihr auch mediale Aufmerksamkeit – einsetzt. So befürwortete beispielsweise die AfD-Politikerin Beatrix von Storch im Januar 2016 in einem Facebook-Posting auf Nachfrage den Einsatz von Schusswaffen gegen geflüchtete Frauen und Kinder, um diese von der Überschreitung der deutschen Außengrenze abzuhalten. Nach dem erwartbaren Einsetzten öffentlicher Empörung zog von Storch ihre Aussage zurück (niemand will auf Menschen schießen) und erklärte ihr Posting damit, auf ihrer Computermaus ausgerutscht zu sein (vgl. syd/dpa 10. Februar 2016: Storch bezeichnet Äußerung über Schüsse auf Flüchtlinge als Fehler).

Eine weitere kommunikative Technik, die im Kontext von Skandalen eine zentrale Rolle spielt, ist die Inszenierung – sei es beim medialen In-Szene-setzen eines Missstandes durch die Skandalisierer oder bei der Durchführung von Demutsritualen (z.B. öffentliche Entschuldigungen) durch die skandalisierten Akteure als Reaktion auf die gesellschaftliche Empörung.

Aufgrund der moralischen Verurteilung, die jeder Skandalisierung innewohnt, spielt hier auch die kommunikative Praktik des Moralisierens eine wichtige Rolle.

Weitere kommunikative Techniken, die im Zusammenhang mit Skandalen von Skandalisierten häufig angewandt werden, um die für sie negativen Konsequenzen des Skandals zu minimieren, sind: Euphemismus, Bagatellisieren, öffentliches Bereuen, präventives Immunisieren, Passivieren.

 

Beispiele

(1) Der „Lobbyismus-Skandal“ um Phillipp Amthor

Am 12. Juni 2020 veröffentlichte das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL Details über die Nebentätigkeiten des CDU-Politikers und Bundestagsabgeordneten Phillipp Amthor beim US-amerikanischen IT-Unternehmen „Augustus Intelligence“. Demnach habe Phillipp Amthor als Mitglied des Aufsichtsrats von „Augustus Intelligence“ unter anderem bei Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier für politische Unterstützung für das Unternehmen geworben und im Gegenzug dafür Aktienoptionen des Unternehmens erhalten. Auf die Berichte von DER SPIEGEL folgte schnell eine Welle weiterer Medienberichte sowie eine empörte Reaktion der (Medien-)Öffentlichkeit. Einen Tag nach der skandalisierenden Meldung von DER SPIEGEL reagierte Amthor mit einem Posting auf seiner Instagram-Seite. In einem Versuch der Schadensbegrenzung räumte er Fehler ein, ohne jedoch eine moralische Schuld einzugestehen (Es war ein Fehler), und verkündete das Ende seiner Nebentätigkeit; gleichzeitig versuchte er, der drohenden moralischen Verurteilung entgegenzuwirken (Ich bin nicht käuflich).

Es war ein fehler Amthor Tweet
Abbildung 2: Instagram-Posting von Philipp Amthor vom 12.06.2020 (https://www.instagram.com/p/CBVde10JeoK/?hl=de; Zugriff: 23.02.2022)

(2) Der „Diesel-Skandal“ um den Automobilhersteller Volkswagen

Im September 2015 gab die US-amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) in einer Verstoßanzeige öffentlich bekannt, dass der Automobilkonzern Volkswagen in der Motorensteuerung seiner Dieselfahrzeuge eine nicht zulässige Software einsetze. Diese hatte die Funktion, den eigentlich unzulässig hohen Schadstoffausstoß der Fahrzeuge in Testsituationen auf dem Prüfstand zeitweise zu verringern, um so geltende Abgasnormen zu umgehen. Die Bekanntmachung dieses Sachverhalts führte auch in Deutschland zu skandalisierenden Medienberichten über die Zusammenhänge und Hintergründe in Bezug auf die Meldungen der US-amerikanischen Umweltbehörde. Schnell war die Rede vom Diesel-Skandal, Abgasskandal, Dieselgate oder VW-Skandal – die Skandalisierung des Sachverhalts war somit geglückt. Im Laufe des Skandals versuchte Volkswagen stetig durch strategische Kommunikation die negativen Auswirkungen für den Konzern zu minimieren (z.B. durch beschwichtigende Pressemitteilungen, demütige Zeitungsanzeigen oder direkte Kundenkommunikation). Beispielsweise schaltete VW zum Tag der deutschen Einheit 2015 folgende Zeitungsanzeige, um dem Imageverlust des Unternehmens entgegenzuwirken.

vw skandal
Abbildung 3: Zeitungsanzeige der Volkswagen AG zum Tag der deutschen Einheit 2015 (Quelle: Welt.de, https://www.welt.de/wirtschaft/article147187813/VW-entschuldigt-sich-mit-riesiger-Werbekampagne.html; Zugriff 23.02.2022)

Neben einem erheblichen (temporären) Imageschaden führte der Skandal in seinem Verlauf dennoch zu zahlreichen personellen und juristischen Konsequenzen. Beispielhaft sei hier auf den Rücktritt des damaligen Konzernchefs Martin Winterkorn am 23. September 2015 und auf das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 25. Mai 2020 verwiesen, in dem das Gericht bestätigte, dass der Automobilkonzern seine Kunden vorsätzlich sittenwidrig geschädigt hat und diesen Schadensersatzansprüche gegenüber VW einräumt (Az. VI ZR 252/19).

 

Literatur

Zum Weiterlesen

  • Hirschi, Caspar (2018): Skandalexperten, Expertenskandale: Zur Geschichte eines Gegenwartsproblems. Matthes & Seitz Berlin Verlag.

Zitierte Literatur

  • Burkhardt, Steffen (2011): Skandal, medialisierter Skandal, Medienskandal:  Eine Typologie öffentlicher Empörung. In: Bulkow, Kristin; Petersen, Christer (Hg.): Skandale. Strukturen und Strategien öffentlicher Aufmerksamkeitserzeugung. 1. Aufl. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften / Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH Wiesbaden, S. 131-156.
  • Burkhardt, Steffen (2015): Medienskandale. Zur moralischen Sprengkraft öffentlicher Diskurse. Köln: Herbert von Halem.
  • Hondrich, Karl Otto (2002): Enthüllung und Entrüstung. Eine Phänomenologie des politischen Skandals. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
  • John B., Thompson (2000): Political Scandal. Power and Visibility in the Media Age. Cambridge: Polity Press.
  • Kepplinger, Hans Mathias; Ehmig, Simone Christine; Hartung, Uwe (2002): Alltägliche Skandale. Eine repräsentative Analyse regionaler Fälle. Konstanz: UVK.
  • Neckel, Sighard (1989): Das Stellhölzchen der Macht. Zur Soziologie des politischen Skandals. In: Ebbinghausen, Rolf/Neckel, Sighard (Hg.): Anatomie des politischen Skandals. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, S. 55-80.
  • SPIEGEL ONLINE (10.02.2016): Storch bezeichnet Äußerung über Schüsse auf Flüchtlinge als Fehler; http://www.spiegel.de/politik/deutschland/afd-beatrix-von-storch-nimmt-aeusserung-ueber-schuesse-auf-fluechtlinge-zurueck-a-1076757.html. (Zugriff: 23.02.2022).

Abbildungsverzeichnis

Zitiervorschlag

Tripps, Felix (2022): Skandal. In: Diskursmonitor. Glossar zur strategischen Kommunikation in öffentlichen Diskursen. Hg. von der Forschungsgruppe Diskursmonitor und Diskursintervention. Veröffentlicht am 10.03.2022. Online unter: https://diskursmonitor.de/glossar/skandal.  

DiskursGlossar

Grundbegriffe

Epistemischer Status

Als epistemischen Status bezeichnet man die Wissensbestände und -zugänge zu Ereignissen, Sachverhalten und Personen, die Gesprächsteilnehmer*innen ihrem Gegenüber in der Interaktion zuschreiben.

Topos

Ein Topos (Plural: Topoi) ist als ein Argumentationsmuster ein allgemeines Formprinzip, nach dem Argumente gebildet werden können. Als allgemeiner, formaler bzw. kontextabstrakter Topos kann er für oder gegen jede in Frage stehende Position angeführt werden. Topoi gehören zum kollektiven Wissen aller, die sich argumentativ äußern.

Strategische Kommunikation

Der Ausdruck Strategische Kommunikation bezeichnet ein Bündel an zeichenbasierten und in der Regel mediengestützten Aktivitäten, mit denen Individuen, Gruppen oder Organisationen versuchen, die Akzeptanz für ihre politischen, ökonomischen, rechtlichen oder anderweitig motivierten Interessen bei ausgewählten Zielgruppen zu halten oder zu erhöhen.

Korpus

In den Sprach- als auch Literaturwissenschaften versteht man unter Korpora ganz allgemein Textsammlungen.

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Protest

Protest ist die kollektive Artikulation von Unbehagen, Kritik oder Veränderungswillen, der sich in bestimmten Handlungen außerhalb etablierter institutioneller Kanäle des politischen Systems äußert. Organisiert wird Protest meist von Initiativen, politischen Gruppierungen oder sozialen Bewegungen in Form von Petitionen, Flugblattaktionen, Demonstrationen, Blockaden, Streiks, Happenings und andere Interventionen in der Öffentlichkeit – in direkter Präsenz, unter Einsatz des Körpers oder auch im virtuellen Raum.

Erzählen

Erzählen ist eine rekonstruktive und kommunikative Tätigkeit, in der für gewöhnlich eine vermittelnde Instanz ein Geschehen darstellt. Die Darstellung kann ein/e ErzählerIn vornehmen (entspricht einer engen Definition des Erzählens) oder sie kann medial anders – beispielsweise filmisch – dargeboten werden (entspricht einer weiten Definition des Erzählens). Dabei beruht das dargestellte Geschehen auf mindestens einem Ereignis.

Konnotation

Konnotation ist ein Fachbegriff, mit dem in der Sprachwissenschaft und benachbarten Disziplinen die Nebenbedeutung (oder der ‚Nebensinn‘) eines Ausdrucks bezeichnet wird. Die konnotative Bedeutung umfasst oft wertende (evaluative) oder handlungsauffordernde (deontische) Aspekte, die mit dem Gebrauch eines Ausdrucks aufgerufen werden können.

Framing

Kommunikationswissenschaftlicher Fachausdruck für den Deutungs- und Bewertungsrahmen, der durch einen politischen Begriff aufgerufen oder ihm fallweise beigegeben wird.

Dramaturgie

Im Rahmen strategischer Kommunikation steht Dramaturgie als Beschreibungsbegriff für den gezielten Rückgriff auf typische dramatische Muster bei der Inszenierung von Ereignissen.

Techniken

Aufwertung/Meliorisierung

Von Aufwertung/Meliorisierung wird in der Linguistik dann gesprochen, wenn ein Wort, das ursprünglich als Fremdbezeichnung der Diffamierung einer bestimmten Volks- oder Personengruppe diente, von dieser selbst dann als positive Eigenbezeichnung verwendet wird.

Domain-Grabbing

In der Internetkommunikation finden sich verschiedene Praktiken, die aus Sicht von Dritten (v.a. Markenhaltern) als illegitime oder gar rechtswidrige Inanspruchnahme von Domain-Namen und damit verbundener Aufmerksamkeitssteuerung kritisiert werden.

Affirmation

Im sprachwissenschaftlichen Sinne bezeichnet Affirmation die Behauptung oder Bejahung einer Aussage. Die affirmative Form eines Wortes oder Satzes ist das Gegenteil zur Verneinung (Negation).

Autoritäts-Topos

So wird – angelehnt an formallogische Darstellungen von Argumentationen (Oberprämisse plus Unterprämisse ergeben die Konklusion) – mit Bezug oder unter Berufung auf Autoritäten, oft auf Wissenschaftlerinnen/Experten in politischen Debatten häufig argumentiert, in diesem Fall bezüglich der Richtigkeit/Angemessenheit einer Bewertung.

Gewaltaufruf

Gewaltaufrufe initiieren und unterstützen eine von nahezu allen sozialen Gruppen ausgeübte kulturelle Praxis, individuelle wie kollektive Konfliktsituationen nicht mit diskursiven, friedlichen Mitteln zu lösen, sondern durch aggressives, repressives, verletzendes und zerstörendes bzw. Verletzung androhendes Handeln, das sowohl auf den Körper wie auf die Psyche von Menschen einwirken kann.

Untersuchungsausschuss

Untersuchungsausschüsse sind ein Kernbestandteil parlamentarischer Kontrolle in Deutschland. Als Verfahren, die zu einem großen Teil öffentlich durchgeführt werden, dienen sie dazu, politische Skandale der Regierung und Verwaltung aufzuarbeiten. Durch ihre Abschlussberichte, die dem Parlament vorgelegt werden, sollen Fehler der Exekutive sichtbar gemacht und Handlungsempfehlungen beschlossen werden.

Kalkulierter Verfassungsverstoß

Der Ausdruck ist paradox und insofern ein Prädikat aus der Beobachtung zweiter Ordnung. Handelnde pflegen ihrem eigenen Verständnis nach nicht kalkuliert – also rechtlich gesprochen: vorsätzlich – gegen die Verfassung zu verstoßen. Ein kalkulierter Verfassungsverstoß ist einem kalkulierten Mord nicht ähnlich.

Jargon

Jargon (aus frz. jargon nach altfrz. gargun ‚Zwitschern‘) bezeichnet eine Sprachgebrauchsform, die mit bestimmten Praxisgemeinschaften (Gruppen, die berufliche oder andere Interessen teilen) assoziiert wird. Jargons werden als ‚typisch‘ für die Mitglieder einer bestimmten sozialen Gruppe und für deren Interessen und soziale Positionen angesehen und dienen somit nach innen wie nach außen als sprachliches Erkennungs- und Abgrenzungsmerkmal.

Kampagne

Eine Kampagne ist die kommunikative Verfolgung eines wirtschaftlichen oder gesellschaftspolitischen Ziels, das nicht ohne andere Menschen zu erreichen ist. Kampagnen zielen auf die Beeinflussung des Denkens und Handelns von Menschen. Damit sind Kampagnen kommunikative Strategien zur Erlangung von Macht.

Lexikalisches Diffundieren

Lexikalisches Diffundieren besteht darin, Begriffe – vor allem Positivbegriffe, die eng mit dem politischen Gegner assoziiert werden – zu meiden und zu ‚ersetzen‘ durch eine Anzahl wechselnder bedeutungsähnlicher Begriffe jenseits des Vokabulars, das dem politischen Gegner zugerechnet wird.

Schlagwörter

Geschlechtergerechte Sprache

Mit dem heute als Fahnenwort gebrauchten Ausdruck geschlechtergerechte Sprache ist die Forderung verbunden, bei Personenbezeichnungen die einseitige, für diskriminierend erklärte Bezugnahme auf einen bestimmten Sexus, konkret: auf das männliche Geschlecht, zu unterlassen.

Identitätspolitik

Der Ausdruck steht heute für eine politische Konstellation, in der konkurrierende Wir-Gemeinschaften mit einer Diskriminierungs- und Benachteiligungsgeschichte in der Öffentlichkeit um Anerkennung konkurrieren. An der Oberfläche geht es ‚identitären‘ Wir-Gemeinschaften darum, die eigene Diskriminierung als Ermächtigungsmotiv an die Öffentlichkeit zu tragen.

Cancel Culture

Cancel Culture ist ein Kampf- und Stigmawort, das sich in skandalisierender Absicht gegen die Praxis (und oft auch bereits gegen die Forderung) des Absagens, Ausladens, Boykottierens moralisch missliebiger und politisch bekämpfter Personen, Organisationen und Positionen in Wissenschaft, Kultur und Politik wendet.

Elite

Einmal wird unter Elite eine Auswahl der Besten und Leistungsfähigsten verstanden, einmal in distanzierender Weise eine abgehobene ‚Kaste‘ der Reichen und Mächtigen im Gegensatz zum Volk. Erstere Variante wird in der Regel zur Verteidigung der etablierten Ordnung verwendet, letztere vor allem von Rechtspopulisten.

Altpartei

Der Ausdruck Altpartei wird in jüngerer Zeit häufig im Kontext des Aufstiegs des Rechtspopulismus und der AfD gebraucht. Dabei lassen sich hauptsächlich zwei Gebrauchsvarianten beobachten: Einerseits richtet sich der Ausdruck in abwertender Weise gegen etablierte Parteien, andererseits taucht er oft in sprachkritischen Kontexten auf, wo seine Verwendung und seine Sprecher kritisiert oder diskreditiert werden.

Verschwörungstheorie

Der Ausdruck gibt sich in der medialen Öffentlichkeit als analytisches Konzept, ist aber zugleich performativ hoch wirksam als Ausschluss aller erfolgreich so benannten Konzepte aus der rationalen öffentlichen Kommunikation.

Inklusion

Inklusion hat sich, ausgehend von einem soziologischen Fachterminus gleichen Namens, in den zwei vergangenen Jahrzehnten zu einem interdiskursiven und allgemeinen Programmbegriff gewandelt.

Innovation

Innovation gehört seit den 60er Jahren zu den häufig verwendeten Schlag– bzw. Fahnenwörtern, vor allem in den Feldern von Ökonomie und Politik. Konzepte und Vorhaben mit der Überschrift Innovation werden oft als Sachzwänge dargestellt, gegen die Einwände als nicht legitim erscheinen.

Postwachstum

Postwachstum ist im deutschsprachigen Diskurs Beschreibungsbegriff und Forderung zugleich: In einer Welt mit endlichen natürlichen Ressourcen müsse die bisher von Wirtschaftswachstum und Ausbeutung abhängige globale Ökonomie radikal verändert werden, um langfristig die menschliche Existenz zu sichern.

Propaganda

Propaganda als Kommunikationstechnik und -praxis umfasst eine Vielzahl von sprachlichen und visuellen, meist mediengestützten Formen der gezielten Beeinflussung und Steuerung des Denkens, Fühlens und Handelns von Menschen.

Verschiebungen

Ökonomisierung

Ökonomisierung wird in gegenwärtigen Diskursen in der Regel zur Bezeichnung von Prozessen verwendet, in denen die spezifisch wirtschaftlichen Funktions-Elemente wie Markt, Wettbewerb/Konkurrenz, Kosten-Nutzen-Kalküle, Effizienz, Gewinnorientierung in Bereiche übertragen werden, die zuvor teilweise oder ganz nach anderen Leitkriterien ausgerichtet waren

Moralisierung

Moralisierung verlagert Macht- und Interessenkonflikte in die Sphäre der Kommunikation von Achtung / Missachtung. Sie reduziert Ambivalenz zugunsten einer Polarisierung von gut und böse.

Konstellationen

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