DiskursGlossar

Konnotation

Kategorie: Grundbegriffe
Verwandte Ausdrücke:
Deontik, Denotation
Siehe auch: Bedeutung, Framing, Verschwörungstheoretiker, Ausgrenzen, Altpartei
Autorin: Fabian Deus
Version: 1.0 / 08.12.2020

Kurzzusammenfassung

Konnotation ist ein Fachbegriff, mit dem in der Sprachwissenschaft und benachbarten Disziplinen die Nebenbedeutung (oder der ‚Nebensinn‘) eines Ausdrucks bezeichnet wird. Die konnotative Bedeutung umfasst oft wertende (evaluative) oder handlungsauffordernde (deontische) Aspekte, die mit dem Gebrauch eines Ausdrucks aufgerufen werden können. Oft lassen sich zeit-, gruppen- oder diskursspezifisch unterschiedliche Konnotationen eines Ausdrucks feststellen, sie darf jedoch nicht mit subjektiven Assoziationen verwechselt werden. Konnotation besteht in einem Spannungsverhältnis zwischen singulärer Verwendung auf der einen und angelagerter, lexikalisierter Bedeutung auf der anderen Seite. Ihr gegenübergestellt ist eine (dem Ideal nach) klar umrissene, historisch stabile und präzise beschreibbare Grundbedeutung (Denotation).

Erweiterte Begriffsklärung

Der Sprachwissenschaftler Utz Maas hat den Begriff reflektiert und präzisiert. Maas bestimmt Konnotation als „reflexive Struktur der Sprachpraxis“. Sie könne damit als „Deplazierung“ (Maas 1985: 73) sozialer Form verstanden werden. Gemeint ist, dass Ausdrücke die vergangene Sprachpraxis bestimmter Sprecherinnen und Sprecher symbolisch reflektieren und abrufbar machen können. Gerade dies sei als Konnotation zu verstehen. So verstanden lagert sich soziale Praxis als Konnotation an Ausdrücken (Schlagwörtern, Begriffen) an, wobei für unterschiedliche Sprechergruppen daher auch verschiedene Konnotationen mit einem Ausdruck aufgerufen werden können.;

Beispiele

Politische Schlagwörter zeichnen sich oft durch eine in den Hintergrund tretende und undeutliche Grundbedeutung bei gleichzeitig dominierender konnotativer Eindeutigkeit aus: Wer z.B. den Ausdruck Altpartei verwendet, um die etablierten Parteien des bundesrepublikanischen politischen Spektrums zu adressieren, konnotiert dabei die Abgrenzungspraxis des Rechtspopulismus vom gesellschaftlichen ‚Mainstream‘ in den vergangenen Jahren. Wer seinen politischen Gegner (ob zurecht oder unrecht) als Verschwörungstheoretiker etikettiert, konnotiert die soziale Ausgrenzungspraxis (ausgrenzen), in die dieser Ausdruck eingebunden ist.

Literatur

Zitierte Literatur

Maas, Utz (1985): Konnotation. In: Franz Januschek (Hg.): Politische Sprachwissenschaft. Zur Analyse von Sprache als kultureller Praxis. Opladen: Westdeutscher Verlag.

 

Zum Weiterlesen

Zitiervorschlag

Deus, Fabian (2020): Artikel Konnotation. In: Diskursmonitor. Glossar zur strategischen Kommunikation in öffentlichen Diskursen. Hg. von der Forschungsgruppe Diskursmonitor und Diskursintervention. Veröffentlicht am 29.12.2020. Online unter: https://diskursmonitor.de/glossar/konnotation.