
DiskursGlossar
Framing
Kategorie: Grundbegriffe
Verwandte AusdrĂŒcke: Deutungsrahmen, Rahmen, Umdeuten, Manipulation
Siehe auch:Â Begriffe besetzen, Bedeutung, Euphemismus, Konnotation
Autor: Clemens Knobloch
Version: 1.3 / 23.05.2020
Kurzzusammenfassung
Kommunikationswissenschaftlicher Fachausdruck fĂŒr den Deutungs- und Bewertungsrahmen, der durch einen politischen Begriff aufgerufen oder ihm fallweise beigegeben wird. Framing steht dabei fĂŒr die Beobachtung, dass sprachliche AusdrĂŒcke selbst einen Wert- und Deutungsakzent mitbringen und durch beigegebene zusĂ€tzliche Rahmungen (Kontexte, Platzierungen etc.) neu und anders akzentuiert werden können. In jĂŒngster Zeit ist der Ausdruck framing auch im Mediendiskurs heimisch geworden durch seine Popularisierung bei Wehling (2018).
Framing zĂ€hlt zu den Grundbegriffen, weil es unmöglich ist, sprachliche AusdrĂŒcke zu verwenden, ohne dass ein Deutungs- und Wertungsrahmen aufgerufen wĂŒrde. Die populĂ€re Vorstellung, mit jedem sprachlichen Ausdruck sei ein fester, konstanter Rahmen verbunden, ist unterkomplex, weil sie der Kontextempfindlichkeit sprachlicher AusdrĂŒcke nicht gerecht wird. Jeder Ausdruck kann neu und anders gerahmt werden (,reframingâ). Framing ist dafĂŒr selbst ein Beispiel, weil die Vorgeschichte seiner Popularisierung (Imageberatung fĂŒr die ARD) dazu beitrĂ€gt, dass in der öffentlichen Kommunikation nicht der Rahmen âFachausdruckâ, sondern der Rahmen âsprachliche Manipulationâ aufgerufen wird.
Erweiterte BegriffsklÀrung
Im sozialwissenschaftlichen Gebrauch geht framing weit ĂŒber den Wert- und Deutungsrahmen einzelner sprachlicher AusdrĂŒcke hinaus und umfasst Geschehens- und Deutungsrahmen ganz unterschiedlicher Reichweite und KorngröĂe, von deutungsrelevanten Makrokontexten wie Alltagswelt, Theater, Vorlesung, Tagtraum, Spiel ĂŒber konventionalisierte Handlungssituationen wie âan der Supermarktkasseâ, âim Restaurantâ, ânach dem Weg fragenâ etc. Besonders interessant werden framings da, wo sie von den Teilnehmern hergestellt und verĂ€ndert werden: A sagt etwas zu B und auf dessen erschrockene Reaktion dann: War nur ein Scherz!. Framings können rĂŒckwirkend modifiziert, vorausschauend angekĂŒndigt oder gemeinsam verabredet werden.
Strategisches politisches framing hat die Funktion, den Adressaten dazu zu bringen, die Deutungen und Bewertung des Sprechers zu ĂŒbernehmen. In aller Regel gibt es in politischen Kontexten mehrere konkurrierende Wert- und Interpretationsweisen. Ob ich Migration in den Rahmen âFachkrĂ€ftemangelâ, in den Rahmen âKlimawandelâ, in den Rahmen âĂŒberforderte Sozialsystemeâ oder in den Rahmen âIslamismusâ stelle, ist von Fall zu Fall aushandelbar. Programmbegriffe mit weitgehend konsensuellen frames machen es leicht, allgemeine Zustimmung zu organisieren. Dass sich Schulen, Betriebe, Staaten auf ,die Digitalisierungâ vorbereiten mĂŒssen, wird kaum jemand öffentlich bestreiten.
Eine BeschrĂ€nkung von framing-Praktiken auf bestimmte Themenfelder oder DomĂ€nen gibt es nicht. Da politische ĂuĂerungen ohne irgendeine Form von Deutungsrahmen gar nicht verarbeitet werden können, ist framing unhintergehbar. Das aber wiederum nicht in dem mechanischen neurologischen Sinne von Wehling (2018), denn jede politische Auseinandersetzung belegt, dass Produzenten-frame und Rezipienten-frame oft nicht ĂŒbereinstimmen. FĂŒr die einen ist âpolitisch korrekte Spracheâ ein moralisches Programm, fĂŒr die anderen ein abschreckendes Stigmawort. Auch im politischen Alltag wimmelt es von âframe disputesâ (Goffman 1974: 323). Akzeptierte Wertungs- und Deutungsrahmen stehen in enger Wechselwirkung mit den Symbolen akzeptierter AutoritĂ€t (wissenschaftlicher, moralischer, religiöser etc.: vgl. schon [Burke 1964 70 ff.]). Die als framing zusammengefassten Praktiken spielen jedenfalls auf kulturell-semiotischer Ebene. Man kann ihnen zwar sprachlich einen neurologischen Rahmen verpassen, neurologisch abbilden kann man sie nicht.
In massendemokratischen Ăffentlichkeiten werden darum von den MeinungsfĂŒhrern framings bevorzugt, die auf möglichst breite Zustimmung (in Deutung und Wertung) setzen können. So sind ökologische Deutungsrahmen fast einwandsimmun, weshalb sie auf allen Ebenen der persuasiven Kommunikation (von der Warenwerbung bis zur groĂen Politik) eingesetzt werden. Von oppositionellen Gruppen hingegen werden eher provokante Deutungsrahmen bevorzugt, die Aufmerksamkeit und (mediale) Empörung maximieren, also z.B. anti-ökologische wie die Leugnung des Klimawandels etc.
Im Prinzip sind auch Theorien frames, explizierte Deutungsmuster, deren Reichweite jedoch auf die scientific community begrenzt ist, die sie verwendet. Massendemokratisch wirksam werden sie nur in vereinfachten, interdiskursiven Formen. Die framing-Theorie ist dafĂŒr selbst ein Beispiel.
KomplementĂ€r- und Gegenstrategien setzen vor allem auf die Störung der intendierten Rahmung, durch Um-Rahmung (,reframingâ), durch alternative sprachliche Fassung, durch ĂŒbertreibende VorfĂŒhrung gebrĂ€uchlicher Deutungs- und Wertungsmuster, durch ironische Brechung des angebotenen Rahmens. Als âkeyingâ (etwa âVorzeichen setzenâ bzw. âVorzeichen Ă€ndernâ) bezeichnet Goffman (1974: 40 ff.) semiotische Praktiken, die geeignet sind, die laufende Rahmung eines (sprachlichen oder sonstigen) Geschehens zu verĂ€ndern, etwa wenn ich einen Experten als âselbsternannten Expertenâ einfĂŒhre.
FĂŒr die Geschichte des framing-Konzeptes (auĂerhalb der SphĂ€re der politischen Kommunikation) wichtig waren die Untersuchungen Gregory Batesons darĂŒber, wie manche Tierarten ihren Artgenossen signalisieren, dass eigentlich aggressive Akte wie Drohen, Schnappen, Jagen etc. als âSpielâ zu werten sind (und ergo nicht zu wirklich ernsten Verletzungen fĂŒhren). Hierzu Goffman (1974: 40 ff.). Als ,keyingâ gilt ein Zeichen, das die Rahmung eines laufenden Geschehens (etwa von ,Ernstâ zu ,Spielâ) verĂ€ndert. SelbstverstĂ€ndlich findet man solche Umdefinitionen laufend auch im Sprachverhalten, etwa durch Ironie- oder Distanzsignale, durch begleitende Gesten, durch Kombination mit anders konnotierten AusdrĂŒcken (von ,Moralâ zu ,Moralkeuleâ) etc.
Als VorlĂ€ufer der gegenwĂ€rtigen framing-Modelle werden oft Lakoff & Johnson (1980) mit ihrer Metapherntheorie genannt. Das suggeriert, dass vielfach nur die kognitive und evaluative Projektion von einer Spender- auf eine EmpfĂ€ngersphĂ€re gemeint ist, also lediglich die Rahmung des Gemeinten durch ein passendes Sprachbild â zweifellos eine, aber bei weitem nicht die einzige Rahmungstechnik.
Die sprachtheoretischen Fundamente der neueren framing-Theorien (vor allem fĂŒr Goffman [1974]) finden sich in den Arbeiten Kenneth Burkes (1964; 1984). Sehr viel technischer angelegt ist die Frame-Semantik von Charles Fillmore, die in diesem Zusammenhang auch oft genannt wird. Ihr Kern ist die Erkenntnis, dass PrĂ€dikate nur zusammen mit dem von ihnen definierten Kasus- und Argumentrahmen interpretiert werden können. So aktiviert die Frage âWer gibt?â den Rahmen Kartenspiel, die Aussage âPaul gibt Gasâ den Rahmen Autofahren, âPeter gibt mir Geldâ den Rahmen Besitzwechsel.
Beispiele
Die populĂ€re Literatur (allen voran Wehling [2018]) erweckt den Eindruck, framing sei lediglich sprachliche Bezeichnungspolitik und gleichzusetzen mit der Auswahl euphemistischer AusdrĂŒcke, die eine erwĂŒnschte Deutung und Bewertung nahelegen. Etwa ,Gemeinschaftsabgabenâ statt ,Steuernâ. Die Vorstellung, ein aufgeklĂ€rtes und sprachpolitisch erfahrenes Publikum sei so leicht zu manipulieren, ist unplausibel, weil Rahmungen grundsĂ€tzlich von Kontexten beeinflusst sind. Das gilt auch fĂŒr die (etwas komplexeren) eigenen framing-Praktiken von Wehling (2018), die ihren Thesen PlausibilitĂ€t zu verleihen sucht, indem sie ihnen einen neurologisch-kognitionswissenschaftlichen (moderne szientifische Forschung konnotierenden) Deutungsrahmen beigibt. Die Berufung auf wissenschaftliche Expertise ist ein höchst beweglicher Wert- und Deutungsrahmen.
Literatur
- Burke, Kenneth (1984): Attitudes Toward History. Berkeley, L.A.: University of California Press.
- Burke, Kenneth (1964): Terms for Order. Bloomington, Ind.: Indiana UP.
- Goffman, Erving (1974): Frame Analysis. London: Harper & Row.
- Lakoff, George; Johnson, M. (1980): Metaphors we Live by. Chicago: University of Chicago Press.
- Wehling, Elisabeth (2018): Politisches Framing. Ullstein.
Zitiervorschlag
Knobloch, Clemens (2020): Framing. In: Diskursmonitor. Glossar zur strategischen Kommunikation in öffentlichen Diskursen. Hg. von der Forschungsgruppe Diskursmonitor und Diskursintervention. Veröffentlicht am 23.05.2020. Online unter: https://diskursmonitor.de/glossar/framing.
Grundbegriffe
Akteur
Als Akteur oder Diskursakteur werden in der Diskursforschung meist Gruppen oder Grup-penstellvertreter verstanden, die mit kommunikativen Mitteln in der Ăffentlichkeit versuchen, ihre Deutungen und RessourcenansprĂŒche gegen Rivalen durchzusetzen.
Diskursfigur
Diskursfiguren â wie der Held oder der Experte, das Genie, der GefĂ€hrder, Gutmensch, Nerd oder Psychopath â sind im medial-politischen Diskurs konstruierte und verbreitete Vorstellungen von HandlungstrĂ€gern, die stereotyp mit bestimmten Eigenschaften assoziiert werden. Sie erhalten durch musterhaften Sprachgebrauch, aber auch durch bildhafte Darstellungen eine kommunizierbare, wiedererkennbare Kontur.
ReprÀsentative Anekdote
ReprĂ€sentative Anekdote bezeichnet ein modellhaftes Kurznarrativ, das in Theorien, Weltanschauungen und komplexen ErklĂ€rungen selektiv reproduziert wird. So ist z.B. das âsurvival of the fittestâ (âdie StĂ€rksten ĂŒberlebenâ) die reprĂ€sentative Anekdote, die in allen darwinistischen, sozialdarwinistischen und neodarwinistischen Theorien und Deutungsmustern als Modell dient und variabel ausgearbeitet wird.
Begriffsgeschichte
Die Begriffsgeschichte lĂ€sst sich allgemein als eine historische Methode beschreiben, die den zeitlichen Wandel der Bedeutungen von bestimmten AusdrĂŒcken untersucht. Da einzelne Worte nie isoliert begegnen und ihre jeweiligen Bedeutungen erst im Kontext gröĂerer sprachlicher ZusammenhĂ€nge oder semantischer Felder greifbar werden, verbindet sie sich flexibel mit anderen Methoden historischer Semantik, wie etwa der Diskursgeschichte, der Argumentationsgeschichte oder der Metaphernforschung (Metaphorologie).
Diskurssemantische Verschiebung
Mit dem Begriff der diskurssemantischen Verschiebung wird in der Diskursforschung ein Wandel in der öffentlichen Sprache und Kommunikation verstanden, der auf mittel- oder lĂ€n-gerfristige VerĂ€nderung des Denkens, Handelns und/oder FĂŒhlens gröĂerer Gesellschafts-gruppen hinweist.
DomÀne
Der Begriff der DomĂ€ne ist aus der soziologisch orientierten Sprachforschung in die Diskursforschung ĂŒbernommen worden. Hier wird der Begriff dafĂŒr verwendet, um Muster im Sprachgebrauch und kollektiven Denken von sozialen Gruppen nach situationsĂŒbergreifenden TĂ€tigkeitsbereichen zu sortieren.
Ideologie
Der Begriff Ideologie weist im Wesentlichen drei unterschiedliche Bedeutungen auf: Erstens kann er ein trĂŒgerisches, realitĂ€tsfernes oder dogmatisches Denken bezeichnen; so eignet er sich auch als Schlagwort bzw. politischer Kampfbegriff. Zweitens kann er auf eine sozial bedingte Weltanschauung oder ein umfassendes Ideen- und Wertesystem verweisen. Drittens kann mit Ideologie ein politisches Programm gemeint sein, welches Vorstellungen ĂŒber gesellschaftliche Ordnung sowie Ziele fĂŒr politisches Handeln beinhaltet.
Positionieren
Positionieren ist Grundbestandteil menschlicher Kommunikation. Wann immer wir miteinander interagieren und kommunizieren, bringen wir uns selbst, andere und die Objekte, ĂŒber die wir sprechen, in bestimmte Relationen zueinander.
Deutungsmuster
Unter einem Deutungsmuster wird die problem- und lösungsbezogene Interpretation gesellschaftlicher und politischer TatbestĂ€nde verstanden, die Aussicht auf Akzeptanz in sozialen Gruppen hat. Der Begriff des Deutungsmusters hat Ăhnlichkeit mit den Begriffen der Theorie und Ideologie. Meist werden gesellschaftlich verbreitete Leitdeutungen, die oft mit Schlagwörtern und Argumentationsmustern einhergehen (wie Globalisierung, Kapitalismus, Leistungsgesellschaft, Chancengleichheit etc.) als Beispiele fĂŒr Deutungsmuster genannt.
Sinnformel
âWer sind wir? Woher kommen, wo stehen und wohin gehen wir? Wozu leben wir?â Auf diese und Ă€hnliche existentielle Fragen geben Sinnformeln kondensierte Antworten, die in privaten wie sozialen Situationen Halt und Argumenten in politischen und medialen Debatten einen sicheren Unterbau geben können.
Techniken
Blocken
Digitale Plattformen stellen verschiedene Instrumente zur Regulierung von Kommunikation bereit, die sich unter anderem in Formen des Blockens und Formen der Reduktion von Sichtbarkeit unterscheiden lassen. WÀhrend das Blocken (bzw. von uns synonym gebraucht: das Blockieren) den Zugang zu Profilen oder Inhalten ganz oder teilweise unterbindet, zielen Reduktionsmechanismen darauf ab, deren Reichweite einzuschrÀnken, ohne sie vollstÀndig zu entfernen.
Whataboutism
Whataboutism (auch Whataboutismus) bezeichnet zum einen eine rhetorische Praktik, zum anderen wird der Ausdruck als Schlagwort verwendet.
Als Praktik zielt Whataboutism darauf ab, von Kritik oder von einem unerwĂŒnschten Thema abzulenken â typischerweise durch einen Gegenverweis auf einen anderen Sachverhalt, einen anderen Akteur oder einen anderen Kontext. Dabei ist die Grenze zu legitimen Vergleichen und RĂŒckfragen flieĂend und regelmĂ€Ăig Gegenstand diskursiver Aushandlung.
Politische Rede
Politische Reden sind schriftlich konzipierte oder verfasste, mĂŒndlich und monologisch vorgetragene Texte mittlerer LĂ€nge von einigen Minuten bis zu mehr als einer Stunde. Der Vortrag muss durch eine Person erfolgen, die erkennbar in politisches Handeln eingebunden ist. Politische Rede soll sowohl informieren als auch die Meinungsbildung beeinflussen.
Korruption
Korruption wird zum einen als Fachbegriff (Recht, Wissenschaft) verwendet und verweist auf ein Gebiet des Strafrechts und damit auf einen Teil des gesellschaftlichen Normensystems, das Delikte in Kontaktzonen von Politik und Ăkonomie definiert.
Beschriftete Waffen
Das Betexten von Waffen, speziell Projektilen wie Schleuderbleien, Kanonenkugeln oder Bomben, mit an die Feindgruppe gerichteten Botschaften (Sarkasmus, Beleidigungen, TodeswĂŒnsche u. Ă€.) ist eine Praktik, die sich bis in die römische Antike zurĂŒckverfolgen lĂ€sst. Sie dient der Identifikation der Eigengruppe (Truppe oder Gefolgsleute) mit dem Ziel, die Moral vor einem Kampfansatz zu heben (emotional-psychologische BewĂ€ltigungsstrategie) sowie Gelassenheit und Siegesgewissheit propagandistisch gegenĂŒber der Eigen- und Fremdgruppe zu inszenieren.
Zitieren
Zitieren bezeichnet die Wiedergabe ausgewĂ€hlter Text(teil)e in unterschiedlichen Kommunikationskontexten wie Alltag, Wissenschaft, Journalismus und Politik. GrundsĂ€tzlich kann Zitieren der möglichst wertneutralen Wiedergabe bzw. Verweisung auf fremde Aussagen dienen, aber auch zur strategischen Positionierung eingesetzt werden. Auch in wissenschaftlichen Texten erfĂŒllt das Zitieren neben der formal korrekten Bezugnahme auf fremde Aussagen u.a. argumentationsstĂŒtzende Funktionen.
AI-Washing/KI-Washing
Unter AI-Washing ist die Praxis von Unternehmen oder Organisationen zu verstehen, Produkte, Dienstleistungen oder GeschĂ€ftsmodelle mit dem Etikett âKĂŒnstliche Intelligenzâ (KI bzw. âArtificial Intelligenceâ (AI)) zu versehen, obwohl deren tatsĂ€chlicher Einsatz von KI-Technologien entweder stark ĂŒbertrieben, nur marginal vorhanden oder ĂŒberhaupt nicht gegeben ist.
Dogwhistle
Unter Dogwhistle wird in Teilen der Forschung eine doppeldeutige ĂuĂerung verstanden, die eine offene und eine verdeckte Botschaft an jeweils eine Zuhörerschaft kommuniziert.
Demonstrieren
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Boykottaufruf
Der Boykottaufruf ist eine MaĂnahme, die darauf abzielt, ein Ziel, also meist eine VerhaltensĂ€nderung des Boykottierten, hervorzurufen, indem zu einem Abbruch etwa der wirtschaftlichen oder sozialen Beziehungen zu diesem aufgefordert wird.
Schlagwörter
Meinungsfreiheit
Meinungsfreiheit ist ein positiv konnotiertes Schlagwort. Das im Schlagwort kondensierte Pro-gramm wird allgemein zustimmend propagiert oder eingefordert, ohne dass immer verdeutlicht wird, welche Ausgestaltung von Meinungsfreiheit zugrunde liegt. Aufgrund dieser allgemeinen Zu-stimmung kann Meinungsfreiheit als Hochwertwort kategorisiert werden: In der öffentlichen Debat-te gibt es keine wahrnehmbaren Stimmen, die sich gegen Meinungsfreiheit (in dieser unbestimm-ten Form) aussprechen.
DiversitÀt / Vielfalt
DiversitĂ€t/Vielfalt ist ein aus einschlĂ€gigen US-Diskursen der (frĂŒhen) 1980er und der 1990er Jahre importiertes Schlagwort und ein Topos, der ethnische, sexuelle und körperliche (Behinderung etc.) Verschiedenheit positiv und programmatisch als Ressourcen der Mehrheitsgesellschaft kodiert. Vielfalt als Chance dĂŒrfte der hierzulande hĂ€ufigste Slogan des DiversitĂ€ts-Hypes sein. Qua DiversitĂ€t werden identitĂ€tsrelevante Unterschiede zwischen gesellschaftlichen Gruppen von Stigmata fĂŒr Minderheiten zu Ressourcen fĂŒr die Allgemeinheit umgedeutet.
BrĂŒckentechnologie
Ganz allgemein wird unter dem Schlagwort der BrĂŒckentechnologie sowohl in den öffentlichen Medien als auch in technisch und wirtschaftlich dominierten Kontexten eine Technologie verstanden, die zeitlich befristet eingesetzt werden soll, bevor in Zukunft der Ăbergang zu einer als sinnvoller eingeschĂ€tzten anderen Technologie möglich ist.
Deindustrialisierung
Der Ausdruck Deindustrialisierung (auch De-Industrialisierung oder als Verb deindustrialisieren) beschreibt im öffentlichen Sprachgebrauch eine negativ bewertete Form des Strukturwandels durch RĂŒckgang von produzierendem Gewerbe.
Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit als ein Schlagwort des öffentlichen Diskurses bezieht sich ganz allgemein auf einen ressourcenschonenderen Umgang mit dem, was uns Menschen der Planet Erde bietet, mit dem Ziel, dass auch nachfolgende Generationen noch die Möglichkeit haben, Àhnlich gut zu leben wie wir heute (Generationengerechtigkeit).
Echokammer
Der Begriff der Echokammer steht in seiner heutigen Verwendung vor allem im Zusammenhang mit der Nutzung Sozialer Medien. Er verweist metaphorisch auf einen digitalen Kommunikations- und Resonanzraum, in dem Mediennutzer*innen lediglich Inhalten begegnen, die ihre eigenen, bereits bestehenden Ansichten bestÀtigen, wÀhrend abweichende Perspektiven und Meinungen ausgeblendet bzw. abgelehnt werden.
Relativieren
Der Ausdruck relativieren besitzt zwei zentrale Bedeutungsvarianten: In bildungssprachlichen und wissenschaftlichen Kontexten bezeichnet er eine analytische Praxis, bei der Aussagen, Begriffe oder PhÀnomene durch Bezugnahme auf andere Sachverhalte eingeordnet, differen-ziert und in ihrer Geltung prÀzisiert werden.
Massendemokratie
GeprĂ€gt wurde der Begriff Massendemokratie im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts von völkisch-konservativen Akteuren (prominent darunter Carl Schmitt 1926). Der Ausdruck Masse hatte damals bei den bĂŒrgerlichen Eliten eine rundum bedrohliche Assoziation.
Social Bots
Als Social Bots werden Computerprogramme bezeichnet, die in der Lage sind, in sozialen Medien Kommunikation menschlicher Nutzer*innen (teilweise) automatisiert nachzuahmen.
KriegsmĂŒdigkeit
Der Ausdruck KriegsmĂŒdigkeit bezeichnet die emotionale und physische Erschöpfung von Menschen, die einen Krieg erleben, sowie die gesellschaftliche und politische ErmĂŒdung angesichts langanhaltender Konflikte. Er beschreibt den sinkenden Kampfeswillen bei Kriegsparteien und heute wird er auch fĂŒr das wachsende Desinteresse an Kriegsthemen in Medien und Ăffentlichkeit genutzt.
Verschiebungen
Verrechtlichung
Verrechtlichung im Kontext der politischen Kommunikation bezeichnet die Verschiebung von politischen hin zu juridischen Argumentationsmustern. Sie findet immer dann statt, wenn Akteur*innen sich in der öffentlichen Diskussion auf Rechtsnormen beziehen.
Dehumanisierung
Mit Dehumanisierung bzw. Anthropomorphisierung werden solche kommunikativen Techniken und Praktiken bezeichnet, die Personen, Sachverhalten oder GegenstÀnden menschliche Eigenschaften ab- bzw. zusprechen. Dehumanisierung und Anthropomorphisierung können sowohl durch sprachliche Mittel als auch durch andere, z. B. bildliche, Zeichen vollzogen werden.
Kriminalisierung
KriminalitĂ€t meint ein Verhalten, das gegen ein Gesetz verstöĂt. Folglich bedeutet Kriminalisierung im engeren Sinne den Vorgang, durch den Verhalten ungesetzlich gemacht wird â indem Gesetze geschaffen werden.
Versicherheitlichung
In akademischen Kontexten wird Versicherheitlichung in Abgrenzung zu einem naiv-realistischen SicherheitsverstĂ€ndnis verwendet. Dieses betrachtet Sicherheit als einen universell erstrebenswerten und objektiv feststellbaren Zustand, dessen Abwesenheit auf das Handeln von Akteuren zurĂŒckzufĂŒhren ist, die feindselig, kriminell, unverantwortlich oder zumindest fahrlĂ€ssig agieren.
Ăkonomisierung
Ăkonomisierung wird in gegenwĂ€rtigen Diskursen in der Regel zur Bezeichnung von Prozessen verwendet, in denen die spezifisch wirtschaftlichen Funktions-Elemente wie Markt, Wettbewerb/Konkurrenz, Kosten-Nutzen-KalkĂŒle, Effizienz, Gewinnorientierung in Bereiche ĂŒbertragen werden, die zuvor teilweise oder ganz nach anderen Leitkriterien ausgerichtet waren
Moralisierung
Moralisierung verlagert Macht- und Interessenkonflikte in die SphÀre der Kommunikation von Achtung / Missachtung. Sie reduziert Ambivalenz zugunsten einer Polarisierung von gut und böse.
Konstellationen
Krise
Krise ist vom Wort mit fachsprachlicher Bedeutung zur Zeitdiagnose und einem zentralen Begriff der öffentlich-politischen Kommunikation geworden. Der öffentlich-politische Krisenbegriff ist dabei â unabhĂ€ngig vom Gegenstand der Krise â in eine krisendiskurstypische Konstellation zur BegrĂŒndung von krisenĂŒberwindenden Handlungen eingebettet.
Partizipatorischer Diskurs
Partizipation ist mittlerweile von der Forderung benachteiligter Personen und Gruppen nach mehr Beteiligung in der demokratischen Gesellschaft zu einem Begriff der Institutionen selbst geworden: Kein Programm, keine Bewilligung mehr, ohne dass bestimmte Gruppen oder Personen dazu aufgefordert werden, fĂŒr (mehr) Partizipation zu sorgen.
Skandal
Die Diskurskonstellation des Skandals zeichnet sich durch eine in den Medien aufgegriffene (bzw. durch sie erst hervorgerufene) empörte Reaktion eines erheblichen Teils der Bevölkerung auf einen tatsĂ€chlichen oder vermeintlichen Missstand aus. Die schuldhafte Verursachung dieses Missstandes wird dabei einem gesellschaftlichen Akteur zugeschrieben, dessen Handeln als âunmoralischâ gedeutet wird.