DiskursGlossar

Whataboutism

Kategorie: Techniken
Verwandte Ausdrücke: Whataboutismus, Ablenken, Vergleichen
Siehe auch: Topos, Schlagwort, Analogie-Topos, Relativieren, Skandalisierung, Entlarven
Autor*innen: Mona Sali, Denis Gerner
Version: 1.0 / Datum: 14.09.2026

Kurzzusammenfassung

Whataboutism (auch Whataboutismus) bezeichnet zum einen eine rhetorische Praktik, zum anderen wird der Ausdruck als Schlagwort verwendet.

Als Praktik zielt Whataboutism darauf ab, von Kritik oder von einem unerwünschten Thema abzulenken – typischerweise durch einen Gegenverweis auf einen anderen Sachverhalt, einen anderen Akteur oder einen anderen Kontext. Dabei ist die Grenze zu legitimen Vergleichen und Rückfragen fließend und regelmäßig Gegenstand diskursiver Aushandlung.

Als Schlagwort erhebt Whataboutism den Vorwurf, eine Äußerung sei ein illegitimes Ablenkungsmanöver oder ziehe unzulässige Analogien. Dieser Vorwurf verschiebt die Diskussion regelmäßig auf eine metakommunikative Ebene. Häufig geht der Schlagwort-Einsatz mit dem Versuch einher, zu skandalisieren oder eine (behauptete) fehlende Aufrichtigkeit des Gegenübers zu entlarven.

Aus diskursanalytischer Perspektive besteht eine zentrale Herausforderung darin, strategisch eingesetzten Whataboutism, im oben beschriebenen Sinne, zu identifizieren und von validen (Gegen-)Fragen, Vergleichen und Anmerkungen zu unterscheiden.

Erweiterte Begriffsklärung

Der Ausdruck Whataboutism leitet sich aus dem englischen rhetorischen Fragemuster What about X? ab (vgl. Barceló Aspeitia 2020: 435). Der Begriff whataboutery entstand 1974 im Kontext der nordirischen Unruhen: Sean O’Conaill prägte in einem Leserbrief in der Irish Times (30.01.1974) die Bezeichnung the Whatabouts für Menschen, die Kritik an der IRA durch Gegenvorwürfe abwehrten; der Journalist John Healy griff dies drei Tage später in derselben Zeitung auf und schuf daraus den Begriff whataboutery (vgl. Zimmer 2017). Die heute gängige Ausdrucksform Whataboutism (siehe auch -ismus/Ismen) wurde bereits in den späten 70ern von Journalisten genutzt, um die Taktik zu beschreiben, dass auf jegliche Kritik der USA auf Seiten der Soviets mit einem Gegenverweis auf Missstände im Westen geantwortet wurde (vgl. Pearcy 2021: 18).

In den englisch- und deutschsprachigen Medien gewannen die Ausdrücke Whataboutism und Whataboutismus vor allem seit 2015 stark an Popularität, wie die Verlaufskurve im DWDS-Zeitungskorpus zeigt (vgl. DWDS 2024; Pearcy 2021: 19):

Abbildung 1: DWDS-Verlaufskurve von Whataboutism und Whataboutismus im deutschsprachigen Zeitungskorpus (ab 2000).
Abbildung 1: DWDS-Verlaufskurve von Whataboutism und Whataboutismus im deutschsprachigen Zeitungskorpus (ab 2000).

Das Oxford English Dictionary (OED 2023) beschreibt den allgemeinen Sprachgebrauch von Whataboutism seit 1978 dabei als

practice of responding to an accusation or difficult question by making a counter-accusation or raising a different issue.

(Eigene Übers.: Praktik, auf einen Vorwurf oder eine schwierige Frage mit einer Gegenbeschuldigung oder dem Aufwerfen eines anderen Themas zu reagieren.)

Später wurde die Definition durch folgenden Zusatz präzisiert:

Also in later use: the practice of raising a supposedly analogous issue in response to a perceived hypocrisy or inconsistency.

(Eigene Übers.: Außerdem im späteren Gebrauch: die Praktik, ein vermeintlich analoges Thema als Reaktion auf eine wahrgenommene Heuchelei oder Ungereimtheit anzusprechen.)

Die Bedeutungsparaphrase spiegelt die Komplexität des Phänomens: Der Ausdruck Whataboutism kann sowohl eine rhetorische Praktik bezeichnen als auch als Schlagwort fungieren und je nach Perspektive sehr unterschiedliche kommunikative Ziele verfolgen.

Die rhetorische Praktik des Whataboutism lässt sich historisch auf das lateinische tu quoque (vgl. Dykstra 2020) zurückführen (siehe auch: Kontaktschuld). Während tu quoque klassisch ein eng gefasster Fehlschluss ist – ein Gegenargument, das Kritik zurückweist, indem es die Inkonsequenz des Kritikers hervorhebt, ohne auf die Sache selbst einzugehen – ist Whataboutism breiter gefasst: Die Praktik umfasst nicht nur die persönliche Rückweisung, sondern auch den Verweis auf andere Kontexte, Akteure oder Probleme, um Kritik zu relativieren oder die Aufmerksamkeit umzulenken.

Auf der Ebene der sprachlichen Form beschreibt Michael Bender die Whataboutism-Konstruktion (Was ist mit X?) anhand syntaktischer, semantischer und pragmatischer Merkmale. Grundlegend impliziert diese Konstruktion „einen Kontrast zwischen X und einer anderen Diskursentität“ (Bender 2025: 219). Hierbei ist die Präposition mit zentral, die einerseits die Referenz auf den neuen Sachverhalt X herstellt, andererseits aber auch „eine nicht weiter spezifizierte Relevanzsetzung von X bewirkt“ (Bender 2025: 218 f.). Bender betont, dass Whataboutism nicht auf eine „destruktiv-rhetorische Funktion“ begrenzt sei, sondern als spezifische sprachliche Konstruktion verschiedene Funktionen erfüllen könne, darunter auch die Thematisierung von Gegenkritik (Bender 2025: 229).

Zu beachten ist, dass die Phrase what about oder der Ausdruck Whataboutism kein notwendiger Bestandteil der Praktik ist: Whataboutism im Sinne einer Ablenkungstaktik kann auch ohne diese Phrase vorkommen. Umgekehrt kann die Verwendung der Phrase durchaus Teil einer legitimen Argumentation sein, etwa zur thematischen Erweiterung oder Präzisierung, also im Sinne eines argumentativen Vergleichens (vgl. Phi et al. 2024: 2; Bender 2025: 229).

Als rhetorische Praktik kann Whataboutism verschiedene kommunikative Funktionen erfüllen:

1) Verteidigungsstrategie: Der Kritik des Gegenübers wird durch einen Gegenverweis ausgewichen, ohne auf die Kritik inhaltlich einzugehen.

2) Entlarvungsversuch: Dem Gegenüber wird eine verborgene Intention unterstellt, die durch den Vergleich ans Licht gebracht werden soll (vgl. Barceló Aspeitia 2020: 441). Der Vergleich zielt dabei nicht auf Ablenkung, sondern dient als Instrument, um eine Diskrepanz zwischen dem vorgebrachten Argument und den vermuteten eigentlichen Motiven des Gegenübers sichtbar zu machen.

3) Inkonsistenzvorwurf: Dem Gegenüber wird durch den Vergleich vorgehalten, sich in seinem Handeln oder Sagen zu widersprechen; implizite Voreingenommenheit soll so aufgedeckt und Konsequenz vom Gegenüber eingefordert werden. Dabei muss es sich nicht zwingend um bewusste Unehrlichkeit handeln: Barceló Aspeitia unterscheidet zwischen dem Vorwurf der Inkonsistenz und dem der Ungenauigkeit, also der Vermutung, dass das explizit vorgebrachte Argument nicht die eigentliche Position des Gegenübers widerspiegelt, auch wenn dieser sich dessen selbst nicht bewusst ist (vgl. Barceló Aspeitia o. J.: 17 f.).

4) Deutungsrahmung: Durch den Gegenverweis wird nicht primär abgelenkt, sondern der Bewertungsrahmen eines Sachverhalts verschoben – der Vergleich soll die Wahrnehmung und Einschätzung des ursprünglichen Themas in eine bestimmte Richtung lenken, etwa indem er Kritik relativiert oder als selektiv erscheinen lässt (vgl. Phi et al. 2024: 4).

Mit dem Gebrauch von Whataboutism als Schlagwort wird in einer Diskussion der Vorwurf erhoben, das Gegenüber versuche vom eigentlichen Thema abzulenken und/oder unpassende Analogien zwischen Sachverhalten zu ziehen. Dieser Vorwurf verschiebt die Perspektive regelmäßig auf eine metakommunikative Ebene und bezweckt zugleich, die Glaubwürdigkeit der gegnerischen Argumentation und Person anzugreifen.

Gelingt das Ablenkungsmanöver durch den vorwurfsvollen Schlagwort-Einsatz, wird die Aufmerksamkeit auf den Vorwurf der ,Heuchelei‘ bzw. Inkonsequenz gelenkt. In der Folge setzen sich die Rezipierenden eher mit dem Vorwurf und der Integrität desjenigen auseinander, dem Whataboutism vorgeworfen wird. Der oder die Beschuldigte ist nun gezwungen, seine oder ihre Integrität zu bekräftigen oder wiederherzustellen, statt das ,eigentliche‘ Thema zu diskutieren (vgl. Bowell 2023: 110 f.).

Als Reaktion auf den Vorwurf diskutiert Barceló Aspeitia zwei mögliche Verläufe (vgl. 2020: 438 f.): Die angegriffene Person zieht ihre Äußerung zurück und ratifiziert damit nachträglich den Vorwurf des illegitimen Ablenkungsversuchs; oder sie weist den Vorwurf zurück, bekräftigt ihre Position und fordert die angreifende Person mit einem Gegenargument heraus.

Sowohl dem Schlagwortgebrauch als auch der Praktik lässt sich auf verschiedenen Ebenen mit Gegenstategien begegnen. Auf der Sachebene kann der Angegriffene die strukturelle Vergleichbarkeit der herangezogenen Fälle explizit belegen und damit die Beweislast umkehren (vgl. hierzu auch Analogie-Topos). Barceló Aspeitia (o. J.: 14 f.) zeigt dabei, dass eine bloße Erklärung des Vergleichs nicht ausreicht: Gefordert ist eine Rechtfertigung, warum eben diese Fälle herangezogen wurden (bzw. andere nicht). Auf der metakommunikativen Ebene kann der Vorwurf selbst thematisiert und als Ablenkungsmanöver entlarvt werden; sprich: Dem Gegenüber wird ausweichend entgegengehalten, es wolle sich durch den Vorwurf einer inhaltlichen Auseinandersetzung entziehen. Darüber hinaus kann durch Transparenz über die eigenen Absichten dem Verdacht einer verdeckten Agenda begegnet werden. Den letzteren Gegenstrategien ist gemeinsam, dass sie einen zumindest vorübergehenden Wechsel auf die metakommunikative Ebene erfordern – was seinerseits das Risiko birgt, das ursprüngliche Thema aus dem Blick zu verlieren.

Beispiele

1) Whataboutism-Vorwurf: Das Putin-NBC-Interview (Juni 2021)

Eines der prominentesten Beispiele aus jüngerer Zeit ist das NBC-Interview mit Wladimir Putin vom 11. Juni 2021 in Moskau. Journalist Keir Simmons (damals Chief International Correspondent von NBC) konfrontierte Putin direkt und live auf Sendung mit dem Vorwurf des Whataboutismus. Als Putin auf kritische Fragen immer wieder auf amerikanische Missstände verwies, unterbrach Simmons ihn mit den Worten:

In America, we call what you’re doing now ‚whataboutism‘. What about this? What about that? It’s a way of not answering the question. (NBC News 2021: 34:25 Min).

Durch den Schlagworteinsatz wird Putin vorgeworfen, von den eigenen Missständen ablenken zu wollen, statt sich mit diesen auseinanderzusetzen. Damit ist nun auch Putins Integrität ehrliche Antworten zu geben, vom Interviewer publikumswirksam infrage gestellt. Putin kontert sodann ebenfalls auf metakommunikativer Ebene und erwidert:

you’ve asked me a question, you’re not liking my answers, so you’re interrupting me right away, this is inappropriate (NBC News 2021: 34:40 Min)

Nach kurzem hin und her versucht Putin zum Thema zurückzukehren, leitet seinen Satz jedoch ein mit „in the United States…“, wodurch sich das Gegenüber bestätigt fühlt, Putin entlarvt zu haben und seinen Vorwurf wiederholt. Es kommt zum erneuten Schlagabtausch, wo Putin seinerseits erneut die Absichten des Interviewers infrage stellt.

2) Transatlantischer und muslimischer Sklavenhandel (X 2026)

Die Zeitung „Die Welt“ veröffentlichte auf X (ehem. Twitter) einen Beitrag mit dem Hinweis, wer über den transatlantischen Sklavenhandel spreche, dürfe über den muslimischen nicht schweigen. Die Formulierung verknüpft beide Sklavenhandelssysteme über eine Konsistenzforderung: Wer den einen thematisiert, solle auch den anderen behandeln. Die Aussage wirft der Thematisierung europäisch-kolonialer Schuld indirekt vor, selektiv und damit unaufrichtig zu sein.

Abbildung 2 https://x.com/JuergenZimmerer/status/2037574289776406676
Abbildung 2: Screenshot von X-Post der Zeitung „Die Welt“.

Der Kolonialhistoriker Jürgen Zimmerer klassifiziert diesen Beitrag als Whataboutismus, Der….. ohne weitere Ausführungen. Dadurch wird suggeriert, das Muster sei so augenscheinlich, dass es keiner Erläuterung bedürfte. Der bloße Schlagwortgebrauch genügt, um die Diskussion auf die metakommunikative Ebene zu verlagern, sodass nun nicht mehr der Vergleich selbst, sondern seine Legitimität zur Debatte steht. Dies zeigt sich in der Erwiderung eines Nutzers, der zwei Gegenstrategien realisiert: Auf der Sachebene versucht er, die strukturelle Vergleichbarkeit über die Gleichzeitigkeit beider Sklavenhandel zu begründen und damit die Beweislast umzukehren. Auf der metakommunikativen Ebene stellt er Zimmerers Autorität als Kolonialforscher direkt infrage Geben Sie nicht vor, Kolonialismus-Forscher zu sein? (vgl. Autoritäts-Topos), womit Zimmerer seinerseits in die Lage versetzt wird, nicht mehr nur den Vergleich, sondern seine eigene Integrität verteidigen zu müssen.

3) Was ist mit… Gegenfrage-Muster: Abhängigkeiten bei der Energieversorgung

Ein Beispiel für den Gebrauch der Whataboutism-Konstruktion Was ist mit… ohne das Schlagwort selbst liefert eine Replik auf der Plattform X vom 9. April 2026. Der Journalist Rico Grimm schreibt in einem vielgeklickten Post:

Abbildung 3 https://x.com/HulkHogic/status/2042199519337619514
Abbildung 3: Screenshot X-Post von Rico Grimm.

Die Antwort folgt der von Bender beschriebenen Whataboutism-Konstruktion: Die Präposition mit setzt den Fokus auf einen neuen Sachverhalt (China) und stellt implizit dessen Relevanz für Grimms Argument her, ohne dieses Argument direkt zu widerlegen. Funktional lässt sich der Post als Inkonsistenzvorwurf lesen: Grimm kritisiere Abhängigkeit von Autokraten, übersehe aber die analoge Abhängigkeit von China im Bereich der Energiewende-Lieferketten. Das beigefügte Emoji verstärkt den Entlarvungsversuch; es signalisiert eine ironisierte ‚gotcha‘-Haltung, die Grimm unterstellt, etwas Grundlegendes nicht berücksichtigt zu haben.

Der Verweis auf China ist sachlich nicht haltlos, weicht Grimms Kernargument aber aus und impliziert eine Gleichwertigkeit beider Abhängigkeiten, die unbelegt bleibt. Genau diese fließende Grenze zwischen valider Rückfrage und ausweichendem Manöver zeigt, dass auch die diskursanalytische Einordnung solcher Kommunikate durchaus unterschiedlich bewertet werden kann. Das Schlagwort wird hier nicht realisiert, nicht selten wird der Whataboutismus-Vorwurf dann von Dritten vorgenommen.

Literatur

Zum Weiterlesen

  • Barceló Aspeitia, Axel A. (2020): Whataboutisms and Inconsistency. In: Argumentation, Heft 34, S. 433–447.
  • Bender, Michael (2025): Diskursgrammatik des Whataboutism. Kommentieren mit Interrogativsyntax am Beispiel der »Was ist mit X?«-Konstruktion in Bundestags-Zwischenrufen und Wissenschaftsblog-Kommentaren. In: Müller, Marcus; Reisigl, Martin; Becker, Maria; Bender, Michael; Felder, Ekkehard (Hrsg.): Diskursgrammatik. Sprache und Wissen. Berlin, Boston: De Gruyter. S. 213–249.

Zitierte Literatur und Belege

Abbildungsverzeichnis

Zitiervorschlag

Sali, Mona; Gerner, Denis (2026): Whataboutism. In: Diskursmonitor. Glossar zur strategischen Kommunikation in öffentlichen Diskursen. Hg. von der Forschungsgruppe Diskursmonitor und Diskursintervention. Veröffentlicht am 14.09.2026. Online unter: https://diskursmonitor.de/glossar/whatauboutism.

DiskursGlossar

Grundbegriffe

Akteur

Als Akteur oder Diskursakteur werden in der Diskursforschung meist Gruppen oder Grup-penstellvertreter verstanden, die mit kommunikativen Mitteln in der Öffentlichkeit versuchen, ihre Deutungen und Ressourcenansprüche gegen Rivalen durchzusetzen.

Diskursfigur

Diskursfiguren – wie der Held oder der Experte, das Genie, der Gefährder, Gutmensch, Nerd oder Psychopath – sind im medial-politischen Diskurs konstruierte und verbreitete Vorstellungen von Handlungsträgern, die stereotyp mit bestimmten Eigenschaften assoziiert werden. Sie erhalten durch musterhaften Sprachgebrauch, aber auch durch bildhafte Darstellungen eine kommunizierbare, wiedererkennbare Kontur.

Repräsentative Anekdote

Repräsentative Anekdote bezeichnet ein modellhaftes Kurznarrativ, das in Theorien, Weltanschauungen und komplexen Erklärungen selektiv reproduziert wird. So ist z.B. das „survival of the fittest“ (‚die Stärksten überleben‘) die repräsentative Anekdote, die in allen darwinistischen, sozialdarwinistischen und neodarwinistischen Theorien und Deutungsmustern als Modell dient und variabel ausgearbeitet wird.

Begriffsgeschichte

Die Begriffsgeschichte lässt sich allgemein als eine historische Methode beschreiben, die den zeitlichen Wandel der Bedeutungen von bestimmten Ausdrücken untersucht. Da einzelne Worte nie isoliert begegnen und ihre jeweiligen Bedeutungen erst im Kontext größerer sprachlicher Zusammenhänge oder semantischer Felder greifbar werden, verbindet sie sich flexibel mit anderen Methoden historischer Semantik, wie etwa der Diskursgeschichte, der Argumentationsgeschichte oder der Metaphernforschung (Metaphorologie).

Diskurssemantische Verschiebung

Mit dem Begriff der diskurssemantischen Verschiebung wird in der Diskursforschung ein Wandel in der öffentlichen Sprache und Kommunikation verstanden, der auf mittel- oder län-gerfristige Veränderung des Denkens, Handelns und/oder Fühlens größerer Gesellschafts-gruppen hinweist.

Domäne

Der Begriff der Domäne ist aus der soziologisch orientierten Sprachforschung in die Diskursforschung übernommen worden. Hier wird der Begriff dafür verwendet, um Muster im Sprachgebrauch und kollektiven Denken von sozialen Gruppen nach situationsübergreifenden Tätigkeitsbereichen zu sortieren.

Ideologie

Der Begriff Ideologie weist im Wesentlichen drei unterschiedliche Bedeutungen auf: Erstens kann er ein trügerisches, realitätsfernes oder dogmatisches Denken bezeichnen; so eignet er sich auch als Schlagwort bzw. politischer Kampfbegriff. Zweitens kann er auf eine sozial bedingte Weltanschauung oder ein umfassendes Ideen- und Wertesystem verweisen. Drittens kann mit Ideologie ein politisches Programm gemeint sein, welches Vorstellungen über gesellschaftliche Ordnung sowie Ziele für politisches Handeln beinhaltet.

Positionieren

Positionieren ist Grundbestandteil menschlicher Kommunikation. Wann immer wir miteinander interagieren und kommunizieren, bringen wir uns selbst, andere und die Objekte, über die wir sprechen, in bestimmte Relationen zueinander.

Deutungsmuster

Unter einem Deutungsmuster wird die problem- und lösungsbezogene Interpretation gesellschaftlicher und politischer Tatbestände verstanden, die Aussicht auf Akzeptanz in sozialen Gruppen hat. Der Begriff des Deutungsmusters hat Ähnlichkeit mit den Begriffen der Theorie und Ideologie. Meist werden gesellschaftlich verbreitete Leitdeutungen, die oft mit Schlagwörtern und Argumentationsmustern einhergehen (wie Globalisierung, Kapitalismus, Leistungsgesellschaft, Chancengleichheit etc.) als Beispiele für Deutungsmuster genannt.

Sinnformel

‚Wer sind wir? Woher kommen, wo stehen und wohin gehen wir? Wozu leben wir?‘ Auf diese und ähnliche existentielle Fragen geben Sinnformeln kondensierte Antworten, die in privaten wie sozialen Situationen Halt und Argumenten in politischen und medialen Debatten einen sicheren Unterbau geben können.

Techniken

Korruption

Korruption wird zum einen als Fachbegriff (Recht, Wissenschaft) verwendet und verweist auf ein Gebiet des Strafrechts und damit auf einen Teil des gesellschaftlichen Normensystems, das Delikte in Kontaktzonen von Politik und Ökonomie definiert.

Beschriftete Waffen

Das Betexten von Waffen, speziell Projektilen wie Schleuderbleien, Kanonenkugeln oder Bomben, mit an die Feindgruppe gerichteten Botschaften (Sarkasmus, Beleidigungen, Todeswünsche u. ä.) ist eine Praktik, die sich bis in die römische Antike zurückverfolgen lässt. Sie dient der Identifikation der Eigengruppe (Truppe oder Gefolgsleute) mit dem Ziel, die Moral vor einem Kampfansatz zu heben (emotional-psychologische Bewältigungsstrategie) sowie Gelassenheit und Siegesgewissheit propagandistisch gegenüber der Eigen- und Fremdgruppe zu inszenieren.

Zitieren

Zitieren bezeichnet die Wiedergabe ausgewählter Text(teil)e in unterschiedlichen Kommunikationskontexten wie Alltag, Wissenschaft, Journalismus und Politik. Grundsätzlich kann Zitieren der möglichst wertneutralen Wiedergabe bzw. Verweisung auf fremde Aussagen dienen, aber auch zur strategischen Positionierung eingesetzt werden. Auch in wissenschaftlichen Texten erfüllt das Zitieren neben der formal korrekten Bezugnahme auf fremde Aussagen u.a. argumentationsstützende Funktionen.

AI-Washing/KI-Washing

Unter AI-Washing ist die Praxis von Unternehmen oder Organisationen zu verstehen, Produkte, Dienstleistungen oder Geschäftsmodelle mit dem Etikett „Künstliche Intelligenz“ (KI bzw. „Artificial Intelligence“ (AI)) zu versehen, obwohl deren tatsächlicher Einsatz von KI-Technologien entweder stark übertrieben, nur marginal vorhanden oder überhaupt nicht gegeben ist.

Dogwhistle

Unter Dogwhistle wird in Teilen der Forschung eine doppeldeutige Äußerung verstanden, die eine offene und eine verdeckte Botschaft an jeweils eine Zuhörerschaft kommuniziert.

Demonstrieren

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Boykottaufruf

Der Boykottaufruf ist eine Maßnahme, die darauf abzielt, ein Ziel, also meist eine Verhaltensänderung des Boykottierten, hervorzurufen, indem zu einem Abbruch etwa der wirtschaftlichen oder sozialen Beziehungen zu diesem aufgefordert wird.

Tabuisieren

Das Wort Tabuisierung bezeichnet die Praxis, etwas Unerwünschtes, Anstößiges oder Peinliches unsichtbar zu machen oder als nicht akzeptabel zu markieren. Das Tabuisierte gilt dann moralisch als unsagbar, unzeigbar oder unmachbar.

Aus dem Zusammenhang reißen

Das Aus-dem-Zusammenhang-Reißen gehört in den Funktionskreis der Redewiedergabe bzw. der Wiedergabe kommunikativer Ereignisse. Es kann (1) als intentionale argumentativ-polemische Strategie für ganz unterschiedliche diskursive Zielsetzungen von Akteuren genutzt werden, oder (2) es kann SprecherInnen und SchreiberInnen in unbeabsichtigter, fehlerhafter Weise unterlaufen.

Lobbying

Lobbying ist eine Form strategischer Kommunikation, die sich primär an Akteure in der Politik richtet. Beim Lobbying wird ein Bündel von kommunikativen Tätigkeiten mit dem Ziel eingesetzt, die Entscheidungen von Personen mit politischem Mandat oder den Entstehungsprozess von neuen Gesetzestexten interessengeleitet zu beeinflussen.

Schlagwörter

Meinungsfreiheit

Meinungsfreiheit ist ein positiv konnotiertes Schlagwort. Das im Schlagwort kondensierte Pro-gramm wird allgemein zustimmend propagiert oder eingefordert, ohne dass immer verdeutlicht wird, welche Ausgestaltung von Meinungsfreiheit zugrunde liegt. Aufgrund dieser allgemeinen Zu-stimmung kann Meinungsfreiheit als Hochwertwort kategorisiert werden: In der öffentlichen Debat-te gibt es keine wahrnehmbaren Stimmen, die sich gegen Meinungsfreiheit (in dieser unbestimm-ten Form) aussprechen.

Diversität / Vielfalt

Diversität/Vielfalt ist ein aus einschlägigen US-Diskursen der (frühen) 1980er und der 1990er Jahre importiertes Schlagwort und ein Topos, der ethnische, sexuelle und körperliche (Behinderung etc.) Verschiedenheit positiv und programmatisch als Ressourcen der Mehrheitsgesellschaft kodiert. Vielfalt als Chance dürfte der hierzulande häufigste Slogan des Diversitäts-Hypes sein. Qua Diversität werden identitätsrelevante Unterschiede zwischen gesellschaftlichen Gruppen von Stigmata für Minderheiten zu Ressourcen für die Allgemeinheit umgedeutet.

Brückentechnologie

Ganz allgemein wird unter dem Schlagwort der Brückentechnologie sowohl in den öffentlichen Medien als auch in technisch und wirtschaftlich dominierten Kontexten eine Technologie verstanden, die zeitlich befristet eingesetzt werden soll, bevor in Zukunft der Übergang zu einer als sinnvoller eingeschätzten anderen Technologie möglich ist.

Deindustrialisierung

Der Ausdruck Deindustrialisierung (auch De-Industrialisierung oder als Verb deindustrialisieren) beschreibt im öffentlichen Sprachgebrauch eine negativ bewertete Form des Strukturwandels durch Rückgang von produzierendem Gewerbe.

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit als ein Schlagwort des öffentlichen Diskurses bezieht sich ganz allgemein auf einen ressourcenschonenderen Umgang mit dem, was uns Menschen der Planet Erde bietet, mit dem Ziel, dass auch nachfolgende Generationen noch die Möglichkeit haben, ähnlich gut zu leben wie wir heute (Generationengerechtigkeit).

Echokammer

Der Begriff der Echokammer steht in seiner heutigen Verwendung vor allem im Zusammenhang mit der Nutzung Sozialer Medien. Er verweist metaphorisch auf einen digitalen Kommunikations- und Resonanzraum, in dem Mediennutzer*innen lediglich Inhalten begegnen, die ihre eigenen, bereits bestehenden Ansichten bestätigen, während abweichende Perspektiven und Meinungen ausgeblendet bzw. abgelehnt werden.

Relativieren

Der Ausdruck relativieren besitzt zwei zentrale Bedeutungsvarianten: In bildungssprachlichen und wissenschaftlichen Kontexten bezeichnet er eine analytische Praxis, bei der Aussagen, Begriffe oder Phänomene durch Bezugnahme auf andere Sachverhalte eingeordnet, differen-ziert und in ihrer Geltung präzisiert werden.

Massendemokratie

Geprägt wurde der Begriff Massendemokratie im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts von völkisch-konservativen Akteuren (prominent darunter Carl Schmitt 1926). Der Ausdruck Masse hatte damals bei den bürgerlichen Eliten eine rundum bedrohliche Assoziation.

Social Bots

Als Social Bots werden Computerprogramme bezeichnet, die in der Lage sind, in sozialen Medien Kommunikation menschlicher Nutzer*innen (teilweise) automatisiert nachzuahmen.

Kriegsmüdigkeit

Der Ausdruck Kriegsmüdigkeit bezeichnet die emotionale und physische Erschöpfung von Menschen, die einen Krieg erleben, sowie die gesellschaftliche und politische Ermüdung angesichts langanhaltender Konflikte. Er beschreibt den sinkenden Kampfeswillen bei Kriegsparteien und heute wird er auch für das wachsende Desinteresse an Kriegsthemen in Medien und Öffentlichkeit genutzt.

Verschiebungen

Dehumanisierung

Mit Dehumanisierung bzw. Anthropomorphisierung werden solche kommunikativen Techniken und Praktiken bezeichnet, die Personen, Sachverhalten oder Gegenständen menschliche Eigenschaften ab- bzw. zusprechen. Dehumanisierung und Anthropomorphisierung können sowohl durch sprachliche Mittel als auch durch andere, z. B. bildliche, Zeichen vollzogen werden.

Kriminalisierung

Kriminalität meint ein Verhalten, das gegen ein Gesetz verstößt. Folglich bedeutet Kriminalisierung im engeren Sinne den Vorgang, durch den Verhalten ungesetzlich gemacht wird – indem Gesetze geschaffen werden.

Versicherheitlichung

In akademischen Kontexten wird Versicherheitlichung in Abgrenzung zu einem naiv-realistischen Sicherheitsverständnis verwendet. Dieses betrachtet Sicherheit als einen universell erstrebenswerten und objektiv feststellbaren Zustand, dessen Abwesenheit auf das Handeln von Akteuren zurückzuführen ist, die feindselig, kriminell, unverantwortlich oder zumindest fahrlässig agieren.

Ökonomisierung

Ökonomisierung wird in gegenwärtigen Diskursen in der Regel zur Bezeichnung von Prozessen verwendet, in denen die spezifisch wirtschaftlichen Funktions-Elemente wie Markt, Wettbewerb/Konkurrenz, Kosten-Nutzen-Kalküle, Effizienz, Gewinnorientierung in Bereiche übertragen werden, die zuvor teilweise oder ganz nach anderen Leitkriterien ausgerichtet waren

Moralisierung

Moralisierung verlagert Macht- und Interessenkonflikte in die Sphäre der Kommunikation von Achtung / Missachtung. Sie reduziert Ambivalenz zugunsten einer Polarisierung von gut und böse.

Konstellationen

Krise

Krise ist vom Wort mit fachsprachlicher Bedeutung zur Zeitdiagnose und einem zentralen Begriff der öffentlich-politischen Kommunikation geworden. Der öffentlich-politische Krisenbegriff ist dabei – unabhängig vom Gegenstand der Krise – in eine krisendiskurstypische Konstellation zur Begründung von krisenüberwindenden Handlungen eingebettet.

Partizipatorischer Diskurs

Partizipation ist mittlerweile von der Forderung benachteiligter Personen und Gruppen nach mehr Beteiligung in der demokratischen Gesellschaft zu einem Begriff der Institutionen selbst geworden: Kein Programm, keine Bewilligung mehr, ohne dass bestimmte Gruppen oder Personen dazu aufgefordert werden, für (mehr) Partizipation zu sorgen.

Skandal

Die Diskurskonstellation des Skandals zeichnet sich durch eine in den Medien aufgegriffene (bzw. durch sie erst hervorgerufene) empörte Reaktion eines erheblichen Teils der Bevölkerung auf einen tatsächlichen oder vermeintlichen Missstand aus. Die schuldhafte Verursachung dieses Missstandes wird dabei einem gesellschaftlichen Akteur zugeschrieben, dessen Handeln als ‚unmoralisch‘ gedeutet wird.

DiskursReview

Review-Artikel

Tagung 2027: Politisches Lobbying

Sprache und Lobbyismus- Strategische Kommunikation in Politik und Medien Tagung der Forschungsgruppe Diskursmonitor Tagung: 10. und 11. Juni 2027  |  Ort: Universität Siegen [Map]Kontakt: Prof. Dr. Friedemann Vogel, Joline Schmallenbach Call for Papers: 31.10.2026...

Der Totalverweigerer – Anmerkungen zu einer Diskursfigur der Feindbildproduktion im Sicherheits- und Sozialdiskurs

Die Bezeichnung Totalverweigerer wurde ursprünglich in den späten 70er Jahren im Rahmen der Auseinandersetzungen um die Inanspruchnahme des Rechtes auf Kriegsdienstverweigerung nach § 4.3 GG verwendet. Mit diesem Ausdruck wurden junge Männer stigmatisiert, die nicht nur den Wehrdienst, sondern auch den (längeren) zivilen „Ersatzdienst“ (später „Zivildienst“) verweigerten und damit, wie auch nicht-anerkannte Kriegsdienstverweigerer, Haftstrafen riskierten. Wer Zwangsdienste aus Gewissensgründen ablehnte, wurde darüber hinaus wahlweise als politisch unzuverlässig, fehlgeleitet-überspannt, renitent, feige und/oder faul markiert.

Memes als moderne Propaganda – Eine sprach- und medienkritische Untersuchung

Digitale Kommunikationsformen prägen heutige gesellschaftliche Debatten weitaus stärker als die klassischen Medien. Ihr Einfluss auf die politische Meinungsbildung und die Ausbildung ideologischer Positionen ist inzwischen unverkennbar und zählt zu den markantesten Entwicklungen der digitalen Gegenwart. Besonders hervorzuheben sind Memes: Sie verbreiten sich schnell, arbeiten mit humoristischen Mitteln und verdichten komplexe Inhalte auf ein Minimum an Zeichen. In öffentlichen Diskursen werden sie daher nicht mehr als spielerisches Internetphänomen betrachtet, sondern als ernstzunehmendes Instrument politischer Kommunikation und den damit einhergehenden propagandistischen Strategien.

Zeitalter der Polykrisen – Was sagt die Polykrise über die Gegenwart und Zukunft?

Beim Durchscrollen der Tagesschlagzeilen ist einem in den letzten Jahr wahrscheinlich der Ausdruck Polykrise ins Blickfeld geraten. Solche Schlagzeilen in deutschsprachigen Medien lauten beispielsweise (1) „Klimawandel, Krieg in der Ukraine, Abstiegsängste – die Welt ist aus den Fugen geraten: Drei Bücher zeigen Wege aus der Polykrise“ (Friedl 2026); (2) „Kritische Psychotherapie: Psychotherapie in der Polykrise“ (Dicks 2026); (3) „Optimismus in der Polykrise“ (Kolev 2025); (4) „Was tun gegen die …

„Genderwahn“ als sprachkritische Abwertung: Eine kritische Betrachtung

„Die Debatte über Gendern und Nicht-Gendern kann ich schon nicht mehr hören. Soll es doch jeder machen, wie er es selbst will.“ Dieses Zitat äußert der ehemalige Bundeskanzler Olaf Scholz im Rahmen der Feier zugunsten des Grundgesetzes, welches im Jahre 2024 den 75. Geburtstag feierte (vgl. Steinkohl et al. 2024). Deutlich wird hierbei, dass die Thematik rund um das Gendern in der Politik aufgefasst wird. Allerdings wird gleichzeitig deutlich, dass die Debatte in der Öffentlichkeit stark kritisiert …

Klimaterroristen: Wie Sprache politische Fronten schafft

Der öffentliche Diskurs über Klimaaktivismus ist in den vergangenen Jahren zunehmend polarisiert. Vor diesem Hintergrund hat sich der Ausdruck Klimaterrorist zu einem politisch und gesellschaftlich stark aufgeladenen Schlagwort entwickelt, das im Jahr 2022 als „Unwort des Jahres“ gewählt wurde (vgl. 2020ff. – Unwort des Jahres). Seine Verwendung verweist auf Konflikte über Legitimität, Moral und Rechtmäßigkeit verschiedener Formen des Protests. Gleichzeitig fungiert der Begriff als sprachliches …

Negativ konnotierte Fremdzuschreibung durch diskriminierende Begriffe – Ein sprachkritischer Beitrag zur Bezeichnung „Kanake“ und dem Zukunftswort „Talahon“

„Gerade diese scheinbar ›milden‹ Formen des Rassismus, die über die Sprache transportiert werden, sind schwer zu bekämpfen, da vielen Menschen nicht klar zu sein scheint, welche Macht Sprache besitzt.“ (Kunz, 2021, S. 58).

Der Begriff „Kanake“ (teilweise auch „Kanacke“) bedeutet in seiner ursprünglichen Bedeutung Mensch und bezeichnete Bewohner*innen der Inselgruppe Neukaledoniens im südlichen Pazifik (vgl. Trost, 2002). Dem Gebrauch lag dabei die Charakterisierung einer spezifischen Gesellschaft …