DiskursGlossar

Epistemischer Status

Kategorie: Grundbegriffe
Verwandte AusdrĂŒcke: AutoritĂ€t, Wissensordnung, Wissensbestand
Siehe auch: Wissen, Perspektive, ErzÀhlen
Autorin: Antje Wilton
Version: 1.3 / Datum: 23.11.2020

Kurzzusammenfassung

Als epistemischen Status bezeichnet man die WissensbestĂ€nde und -zugĂ€nge zu Ereignissen, Sachverhalten und Personen, die GesprĂ€chsteilnehmer*innen ihrem GegenĂŒber in der Interaktion zuschreiben. Gegenseitige EinschĂ€tzungen bezĂŒglich des epistemischen Status der GesprĂ€chsteilnehmer*innen nehmen Einfluss auf die Art, wie Teilnehmer*innen ihre GesprĂ€chsbeitrĂ€ge gestalten: So zeigt zum Beispiel eine Frage ĂŒblicherweise an, dass der/die Fragende davon ausgeht, weniger ĂŒber ein bestimmtes Ereignis zu wissen als der/die Befragte. Der epistemische Status der GesprĂ€chsteilnehmer*innen ist relativ zueinander und reicht von vollstĂ€ndiger Kenntnis (K+) bis zu Unkenntnis (K-) bezogen auf einen Sachverhalt sowie allen möglichen Positionen zwischen diesen beiden Polen.

Erweiterte BegriffsklÀrung

Die Annahmen ĂŒber den epistemischen Status des GegenĂŒbers sind entscheidend fĂŒr die Art der DurchfĂŒhrung sozialer Handlungen. Die Annahmen strukturieren wie ein Schema die WissensbestĂ€nde vor, die dann in der GesprĂ€chssituation aktualisiert und ausgehandelt werden. Typischerweise liegen Themen, die eine/n GesprĂ€chsteilnehmer*in persönlich betreffen, insbesondere GefĂŒhle, Gedanken, der eigene Körper, das Privatleben etc., im Wissensterritorium des/der jeweiligen GesprĂ€chsteilnehmers/in. Übergriffe in dieses Territorium durch andere GesprĂ€chsteilnehmer*innen können zu Problemen in der Interaktion fĂŒhren, indem Äußerungen beispielsweise als Anmaßung empfunden werden. Generell können durch das Einnehmen einer nicht mit dem epistemischen Status kongruenten Haltung, also wenn man so tut, als wĂŒsste man nichts ĂŒber einen bestimmten Sachverhalt, sollte es aber qua Position, oder wenn man umgekehrt Wissen fĂŒr sich beansprucht, auf das man kein oder nur ein nachgeordnetes Recht hat, (epistemic stance) sowohl gesichtsbedrohende als auch gesichtswahrende Handlungen vollzogen werden. Der epistemische Status eines/r Interaktionsteilnehmer/in kann durch institutionelle Strukturen bzw. Rollenzuschreibungen verankert sein (Modada 2011).

Die sprachlichen Mittel, um die epistemische Haltung anzuzeigen, zuzuschreiben, zu beanspruchen bzw. auszuhandeln, sind vielfĂ€ltig und reichen von Fragesyntax (WĂŒrden Sie sich jetzt schon mit diesem Impfstoff impfen lassen?) bzw -intonation ĂŒber Wissensmarker wie ich denke/glaube/meine bis hin zu Modalpartikeln bzw. EinstellungsausdrĂŒcken (ja, Reineke 2018). Auch interaktional gibt es verschiedene Strategien, epistemische AutoritĂ€t oder Autonomie im GesprĂ€ch zu reklamieren (De Stefani & Mondada 2017).

Ein/e erste/r Sprecher*in macht eine Aussage (first pair part), die eine epistemische Haltung kommuniziert, die von dem/der GesprĂ€chspartner*in in der Reaktion auf den ersten Beitrag (im second pair part) bestĂ€tigt, relativiert oder angefochten werden kann. Gerade wertende BeitrĂ€ge im ersten GesprĂ€chsbeitrag setzen den/die folgende/n Sprecher*in unter Druck: Ist er/sie nicht mit der Ansicht des/der ersten Sprecher*in einverstanden, obliegt es ihm/ihr, der Wertung eine eigene, unabhĂ€ngige Beurteilung entgegenzustellen (Raymond & Heritage 2005). Dies macht man sich insbesondere in Nachrichteninterviews mit Politiker*innen und anderen öffentlichen EntscheidungstrĂ€ger*innen zunutze, um den/die Befragte/n herauszufordern, in ErklĂ€rungsnot zu bringen und zur Verantwortung zu ziehen (Vincze et al. 2016). Das Frage-Antwort-Format impliziert, dass der/die Fragende ĂŒber einen bestimmten Sachverhalt weniger weiß als der/die Angesprochene. Gleichzeitig wird damit aber auch signalisiert, dass man von dem/der Angesprochenen erwartet, auf den in der Frage thematisierten Sachverhalt eine Antwort zu wissen, also einen direkteren Zugriff auf relevantes Wissen zu haben als der/die fragende Journalist*in und das von ihm/ihr vertretene Publikum. In solchen GesprĂ€chssituationen ist allerdings zu beachten, dass der/die Journalist*in institutionell legitimiert und prinzipiell zur NeutralitĂ€t verpflichtet ist und seine/ihre BeitrĂ€ge, auch wenn sie kontroverse Aussagen enthalten, darum in der Regel nicht als persönliche MeinungsĂ€ußerungen aufgefasst werden. Im Kontext des Interviews werden BeitrĂ€ge des/der Journalist*in ĂŒblicherweise als zulĂ€ssig behandelt, so lange sie erkennbar die soziale Handlung des ‚Fragens‘ (doing questioning) ausfĂŒhren (Clayman & Heritage 2002).

Im öffentlichen Diskurs sind Vorannahmen ĂŒber WissensbestĂ€nde der Akteur*innen sowie deren sprachlicher Ausdruck im Diskurs in der strategischen Kommunikation im Allgemeinen relevant, nehmen aber insbesondere im Diskurs um ,Fake News‘ spezielle Formen an. Umgang mit und Zuschreibung von WissensbestĂ€nden und Zugang zu Evidenzen und Sachverhalten unterliegen moralischen Normen (siehe dazu Stivers, Mondada & Steensig 2011), die mit Verpflichtungen verbunden sind. So wird, wie oben schon angesprochen, beispielsweise von einem/r Sprecher/in erwartet, dass er/sie Auskunft ĂŒber seine/ihre persönliche Situation geben kann. Umgekehrt kann der/die Sprecher/in aber auch erwarten, dass dieses persönliche Wissensterritorium vom GegenĂŒber respektiert wird. Von Sprecher*innen wird außerdem erwartet, dass sie sich am Wissensstand des GegenĂŒbers bei der Gestaltung ihrer RedebeitrĂ€ge orientieren, indem sie z.B. Referenzen auf Personen anpassen (meine Schwester vs. die Marianne). Zu den moralischen Pflichten der Sprecher*innen gehört auch, bestimmte Handlungen nicht durchzufĂŒhren, z.B. indem sie nicht nach Wissen fragen, das ihnen bereits bekannt ist. Insbesondere bei der Bearbeitung von Neuigkeiten sollten die Sprecher*innen demjenigen den Vortritt lassen, der dem entsprechenden Ereignis oder Sachverhalt am nĂ€chsten ist bzw. demjenigen, dem die grĂ¶ĂŸte AutoritĂ€t bezĂŒglich eines Ereignisses oder Sachverhalts zugestanden wird. Diese Normen und Pflichten sind, Ă€hnlich wie die Grice’schen Konversationsmaxime, jedoch nicht als dringend zu befolgende RatschlĂ€ge zu verstehen, sondern als Leitlinien einer Orientierung in Interaktionen, deren Nichtbefolgung die Regel sein kann bzw. zum Erreichen interaktionaler Zwecke eingesetzt wird. Bewusstes Hinterfragen, Herausfordern und Aufheben dieser Normen kann, wie oben erlĂ€utert, institutionell legitimiert bzw. fĂŒr institutionelle Formate konstitutiv sein; im ,Fake News‘-Diskurs können sie dazu fĂŒhren, Vertrauen in etablierte Wissensquellen, –verwalter und -kommunikatoren wie Wissenschaft und Medien zu dekonstruieren und dadurch Unsicherheit zu verbreiten.

Beispiele

(1) Experteninterview

Korinna Hennig: Das heißt, wenn Sie das fĂŒr uns ĂŒbersetzen, kann man auch bei dieser Mutation trotz möglicherweise verbesserter BindungsfĂ€higkeit nicht ableiten, dass Menschen mit ĂŒberstandener Erkrankung nicht mehr mit ihren gebildeten neutralisierenden Antikörpern gut auf diese Mutation reagieren können und auch nicht, dass es krankmachender oder infektiöser ist?

Christian Drosten: Sie stellen hier genau die richtige Frage. Sie benutzen das Wort neutralisierende Antikörper. Das ist nĂ€mlich entscheidend fĂŒr diese große im Raum stehende Frage: Bedeutet das jetzt ein erstes Zeichen von Drift des Virus gegen eine BevölkerungsimmunitĂ€t und gegen eine mögliche ImmunitĂ€t? Also haben wir hier ein erstes Warnsignal, dass das Virus sich verĂ€ndert? Das ist die große Frage, die hier mitschwingt. (NDR 2020)

Diese Frage-Antwort-Sequenz zeigt, wie die Journalistin den Experten fĂŒr ein Sachgebiet als solchen anspricht: In ihrem Redebeitrag stellt sie eine VerstĂ€ndnisfrage (Das heißt
?), die anzeigt, dass sie von ihrem GesprĂ€chspartner eine verlĂ€ssliche Antwort hinsichtlich des von ihr vorformulierten Sachverhalts erwartet. Sie zeigt außerdem an, dass sie fĂŒr sich, aber als Journalistin natĂŒrlich stellvertretend auch fĂŒr das Podcastpublikum fragt, indem sie das inklusive Personalpronomen uns verwendet. Der Expertenstatus des GegenĂŒbers wird weiterhin in der Bitte deutlich, den Sachverhalt zu ĂŒbersetzen, also fĂŒr ein Laienpublikum verstĂ€ndlich darzulegen. Interessanterweise wird durch die Vorformulierung des Sachverhalts durch die Wissenschaftsjournalistin zum einen ihre eigene, wenn auch als geringer dargestellte Fachkompetenz sichtbar, zum anderen leistet sie in AnsĂ€tzen schon die vereinfachte Darstellung, um die sie den Experten bittet, selbst. Dies ist auch in der Antwort des Experten deutlich, der die Annahmen der Journalistin zunĂ€chst explizit bestĂ€tigt (Sie stellen hier genau die richtige Frage) und dann seinen eigenen Expertenstatus festigt, indem er ihre Wortwahl (neutralisierende Antikörper) aufgreift und ausfĂŒhrlicher kontextualisiert.

(2) Nachrichteninterview

Claus Kleber: (
) Wir haben gerade ein Beispiel von einer Schule gesehen, wo ganz offensichtlich ist, dass das eine Virenschleuderapparatur ist, dieser Klassenraum. Warum erlauben die Schull- die fĂŒr die Schulen verantwortlichen LĂ€nder nicht diesen halben Unterricht? Die HĂ€lfte in der Ferne, die andere HĂ€lfte im Klassenraum und die halben Klassen wechseln s- sich ab.

Joachim Stamp: Herr Kleber, an der Stelle wĂŒrde ich Ihnen widersprechen wollen; die Schulen sind kein Virenschleuderapparat. Das haben alle Studien eh gezeigt, dass [erst mit deutlich steigendem Alter


Claus Kleber: [nicht alle Studien. Es gibt eine neue Studie aus MĂŒnchen, die das offensichtlich Naheliegende belegt: NatĂŒrlich werden Kinder krank. Man merkt es ihnen oft nicht an, aber sie werden krank, und die Dunkelziffer ist fĂŒnfmal höher als bei Erwachsenen und natĂŒrlich tragen die es weiter. LehrerverbĂ€nde, ElternverbĂ€nde, Gewerkschaften und Virologen sind sich einig, da mĂŒsste man was tun, und es wird verdammt wenig getan. (heute journal 2020)

In diesem Beispiel wird deutlich, wie ein Journalist und ein Politiker in einem Wissensgebiet, in dem sie beide keine Experten sind, den jeweils höheren epistemischen Status beanspruchen. Dabei macht der Journalist deutlich, dass die Erkenntnis, dass Kinder in der Pandemie genauso das Virus ĂŒbertragen wie Erwachsene, ein Wissensaspekt ist, der allgemein zugĂ€nglich, bekannt und als solcher von verschiedenen Fachleuten einhellig vertreten wird. Er verweist zum einen auf eine Schule in einem Beitrag, der gerade zuvor gesendet und so auch vom Politiker gesehen wurde, zum anderen auf eine konkrete Studie, die die pauschale Aussage des Politikers (alle Studien) zurĂŒckweist und konkretisiert. Er impliziert damit, dass sein GesprĂ€chspartner als Politiker die Pflicht hĂ€tte, dieses Wissen nicht nur zu teilen, sondern auch verantwortungsvoll danach zu handeln. Die Darstellung eines Sachverhalts als allgemein akzeptiert dient also dazu, den VerantwortungstrĂ€ger unter Druck zu setzen und ihn zu einer Rechtfertigung zu bewegen. Der Hinweis auf fehlendes, aber eigentlich notwendig vorhandenes Wissen auf Seiten des Politikers stellt diesen bloß und unterstellt ihm mangelnde Kompetenz in seinem politischen Entscheidungshandeln.

Literatur

Zum Weiterlesen

  • Deppermann, Arnulf (2015): Wissen im GesprĂ€ch: Voraussetzung und Produkt, Gegenstand und Ressource. InList No. 57. Online unter: http://www.inlist.uni-bayreuth.de/issues/57/index.htm ; Zugriff: 23.11.2020.

Zitierte Literatur und Belege

  • Clayman, Steven & Heritage, John (2002): The news interview. Cambridge: Cambridge University Press.
  • De Stefani, Elwys & Mondada, Lorenza (2017): Who’s the expert? Negotiating competence and authority in guided tours. In: Van de Mieroop, Dorien; Schnurr, Stephanie (Hrsg.): Identity struggles: evidence from workplaces around the world. Amsterdam: John Benjamins, S. 95–123.
  • Heritage, John (2012): Epistemics in action. Action formation and territories of knowledge. In: Research on Language and Social Interaction, Heft 1, Jg. 45, S. 1–29.
  • heute journal (2020): Sendung vom 16.11.2020 mit Claus Kleber und dem Familienminister NRW Joachim Stamp. Online unter: https://www.youtube.com/watch?v=ybT2HMBUUI4 ; Zugriff: 23.11.2020.
  • Mondada, Lorenza (2011): The management of knowledge discrepancies and of epistemic changes in institutional interaction. In: Stivers, Tanya; Mondada, Lorenza; Steensig, Jacob (Hrsg.): The Morality of Knowledge in Conversation. Cambridge: Cambridge University Press, S. 3–24.
  • NDR (2020): Coronavirus Update vom 10.11.2020, Folge 64. Online unter: https://www.ndr.de/nachrichten/info/coronaskript242.pdf ; Zugriff: 31.01.2022.
  • Raymond, Geoffrey; Heritage, John (2005): The Terms of Agreement: Indexing Epistemic Authority and Subordination in Talk-in-Interaction. In: Social Psychology Quarterly, Heft 1, Jg. 68, S. 15–38.
  • Reineke, Silke (2018): Interaktionale Analysen kognitiver PhĂ€nomene. Wissenszuschreibungen mit der Modalpartikel ‚ja‘. In: Marx, Konstanze; Meier, Simon: Sprachliches Handeln und Kognition. Theoretische Grundlagen und empirische Analysen. Berlin: de Gruyter, S. 183–204.
  • Stivers, Tanya; Mondada, Lorenza; Steensig, Jacob (Hrsg.) (2011): The Morality of Knowledge in Conversation. Cambridge: Cambridge University Press.
  • Vincze, Laura; Bongelli, Ramona; Riccioni, Illaria (2016): Ignorance-unmasking questions in the Royal–Sarkozy presidential debate: A resource to claim epistemic authority. In: Discourse Studies, Heft 4, Jg. 18, S. 430–454.

Zitiervorschlag

Wilton, Antje (2020): Epistemischer Status. In: Diskursmonitor. Glossar zur strategischen Kommunikation in öffentlichen Diskursen. Hg. von der Forschungsgruppe Diskursmonitor und Diskursintervention. Veröffentlicht am 23.11.2020. Online unter: https://diskursmonitor.de/glossar/epistemischer-status.

DiskursGlossar

Grundbegriffe

Begriffsgeschichte

Die Begriffsgeschichte lĂ€sst sich allgemein als eine historische Methode beschreiben, die den zeitlichen Wandel der Bedeutungen von bestimmten AusdrĂŒcken untersucht. Da einzelne Worte nie isoliert begegnen und ihre jeweiligen Bedeutungen erst im Kontext grĂ¶ĂŸerer sprachlicher ZusammenhĂ€nge oder semantischer Felder greifbar werden, verbindet sie sich flexibel mit anderen Methoden historischer Semantik, wie etwa der Diskursgeschichte, der Argumentationsgeschichte oder der Metaphernforschung (Metaphorologie).

Diskurssemantische Verschiebung

Mit dem Begriff der diskurssemantischen Verschiebung wird in der Diskursforschung ein Wandel in der öffentlichen Sprache und Kommunikation verstanden, der auf mittel- oder lĂ€n-gerfristige VerĂ€nderung des Denkens, Handelns und/oder FĂŒhlens grĂ¶ĂŸerer Gesellschafts-gruppen hinweist.

DomÀne

Der Begriff der DomĂ€ne ist aus der soziologisch orientierten Sprachforschung in die Diskursforschung ĂŒbernommen worden. Hier wird der Begriff dafĂŒr verwendet, um Muster im Sprachgebrauch und kollektiven Denken von sozialen Gruppen nach situationsĂŒbergreifenden TĂ€tigkeitsbereichen zu sortieren.

Positionieren

Positionieren ist Grundbestandteil menschlicher Kommunikation. Wann immer wir miteinander interagieren und kommunizieren, bringen wir uns selbst, andere und die Objekte, ĂŒber die wir sprechen, in bestimmte Relationen zueinander.

Deutungsmuster

Unter einem Deutungsmuster wird die problem- und lösungsbezogene Interpretation gesellschaftlicher und politischer TatbestĂ€nde verstanden, die Aussicht auf Akzeptanz in sozialen Gruppen hat. Der Begriff des Deutungsmusters hat Ähnlichkeit mit den Begriffen der Theorie und Ideologie. Meist werden gesellschaftlich verbreitete Leitdeutungen, die oft mit Schlagwörtern und Argumentationsmustern einhergehen (wie Globalisierung, Kapitalismus, Leistungsgesellschaft, Chancengleichheit etc.) als Beispiele fĂŒr Deutungsmuster genannt.

Sinnformel

‚Wer sind wir? Woher kommen, wo stehen und wohin gehen wir? Wozu leben wir?‘ Auf diese und Ă€hnliche existentielle Fragen geben Sinnformeln kondensierte Antworten, die in privaten wie sozialen Situationen Halt und Argumenten in politischen und medialen Debatten einen sicheren Unterbau geben können.

Praktik

Eine Praktik ist ein spezifisches, situativ vollzogenes und sinnhaftes BĂŒndel von körperlichen Verhaltensweisen, an dem mehrere Menschen und Dinge beteiligt sein können (z. B. Seufzen, um Frust auszudrĂŒcken, oder einen Beschwerdebrief schreiben, Fußballspielen).

Kontextualisieren

Kontextualisieren wird im allgemeineren bildungssprachlichen Begriffsgebrauch verwendet, um das Einordnen von etwas oder jemandem in einen bestimmten Zusammenhang zu bezeichnen.

Narrativ

Mit der diskursanalytischen Kategorie des Narrativs werden Vorstellungen von komplexen Denk- und Handlungsstrukturen erfasst. Narrative in diesem Sinne gehören wie Schlagwörter, Metaphern und Topoi zu den Grundkategorien der Analyse von Diskursen.

Argumentation

Argumentation bezeichnet jene sprachliche TĂ€tigkeit, in der man sich mithilfe von GrĂŒnden darum bemĂŒht, die Richtigkeit einer Antwort auf eine bestimmte Frage zu erweisen. Das kann in ganz verschiedenen Situationen und Bereichen nötig sein, namentlich um eine poli-tische, wissenschaftliche, rechtliche, unternehmerische oder private Angelegenheit zu klĂ€ren.

Techniken

Beschriftete Waffen

Das Betexten von Waffen, speziell Projektilen wie Schleuderbleien, Kanonenkugeln oder Bomben, mit an die Feindgruppe gerichteten Botschaften (Sarkasmus, Beleidigungen, TodeswĂŒnsche u. Ă€.) ist eine Praktik, die sich bis in die römische Antike zurĂŒckverfolgen lĂ€sst. Sie dient der Identifikation der Eigengruppe (Truppe oder Gefolgsleute) mit dem Ziel, die Moral vor einem Kampfansatz zu heben (emotional-psychologische BewĂ€ltigungsstrategie) sowie Gelassenheit und Siegesgewissheit propagandistisch gegenĂŒber der Eigen- und Fremdgruppe zu inszenieren.

AI-Washing/KI-Washing

Unter AI-Washing ist die Praxis von Unternehmen oder Organisationen zu verstehen, Produkte, Dienstleistungen oder GeschĂ€ftsmodelle mit dem Etikett „KĂŒnstliche Intelligenz“ (KI bzw. „Artificial Intelligence“ (AI)) zu versehen, obwohl deren tatsĂ€chlicher Einsatz von KI-Technologien entweder stark ĂŒbertrieben, nur marginal vorhanden oder ĂŒberhaupt nicht gegeben ist.

Dogwhistle

Unter Dogwhistle wird in Teilen der Forschung eine doppeldeutige Äußerung verstanden, die eine offene und eine verdeckte Botschaft an jeweils eine Zuhörerschaft kommuniziert.

Demonstrieren

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Boykottaufruf

Der Boykottaufruf ist eine Maßnahme, die darauf abzielt, ein Ziel, also meist eine VerhaltensĂ€nderung des Boykottierten, hervorzurufen, indem zu einem Abbruch etwa der wirtschaftlichen oder sozialen Beziehungen zu diesem aufgefordert wird.

Tabuisieren

Das Wort Tabuisierung bezeichnet die Praxis, etwas UnerwĂŒnschtes, AnstĂ¶ĂŸiges oder Peinliches unsichtbar zu machen oder als nicht akzeptabel zu markieren. Das Tabuisierte gilt dann moralisch als unsagbar, unzeigbar oder unmachbar.

Aus dem Zusammenhang reißen

Das Aus-dem-Zusammenhang-Reißen gehört in den Funktionskreis der Redewiedergabe bzw. der Wiedergabe kommunikativer Ereignisse. Es kann (1) als intentionale argumentativ-polemische Strategie fĂŒr ganz unterschiedliche diskursive Zielsetzungen von Akteuren genutzt werden, oder (2) es kann SprecherInnen und SchreiberInnen in unbeabsichtigter, fehlerhafter Weise unterlaufen.

Lobbying

Lobbying ist eine Form strategischer Kommunikation, die sich primĂ€r an Akteure in der Politik richtet. Beim Lobbying wird ein BĂŒndel von kommunikativen TĂ€tigkeiten mit dem Ziel eingesetzt, die Entscheidungen von Personen mit politischem Mandat oder den Entstehungsprozess von neuen Gesetzestexten interessengeleitet zu beeinflussen.

Karten

Karten dienen dazu, Raumausschnitte im Hinblick auf ausgewÀhlte Charakteristika so darzustellen, dass die Informationen unmittelbar in ihrem Zusammenhang erfasst und gut kommuniziert werden können. Dazu ist es notwendig, Daten und Darstellungsweisen auszuwÀhlen und komplexe und oft umkÀmpfte Prozesse der Wirklichkeit in einfachen Darstellungen zu fixieren.

Pressemitteilung

Pressemitteilungen sind standardisierte Mitteilungen von Organisationen, die sich an Journalist:innen und andere Multiplikator:innen richten. Sie dienen der offiziellen und zitierfĂ€higen Informationsweitergabe und ĂŒbernehmen zugleich strategische Funktionen in der öffentlichen Kommunikation und Meinungssteuerung.

Schlagwörter

BrĂŒckentechnologie

Ganz allgemein wird unter dem Schlagwort der BrĂŒckentechnologie sowohl in den öffentlichen Medien als auch in technisch und wirtschaftlich dominierten Kontexten eine Technologie verstanden, die zeitlich befristet eingesetzt werden soll, bevor in Zukunft der Übergang zu einer als sinnvoller eingeschĂ€tzten anderen Technologie möglich ist.

Deindustrialisierung

Der Ausdruck Deindustrialisierung (auch De-Industrialisierung oder als Verb deindustrialisieren) beschreibt im öffentlichen Sprachgebrauch eine negativ bewertete Form des Strukturwandels durch RĂŒckgang von produzierendem Gewerbe.

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit als ein Schlagwort des öffentlichen Diskurses bezieht sich ganz allgemein auf einen ressourcenschonenderen Umgang mit dem, was uns Menschen der Planet Erde bietet, mit dem Ziel, dass auch nachfolgende Generationen noch die Möglichkeit haben, Àhnlich gut zu leben wie wir heute (Generationengerechtigkeit).

Echokammer

Der Begriff der Echokammer steht in seiner heutigen Verwendung vor allem im Zusammenhang mit der Nutzung Sozialer Medien. Er verweist metaphorisch auf einen digitalen Kommunikations- und Resonanzraum, in dem Mediennutzer*innen lediglich Inhalten begegnen, die ihre eigenen, bereits bestehenden Ansichten bestÀtigen, wÀhrend abweichende Perspektiven und Meinungen ausgeblendet bzw. abgelehnt werden.

Relativieren

Der Ausdruck relativieren besitzt zwei zentrale Bedeutungsvarianten: In bildungssprachlichen und wissenschaftlichen Kontexten bezeichnet er eine analytische Praxis, bei der Aussagen, Begriffe oder PhÀnomene durch Bezugnahme auf andere Sachverhalte eingeordnet, differen-ziert und in ihrer Geltung prÀzisiert werden.

Massendemokratie

GeprĂ€gt wurde der Begriff Massendemokratie im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts von völkisch-konservativen Akteuren (prominent darunter Carl Schmitt 1926). Der Ausdruck Masse hatte damals bei den bĂŒrgerlichen Eliten eine rundum bedrohliche Assoziation.

Social Bots

Als Social Bots werden Computerprogramme bezeichnet, die in der Lage sind, in sozialen Medien Kommunikation menschlicher Nutzer*innen (teilweise) automatisiert nachzuahmen.

KriegsmĂŒdigkeit

Der Ausdruck KriegsmĂŒdigkeit bezeichnet die emotionale und physische Erschöpfung von Menschen, die einen Krieg erleben, sowie die gesellschaftliche und politische ErmĂŒdung angesichts langanhaltender Konflikte. Er beschreibt den sinkenden Kampfeswillen bei Kriegsparteien und heute wird er auch fĂŒr das wachsende Desinteresse an Kriegsthemen in Medien und Öffentlichkeit genutzt.

Woke

Der Ausdruck woke stammt aus dem afroamerikanischen Englisch und bezeichnete dort zunĂ€chst den Bewusstseinszustand der AufgeklĂ€rtheit ĂŒber die Verbreitung von rassistischen Vorurteilen und Diskriminierung unter Angehörigen ethnischer Minderheiten.

IdentitÀt

Unter IdentitĂ€t versteht man allgemein die Summe von Merkmalen, die Individuen oder sozialen Kollektiven – etwa Nationen, Organisationen oder sozialen Gruppen – als charakteristisch oder gar als angeboren zugeordnet werden.

Verschiebungen

Dehumanisierung

Mit Dehumanisierung bzw. Anthropomorphisierung werden solche kommunikativen Techniken und Praktiken bezeichnet, die Personen, Sachverhalten oder GegenstÀnden menschliche Eigenschaften ab- bzw. zusprechen. Dehumanisierung und Anthropomorphisierung können sowohl durch sprachliche Mittel als auch durch andere, z. B. bildliche, Zeichen vollzogen werden.

Kriminalisierung

KriminalitĂ€t meint ein Verhalten, das gegen ein Gesetz verstĂ¶ĂŸt. Folglich bedeutet Kriminalisierung im engeren Sinne den Vorgang, durch den Verhalten ungesetzlich gemacht wird – indem Gesetze geschaffen werden.

Versicherheitlichung

In akademischen Kontexten wird Versicherheitlichung in Abgrenzung zu einem naiv-realistischen SicherheitsverstĂ€ndnis verwendet. Dieses betrachtet Sicherheit als einen universell erstrebenswerten und objektiv feststellbaren Zustand, dessen Abwesenheit auf das Handeln von Akteuren zurĂŒckzufĂŒhren ist, die feindselig, kriminell, unverantwortlich oder zumindest fahrlĂ€ssig agieren.

Ökonomisierung

Ökonomisierung wird in gegenwĂ€rtigen Diskursen in der Regel zur Bezeichnung von Prozessen verwendet, in denen die spezifisch wirtschaftlichen Funktions-Elemente wie Markt, Wettbewerb/Konkurrenz, Kosten-Nutzen-KalkĂŒle, Effizienz, Gewinnorientierung in Bereiche ĂŒbertragen werden, die zuvor teilweise oder ganz nach anderen Leitkriterien ausgerichtet waren

Moralisierung

Moralisierung verlagert Macht- und Interessenkonflikte in die SphÀre der Kommunikation von Achtung / Missachtung. Sie reduziert Ambivalenz zugunsten einer Polarisierung von gut und böse.

Konstellationen

Krise

Krise ist vom Wort mit fachsprachlicher Bedeutung zur Zeitdiagnose und einem zentralen Begriff der öffentlich-politischen Kommunikation geworden. Der öffentlich-politische Krisenbegriff ist dabei – unabhĂ€ngig vom Gegenstand der Krise – in eine krisendiskurstypische Konstellation zur BegrĂŒndung von krisenĂŒberwindenden Handlungen eingebettet.

Partizipatorischer Diskurs

Partizipation ist mittlerweile von der Forderung benachteiligter Personen und Gruppen nach mehr Beteiligung in der demokratischen Gesellschaft zu einem Begriff der Institutionen selbst geworden: Kein Programm, keine Bewilligung mehr, ohne dass bestimmte Gruppen oder Personen dazu aufgefordert werden, fĂŒr (mehr) Partizipation zu sorgen.

Skandal

Die Diskurskonstellation des Skandals zeichnet sich durch eine in den Medien aufgegriffene (bzw. durch sie erst hervorgerufene) empörte Reaktion eines erheblichen Teils der Bevölkerung auf einen tatsĂ€chlichen oder vermeintlichen Missstand aus. Die schuldhafte Verursachung dieses Missstandes wird dabei einem gesellschaftlichen Akteur zugeschrieben, dessen Handeln als ‚unmoralisch‘ gedeutet wird.

DiskursReview

Review-Artikel

Tagung 2027: Politisches Lobbying

Sprache und Lobbyismus- Strategische Kommunikation in Politik und Medien Tagung der Forschungsgruppe Diskursmonitor Tagung: 10. und 11. Juni 2027  |  Ort: UniversitÀt Siegen [Map]Kontakt: Prof. Dr. Friedemann Vogel, Joline Schmallenbach Call for Papers: 31.10.2026...

Der Totalverweigerer – Anmerkungen zu einer Diskursfigur der Feindbildproduktion im Sicherheits- und Sozialdiskurs

Die Bezeichnung Totalverweigerer wurde ursprĂŒnglich in den spĂ€ten 70er Jahren im Rahmen der Auseinandersetzungen um die Inanspruchnahme des Rechtes auf Kriegsdienstverweigerung nach § 4.3 GG verwendet. Mit diesem Ausdruck wurden junge MĂ€nner stigmatisiert, die nicht nur den Wehrdienst, sondern auch den (lĂ€ngeren) zivilen „Ersatzdienst“ (spĂ€ter „Zivildienst“) verweigerten und damit, wie auch nicht-anerkannte Kriegsdienstverweigerer, Haftstrafen riskierten. Wer Zwangsdienste aus GewissensgrĂŒnden ablehnte, wurde darĂŒber hinaus wahlweise als politisch unzuverlĂ€ssig, fehlgeleitet-ĂŒberspannt, renitent, feige und/oder faul markiert.

Memes als moderne Propaganda – Eine sprach- und medienkritische Untersuchung

Digitale Kommunikationsformen prÀgen heutige gesellschaftliche Debatten weitaus stÀrker als die klassischen Medien. Ihr Einfluss auf die politische Meinungsbildung und die Ausbildung ideologischer Positionen ist inzwischen unverkennbar und zÀhlt zu den markantesten Entwicklungen der digitalen Gegenwart. Besonders hervorzuheben sind Memes: Sie verbreiten sich schnell, arbeiten mit humoristischen Mitteln und verdichten komplexe Inhalte auf ein Minimum an Zeichen. In öffentlichen Diskursen werden sie daher nicht mehr als spielerisches InternetphÀnomen betrachtet, sondern als ernstzunehmendes Instrument politischer Kommunikation und den damit einhergehenden propagandistischen Strategien.

Zeitalter der Polykrisen – Was sagt die Polykrise ĂŒber die Gegenwart und Zukunft?

Beim Durchscrollen der Tagesschlagzeilen ist einem in den letzten Jahr wahrscheinlich der Ausdruck Polykrise ins Blickfeld geraten. Solche Schlagzeilen in deutschsprachigen Medien lauten beispielsweise (1) „Klimawandel, Krieg in der Ukraine, AbstiegsĂ€ngste – die Welt ist aus den Fugen geraten: Drei BĂŒcher zeigen Wege aus der Polykrise“ (Friedl 2026); (2) „Kritische Psychotherapie: Psychotherapie in der Polykrise“ (Dicks 2026); (3) „Optimismus in der Polykrise“ (Kolev 2025); (4) „Was tun gegen die …

„Genderwahn“ als sprachkritische Abwertung: Eine kritische Betrachtung

„Die Debatte ĂŒber Gendern und Nicht-Gendern kann ich schon nicht mehr hören. Soll es doch jeder machen, wie er es selbst will.“ Dieses Zitat Ă€ußert der ehemalige Bundeskanzler Olaf Scholz im Rahmen der Feier zugunsten des Grundgesetzes, welches im Jahre 2024 den 75. Geburtstag feierte (vgl. Steinkohl et al. 2024). Deutlich wird hierbei, dass die Thematik rund um das Gendern in der Politik aufgefasst wird. Allerdings wird gleichzeitig deutlich, dass die Debatte in der Öffentlichkeit stark kritisiert …

Klimaterroristen: Wie Sprache politische Fronten schafft

Der öffentliche Diskurs ĂŒber Klimaaktivismus ist in den vergangenen Jahren zunehmend polarisiert. Vor diesem Hintergrund hat sich der Ausdruck Klimaterrorist zu einem politisch und gesellschaftlich stark aufgeladenen Schlagwort entwickelt, das im Jahr 2022 als „Unwort des Jahres“ gewĂ€hlt wurde (vgl. 2020ff. – Unwort des Jahres). Seine Verwendung verweist auf Konflikte ĂŒber LegitimitĂ€t, Moral und RechtmĂ€ĂŸigkeit verschiedener Formen des Protests. Gleichzeitig fungiert der Begriff als sprachliches …

Negativ konnotierte Fremdzuschreibung durch diskriminierende Begriffe – Ein sprachkritischer Beitrag zur Bezeichnung „Kanake“ und dem Zukunftswort „Talahon“

„Gerade diese scheinbar â€șmildenâ€č Formen des Rassismus, die ĂŒber die Sprache transportiert werden, sind schwer zu bekĂ€mpfen, da vielen Menschen nicht klar zu sein scheint, welche Macht Sprache besitzt.“ (Kunz, 2021, S. 58).

Der Begriff „Kanake“ (teilweise auch „Kanacke“) bedeutet in seiner ursprĂŒnglichen Bedeutung Mensch und bezeichnete Bewohner*innen der Inselgruppe Neukaledoniens im sĂŒdlichen Pazifik (vgl. Trost, 2002). Dem Gebrauch lag dabei die Charakterisierung einer spezifischen Gesellschaft …

Wenn aus Vielen Einer wird – Warum pauschale Nationsbezeichnungen sprachlich gefĂ€hrlich sind

„In dieser Situation sind die Deutschen sehr unzufrieden mit der Arbeit der Politik.“ (Kinkartz, 2025), schreibt die Deutsche Welle im November 2025. Gemeint ist dabei keine einzelne Person oder klar definierte Gruppe, sondern eine ganze Nation, welche mit einem einzigen Artikel zu einem scheinbar einheitlichen Kollektiv zusammengefasst wurde. Solche Formulierungen sind kein Einzelfall. Ähnliche Beispiele, wie „Die Russen greifen an vielen Stellen an“ (Die Welt am Morgen, 2024), „Die Ukrainer …

Das Crazy, wenn Worte BrĂŒcken zwischen Generationen sprengen! – Eine sprachkritische Betrachtung von Jugendsprache: Mediale Darstellung, Generationenkonflikt und PĂ€dagogische EinschĂ€tzung

Das Jugendwort des Jahres 2025 lautet „das Crazy“. Es meint: „Es gibt keine wirklich passende Antwort. Oder keine wirklich höfliche. Oder eine zu ausfĂŒhrliche, auf die der Antwortende aber gerade keine Lust hat. Oder einfach nur okay“ (Tagesschau, 2025). Torsten StrĂ€ter, Kabarettist und Vertreter der Generation X, hört es und stockt: „
das sind zwei Worte
 [außerdem] fehlt eins
 Vielleicht bin ich ein zu verknöcherter alter Mann geworden, dass ich mich ĂŒber so eine Ka­cke
 Wer es sagt – Ohrfeige“ …

„Stadtbild“ als politisches Schlagwort – Ein sprach- und medienkritischer Beitrag zur migrationspolitischen Äußerung von Friedrich Merz

Im Rahmen einer Pressekonferenz Ă€ußerte sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am 14. Oktober 2025 bei einem Besuch in Brandenburg zur Migrationspolitik. Er verwies dabei auf sinkende Migrationszahlen sowie auf bereits geplante und umgesetzte Maßnahmen, insbesondere RĂŒckfĂŒhrungen. Merz verwendete dabei den Ausdruck „Stadtbild“, der im gegebenen Kontext negativ konnotiert wurde und sich daraufhin innerhalb kurzer Zeit zu einem politischen Schlagwort entwickelte.
Ausgangspunkt war eine journalistische …