
DiskursGlossar
Begriffsgeschichte
Kategorie: Grundbegriffe
Verwandte Ausdrücke: Bedeutungsgeschichte, historische Semantik, kulturelle Semantik
Siehe auch: Bedeutung, Begriffe besetzen, Diskurs, Schlagwort
Autor: Falko Schmieder
Version: 1.0 / Datum: 12.01.2026
Kurzzusammenfassung
Die Begriffsgeschichte lässt sich allgemein als eine historische Methode beschreiben, die den zeitlichen Wandel der Bedeutungen von bestimmten Ausdrücken untersucht. Da einzelne Worte nie isoliert begegnen und ihre jeweiligen Bedeutungen erst im Kontext größerer sprachlicher Zusammenhänge oder semantischer Felder greifbar werden, verbindet sie sich flexibel mit anderen Methoden historischer Semantik, wie etwa der Diskursgeschichte, der Argumentationsgeschichte oder der Metaphernforschung (Metaphorologie). Ein übergreifendes Interesse ist es, anhand der Analyse des Bedeutungswandels Aufschlüsse über die Veränderung kollektiver Wahrnehmungsweisen, Welt- und Selbstdeutungen zu gewinnen. Die begriffsgeschichtliche Analyse trägt so zur historischen Bewusstseinsbildung und Selbstaufklärung bei. Darüber hinaus hat die Begriffsgeschichte aber vielfältige weitere kritische Funktionen. So können die Analysen des konkreten Sprachgebrauchs dazu beitragen, verschiedene strategische Funktionen des Einsatzes von Begriffen zu analysieren und Instrumentalisierungen von Geschichte aufzudecken oder das unterschwellige Fortwirken historischer Bezüge zu verstehen.
Erweiterte Begriffsklärung
Begriffsgeschichte hat sowohl als Begriff wie auch als Methode der Untersuchung des Bedeutungswandels selbst eine Geschichte und war und ist vielfältigen Transformationen unterworfen. Der Ausdruck taucht zuerst in der Nachschrift einer Vorlesung Hegels zur Philosophie der Weltgeschichte auf, die sein Schüler Eduard Gans angefertigt hat. Er bezeichnet hier so etwas wie eine philosophisch reflektierte Geschichte eines Teilgebiets der menschlichen Vernunft, z. B. die Geschichte der Kunst, des Rechts oder der Religion. Hegel fasst Begriffe und Ideen in ihrer Einheit von Subjekt und Objekt und ist an der Sprachlichkeit des Wissens und den Kontingenzen des Begriffsgebrauchs noch nicht interessiert. Auch die anschließenden Konzepte von Begriffsgeschichte haben zunächst wenig mit der späteren Methodik zu tun, denn es geht ihnen, etwa bei Teichmüller oder Trendelenburg, in normativer Absicht darum, die begrifflichen Grundlagen der griechischen, insbesondere aristotelischen Philosophie freizulegen, die durch die neuzeitliche Philosophie vermeintlich verschüttet worden seien. Unter den Bedingungen des Nationalsozialismus diente die Begriffsgeschichte vor allem begriffspolitischen Interessen. Erst allmählich wurde die Begriffsgeschichte auch als eine historisch-kritische Methode entwickelt, darunter von vielen akademischen Außenseitern, deren Ansätze lange Zeit vergessen waren.
Die Vielfalt ihrer verschiedenen Ausgestaltungen erwächst nicht zuletzt daraus, dass sie als Methode in mindestens drei verschiedenen Disziplinen wurzelt, nämlich der Sprachwissenschaft, der Philosophie und der Geschichtswissenschaft. Jede dieser Disziplinen hat ihr eigenes Verständnis von Begriffsgeschichte und spezifische Forschungstraditionen hervorgebracht. Darüber hinaus kommt die Begriffsgeschichte aber auch in anderen Disziplinen zur Anwendung, womit sich das Spektrum von Fragestellungen und Untersuchungsmethoden nochmals verbreitert. Entsprechend gibt es in den verschiedenen Disziplinen jeweils unterschiedliche Konzepte von Begriffsgeschichte und die Abgrenzungen zu benachbarten Ansätzen wie der historischen Semantik bleiben unscharf. In linguistischer Perspektive etwa untersucht die Begriffsgeschichte vornehmlich die absichtsvolle Veränderung bestimmter disziplinärer Fachbegriffe mit Bedeutungen hohen Abstraktionsgrades (z. B. juristische Semantiken, vgl. Busse 1992a, 1992b), während die historische Semantik am Wandel alltagssprachlicher Wörter (z. B. Generation, Alltag, Energie) interessiert ist, der sich oft stillschweigend über die Usualisierung okkasioneller Verwendungen vollzieht. Andere Autoren sehen die Begriffsgeschichte als Spezialfall oder Subdisziplin der historischen Semantik an: die Begriffsgeschichte konzentriere sich auf die Geschichte einzelner Wörter und bestimmte Umschwünge oder Knotenpunkte ihres diachronen Wandels, während die historische Semantik eher an der Transformation größerer semantischer Felder, Satzmuster, Diskurse oder auch an vor- und außersprachlichen Bedeutungsveränderungen (in visuellen Semantiken, Ritualen etc.) interessiert sei. Als Oberbegriff für beide Ansätze wurde dann kulturelle Semantik vorgeschlagen, die sich mit Bedeutungen jedweder Art und ihren Veränderungen, mit Bedeutsamkeiten im Horizont der Geschichte beschäftigt.
Das jeweilige Verständnis von Begriffsgeschichte und ihr Verhältnis zu benachbarten Methoden hängt immer von den jeweiligen Fragestellungen oder Erkenntnisinteressen ab. Von hier aus lassen sich auch verschiedene Funktionen der Begriffsgeschichte bestimmen. Zu ihren kritischen Funktionen gehört die Auflösung des Scheins von Begriffskonstanz und die Arbeit an historischen Bedeutungsdifferenzen. Durch die begriffsgeschichtliche Rekonstruktion kann sichtbar gemacht werden, dass derselbe sprachliche Ausdruck in verschiedenen Zeiten verschiedene, zum Teil sogar gegensätzliche Bedeutungen hatte. Auf dieser Grundlage kann dann weiter gefragt werden, wie es zu diesem Bedeutungswandel kam. Die Begriffsgeschichte leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung von Anachronismen und kann davor schützen, Zeitgenossen früherer Epochen durch historische Rückprojektion Begriffe und Vorstellungen zu unterstellen, die sie gar nicht hatten oder gar nicht haben konnten. Zu diesem Problemkreis gehört auch die Reflexion auf die Differenz von Quellen- und Metasprache. Ist es legitim, Begrifflichkeiten der Moderne auf historische Zeiten anzuwenden, die über diese Begrifflichkeiten noch nicht verfügt haben? Eine Anschlussfrage ist dann, welche Begriffe geeignet sind, die Differenz zwischen verschiedenen historischen Begriffen und Sprachspielen zu überbrücken.
Die Begriffsgeschichte kann auch in historischer Perspektive den synchronen Gebrauch von Begriffen untersuchen. Sie schärft dann das Bewusstsein dafür, dass die Begriffe zu ihrer jeweiligen Zeit umstritten und umkämpft waren. Gerade indem sie die Aufmerksamkeit auf die semantischen Kämpfe lenkt, sensibilisiert sie für die Kontingenz historischer Begriffsentwicklungen. Zum dominierenden Sprachgebrauch hat es immer Alternativen gegeben und die Begriffsgeschichte kann dazu dienen, die historisch unterlegenen, zum Schweigen gebrachten oder vergessenen Bedeutungen zu rekonstruieren und ihnen dadurch vielleicht eine neue Aktualität oder Relevanz zu verschaffen. Der Blick auf die begriffspolitischen Intentionen der Sprachverwender hat auch die ideologiekritische Pointe, Verdinglichungen und Hypostasierungen von Begriffen zu vermeiden: Begriffe bewegen sich nicht, sie werden bewegt, und zwar jeweils von Menschen in bestimmten sozialen Positionen und mit spezifischen Interessen (vgl. Knobloch 1992).
Beispiele
(1) Begriffsgeschichte als Arbeit an historischen Bedeutungsdifferenzen
In der Vormoderne hat der Begriff veralten im Wesentlichen die Bedeutung von ‚altern‘ oder ‚alt werden‘. Eine berühmte Schrift von Immanuel Kant trägt den Titel: Die Frage, ob die Erde veralte, physikalisch erwogen (1754). Im selben Sinn ist die Rede von einem veralteten Greis. Dieser Bedeutungsgehalt mag heute befremden, weil das Wort veralten in der Moderne die neue Bedeutung von ,überholt‘, ,nicht mehr zeitgemäß‘ hat. Eine Sache kann gemäß dieser Bestimmung nagelneu und doch bereits veraltet sein – etwa dadurch, dass zeitgleich ein technisch fortgeschritteneres Produkt hergestellt wurde. Die Begriffsgeschichte legt diesen fundamentalen Gegensatz offen und kann zugleich eruieren, wann und wie sich aus der alten die neue Bedeutung gebildet hat. – Eine ganz ähnliche Umkehrung ins Gegenteil hat der Begriff der Revolution erfahren. In der Vormoderne hat er die Bedeutung eines ‚regelmäßigen Umlaufs‘; ein Modell für diese Bedeutung ist der ‚Umlauf der Sterne‘. Im Begriff Revolver ist diese ältere Bedeutung heute noch präsent. Mit der Französischen Revolution ist dann eine neue Bedeutung von Revolution aufgekommen, die den ‚Umsturz‘ und die ‚Umwälzung der Verhältnisse‘ meint. Revolution in diesem Sinne bricht aus dem Kreislauf aus und öffnet sich für präzedenzlos Neues, das vorher nicht absehbar war (vgl. Koselleck 1984).
(2) Dekonstruktion des Naturscheins von Begriffen
Gerade Ansätze in der Tradition der Gesellschaftskritik von Karl Marx haben in ihrer Kritik an Essenzialisierungen und Naturalisierungen die Historizität der Verhältnisse und Begriffe – also ihr Gewordensein und ihre Veränderbarkeit – betont. Entsprechend gilt ihr Augenmerk dem ,historischen Index‘ oder ,Zeitkern‘ von Aussagen. Dieser lässt sich ohne begriffsgeschichtliche Verfahren nicht eruieren. Schon bei Marx lässt sich daher im Zuge seiner Darstellung der historischen Spezifik der modernen kapitalistischen Produktions- und Lebensverhältnisse auch eine Sensibilität für die historischen Dimensionen von Begriffen beobachten. Anhand von einzelnen Untersuchungen zeigt er, dass selbst scheinbar universale Begriffe wie Individuum, Familie, Geschichte, Ware, Eigentum, Fortschritt oder Arbeit „ihre geschichtliche Spur“ tragen (vgl. Marx 1985: 183). Wenn in der offiziellen Politik die ,eigentliche‘ Bedeutung eines Begriffs reklamiert oder beschworen wird, z. B. in identitätspolitischen Debatten in Bezug auf die Begriffe Heimat oder Volk, so kann eine Geschichte dieser Begriffe die multiplen Ursprünge und verschiedenen Bedeutungsmöglichkeiten derselben aufzeigen.
(3) Kritik historischer Rückprojektion
Es gibt eine Vielzahl von Arbeiten, in denen ein modernes Begriffsverständnis in die Geschichte zurückgespiegelt wird – zumeist in der Annahme, dass es die mit dem Begriff gemeinte ,Sache‘ schon immer gegeben habe. Ein Beispiel dafür sind Arbeiten zu antiken Schilderungen von Naturkatastrophen. Auf den ersten Blick scheint die Anwendung des Begriffs hier also ganz unproblematisch zu sein, zumal sich in der Antike auch ein sprachliches Äquivalent zu Katastrophe findet. Ein begriffsgeschichtlicher Ansatz kann hier aber zur Differenzierung beitragen. Er kann zum Beispiel sichtbar machen, dass in der Antike zumeist konkrete Beschreibungen verschiedener Formen dessen zu finden sind, was in der Moderne alles unter den Oberbegriff ,Naturkatastrophe‘ subsumiert wird – es ist also zumeist konkreter von Überschwemmung, Erdbeben, Dürre usw. die Rede. Zudem lässt sich zeigen, dass die ,Katastrophen‘ im Verständnis der Antike keineswegs ausschließlich negativ gesehen worden sind, sondern auch positiv als Teil einer kosmischen Ordnung, in der alles seinen Sinn hat. Bedeutungsdimensionen von Katastrophe, die uns heute ganz natürlich vorkommen, erweisen sich so als Resultate spezifischer kulturell-religiöser Verhältnisse und als Abstraktionen einer verwissenschaftlichten Gesellschaft (vgl. Meier 2007).
(4) Analyse strategischen Sprachgebrauchs
Die Begriffsgeschichte kann eine kritische Funktion gewinnen durch ihre Analyse verschiedener Formen strategischen Sprachgebrauchs. Zu ihrer Methodik und Praxeologie gehört ein breit gefächertes Spektrum analytischer Begriffstypen, die der Differenzierung verschiedener Begriffsfunktionen dienen, wie etwa: Aktionsbegriff, Bewegungsbegriff, Deckbegriff, Feindbegriff, Gegenbegriff, Identifikationsbegriff, Kompensationsbegriff, Legitimationsbegriff etc. Beispiele für strategischen Sprachgebrauch sind etwa die Verwendung von Alternativbegriffen zur Vermeidung brisanter Begriffe (Lexikalisches Diffundieren), wie es etwa geschieht, wenn anstelle von Kapitalismus von Marktwirtschaft die Rede ist. Ein großes Feld strategischen Sprachgebrauchs bilden die Euphemismen, die widrige Verhältnisse beschönigen und damit indirekt rechtfertigen helfen. Besonders viele Euphemismen finden sich im Vokabular der Nationalsozialisten, die mit Hilfe von Euphemismen die verbrecherischen Dimensionen des Regimes sprachlich zu verschleiern und zu verharmlosen suchten, z. B. mit Begriffen wie Schutzhaft, Sonderbehandlung oder Endlösung.
Literatur
Zum Weiterlesen
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Kollmeier, Kathrin: Begriffsgeschichte und historische Semantik. Version: 2.0. In: Docupedia-Zeitgeschichte, 29.10.2012. Online unter: https://www.docupedia.de/zg/kollmeier_begriffsgeschichte_v2_de_2012 ; Zugriff: 07.12.2025.
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Müller, Ernst; Schmieder, Falko (2019): Begriffsgeschichte und historische Semantik. Ein kritisches Kompendium. Berlin: Suhrkamp.
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Müller, Ernst; Schmieder, Falko (2020): Begriffsgeschichte zur Einführung. Hamburg: Junius.
Zitierte Literatur und Belege
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Busse, Dietrich (1992a): Juristische Semantik. Grundfragen der juristischen Interpretationstheorie in sprachwissenschaftlicher Sicht, Berlin: Duncker & Humblot.
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Busse, Dietrich (1992b): Recht als Text. Linguistische Untersuchungen zur Arbeit mit Sprache in einer gesellschaftlichen Institution. Tübingen: Niemeyer.
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Knobloch, Clemens (1992): Überlegungen zur Theorie der Begriffsgeschichte aus sprach- und kommunikationswissenschaftlicher Sicht. In: Archiv für Begriffsgeschichte, Jg. 35, S. 7–24.
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Koselleck, Reinhart (1984): Revolution. In: Koselleck, Reinhart; Brunner, Otto; Conze, Werner (Hrsg.): Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland. Bd. 5. Stuttgart: Klett-Cotta, S. 653–788.
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Marx, Karl [1867] (1985): Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Erster Band. In: Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED (Hrsg.): Marx-Engels-Werke. Bd. 23. Berlin (Ost): Dietz.
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Meier, Mischa (2007): Zur Terminologie der (Natur-) Katastrophe in der griechischen Historiographie – einige einleitende Anmerkungen. In: Schenk, Gerrit J.; Engels, Jens I. (Hrsg.): Historical Social Research. Special Issue: Historische Katastrophenforschung. Begriffe, Konzepte und Fallbeispiele, Jg. 32, Heft 3, S. 44–56.
Zitiervorschlag
Schmieder, Falko (2025): Begriffsgeschichte. In: Diskursmonitor. Glossar zur strategischen Kommunikation in öffentlichen Diskursen. Hg. von der Forschungsgruppe Diskursmonitor und Diskursintervention. Veröffentlicht am 12.01.2026. Online unter: https://diskursmonitor.de/glossar/begriffsgeschichte/.
DiskursGlossar
Grundbegriffe
Diskurssemantische Verschiebung
Mit dem Begriff der diskurssemantischen Verschiebung wird in der Diskursforschung ein Wandel in der öffentlichen Sprache und Kommunikation verstanden, der auf mittel- oder län-gerfristige Veränderung des Denkens, Handelns und/oder Fühlens größerer Gesellschafts-gruppen hinweist.
Domäne
Der Begriff der Domäne ist aus der soziologisch orientierten Sprachforschung in die Diskursforschung übernommen worden. Hier wird der Begriff dafür verwendet, um Muster im Sprachgebrauch und kollektiven Denken von sozialen Gruppen nach situationsübergreifenden Tätigkeitsbereichen zu sortieren.
Positionieren
Positionieren ist Grundbestandteil menschlicher Kommunikation. Wann immer wir miteinander interagieren und kommunizieren, bringen wir uns selbst, andere und die Objekte, über die wir sprechen, in bestimmte Relationen zueinander.
Deutungsmuster
Unter einem Deutungsmuster wird die problem- und lösungsbezogene Interpretation gesellschaftlicher und politischer Tatbestände verstanden, die Aussicht auf Akzeptanz in sozialen Gruppen hat. Der Begriff des Deutungsmusters hat Ähnlichkeit mit den Begriffen der Theorie und Ideologie. Meist werden gesellschaftlich verbreitete Leitdeutungen, die oft mit Schlagwörtern und Argumentationsmustern einhergehen (wie Globalisierung, Kapitalismus, Leistungsgesellschaft, Chancengleichheit etc.) als Beispiele für Deutungsmuster genannt.
Sinnformel
‚Wer sind wir? Woher kommen, wo stehen und wohin gehen wir? Wozu leben wir?‘ Auf diese und ähnliche existentielle Fragen geben Sinnformeln kondensierte Antworten, die in privaten wie sozialen Situationen Halt und Argumenten in politischen und medialen Debatten einen sicheren Unterbau geben können.
Praktik
Eine Praktik ist ein spezifisches, situativ vollzogenes und sinnhaftes Bündel von körperlichen Verhaltensweisen, an dem mehrere Menschen und Dinge beteiligt sein können (z. B. Seufzen, um Frust auszudrücken, oder einen Beschwerdebrief schreiben, Fußballspielen).
Kontextualisieren
Kontextualisieren wird im allgemeineren bildungssprachlichen Begriffsgebrauch verwendet, um das Einordnen von etwas oder jemandem in einen bestimmten Zusammenhang zu bezeichnen.
Narrativ
Mit der diskursanalytischen Kategorie des Narrativs werden Vorstellungen von komplexen Denk- und Handlungsstrukturen erfasst. Narrative in diesem Sinne gehören wie Schlagwörter, Metaphern und Topoi zu den Grundkategorien der Analyse von Diskursen.
Argumentation
Argumentation bezeichnet jene sprachliche Tätigkeit, in der man sich mithilfe von Gründen darum bemüht, die Richtigkeit einer Antwort auf eine bestimmte Frage zu erweisen. Das kann in ganz verschiedenen Situationen und Bereichen nötig sein, namentlich um eine poli-tische, wissenschaftliche, rechtliche, unternehmerische oder private Angelegenheit zu klären.
Hegemonie
Wie der britische Politikwissenschaftler Perry Anderson 2018 in einer umfassenden, historisch weit ausgreifenden Studie zum Gebrauch des Begriffs Hegemonie und seinen Konjunkturen beschreibt, liegen die historischen Wurzeln des Begriffs im Griechischen, als Bezeichnung für Führung (eines Staatswesens) mit Anteilen von Konsens.
Techniken
AI-Washing/KI-Washing
Unter AI-Washing ist die Praxis von Unternehmen oder Organisationen zu verstehen, Produkte, Dienstleistungen oder Geschäftsmodelle mit dem Etikett „Künstliche Intelligenz“ (KI bzw. „Artificial Intelligence“ (AI)) zu versehen, obwohl deren tatsächlicher Einsatz von KI-Technologien entweder stark übertrieben, nur marginal vorhanden oder überhaupt nicht gegeben ist.
Dogwhistle
Unter Dogwhistle wird in Teilen der Forschung eine doppeldeutige Äußerung verstanden, die eine offene und eine verdeckte Botschaft an jeweils eine Zuhörerschaft kommuniziert.
Boykottaufruf
Der Boykottaufruf ist eine Maßnahme, die darauf abzielt, ein Ziel, also meist eine Verhaltensänderung des Boykottierten, hervorzurufen, indem zu einem Abbruch etwa der wirtschaftlichen oder sozialen Beziehungen zu diesem aufgefordert wird.
Tabuisieren
Das Wort Tabuisierung bezeichnet die Praxis, etwas Unerwünschtes, Anstößiges oder Peinliches unsichtbar zu machen oder als nicht akzeptabel zu markieren. Das Tabuisierte gilt dann moralisch als unsagbar, unzeigbar oder unmachbar.
Aus dem Zusammenhang reißen
Das Aus-dem-Zusammenhang-Reißen gehört in den Funktionskreis der Redewiedergabe bzw. der Wiedergabe kommunikativer Ereignisse. Es kann (1) als intentionale argumentativ-polemische Strategie für ganz unterschiedliche diskursive Zielsetzungen von Akteuren genutzt werden, oder (2) es kann SprecherInnen und SchreiberInnen in unbeabsichtigter, fehlerhafter Weise unterlaufen.
Lobbying
Lobbying ist eine Form strategischer Kommunikation, die sich primär an Akteure in der Politik richtet. Beim Lobbying wird ein Bündel von kommunikativen Tätigkeiten mit dem Ziel eingesetzt, die Entscheidungen von Personen mit politischem Mandat oder den Entstehungsprozess von neuen Gesetzestexten interessengeleitet zu beeinflussen.
Karten
Karten dienen dazu, Raumausschnitte im Hinblick auf ausgewählte Charakteristika so darzustellen, dass die Informationen unmittelbar in ihrem Zusammenhang erfasst und gut kommuniziert werden können. Dazu ist es notwendig, Daten und Darstellungsweisen auszuwählen und komplexe und oft umkämpfte Prozesse der Wirklichkeit in einfachen Darstellungen zu fixieren.
Pressemitteilung
Pressemitteilungen sind standardisierte Mitteilungen von Organisationen, die sich an Journalist:innen und andere Multiplikator:innen richten. Sie dienen der offiziellen und zitierfähigen Informationsweitergabe und übernehmen zugleich strategische Funktionen in der öffentlichen Kommunikation und Meinungssteuerung.
Shitstorm
Der Begriff Shitstorm beschreibt eine relativ junge Diskurskonstellation, die seit den 2010er Jahren an Bedeutung gewonnen hat und gemeinhin als Online-Wutausbruch bezeichnet wer-den kann.
Tarnschrift
Als Tarnschrift bezeichnet man unter den Bedingungen von Zensur und Verfolgungsrisiko veröffentliche Texte, die insbesondere in der strategischen Kommunikation des NS-Widerstands eine zentrale Rolle spielten.
Schlagwörter
Brückentechnologie
Ganz allgemein wird unter dem Schlagwort der Brückentechnologie sowohl in den öffentlichen Medien als auch in technisch und wirtschaftlich dominierten Kontexten eine Technologie verstanden, die zeitlich befristet eingesetzt werden soll, bevor in Zukunft der Übergang zu einer als sinnvoller eingeschätzten anderen Technologie möglich ist.
Deindustrialisierung
Der Ausdruck Deindustrialisierung (auch De-Industrialisierung oder als Verb deindustrialisieren) beschreibt im öffentlichen Sprachgebrauch eine negativ bewertete Form des Strukturwandels durch Rückgang von produzierendem Gewerbe.
Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit als ein Schlagwort des öffentlichen Diskurses bezieht sich ganz allgemein auf einen ressourcenschonenderen Umgang mit dem, was uns Menschen der Planet Erde bietet, mit dem Ziel, dass auch nachfolgende Generationen noch die Möglichkeit haben, ähnlich gut zu leben wie wir heute (Generationengerechtigkeit).
Echokammer
Der Begriff der Echokammer steht in seiner heutigen Verwendung vor allem im Zusammenhang mit der Nutzung Sozialer Medien. Er verweist metaphorisch auf einen digitalen Kommunikations- und Resonanzraum, in dem Mediennutzer*innen lediglich Inhalten begegnen, die ihre eigenen, bereits bestehenden Ansichten bestätigen, während abweichende Perspektiven und Meinungen ausgeblendet bzw. abgelehnt werden.
Relativieren
Der Ausdruck relativieren besitzt zwei zentrale Bedeutungsvarianten: In bildungssprachlichen und wissenschaftlichen Kontexten bezeichnet er eine analytische Praxis, bei der Aussagen, Begriffe oder Phänomene durch Bezugnahme auf andere Sachverhalte eingeordnet, differen-ziert und in ihrer Geltung präzisiert werden.
Massendemokratie
Geprägt wurde der Begriff Massendemokratie im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts von völkisch-konservativen Akteuren (prominent darunter Carl Schmitt 1926). Der Ausdruck Masse hatte damals bei den bürgerlichen Eliten eine rundum bedrohliche Assoziation.
Social Bots
Als Social Bots werden Computerprogramme bezeichnet, die in der Lage sind, in sozialen Medien Kommunikation menschlicher Nutzer*innen (teilweise) automatisiert nachzuahmen.
Kriegsmüdigkeit
Der Ausdruck Kriegsmüdigkeit bezeichnet die emotionale und physische Erschöpfung von Menschen, die einen Krieg erleben, sowie die gesellschaftliche und politische Ermüdung angesichts langanhaltender Konflikte. Er beschreibt den sinkenden Kampfeswillen bei Kriegsparteien und heute wird er auch für das wachsende Desinteresse an Kriegsthemen in Medien und Öffentlichkeit genutzt.
Woke
Der Ausdruck woke stammt aus dem afroamerikanischen Englisch und bezeichnete dort zunächst den Bewusstseinszustand der Aufgeklärtheit über die Verbreitung von rassistischen Vorurteilen und Diskriminierung unter Angehörigen ethnischer Minderheiten.
Identität
Unter Identität versteht man allgemein die Summe von Merkmalen, die Individuen oder sozialen Kollektiven – etwa Nationen, Organisationen oder sozialen Gruppen – als charakteristisch oder gar als angeboren zugeordnet werden.
Verschiebungen
Dehumanisierung
Mit Dehumanisierung bzw. Anthropomorphisierung werden solche kommunikativen Techniken und Praktiken bezeichnet, die Personen, Sachverhalten oder Gegenständen menschliche Eigenschaften ab- bzw. zusprechen. Dehumanisierung und Anthropomorphisierung können sowohl durch sprachliche Mittel als auch durch andere, z. B. bildliche, Zeichen vollzogen werden.
Kriminalisierung
Kriminalität meint ein Verhalten, das gegen ein Gesetz verstößt. Folglich bedeutet Kriminalisierung im engeren Sinne den Vorgang, durch den Verhalten ungesetzlich gemacht wird – indem Gesetze geschaffen werden.
Versicherheitlichung
In akademischen Kontexten wird Versicherheitlichung in Abgrenzung zu einem naiv-realistischen Sicherheitsverständnis verwendet. Dieses betrachtet Sicherheit als einen universell erstrebenswerten und objektiv feststellbaren Zustand, dessen Abwesenheit auf das Handeln von Akteuren zurückzuführen ist, die feindselig, kriminell, unverantwortlich oder zumindest fahrlässig agieren.
Ökonomisierung
Ökonomisierung wird in gegenwärtigen Diskursen in der Regel zur Bezeichnung von Prozessen verwendet, in denen die spezifisch wirtschaftlichen Funktions-Elemente wie Markt, Wettbewerb/Konkurrenz, Kosten-Nutzen-Kalküle, Effizienz, Gewinnorientierung in Bereiche übertragen werden, die zuvor teilweise oder ganz nach anderen Leitkriterien ausgerichtet waren
Moralisierung
Moralisierung verlagert Macht- und Interessenkonflikte in die Sphäre der Kommunikation von Achtung / Missachtung. Sie reduziert Ambivalenz zugunsten einer Polarisierung von gut und böse.
Konstellationen
Krise
Krise ist vom Wort mit fachsprachlicher Bedeutung zur Zeitdiagnose und einem zentralen Begriff der öffentlich-politischen Kommunikation geworden. Der öffentlich-politische Krisenbegriff ist dabei – unabhängig vom Gegenstand der Krise – in eine krisendiskurstypische Konstellation zur Begründung von krisenüberwindenden Handlungen eingebettet.
Partizipatorischer Diskurs
Partizipation ist mittlerweile von der Forderung benachteiligter Personen und Gruppen nach mehr Beteiligung in der demokratischen Gesellschaft zu einem Begriff der Institutionen selbst geworden: Kein Programm, keine Bewilligung mehr, ohne dass bestimmte Gruppen oder Personen dazu aufgefordert werden, für (mehr) Partizipation zu sorgen.
Skandal
Die Diskurskonstellation des Skandals zeichnet sich durch eine in den Medien aufgegriffene (bzw. durch sie erst hervorgerufene) empörte Reaktion eines erheblichen Teils der Bevölkerung auf einen tatsächlichen oder vermeintlichen Missstand aus. Die schuldhafte Verursachung dieses Missstandes wird dabei einem gesellschaftlichen Akteur zugeschrieben, dessen Handeln als ‚unmoralisch‘ gedeutet wird.
DiskursReview
Review-Artikel
Memes als moderne Propaganda – Eine sprach- und medienkritische Untersuchung
Digitale Kommunikationsformen prägen heutige gesellschaftliche Debatten weitaus stärker als die klassischen Medien. Ihr Einfluss auf die politische Meinungsbildung und die Ausbildung ideologischer Positionen ist inzwischen unverkennbar und zählt zu den markantesten Entwicklungen der digitalen Gegenwart. Besonders hervorzuheben sind Memes: Sie verbreiten sich schnell, arbeiten mit humoristischen Mitteln und verdichten komplexe Inhalte auf ein Minimum an Zeichen. In öffentlichen Diskursen werden sie daher nicht mehr als spielerisches Internetphänomen betrachtet, sondern als ernstzunehmendes Instrument politischer Kommunikation und den damit einhergehenden propagandistischen Strategien.
Zeitalter der Polykrisen – Was sagt die Polykrise über die Gegenwart und Zukunft?
Beim Durchscrollen der Tagesschlagzeilen ist einem in den letzten Jahr wahrscheinlich der Ausdruck Polykrise ins Blickfeld geraten. Solche Schlagzeilen in deutschsprachigen Medien lauten beispielsweise (1) „Klimawandel, Krieg in der Ukraine, Abstiegsängste – die Welt ist aus den Fugen geraten: Drei Bücher zeigen Wege aus der Polykrise“ (Friedl 2026); (2) „Kritische Psychotherapie: Psychotherapie in der Polykrise“ (Dicks 2026); (3) „Optimismus in der Polykrise“ (Kolev 2025); (4) „Was tun gegen die …
„Genderwahn“ als sprachkritische Abwertung: Eine kritische Betrachtung
„Die Debatte über Gendern und Nicht-Gendern kann ich schon nicht mehr hören. Soll es doch jeder machen, wie er es selbst will.“ Dieses Zitat äußert der ehemalige Bundeskanzler Olaf Scholz im Rahmen der Feier zugunsten des Grundgesetzes, welches im Jahre 2024 den 75. Geburtstag feierte (vgl. Steinkohl et al. 2024). Deutlich wird hierbei, dass die Thematik rund um das Gendern in der Politik aufgefasst wird. Allerdings wird gleichzeitig deutlich, dass die Debatte in der Öffentlichkeit stark kritisiert …
Klimaterroristen: Wie Sprache politische Fronten schafft
Der öffentliche Diskurs über Klimaaktivismus ist in den vergangenen Jahren zunehmend polarisiert. Vor diesem Hintergrund hat sich der Ausdruck Klimaterrorist zu einem politisch und gesellschaftlich stark aufgeladenen Schlagwort entwickelt, das im Jahr 2022 als „Unwort des Jahres“ gewählt wurde (vgl. 2020ff. – Unwort des Jahres). Seine Verwendung verweist auf Konflikte über Legitimität, Moral und Rechtmäßigkeit verschiedener Formen des Protests. Gleichzeitig fungiert der Begriff als sprachliches …
Negativ konnotierte Fremdzuschreibung durch diskriminierende Begriffe – Ein sprachkritischer Beitrag zur Bezeichnung „Kanake“ und dem Zukunftswort „Talahon“
„Gerade diese scheinbar ›milden‹ Formen des Rassismus, die über die Sprache transportiert werden, sind schwer zu bekämpfen, da vielen Menschen nicht klar zu sein scheint, welche Macht Sprache besitzt.“ (Kunz, 2021, S. 58).
Der Begriff „Kanake“ (teilweise auch „Kanacke“) bedeutet in seiner ursprünglichen Bedeutung Mensch und bezeichnete Bewohner*innen der Inselgruppe Neukaledoniens im südlichen Pazifik (vgl. Trost, 2002). Dem Gebrauch lag dabei die Charakterisierung einer spezifischen Gesellschaft …
Wenn aus Vielen Einer wird – Warum pauschale Nationsbezeichnungen sprachlich gefährlich sind
„In dieser Situation sind die Deutschen sehr unzufrieden mit der Arbeit der Politik.“ (Kinkartz, 2025), schreibt die Deutsche Welle im November 2025. Gemeint ist dabei keine einzelne Person oder klar definierte Gruppe, sondern eine ganze Nation, welche mit einem einzigen Artikel zu einem scheinbar einheitlichen Kollektiv zusammengefasst wurde. Solche Formulierungen sind kein Einzelfall. Ähnliche Beispiele, wie „Die Russen greifen an vielen Stellen an“ (Die Welt am Morgen, 2024), „Die Ukrainer …
Das Crazy, wenn Worte Brücken zwischen Generationen sprengen! – Eine sprachkritische Betrachtung von Jugendsprache: Mediale Darstellung, Generationenkonflikt und Pädagogische Einschätzung
Das Jugendwort des Jahres 2025 lautet „das Crazy“. Es meint: „Es gibt keine wirklich passende Antwort. Oder keine wirklich höfliche. Oder eine zu ausführliche, auf die der Antwortende aber gerade keine Lust hat. Oder einfach nur okay“ (Tagesschau, 2025). Torsten Sträter, Kabarettist und Vertreter der Generation X, hört es und stockt: „…das sind zwei Worte… [außerdem] fehlt eins… Vielleicht bin ich ein zu verknöcherter alter Mann geworden, dass ich mich über so eine Kacke… Wer es sagt – Ohrfeige“ …
„Stadtbild“ als politisches Schlagwort – Ein sprach- und medienkritischer Beitrag zur migrationspolitischen Äußerung von Friedrich Merz
Im Rahmen einer Pressekonferenz äußerte sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am 14. Oktober 2025 bei einem Besuch in Brandenburg zur Migrationspolitik. Er verwies dabei auf sinkende Migrationszahlen sowie auf bereits geplante und umgesetzte Maßnahmen, insbesondere Rückführungen. Merz verwendete dabei den Ausdruck „Stadtbild“, der im gegebenen Kontext negativ konnotiert wurde und sich daraufhin innerhalb kurzer Zeit zu einem politischen Schlagwort entwickelte.
Ausgangspunkt war eine journalistische …
Sprache im Scroll-Modus – Brainrot, Memes und medienkritische Deutungen der kindlichen Kommunikation
Laut der KIM-Studie im Jahr 2024 nutzten 54 Prozent der 6- bis 13-Jährigen täglich das Internet (mpfs, 2024). Das sind 7 Prozent mehr als im Jahr 2022 (mpfs, 2024). Besonders auffällig ist, dass 23 Prozent dieser Altersgruppe täglich oder fast täglich TikTok verwenden, während Instagram nur von 11 Prozent genutzt wird (mpfs, 2024). Mit der intensiveren Nutzung der sozialen Medien gewinnen auch Memes an Bedeutung: Dabei handelt es sich um multimodale Inhalte aus Texten, Bildern, Videos, GIFs, Sounds …
Wenn ein Wort mehr sagt als ein Satz: Der Begriff „Klimakleber“ als Beispiel sprachlicher Rahmung
In einem Kommentar der Süddeutschen Zeitung erwähnt Mareen Linnarzt den Gedanken, dass Sprache lenkt, wie man denkt (vgl. Linnarzt und Steinke 2023). Diese Aussage verweist auf eine grundlegende Eigenschaft von Sprache, die im alltäglichen Mediengebrauch häufig wenig reflektiert wird. Medien verfügen über die Möglichkeit, einzelne Teilaspekte eines Themas hervorzuheben und andere in den Hintergrund zu rücken (vgl. Hasebrink). Auf diese Weise entstehen Deutungsrahmen, innerhalb derer Ereignisse …