DiskursGlossar

Schlagbilder

Kategorie: Techniken
Verwandte Ausdrücke: Schlüsselbilder, Schreckbilder, Wohlfühlbilder, Visiotype
Siehe auch: Memes, Wahlplakat (in Vorb.)
Autor: Steffen Pappert
Version: 1.0 / Datum: 06.03.2025

Kurzzusammenfassung

Der Terminus Schlagbild bezeichnet mehr oder weniger inszenierte Bilder. Ihre Bedeutung beruht nicht nur auf ihren sichtbaren (ikonischen) Formen, sondern vielmehr auf den symbolischen Inhalten, die sich durch vielfache mediale Wiederholung und Konventionen gefestigt haben. Als konventionalisierte Zeichen weisen Schlagbilder das Potenzial auf, (komplexe) Wissensrahmen (Frames) hervorzurufen. Insbesondere in der politischen Kommunikation werden die ihnen innewohnenden Bedeutungs-, Bewertungs- und appellativen Aspekte sowohl zur (verkürzten) Argumentation als auch – und vornehmlich – zur Emotionalisierung genutzt. Vor allem im Zusammenspiel mit perspektivisch aufgeladenen Begleittexten, so kurz sie auch sein mögen, entfalten sie eine nicht zu unterschätzende (persuasive) Wirkkraft. In vielen Fällen avancieren Schlagbilder durch wiederholte Verwendung zu musterhaften Standardbildern (Kollektivsymbol), die abseits ihres ursprünglichen Gebrauchszusammenhangs auch in anderen Domänen/Diskursen eingesetzt werden können. Große Bildbanken und die Verwendung von Künstlicher Intelligenz (KI) dürften die Verbreitung von Schlagbildern künftig noch zusätzlich befördern.

Erweiterte Begriffsklärung

Bilder gelten im Allgemeinen als wahrnehmungsnahe Zeichen (vgl. Sachs-Hombach 2021: 87 ff.), die als „schnelle Schüsse ins Gehirn“ (Kroeber-Riel 1996: IX) für erhöhte Aufmerksamkeit sorgen. Zudem können sie sogleich und mühelos verstanden werden, was darauf zurückzuführen ist, dass sie im Unterschied zu sprachlichen Zeichen nicht linear (Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort usw.), sondern holistisch aufgenommen werden. Die Bedeutung von Bildern ist außerdem gekennzeichnet durch eine gewisse semantische Offenheit. Bilder verfügen zudem über ein „hohes emotionales Aktivierungspotenzial“ (Stöckl 2016: 16). Neben diesen ‚Stärken‘ gibt es freilich auch ‚Schwächen‘: mangelndes Ausdruckspotenzial angesichts fehlender grammatischer Kategorien hinsichtlich möglicher Verneinungen, logischer Verknüpfungen von Sachverhalten, der Kennzeichnung von Modalitäten (Wirklichkeitsbezug und Sprechereinstellung), deiktischer Verweise oder direkter und expliziter Sprechakte (vgl. Stöckl 2016: 14). Die genannten Punkte gelten in erster Linie für isoliert auftretende Bilder, die in der Wirklichkeit kaum vorkommen dürften. In den meisten Fällen treten Bild und Sprache gemeinsam auf, sodass die Schwächen der einen durch die Stärken der anderen Zeichenmodalität ausgeglichen werden können.

Offenbar als Reaktion auf die überbordende Presse- und Bildpropaganda während des Ersten Weltkrieges wurde der Terminus Schlagbild vom Kunsthistoriker Aby Warburg Anfang des 20. Jahrhunderts geprägt (vgl. Diekmannshenke 2011: 165). Vergleichbar dem Schlagwort dient das Schlagbild zur Verdichtung ganzer Programme bzw. Ideologien. Dabei setzt es die mitunter komplexe (politische) Wirklichkeit nicht nur ins Bild. Vielmehr verleiht es dieser immer auch eine bestimmte Perspektive – und das nicht erst seit der Verbreitung der Pressefotografie. An die Perspektive geknüpft sind Einstellungen und Werte (evaluative Komponente), die zugleich auch immer handlungsleitend sein können (deontische Komponente) (Bedeutung). So sind Schlagbilder symbolisch aufgeladene Bilder, die die Wahrnehmung und Vorstellung von Kollektiven unterschiedlicher Größe nicht nur nachhaltig prägen, sondern die damit verbundenen Weltbilder auch argumentativ stützen. Abhängig von den damit einhergehenden Positionen können Schlagbilder als Fahnen- oder Stigmabilder verwendet werden (vgl. Klug 2016: 182), also der Aufwertung der eigenen oder der Abwertung einer anderen Position, Person oder Gruppierung dienen. Neben dieser Differenzierung von Schlagbildern findet sich in der Literatur noch die Unterscheidung zwischen Wohlfühl- und Schreckbildern (Bonacchi 2018). Erstgenannte dienen der Vermittlung von Lebensfreude, Vertrauen und Wärme. So werden beispielsweise Bilder glücklicher Familien in idyllischer Umgebung bevorzugt in der kommerziellen, aber auch in der politischen Werbung (bspw. auf Wahlplakaten), eingesetzt, um den Nutzen eines Produktes/einer Dienstleistung oder einer politischen Programmatik ins rechte Licht zu setzen. Schreckbilder hingegen sollen Ängste und Ressentiments evozieren. Insbesondere rechtspopulistische Parteien nutzen solche Motive, etwa um Bedrohungsszenarien im Migrationsdiskurs heraufzubeschwören (vgl. Pappert/Czachur 2019).

Schlagbilder können auch den Status eines „Visiotyps“ (Pörksen 1997) erlangen. Dies geschieht in erster Linie durch die permanente mediale Reproduktion eines Bildes, verbunden mit den immer gleichen Bedeutungszuschreibungen. Derlei Bilder durchlaufen mithin den „Weg vom Entstehen eines Bildzeichens über den Gebrauch, die Habitualisierung und die Konventionalisierung hin zur Stereotypisierung“ (Felder 2007: 204; hier ohne Hervorhebung). Infolgedessen können Visiotype die Wahrnehmung und die Darstellung ganzer Diskurse nachhaltig prägen. So steht etwa ein Bild eines (kleinen) Eisbären auf einer einzelnen Eisscholle für den Klimadiskurs oder ein Bild eines mit Menschen überfüllten Bootes für den Migrationsdiskurs. Es handelt sich hierbei aber mitnichten um eine schlichte Visualisierung, sondern abermals um eine spezifische Perspektivierung. So werden Visiotype als ‚versteinerte‘ Stereotype – wie die beispielhaft aufgeführten – nicht nur als Topos der düsteren Zukunftsprognose genutzt; vielmehr wird mit ihnen erreicht, die Gesellschaft an eine standardisierte „Sehlesart“ (Schmitz 2007) des visuellen Zeichens zu binden. Da sie immer nur einen beschränkten und zudem perspektivischen Zugriff auf die Wirklichkeit liefern, der andere Sehlesarten ausblendet, sind sie zudem in hohem Maße einprägsam. Deswegen bedürfen Visiotype mitunter auch keiner verbal-kontextuellen Einbettung, was sie von ,normalen‘ Schlagbildern, die weitaus deutungsoffener sind, unterscheidet. Darüber hinaus sind Visiotype als „die großen Stimmungsmacher […] umgeben von einem starken Assoziationshof von Gefühlen und Wertungen“ (Pörksen 1997: 28). Die genannten Eigenschaften – insbesondere das emotionale und deontische Potenzial – führen dazu, dass Visiotypen sich hervorragend als wahlkampfstrategisches Persuasionsmittel eignen, insbesondere auf Wahlplakaten.

Von Schlagbildern sind Schlüsselbilder funktional dahingehend abgrenzbar, dass diese innerhalb spezifischer Diskurse als Kristallisationspunkte fungieren, in etwa vergleichbar mit Schlüsseltexten, die als Referenztexte Diskurse initial und nachhaltig prägen. So steht das Bild des Kniefalls von Willy Brandt am Grabmal des unbekannten Soldaten in Warschau am 7. Dezember 1970 für den Entspannungsdiskurs oder das Bild vom World Trade Center am 11. September 2001 als Sinnbild des Terrors und als Ausgangspunkt der (Anti-)Terror-Diskurse. Erkennbar wird der Stellenwert von Schlüsselbildern durch eine Vielzahl intra- und intermodaler Bezugnahmen (vgl. Klug 2018). Gleichwohl muss man sicherlich aber auch Schlüsselbildern ähnliche Eigenschaften wie die oben genannten zusprechen, denn auch sie vermitteln nicht nur kollektives Wissen, sondern eben auch Wertungen und damit verbundene Handlungsdispositionen.

Beispiele

(1) Das Bild des ‚Fremden‘

Abb. 1: AfD Post auf Facebook (AfD 2024).

Das Beispiel stammt von der Facebookseite der AfD (Facebook). Es handelt sich dabei um eine multimodale Sehfläche, d. h. um eine Kombination verschiedener Zeichenarten. Im offenkundig KI-generierten Bild gezeigt wird eine Gruppe von Männern, die ob ihres Aussehens das visuelle Stereotyp des ‚Fremden‘ verkörpern sollen. Die so etikettierte Gruppe wird verbal mit einer großen Zahl an Straftaten in Verbindung gebracht, so dass bewusst eine Assoziation zwischen Bild und Text, d. h. zwischen Menschentyp und Vergehen hergestellt wird, die sich als „bedeutungskonstituierend und bedeutungsstabilisierend“ (Klein 1998: 42) herausstellt. Die multimodal – das heißt, in einer Kombination aus Text und Bild – realisierte Botschaft ist insofern populistisch, als mit ihr eine Menschengruppe nicht nur als das ‚Fremde‘ markiert, sondern durch die Zuschreibung von Eigenschaften zusätzlich kriminalisiert wird, wozu sicherlich auch die finsteren Gesichtsausdrücke der gezeigten Männer beitragen sollen. Zum Vorschein kommt ein stereotypes Muster, das sich auf einer Vielzahl vergleichbarer Einträge auf der Facebookseite der AfD wiederfinden lässt. Diese Musterhaftigkeit macht das Bild zum Schlagbild, was sich wie folgt beschreiben ließe: Das Bild gibt nur vor, einzelne Personen zu thematisieren (denotieren). In Wirklichkeit fungiert es als generelles Bildzeichen (vgl. Klug 2015: 516–520), d. h. wir sehen zwar einzelne Personen, aber auf diese Individuen wird nicht referiert. Es geht um den Typus und die mit diesem Typus assoziierten Eigenschaften. Das auf diese Weise konstituierte Allgemein-Bild des ‚Fremden‘ dient vor allem der populistisch-pauschalisierenden Abwertung, und zwar auf recht effektive Weise: Denotativ schwach, dafür konnotativ, und damit emotional hochgradig geladen, entwirft es zum einen als Schreckensbild ein Bedrohungsszenario, das entsprechende Folgehandlungen erforderlich macht. Zum anderen wird es in Kombination mit der verbalen Behauptung, die CDU mache Deutschland zum Clan-Paradies, zum Stigmabild, mit dessen Hilfe der CDU unterstellt wird, die mittels Bild und Text desavouierten ‚Fremden‘ zu unterstützen.

(2) Bilder zur politischen Selbstprofilierung

Abb. 2: Titelbild Stern, Ausgabe 30/2024 (Stern 2024).

Schlagbilder wie das hier gezeigte dienen der Selbstinszenierung. Entgegen den im Normalfall gängigen Mustern, die Politiker:innen vielfach nutzen, um ihre Kompetenzen ins Bild zu setzen – man denke nur an die Plakatwahlkampagnen eines Christian Lindners (vgl. Pappert 2023) –, haben wir es hier mit einer hochgradig ungewöhnlichen, d. h. in keinem Fall bis ins kleinste Detail arrangierten Situation zu tun. So kennen wir unzählige Bilder, die die politischen Protagonist:innen schreibend, tippend oder denkend, falls Brillenträger, jene in der Hand haltend oder aber in anderen sinnfälligen Posen zeigen – aber eben in einer inszenierten Normalsituation. Mittels solch musterhafter Darstellungen verweisen die Akteure nicht nur auf ihre Qualitäten, sondern zeigen auch, dass ihnen die Rolle des öffentlichen Bildes in der gegenwärtigen Gesellschaft durchaus bewusst ist. Durch die auf solchen Bildern aufscheinende Ästhetisierung der Veranschaulichung entfaltet das Bild der so Dargestellten eine besondere Strahlkraft, die sich auf das Ethos beziehen lässt und somit rhetorisch wirksam wird. Im vorliegenden Bild ist die Situation zwar eine andere, aber die ‚Idee‘ wohl die nämliche: Trump nutzt gleichsam die Ungunst der Stunde bzw. die Gegenwart der Fotograf:innen, um sich als unverwundbar und martialisch zu gerieren. Dafür sprechen das blutverschmierte Gesicht des dennoch emporgehobenen Hauptes sowie die eindeutige Faustpose. Dass dies alles vor der Staatsflagge inszeniert wird, gibt dem Bild noch eine besondere Note. Man könnte meinen, das Motiv wäre sorgfältig arrangiert, bringt es doch gleichsam die gesamte Wahlkampagne auf den Punkt: Ich kämpfe bis zum Tod für mein Vaterland und lass mich dabei von nichts und niemandem abbringen. Angesichts dessen, dass dieses Szenario für Trump nicht vorhersehbar war, zeigt die im Bild eingefangene Reaktion trotzdem, dass er weiß, welche Wirkung Bilder haben und dies auch konsequent nutzt. Dass das Bild schlagartig um die Welt ging und – in den meisten Fällen – als Sinnbild für Trumps ungebrochenen Sieges- und Kampfeswillen fungierte, spricht letztlich für diese Einschätzung. Wenngleich der Stern laut Begleittext die Situation eher argwöhnisch betrachtet, wird das Potenzial des Bildes als Schlagbild zweifelsohne unterstrichen.

Literatur

Zum Weiterlesen

  • Diers, Michael (1997): Schlagbilder. Zur politischen Ikonografie der Gegenwart. Frankfurt a. M.: transcript Verlag.

  • Knape, Joachim (Hrsg.) (2007): Bildrhetorik. Baden-Baden: Verlag Valentin Körner.

Zitierte Literatur

  • Bonacchi, Silvia (2018): Schlagbilder, Schreckbilder, Wohlfühlbilder. Eine diskurslinguistische Analyse von visuellen Konstruktionen mit handlungsleitendem Charakter am Beispiel der Islam-Debatte. In: Kumiega, Lukasz; Karner, Christian (Hrsg.): Zeitschrift für Diskursforschung Beiheft: (Kon-)Texte des Politischen. Jg. 2018, Heft 3, Weinheim, Basel: Beltz, S. 211–234.

  • Diekmannshenke, Hajo (2011): ‚Schlagbilder‘. Diskursanalyse politischer Schlüsselbilder. In: Diekmannshenke, Hajo; Klemm, Michael; Stöckl, Hartmut (Hrsg.): Bildlinguistik. Theorien – Methoden – Fallbeispiele. Berlin: De Gruyter, S. 161–184.

  • Felder, Ekkehard (2007): Von der Sprachkrise zur Bilderkrise. Überlegungen zum Text-Bild-Verhältnis im Paradigma der pragma-semiotischen Textarbeit. In: Müller, Friedrich (Hrsg.): Politik, [Neue] Medien und die Sprache des Rechts. Berlin: Duncker & Humblot, S. 191–219.

  • Klein, Josef (1998): Linguistische Stereotypbegriffe. Sozialpsychologische vs. semantiktheoretischer Traditionsstrang und einige frametheoretische Überlegungen. In: Heinemann, Margot (Hrsg.): Sprachliche und soziale Stereotype. Frankfurt a. M.: Peter Lang, S. 25–46.

  • Klug, Nina-Maria (2015): Zur Eigentlichkeit des bildlichen Zeichens. In: Brinker-von der Heyde, Claudia; Kalwa, Nina; Klug, Nina-Maria; Reszke, Paul (Hrsg.): Eigentlichkeit. Zum Verhältnis von Sprache, Sprechern und Welt. Berlin, Boston: De Gruyter, S. 501–522.

  • Klug, Nina-Maria (2016): Text- und Diskurssemantik. In: Klug, Nina-Maria; Stöckl, Hartmut (Hrsg.): Handbuch Sprache im multimodalen Kontext. Berlin/Boston: De Gruyter, S. 165–189.

  • Klug, Nina-Maria (2018): Wenn Schlüsseltexte Bilder sind. Aspekte von Intertextualität in Presse und öffentlichem Raum. In: Pappert, Steffen; Michel, Sascha (Hrsg.): Multimodale Kommunikation in öffentlichen Räumen: Texte und Textsorten zwischen Tradition und Innovation. Hannover: ibidem, S. 109–132.

  • Kroeber-Riel, Werner (1996): Bildkommunikation. Imagerystrategien für die Werbung. München: Vahlen.

  • Pappert, Steffen (2023): Wahl- und Abstimmungsplakate. In: Janich, Nina; Pappert, Steffen; Roth, Kersten Sven (Hrsg.): Handbuch Werberhetorik. Berlin/Boston: De Gruyter, S. 483–501.

  • Pappert, Steffen; Czachur, Waldemar (2019): Visueller Populismus: Eine Analyse multimodaler Praktiken anhand von Wahlplakaten aus Deutschland und Polen. In: Osnabrücker Beiträge zur Sprachtheorie (OBST), Jg. 95, Marburg: Institut für Germanistische Sprachwissenschaft IGS, S. 103–127.

  • Pörksen, Uwe (1997): Weltmarkt der Bilder. Eine Philosophie der Visiotype. Stuttgart: Klett-Cotta.

  • Sachs-Hombach, Klaus (2021): Das Bild als kommunikatives Medium. Elemente einer allgemeinen Bildwissenschaft. 4., leicht überarbeitete und ergänzte Auflage. Köln: Herbert von Halem Verlag.

  • Schmitz, Ulrich (2007): Sehlesen. Text-Bild-Gestalten in massenmedialer Kommunikation. In: Roth, Kersten Sven; Spitzmüller, Jürgen (Hrsg.): Textdesign und Textwirkung in der massenmedialen Kommunikation. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH, S. 93–108.

  • Stöckl, Hartmut (2016): Multimodalität – semiotische und textlinguistische Grundlagen. In: Klug, Nina-Maria; Stöckl Hartmut (Hrsg.): Handbuch Sprache im multimodalen Kontext. Berlin, Boston: De Gruyter, S. 3–35.

Abbildungsverzeichnis

Zitiervorschlag

Pappert, Steffen (2025): Schlagbilder. In: Diskursmonitor. Glossar zur strategischen Kommunikation in öffentlichen Diskursen. Hg. von der Forschungsgruppe Diskursmonitor und Diskursintervention. Veröffentlicht am 06.03.2025. Online unter: https://diskursmonitor.de/glossar/schlagbilder.

DiskursGlossar

Grundbegriffe

Begriffsgeschichte

Die Begriffsgeschichte lässt sich allgemein als eine historische Methode beschreiben, die den zeitlichen Wandel der Bedeutungen von bestimmten Ausdrücken untersucht. Da einzelne Worte nie isoliert begegnen und ihre jeweiligen Bedeutungen erst im Kontext größerer sprachlicher Zusammenhänge oder semantischer Felder greifbar werden, verbindet sie sich flexibel mit anderen Methoden historischer Semantik, wie etwa der Diskursgeschichte, der Argumentationsgeschichte oder der Metaphernforschung (Metaphorologie).

Diskurssemantische Verschiebung

Mit dem Begriff der diskurssemantischen Verschiebung wird in der Diskursforschung ein Wandel in der öffentlichen Sprache und Kommunikation verstanden, der auf mittel- oder län-gerfristige Veränderung des Denkens, Handelns und/oder Fühlens größerer Gesellschafts-gruppen hinweist.

Domäne

Der Begriff der Domäne ist aus der soziologisch orientierten Sprachforschung in die Diskursforschung übernommen worden. Hier wird der Begriff dafür verwendet, um Muster im Sprachgebrauch und kollektiven Denken von sozialen Gruppen nach situationsübergreifenden Tätigkeitsbereichen zu sortieren.

Positionieren

Positionieren ist Grundbestandteil menschlicher Kommunikation. Wann immer wir miteinander interagieren und kommunizieren, bringen wir uns selbst, andere und die Objekte, über die wir sprechen, in bestimmte Relationen zueinander.

Deutungsmuster

Unter einem Deutungsmuster wird die problem- und lösungsbezogene Interpretation gesellschaftlicher und politischer Tatbestände verstanden, die Aussicht auf Akzeptanz in sozialen Gruppen hat. Der Begriff des Deutungsmusters hat Ähnlichkeit mit den Begriffen der Theorie und Ideologie. Meist werden gesellschaftlich verbreitete Leitdeutungen, die oft mit Schlagwörtern und Argumentationsmustern einhergehen (wie Globalisierung, Kapitalismus, Leistungsgesellschaft, Chancengleichheit etc.) als Beispiele für Deutungsmuster genannt.

Sinnformel

‚Wer sind wir? Woher kommen, wo stehen und wohin gehen wir? Wozu leben wir?‘ Auf diese und ähnliche existentielle Fragen geben Sinnformeln kondensierte Antworten, die in privaten wie sozialen Situationen Halt und Argumenten in politischen und medialen Debatten einen sicheren Unterbau geben können.

Praktik

Eine Praktik ist ein spezifisches, situativ vollzogenes und sinnhaftes Bündel von körperlichen Verhaltensweisen, an dem mehrere Menschen und Dinge beteiligt sein können (z. B. Seufzen, um Frust auszudrücken, oder einen Beschwerdebrief schreiben, Fußballspielen).

Kontextualisieren

Kontextualisieren wird im allgemeineren bildungssprachlichen Begriffsgebrauch verwendet, um das Einordnen von etwas oder jemandem in einen bestimmten Zusammenhang zu bezeichnen.

Narrativ

Mit der diskursanalytischen Kategorie des Narrativs werden Vorstellungen von komplexen Denk- und Handlungsstrukturen erfasst. Narrative in diesem Sinne gehören wie Schlagwörter, Metaphern und Topoi zu den Grundkategorien der Analyse von Diskursen.

Argumentation

Argumentation bezeichnet jene sprachliche Tätigkeit, in der man sich mithilfe von Gründen darum bemüht, die Richtigkeit einer Antwort auf eine bestimmte Frage zu erweisen. Das kann in ganz verschiedenen Situationen und Bereichen nötig sein, namentlich um eine poli-tische, wissenschaftliche, rechtliche, unternehmerische oder private Angelegenheit zu klären.

Techniken

AI-Washing/KI-Washing

Unter AI-Washing ist die Praxis von Unternehmen oder Organisationen zu verstehen, Produkte, Dienstleistungen oder Geschäftsmodelle mit dem Etikett „Künstliche Intelligenz“ (KI bzw. „Artificial Intelligence“ (AI)) zu versehen, obwohl deren tatsächlicher Einsatz von KI-Technologien entweder stark übertrieben, nur marginal vorhanden oder überhaupt nicht gegeben ist.

Dogwhistle

Unter Dogwhistle wird in Teilen der Forschung eine doppeldeutige Äußerung verstanden, die eine offene und eine verdeckte Botschaft an jeweils eine Zuhörerschaft kommuniziert.

Boykottaufruf

Der Boykottaufruf ist eine Maßnahme, die darauf abzielt, ein Ziel, also meist eine Verhaltensänderung des Boykottierten, hervorzurufen, indem zu einem Abbruch etwa der wirtschaftlichen oder sozialen Beziehungen zu diesem aufgefordert wird.

Tabuisieren

Das Wort Tabuisierung bezeichnet die Praxis, etwas Unerwünschtes, Anstößiges oder Peinliches unsichtbar zu machen oder als nicht akzeptabel zu markieren. Das Tabuisierte gilt dann moralisch als unsagbar, unzeigbar oder unmachbar.

Aus dem Zusammenhang reißen

Das Aus-dem-Zusammenhang-Reißen gehört in den Funktionskreis der Redewiedergabe bzw. der Wiedergabe kommunikativer Ereignisse. Es kann (1) als intentionale argumentativ-polemische Strategie für ganz unterschiedliche diskursive Zielsetzungen von Akteuren genutzt werden, oder (2) es kann SprecherInnen und SchreiberInnen in unbeabsichtigter, fehlerhafter Weise unterlaufen.

Lobbying

Lobbying ist eine Form strategischer Kommunikation, die sich primär an Akteure in der Politik richtet. Beim Lobbying wird ein Bündel von kommunikativen Tätigkeiten mit dem Ziel eingesetzt, die Entscheidungen von Personen mit politischem Mandat oder den Entstehungsprozess von neuen Gesetzestexten interessengeleitet zu beeinflussen.

Karten

Karten dienen dazu, Raumausschnitte im Hinblick auf ausgewählte Charakteristika so darzustellen, dass die Informationen unmittelbar in ihrem Zusammenhang erfasst und gut kommuniziert werden können. Dazu ist es notwendig, Daten und Darstellungsweisen auszuwählen und komplexe und oft umkämpfte Prozesse der Wirklichkeit in einfachen Darstellungen zu fixieren.

Pressemitteilung

Pressemitteilungen sind standardisierte Mitteilungen von Organisationen, die sich an Journalist:innen und andere Multiplikator:innen richten. Sie dienen der offiziellen und zitierfähigen Informationsweitergabe und übernehmen zugleich strategische Funktionen in der öffentlichen Kommunikation und Meinungssteuerung.

Shitstorm

Der Begriff Shitstorm beschreibt eine relativ junge Diskurskonstellation, die seit den 2010er Jahren an Bedeutung gewonnen hat und gemeinhin als Online-Wutausbruch bezeichnet wer-den kann.

Tarnschrift

Als Tarnschrift bezeichnet man unter den Bedingungen von Zensur und Verfolgungsrisiko veröffentliche Texte, die insbesondere in der strategischen Kommunikation des NS-Widerstands eine zentrale Rolle spielten.

Schlagwörter

Brückentechnologie

Ganz allgemein wird unter dem Schlagwort der Brückentechnologie sowohl in den öffentlichen Medien als auch in technisch und wirtschaftlich dominierten Kontexten eine Technologie verstanden, die zeitlich befristet eingesetzt werden soll, bevor in Zukunft der Übergang zu einer als sinnvoller eingeschätzten anderen Technologie möglich ist.

Deindustrialisierung

Der Ausdruck Deindustrialisierung (auch De-Industrialisierung oder als Verb deindustrialisieren) beschreibt im öffentlichen Sprachgebrauch eine negativ bewertete Form des Strukturwandels durch Rückgang von produzierendem Gewerbe.

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit als ein Schlagwort des öffentlichen Diskurses bezieht sich ganz allgemein auf einen ressourcenschonenderen Umgang mit dem, was uns Menschen der Planet Erde bietet, mit dem Ziel, dass auch nachfolgende Generationen noch die Möglichkeit haben, ähnlich gut zu leben wie wir heute (Generationengerechtigkeit).

Echokammer

Der Begriff der Echokammer steht in seiner heutigen Verwendung vor allem im Zusammenhang mit der Nutzung Sozialer Medien. Er verweist metaphorisch auf einen digitalen Kommunikations- und Resonanzraum, in dem Mediennutzer*innen lediglich Inhalten begegnen, die ihre eigenen, bereits bestehenden Ansichten bestätigen, während abweichende Perspektiven und Meinungen ausgeblendet bzw. abgelehnt werden.

Relativieren

Der Ausdruck relativieren besitzt zwei zentrale Bedeutungsvarianten: In bildungssprachlichen und wissenschaftlichen Kontexten bezeichnet er eine analytische Praxis, bei der Aussagen, Begriffe oder Phänomene durch Bezugnahme auf andere Sachverhalte eingeordnet, differen-ziert und in ihrer Geltung präzisiert werden.

Massendemokratie

Geprägt wurde der Begriff Massendemokratie im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts von völkisch-konservativen Akteuren (prominent darunter Carl Schmitt 1926). Der Ausdruck Masse hatte damals bei den bürgerlichen Eliten eine rundum bedrohliche Assoziation.

Social Bots

Als Social Bots werden Computerprogramme bezeichnet, die in der Lage sind, in sozialen Medien Kommunikation menschlicher Nutzer*innen (teilweise) automatisiert nachzuahmen.

Kriegsmüdigkeit

Der Ausdruck Kriegsmüdigkeit bezeichnet die emotionale und physische Erschöpfung von Menschen, die einen Krieg erleben, sowie die gesellschaftliche und politische Ermüdung angesichts langanhaltender Konflikte. Er beschreibt den sinkenden Kampfeswillen bei Kriegsparteien und heute wird er auch für das wachsende Desinteresse an Kriegsthemen in Medien und Öffentlichkeit genutzt.

Woke

Der Ausdruck woke stammt aus dem afroamerikanischen Englisch und bezeichnete dort zunächst den Bewusstseinszustand der Aufgeklärtheit über die Verbreitung von rassistischen Vorurteilen und Diskriminierung unter Angehörigen ethnischer Minderheiten.

Identität

Unter Identität versteht man allgemein die Summe von Merkmalen, die Individuen oder sozialen Kollektiven – etwa Nationen, Organisationen oder sozialen Gruppen – als charakteristisch oder gar als angeboren zugeordnet werden.

Verschiebungen

Dehumanisierung

Mit Dehumanisierung bzw. Anthropomorphisierung werden solche kommunikativen Techniken und Praktiken bezeichnet, die Personen, Sachverhalten oder Gegenständen menschliche Eigenschaften ab- bzw. zusprechen. Dehumanisierung und Anthropomorphisierung können sowohl durch sprachliche Mittel als auch durch andere, z. B. bildliche, Zeichen vollzogen werden.

Kriminalisierung

Kriminalität meint ein Verhalten, das gegen ein Gesetz verstößt. Folglich bedeutet Kriminalisierung im engeren Sinne den Vorgang, durch den Verhalten ungesetzlich gemacht wird – indem Gesetze geschaffen werden.

Versicherheitlichung

In akademischen Kontexten wird Versicherheitlichung in Abgrenzung zu einem naiv-realistischen Sicherheitsverständnis verwendet. Dieses betrachtet Sicherheit als einen universell erstrebenswerten und objektiv feststellbaren Zustand, dessen Abwesenheit auf das Handeln von Akteuren zurückzuführen ist, die feindselig, kriminell, unverantwortlich oder zumindest fahrlässig agieren.

Ökonomisierung

Ökonomisierung wird in gegenwärtigen Diskursen in der Regel zur Bezeichnung von Prozessen verwendet, in denen die spezifisch wirtschaftlichen Funktions-Elemente wie Markt, Wettbewerb/Konkurrenz, Kosten-Nutzen-Kalküle, Effizienz, Gewinnorientierung in Bereiche übertragen werden, die zuvor teilweise oder ganz nach anderen Leitkriterien ausgerichtet waren

Moralisierung

Moralisierung verlagert Macht- und Interessenkonflikte in die Sphäre der Kommunikation von Achtung / Missachtung. Sie reduziert Ambivalenz zugunsten einer Polarisierung von gut und böse.

Konstellationen

Krise

Krise ist vom Wort mit fachsprachlicher Bedeutung zur Zeitdiagnose und einem zentralen Begriff der öffentlich-politischen Kommunikation geworden. Der öffentlich-politische Krisenbegriff ist dabei – unabhängig vom Gegenstand der Krise – in eine krisendiskurstypische Konstellation zur Begründung von krisenüberwindenden Handlungen eingebettet.

Partizipatorischer Diskurs

Partizipation ist mittlerweile von der Forderung benachteiligter Personen und Gruppen nach mehr Beteiligung in der demokratischen Gesellschaft zu einem Begriff der Institutionen selbst geworden: Kein Programm, keine Bewilligung mehr, ohne dass bestimmte Gruppen oder Personen dazu aufgefordert werden, für (mehr) Partizipation zu sorgen.

Skandal

Die Diskurskonstellation des Skandals zeichnet sich durch eine in den Medien aufgegriffene (bzw. durch sie erst hervorgerufene) empörte Reaktion eines erheblichen Teils der Bevölkerung auf einen tatsächlichen oder vermeintlichen Missstand aus. Die schuldhafte Verursachung dieses Missstandes wird dabei einem gesellschaftlichen Akteur zugeschrieben, dessen Handeln als ‚unmoralisch‘ gedeutet wird.

DiskursReview

Review-Artikel

Memes als moderne Propaganda – Eine sprach- und medienkritische Untersuchung

Digitale Kommunikationsformen prägen heutige gesellschaftliche Debatten weitaus stärker als die klassischen Medien. Ihr Einfluss auf die politische Meinungsbildung und die Ausbildung ideologischer Positionen ist inzwischen unverkennbar und zählt zu den markantesten Entwicklungen der digitalen Gegenwart. Besonders hervorzuheben sind Memes: Sie verbreiten sich schnell, arbeiten mit humoristischen Mitteln und verdichten komplexe Inhalte auf ein Minimum an Zeichen. In öffentlichen Diskursen werden sie daher nicht mehr als spielerisches Internetphänomen betrachtet, sondern als ernstzunehmendes Instrument politischer Kommunikation und den damit einhergehenden propagandistischen Strategien.

Zeitalter der Polykrisen – Was sagt die Polykrise über die Gegenwart und Zukunft?

Beim Durchscrollen der Tagesschlagzeilen ist einem in den letzten Jahr wahrscheinlich der Ausdruck Polykrise ins Blickfeld geraten. Solche Schlagzeilen in deutschsprachigen Medien lauten beispielsweise (1) „Klimawandel, Krieg in der Ukraine, Abstiegsängste – die Welt ist aus den Fugen geraten: Drei Bücher zeigen Wege aus der Polykrise“ (Friedl 2026); (2) „Kritische Psychotherapie: Psychotherapie in der Polykrise“ (Dicks 2026); (3) „Optimismus in der Polykrise“ (Kolev 2025); (4) „Was tun gegen die …

„Genderwahn“ als sprachkritische Abwertung: Eine kritische Betrachtung

„Die Debatte über Gendern und Nicht-Gendern kann ich schon nicht mehr hören. Soll es doch jeder machen, wie er es selbst will.“ Dieses Zitat äußert der ehemalige Bundeskanzler Olaf Scholz im Rahmen der Feier zugunsten des Grundgesetzes, welches im Jahre 2024 den 75. Geburtstag feierte (vgl. Steinkohl et al. 2024). Deutlich wird hierbei, dass die Thematik rund um das Gendern in der Politik aufgefasst wird. Allerdings wird gleichzeitig deutlich, dass die Debatte in der Öffentlichkeit stark kritisiert …

Klimaterroristen: Wie Sprache politische Fronten schafft

Der öffentliche Diskurs über Klimaaktivismus ist in den vergangenen Jahren zunehmend polarisiert. Vor diesem Hintergrund hat sich der Ausdruck Klimaterrorist zu einem politisch und gesellschaftlich stark aufgeladenen Schlagwort entwickelt, das im Jahr 2022 als „Unwort des Jahres“ gewählt wurde (vgl. 2020ff. – Unwort des Jahres). Seine Verwendung verweist auf Konflikte über Legitimität, Moral und Rechtmäßigkeit verschiedener Formen des Protests. Gleichzeitig fungiert der Begriff als sprachliches …

Negativ konnotierte Fremdzuschreibung durch diskriminierende Begriffe – Ein sprachkritischer Beitrag zur Bezeichnung „Kanake“ und dem Zukunftswort „Talahon“

„Gerade diese scheinbar ›milden‹ Formen des Rassismus, die über die Sprache transportiert werden, sind schwer zu bekämpfen, da vielen Menschen nicht klar zu sein scheint, welche Macht Sprache besitzt.“ (Kunz, 2021, S. 58).

Der Begriff „Kanake“ (teilweise auch „Kanacke“) bedeutet in seiner ursprünglichen Bedeutung Mensch und bezeichnete Bewohner*innen der Inselgruppe Neukaledoniens im südlichen Pazifik (vgl. Trost, 2002). Dem Gebrauch lag dabei die Charakterisierung einer spezifischen Gesellschaft …

Wenn aus Vielen Einer wird – Warum pauschale Nationsbezeichnungen sprachlich gefährlich sind

„In dieser Situation sind die Deutschen sehr unzufrieden mit der Arbeit der Politik.“ (Kinkartz, 2025), schreibt die Deutsche Welle im November 2025. Gemeint ist dabei keine einzelne Person oder klar definierte Gruppe, sondern eine ganze Nation, welche mit einem einzigen Artikel zu einem scheinbar einheitlichen Kollektiv zusammengefasst wurde. Solche Formulierungen sind kein Einzelfall. Ähnliche Beispiele, wie „Die Russen greifen an vielen Stellen an“ (Die Welt am Morgen, 2024), „Die Ukrainer …

Das Crazy, wenn Worte Brücken zwischen Generationen sprengen! – Eine sprachkritische Betrachtung von Jugendsprache: Mediale Darstellung, Generationenkonflikt und Pädagogische Einschätzung

Das Jugendwort des Jahres 2025 lautet „das Crazy“. Es meint: „Es gibt keine wirklich passende Antwort. Oder keine wirklich höfliche. Oder eine zu ausführliche, auf die der Antwortende aber gerade keine Lust hat. Oder einfach nur okay“ (Tagesschau, 2025). Torsten Sträter, Kabarettist und Vertreter der Generation X, hört es und stockt: „…das sind zwei Worte… [außerdem] fehlt eins… Vielleicht bin ich ein zu verknöcherter alter Mann geworden, dass ich mich über so eine Ka­cke… Wer es sagt – Ohrfeige“ …

„Stadtbild“ als politisches Schlagwort – Ein sprach- und medienkritischer Beitrag zur migrationspolitischen Äußerung von Friedrich Merz

Im Rahmen einer Pressekonferenz äußerte sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am 14. Oktober 2025 bei einem Besuch in Brandenburg zur Migrationspolitik. Er verwies dabei auf sinkende Migrationszahlen sowie auf bereits geplante und umgesetzte Maßnahmen, insbesondere Rückführungen. Merz verwendete dabei den Ausdruck „Stadtbild“, der im gegebenen Kontext negativ konnotiert wurde und sich daraufhin innerhalb kurzer Zeit zu einem politischen Schlagwort entwickelte.
Ausgangspunkt war eine journalistische …

Sprache im Scroll-Modus – Brainrot, Memes und medienkritische Deutungen der kindlichen Kommunikation

Laut der KIM-Studie im Jahr 2024 nutzten 54 Prozent der 6- bis 13-Jährigen täglich das Internet (mpfs, 2024). Das sind 7 Prozent mehr als im Jahr 2022 (mpfs, 2024). Besonders auffällig ist, dass 23 Prozent dieser Altersgruppe täglich oder fast täglich TikTok verwenden, während Instagram nur von 11 Prozent genutzt wird (mpfs, 2024). Mit der intensiveren Nutzung der sozialen Medien gewinnen auch Memes an Bedeutung: Dabei handelt es sich um multimodale Inhalte aus Texten, Bildern, Videos, GIFs, Sounds …

Wenn ein Wort mehr sagt als ein Satz: Der Begriff „Klimakleber“ als Beispiel sprachlicher Rahmung

In einem Kommentar der Süddeutschen Zeitung erwähnt Mareen Linnarzt den Gedanken, dass Sprache lenkt, wie man denkt (vgl. Linnarzt und Steinke 2023). Diese Aussage verweist auf eine grundlegende Eigenschaft von Sprache, die im alltäglichen Mediengebrauch häufig wenig reflektiert wird. Medien verfügen über die Möglichkeit, einzelne Teilaspekte eines Themas hervorzuheben und andere in den Hintergrund zu rücken (vgl. Hasebrink). Auf diese Weise entstehen Deutungsrahmen, innerhalb derer Ereignisse …