DiskursGlossar

Hegemonie

Kategorie: Grundbegriffe
Verwandte Ausdrücke: (Vor-)Herrschaft, Führung, Weltherrschaft, Imperium
Siehe auch: Macht, Demokratie, Propaganda
Autorin: Susanna Weber
Version: 1.0 / Datum: 13.06.2024

Kurzzusammenfassung

Der Ausdruck Hegemonie lässt sich in zwei Gebrauchskontexte einordnen: (a) Als analytischer Begriff in politik- bzw. staatswissenschaftlichen Theorien wird er verwendet, um asymmetrische zwischenstaatliche Machtverhältnisse zu charakterisieren (Wer hat die Führungsrolle, wer ist Geführter in Bündnissen? Wie ist das Verhältnis zwischen Freiwilligkeit und Zwang?). Auf innerstaatliche Konstellationen bezogen, steht Hegemonie für die ambivalente Mischung von Konsens und Zwang, Zustimmung und Gewalt, mit der Klassen oder Parteien führenden Einfluss bzw. Mehrheiten gewinnen (siehe Gramsci 1991). (b) Als Schlagwort in politisch-strategischen Diskursen rechter Akteure gehört Hegemonie zu den Begriffen/Theorieelementen, die sowohl konservative (wie Andreas Rödder) als auch rechte Meinungsführer (wie Alain de Benoist) aus dem linken Theorie-Repertoire (Gramsci 1991) entlehnten und in eigene Parteistrategien einbauten (kulturelle Hegemonie).

Erweiterte Begriffsklärung

Wie der britische Politikwissenschaftler Perry Anderson 2018 in einer umfassenden, historisch weit ausgreifenden Studie zum Gebrauch des Begriffs Hegemonie und seinen Konjunkturen beschreibt, liegen die historischen Wurzeln des Begriffs im Griechischen, als Bezeichnung für Führung (eines Staatswesens) mit Anteilen von Konsens. Die (noch ältere) Entsprechung im Chinesischen trug unterschiedliche Bedeutungen: von Überredung über Zwangsausübung bis zum Hegemonismus als Kritik an Bestrebungen (konkurrierender Mächte) nach Vorherrschaft. Noch gegenwärtig findet sich der Ausdruck (in westliche Sprachen übersetzt als ba, badao, baquan) in der Verfassung Chinas (Anderson 2018: 156 f.; 167; 187).

Eine neuzeitliche Konjunktur des Begriffsgebrauchs ist zur Mitte des 19. Jahrhunderts festzustellen und markiert hier vor allem die Politik Preußens, das sich die Vorherrschaft in den nationalen Einigungsbestrebungen Deutschlands und eine führende Rolle in Europa sichern wollte (Anderson 2018: 18–23). Eine weitere Aktualisierung erfuhr Hegemonie am Anfang des 20. Jahrhunderts im Kontext der russischen Revolutionen, hier als Begriff für innerstaatliche Verhältnisse (zwischen Sozialdemokratie/Zarismus, Arbeiterklasse/Bourgeoisie). Damit verbunden waren grundsätzliche Strategiefragen in Bezug auf die weitere Entwicklung der revolutionären Umgestaltungen, um die erbittert und zum Teil gewaltvoll gestritten wurde (Anderson 2018: 26–40).

Der italienische Publizist, Philosoph und Mitbegründer der Kommunistischen Partei (KP) Italiens, Antonio Gramsci (1891–1937), entwarf in seinen Gefängnisheften (GH), so genannt, weil sie in den Jahren der Haft in Gefängnissen des faschistischen Staates entstanden, ein Verständnis von Hegemonie, das sowohl die russischen Kontroversen reflektierte als auch die konkrete politische Situation und die Kräfteverhältnisse (die faschistische Regierung Mussolinis) in Italien. Aus Andersons Sicht ist Hegemonie bei Gramsci „polyvalent“, nämlich „undenkbar ohne Zustimmung, undurchführbar ohne Gewalt“ (Anderson 2018: 40). Nach Gramsci ist sie nicht (nur) Zustand, sondern auch der Prozess des Überzeugens, der Gewinnung von Verbündeten und der Realisierung grundlegender Umgestaltungen der Gesellschaft. Gegenüber den verbündeten Klassen müsse die Arbeiterklasse „führend“ sein, gegenüber den gegnerischen aber „herrschend“ (Gramsci 1991: GH 1, § 44, 101–113), so formulierte es Gramsci. Spätere Kontroversen innerhalb der italienischen KP etwa um einen möglichen „historischen Kompromiss“ (zwischen der KP und Democrazia Christiana) nahmen auf Gramcsis Hegemonie-Konzept Bezug (Haug/Davidson 2004).

In den Zeiten des sogenannten ,Kalten Krieges‘ zwischen den USA und der UdSSR wurde in der politischen Theorie und Praxis der USA Hegemonie verstärkt unter ökonomischen Aspekten gesehen, wobei Begriffe wie leadership, soft power und ähnliche Bezeichnungen verdeckten, dass es um einen „nichtterritorialen Imperialismus“ durch Marktbeziehungen und Dominanz in internationalen Organisationen gehe (Anderson 2018: 101). Im Zuge der Reformulierung westlicher geopolitischer Strategien im Rahmen der Neuordnung der globalen Kräfteverhältnisse nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Staatengemeinschaft wurde das Thema Hegemonie, interpretiert als globale Vorherrschaft, auch wieder stärker in europäischen und deutschsprachigen Diskursen verwendet. Gegenüber den verwandten Ausdrücken wie Imperium oder Kolonialismus erschien Hegemonie als weniger mit negativen Konnotationen belastet und wurde in erster Linie zur Bezeichnung für ein zwischenstaatliches Verhältnis gebraucht. In den Interpretationen des Begriffs und vor allem in Publikationen, die Hegemonie und Imperium in Beziehung setzen, spiegeln sich die (geo-)politischen Konfliktlinien zwischen den Vorherrschaft beanspruchenden Blöcken.

Für die nationale Ebene zeigt sich in diesem Kontext die Bedeutung einer speziellen diskursiven ,Schnittstelle‘: die zwischen wissenschaftlicher Expertise und Politik, situiert als ,Politikberatung‘. Exemplarisch ist der für das Thema Hegemonie/Imperium einschlägig hervorgetretene Politikwissenschaftler Herfried Münkler zu nennen. 2005 veröffentlichte er den Titel Imperium. Die Logik der Weltherrschaft vom Alten Rom bis zu den Vereinigten Staaten, der viel diskutiert wurde und seine zuvor schon begonnene, offizielle und inoffizielle Beraterfunktion für Politiker/Regierungen (von der rot-grünen Regierung unter Bundeskanzler Schröder bis zu Bundeskanzlerin Merkel) festigte. Seine Hauptthesen: Imperien bieten „Ordnungsleistungen“ und „Problembearbeitungskapazitäten“, zu denen Staaten nicht fähig seien; Europa sei designiert, (neben den USA) imperiale Merkmale und Fähigkeiten zu entwickeln (Münkler 2005). 2015 spitzte er seine Position nochmals zu und verkündete, ganz im Sinne der deutschen Außenpolitik: „Wir sind der Hegemon, gemeint ist Deutschland, das nicht nur die Rolle des „Zahlmeisters, sondern auch die des „Zuchtmeisters einzunehmen habe (Münkler 2015b). Im Weißbuch der Bundesregierung von 2016 wurde dementsprechend von der „aktiven Gestaltungsmacht“ Deutschlands gesprochen, das (mehr) „Verantwortung und Führung“ übernehmen müsse (BMVg 2016). Die „Macht in der Mitte steht also wieder bereit (Münkler 2015a).

Während seine Positionen von Wissenschaftlern zum Teil stark kritisiert wurden (vgl. Zelik 2007; Anderson 2018), fanden sie in der politischen Öffentlichkeit Zustimmung und offizielle staatlich-politische Förderung. So wurden entsprechende Publikationen Münklers als Materialien der Bundeszentrale für politische Bildung breit streuend in Zirkulation gebracht. Er referierte in der Führungsakademie der Bundeswehr ebenso wie im Auswärtigen Amt.

Eine dezidiert kritische Sichtweise auf das Konzept Hegemonie vermittelt der US-amerikanische Sprachwissenschaftler und Philosoph Noam Chomsky (2017), dessen Hauptaugenmerk auf die Außenpolitik der USA seit dem Zweiten Weltkrieg gerichtet ist. Chomsky analysiert die geostrategischen und propagandistischen Aspekte, die der Gebrauch des Hegemonie-Konzeptes von Seiten der USA enthält. Als Ergänzung und Korrektiv zu Münklers ,eingebetteter‘ Interpretation imperialer Strategien gelesen, analysiert Chomsky präzise und konkret politische Entscheidungen der USA, die aus der Rolle der hegemonialen Weltmacht exekutiert wurden: von den zahllosen militärischen und nicht-militärischen Interventionen in Ländern Südamerikas und Asiens (Chile, Vietnam und andere) bis zu den Invasionen im Irak und Afghanistan und als NATO-Führungsmacht in Jugoslawien. Die gezielte Beeinflussung der öffentlichen Meinung durch regierungsnahe Institutionen gehört nach Chomsky zur innenpolitischen Sicherung hegemonialer Politik. Die „Herstellung von Konsens“ sei ein wesentliches Merkmal des demokratischen Prozesses, formulierte schon Edward Bernays in den 1920er Jahren – allerdings war damit das Repertoire der im Ersten Weltkrieg entstandenen „Propaganda“ gemeint, Methoden der Öffentlichkeitsarbeit (Public Relations, PR) zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung (Bernays 2007). Als herausragendes Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit beschreibt Chomsky die Zusammenhänge zwischen der 2002 veröffentlichten Nationalen Sicherheitsstrategie der USA, in der die hegemonialen Ansprüche der USA (neu) formuliert wurden, der medialen Verbreitung der Unterstellung, der Irak verfüge über Massenvernichtungswaffen und dem damit begründeten Angriff der USA auf den Irak 2003.

Mit ausdrücklichem Bezug auf Gramsci (1991) wurde der Begriff der kulturellen Hegemonie von rechten Intellektuellen angeeignet und reformuliert (vgl. Meiering 2022). Hervorzuheben ist hier der französische Philosoph Alain de Benoist, der 1985 ein Buch unter dem Titel Kulturrevolution von rechts: Gramsci und die Nouvelle Drôite veröffentlichte, das auch in der deutschen Neuen Rechten vielfach rezipiert wurde. So bezeichnet z. B. Benedikt Kaiser, einer der gegenwärtigen Wortführer der Neuen Rechten, die Erringung kultureller Hegemonie als strategische Maßnahme (vgl. auch Hans-Böckler-Stiftung 2024). Unter dem Begriff Metapolitik firmieren hier Aktivitäten, die sich zum Beispiel ,soziale‘ Medien zunutze machen, um bestimmte Themen zu lancieren, neu zu rahmen und bei Bedarf zu skandalisieren sowie konkrete Praktiken, die den „vorpolitischen“ Raum für rechte Positionen und Forderungen erschließen soll (Meiering 2022: 75–115, darin die Beiträge zu Metapolitik). Ähnlich lautende Äußerungen von Björn Höcke und Thor von Waldstein unterstreichen die Wichtigkeit, die dieser Strategie beigemessen wird (vgl. Stahl 2019: Kap. 8; Weiß 2017: 54 ff.).

Was bei Gramsci (1991) Ausdruck und Ergebnis der Analyse einer komplexen (innen-)politischen Situation war (die Suche nach möglichen strategischen Bündnissen für eine sozialistische Umgestaltung Italiens), wurde in der Neuen Rechten umgedeutet zum Aufruf, sich unter anderem Bruch- bzw. Leerstellen innerhalb der Zivilgesellschaft zunutze zu machen, um Einfluss zu gewinnen (z. B. in Protestbewegungen) und andere zivilgesellschaftliche Akteure als potentielle Bündnispartner zu rekrutieren (in lokalen Gemeinschaften, Gewerkschaften, Vereinen). Rechte Akteure nutzen dabei alle gängigen massenmedialen Manipulationspraktiken als Instrumente, um ,Meinungsführerschaft‘ zu gewinnen (vgl. Hans-Böckler-Stiftung 2024).

Beispiele

(1) Angehörige der Identitären Bewegung, einer Gruppierung der äußersten Rechten, die u. a. durch provozierende Aktionen auf sich aufmerksam macht und popkulturelle Inszenierungen aufgreift, besetzten im August 2016 das Brandenburger Tor und entrollten ein Banner ihrer Gruppe. Götz Kubitschek, Verleger und Autor des Antaios-Verlags, Mitbegründer des sogenannten Instituts für Staatspolitik in Schnellroda, war der Geldgeber der Aktion und ordnete sie so ein: Sie sei eine „Raum- und Wortergreifungsstrategie innerhalb der Medienmechanismen unserer Zeit“ (zitiert nach Weiß 2018: 95). Damit ist sehr treffend bezeichnet, was in der Neuen Rechten im Anschluss an Alain de Benoist als Instrument zur Erringung kultureller Hegemonie diskutiert und praktiziert wird: Die zielgerichtete Manipulation des öffentlichen Raumes, die Emotionalisierung von Ereignissen und ihre Skandalisierung.

(2) Hegemonie, imperialer Machtanspruch (auch wenn nicht immer exakt mit diesen Begriffen bezeichnet) gehörten zum Selbstverständnis und Ziel der US-Politik nach dem 2. Weltkrieg. Nach den Terroranschlägen des 11. September gilt seit 2002 die (manchmal Bush-Doktrin genannte) Neue Sicherheitsstrategie der USA (NSS), in der es heißt:

Wir werden Streitkräfte unterhalten, die zur Erfüllung unserer Verpflichtung fähig sind und die Freiheit verteidigen. Unsere Streitkräfte werden stark genug sein, potenzielle Gegner von ihren Aufrüstungsvorhaben abzubringen, die sie in der Hoffnung auf Überlegenheit oder Gleichstellung im Hinblick auf die Macht der Vereinigten Staaten betreiben. (Netzwerk Friedenskooperative 2003)

Der Anspruch auf Vorherrschaft wird so weit ausgedehnt, dass auch – völkerrechtlich geächtete – Präventiv- bzw. Präemptivschläge (zur Unterscheidung vgl. Kamp 2002) gegen einen mutmaßlichen Gegner angekündigt werden. Der kurze Zeit später erfolgte Angriff auf den Irak wurde auf diese Weise legitimiert.

(3) Während in öffentlichen Diskursen in jüngster Zeit dem russischen Regime vorgeworfen wird, sich ,imperialistischer‘ Strategien zu bedienen (Kritik an Imperialismus war einmal ein Kennzeichen linker Positionen!), setzt Herfried Münkler, Politologe und Regierungsberater, seit Jahren auf die ,Adelung‘ imperialer Strategien zur Begründung politischer Führungsansprüche westlicher Mächte. Europa „[…] wird nicht umhin kommen, selbst imperiale Merkmale zu übernehmen und imperiale Fähigkeiten zu entwickeln […]“ (Münkler 2005). Der „humanitäre Imperialismus“ (gemeint sind militärische Interventionen wie in Afghanistan, Kosovo, Irak) sei als „Nachsorge des neuerlichen Globalisierungsprozesses im 20. Jahrhundert zu betrachten (Münkler 2005: 48), also quasi moralisch geboten. Er spricht auch vom „demokratischen Imperium USA und vom

strukturelle(n) Zwang zur Inszenierung von Bedrohungen, um die demokratische Öffentlichkeit zur Übernahme imperialer Verpflichtungen zu motivieren. Die Politik der Inszenierungen und Täuschungen dient dazu, die Lücke zwischen Demokratie und Imperium zu schließen. (Münkler 2005: 238)

Aktuell brachte Münkler sich lautstark in Erinnerung durch die provozierende Forderung nach stärkerer atomarer Aufrüstung in Europa und der erweiterten (auf Deutschland!) Verfügungsmacht über die Atomwaffen. Es brauche einen „Koffer mit rotem Knopf, der zwischen großen EU-Ländern wandert“ (Deutschlandfunk 2023).

(4) Wie auch aus konservativer Richtung mit ausdrücklichem Bezug auf Gramsci (1991) der Begriff der kulturellen Hegemonie vereinnahmt und zurechtgebogen wird, zeigte in jüngster Zeit der Artikel des Historikers, Vorstandsmitglieds der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) und Leiters der sogenannten Denkfabrik R 21, Andreas Rödder. Zunächst veröffentlicht am 08.01.2024 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wenige Tage später auf der Website von R 21 unter dem Titel Das Ende der grünen Hegemonie, vereinfacht und verkürzt der Autor die gegenwärtigen Krisen u. a. der demokratischen Repräsentation auf das, was er als „das grüne Paradigma, „grüne Diskurshoheit oder „grüne Deutungshegemonie bezeichnet und behauptet: „Das war es, was Antonio Gramsci mit kultureller Hegemonie gemeint hatte(Rödder 2024). Keine dieser Bezeichnungen wird erklärt, gleichzeitig aber legt er nahe, dass die (ursprünglich) ,grünen Themen‘ wie etwa Umweltschutz und Geschlechterparität mittlerweile vorherrschend geworden seien und andere dadurch marginalisiert würden (Wirtschaft, Sicherheit, Technologie). Seine tendenziöse Darstellung endet mit der Unterstellung, die aktuell starken populistischen Bewegungen hätten sich als „Reaktanz auf das „grüne Paradigma gebildet (Rödder 2024). Das ist Propaganda wie aus dem Lehrbuch.

Literatur

Zum Weiterlesen

  • Buckel, Sonja; Fischer-Lescano, Andreas (Hrsg.) (2007): Hegemonie gepanzert mit Zwang. Baden-Baden: Nomos.

  • Neubert, Harald (2001): Antonio Gramsci: Hegemonie – Zivilgesellschaft – Partei. Eine Einführung. Hamburg: VSA.

Zitierte Literatur und Belege

Zitiervorschlag

Susanna, Weber (2024): Hegemonie. In: Diskursmonitor. Glossar zur strategischen Kommunikation in öffentlichen Diskursen. Hg. von der Forschungsgruppe Diskursmonitor und Diskursintervention. Veröffentlicht am 13.06.2024. Online unter: https://diskursmonitor.de/glossar/hegemonie/.

DiskursGlossar

Grundbegriffe

Begriffsgeschichte

Die Begriffsgeschichte lässt sich allgemein als eine historische Methode beschreiben, die den zeitlichen Wandel der Bedeutungen von bestimmten Ausdrücken untersucht. Da einzelne Worte nie isoliert begegnen und ihre jeweiligen Bedeutungen erst im Kontext größerer sprachlicher Zusammenhänge oder semantischer Felder greifbar werden, verbindet sie sich flexibel mit anderen Methoden historischer Semantik, wie etwa der Diskursgeschichte, der Argumentationsgeschichte oder der Metaphernforschung (Metaphorologie).

Diskurssemantische Verschiebung

Mit dem Begriff der diskurssemantischen Verschiebung wird in der Diskursforschung ein Wandel in der öffentlichen Sprache und Kommunikation verstanden, der auf mittel- oder län-gerfristige Veränderung des Denkens, Handelns und/oder Fühlens größerer Gesellschafts-gruppen hinweist.

Domäne

Der Begriff der Domäne ist aus der soziologisch orientierten Sprachforschung in die Diskursforschung übernommen worden. Hier wird der Begriff dafür verwendet, um Muster im Sprachgebrauch und kollektiven Denken von sozialen Gruppen nach situationsübergreifenden Tätigkeitsbereichen zu sortieren.

Positionieren

Positionieren ist Grundbestandteil menschlicher Kommunikation. Wann immer wir miteinander interagieren und kommunizieren, bringen wir uns selbst, andere und die Objekte, über die wir sprechen, in bestimmte Relationen zueinander.

Deutungsmuster

Unter einem Deutungsmuster wird die problem- und lösungsbezogene Interpretation gesellschaftlicher und politischer Tatbestände verstanden, die Aussicht auf Akzeptanz in sozialen Gruppen hat. Der Begriff des Deutungsmusters hat Ähnlichkeit mit den Begriffen der Theorie und Ideologie. Meist werden gesellschaftlich verbreitete Leitdeutungen, die oft mit Schlagwörtern und Argumentationsmustern einhergehen (wie Globalisierung, Kapitalismus, Leistungsgesellschaft, Chancengleichheit etc.) als Beispiele für Deutungsmuster genannt.

Sinnformel

‚Wer sind wir? Woher kommen, wo stehen und wohin gehen wir? Wozu leben wir?‘ Auf diese und ähnliche existentielle Fragen geben Sinnformeln kondensierte Antworten, die in privaten wie sozialen Situationen Halt und Argumenten in politischen und medialen Debatten einen sicheren Unterbau geben können.

Praktik

Eine Praktik ist ein spezifisches, situativ vollzogenes und sinnhaftes Bündel von körperlichen Verhaltensweisen, an dem mehrere Menschen und Dinge beteiligt sein können (z. B. Seufzen, um Frust auszudrücken, oder einen Beschwerdebrief schreiben, Fußballspielen).

Kontextualisieren

Kontextualisieren wird im allgemeineren bildungssprachlichen Begriffsgebrauch verwendet, um das Einordnen von etwas oder jemandem in einen bestimmten Zusammenhang zu bezeichnen.

Narrativ

Mit der diskursanalytischen Kategorie des Narrativs werden Vorstellungen von komplexen Denk- und Handlungsstrukturen erfasst. Narrative in diesem Sinne gehören wie Schlagwörter, Metaphern und Topoi zu den Grundkategorien der Analyse von Diskursen.

Argumentation

Argumentation bezeichnet jene sprachliche Tätigkeit, in der man sich mithilfe von Gründen darum bemüht, die Richtigkeit einer Antwort auf eine bestimmte Frage zu erweisen. Das kann in ganz verschiedenen Situationen und Bereichen nötig sein, namentlich um eine poli-tische, wissenschaftliche, rechtliche, unternehmerische oder private Angelegenheit zu klären.

Techniken

AI-Washing/KI-Washing

Unter AI-Washing ist die Praxis von Unternehmen oder Organisationen zu verstehen, Produkte, Dienstleistungen oder Geschäftsmodelle mit dem Etikett „Künstliche Intelligenz“ (KI bzw. „Artificial Intelligence“ (AI)) zu versehen, obwohl deren tatsächlicher Einsatz von KI-Technologien entweder stark übertrieben, nur marginal vorhanden oder überhaupt nicht gegeben ist.

Dogwhistle

Unter Dogwhistle wird in Teilen der Forschung eine doppeldeutige Äußerung verstanden, die eine offene und eine verdeckte Botschaft an jeweils eine Zuhörerschaft kommuniziert.

Demonstrieren

« Zurück zur ArtikelübersichtDemonstrieren Kategorie: TechnikenVerwandte Ausdrücke: Auf die Straße gehen, Straßenprotest, Kundgebung, öffentliche Versammlung, Mahnwache, Menschenkette, Marsch, SitzblockadenSiehe auch: Protest, Politische Aktion, Politische Bildung,...

Boykottaufruf

Der Boykottaufruf ist eine Maßnahme, die darauf abzielt, ein Ziel, also meist eine Verhaltensänderung des Boykottierten, hervorzurufen, indem zu einem Abbruch etwa der wirtschaftlichen oder sozialen Beziehungen zu diesem aufgefordert wird.

Tabuisieren

Das Wort Tabuisierung bezeichnet die Praxis, etwas Unerwünschtes, Anstößiges oder Peinliches unsichtbar zu machen oder als nicht akzeptabel zu markieren. Das Tabuisierte gilt dann moralisch als unsagbar, unzeigbar oder unmachbar.

Aus dem Zusammenhang reißen

Das Aus-dem-Zusammenhang-Reißen gehört in den Funktionskreis der Redewiedergabe bzw. der Wiedergabe kommunikativer Ereignisse. Es kann (1) als intentionale argumentativ-polemische Strategie für ganz unterschiedliche diskursive Zielsetzungen von Akteuren genutzt werden, oder (2) es kann SprecherInnen und SchreiberInnen in unbeabsichtigter, fehlerhafter Weise unterlaufen.

Lobbying

Lobbying ist eine Form strategischer Kommunikation, die sich primär an Akteure in der Politik richtet. Beim Lobbying wird ein Bündel von kommunikativen Tätigkeiten mit dem Ziel eingesetzt, die Entscheidungen von Personen mit politischem Mandat oder den Entstehungsprozess von neuen Gesetzestexten interessengeleitet zu beeinflussen.

Karten

Karten dienen dazu, Raumausschnitte im Hinblick auf ausgewählte Charakteristika so darzustellen, dass die Informationen unmittelbar in ihrem Zusammenhang erfasst und gut kommuniziert werden können. Dazu ist es notwendig, Daten und Darstellungsweisen auszuwählen und komplexe und oft umkämpfte Prozesse der Wirklichkeit in einfachen Darstellungen zu fixieren.

Pressemitteilung

Pressemitteilungen sind standardisierte Mitteilungen von Organisationen, die sich an Journalist:innen und andere Multiplikator:innen richten. Sie dienen der offiziellen und zitierfähigen Informationsweitergabe und übernehmen zugleich strategische Funktionen in der öffentlichen Kommunikation und Meinungssteuerung.

Shitstorm

Der Begriff Shitstorm beschreibt eine relativ junge Diskurskonstellation, die seit den 2010er Jahren an Bedeutung gewonnen hat und gemeinhin als Online-Wutausbruch bezeichnet wer-den kann.

Schlagwörter

Brückentechnologie

Ganz allgemein wird unter dem Schlagwort der Brückentechnologie sowohl in den öffentlichen Medien als auch in technisch und wirtschaftlich dominierten Kontexten eine Technologie verstanden, die zeitlich befristet eingesetzt werden soll, bevor in Zukunft der Übergang zu einer als sinnvoller eingeschätzten anderen Technologie möglich ist.

Deindustrialisierung

Der Ausdruck Deindustrialisierung (auch De-Industrialisierung oder als Verb deindustrialisieren) beschreibt im öffentlichen Sprachgebrauch eine negativ bewertete Form des Strukturwandels durch Rückgang von produzierendem Gewerbe.

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit als ein Schlagwort des öffentlichen Diskurses bezieht sich ganz allgemein auf einen ressourcenschonenderen Umgang mit dem, was uns Menschen der Planet Erde bietet, mit dem Ziel, dass auch nachfolgende Generationen noch die Möglichkeit haben, ähnlich gut zu leben wie wir heute (Generationengerechtigkeit).

Echokammer

Der Begriff der Echokammer steht in seiner heutigen Verwendung vor allem im Zusammenhang mit der Nutzung Sozialer Medien. Er verweist metaphorisch auf einen digitalen Kommunikations- und Resonanzraum, in dem Mediennutzer*innen lediglich Inhalten begegnen, die ihre eigenen, bereits bestehenden Ansichten bestätigen, während abweichende Perspektiven und Meinungen ausgeblendet bzw. abgelehnt werden.

Relativieren

Der Ausdruck relativieren besitzt zwei zentrale Bedeutungsvarianten: In bildungssprachlichen und wissenschaftlichen Kontexten bezeichnet er eine analytische Praxis, bei der Aussagen, Begriffe oder Phänomene durch Bezugnahme auf andere Sachverhalte eingeordnet, differen-ziert und in ihrer Geltung präzisiert werden.

Massendemokratie

Geprägt wurde der Begriff Massendemokratie im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts von völkisch-konservativen Akteuren (prominent darunter Carl Schmitt 1926). Der Ausdruck Masse hatte damals bei den bürgerlichen Eliten eine rundum bedrohliche Assoziation.

Social Bots

Als Social Bots werden Computerprogramme bezeichnet, die in der Lage sind, in sozialen Medien Kommunikation menschlicher Nutzer*innen (teilweise) automatisiert nachzuahmen.

Kriegsmüdigkeit

Der Ausdruck Kriegsmüdigkeit bezeichnet die emotionale und physische Erschöpfung von Menschen, die einen Krieg erleben, sowie die gesellschaftliche und politische Ermüdung angesichts langanhaltender Konflikte. Er beschreibt den sinkenden Kampfeswillen bei Kriegsparteien und heute wird er auch für das wachsende Desinteresse an Kriegsthemen in Medien und Öffentlichkeit genutzt.

Woke

Der Ausdruck woke stammt aus dem afroamerikanischen Englisch und bezeichnete dort zunächst den Bewusstseinszustand der Aufgeklärtheit über die Verbreitung von rassistischen Vorurteilen und Diskriminierung unter Angehörigen ethnischer Minderheiten.

Identität

Unter Identität versteht man allgemein die Summe von Merkmalen, die Individuen oder sozialen Kollektiven – etwa Nationen, Organisationen oder sozialen Gruppen – als charakteristisch oder gar als angeboren zugeordnet werden.

Verschiebungen

Dehumanisierung

Mit Dehumanisierung bzw. Anthropomorphisierung werden solche kommunikativen Techniken und Praktiken bezeichnet, die Personen, Sachverhalten oder Gegenständen menschliche Eigenschaften ab- bzw. zusprechen. Dehumanisierung und Anthropomorphisierung können sowohl durch sprachliche Mittel als auch durch andere, z. B. bildliche, Zeichen vollzogen werden.

Kriminalisierung

Kriminalität meint ein Verhalten, das gegen ein Gesetz verstößt. Folglich bedeutet Kriminalisierung im engeren Sinne den Vorgang, durch den Verhalten ungesetzlich gemacht wird – indem Gesetze geschaffen werden.

Versicherheitlichung

In akademischen Kontexten wird Versicherheitlichung in Abgrenzung zu einem naiv-realistischen Sicherheitsverständnis verwendet. Dieses betrachtet Sicherheit als einen universell erstrebenswerten und objektiv feststellbaren Zustand, dessen Abwesenheit auf das Handeln von Akteuren zurückzuführen ist, die feindselig, kriminell, unverantwortlich oder zumindest fahrlässig agieren.

Ökonomisierung

Ökonomisierung wird in gegenwärtigen Diskursen in der Regel zur Bezeichnung von Prozessen verwendet, in denen die spezifisch wirtschaftlichen Funktions-Elemente wie Markt, Wettbewerb/Konkurrenz, Kosten-Nutzen-Kalküle, Effizienz, Gewinnorientierung in Bereiche übertragen werden, die zuvor teilweise oder ganz nach anderen Leitkriterien ausgerichtet waren

Moralisierung

Moralisierung verlagert Macht- und Interessenkonflikte in die Sphäre der Kommunikation von Achtung / Missachtung. Sie reduziert Ambivalenz zugunsten einer Polarisierung von gut und böse.

Konstellationen

Krise

Krise ist vom Wort mit fachsprachlicher Bedeutung zur Zeitdiagnose und einem zentralen Begriff der öffentlich-politischen Kommunikation geworden. Der öffentlich-politische Krisenbegriff ist dabei – unabhängig vom Gegenstand der Krise – in eine krisendiskurstypische Konstellation zur Begründung von krisenüberwindenden Handlungen eingebettet.

Partizipatorischer Diskurs

Partizipation ist mittlerweile von der Forderung benachteiligter Personen und Gruppen nach mehr Beteiligung in der demokratischen Gesellschaft zu einem Begriff der Institutionen selbst geworden: Kein Programm, keine Bewilligung mehr, ohne dass bestimmte Gruppen oder Personen dazu aufgefordert werden, für (mehr) Partizipation zu sorgen.

Skandal

Die Diskurskonstellation des Skandals zeichnet sich durch eine in den Medien aufgegriffene (bzw. durch sie erst hervorgerufene) empörte Reaktion eines erheblichen Teils der Bevölkerung auf einen tatsächlichen oder vermeintlichen Missstand aus. Die schuldhafte Verursachung dieses Missstandes wird dabei einem gesellschaftlichen Akteur zugeschrieben, dessen Handeln als ‚unmoralisch‘ gedeutet wird.

DiskursReview

Review-Artikel

Memes als moderne Propaganda – Eine sprach- und medienkritische Untersuchung

Digitale Kommunikationsformen prägen heutige gesellschaftliche Debatten weitaus stärker als die klassischen Medien. Ihr Einfluss auf die politische Meinungsbildung und die Ausbildung ideologischer Positionen ist inzwischen unverkennbar und zählt zu den markantesten Entwicklungen der digitalen Gegenwart. Besonders hervorzuheben sind Memes: Sie verbreiten sich schnell, arbeiten mit humoristischen Mitteln und verdichten komplexe Inhalte auf ein Minimum an Zeichen. In öffentlichen Diskursen werden sie daher nicht mehr als spielerisches Internetphänomen betrachtet, sondern als ernstzunehmendes Instrument politischer Kommunikation und den damit einhergehenden propagandistischen Strategien.

Zeitalter der Polykrisen – Was sagt die Polykrise über die Gegenwart und Zukunft?

Beim Durchscrollen der Tagesschlagzeilen ist einem in den letzten Jahr wahrscheinlich der Ausdruck Polykrise ins Blickfeld geraten. Solche Schlagzeilen in deutschsprachigen Medien lauten beispielsweise (1) „Klimawandel, Krieg in der Ukraine, Abstiegsängste – die Welt ist aus den Fugen geraten: Drei Bücher zeigen Wege aus der Polykrise“ (Friedl 2026); (2) „Kritische Psychotherapie: Psychotherapie in der Polykrise“ (Dicks 2026); (3) „Optimismus in der Polykrise“ (Kolev 2025); (4) „Was tun gegen die …

„Genderwahn“ als sprachkritische Abwertung: Eine kritische Betrachtung

„Die Debatte über Gendern und Nicht-Gendern kann ich schon nicht mehr hören. Soll es doch jeder machen, wie er es selbst will.“ Dieses Zitat äußert der ehemalige Bundeskanzler Olaf Scholz im Rahmen der Feier zugunsten des Grundgesetzes, welches im Jahre 2024 den 75. Geburtstag feierte (vgl. Steinkohl et al. 2024). Deutlich wird hierbei, dass die Thematik rund um das Gendern in der Politik aufgefasst wird. Allerdings wird gleichzeitig deutlich, dass die Debatte in der Öffentlichkeit stark kritisiert …

Klimaterroristen: Wie Sprache politische Fronten schafft

Der öffentliche Diskurs über Klimaaktivismus ist in den vergangenen Jahren zunehmend polarisiert. Vor diesem Hintergrund hat sich der Ausdruck Klimaterrorist zu einem politisch und gesellschaftlich stark aufgeladenen Schlagwort entwickelt, das im Jahr 2022 als „Unwort des Jahres“ gewählt wurde (vgl. 2020ff. – Unwort des Jahres). Seine Verwendung verweist auf Konflikte über Legitimität, Moral und Rechtmäßigkeit verschiedener Formen des Protests. Gleichzeitig fungiert der Begriff als sprachliches …

Negativ konnotierte Fremdzuschreibung durch diskriminierende Begriffe – Ein sprachkritischer Beitrag zur Bezeichnung „Kanake“ und dem Zukunftswort „Talahon“

„Gerade diese scheinbar ›milden‹ Formen des Rassismus, die über die Sprache transportiert werden, sind schwer zu bekämpfen, da vielen Menschen nicht klar zu sein scheint, welche Macht Sprache besitzt.“ (Kunz, 2021, S. 58).

Der Begriff „Kanake“ (teilweise auch „Kanacke“) bedeutet in seiner ursprünglichen Bedeutung Mensch und bezeichnete Bewohner*innen der Inselgruppe Neukaledoniens im südlichen Pazifik (vgl. Trost, 2002). Dem Gebrauch lag dabei die Charakterisierung einer spezifischen Gesellschaft …

Wenn aus Vielen Einer wird – Warum pauschale Nationsbezeichnungen sprachlich gefährlich sind

„In dieser Situation sind die Deutschen sehr unzufrieden mit der Arbeit der Politik.“ (Kinkartz, 2025), schreibt die Deutsche Welle im November 2025. Gemeint ist dabei keine einzelne Person oder klar definierte Gruppe, sondern eine ganze Nation, welche mit einem einzigen Artikel zu einem scheinbar einheitlichen Kollektiv zusammengefasst wurde. Solche Formulierungen sind kein Einzelfall. Ähnliche Beispiele, wie „Die Russen greifen an vielen Stellen an“ (Die Welt am Morgen, 2024), „Die Ukrainer …

Das Crazy, wenn Worte Brücken zwischen Generationen sprengen! – Eine sprachkritische Betrachtung von Jugendsprache: Mediale Darstellung, Generationenkonflikt und Pädagogische Einschätzung

Das Jugendwort des Jahres 2025 lautet „das Crazy“. Es meint: „Es gibt keine wirklich passende Antwort. Oder keine wirklich höfliche. Oder eine zu ausführliche, auf die der Antwortende aber gerade keine Lust hat. Oder einfach nur okay“ (Tagesschau, 2025). Torsten Sträter, Kabarettist und Vertreter der Generation X, hört es und stockt: „…das sind zwei Worte… [außerdem] fehlt eins… Vielleicht bin ich ein zu verknöcherter alter Mann geworden, dass ich mich über so eine Ka­cke… Wer es sagt – Ohrfeige“ …

„Stadtbild“ als politisches Schlagwort – Ein sprach- und medienkritischer Beitrag zur migrationspolitischen Äußerung von Friedrich Merz

Im Rahmen einer Pressekonferenz äußerte sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am 14. Oktober 2025 bei einem Besuch in Brandenburg zur Migrationspolitik. Er verwies dabei auf sinkende Migrationszahlen sowie auf bereits geplante und umgesetzte Maßnahmen, insbesondere Rückführungen. Merz verwendete dabei den Ausdruck „Stadtbild“, der im gegebenen Kontext negativ konnotiert wurde und sich daraufhin innerhalb kurzer Zeit zu einem politischen Schlagwort entwickelte.
Ausgangspunkt war eine journalistische …

Sprache im Scroll-Modus – Brainrot, Memes und medienkritische Deutungen der kindlichen Kommunikation

Laut der KIM-Studie im Jahr 2024 nutzten 54 Prozent der 6- bis 13-Jährigen täglich das Internet (mpfs, 2024). Das sind 7 Prozent mehr als im Jahr 2022 (mpfs, 2024). Besonders auffällig ist, dass 23 Prozent dieser Altersgruppe täglich oder fast täglich TikTok verwenden, während Instagram nur von 11 Prozent genutzt wird (mpfs, 2024). Mit der intensiveren Nutzung der sozialen Medien gewinnen auch Memes an Bedeutung: Dabei handelt es sich um multimodale Inhalte aus Texten, Bildern, Videos, GIFs, Sounds …

Wenn ein Wort mehr sagt als ein Satz: Der Begriff „Klimakleber“ als Beispiel sprachlicher Rahmung

In einem Kommentar der Süddeutschen Zeitung erwähnt Mareen Linnarzt den Gedanken, dass Sprache lenkt, wie man denkt (vgl. Linnarzt und Steinke 2023). Diese Aussage verweist auf eine grundlegende Eigenschaft von Sprache, die im alltäglichen Mediengebrauch häufig wenig reflektiert wird. Medien verfügen über die Möglichkeit, einzelne Teilaspekte eines Themas hervorzuheben und andere in den Hintergrund zu rücken (vgl. Hasebrink). Auf diese Weise entstehen Deutungsrahmen, innerhalb derer Ereignisse …