
DiskursGlossar
Google-Bombing
Kategorie: Techniken
Verwandte Ausdrücke: Google-Bombe, Googlewashing, Link Bombing, Spamdexing, Link Spam, Keyword Spam, negative SEO, Suchmaschinen-Spamming
Siehe auch: Suchmaschinenoptimierung, Search Engine Advertising, Domain-Grabbing, Guerillakommunikation
Autor: Jo Bager
Version: 1.2 / Datum: 12.12.2022
Kurzzusammenfassung
Als Google-Bombing bezeichnet man eine Methode, mit der die Trefferliste bei Google manipuliert wird. Dabei soll der Link auf eine bestimmte Webseite möglichst prominent auf der Suchergebnisseite platziert werden.
Google-Bombing wurde in der Vergangenheit unter anderem von politischen Aktivisten genutzt (Guerillakommunikation), um einen politischen Akteur oder eine Partei mit einem negativen Begriff zu verknüpfen (Imageverschmutzung) oder unter ihrem Namen einen Link auf eine kritische Webseite zu platzieren. Aktuell spielen Google-Bombs aber kaum eine Rolle mehr.
Erweiterte Begriffsklärung
Suchmaschinen gehören zu den wichtigsten Diensten für die Orientierung im Internet. Sie indizieren die Texte und andere Inhalte auf allen Webseiten und machen sie über eine Abfragemaske durchsuchbar. Die Suchmaschine mit dem größten Marktanteil ist Google.
Die Reihenfolge, in der eine Suchmaschine ihre Treffer auf ihren Suchergebnisseiten anzeigt (Search Engine Result Pages, SERPs), bezeichnet man als Ranking. Das Ranking legt ein komplexer Algorithmus fest. Er bezieht dafür die Inhalte auf den indizierten Seiten selbst mit ein, also zum Beispiel das Vorhandensein und die Häufigkeit bestimmter Schlagwörter. Außerdem sind externe Faktoren für das Ranking relevant. Bei Google waren und sind die Anzahl der Links, die auf eine Seite weisen, sowie die Texte, mit denen diese Links hinterlegt sind, wichtige Faktoren für das Ranking.
Schon immer haben (Werbe-)Unternehmen und andere Akteure versucht, ihre Seiten bei häufig genutzten Suchbegriffen an möglichst prominenter Stelle in den Suchergebnissen bei Google und anderen Suchmaschinen zu platzieren. Dieses Vorhaben nennt man Suchmaschinenoptimierung (Search Engine Optimization, SEO).
Beim Google-Bombing versucht man, das Suchergebnis nicht für die eigenen, sondern für fremde Seiten zu beeinflussen. Solche Vorhaben werden auch als negative SEO bezeichnet. Konkret soll Google-Bombing dazu führen, die Seite eines Konkurrenten, eines missliebigen Unternehmens, einer Partei oder eines Politikers mit einem negativen Begriff zu besetzen oder unter seinem Namen eine Seite zu verlinken, die sich kritisch mit ihm auseinandersetzt. Den Begriff Google-Bombing hat der Journalist Adam Mathes in einem Online-Artikel über das Phänomen geprägt (vgl. Mathes 2001).
Google Bombing macht sich die Tatsache zunutze, dass Google auch die Texte für das Ranking heranzieht, die mit Links auf eine bestimmte Webseite verweisen. Bei dem Beispiel 2 (siehe unten) war die Biographie des damaligen Präsidenten George W. Bush der erste Treffer, wenn man nach miserable failure suchte. Dieser Begriff war weder auf der Biographieseite von Bush enthalten, noch ist er Bestandteil der beim Link verborgenen URL (letztere lautete www.whitehouse.gov/president/gwbio.html). Vielmehr war es den Veranlassern der Google-Bombe gelungen, sehr viele Linkverweise zu Bushs Biographieseite auf Webseiten zu setzen oder setzen zu lassen, die mit dem Text miserable failure hinterlegt waren.
Nachdem Google in den Nullerjahren recht anfällig für Google-Bomben war, hat der Suchmaschinenbetreiber seine Ranking-Algorithmen nach und nach angepasst, was es schwieriger machte, mit Google-Bomben die Suche zu beeinflussen. Seit Ende der Nullerjahre kamen Google-Bombs nur noch selten vor, ganz verschwunden sind sie nicht.
Im Zuge des Ukraine-Kriegs hat eine neue Spielart der Google-Bomben einen Schub erfahren, das (Google-)Review-Bombing. Dabei geht es darum, die Webseite, die Dienstleistung oder das Produkt eines Konkurrenten durch massenhaft negative Bewertungen auf Plattformen wie Amazon, App Stores oder Google Maps zu diskreditieren.
Beispiele
(1) Als erste Google-Bombe gilt der Suchbegriff more evil than satan himself (,böser als Satan persönlich‘), unter dem ab 1999 ein Link auf die Seite von Microsoft erschien (vgl. Spring 1999).
(2) 2003 wurde der damalige US-Präsident George W. Bush die Zielscheibe der wohl bekanntesten Google-Bombe. Viele Gegner Bushs hatten sich abgesprochen, die Seite mit der Biographie von Präsident Bush auf der Webseite des Weißen Hauses zu verlinken, hinterlegt mit dem Begriff miserable failure (,jämmerliches Versagen‘ bzw. ,erbärmlicher Versager‘). Auf diese Weise wurde die betreffende Seite der erste Treffer für die Suchabfrage miserable failure. Auch 2005 verwies Google unter dem Begriff miserable failure auf die betreffende Seite (vgl. Rötzer 2005).
Abb. 1: Google Suchergebnis: Miserable failure.
(3) 2018 erreichten Aktivisten, dass Google bei der Suche nach dem Begriff Idiot zahlreiche Fotos von Donald Trump anzeigte (vgl. Breithut 2018).
(4) Das Hackerkollektiv Anonymous hat im Februar 2022 einen Aufruf verbreitet, die Kommentarfunktion des Google-Review-Angebots zu nutzen, um auf die Situation in der Ukraine aufmerksam zu machen und sich den Protesten dagegen anzuschließen. Auf diese Weise sollten die Zensurmechanismen in Russland umgangen werden, die es Bürgern dort unmöglich machen, sich neutral zu informieren. Google hat allerdings auch auf dieses Google-Review-Bombing reagiert, löscht Beiträge, die nicht mit den betreffenden Unternehmen zu tun haben, und sperrt Accounts, unter denen solche Beiträge angelegt werden (vgl. Maier 2022).
Literatur
Zitierte Literatur und Belege
- Breithut, Jörg (2018): Google-Suche nach „Idiot“ führt zu Donald Trump. Online unter: https://www.spiegel.de/netzwelt/web/donald-trump-suche-nach-idiot-fuehrt-bei-google-zu-us-praesidenten-a-1219443.html ; Zugriff: 22.11.2022.
- Maier, Sascha (2022): Google-Review-Bombing gegen Russland. Online unter: https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.cyberkrieg-um-die-ukraine-google-review-bombing-gegen-russland.6cc9d15c-acf8-4abd-b173-81e63cf8cb28.html ; Zugriff: 22.11.2022.
- Mathes, Adam (2001): Filler Friday: Google Bombing. Über: Better Than You Daily, aufgerufen bei Archive.org. Online unter: https://web.archive.org/web/20050715083840/http://uber.nu/2001/04/06/ ; Zugriff: 22.11.2022.
- Rötzer, Florian (2005): Vom Begriff „Versager“ zur Biographie von G. W. Bush. Online unter: https://www.heise.de/tp/features/Vom-Begriff-Versager-zur-Biographie-von-G-W-Bush-3401253.html ; Zugriff: 22.11.2022.
- Spring, Tom (1999): Search engines gang up on Microsoft. CNN.com, aufgerufen bei Archive.org: https://web.archive.org/web/20010626201449/http://www.cnn.com/TECH/computing/9911/15/search.engine.ms.idg/ ; Zugriff: 22.11.2022.
Abbildungsverzeichnis
- Abb. 1: Google Suchergebnis: Miserable failure. URL: https://en.wikipedia.org/wiki/File:Google_Bomb_Miserable_Failure.png ; Zugriff: 22.11.2022.
Zitiervorschlag
Bager, Jo (2022): Google-Bombing. In: Diskursmonitor. Glossar zur strategischen Kommunikation in öffentlichen Diskursen. Hg. von der Forschungsgruppe Diskursmonitor und Diskursintervention. Veröffentlicht am 12.12.2022. Online unter: https://diskursmonitor.de/glossar/google-bombing.
DiskursGlossar
Grundbegriffe
Diskurssemantische Verschiebung
Mit dem Begriff der diskurssemantischen Verschiebung wird in der Diskursforschung ein Wandel in der öffentlichen Sprache und Kommunikation verstanden, der auf mittel- oder län-gerfristige Veränderung des Denkens, Handelns und/oder Fühlens größerer Gesellschafts-gruppen hinweist.
Domäne
Der Begriff der Domäne ist aus der soziologisch orientierten Sprachforschung in die Diskursforschung übernommen worden. Hier wird der Begriff dafür verwendet, um Muster im Sprachgebrauch und kollektiven Denken von sozialen Gruppen nach situationsübergreifenden Tätigkeitsbereichen zu sortieren.
Positionieren
Positionieren ist Grundbestandteil menschlicher Kommunikation. Wann immer wir miteinander interagieren und kommunizieren, bringen wir uns selbst, andere und die Objekte, über die wir sprechen, in bestimmte Relationen zueinander.
Deutungsmuster
Unter einem Deutungsmuster wird die problem- und lösungsbezogene Interpretation gesellschaftlicher und politischer Tatbestände verstanden, die Aussicht auf Akzeptanz in sozialen Gruppen hat. Der Begriff des Deutungsmusters hat Ähnlichkeit mit den Begriffen der Theorie und Ideologie. Meist werden gesellschaftlich verbreitete Leitdeutungen, die oft mit Schlagwörtern und Argumentationsmustern einhergehen (wie Globalisierung, Kapitalismus, Leistungsgesellschaft, Chancengleichheit etc.) als Beispiele für Deutungsmuster genannt.
Sinnformel
‚Wer sind wir? Woher kommen, wo stehen und wohin gehen wir? Wozu leben wir?‘ Auf diese und ähnliche existentielle Fragen geben Sinnformeln kondensierte Antworten, die in privaten wie sozialen Situationen Halt und Argumenten in politischen und medialen Debatten einen sicheren Unterbau geben können.
Praktik
Eine Praktik ist ein spezifisches, situativ vollzogenes und sinnhaftes Bündel von körperlichen Verhaltensweisen, an dem mehrere Menschen und Dinge beteiligt sein können (z. B. Seufzen, um Frust auszudrücken, oder einen Beschwerdebrief schreiben, Fußballspielen).
Kontextualisieren
Kontextualisieren wird im allgemeineren bildungssprachlichen Begriffsgebrauch verwendet, um das Einordnen von etwas oder jemandem in einen bestimmten Zusammenhang zu bezeichnen.
Narrativ
Mit der diskursanalytischen Kategorie des Narrativs werden Vorstellungen von komplexen Denk- und Handlungsstrukturen erfasst. Narrative in diesem Sinne gehören wie Schlagwörter, Metaphern und Topoi zu den Grundkategorien der Analyse von Diskursen.
Argumentation
Argumentation bezeichnet jene sprachliche Tätigkeit, in der man sich mithilfe von Gründen darum bemüht, die Richtigkeit einer Antwort auf eine bestimmte Frage zu erweisen. Das kann in ganz verschiedenen Situationen und Bereichen nötig sein, namentlich um eine poli-tische, wissenschaftliche, rechtliche, unternehmerische oder private Angelegenheit zu klären.
Hegemonie
Wie der britische Politikwissenschaftler Perry Anderson 2018 in einer umfassenden, historisch weit ausgreifenden Studie zum Gebrauch des Begriffs Hegemonie und seinen Konjunkturen beschreibt, liegen die historischen Wurzeln des Begriffs im Griechischen, als Bezeichnung für Führung (eines Staatswesens) mit Anteilen von Konsens.
Techniken
Dogwhistle
Unter Dogwhistle wird in Teilen der Forschung eine doppeldeutige Äußerung verstanden, die eine offene und eine verdeckte Botschaft an jeweils eine Zuhörerschaft kommuniziert.
Boykottaufruf
Der Boykottaufruf ist eine Maßnahme, die darauf abzielt, ein Ziel, also meist eine Verhaltensänderung des Boykottierten, hervorzurufen, indem zu einem Abbruch etwa der wirtschaftlichen oder sozialen Beziehungen zu diesem aufgefordert wird.
Tabuisieren
Das Wort Tabuisierung bezeichnet die Praxis, etwas Unerwünschtes, Anstößiges oder Peinliches unsichtbar zu machen oder als nicht akzeptabel zu markieren. Das Tabuisierte gilt dann moralisch als unsagbar, unzeigbar oder unmachbar.
Aus dem Zusammenhang reißen
Das Aus-dem-Zusammenhang-Reißen gehört in den Funktionskreis der Redewiedergabe bzw. der Wiedergabe kommunikativer Ereignisse. Es kann (1) als intentionale argumentativ-polemische Strategie für ganz unterschiedliche diskursive Zielsetzungen von Akteuren genutzt werden, oder (2) es kann SprecherInnen und SchreiberInnen in unbeabsichtigter, fehlerhafter Weise unterlaufen.
Lobbying
Lobbying ist eine Form strategischer Kommunikation, die sich primär an Akteure in der Politik richtet. Beim Lobbying wird ein Bündel von kommunikativen Tätigkeiten mit dem Ziel eingesetzt, die Entscheidungen von Personen mit politischem Mandat oder den Entstehungsprozess von neuen Gesetzestexten interessengeleitet zu beeinflussen.
Karten
Karten dienen dazu, Raumausschnitte im Hinblick auf ausgewählte Charakteristika so darzustellen, dass die Informationen unmittelbar in ihrem Zusammenhang erfasst und gut kommuniziert werden können. Dazu ist es notwendig, Daten und Darstellungsweisen auszuwählen und komplexe und oft umkämpfte Prozesse der Wirklichkeit in einfachen Darstellungen zu fixieren.
Pressemitteilung
Pressemitteilungen sind standardisierte Mitteilungen von Organisationen, die sich an Journalist:innen und andere Multiplikator:innen richten. Sie dienen der offiziellen und zitierfähigen Informationsweitergabe und übernehmen zugleich strategische Funktionen in der öffentlichen Kommunikation und Meinungssteuerung.
Shitstorm
Der Begriff Shitstorm beschreibt eine relativ junge Diskurskonstellation, die seit den 2010er Jahren an Bedeutung gewonnen hat und gemeinhin als Online-Wutausbruch bezeichnet wer-den kann.
Tarnschrift
Als Tarnschrift bezeichnet man unter den Bedingungen von Zensur und Verfolgungsrisiko veröffentliche Texte, die insbesondere in der strategischen Kommunikation des NS-Widerstands eine zentrale Rolle spielten.
Ortsbenennung
Die Benennung von Orten dient in erster Linie dazu, den jeweiligen geografischen Ort zu lokalisieren und ihn zu identifizieren. Doch Ortsnamen besitzen eine soziale Dimension und spielen eine entscheidende Rolle bei der sprachlich-kulturellen Identitätskonstruktion.
Schlagwörter
Echokammer
Der Begriff der Echokammer steht in seiner heutigen Verwendung vor allem im Zusammenhang mit der Nutzung Sozialer Medien. Er verweist metaphorisch auf einen digitalen Kommunikations- und Resonanzraum, in dem Mediennutzer*innen lediglich Inhalten begegnen, die ihre eigenen, bereits bestehenden Ansichten bestätigen, während abweichende Perspektiven und Meinungen ausgeblendet bzw. abgelehnt werden.
Relativieren
Der Ausdruck relativieren besitzt zwei zentrale Bedeutungsvarianten: In bildungssprachlichen und wissenschaftlichen Kontexten bezeichnet er eine analytische Praxis, bei der Aussagen, Begriffe oder Phänomene durch Bezugnahme auf andere Sachverhalte eingeordnet, differen-ziert und in ihrer Geltung präzisiert werden.
Massendemokratie
Geprägt wurde der Begriff Massendemokratie im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts von völkisch-konservativen Akteuren (prominent darunter Carl Schmitt 1926). Der Ausdruck Masse hatte damals bei den bürgerlichen Eliten eine rundum bedrohliche Assoziation.
Social Bots
Als Social Bots werden Computerprogramme bezeichnet, die in der Lage sind, in sozialen Medien Kommunikation menschlicher Nutzer*innen (teilweise) automatisiert nachzuahmen.
Kriegsmüdigkeit
Der Ausdruck Kriegsmüdigkeit bezeichnet die emotionale und physische Erschöpfung von Menschen, die einen Krieg erleben, sowie die gesellschaftliche und politische Ermüdung angesichts langanhaltender Konflikte. Er beschreibt den sinkenden Kampfeswillen bei Kriegsparteien und heute wird er auch für das wachsende Desinteresse an Kriegsthemen in Medien und Öffentlichkeit genutzt.
Woke
Der Ausdruck woke stammt aus dem afroamerikanischen Englisch und bezeichnete dort zunächst den Bewusstseinszustand der Aufgeklärtheit über die Verbreitung von rassistischen Vorurteilen und Diskriminierung unter Angehörigen ethnischer Minderheiten.
Identität
Unter Identität versteht man allgemein die Summe von Merkmalen, die Individuen oder sozialen Kollektiven – etwa Nationen, Organisationen oder sozialen Gruppen – als charakteristisch oder gar als angeboren zugeordnet werden.
Wohlstand
Unter Wohlstand sind verschiedene Leitbilder (regulative Ideen) zu verstehen, die allgemein den Menschen, vor allem aber den Beteiligten an politischen und wissenschaftlichen Diskursen (politisch Verantwortliche, Forschende unterschiedlicher Disziplinen usw.) eine Orientierung darüber geben sollen, was ein ‚gutes Leben‘ ausmacht.
Remigration
Der Begriff Remigration hat zwei Verwendungsweisen. Zum einen wird er politisch neutral verwendet, um die Rückkehrwanderung von Emigrant:innen in ihr Herkunftsland zu bezeichnen; die meisten Verwendungen beziehen sich heute jedoch auf Rechtsaußendiskurse, wo das Wort der euphemistischen Umschreibung einer aggressiven Politik dient, mit der nicht ethnisch deutsche Immigrant:innen und ihren Nachfahr:innen zur Ausreise bewegt oder gezwungen werden sollen.
Radikalisierung
Das Adjektiv radikal ist ein mehrdeutiges Wort, das ohne spezifischen Kontext wertneutral gebraucht wird. Sprachhistorisch bezeichnete es etwas ‚tief Verwurzeltes‘ oder ‚Grundlegendes‘. Dementsprechend ist radikales Handeln auf die Ursache von etwas gerichtet, indem es beispielsweise zugrundeliegende Systeme, Strukturen oder Einstellungen infrage stellt und zu ändern sucht.
Verschiebungen
Dehumanisierung
Mit Dehumanisierung bzw. Anthropomorphisierung werden solche kommunikativen Techniken und Praktiken bezeichnet, die Personen, Sachverhalten oder Gegenständen menschliche Eigenschaften ab- bzw. zusprechen. Dehumanisierung und Anthropomorphisierung können sowohl durch sprachliche Mittel als auch durch andere, z. B. bildliche, Zeichen vollzogen werden.
Kriminalisierung
Kriminalität meint ein Verhalten, das gegen ein Gesetz verstößt. Folglich bedeutet Kriminalisierung im engeren Sinne den Vorgang, durch den Verhalten ungesetzlich gemacht wird – indem Gesetze geschaffen werden.
Versicherheitlichung
In akademischen Kontexten wird Versicherheitlichung in Abgrenzung zu einem naiv-realistischen Sicherheitsverständnis verwendet. Dieses betrachtet Sicherheit als einen universell erstrebenswerten und objektiv feststellbaren Zustand, dessen Abwesenheit auf das Handeln von Akteuren zurückzuführen ist, die feindselig, kriminell, unverantwortlich oder zumindest fahrlässig agieren.
Ökonomisierung
Ökonomisierung wird in gegenwärtigen Diskursen in der Regel zur Bezeichnung von Prozessen verwendet, in denen die spezifisch wirtschaftlichen Funktions-Elemente wie Markt, Wettbewerb/Konkurrenz, Kosten-Nutzen-Kalküle, Effizienz, Gewinnorientierung in Bereiche übertragen werden, die zuvor teilweise oder ganz nach anderen Leitkriterien ausgerichtet waren
Moralisierung
Moralisierung verlagert Macht- und Interessenkonflikte in die Sphäre der Kommunikation von Achtung / Missachtung. Sie reduziert Ambivalenz zugunsten einer Polarisierung von gut und böse.
Konstellationen
Krise
Krise ist vom Wort mit fachsprachlicher Bedeutung zur Zeitdiagnose und einem zentralen Begriff der öffentlich-politischen Kommunikation geworden. Der öffentlich-politische Krisenbegriff ist dabei – unabhängig vom Gegenstand der Krise – in eine krisendiskurstypische Konstellation zur Begründung von krisenüberwindenden Handlungen eingebettet.
Partizipatorischer Diskurs
Partizipation ist mittlerweile von der Forderung benachteiligter Personen und Gruppen nach mehr Beteiligung in der demokratischen Gesellschaft zu einem Begriff der Institutionen selbst geworden: Kein Programm, keine Bewilligung mehr, ohne dass bestimmte Gruppen oder Personen dazu aufgefordert werden, für (mehr) Partizipation zu sorgen.
Skandal
Die Diskurskonstellation des Skandals zeichnet sich durch eine in den Medien aufgegriffene (bzw. durch sie erst hervorgerufene) empörte Reaktion eines erheblichen Teils der Bevölkerung auf einen tatsächlichen oder vermeintlichen Missstand aus. Die schuldhafte Verursachung dieses Missstandes wird dabei einem gesellschaftlichen Akteur zugeschrieben, dessen Handeln als ‚unmoralisch‘ gedeutet wird.
DiskursReview
Review-Artikel
„Stadtbild“ – Eine gedankliche Chiffre im politischen Diskurs
Fragen Sie mal Ihre Töchter, was ich damit gemeint haben könnte, und wiederholte, er habe gar nichts zurückzunehmen und wolle an dieser Politik festhalten
Musk, Zuckerberg, Döpfner – Wie digitale Monopole die Demokratie bedrohen und wie könnte eine demokratische Alternative dazu aussehen?
Die Tech-Milliardäre Musk (Tesla, X,xAI) Zuckerberg (Meta), Bezos (Amazon) oder Pichai (Alphabet) sind nicht Spielball der Märkte, sondern umgekehrt sind die Märkte Spielball der Tech-Oligopolisten geworden.
Beobachtung zum Begriff „Diplomatie“ beim Thema Ukraine im Europäischen Parlament
Von EU-Vertretern waren zur Ukraine seit 2022 vor allem Aussagen zu hören, die sich unter dem Motto „as long as it takes“ beziehungsweise „so lange wie nötig“ für die Erweiterung der militärischen Ausstattung und der Verlängerung des Krieges aussprachen. Vorschläge oder Vorstöße auf dem Gebiet der „Diplomatie“ im Sinne von ‚Verhandeln (mit Worten) zwischen Konfliktparteien‘ gab es dagegen wenige, obwohl die klare Mehrheit von Kriegen mit Diplomatie beendet wurden (vgl. z.B. Wallensteen 2015: 142)
Die Macht der Worte 4/4: So geht kultivierter Streit
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Relativieren – kontextualisieren – differenzieren
Die drei Handlungsverben relativieren, kontextualisieren, differenzieren haben gemein, dass sie sowohl in Fachdiskursen als auch im mediopolitischen Interdiskurs gebraucht werden. In Fachdiskursen stehen sie unter anderem für Praktiken, die das Kerngeschäft wissenschaftlichen Arbeitens ausmachen: analytische Gegenstände miteinander in Beziehung zu setzen, einzuordnen, zu typisieren und zugleich Unterschiede zu erkennen und zu benennen.
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Weitgehend ohne Öffentlichkeit und situiert in rechtlichen Grauzonen findet derzeit die Militarisierung der ursprünglich als „Friedensprojekt“ gedachten EU statt.
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„Das geht zu weit!“ Sprachlich-kommunikative Strategien der Legitimierung undDelegitimierung von Protest in öffentlichen, medialen und politischen Diskursen Tagung der Forschungsgruppe Diskursmonitor Tagung: 04. bis 5. Juni 2025 | Ort: Freie Universität Berlin...