DiskursGlossar

Woke

Kategorie: Schlagwörter
Verwandte Ausdrücke: Wokeness
Siehe auch: Politisch korrekt / Politische Korrektheit, Moralisierung
Autor*innen: Sven Bloching, Jöran Landschoff und Joachim Scharloth
Version: 1.0 / Datum: 01.08.2025

Kurzzusammenfassung

Der Ausdruck woke stammt aus dem afroamerikanischen Englisch und bezeichnete dort zunächst den Bewusstseinszustand der Aufgeklärtheit über die Verbreitung von rassistischen Vorurteilen und Diskriminierung unter Angehörigen ethnischer Minderheiten. Im Deutschen hat sich die Bedeutung des Ausdrucks nach seiner Entlehnung rasch verschoben: Heute wird woke meist sarkastisch sowie abwertend als Schlag- bzw. Stigmawort verwendet, um Personen und Gruppen eine moralische Selbstüberhebung und ideologische Verblendung zuzuschreiben, wobei die ideologische Haltung mit einer diffusen Vorstellung von ‚Linkssein‘ gleichgesetzt wird.

Erweiterte Begriffsklärung

Der Ausdruck woke nimmt im deutschen Sprachraum eine komplexe Rolle zwischen politischem Kampfbegriff und rhetorischer Chiffre ein. Ursprünglich entstammt er dem afroamerikanischen Englisch (African American (Vernacular) English), wo er seit den 1960er Jahren für ein spezifisches Bewusstsein gegenüber gesellschaftlicher und insbesondere rassistischer Diskriminierung verwendet wurde. Die metaphorische Dimension des Ausdrucks woke ruft dabei Assoziationen von ‚Erwachtsein‘ oder ‚Erweckung‘ auf und qualifiziert die erfolgte Bewusstseinsveränderung als grundlegende Transformation. Im Zusammenhang mit den Black-Lives-Matter-Protesten ab 2013 begann der Begriff weltweit zu zirkulieren. In Deutschland findet sich woke erstmals 2014 auf der Social-Media-Plattform X, damals noch Twitter, zunächst ausschließlich in Form des Hashtags und Slogans #StayWoke, als Appell zur Wachsamkeit gegen Rassismus und soziale Ungerechtigkeiten.

In öffentlichen Debatten im deutschsprachigen Raum fand jedoch rasch eine Bedeutungsverschiebung statt, durch die der Begriff zunehmend ironisiert und negativ besetzt wurde. Woke dient hier überwiegend nicht mehr als affirmative Selbstzuschreibung, sondern dazu, anderen Gruppen, Personen und Organisationen auf kritische oder abwertende Weise (politisch) dispräferierte Verhaltensweisen, Weltanschauungen, Denkweisen, usw. zuzuschreiben. Dabei wird woke ab 2017 zunehmend zu einer Chiffre für ganze Lebensbereiche, Denkwelten und Milieus, ohne dass ein klarer Bedeutungskern des Adjektivs feststellbar wäre. Etwa bezeichnen zahlreiche Komposita (zusammengesetzte Wörter), in denen woke als Erstglied auftritt, eine Gruppe oder ein Milieu (Woke-Bewegung, Woke-Bubble, Woke-Jünger, Woke-Gemeinde, Woke-Milieu, Woke-Szene, Woke-Sekte, woke-Kreise), eine Ideologie bzw. einen ‚Irrglauben‘ (Wokeismus, Woke-Ideologie, Woke-Esoterik, Woke-Wahn) oder einen Lebensstil oder prägenden Zeitgeist (Woke-Kultur, Wokeness-Kultur, Wokeness-Zeit). Wie zahlreich und unterschiedlich die Bedeutungsdimensionen von woke sind, zeigen die 20 verwendungsähnlichsten Ausdrücke: infantil, selbstgerecht, verbohrt, zeitgeistig, linksideologisch, borniert, realitätsblind, kulturmarxistisch, grünlink, staatsgeldgierig, stupide, antinational, antideutsch, multikulturalistisch, masochistisch, universalistisch, selbstsüchtig, versifft, zersetzend.

Die Kollokationen von woke, also die signifikantesten Ko-Vorkommen anderer Wörter im unmittelbaren Kotext, sowie die Ausdrücke, die in Aufzählungen zusammen mit woke gebraucht werden, geben Hinweise auf die häufigsten Verwendungsweisen des Ausdrucks. Im deutschsprachigen Diskursraum Twitter (bzw. X) wird woke etwa überwiegend mit negativen Nomen attribuiert: Von wokem Geschwafel oder wokem Irrsinn ist ebenso die Rede wie von wokem Wahnsinn oder woker Ideologie. Daneben wiederholen sich Muster eines Vorwurfs der Nicht-Authentizität, in denen woke mit Adjektiven wie pseudo, fake oder auch in Komposita wie Woke-Washing verwendet wird, womit eine angebliche Unaufrichtigkeit oder Oberflächlichkeit der so bezeichneten Haltungen ausgedrückt wird. Hier ist der ehemals positive und als ‚progressiv‘ konnotierte Bedeutungsaspekt noch erhalten, dient aber als Schablone für die Zuschreibung einer gegenteiligen, negativ konnotierten Semantik, die sich mit den o. g. verwendungsähnlichsten Ausdrücken deckt.

Abbildung 1: Wörter, die häufig in Aufzählungen mit Wokeness und Woker/Woke auftreten belegen die diffuse Bedeutungsvielfalt, die mit der Chiffre woke zum Ausdruck kommt.

Gebrauchsähnliche Ausdrücke und Kollokationen zeigen jedoch, dass woke auch ohne adjektivische Attribution negativ wertend gebraucht wird und die Sachverhalte, Gruppen oder Personen, die bezeichnet werden, als ‚moralisch überheblich‘ (selbstgerecht), ‚ideologisch verblendet‘ (verbohrt, woke-Sekte) und ‚politisch links‘ (linksideologisch, grünlink, kulturmarxistisch) positioniert, wobei der Vorwurf der strategischen Inszenierung mitschwingt. Pseudo woke und woke können in diesem Sinne synonym verwendet werden.

Dies ermöglicht Verwendungsweisen von woke, die eine ironische Haltung transportieren: Konstruktionen wie ach so woke, super-woke und über-woke zeichnen einen Gegensatz zwischen beanspruchter und tatsächlich gelebter Moral der mit diesen Ausdrücken adressierten Person oder Gruppe, wobei der mit woke transportierte Bedeutungsgehalt weiterhin diffus und implizit bleibt. Er ließe sich je nach Verwendungskontext als tolerant, umweltbewusst oder auch einfach abstrakt moralisch gut verstehen.

Abbildung 2: Wörter, die in Aufzählungen häufig mit woke und unwoke auftreten belegen die ironische Verwendungsweise.

Die Steigerungsformen super-woke, über-woke, ultra-woke sprechen den so bezeichneten Verhaltensformen nicht nur eine Verhältnismäßigkeit ab, sie weisen woke auch als graduelles Phänomen aus: Demnach sei es möglich, mehr oder weniger woke zu sein. Die grammatischen Aspekte der Einbettung von woke weisen in eine ähnliche Richtung, etwa wenn woke in Konsekutiv-Konstruktionen wie so woke, dass … ebenfalls als skalares Attribut verwendet wird. Dabei werden zugleich die Folgen einer als ‚übertrieben‘ wahrgenommenen Wokeness drastisch dargestellt, wie in diesem Beispiel von Twitter:

Meine Freunde sind so woke, dass sie selbst Brot backen scheiße finden, weil es mehr Energie verbraucht, wenn man einen Laib in den Ofen schiebt, als das, was ein Backofen in einer Bäckerei gleichzeitig schafft.

Woke-Sein als negative Fremdzuschreibung verläuft somit einerseits über die Attestierung von Unaufrichtigkeit oder Falschheit (pseudo woke, fake woke), andererseits über die Anklage der Übersteigerung und Übertreibung ideologischer oder politischer Einstellungen (über-woke, so woke, dass…). In beiden Fällen wird eine nie explizierte Eigentlichkeit der Bedeutung suggeriert, die in der je vorliegenden Ausprägung aber verfehlt wird, ja sogar zum Gegenteil führt. Zudem scheint es, dass dies zur Kernbedeutung des Ausdrucks woke selbst werden könnte, er also auch ohne Zusatz (also ohne Adjektiv-Attribution oder Komposition) diese Semantik von Falschheit und Übertriebenheit darstellen kann.

Wird woke in diesem Sinne gebraucht, kann sich die Zuschreibung von Unaufrichtigkeit oder Maßlosigkeit der Wokeness auf diverse Themenbereiche progressiver Politik beziehen: Neben klassischen Feldern der sogenannten Identitätspolitik wie Antirassismus, Feminismus, Genderpolitik, geschlechtergerechter Sprache und LGBTQ+ werden Zuschreibungen von woke, wie obiges Beispiel zeigt, auch zunehmend mit den Bereichen Nachhaltigkeit, ökologische Lebensführung und Konsumkritik verknüpft. Besonders auf Twitter dominiert hierbei die ironische Semantisierung, in der woke Menschen als ‚weltfremd‘ oder ‚naiv‘ dargestellt werden. Der Begriff der von der politischen Rechten behaupteten woke Cancel Culture und ähnliche sprachliche Praktiken finden Anwendung, um politische Gegner pauschal als ‚intolerant‘ oder ‚autoritär‘ zu perspektivieren. In beiden Fällen ist eine auf spezifische Weise vorgenommene Invertierung der ‚progressiven‘ Bedeutung von woke zu erkennen: War die ursprüngliche Selbstbezeichnung jenen vorbehalten, die eigene und fremde Ausgrenzungen und Abwertungen durch (Selbst-)Aufklärung zu überwinden hofften, sollen nun gerade sie es sein, die die eigenen moralischen Defizite und ausgrenzenden Praktiken nicht sehen: Stand woke für das emanzipatorische Erkennen von Diskriminierungsstrukturen, wird damit nun eine angebliche Gegendiskriminierung von links beklagt.

Diese Grundmuster finden sich ebenfalls in den Argumentationsweisen, in denen woke verwendet wird. Topologisch werden Heuchelei und eine rein performative, oberflächliche, also erneut ‚unechte‘ Moral mit Woke-Sein in Verbindung gesetzt. So kann Wokeness im Gegensatz zur Ursprungsbedeutung als Hindernis für tatsächlich progressiv orientierte Bemühungen wirken; gerade weil jemand woke sei, verkenne die Person die eigenen misogynen, sexistischen oder rassistischen etc. Einstellungen. Weitere typische Kritikpunkte sind die angebliche Selbstgerechtigkeit der Woken, ihre Doppelmoral oder eine Attitüde moralischer Überlegenheit ohne substanzielle gesellschaftliche Beiträge. Dabei wird der woke-Topos zwar überwiegend, aber nicht nur von rechts-konservativer Seite instrumentalisiert, sondern zuweilen auch innerhalb linker oder liberaler Diskurse genutzt, um interne Konflikte oder Unstimmigkeiten zu markieren, wie gelegentliche Wortneubildungen wie Gauche-caviar-Wokeness veranschaulichen. Diese innere Kritik an woken Positionen verbindet sich entweder mit dem Vorwurf, dass Wokeness zu dogmatisch sei, alternative Sichtweisen ausschließe und damit letztlich den offenen Diskurs behindere, oder aber mit dem Vorwurf, dass woke Identitätspolitik Klassenkämpfe systematisch ausblende, indem sie gesellschaftliche Spannungen innerhalb kapitalistischer Logik durch Kooperation mit Unternehmen zu lösen suche (vgl. hierzu auch Wortverbindungen wie woke capital).

Letztlich zeigt sich, dass der strategische Gebrauch von woke oft dazu dient, argumentativ eine Grenze zwischen ‚legitimen‘ und ‚illegitimen‘, ‚authentischen‘ und ‚unauthentischen‘ Formen gesellschaftlichen Engagements zu ziehen. So werden woke Haltungen teilweise als nicht reflektiert versprachlicht – oder als Modetrend, der nur einer inszenierten Identifikation mit moralischen Zielen diene, ohne diese tatsächlich umsetzen zu wollen. Dadurch wird woke einerseits zum Ausdruck sozialer und moralischer Abgrenzung, andererseits auch zu einem strategischen Instrument, das einer Person oder Gruppe pauschal ‚Hypermoral‘ oder Selbstinszenierung unterstellt.

Diese diskursive Funktion teilt woke mit dem Ausdruck politische Korrektheit. Allerdings bezieht sich dieser in erster Linie auf sprachliche Realisierungsformen, die es angeblich zu vermeiden gilt, und erst in zweiter Linie um einzelne lebensstilistische Praktiken. Der Ausdruck woke wird dagegen verwendet, um die Gesamtheit einer Ideologie, eines Lebensstils und die mit ihm verknüpften Werte zu denunzieren, und hat sich gerade wegen dieser inhaltlichen Breite zur semantisch ausgehöhlten, aber produktiven rhetorischen Chiffre entwickelt. Dabei sind die skizzierten Verwendungsweisen von woke konstitutiver Bestandteil jener diskursiven Polarisierung und Moralisierung, die der Anti-Woke-Diskurs zu kritisieren vorgibt.

Beispiele

(1)

Mir isch völlig bewusst, dass Männer sich vill weniger i so Situatione chönnd inefühle. But still: STAY WOKE! EDUCATE YOURSELF! (Tweet von X-User „Queen of Rägeböge“)

Die Autorin beschreibt Männer als weniger einfühlsam, ruft sie jedoch dazu auf, sich ein Bewusstsein für Diskriminierung zu bewahren und weiter an sich zu arbeiten und sich selbst aufzuklären. Der Ausdruck woke kann im Kontext in seiner ursprünglichen Bedeutung entweder im Sinn von wachsam gedeutet werden oder im Sinn von bewusst.

(2)

einen Herren der sich als Außenminister verdingt, der der Meinung ist das Außenministerium sollte WOKE werden, jedoch meint er rein nur divers also bunt, also gender also letztendlich sich selbst oder er ist die Sprachpuppe von jemand höheren über ihn! (Tweet von X-User „Skychaser IFO!“)

Der Autor nimmt Bezug auf die dem damaligen Außenministers Heiko Maas zugeschriebene Forderung (vom Juni 2021), Mitarbeiter des Außenministeriums sollten problembewusst (‚woke’) sein und Diversitätsempathie entwickeln, und deutet sie im Kontext der bevorstehenden Amtsübergabe zur Grünen Annalena Baerbock. Dabei expliziert er die Bedeutung von woke in einer Folge von Ausdrücken als divers, bunt und gender. Die vom Außenministerium intendierte Bedeutung von woke, die sich an die ursprüngliche Bedeutung im Civil Rights Movement anlehnt, wird hier süffisant gegen den Noch-Außenminister gewendet, der nun sein Amt für eine Frau zu räumen habe. Zugleich deutet der Autor an, dass das Vertreten ‚woker‘ Positionen ein Herrschaftsinstrument sei und ihre Verfechter nicht nach moralischen Maßstäben handelten, sondern ‚Sprechpuppen‘ einer höheren Macht seien. Der Vorwurf des Unauthentischen und der Pseudomoral werden hier also mit der ursprünglichen Bedeutung des Ausdrucks verknüpft.

(3)

@ulfposh Die Klima Blase ist primitiver WOKE SOZIALISTISCHER FASCHISMUS und deshalb Popolismus der übelsten Art. (Tweet von X-User „RN“)

Im Beispiel werden Klimawissenschaften, Klimaaktivismus und Klimapolitik (Klima Blase) in einem Subjektprädikativ als Form des Faschismus bezeichnet, der als sozialistisch und woke geprägt wird. Woke, so kann man schließen, bezeichnet hier eine ‚neue, moderne, womöglich sogar modische Form des linken Faschismus‘. Mit der weiterführenden Gleichsetzung des so umrissenen Faschismus mit Popolismus der übelsten Art könnte der Autor darauf anspielen, dass die Klima Blase aufgrund ihrer moralisch grundierten Forderungen (Generationengerechtigkeit, Verantwortung für Most Affected People and Areas, Verursacherprinzip) in der Bevölkerung Zustimmung zu klimapolitischen Maßnahmen forciert. Der Chiffre-Charakter (also sein Gruppen-identifizierender Symbol-Charakter) von woke zeigt sich daran, dass der Ausdruck in der zitierten Verwendung keine klar benennbaren Bedeutungsmerkmale hat, sondern lediglich assoziativ Bedeutungsdimensionen von nicht minder bedeutungsunscharfen Ausdrücken wie modisch (Popolismus) und linksideologisch (sozialistisch) aufruft und verknüpft.

 

Literatur

Zum Weiterlesen

  • Bettag, Lukas; Bloching, Sven; Landschoff, Jöran; Lohner, Ulrike; Wang, Yuanyuan; Scharloth, Joachim (2023): Woke. Ein Stigmawort zwischen Begriff und Chiffre. In: Sprachreport, Jg. 39, Heft 1, S. 1–13.

Zitierte Literatur und Belege

Abbildungsverzeichnis

  • Abbildung 1: Eigene Darstellung.
  • Abbildung 2: Eigene Darstellung.

Zitiervorschlag

Bloching, Sven; Landschoff, Jöran; Scharloth, Joachim (2025): Woke. In: Diskursmonitor. Glossar zur strategischen Kommunikation in öffentlichen Diskursen. Hg. von der Forschungsgruppe Diskursmonitor und Diskursintervention. Veröffentlicht am 01.08.2025. Online unter: https://diskursmonitor.de/glossar/woke.

DiskursGlossar

Grundbegriffe

Akteur

Als Akteur oder Diskursakteur werden in der Diskursforschung meist Gruppen oder Grup-penstellvertreter verstanden, die mit kommunikativen Mitteln in der Öffentlichkeit versuchen, ihre Deutungen und Ressourcenansprüche gegen Rivalen durchzusetzen.

Diskursfigur

Diskursfiguren – wie der Held oder der Experte, das Genie, der Gefährder, Gutmensch, Nerd oder Psychopath – sind im medial-politischen Diskurs konstruierte und verbreitete Vorstellungen von Handlungsträgern, die stereotyp mit bestimmten Eigenschaften assoziiert werden. Sie erhalten durch musterhaften Sprachgebrauch, aber auch durch bildhafte Darstellungen eine kommunizierbare, wiedererkennbare Kontur.

Repräsentative Anekdote

Repräsentative Anekdote bezeichnet ein modellhaftes Kurznarrativ, das in Theorien, Weltanschauungen und komplexen Erklärungen selektiv reproduziert wird. So ist z.B. das „survival of the fittest“ (‚die Stärksten überleben‘) die repräsentative Anekdote, die in allen darwinistischen, sozialdarwinistischen und neodarwinistischen Theorien und Deutungsmustern als Modell dient und variabel ausgearbeitet wird.

Begriffsgeschichte

Die Begriffsgeschichte lässt sich allgemein als eine historische Methode beschreiben, die den zeitlichen Wandel der Bedeutungen von bestimmten Ausdrücken untersucht. Da einzelne Worte nie isoliert begegnen und ihre jeweiligen Bedeutungen erst im Kontext größerer sprachlicher Zusammenhänge oder semantischer Felder greifbar werden, verbindet sie sich flexibel mit anderen Methoden historischer Semantik, wie etwa der Diskursgeschichte, der Argumentationsgeschichte oder der Metaphernforschung (Metaphorologie).

Diskurssemantische Verschiebung

Mit dem Begriff der diskurssemantischen Verschiebung wird in der Diskursforschung ein Wandel in der öffentlichen Sprache und Kommunikation verstanden, der auf mittel- oder län-gerfristige Veränderung des Denkens, Handelns und/oder Fühlens größerer Gesellschafts-gruppen hinweist.

Domäne

Der Begriff der Domäne ist aus der soziologisch orientierten Sprachforschung in die Diskursforschung übernommen worden. Hier wird der Begriff dafür verwendet, um Muster im Sprachgebrauch und kollektiven Denken von sozialen Gruppen nach situationsübergreifenden Tätigkeitsbereichen zu sortieren.

Ideologie

Der Begriff Ideologie weist im Wesentlichen drei unterschiedliche Bedeutungen auf: Erstens kann er ein trügerisches, realitätsfernes oder dogmatisches Denken bezeichnen; so eignet er sich auch als Schlagwort bzw. politischer Kampfbegriff. Zweitens kann er auf eine sozial bedingte Weltanschauung oder ein umfassendes Ideen- und Wertesystem verweisen. Drittens kann mit Ideologie ein politisches Programm gemeint sein, welches Vorstellungen über gesellschaftliche Ordnung sowie Ziele für politisches Handeln beinhaltet.

Positionieren

Positionieren ist Grundbestandteil menschlicher Kommunikation. Wann immer wir miteinander interagieren und kommunizieren, bringen wir uns selbst, andere und die Objekte, über die wir sprechen, in bestimmte Relationen zueinander.

Deutungsmuster

Unter einem Deutungsmuster wird die problem- und lösungsbezogene Interpretation gesellschaftlicher und politischer Tatbestände verstanden, die Aussicht auf Akzeptanz in sozialen Gruppen hat. Der Begriff des Deutungsmusters hat Ähnlichkeit mit den Begriffen der Theorie und Ideologie. Meist werden gesellschaftlich verbreitete Leitdeutungen, die oft mit Schlagwörtern und Argumentationsmustern einhergehen (wie Globalisierung, Kapitalismus, Leistungsgesellschaft, Chancengleichheit etc.) als Beispiele für Deutungsmuster genannt.

Sinnformel

‚Wer sind wir? Woher kommen, wo stehen und wohin gehen wir? Wozu leben wir?‘ Auf diese und ähnliche existentielle Fragen geben Sinnformeln kondensierte Antworten, die in privaten wie sozialen Situationen Halt und Argumenten in politischen und medialen Debatten einen sicheren Unterbau geben können.

Techniken

Korruption

Korruption wird zum einen als Fachbegriff (Recht, Wissenschaft) verwendet und verweist auf ein Gebiet des Strafrechts und damit auf einen Teil des gesellschaftlichen Normensystems, das Delikte in Kontaktzonen von Politik und Ökonomie definiert.

Beschriftete Waffen

Das Betexten von Waffen, speziell Projektilen wie Schleuderbleien, Kanonenkugeln oder Bomben, mit an die Feindgruppe gerichteten Botschaften (Sarkasmus, Beleidigungen, Todeswünsche u. ä.) ist eine Praktik, die sich bis in die römische Antike zurückverfolgen lässt. Sie dient der Identifikation der Eigengruppe (Truppe oder Gefolgsleute) mit dem Ziel, die Moral vor einem Kampfansatz zu heben (emotional-psychologische Bewältigungsstrategie) sowie Gelassenheit und Siegesgewissheit propagandistisch gegenüber der Eigen- und Fremdgruppe zu inszenieren.

Zitieren

Zitieren bezeichnet die Wiedergabe ausgewählter Text(teil)e in unterschiedlichen Kommunikationskontexten wie Alltag, Wissenschaft, Journalismus und Politik. Grundsätzlich kann Zitieren der möglichst wertneutralen Wiedergabe bzw. Verweisung auf fremde Aussagen dienen, aber auch zur strategischen Positionierung eingesetzt werden. Auch in wissenschaftlichen Texten erfüllt das Zitieren neben der formal korrekten Bezugnahme auf fremde Aussagen u.a. argumentationsstützende Funktionen.

AI-Washing/KI-Washing

Unter AI-Washing ist die Praxis von Unternehmen oder Organisationen zu verstehen, Produkte, Dienstleistungen oder Geschäftsmodelle mit dem Etikett „Künstliche Intelligenz“ (KI bzw. „Artificial Intelligence“ (AI)) zu versehen, obwohl deren tatsächlicher Einsatz von KI-Technologien entweder stark übertrieben, nur marginal vorhanden oder überhaupt nicht gegeben ist.

Dogwhistle

Unter Dogwhistle wird in Teilen der Forschung eine doppeldeutige Äußerung verstanden, die eine offene und eine verdeckte Botschaft an jeweils eine Zuhörerschaft kommuniziert.

Demonstrieren

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Boykottaufruf

Der Boykottaufruf ist eine Maßnahme, die darauf abzielt, ein Ziel, also meist eine Verhaltensänderung des Boykottierten, hervorzurufen, indem zu einem Abbruch etwa der wirtschaftlichen oder sozialen Beziehungen zu diesem aufgefordert wird.

Tabuisieren

Das Wort Tabuisierung bezeichnet die Praxis, etwas Unerwünschtes, Anstößiges oder Peinliches unsichtbar zu machen oder als nicht akzeptabel zu markieren. Das Tabuisierte gilt dann moralisch als unsagbar, unzeigbar oder unmachbar.

Aus dem Zusammenhang reißen

Das Aus-dem-Zusammenhang-Reißen gehört in den Funktionskreis der Redewiedergabe bzw. der Wiedergabe kommunikativer Ereignisse. Es kann (1) als intentionale argumentativ-polemische Strategie für ganz unterschiedliche diskursive Zielsetzungen von Akteuren genutzt werden, oder (2) es kann SprecherInnen und SchreiberInnen in unbeabsichtigter, fehlerhafter Weise unterlaufen.

Lobbying

Lobbying ist eine Form strategischer Kommunikation, die sich primär an Akteure in der Politik richtet. Beim Lobbying wird ein Bündel von kommunikativen Tätigkeiten mit dem Ziel eingesetzt, die Entscheidungen von Personen mit politischem Mandat oder den Entstehungsprozess von neuen Gesetzestexten interessengeleitet zu beeinflussen.

Schlagwörter

Meinungsfreiheit

Meinungsfreiheit ist ein positiv konnotiertes Schlagwort. Das im Schlagwort kondensierte Pro-gramm wird allgemein zustimmend propagiert oder eingefordert, ohne dass immer verdeutlicht wird, welche Ausgestaltung von Meinungsfreiheit zugrunde liegt. Aufgrund dieser allgemeinen Zu-stimmung kann Meinungsfreiheit als Hochwertwort kategorisiert werden: In der öffentlichen Debat-te gibt es keine wahrnehmbaren Stimmen, die sich gegen Meinungsfreiheit (in dieser unbestimm-ten Form) aussprechen.

Diversität / Vielfalt

Diversität/Vielfalt ist ein aus einschlägigen US-Diskursen der (frühen) 1980er und der 1990er Jahre importiertes Schlagwort und ein Topos, der ethnische, sexuelle und körperliche (Behinderung etc.) Verschiedenheit positiv und programmatisch als Ressourcen der Mehrheitsgesellschaft kodiert. Vielfalt als Chance dürfte der hierzulande häufigste Slogan des Diversitäts-Hypes sein. Qua Diversität werden identitätsrelevante Unterschiede zwischen gesellschaftlichen Gruppen von Stigmata für Minderheiten zu Ressourcen für die Allgemeinheit umgedeutet.

Brückentechnologie

Ganz allgemein wird unter dem Schlagwort der Brückentechnologie sowohl in den öffentlichen Medien als auch in technisch und wirtschaftlich dominierten Kontexten eine Technologie verstanden, die zeitlich befristet eingesetzt werden soll, bevor in Zukunft der Übergang zu einer als sinnvoller eingeschätzten anderen Technologie möglich ist.

Deindustrialisierung

Der Ausdruck Deindustrialisierung (auch De-Industrialisierung oder als Verb deindustrialisieren) beschreibt im öffentlichen Sprachgebrauch eine negativ bewertete Form des Strukturwandels durch Rückgang von produzierendem Gewerbe.

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit als ein Schlagwort des öffentlichen Diskurses bezieht sich ganz allgemein auf einen ressourcenschonenderen Umgang mit dem, was uns Menschen der Planet Erde bietet, mit dem Ziel, dass auch nachfolgende Generationen noch die Möglichkeit haben, ähnlich gut zu leben wie wir heute (Generationengerechtigkeit).

Echokammer

Der Begriff der Echokammer steht in seiner heutigen Verwendung vor allem im Zusammenhang mit der Nutzung Sozialer Medien. Er verweist metaphorisch auf einen digitalen Kommunikations- und Resonanzraum, in dem Mediennutzer*innen lediglich Inhalten begegnen, die ihre eigenen, bereits bestehenden Ansichten bestätigen, während abweichende Perspektiven und Meinungen ausgeblendet bzw. abgelehnt werden.

Relativieren

Der Ausdruck relativieren besitzt zwei zentrale Bedeutungsvarianten: In bildungssprachlichen und wissenschaftlichen Kontexten bezeichnet er eine analytische Praxis, bei der Aussagen, Begriffe oder Phänomene durch Bezugnahme auf andere Sachverhalte eingeordnet, differen-ziert und in ihrer Geltung präzisiert werden.

Massendemokratie

Geprägt wurde der Begriff Massendemokratie im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts von völkisch-konservativen Akteuren (prominent darunter Carl Schmitt 1926). Der Ausdruck Masse hatte damals bei den bürgerlichen Eliten eine rundum bedrohliche Assoziation.

Social Bots

Als Social Bots werden Computerprogramme bezeichnet, die in der Lage sind, in sozialen Medien Kommunikation menschlicher Nutzer*innen (teilweise) automatisiert nachzuahmen.

Kriegsmüdigkeit

Der Ausdruck Kriegsmüdigkeit bezeichnet die emotionale und physische Erschöpfung von Menschen, die einen Krieg erleben, sowie die gesellschaftliche und politische Ermüdung angesichts langanhaltender Konflikte. Er beschreibt den sinkenden Kampfeswillen bei Kriegsparteien und heute wird er auch für das wachsende Desinteresse an Kriegsthemen in Medien und Öffentlichkeit genutzt.

Verschiebungen

Dehumanisierung

Mit Dehumanisierung bzw. Anthropomorphisierung werden solche kommunikativen Techniken und Praktiken bezeichnet, die Personen, Sachverhalten oder Gegenständen menschliche Eigenschaften ab- bzw. zusprechen. Dehumanisierung und Anthropomorphisierung können sowohl durch sprachliche Mittel als auch durch andere, z. B. bildliche, Zeichen vollzogen werden.

Kriminalisierung

Kriminalität meint ein Verhalten, das gegen ein Gesetz verstößt. Folglich bedeutet Kriminalisierung im engeren Sinne den Vorgang, durch den Verhalten ungesetzlich gemacht wird – indem Gesetze geschaffen werden.

Versicherheitlichung

In akademischen Kontexten wird Versicherheitlichung in Abgrenzung zu einem naiv-realistischen Sicherheitsverständnis verwendet. Dieses betrachtet Sicherheit als einen universell erstrebenswerten und objektiv feststellbaren Zustand, dessen Abwesenheit auf das Handeln von Akteuren zurückzuführen ist, die feindselig, kriminell, unverantwortlich oder zumindest fahrlässig agieren.

Ökonomisierung

Ökonomisierung wird in gegenwärtigen Diskursen in der Regel zur Bezeichnung von Prozessen verwendet, in denen die spezifisch wirtschaftlichen Funktions-Elemente wie Markt, Wettbewerb/Konkurrenz, Kosten-Nutzen-Kalküle, Effizienz, Gewinnorientierung in Bereiche übertragen werden, die zuvor teilweise oder ganz nach anderen Leitkriterien ausgerichtet waren

Moralisierung

Moralisierung verlagert Macht- und Interessenkonflikte in die Sphäre der Kommunikation von Achtung / Missachtung. Sie reduziert Ambivalenz zugunsten einer Polarisierung von gut und böse.

Konstellationen

Krise

Krise ist vom Wort mit fachsprachlicher Bedeutung zur Zeitdiagnose und einem zentralen Begriff der öffentlich-politischen Kommunikation geworden. Der öffentlich-politische Krisenbegriff ist dabei – unabhängig vom Gegenstand der Krise – in eine krisendiskurstypische Konstellation zur Begründung von krisenüberwindenden Handlungen eingebettet.

Partizipatorischer Diskurs

Partizipation ist mittlerweile von der Forderung benachteiligter Personen und Gruppen nach mehr Beteiligung in der demokratischen Gesellschaft zu einem Begriff der Institutionen selbst geworden: Kein Programm, keine Bewilligung mehr, ohne dass bestimmte Gruppen oder Personen dazu aufgefordert werden, für (mehr) Partizipation zu sorgen.

Skandal

Die Diskurskonstellation des Skandals zeichnet sich durch eine in den Medien aufgegriffene (bzw. durch sie erst hervorgerufene) empörte Reaktion eines erheblichen Teils der Bevölkerung auf einen tatsächlichen oder vermeintlichen Missstand aus. Die schuldhafte Verursachung dieses Missstandes wird dabei einem gesellschaftlichen Akteur zugeschrieben, dessen Handeln als ‚unmoralisch‘ gedeutet wird.

DiskursReview

Review-Artikel

Tagung 2027: Politisches Lobbying

Sprache und Lobbyismus- Strategische Kommunikation in Politik und Medien Tagung der Forschungsgruppe Diskursmonitor Tagung: 10. und 11. Juni 2027  |  Ort: Universität Siegen [Map]Kontakt: Prof. Dr. Friedemann Vogel, Joline Schmallenbach Call for Papers: 31.10.2026...

Der Totalverweigerer – Anmerkungen zu einer Diskursfigur der Feindbildproduktion im Sicherheits- und Sozialdiskurs

Die Bezeichnung Totalverweigerer wurde ursprünglich in den späten 70er Jahren im Rahmen der Auseinandersetzungen um die Inanspruchnahme des Rechtes auf Kriegsdienstverweigerung nach § 4.3 GG verwendet. Mit diesem Ausdruck wurden junge Männer stigmatisiert, die nicht nur den Wehrdienst, sondern auch den (längeren) zivilen „Ersatzdienst“ (später „Zivildienst“) verweigerten und damit, wie auch nicht-anerkannte Kriegsdienstverweigerer, Haftstrafen riskierten. Wer Zwangsdienste aus Gewissensgründen ablehnte, wurde darüber hinaus wahlweise als politisch unzuverlässig, fehlgeleitet-überspannt, renitent, feige und/oder faul markiert.

Memes als moderne Propaganda – Eine sprach- und medienkritische Untersuchung

Digitale Kommunikationsformen prägen heutige gesellschaftliche Debatten weitaus stärker als die klassischen Medien. Ihr Einfluss auf die politische Meinungsbildung und die Ausbildung ideologischer Positionen ist inzwischen unverkennbar und zählt zu den markantesten Entwicklungen der digitalen Gegenwart. Besonders hervorzuheben sind Memes: Sie verbreiten sich schnell, arbeiten mit humoristischen Mitteln und verdichten komplexe Inhalte auf ein Minimum an Zeichen. In öffentlichen Diskursen werden sie daher nicht mehr als spielerisches Internetphänomen betrachtet, sondern als ernstzunehmendes Instrument politischer Kommunikation und den damit einhergehenden propagandistischen Strategien.

Zeitalter der Polykrisen – Was sagt die Polykrise über die Gegenwart und Zukunft?

Beim Durchscrollen der Tagesschlagzeilen ist einem in den letzten Jahr wahrscheinlich der Ausdruck Polykrise ins Blickfeld geraten. Solche Schlagzeilen in deutschsprachigen Medien lauten beispielsweise (1) „Klimawandel, Krieg in der Ukraine, Abstiegsängste – die Welt ist aus den Fugen geraten: Drei Bücher zeigen Wege aus der Polykrise“ (Friedl 2026); (2) „Kritische Psychotherapie: Psychotherapie in der Polykrise“ (Dicks 2026); (3) „Optimismus in der Polykrise“ (Kolev 2025); (4) „Was tun gegen die …

„Genderwahn“ als sprachkritische Abwertung: Eine kritische Betrachtung

„Die Debatte über Gendern und Nicht-Gendern kann ich schon nicht mehr hören. Soll es doch jeder machen, wie er es selbst will.“ Dieses Zitat äußert der ehemalige Bundeskanzler Olaf Scholz im Rahmen der Feier zugunsten des Grundgesetzes, welches im Jahre 2024 den 75. Geburtstag feierte (vgl. Steinkohl et al. 2024). Deutlich wird hierbei, dass die Thematik rund um das Gendern in der Politik aufgefasst wird. Allerdings wird gleichzeitig deutlich, dass die Debatte in der Öffentlichkeit stark kritisiert …

Klimaterroristen: Wie Sprache politische Fronten schafft

Der öffentliche Diskurs über Klimaaktivismus ist in den vergangenen Jahren zunehmend polarisiert. Vor diesem Hintergrund hat sich der Ausdruck Klimaterrorist zu einem politisch und gesellschaftlich stark aufgeladenen Schlagwort entwickelt, das im Jahr 2022 als „Unwort des Jahres“ gewählt wurde (vgl. 2020ff. – Unwort des Jahres). Seine Verwendung verweist auf Konflikte über Legitimität, Moral und Rechtmäßigkeit verschiedener Formen des Protests. Gleichzeitig fungiert der Begriff als sprachliches …

Negativ konnotierte Fremdzuschreibung durch diskriminierende Begriffe – Ein sprachkritischer Beitrag zur Bezeichnung „Kanake“ und dem Zukunftswort „Talahon“

„Gerade diese scheinbar ›milden‹ Formen des Rassismus, die über die Sprache transportiert werden, sind schwer zu bekämpfen, da vielen Menschen nicht klar zu sein scheint, welche Macht Sprache besitzt.“ (Kunz, 2021, S. 58).

Der Begriff „Kanake“ (teilweise auch „Kanacke“) bedeutet in seiner ursprünglichen Bedeutung Mensch und bezeichnete Bewohner*innen der Inselgruppe Neukaledoniens im südlichen Pazifik (vgl. Trost, 2002). Dem Gebrauch lag dabei die Charakterisierung einer spezifischen Gesellschaft …