DiskursGlossar

Medien

Kategorie: Grundbegriffe
Verwandte Ausdrücke: Massenmedien, Soziale Medien, Vierte Gewalt
Siehe auch: Propaganda, Framing, Macht, Diskurs, Kollektivsymbolik
Autorin: Sabine Schiffer
Version: 1.0 / Datum: 08.03.2023

Kurzzusammenfassung

Die Begriffe Medien/Massenmedien bezeichnen diverse Mittel zur Verbreitung von Informationen und Unterhaltung sowie von Bildungsinhalten. Medien schaffen damit eine wesentliche Grundlage für Meinungsbildung und Meinungsaustausch. Die analog angelegte Einwegkommunikation zu Zeiten gedruckter Flugblätter, Zeitungen sowie Radio und Fernsehen wird durch die Digitalisierung dialogischer mit dem Publikum, aber auch zunehmend fragmentierter in der individualisierten Social-Media-Kommunikation.

Im internationalen Mediensystem-Vergleich lässt sich die deutsche Medienlandschaft als „demokratisch-korporatistisch“ einordnen, das nordamerikanische als „liberal“ und das südeuropäische Mediensystem als „polarisiert-pluralistisch“ (vgl. Hallin/Mancini 2004). In Demokratien sind Medien als Korrektiv zur Kommunikation von Machtinstanzen aus Politik und Wirtschaft angelegt (vgl. Grundgesetz, Art. 5) und geben sich ethisch anspruchsvolle Standards (vgl. Pressekodex). Das Medienrecht hinkt der technologischen Medienentwicklung hinterher (vgl. Medienstaatsvertrag). Medienregulierung findet zunehmend auf EU-Ebene statt. Ökonomische Bedingungen begünstigen Monopolbildungen und Medienkonzentration auch jenseits des Internets (vgl. Röper 2017-18/FORMATT-Institut), die Meinungsvielfalt einschränken und demokratiegefährdend wirken können.

Während Medientheorien sich mit den materiellen Voraussetzungen ebenso wie mit den gesellschafts- und kommunikationstheoretischen sowie juristischen Rahmenbedingungen beschäftigen (einen Überblick geben Faulstich 1991, 2000; McQuail/Deuze 2020), stellt die Medienanalyse fest, dass auch journalistische – also redaktionell geführte und mit Qualitätssicherung ausgestattete – Medien die Aufgabe der Machtkontrolle häufig nicht erfüllen, sondern bestehende Machthierarchien reproduzieren (vgl. Reinemann 2021; TU-Dortmund o.J.).

Erweiterte Begriffsklärung

Medium (Sg.) ist der lateinische Begriff für Mitte und Vermittler. Eine Vermittlung von Botschaften kann mittels Personen oder Hilfsmitteln erreicht werden, welche von der mündlichen, schriftlichen oder gezeichneten Weitergabe auf Holz, Stein und Papier bis hin zu telegrafischen und neuen technischen Übermittlungsverfahren reichen.

Von Medien (Pl.) spricht man in der Neuzeit als genau diese Trägersysteme von Inhalten – also etwa Zeitungen oder Radio, weniger von Büchern und Briefen – und gleichzeitig als deren Funktion der Übermittlung von Inhalten zur Herstellung von Öffentlichkeit und als Beitrag zur Meinungsbildung. Flugblätter oder Flyer bilden heute nicht mehr das Zentrum der Mediendefinition, die mit dem Begriff Massenmedien als reichweitenstarke populäre Informations- und Unterhaltungsvermittler benannt werden. Deren Inhalte zeichnen sich sowohl durch journalistisch, fotografisch, filmisch und redaktionell aufbereitete Formate aus, als auch durch ästhetisch gestaltete Unterhaltungsformate. Presse, Radio und Fernsehen werden heute als analoge Massenmedien klassifiziert, sofern sie nicht bereits über das Internet ausgespielt werden. Das duale Rundfunksystem, das in den 1980er Jahren in Deutschland eingeführt wurde, steht mit seinen privaten TV-Angeboten – mit viel Werbung und billigen Unterhaltungsformaten – im Ruch, Unterschichtfernsehen und Infotainment voranzutreiben; ein Vorwurf gegenüber modernen Medien, den Neil Postman in den USA bereits in den 1980er Jahren geprägt hatte (vgl. Postman 1988). Die Digitalisierung im Medienbereich führt zu neuen Definitions- und Abgrenzungsfragen, weil sie durch diverse, zunehmend interaktive Online-Angebote, nicht allgemein einsehbare Messenger-Dienste und algorithmisch beeinflusste Internet-Plattformen eine weitere Fragmentierung von Öffentlichkeiten fördern. Es kann eine regelrechte ‚Appisierung‘ und damit auch Fraktionierung von Kommunikation beobachtet werden, die eine eigene Sprache in Wort und Bild hervorbringt, die sich immer weiter von der in klassischen Massenmedien entfernt.

Die klassische Einteilung von Mediengattungen in Print-, Audio- und visuelle Medien sowie das Internet verliert angesichts der Tatsache, dass Text, Audio und Video großer Unterhaltungs- und Informationsanbieter auch über das Internet ausgespielt werden, an Trennschärfe (siehe Entwicklung in den Media Perspektiven). Mit der mobilen Internetkommunikation via Smartphone und der Ausweitung klassischer Medienangebote auch über Apps, Messenger und auf Social Media Plattformen scheint eine Einteilung in journalistisch arbeitende Medien, die über eine professionelle Redaktion verfügen, und eine Bloggosphäre sinnvoll, wozu sogenannte Classifieds (Online-Dienstleistungen wie kaufda oder immowelt,  Springer AG) sowie Influencer und andere reichenweitenstarke Online-Angebote gleichermaßen zu zählen sind (z.B eCommerce-Plattformen).  Obwohl Marshall McLuhan mit seinem Statement „the media is the message“ sich auf klassische Massenmedien bezog, erscheint seine Aussage im Angesicht algorithmisch strukturierender Eingriffe in jede Art von Kommunikation durch große Internetplattformen (sog. Intermediäre wie Google, Amazon, Facebook, Twitter & Co.) in visionärem Licht, so dass die Begriffe Gatekeeping wie auch Zensur heute neu gedacht werden müssen (vgl. EU-Regulierungspläne DMA, DAS; siehe auch Mediale Kontrolle). Während die EU grundsätzlich ,Medien als Markt‘ sieht, wird mit dem Digital Services Act (DSA) das Web 2.0 sowie die Plattformökonomie als neuer strukturierender Faktor stärker in den Fokus genommen. Medienkonzentrationsforschung und Medienkonzentrationskontrolle, wie sie das FORMATT- und das Hans-Bredow-Institut sowie die Landesmedienanstalten (KEK Kommission der Ermittlung der Konzentration im Medienbereich) betrieben, reichen bei weitem nicht mehr aus, bilden aber eine wichtige Grundlage für die Erkenntnis, dass Monopole im Medienbereich – mit Blick auf die Einschränkung von Meinungsvielfalt – ein demokratietheoretisches Problem darstellen. Die Medienkonzentration im Printbereich führt beispielsweise zur überregionalen Verbreitung inhaltlich identischer Mantelteile, während die Zeitungsnamen und Lokalteile unterschiedlich sind. Jenseits dieser Feststellung gibt es zusätzlich vereinheitlichende Tendenzen in der Berichterstattung durch große, angesehene Nachrichtenagenturen, die eine starke Orientierungsfunktion in den Redaktionen auslösen. Dies erklärt zum Beispiel die nicht selten textgleiche Berichterstattung über ein Ereignis in verschiedenen Medien auf der Basis einer dpa-Meldung. 

Mediale Darstellungen sind geeignet, die Vorstellungen von der Wirklichkeit zu (über)formen, weshalb man Medien die Funktion einer Konstruktion von Wirklichkeit zuschreibt (vgl. Pörksen 2010; siehe auch Herman/Chomsky 2002; Lakoff 1990). An dieser Stelle berühren sich die Agenda-Setting-Theorie, die Medien das Setzen von Themenagenden für den öffentlichen Diskurs zuschreibt, mit der Second-Level-Agenda-Setting-Theorie, wo es um das Herausheben bestimmter Aspekte und die Einfärbung – das Framing – der aktualisierten Themen geht (vgl. Dahinden 2018; Entman 1991).

Dem Idealtypus einer Vierten Gewalt – also einer unabhängigen, die Macht kontrollierenden Instanz – steht die Realität des Eingebundenseins von Massenmedien in wirtschaftliche oder politische Zusammenhänge entgegen: einmal durch die Organisation von Medien als Markt, die als Unternehmen erfolgreich sein müssen, und andererseits durch öffentlich-rechtliche Medien, die ebenfalls nicht vor Einflussnahmen gefeit sind (vgl. Rundfunkurteil BVerfG 25.03.2014; eine gute Dokumentation mit Kurzkommentierung aller Rundfunkurteile auf der Website von Volker Grasmuck). Selbst Genossenschaftsmedien und Crowdfunding-Modelle stoßen in Sachen Nachhaltigkeit und Unabhängigkeit an ihre Grenzen, da subtile Formen der Einflussnahme nicht zwingend erkannt werden und Journalismus nicht vom jeweiligen Zeit-Geschmack der Geldgeber abhängen kann (vgl. Meyer 2015; Teusch 2016; Schiffer 2021). Auch durch die Verwendung vorgeprägter Zeichensysteme (Sprache und Bilder) wird die Watchdogfunktion erschwert – vor allem bei mangelndem Bewusstsein für Spins (manipulatives Wording mit Dreh), durch das bereits bestehende Framing vorgeprägter und frei zur Verfügung stehender Begriffe (s.o.), und durch gezielte Einflussnahmeversuche auf politische und Mediendiskurse durch die Fünfte Gewalt (PR und Lobbyismus), die bestenfalls unbemerkt als Softpower daher kommt (etwa mit Einladungen für Fortbildungen; vgl. Ramonet 2005; Leif/Speth 2006; Becker 2018). So verwendete etwa die Berichterstattung (wie auch die Umweltschutzbewegung) die Bezeichnung Hambacher Forst, obwohl der Begriff Forst aus dem Wortfeld der Forstwirtschaft stammt und somit die Abholzung des Waldes bereits impliziert – also ein Framing transportiert, das den Interessen von Energiekonzernen zuarbeitet.

Medien als Ziel strategischer Kommunikation sind von besonderer Bedeutung für das Erzielen von Glaubwürdigkeit für die PR: Journalistische Medien sind als Transportvehikel und gewissermaßen Veredler strategischer Botschaften im besonderen Fokus von Lobbyorganisationen und PR-Agenturen, da journalistisch Dargebotenes und redaktionell Freigegebenes für breite Teile der Öffentlichkeit – wozu Mediennutzende wie Medienmachende gleichermaßen gehören – als Label für eine geprüfte Wahrheit gilt und dem Veröffentlichten eine Aufwertung verleiht. Deshalb müsste es aufseiten der Medienmacher mehr Bewusstsein für PR-Strategien geben, um diese besser zu erkennen und dem eigenen Watchdog-Anspruch gerecht zu werden (vgl. Schiffer 2021: Kap. 3).

Zu lobbyistischen Machtinstitutionen, die Einfluss auf Medienkommunikate einzunehmen versuchen, zählen nicht nur Regierungen, sondern auch internationale Organisationen, Think Tanks, Stiftungen, im großen Maßstab agierende Unternehmen und Verbände, Banken, Mäzene und dergleichen mehr. Sehr häufig ist ihre Macht mit Wirtschaftsmacht verbunden. Diese, durch ein bestimmtes Wirtschaftskonzept finanziell stark gewordenen Akteure können Geldmittel in strategische Kommunikation investieren. Zumeist dient dies dem Erhalt der Strukturen, die ihnen den wirtschaftlichen Erfolg ermöglicht haben. Insofern sind PR und Lobbyismus (als Fünfte Gewalt) nicht einfach ein Mittel der demokratischen Auseinandersetzung in einem gleichwertigen System, sondern vornehmlich ein verstärktes Werben für ältere, konservative Konzepte. Dies erschwert Innovation und Fortschritt, deren Vertreter – zum Beispiel NGOs – niemals mit vergleichbaren Finanzmitteln ausgestattet sein können.

Ein kritischeres Medienbewusstsein für strategische Praktiken dieser Machtinstitutionen wäre besonders für die graue PR notwendig, also eine PR, die sich nicht selten als Aktivismus verkleidet (vgl. ZAPP-Medienmagazin 2009). Deshalb gehört das sogenannte Astroturfing ganz oben auf die Liste der (nicht so) leicht wiederkennbaren Muster, also das Inszenieren einer Graswurzelbewegung, wie etwa bei den anti-Stuttgart21-Protesten oder anti-Windkraft-Aktionen (vgl. etwa Atomkraft – ja, bitte! [Die Zeit: 2008]; zu Astroturfing [SZ: 2010]). Zu den heutigen PR-Strategien gehören weiterhin die instrumentelle Aktualisierung, also das Timing einer Faktennennung in einem bestimmten (zeitlichen) Kontext. Auch das Arbeiten mit humanitären Spins – wie beispielsweise das schönfärberische Narrativ der ,Rettung von Mädchen und Frauen‘ zur Rechtfertigung von Kriegseinsätzen, das Narrativ von Menschen- und Völkerrechtsverletzungen gehört ins Repertoire, ebenso wie der Einsatz von Guerilla-Strategien, die mit Überraschung und Originalität, oft auch Schreck-Effekten, arbeiten. Und natürlich gehören auch False-Flag-Operationen ins Spektrum manipulativer Diskursstrategien. Unter falscher Flagge kann auch ein ,Think Tank für journalistische Aufklärung‘ auftreten (s.u.) oder ein ‚Zentrum für Demokratieförderung‘, während sie nicht genehme Meinungsäußerungen und deren Plattformen markieren – so etwa die Praxis eines Zentrums, das sich Liberale Moderne und ,NGO‘ nennt, obwohl es im staatlichen Auftrag und mit staatlichen Finanzmitteln arbeitet; was Medien als Vierte Gewalt also aufzudecken hätten.

Alle genannten Strategien lassen sich beim ,Father of Spin‘, Edward Bernays, erlernen. Der Neffe Sigmund Freuds entwickelte in den USA die subtile PR bis ins feinste Detail, die übrigens bis zum zweiten Weltkrieg – wie einer seiner Buchtitel – noch „Propaganda“ hieß (Bernays 1928). Dazu gehört es, Kollektivsymboliken auszunutzen (vgl. Link 2012), wissenschaftliche Studien als Berichterstattungsanlässe in Auftrag zu geben, sowie Medien zu briefen über vorbereitete exklusive Events, die Präsidenten positiv/negativ framen sollten oder (fortschrittlichen) Frauen das Rauchen als Zeichen für Emanzipation und Macht verkauften (vgl. Bernays 1969). Erfolgreich waren die Kampagnen immer dann, wenn Medien sie aufgriffen und groß machten. Ganz im Sinne seines Zeitgenossen, des Journalisten Walter Lippmann, der zurecht Medien als Scharnier zur Public Opinion verstand, sah auch Bernays eine Demokratie der Massen als Gefahr für potentielles Chaos an, welches es durch geschickte (kommunikative) Lenkung zu verhindern bzw. in die richtigen Bahnen zu orientieren gelte. Da Massenmedien Realitätsvorstellungen konstruieren (s.o.) durch ihre Auswahl an Themen und Darstellungsmitteln sowie den sie begleitenden Deutungsrahmen (Framing), kommt ihnen eine besondere Medienverantwortung zu.

Beispiele

Aktuelle Beispiele für mehr oder weniger subtile Einflüsse auf den Mediendiskurs stellen die Beratungen und Veröffentlichungen der Bertelsmann-Stiftung dar, wie auch neuerdings auf EU-Ebene die sogenannte East StratCom Task Force.

(1) Die Bertelsmann-Stiftung ist ein milliardenschwerer Think Tank des Medienkonzerns Bertelsmann, der auf verschiedenen Politikfeldern aktiv ist. 2019 veröffentlichte sie die sogenannte Krankenhausstudie mitsamt einem Konzept zur Verschlankung der Krankenhausdecke. Wenngleich die Studie für kritische Diskussionen gesorgt hatte, tauchten einige ihrer Grundthesen von Privatisierung und Spezialisierung im Krankenhauswesen mitsamt zeitökonomischeren Konzepten für die Patientenversorgung nach der Corona-Pandemie in Form einer Gesetzesinitiative zur Gesundheitsreform durch den Gesundheitsminister selbst wieder auf.

Die East StratCom Task Force stellt eine Beratungsinstanz für Journalisten der EU, des EAD Auswärtigen Dienstes, in Kooperation mit der NATO dar (vgl. Bonse 2021). Die NATO als hier auftretender politischer Akteur (ohne Mandat) wäre eigentlich ein Thema für Medien als Macht-kontrollierende Vierte Gewalt. Hingegen erteilt die Task Force Briefings für JournalistInnen, um sie für russische und chinesische Desinformation zu sensibilisieren – ohne methodische Hinweise oder gar definitorische Abgrenzung zu Desinformationsstrategien aus anderen Weltgegenden oder der EU selbst.

In beiden Fällen sind Medien im Fokus liberalistischer und geostrategischer Akteure sowie anderen Think Tanks und Kampagnen, die vergleichbare strategische Botschaften aus anderen Kanälen verstärken und somit einen Beitrag zur Affirmation/Bestätigung einer einseitigen (kritischen) Ausrichtung leisten. Müsste man diese als subtil klassifizierten Einflussnahmemaßnahmen, weil anscheinend unbemerkt, nicht schon als massiv und manipulativ einstufen?

(2) Wie die Untersuchung Operation Balkan zum Einsatz von PR-Agenturen und Kommunikationsstrategien in den Jugoslawienkriegen der 1990er Jahren nahelegt, scheuen Propagandisten auch nicht vor Inszenierungen und Lügen zurück, die bis hin zur Gründung von NGOs reichen, die dann als zweite Quelle für gewissenhaft arbeitende Journalisten zur Verfügung stehen (Becker/Beham 2006). Der damalige Pressesprecher der NATO, Jamie Shea, sprach ganz offen von einem „Medienkrieg“ (Spiegel 2000: 140; vgl. auch: Sicherheit und Frieden (S+F)/Security and Peace 2000). Die im Irakkrieg 2003 entwickelte Strategie des embedded journalism – also der Truppenbegleitung durch zunächst unabhängige Journalisten, die aber Gefahr laufen, den Krieg allein durch die Brille der Soldaten zu sehen – ist weiter verbreitet, als es in den Medienwissenschaften diskutiert wird. Die journalistische Begleitung von Razzien, die auf Einladung erfolgt, erfüllt im Grunde auch die Merkmale des embedded journalism – man produziert Bilder und Berichterstattung als Begleitmusik für die Interessen staatlicher Akteure, auch wenn derlei Einsätze auch das Potential hätten, Verfehlungen bei solchen Razzien aufzudecken. Oftmals bleiben Razzien ohne Ergebnis, was dann – wenn überhaupt – wesentlich weniger prominent platziert berichtet wird. Die hier ausgewählten Beispiele und beschriebenen Mechanismen genügen bereits, um mit dem Mythos aufzuräumen, dass Manipulationen und ,Fake News‘ allein eine Spezifik des Internets seien.

 

Literatur

Zum Weiterlesen

  • Beck, Klaus (2018): Das Mediensystem Deutschlands. Strukturen, Märkte, Regulierung. Wiesbaden: Springer VS.
  • Luhmann, Niklas (2017): Die Realität der Massenmedien. Wiesbaden: Springer VS.

Zitierte Literatur

  • Becker, Jörg; Beham, Mira (2006): Operation Balkan. Werbung für Krieg und Tod. Baden-Baden: Nomos.
  • Becker, Jörg (2018): Wie die Public Relations-Industrie mitregiert. In: IALANA (Hrsg.): Krieg und Frieden in den Medien. Berlin: Ossietzky-Verlag, S. 216–224.
  • Bernays, Edward (1923): Crystallizing Public Opinion. New York: Liveright Publishing.
  • Bernays, Edward (2011): Propaganda: Die Kunst der Public Relation. Freiburg: Orange-Press.
  • Bernays, Edward (1969): Engineering of Consent. Norman, Okla.: University of Oklahoma Press.
  • Blum, Roger (2005): Bausteine einer Theorie der Mediensysteme. In: Science de mass média suisse, Heft 2, Jg. 54, S. 5–11.
  • Blum, Roger; Gysin, Nicole; Meier, Peter (Hrsg.) (2006): Wes Land ich bin, des Lied ich sing? Medien und politische Kultur. Bern: Haupt-Verlag.
  • Bonse, Eric (2021): Wie EU und NATO gegen Desinformation vorgehen. Online unter: https://medien-meinungen.de/2021/10/wie-eu-und-nato-gegen-desinformation-vorgehen ; Zugriff: 30.12.2022.
  • Chomsky, Noam (2002): Media Control. The Spectacular Achievements of Propaganda. New York: Seven Stories Press.
  • Dahinden, Urs (2018): Framing. Eine integrative Theorie der Massenkommunikation. Köln: Herbert von Halem Verlag.
  • Die Zeit (2008): Atomkraft – ja, bitte! Online unter: https://www.zeit.de/2008/17/Atomlobby ; Zugriff: 30.12.2022.
  • Faulstich, Werner (1991): Medientheorien – Einführung und Überblick. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
  • Faulstich, Werner (Hrsg.) (2000): Grundwissen Medien. Stuttgart: UTB.
  • Entman, Robert (1991): Framing US coverage of international news: Contrasts in narratives of the KAL and Iran incidents. In: Journal of Communication, Heft 4, Jg. 41.
  • Hallin, Daniel; Mancini, Paolo (2004): Comparing Media Systems. Three Models of Media and Politics. Cambridge: University Press.
  • Herman, Edward; Chomsky, Noam (2002): Manufacturing Consent – The Political Economy of the Mass Media. New York: Pantheon Books.
  • Lakoff, George (1990): Don’t Think Of An Elephant! Know Your Values And Frame The Debate. Vermont: Chelsea Green Publishing Co.
  • Leif, Thomas; Speth, Rudolf (Hg.) (2006): Die fünfte Gewalt: Lobbyismus in Deutschland. Wiesbaden: Springer VS.
  • Link, Jürgen (2012): Kollektivsymbolik und die deutsche Krise seit dem Jahr 2000. In: Arnold, Markus; Dressel, Gert; Viehöver, Willy (Hrsg.): Erzählungen im Öffentlichen. Wiesbaden: Springer VS.
  • Lippmann, Walter (1998): Public Opinion. Piscataway: Transaction Publishers.
  • Lippmann, Walter (2018): Die öffentliche Meinung. In: Ötsch, Otto; Grauße, Silja (Hrsg.): Die öffentliche Meinung. Wie sie entsteht und manipuliert wird. Frankfurt am Main: Westend Verlag.
  • McQuail, Denis; Deuze, Mark (2020): McQuail’s Media and Mass Communication Theory. Thousand-Oaks: SAGE-Publications.
  • Medienstaatsvertrag (2020): Staatsvertrag zur Modernisierung der Medienordnung in Deutschland 1 (Medienstaatsvertrag). Online unter: https://www.daserste.de/ard/die-ard/Medienstaatsvertrag-100.pdf ; Zugriff: 30.01.2023.
  • Meyer, Thomas (2015): Die Unbelangbaren. Wie politische Journalisten mitregieren. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
  • Morelli, Anne (2004): Principes élémentaires de propagande de guerre. Utilisables en cas de guerre froide, chaude ou tiède. Charleroi: Èditions Labor.
  • Pörksen, Bernhard (Hrsg.) (2010): Schlüsselwerke des Konstruktivismus. Wiesbaden: Springer VS.
  • Postman, Neil (1988): Wir amüsieren uns zu Tode. Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie. Berlin: Fischer-Verlag.
  • Presserat (o.J.): Pressekodex. Online unter: www.pressekodex.de ; Zugriff: 07.03.2023.
    Ramonet, Ignacio (2005): Die Krise der Medien und die Fünfte Macht. Online unter: www.woz.ch/-356 ; Zugriff: 30.11.2022.
  • Reinemann, Rudolf (2021): Studie: Einseitig, unkritisch, regierungsnah. Online unter: https://rudolf-augstein-stiftung.de/wp-content/uploads/2021/11/Studie-einseitig-unkritisch-regierungsnah-reinemann-rudolf-augstein-stiftung.pdf ; Zugriff 30.01.2023.
  • Röper, Horst (2017-2018): Langzeitstudie Pressekonzentration des FORMATT-Instituts. Online unter: https://www.land.nrw/media/galerie/langzeitstudie-des-formatt-instituts-zur-film-und-fernsehproduktion-fuer-die-jahre ; Zugriff: 30.01.2023.
  • Schiffer, Sabine (2021): Medienanalyse. Ein kritisches Lehrbuch. Frankfurt/Main: Westend Verlag.
  • Shea, Jamie (2000): Die Kosovo-Krise und die Medien: Reflexionen eines NATO-Sprechers. In: Sicherheit und Frieden (S+F) / Security and Peace: Themenschwerpunkt: Medien und Krieg. Heft 3, Jg. 42. Baden-Baden: Nomos Verlagsgeselleschaft: S. 208–217.
  • Der Spiegel (2000): Der etwas andere Krieg. Online unter: https://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/15376096 ; Zugriff: 08.03.2023.
  • Spoo, Eckart; Hautsch, Gert (2010): Kapitalmacht oder Pressefreiheit: Medien und Demokratie in Deutschland. München: Institut für Sozial-Ökologische Wirtschaftsforschung.
  • Süddeutsche Zeitung (2010): Astroturfing – Geheimkampf um Botschaften im Netz. Online unter: https://www.sueddeutsche.de/politik/streit-um-stuttgart-21-astroturfing-geheimkampf-um-botschaften-im-netz-1.1008550 ; Zugriff 30.12.2022.
  • Teusch, Ulrich (2016): Lückenpresse – Das Ende des Journalismus, wie wir ihn kannten. Frankfurt am Main: Westend Verlag.
  • Thomaß, Barbara (Hrsg.) (2013): Internationale Mediensysteme im Vergleich. Konstanz u.a.: UVK-Verlagsgesellschaft.
  • TU-Dortmund (o. J.): Langzeit-Studie „Journalismus und Demokratie“ des Instituts für Journalistik.
  • ZAPP-Medienmagazin (NDR) (2009): Die PR-Branche und ihre Tricks. Online unter: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/prtricks100.html ; Zugriff: 27.04.2023.

Verlinkte Quellen

Zitiervorschlag

Schiffer, Sabine (2023): Medien. In: Diskursmonitor. Glossar zur strategischen Kommunikation in öffentlichen Diskursen. Hg. von der Forschungsgruppe Diskursmonitor und Diskursintervention. Veröffentlicht am 08.03.2023. Online unter: https://diskursmonitor.de/glossar/medien.

DiskursGlossar

Grundbegriffe

Agenda Setting

Rassistisch motivierte Gewalt, Zerstörung des Regenwaldes, Gender pay gap: Damit politische Institutionen solche Probleme bearbeiten, müssen sie erst als Probleme erkannt und auf die politische Tagesordnung (Agenda) gesetzt werden. Agenda Setting wird in Kommunikations- und Politikwissenschaft als eine Form strategischer Kommunikation beschrieben, mithilfe derer Themen öffentlich Gehör verschafft und politischer Druck erzeugt werden kann.

Macht

Macht ist die Fähigkeit, Verhalten oder Denken von Personen zu beeinflussen. Sie ist Bestandteil sozialer Beziehungen, ist an Kommunikation gebunden und konkretisiert sich situationsabhängig. Alle expliziten und impliziten Regeln, Normen, Kräfteverhältnisse und Wissensformationen können aus diskursanalytischer Perspektive als Machtstrukturen verstanden werden, die Einfluss auf Wahrheitsansprüche und (Sprach)Handlungen in einer Gesellschaft oder Gruppe nehmen.

Normalismus

Normalismus ist der zentrale Fachbegriff für die Diskurstheorie des Literaturwissenschaftlers Jürgen Link. Die Normalismus-Theorie fragt danach, wie sich Vorstellungen von ‚Normalität‘ und ‚Anormalität‘ als Leit- und Ordnungskategorien moderner Gesellschaften herausgebildet haben.

Wissen

Kollektives Wissen von sozialen Gruppen ist sowohl Voraussetzung als auch Ziel strategischer Kommunikation in öffentlichen Diskursen. Es wird geprägt durch individuelle Erfahrung, aber auch in Diskursgemeinschaften kommunikativ geteilt – vor allem im Elternhaus, in Peergroups und Bildungseinrichtungen sowie durch Medienkonsum.

Werbung

Werbung ist ein Kommunikationsinstrument von Unternehmen, das der Positionierung im Markt dient und je nach Situation des Unternehmens auf Einführung, Erhalt oder Ausbau von Marktanteilen und damit letztlich auf ökonomischen Gewinn abzielt.

Mediale Kontrolle

Medien werden vielfältig zur Durchsetzung von Macht verwendet. So in der Zensur, wenn eine politische Selektion des Sagbaren und des Unsagbaren stattfindet; in der Propaganda, wenn eine Bevölkerung von den Ansichten oder wenigstens der Macht einer bestimmten Gruppe überzeugt werden soll; oder in der Überwachung, die unerwünschtes Verhalten nicht nur beobachten, sondern unwahrscheinlich machen soll.

Freund- und Feind-Begriffe

Freund-, Gegner- und Feindbegriffe sind Teil der Politischen Kommunikation. Sie bilden die Pole eines breiten Spektrums von kommunikativen Zeichen, mit denen politische Akteure sich selbst und ihre politischen Gegner im Kampf um beschränkte Ressourcen auf dem diskursiven Schlachtfeld positionieren.

Sprachpolitik / Sprachenpolitik

Sprachpolitik bezeichnet allgemein alle politischen Prozesse, die auf eine Beeinflussung der Sprachverwendung in einer Gesellschaft oder Sprachgemeinschaft abzielen. Unterschieden wird häufig zwischen Sprachenpolitik und Sprachpolitik im engeren Sinne.

Sagbarkeit

Im öffentlichen Diskurs findet sich häufig die strategische Behauptung, dass bestimmte Fakten oder Meinungen unsagbar seien. Auf diese Weise wird zum Ausdruck gebracht, dass es Grenzen des Sagbaren gebe, die im öffentlichen Diskurs Geltung hätten.

Kulturelle Grammatik

Kulturelle Grammatik steht für ein System von Regeln und/oder etablierten Regelmäßigkeiten, die Formen richtiger und/oder normaler Kommunikation und Interaktion auszeichnen.

Techniken

Flugblatt

« Zurück zur ArtikelübersichtFlugblatt Kategorie: TechnikenVerwandte Ausdrücke: Flugschrift, Flyer, Flugpublizistik, SharepicSiehe auch: Propaganda, Medien, WerbungAutorin: Sarah SchröderVersion: 1.0 / Datum: 08.02.2024 ...

Passivierung

Unter Passivierung versteht man die Formulierung eines Satzes in einer grammatischen Form des Passivs. Das Passiv ist gegenüber dem Aktiv durch die Verwendung von Hilfsverben formal komplexer. Seine Verwendung hat unter anderem zur Folge, dass handelnde Personen im Satz nicht genannt werden müssen, was beispielsweise in Gesetzestexten für eine (gewünschte) größtmögliche Abstraktion sorgt („Niemand darf wegen seines Geschlechts […] benachteiligt oder bevorzugt werden.“ Art. 3 GG).

Aufopferungs-Topos

Als Aufopferungs-Topos wird in der Diskursforschung ein Argumentationsmuster bezeichnet, das zwei strategische Funktionen erfüllen kann: einerseits kann es dazu dienen, mit der Behauptung eines besonderen Ressourceneinsatzes (z.B. Einsatz von Geld, Zeit oder emotionaler Belastung) einen hohen Achtungswert für eine Person, eine Sache bzw. für ein Ziel zu plausibilisieren. Andererseits können Akteure besondere Privilegien (wie z.B. Wertschätzung, Entscheidungsbefugnisse und Mitspracherechte) reklamieren, wenn sie sich für eine bereits in der sozialen Bezugsgruppe hochgeschätzte Sache engagieren.

Opfer-Topos

Als Opfer-Topos bezeichnet man eine diskursive Argumentationsstrategie, bei der sich Akteure als ‚Opfer‘ gesellschaftlicher Urteilsbildung inszenieren und damit eigene Interessen – vor allem Aufmerksamkeit und Berücksichtigung von Bedürfnissen – geltend zu machen versuchen.

Analogie-Topos

Der Analogie-Topos zählt zu den allgemeinen bzw. kontextabstrakten Argumentationsmustern, die genutzt werden können, um für oder gegen eine Position zu argumentieren. Analogie-Topoi werden von verschiedenen Akteuren und Akteursgruppen strategisch eingesetzt, um eine zustimmende Haltung bei den Zielgruppen zu bewirken.

Negativpreis

Ein Negativpreis ist eine Auszeichnung an Personen oder Organisationen (meist Unternehmen), die sich oder ihre Produkte positiv darstellen und vermarkten, ihre Versprechen aus Sicht des Preisverleihers allerdings nicht einhalten. Dabei dient der Preis durch seine Vergabe vor allem dem Zweck, Aufmerksamkeit zu erregen, mediale Präsenz auf ein Thema zu lenken und den Preisträger in seinem moralischen Image zu beschädigen.

Be-/Überlastungs-Topos

Der Be-/Überlastungstopos ist ein Argumentationsmuster, das vorwiegend in der politischen Kommunikation eingesetzt wird. Als zu vermeidende Konsequenz einer konkreten Situation wird mit dem Be-/Überlastungstopos ein Be- bzw. Überlastungs-Szenario skizziert.

Wahlkampf

Wahlkämpfe sind Zeiten stark intensivierter politischer Kommunikation. Politische Parteien entwickeln Programme für die nächste Legislaturperiode in der Hoffnung, durch entsprechenden Stimmengewinn zu deren Umsetzung ermächtigt zu werden.

Wir

Das Pronomen wir erfüllt aber noch eine weitere diskursive Funktion: Ein Fundament des politischen Diskurses sind dynamische politische Ideologien: Glaubens- und Wissenssysteme von politischen und sozialen Gruppen.

Petition

Petitionen sind eine der am meisten genutzten Partizipationsformen nach Wahlen. Sie sind sowohl ein Mittel der politischen Beteiligung als auch ein Protestmittel und damit Zwitterwesen in der politischen Landschaft. Durch die Digitalisierung haben sich Petitionen zudem maßgeblich verändert, ihre Zahl hat zugenommen, ebenso wie die Zahl der Plattformen, auf denen sich Petitionen starten lassen.

Schlagwörter

Toxizität / das Toxische

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Zivilgesellschaft

Im gegenwärtigen deutschen Sprachgebrauch werden so heterogene Organisationen, Bewegungen und Initiativen wie ADAC und Gewerkschaften, Trachtenvereine und Verbraucherschutzorganisationen, Umweltorganisationen und religiöse Gemeinschaften zur Zivilgesellschaft gezählt.

Demokratie

Der Ausdruck Demokratie dient häufig zur Bezeichnung einer (parlamentarischen) Staatsform und suggeriert die mögliche Beteiligung aller an den Öffentlichen Angelegenheiten. Dabei ist seine Bedeutung weniger eindeutig als es den Anschein hat.

Plagiat/Plagiarismus

Plagiarismus ist ein Begriff, der sich im öffentlichen Diskurs gegen Personen oder Produkte richten kann, um diese in zuweilen skandalisierender Absicht einer Praxis unerlaubter intermedialer Bezugnahme zu bezichtigen. Die Illegitimität dieser Praxis wird oft mit vermeintlichen moralischen Verfehlungen in Verbindung gebracht.

Fake News

Fake News wird als Schlagwort im Kampf um Macht und Deutungshoheit in politischen Auseinandersetzungen verwendet, in denen sich die jeweiligen politischen Gegenspieler und ihre Anhänger wechselseitig der Lüge und der Verbreitung von Falschnachrichten zum Zweck der Manipulation der öffentlichen Meinung und der Bevölkerung bezichtigen.

Lügenpresse

Der Ausdruck Lügenpresse ist ein politisch instrumentalisierter „Schlachtruf“ oder „Kampfbegriff“ gegen etablierte und traditionelle Medien. Dabei wird häufig nicht einzelnen Medien-Akteuren, sondern der gesamten Medienbranche vorgeworfen, gezielt die Unwahrheit zu publizieren.

Antisemitismus

Mit Antisemitismus werden gemeinhin alle jene Phänomene bezeichnet, die sich gegen das Judentum oder gegen Jüdinnen*Juden als Jüdinnen*Juden richten. Die entsprechenden Erscheinungen reichen von der bloßen Distanzierung und Behauptung jüdischer Andersartigkeit, über vollständig ausgearbeitete Weltbilder, die Jüdinnen*Juden für sämtliche Probleme verantwortlich machen, bis hin zu massiven Ausgrenzungs-, Verfolgungs- und Gewaltpraktiken.

Grammatiknazi / Grammar Nazi

Das überwiegend negativ konnotierte Schlagwort Grammatiknazi – als Übersetzung von engl. grammar nazi – wird zur Benennung von Personen verwendet, die meist in eher informellen Kontexten der öffentlichen Internetkommunikation (u. a. in Foren, Kommentarbereichen auf Nachrichtenportalen, sozialen Netzwerken) ungefragt Sprachkritik an den Äußerungen anderer (häufig fremder) Kommunikationsteilnehmer*innen üben.

Respekt

Respekt oder respektvolles Verhalten wird eingefordert für die Eigengruppe (bzw. von der Eigengruppe), für wirklich oder vermeintlich diskriminierte Gruppen, für abweichende Meinungen. Mitgemeint ist bei der Forderung nach Respekt meist eine positiv bewertete Szene der (sozialen, kulturellen, ethnischen, sexuellen etc.) Vielfalt/Diversität.

Geschlechtergerechte Sprache

Mit dem heute als Fahnenwort gebrauchten Ausdruck geschlechtergerechte Sprache ist die Forderung verbunden, bei Personenbezeichnungen die einseitige, für diskriminierend erklärte Bezugnahme auf einen bestimmten Sexus, konkret: auf das männliche Geschlecht, zu unterlassen.

Verschiebungen

Ökonomisierung

Ökonomisierung wird in gegenwärtigen Diskursen in der Regel zur Bezeichnung von Prozessen verwendet, in denen die spezifisch wirtschaftlichen Funktions-Elemente wie Markt, Wettbewerb/Konkurrenz, Kosten-Nutzen-Kalküle, Effizienz, Gewinnorientierung in Bereiche übertragen werden, die zuvor teilweise oder ganz nach anderen Leitkriterien ausgerichtet waren

Moralisierung

Moralisierung verlagert Macht- und Interessenkonflikte in die Sphäre der Kommunikation von Achtung / Missachtung. Sie reduziert Ambivalenz zugunsten einer Polarisierung von gut und böse.

Konstellationen

Skandal

Die Diskurskonstellation des Skandals zeichnet sich durch eine in den Medien aufgegriffene (bzw. durch sie erst hervorgerufene) empörte Reaktion eines erheblichen Teils der Bevölkerung auf einen tatsächlichen oder vermeintlichen Missstand aus. Die schuldhafte Verursachung dieses Missstandes wird dabei einem gesellschaftlichen Akteur zugeschrieben, dessen Handeln als ‚unmoralisch‘ gedeutet wird.

DiskursReview

Review-Artikel

Neue Beiträge Zur Diskursforschung 2023

Mit Beginn des Wintersemesters laden die Forschungsgruppen CoSoDi und Diskursmonitor sowie die Akademie diskursiv ein zur Vortragsreihe Neue Beiträge Zur Diskursforschung. Als interdisziplinäres Forschungsfeld bietet die Diskursforschung eine Vielzahl an...

Tagung: Diskursintervention (31.01.2019–01.02.2019)

Welchen Beitrag kann (bzw. muss) die Diskursforschung zur Kultivierung öffentlicher Diskurse leisten? Was kann ein transparenter, normativer Maßstab zur Bewertung sozialer und gesellschaftlicher Diskursverhältnisse sein?

Was ist ein Volk?

Dass „Volk“ ein höchst schillernder und vielschichtiger politischer Leitbegriff der vergangenen Jahrhunderte gewesen ist (und nach wie vor ist), kann man schon daran erkennen, dass der Eintrag „Volk, Nation“ in Brunner, Conze & Kosellecks großem Nachschlagwerk zur politischen Begriffsgeschichte mehr als 300 Seiten umfasst.

Antitotalitär? Antiextremistisch? Wehrhaft!

Im Herbst 2022 veranstalteten die Sender des Deutschlandradios eine Kampagne mit Hörerbeteiligung zur Auswahl eines Themas, mit dem sich ihre sogenannte „Denkfabrik“ über das kommende Jahr intensiv beschäftigen solle. Fünf Themen standen zur Auswahl, „wehrhafte Demokratie“ wurde gewählt, wenig überraschend angesichts des andauernden Krieges in der Ukraine…