DiskursGlossar

Diversität / Vielfalt

Kategorie: Schlagwort
Verwandte Ausdrücke:
Siehe auch: Multikulturalismus, Identität, politische Korrektheit, Inklusion, Anerkennung, Opfer-Topos, Wir
Autor: Clemens Knobloch
Version: 1.0 / Datum: 31.08.2026

Kurzzusammenfassung

Diversität/Vielfalt ist ein aus einschlägigen US-Diskursen der (frühen) 1980er und der 1990er Jahre importiertes Schlagwort und ein Topos, der ethnische, sexuelle und körperliche (Behinderung etc.) Verschiedenheit positiv und programmatisch als Ressourcen der Mehrheitsgesellschaft kodiert. Vielfalt als Chance dürfte der hierzulande häufigste Slogan des Diversitäts–Hypes sein. Qua Diversität werden identitätsrelevante Unterschiede zwischen gesellschaftlichen Gruppen von Stigmata für Minderheiten zu Ressourcen für die Allgemeinheit umgedeutet. Die Diversitätsrhetorik hat insofern auch einen formal egalitären Effekt, obwohl sie Unterschiede fokussiert. Sie erklärt die Minderheiten zu einem wichtigen Bestandteil der hegemonialen Mehrheit und dämpft damit zugleich deren oppositionelles Potential.

Wiewohl auf den ersten Blick emanzipatorisch ausgerichtet, wird Diversität regelmäßig ‚von oben‘ organisiert und institutionalisiert: Keine Universität, kein Großkonzern, keine öffentliche Institution ohne Diversitätsmanagement. Die demonstrative Förderung von Diversität/Vielfalt verbürgt (zumal für global tätige Institutionen) ein weltoffenes und progressives Image. Daneben wird Diversität/Vielfalt aber auch von den (inkludierten, anerkannten) Minderheiten propagiert und aktiv vertreten, deren Chancen sie zu mehren vorgibt.

Pragmatisch funktioniert der Begriff Diversität/Vielfalt in weiten Teilen des öffentlichen Diskurses als Konsensfiktion: ein Motiv, von dem sich zumindest in linksliberalen und urbanen Milieus kaum jemand offen distanziert, da dies die eigene Reputation und den Zugehörigkeitsstatus gefährden würde. Der Appell zu (mehr) Diversität ist in diesen Kontexten weitgehend einwandsimmun. Allerdings gilt dies keineswegs gesamtgesellschaftlich: In rechts geprägten, ruralen Räumen sowie in Teilen der organisierten Neuen Rechten – so auch im Umfeld der AfD – wird die Distanzierung von Diversität nicht nur toleriert, sondern mitunter aktiv eingefordert. Politische Akteure dieser Strömungen inszenieren gezielt einen Kulturkampf um den Begriff, um eine als ideologisch-paternalistisch wahrgenommene ‚linke Kultur‘ zu delegitimieren.

Politisch gehört die Rhetorik der Diversität zur derzeit auslaufenden Hegemonie derjenigen westlichen Kräfte, die von Nancy Fraser als „progressiver Neoliberalismus“ zusammengefasst werden. In dem Maße, wie rechtspopulistische Kräfte in westlichen Regierungen dominieren, wird sie in den vergangenen Jahren institutionell und rhetorisch zurückgedrängt. Seit Beginn der zweiten Trump-Regierung in den USA (2025) stehen US-Konzerne, Institutionen und Bildungseinrichtungen unter massivem Druck, ihre Diversitäts-bezogenen Aktivitäten zu reduzieren oder gar einzustellen.

Erweiterte Begriffsklärung

Im deutschsprachigen Raum ist die Gebrauchsfrequenz des Ausdrucks Diversität (laut DWDS) zwischen 2010 und 2023 steil angestiegen, seither aber rückläufig. Diversität/Vielfalt dürfte das hegemonial offizialisierte Fahnenwort der letzten 20 Jahre sein, in dessen Namen und mit dessen Hilfe größere institutionelle Veränderungen im neoliberalen Institutionengefüge implementiert worden sind.

Abbildung 1
Abb. 1: divers – Diversität – Vielfalt; DWDS-Verlaufskurve.

‘Rhetorisch steht Diversität für eine größere diskursstrategische Umstellung von Gleichheitssemantiken (mit Solidarität, Gleichberechtigung, Integration, Leitkultur, Umverteilung etc. als Fahnenwörtern) auf anerkannte und propagierte Ungleichheit und Verschiedenheit. In der US-amerikanischen Szene der Jahre vor und nach 1980 findet man die Trias von race, class, and gender als Kern der frühen Diversitätsprogramme (vgl. Michaels 2012). In dieser Trias kommt die Klasse, und damit die Wirtschafts- und Sozialdimension noch vor, die in der Folgezeit aber zunehmend als Gegensatz zu Diversitätsprogrammen wahrgenommen wird.

Die Diversitätsrhetorik passt und gehört zum Zeitalter der erfolgreichen und expansiven ökonomischen Globalisierung, die in den 1990er Jahren einsetzt. In diesem Zeitalter müssen sich die global aktiven Akteure der konkurrierenden Wirtschaftsstandorte als weltoffen präsentieren, weil sie erstens damit potentielle Konsumgruppen, zweitens weitere Arbeitskraftressourcen erschließen können. Viele Anzeichen sprechen dafür, dass dieses Zeitalter ab den 2020er Jahren seinem Ende entgegengeht. Die zweite Trump-Regierung in den USA (ab 2025) geht offen und radikal gegen Diversitäts-, Inklusions– und ähnliche Programme von Konzernen und Behörden, namentlich an pädagogischen und wissenschaftlichen Institutionen, vor. Betroffen sind auch deutsche und internationale Konzerne mit reichen US-Aktivitäten, die (um ihr USA-Geschäft nicht zu gefährden) ihre Diversitätsprogramme zurückbauen oder abschaffen (vgl. FAZ vom 26.3.2025, S. 22).

Historisch dürfte Diversität seine positiven Konnotationen vor allem dem ökologischen Hype um die unbedingt positive Biodiversität verdanken. In den frühen ökologischen Debatten der 1970er und 1980er Jahre ging es vielfach um die ökologischen Gefahren, die daher rühren, dass die industrielle Landwirtschaft allenthalben die Artenvielfalt drastisch reduziert. Biodiversität wurde in diesem Zusammenhang zu einem unbedingt positiven Programmbegriff, an den die allgemeine Diversitätsprogrammatik anknüpfen konnte. Die an sich ja relativ ‚trockenen‘ Begriffe Diversität/Vielfalt erhalten ihre programmatischen Ladungen in erster Linie durch Konnotationstransfer aus der ökologischen und evolutionären Sphäre. Auch die Reduktion der genetischen Diversität durch landwirtschaftliche Monokulturen etc. hat den Begriff konnotativ aufgewertet und auf eine Übertragung in die sozial-politische Sphäre vorbereitet. Die Suggestion lautet: Je diverser ein System ist, desto resilienter wird es.

Dass Diversität/Vielfalt in Deutschland von Anfang an ein hegemoniales Projekt gewesen ist, illustriert die im Jahr 2006 gegründete (und seinerzeit unter der Schirmherrschaft von Angela Merkel stehende) Charta der Vielfalt. Auf deren Seite heißt es, die Charta der Vielfalt sei die bundesweit größte Initiative der Arbeitgebenden. Die Zahl der Organisationen, die diese Charta unterzeichnet haben, liege über 6500. In der Selbstbeschreibung heißt es:

Der Charta der Vielfalt e. V. ist Deutschlands größte Initiative für Vielfalt und Inclusion am Arbeitsplatz. Seit 2006 fördern wir eine Arbeitswelt, in der jedes Talent wertgeschätzt wird. Der gemeinnützige Verein setzt sich für die Verankerung von Vielfalt in Wirtschaft und Gesellschaft ein und fungiert als Agenda-Setter für Diversity-Management in Deutschland. […] (Charta der Vielfalt 2025b)

Im Kern ging es darum, den Konzernen und Institutionen des deutschen ‚Exportweltmeisters‘ ein weltoffenes Image zu verpassen. Vorbilder für solche weltoffene Imageproduktion finden sich zum Beispiel in den internationalen Werbekampagnen The United Colors of Benetton oder Du bist Deutschland (vgl. Holly 2009), sowie in den sichtlich multiethnischen Mannschaften des Fußballs (und anderer Mannschaftssportarten). Es dürfte inzwischen kaum noch globale Werbekampagnen geben, die nicht auf betont multiethnische Selbstpräsentation setzen.

Extrem folgenreich war (und ist) die Rhetorik der Diversität/Vielfalt im deutschen Bildungswesen. Die Verpflichtung auf Programme der Inklusion in Kitas und Schulen dürfte praktisch mehr verändert haben als viele, wenn nicht alle bisherige Schulreformen (vgl. Knobloch 2015). Qua Inklusionspflicht der regulären Schulen wurde ein Gutteil der (ehedem als ‚Hilfs- oder Sonderschulen‘ bezeichneten) Einrichtungen abgewickelt, die ursprünglich Kinder mit speziellem Förderbedarf fachkundig unterstützt haben. Was als deren inklusive Einbeziehung in den regulären Schulbetrieb verkauft wurde (und wird), war zugleich Sparmaßnahme und der Entzug fachlich spezialisierter Betreuung. Das ist ein wenig so, als wenn man Kranke, um sie nicht zu diskriminieren, in die Gruppen der Gesunden integrieren würde und zugleich Arztstellen kürzte. Zudem fördert die Präsenz kognitiv und/oder sozial stark eingeschränkter Klassenkameraden weder die Lernchancen der einen noch der anderen Gruppe, wenn diese nicht durch qualifiziertes Fachpersonal und in hinreichendem Umfang begleitet werden. Womöglich fühlen sich sozial-kognitiv eingeschränkte Kinder in einem inklusiven Umfeld isolierter als zuvor in ihren spezialisierten Einrichtungen, wo sie gewissermaßen ‚unter sich‘ waren.

Auch wer im Hochschul- und Wissenschaftsbetrieb tätig ist, kann dem Diversitäts–Hype kaum entgehen. So gut wie alle deutschen Universitäten haben ein institutionelles Diversitätsmanagement (zumeist in Form eines zuständigen Prorektorats) (vgl. Freithofer/Hollerwöger 2008). In aller Regel ist das um die ehemaligen ‚Frauenbeauftragten‘ herum institutionalisiert worden.

Es sind zwar die polit-ökonomischen Akteure der Globalisierung, welche die Institutionalisierung von Diversität/Vielfalt vorantreiben, anders verhält es sich aber mit der Träger- und Adressatenschicht dieses Diskurses. Die gehört nämlich zumeist zu den akademisch gut ausgebildeten neuen Mittelschichten. Slavoj Zizek (2005) hat auf das Paradox hingewiesen, das die Landschaft des Diversitätsdiskurses strukturiert: Je weiter eine Wir-Gruppe von der hegemonialen Sphäre (weiß, männlich, akademisch gut ausgebildet) entfernt ist, desto mehr darf sie ihre ethnische, kulturelle, religiöse, kulturelle etc. Wir-Gruppenidentität betonen, ohne für essentialistisch, rassistisch, ausschließend erklärt zu werden. Identitätsgemeinschaften gelten in dem Maße für legitim, als sie symbolische Opfergemeinschaften mit einer geteilten und anerkannten Unterdrückungsgeschichte sind. Niemand wird den Sinti und Roma, den amerikanischen Indigenen, den australischen Aborigines, Juden, Homosexuellen oder Behinderten das Recht absprechen, im Namen ihrer identitären Wir-Gruppe zu sprechen. Höchst anmaßend wäre dagegen eine Wir-Gruppe der (berüchtigten) alten weißen Männer, der Besserverdienenden, der Gebildeten. Für diese letzteren Gruppen gilt:

Gerade das Verbot, auf ihre Identität zu pochen, macht sie zum universell-neutralen Medium, zu dem Ort, von dem aus die Wahrheit über die von den anderen verschuldete Unterdrückung erkannt werden kann (Zizek 2005: 39)

Anders formuliert: Die Träger- und Adressatenschicht der Diversitätsrhetorik bringt sich selbst dadurch als partikulare Gruppe zum Verschwinden, dass sie auf eigene Identitätskonstruktionen verzichtet. Nur dadurch wird sie zum ‚geborenen Schiedsrichter‘ über die Identitätskonstruktionen der anderen. Heim (2017: 24) bringt das auf den Begriff mit der Formulierung: Das Leitmotiv neoliberaler Diversitätsprogramme sei keineswegs die politische Gleichheit, sondern die „Optimierung der Systeme von Unterschieden“.

Wenn Diversität/Vielfalt in diesem Sinne zur Produktivkraft erhoben wird, dann mutiert die Gleichheit vom politischen Anspruch zum Stigma. Soziologen, die lange von den Vorzügen ethnisch, kulturell, religiös homogener Gesellschaften geschwärmt haben, entdecken seither den „Zusammenhalt durch Vielfalt“ (Pries 2013).

Beispiele

Die Beispiele stammen aus grundverschiedenen Diskurssphären, aus der kommerziellen Werbung, aus den Flugblättern einer studentischen Protestdemonstration (gegen rechts) und aus der von deutschen Großunternehmern gegründeten Charta der Vielfalt. In ihrer Gesamtheit sollen sie die beträchtliche Reichweite des Diversitätsdiskurses illustrieren. Abschließend unter (4) findet sich ein Beispiel der Selbstdarstellung der Universität Siegen.

(1) Am 27. März 2019 erscheint in der Süddeutschen Zeitung eine ganzseitige Anzeige der „Initiative deutscher Familienunternehmen“. Der übergroß gedruckte Text lautet: Made in Germany – Made by Vielfalt. Daneben eine buntfarbige Folge von Rechtecken, die mit schwarz, rot und gold beginnt und mit grün, rosa und lila fortgeführt wird. Der Untertext lautet:

Aus gutem Grund heißt es „Made in Germany“ und nicht „Made by Germans“. Denn täglich geben Mitarbeiter/Innen aus aller Welt bei uns ihr Bestes. Damit das so bleibt, stehen wir auch weiterhin für ein weltoffenes Deutschland.

Die Richtung ist klar: Der ‚Exportweltmeister‘, der seine Waren in der ganzen Welt an verschiedene Konsumgruppen richten möchte, ist auf ein weltoffenes Image angewiesen. Attraktiv sollen nicht nur die Produkte, sondern auch die Arbeitsplätze möglichst weltweit sein. Nationale, kulturelle, ethnische Homogenität ist der Gegenbegriff. Die ‚deutsche Leitkultur‘ wird strategisch auf Vielfalt umkodiert.

(2) Ein studentischer Aufruf für einen Flashmob an der Universität Siegen (20.12.2018) gegen den Auftritt des AfD-‚Philosophen‘ Marc Jongen in einer Vorlesung über Meinungsfreiheit lautete:

Für Diversität, Meinungsfreiheit und Vielfalt. Wir sind divers! Unsere Meinungen auch. […] Wer diskriminiert oder rassistisch argumentiert, zerstört Solidarität, erzeugt Hass und Angst und schließt ganze Gruppen von Menschen, Lebensweise und Meinungen aus. […]

In einer Sprechblase hieß es weiterhin: Die Uni Siegen ist bunt. In diesem Passus zeigt sich die enge Verbindung zwischen Diversität/Vielfalt und dem benachbarten Programmbegriff Inklusion. Den ‚Feind‘ bilden hier die explizit exkludierenden Praktiken von Rassismus, Ethnozentrismus, Nationalismus etc. Was dabei nicht oder nur wenig auffällt, ist der Umstand, dass auch Diversität/Vielfalt nur kraft der Tatsache politisch verwendet werden kann, weil es ebenfalls ein Ausschließungspotential hat. In diesem Punkt hat der Ausdruck eine ähnliche Anatomie wie sein Vorgänger Toleranz – die ja auch nur für die Toleranten gilt.

(3) Auf der Homepage (Charta der Vielfalt 2025a) der von einigen tausend deutschen Unternehmen unterzeichneten Charta der Vielfalt werden folgenden Dimensionen der Vielfalt gelistet:

Persönlichkeit (zentral), Alter, soziale Herkunft, Migrationsgeschichte, sexuelle Orientierung, Geschlecht, geschlechtliche Identität, Religion und Weltanschauung, körperliche und geistige Fähigkeiten.

Unter den zahlreichen Aktivitäten der Charta heißt es zum Beispiel:

Neue Audits für Arbeitgebende und Hochschulen. Jetzt ist es offiziell! Wir launchen das audit beruf&vielfalt und das audit hochschule&vielfalt.

Erkennbar wird der in Anglizismen (launchen, audit) vorgetragene umfassende Image-Anspruch der Charta für Betriebe und Hochschulen.

(4) Die Universität Siegen verfügt 2026 – wie viele andere Universitäten – über ein Prorektorat, das unter anderem auch für Diversity zuständig ist. Die auf der Homepage gelisteten Diversitätskriterien sind die folgenden (Universität Siegen 2026):

  • Bildungsgerechtigkeit: First generation students, Atypische Bildungsbiografie, Stipendien, Alternative Hochschulzugangsberechtigung, Klassismus
  • Geschlechtliche Vielfalt: TIN – Trans*, Inter*, Non-Binary; LGBTQIA+; geschlechtliche Identität; Sexismus; Queerfeindlichkeit
  • Vereinbarkeit: Erziehung, Pflege, Familienfreundlichkeit, Care-Arbeit, Betreuung, Finanzen
  • Beeinträchtigung: Behinderung, chronisch-somatische Erkrankung; psychische Erkrankung, Neurodivergenz, Inklusion, Barrierefreiheit, Ableismus 
  • Kulturelle Vielfalt: Internationalisierung, Ethnie, Mehrsprachigkeit, Empowerment, Religion, Rassismus, Antisemitismus

Im Vergleich mit den Kategorien der Charta (Beispiel 3) wirken die Kriterien der Universität Siegen stärker sozial akzentuiert. In jedem Falle ist der Diversitätskomplex in den regelmäßigen Veranstaltungen der Hochschule (z. B. als diversity lunch) dauerhaft etabliert und präsent.

Zweifellos gehört das Bekenntnis zu Diversität/Vielfalt und ihrer Förderung derzeit (noch) zu den festen Bestandteilen des öffentlichen universitären Selbstbildes. Ob sich dieses Selbstbild verändert, wenn zunehmend rechtspopulistische politische Kräfte die institutionelle Sphäre prägen, bleibt abzuwarten.

Literatur

Zum Weiterlesen

  • Celikates, Robin (2024): Diversität. In: Bröckling, Ulrich et al.: Glossar der Gegenwart 2.0. Berlin: Suhrkamp, S. 137–148.
  • Knobloch, Clemens (2018): „Diversität/Vielfalt“. Ein Leitbegriff mittlerer Reichweite. In: ders.: Das sogenannte Gute. Zur Selbstmoralisierung der Meinungsmacht. Siegen: universi, S. 13–50.

Zitierte Literatur und Belege

  • Charta der Vielfalt (2025a): Homepage. Online unter: https://www.charta-der-vielfalt.de/ ; Zugriff: 24.07.2026.
  • Charta der Vielfalt (2025b): Über uns. Online unter: https://www.charta-der-vielfalt.de/uber-uns ; Zugriff: 08.05.2026.
  • Freithofer, Elisabeth; Hollerwöger, Otto (2008): „Diversity Management“. In: Dzierbicka, Agniescka; Schirlbauer, Alfred: Pädagogisches Glossar der Gegenwart, 2. Aufl. Wien: Löcker, S. 79–87.
  • Heim, Tino (2017): Die Selbstverunmöglichung des »Ohne-Angst-Verschieden-Seins«. In: kultuRRevolution Jg. 2017, Heft 73, S. 22–30.
  • Knobloch, Clemens (2015): Wie man öffentlich über Inklusion spricht (und was man daraus schließen kann). In: Müller, Albrecht; Lieb, Wolfgang (Hrsg.): Nachdenkseiten. Online unter: http://www.nachdenkseiten.de/?p=24597 ; Zugriff: 29.05.2015.
  • Holly, Werner (2009): Gemeinschaft ohne Solidarität: Zur paradoxen Grundstruktur der „Du bist Deutschland“-Kampagne. In: Habscheid, Stephan; Knobloch, Clemens (Hrsg.): Einigkeitsdiskurse. Zur Inszenierung von Konsens in organisationaler und öffentlicher Kommunikation. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften / GWV Fachverlage GmbH Wiesbaden, S. 154–175.
  • Michaels, Walter B. [2012] (2021): Der Trubel um Diversität. Berlin: Klaus Bittermann. 
  • Pries, Ludger (2013): Zusammenhalt durch Vielfalt. Bindungskräfte der Vergesellschaftung im 21. Jahrhundert. Wiesbaden: Springer VS.
  • Universität Siegen (2026): Diversity. Zukunft menschlich gestalten – Vielfalt erhalten. Online unter: https://www.uni-siegen.de/diversity ; Zugriff: 08.05.2026.
  • Zizek, Slavoj (2005): Die politische Suspension des Ethnischen. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.

 Abbildungsverzeichnis

Zitiervorschlag

Knobloch, Clemens (2026): Diversität/Vielfalt. In: Diskursmonitor. Glossar zur strategischen Kommunikation in öffentlichen Diskursen. Hg. von der Forschungsgruppe Diskursmonitor und Diskursintervention. Veröffentlicht am 31.08.2026. Online unter: https://diskursmonitor.de/glossar/diversitaet.

DiskursGlossar

Grundbegriffe

Akteur

Als Akteur oder Diskursakteur werden in der Diskursforschung meist Gruppen oder Grup-penstellvertreter verstanden, die mit kommunikativen Mitteln in der Öffentlichkeit versuchen, ihre Deutungen und Ressourcenansprüche gegen Rivalen durchzusetzen.

Diskursfigur

Diskursfiguren – wie der Held oder der Experte, das Genie, der Gefährder, Gutmensch, Nerd oder Psychopath – sind im medial-politischen Diskurs konstruierte und verbreitete Vorstellungen von Handlungsträgern, die stereotyp mit bestimmten Eigenschaften assoziiert werden. Sie erhalten durch musterhaften Sprachgebrauch, aber auch durch bildhafte Darstellungen eine kommunizierbare, wiedererkennbare Kontur.

Repräsentative Anekdote

Repräsentative Anekdote bezeichnet ein modellhaftes Kurznarrativ, das in Theorien, Weltanschauungen und komplexen Erklärungen selektiv reproduziert wird. So ist z.B. das „survival of the fittest“ (‚die Stärksten überleben‘) die repräsentative Anekdote, die in allen darwinistischen, sozialdarwinistischen und neodarwinistischen Theorien und Deutungsmustern als Modell dient und variabel ausgearbeitet wird.

Begriffsgeschichte

Die Begriffsgeschichte lässt sich allgemein als eine historische Methode beschreiben, die den zeitlichen Wandel der Bedeutungen von bestimmten Ausdrücken untersucht. Da einzelne Worte nie isoliert begegnen und ihre jeweiligen Bedeutungen erst im Kontext größerer sprachlicher Zusammenhänge oder semantischer Felder greifbar werden, verbindet sie sich flexibel mit anderen Methoden historischer Semantik, wie etwa der Diskursgeschichte, der Argumentationsgeschichte oder der Metaphernforschung (Metaphorologie).

Diskurssemantische Verschiebung

Mit dem Begriff der diskurssemantischen Verschiebung wird in der Diskursforschung ein Wandel in der öffentlichen Sprache und Kommunikation verstanden, der auf mittel- oder län-gerfristige Veränderung des Denkens, Handelns und/oder Fühlens größerer Gesellschafts-gruppen hinweist.

Domäne

Der Begriff der Domäne ist aus der soziologisch orientierten Sprachforschung in die Diskursforschung übernommen worden. Hier wird der Begriff dafür verwendet, um Muster im Sprachgebrauch und kollektiven Denken von sozialen Gruppen nach situationsübergreifenden Tätigkeitsbereichen zu sortieren.

Ideologie

Der Begriff Ideologie weist im Wesentlichen drei unterschiedliche Bedeutungen auf: Erstens kann er ein trügerisches, realitätsfernes oder dogmatisches Denken bezeichnen; so eignet er sich auch als Schlagwort bzw. politischer Kampfbegriff. Zweitens kann er auf eine sozial bedingte Weltanschauung oder ein umfassendes Ideen- und Wertesystem verweisen. Drittens kann mit Ideologie ein politisches Programm gemeint sein, welches Vorstellungen über gesellschaftliche Ordnung sowie Ziele für politisches Handeln beinhaltet.

Positionieren

Positionieren ist Grundbestandteil menschlicher Kommunikation. Wann immer wir miteinander interagieren und kommunizieren, bringen wir uns selbst, andere und die Objekte, über die wir sprechen, in bestimmte Relationen zueinander.

Deutungsmuster

Unter einem Deutungsmuster wird die problem- und lösungsbezogene Interpretation gesellschaftlicher und politischer Tatbestände verstanden, die Aussicht auf Akzeptanz in sozialen Gruppen hat. Der Begriff des Deutungsmusters hat Ähnlichkeit mit den Begriffen der Theorie und Ideologie. Meist werden gesellschaftlich verbreitete Leitdeutungen, die oft mit Schlagwörtern und Argumentationsmustern einhergehen (wie Globalisierung, Kapitalismus, Leistungsgesellschaft, Chancengleichheit etc.) als Beispiele für Deutungsmuster genannt.

Sinnformel

‚Wer sind wir? Woher kommen, wo stehen und wohin gehen wir? Wozu leben wir?‘ Auf diese und ähnliche existentielle Fragen geben Sinnformeln kondensierte Antworten, die in privaten wie sozialen Situationen Halt und Argumenten in politischen und medialen Debatten einen sicheren Unterbau geben können.

Techniken

Whataboutism

Whataboutism (auch Whataboutismus) bezeichnet zum einen eine rhetorische Praktik, zum anderen wird der Ausdruck als Schlagwort verwendet.
Als Praktik zielt Whataboutism darauf ab, von Kritik oder von einem unerwünschten Thema abzulenken – typischerweise durch einen Gegenverweis auf einen anderen Sachverhalt, einen anderen Akteur oder einen anderen Kontext. Dabei ist die Grenze zu legitimen Vergleichen und Rückfragen fließend und regelmäßig Gegenstand diskursiver Aushandlung.

Politische Rede

Politische Reden sind schriftlich konzipierte oder verfasste, mündlich und monologisch vorgetragene Texte mittlerer Länge von einigen Minuten bis zu mehr als einer Stunde. Der Vortrag muss durch eine Person erfolgen, die erkennbar in politisches Handeln eingebunden ist. Politische Rede soll sowohl informieren als auch die Meinungsbildung beeinflussen.

Korruption

Korruption wird zum einen als Fachbegriff (Recht, Wissenschaft) verwendet und verweist auf ein Gebiet des Strafrechts und damit auf einen Teil des gesellschaftlichen Normensystems, das Delikte in Kontaktzonen von Politik und Ökonomie definiert.

Beschriftete Waffen

Das Betexten von Waffen, speziell Projektilen wie Schleuderbleien, Kanonenkugeln oder Bomben, mit an die Feindgruppe gerichteten Botschaften (Sarkasmus, Beleidigungen, Todeswünsche u. ä.) ist eine Praktik, die sich bis in die römische Antike zurückverfolgen lässt. Sie dient der Identifikation der Eigengruppe (Truppe oder Gefolgsleute) mit dem Ziel, die Moral vor einem Kampfansatz zu heben (emotional-psychologische Bewältigungsstrategie) sowie Gelassenheit und Siegesgewissheit propagandistisch gegenüber der Eigen- und Fremdgruppe zu inszenieren.

Zitieren

Zitieren bezeichnet die Wiedergabe ausgewählter Text(teil)e in unterschiedlichen Kommunikationskontexten wie Alltag, Wissenschaft, Journalismus und Politik. Grundsätzlich kann Zitieren der möglichst wertneutralen Wiedergabe bzw. Verweisung auf fremde Aussagen dienen, aber auch zur strategischen Positionierung eingesetzt werden. Auch in wissenschaftlichen Texten erfüllt das Zitieren neben der formal korrekten Bezugnahme auf fremde Aussagen u.a. argumentationsstützende Funktionen.

AI-Washing/KI-Washing

Unter AI-Washing ist die Praxis von Unternehmen oder Organisationen zu verstehen, Produkte, Dienstleistungen oder Geschäftsmodelle mit dem Etikett „Künstliche Intelligenz“ (KI bzw. „Artificial Intelligence“ (AI)) zu versehen, obwohl deren tatsächlicher Einsatz von KI-Technologien entweder stark übertrieben, nur marginal vorhanden oder überhaupt nicht gegeben ist.

Dogwhistle

Unter Dogwhistle wird in Teilen der Forschung eine doppeldeutige Äußerung verstanden, die eine offene und eine verdeckte Botschaft an jeweils eine Zuhörerschaft kommuniziert.

Demonstrieren

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Boykottaufruf

Der Boykottaufruf ist eine Maßnahme, die darauf abzielt, ein Ziel, also meist eine Verhaltensänderung des Boykottierten, hervorzurufen, indem zu einem Abbruch etwa der wirtschaftlichen oder sozialen Beziehungen zu diesem aufgefordert wird.

Tabuisieren

Das Wort Tabuisierung bezeichnet die Praxis, etwas Unerwünschtes, Anstößiges oder Peinliches unsichtbar zu machen oder als nicht akzeptabel zu markieren. Das Tabuisierte gilt dann moralisch als unsagbar, unzeigbar oder unmachbar.

Schlagwörter

Meinungsfreiheit

Meinungsfreiheit ist ein positiv konnotiertes Schlagwort. Das im Schlagwort kondensierte Pro-gramm wird allgemein zustimmend propagiert oder eingefordert, ohne dass immer verdeutlicht wird, welche Ausgestaltung von Meinungsfreiheit zugrunde liegt. Aufgrund dieser allgemeinen Zu-stimmung kann Meinungsfreiheit als Hochwertwort kategorisiert werden: In der öffentlichen Debat-te gibt es keine wahrnehmbaren Stimmen, die sich gegen Meinungsfreiheit (in dieser unbestimm-ten Form) aussprechen.

Brückentechnologie

Ganz allgemein wird unter dem Schlagwort der Brückentechnologie sowohl in den öffentlichen Medien als auch in technisch und wirtschaftlich dominierten Kontexten eine Technologie verstanden, die zeitlich befristet eingesetzt werden soll, bevor in Zukunft der Übergang zu einer als sinnvoller eingeschätzten anderen Technologie möglich ist.

Deindustrialisierung

Der Ausdruck Deindustrialisierung (auch De-Industrialisierung oder als Verb deindustrialisieren) beschreibt im öffentlichen Sprachgebrauch eine negativ bewertete Form des Strukturwandels durch Rückgang von produzierendem Gewerbe.

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit als ein Schlagwort des öffentlichen Diskurses bezieht sich ganz allgemein auf einen ressourcenschonenderen Umgang mit dem, was uns Menschen der Planet Erde bietet, mit dem Ziel, dass auch nachfolgende Generationen noch die Möglichkeit haben, ähnlich gut zu leben wie wir heute (Generationengerechtigkeit).

Echokammer

Der Begriff der Echokammer steht in seiner heutigen Verwendung vor allem im Zusammenhang mit der Nutzung Sozialer Medien. Er verweist metaphorisch auf einen digitalen Kommunikations- und Resonanzraum, in dem Mediennutzer*innen lediglich Inhalten begegnen, die ihre eigenen, bereits bestehenden Ansichten bestätigen, während abweichende Perspektiven und Meinungen ausgeblendet bzw. abgelehnt werden.

Relativieren

Der Ausdruck relativieren besitzt zwei zentrale Bedeutungsvarianten: In bildungssprachlichen und wissenschaftlichen Kontexten bezeichnet er eine analytische Praxis, bei der Aussagen, Begriffe oder Phänomene durch Bezugnahme auf andere Sachverhalte eingeordnet, differen-ziert und in ihrer Geltung präzisiert werden.

Massendemokratie

Geprägt wurde der Begriff Massendemokratie im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts von völkisch-konservativen Akteuren (prominent darunter Carl Schmitt 1926). Der Ausdruck Masse hatte damals bei den bürgerlichen Eliten eine rundum bedrohliche Assoziation.

Social Bots

Als Social Bots werden Computerprogramme bezeichnet, die in der Lage sind, in sozialen Medien Kommunikation menschlicher Nutzer*innen (teilweise) automatisiert nachzuahmen.

Kriegsmüdigkeit

Der Ausdruck Kriegsmüdigkeit bezeichnet die emotionale und physische Erschöpfung von Menschen, die einen Krieg erleben, sowie die gesellschaftliche und politische Ermüdung angesichts langanhaltender Konflikte. Er beschreibt den sinkenden Kampfeswillen bei Kriegsparteien und heute wird er auch für das wachsende Desinteresse an Kriegsthemen in Medien und Öffentlichkeit genutzt.

Woke

Der Ausdruck woke stammt aus dem afroamerikanischen Englisch und bezeichnete dort zunächst den Bewusstseinszustand der Aufgeklärtheit über die Verbreitung von rassistischen Vorurteilen und Diskriminierung unter Angehörigen ethnischer Minderheiten.

Verschiebungen

Dehumanisierung

Mit Dehumanisierung bzw. Anthropomorphisierung werden solche kommunikativen Techniken und Praktiken bezeichnet, die Personen, Sachverhalten oder Gegenständen menschliche Eigenschaften ab- bzw. zusprechen. Dehumanisierung und Anthropomorphisierung können sowohl durch sprachliche Mittel als auch durch andere, z. B. bildliche, Zeichen vollzogen werden.

Kriminalisierung

Kriminalität meint ein Verhalten, das gegen ein Gesetz verstößt. Folglich bedeutet Kriminalisierung im engeren Sinne den Vorgang, durch den Verhalten ungesetzlich gemacht wird – indem Gesetze geschaffen werden.

Versicherheitlichung

In akademischen Kontexten wird Versicherheitlichung in Abgrenzung zu einem naiv-realistischen Sicherheitsverständnis verwendet. Dieses betrachtet Sicherheit als einen universell erstrebenswerten und objektiv feststellbaren Zustand, dessen Abwesenheit auf das Handeln von Akteuren zurückzuführen ist, die feindselig, kriminell, unverantwortlich oder zumindest fahrlässig agieren.

Ökonomisierung

Ökonomisierung wird in gegenwärtigen Diskursen in der Regel zur Bezeichnung von Prozessen verwendet, in denen die spezifisch wirtschaftlichen Funktions-Elemente wie Markt, Wettbewerb/Konkurrenz, Kosten-Nutzen-Kalküle, Effizienz, Gewinnorientierung in Bereiche übertragen werden, die zuvor teilweise oder ganz nach anderen Leitkriterien ausgerichtet waren

Moralisierung

Moralisierung verlagert Macht- und Interessenkonflikte in die Sphäre der Kommunikation von Achtung / Missachtung. Sie reduziert Ambivalenz zugunsten einer Polarisierung von gut und böse.

Konstellationen

Krise

Krise ist vom Wort mit fachsprachlicher Bedeutung zur Zeitdiagnose und einem zentralen Begriff der öffentlich-politischen Kommunikation geworden. Der öffentlich-politische Krisenbegriff ist dabei – unabhängig vom Gegenstand der Krise – in eine krisendiskurstypische Konstellation zur Begründung von krisenüberwindenden Handlungen eingebettet.

Partizipatorischer Diskurs

Partizipation ist mittlerweile von der Forderung benachteiligter Personen und Gruppen nach mehr Beteiligung in der demokratischen Gesellschaft zu einem Begriff der Institutionen selbst geworden: Kein Programm, keine Bewilligung mehr, ohne dass bestimmte Gruppen oder Personen dazu aufgefordert werden, für (mehr) Partizipation zu sorgen.

Skandal

Die Diskurskonstellation des Skandals zeichnet sich durch eine in den Medien aufgegriffene (bzw. durch sie erst hervorgerufene) empörte Reaktion eines erheblichen Teils der Bevölkerung auf einen tatsächlichen oder vermeintlichen Missstand aus. Die schuldhafte Verursachung dieses Missstandes wird dabei einem gesellschaftlichen Akteur zugeschrieben, dessen Handeln als ‚unmoralisch‘ gedeutet wird.

DiskursReview

Review-Artikel

„Clan“

Versuche, politische Gegner durch Behauptung von „Nähe zu“ Kriminellen in Misskredit zu bringen, haben eine lange Tradition.

„Antisemitismus“ / „Antisemit“

Die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Nahost-Konflikt hat den Ausdruck „Antisemitismus“ (bzw. „antisemitisch“ und „Antisemit“) zum Gegenstand von Deutungskämpfen gemacht. Dabei konkurrieren Versuche, den Ausdruck fachlich zu definieren, mit Versuchen politischer Instrumentalisierung.

„kapitalgedeckt“ – Eine Perle der Finanz-Propaganda

Ungeachtet der Finanzkrise 2008 und regelmäßiger „Finanzskandale“ wie „Cum-Ex“, Wirecard und ähnlichen, wird im politischen Raum, angeblich wegen, tatsächlich aber z u r Schwächung der staatlichen Sicherungssysteme verstärkt auf private Vorsorge gesetzt.

Tagung 2027: Politisches Lobbying

Sprache und Lobbyismus- Strategische Kommunikation in Politik und Medien Tagung der Forschungsgruppe Diskursmonitor Tagung: 10. und 11. Juni 2027  |  Ort: Universität Siegen [Map]Kontakt: Prof. Dr. Friedemann Vogel, Joline Schmallenbach Call for Papers: 31.10.2026...

Der Totalverweigerer – Anmerkungen zu einer Diskursfigur der Feindbildproduktion im Sicherheits- und Sozialdiskurs

Die Bezeichnung Totalverweigerer wurde ursprünglich in den späten 70er Jahren im Rahmen der Auseinandersetzungen um die Inanspruchnahme des Rechtes auf Kriegsdienstverweigerung nach § 4.3 GG verwendet. Mit diesem Ausdruck wurden junge Männer stigmatisiert, die nicht nur den Wehrdienst, sondern auch den (längeren) zivilen „Ersatzdienst“ (später „Zivildienst“) verweigerten und damit, wie auch nicht-anerkannte Kriegsdienstverweigerer, Haftstrafen riskierten…

Memes als moderne Propaganda – Eine sprach- und medienkritische Untersuchung

Digitale Kommunikationsformen prägen heutige gesellschaftliche Debatten weitaus stärker als die klassischen Medien. Ihr Einfluss auf die politische Meinungsbildung und die Ausbildung ideologischer Positionen ist inzwischen unverkennbar und zählt zu den markantesten Entwicklungen der digitalen Gegenwart. Besonders hervorzuheben sind Memes: Sie verbreiten sich schnell, arbeiten mit humoristischen Mitteln und verdichten komplexe Inhalte auf ein Minimum an Zeichen. In öffentlichen Diskursen werden sie daher nicht mehr als spielerisches Internetphänomen betrachtet, sondern als ernstzunehmendes Instrument politischer Kommunikation und den damit einhergehenden propagandistischen Strategien.

Zeitalter der Polykrisen – Was sagt die Polykrise über die Gegenwart und Zukunft?

Beim Durchscrollen der Tagesschlagzeilen ist einem in den letzten Jahr wahrscheinlich der Ausdruck Polykrise ins Blickfeld geraten. Solche Schlagzeilen in deutschsprachigen Medien lauten beispielsweise (1) „Klimawandel, Krieg in der Ukraine, Abstiegsängste – die Welt ist aus den Fugen geraten: Drei Bücher zeigen Wege aus der Polykrise“ (Friedl 2026); (2) „Kritische Psychotherapie: Psychotherapie in der Polykrise“ (Dicks 2026); (3) „Optimismus in der Polykrise“ (Kolev 2025); (4) „Was tun gegen die …

„Genderwahn“ als sprachkritische Abwertung: Eine kritische Betrachtung

„Die Debatte über Gendern und Nicht-Gendern kann ich schon nicht mehr hören. Soll es doch jeder machen, wie er es selbst will.“ Dieses Zitat äußert der ehemalige Bundeskanzler Olaf Scholz im Rahmen der Feier zugunsten des Grundgesetzes, welches im Jahre 2024 den 75. Geburtstag feierte (vgl. Steinkohl et al. 2024). Deutlich wird hierbei, dass die Thematik rund um das Gendern in der Politik aufgefasst wird. Allerdings wird gleichzeitig deutlich, dass die Debatte in der Öffentlichkeit stark kritisiert …