DiskursGlossar

Inklusion

Kategorie: Grundbegriffe
Verwandte Ausdrücke:
Anerkennung, (Recht auf) Teilnahme, Teilhabe, Exklusion, Ausschließung, Diskriminierung
Siehe auch: Partizipatorischer Diskurs, Moralisierung
Autor: Clemens Knobloch
Version: 1.0 / 24.05.2020

Kurzzusammenfassung

Inklusion hat sich, ausgehend von einem soziologischen Fachterminus gleichen Namens, in den zwei vergangenen Jahrzehnten zu einem interdiskursiven und allgemeinen Programmbegriff gewandelt. Er steht für die Forderung, reale und symbolische Zugangsbarrieren für Angehörige diskriminierter Gruppen und Minderheiten abzubauen. Im Schulsystem ist der Inklusionsanspruch verrechtlicht: Eltern haben das Recht, Kinder mit Förderbedarf (wegen körperlicher, psychischer, sozialer und sonstiger Lernbehinderungen) im allgemeinen Schulsystem anzumelden. Im weiteren Sinne bezieht sich Inklusion auf die verbale und institutionelle Einbeziehung ehedem stigmatisierter und minderheitlicher Gruppen (sexuelle Minderheiten, Behinderte, Kinder, Migranten etc.) in die gesellschaftlichen Normalinstitutionen.

Erweiterte Begriffsklärung

​Der Anspruch auf Teilhabe aller wird in der Regel öffentlich begründet mit der UN-Behindertenrechtskonvention von 2006 (von der deutschen Bundesregierung 2009 ratifiziert). Vor diesem Hintergrund gilt Inklusion als menschenrechtlicher Anspruch. Das verleiht dem Fahnenwort Inklusion moralische und juristische Schubkraft. Prominent ist die pädagogische Sphäre. Die meisten Menschen denken bei Inklusion zuerst an das Elternrecht, Kinder mit (psychischen, körperlichen, sozialen, sprachlichen, lernpsychologischen….) Behinderungen im allgemeinen Schulsystem ausbilden zu lassen. Danach aber auch an das Teilnahmerecht aller marginalisierten Minderheiten an den Zusammenhängen und Veranstaltungen der (normalistischen) Mehrheit. Unter Inklusion fallen aber auch andere Sphären der demonstrativen Zugangserleichterung für Gruppen, die zuvor als diskriminiert kodiert worden sind. Etwa ,leichte Sprache‘ für Parteiprogramme, Nachrichten, Behördenpost, barrierefreie Zugänge für Rollstuhlfahrer, Gestendolmetscher für Gehörlose bei öffentlichen Veranstaltungen etc. Auch Themen wie ,Wahlrecht für Kinder‘ werden unter Inklusion abgehandelt

In der Zwischenzeit hat sich um den Inklusionsbegriff herum ein Umfeld von Image-, PR- und Selbstdarstellungsinstitutionen etabliert. Betriebe installieren Inklusionsbeauftrage, Hochschulen veranstalten Inklusionstage. Inklusion wird Überschrift und Zusammenfassung für alle Aktivitäten, durch die sich Betriebe, Behörden und andere Institutionen ein weltoffenes moralisches Image beizulegen versuchen.

Inklusion hat enge implikative Beziehungen zum Programmbegriff ,Diversität/Vielfalt‘. Aufgerufen wird in Inklusionsappellen immer der Leitgedanke, dass die Verschiedenheit innerhalb einer kollektiven Wirgruppe eine Produktivkraft sei, die für bessere Lösungen sorgen könne. Wirksam ist hier das Modell der Biodiversität, das (vereinfacht) besagt: Je mehr (in der Biologie: genetische) Optionen in einer Nische zur Auswahl stehen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass Innovatives, Überlebenstaugliches etc. dabei ist.

War der ursprüngliche soziologische Fachterminus logisch-systematisch, so ist die interdiskursive Programmversion von Inklusion eher ein moralischer Anspruch, der den analytischen Anspruch umkehrt, in sein Gegenteil verwandelt. Für die soziologische Systemperspektive gilt: Inkludiert sind in ein Funktionssystem (Recht, Wirtschaft, Wissenschaft etc.)  alle systemrelevanten Handlungen. Und insofern die Handlung eines Teilnehmers zum Rechts- oder Wirtschaftssystem gerechnet werden muss, kann und darf man keine Eigenschaften in Anspruch nehmen, die zu einem anderen funktionalen System gehören. Was juristisch ,geht‘, braucht moralisch nicht makellos zu sein und umgekehrt. Im Rechtssystem wird alles binär kodiert auf zulässig/unzulässig, im Wissenschaftssystem auf wahr/falsch. Wer also in seiner Praxis als Wissenschaftler für sich in Anspruch nehmen wollte, dass seine Befunde nicht nur ,wahr‘, sondern auch ,gut‘ seien, der hätte sich einer Entgleisung schuldig gemacht. Der interdiskursiv moralisierte Programmbegriff gleichen Namens macht diese Entgleisung zur Norm. Die Leistungsansprüche des Gymnasiums schließen schwache, behinderte, intellektuell wenig leistungsfähige Schüler aus? In der soziologischen Perspektive wäre das ein Beleg für ihre Inklusivität. Denn Inklusivität bedeutet: Alleinige Berücksichtigung derjenigen Kriterien, die für die Systemzugehörigkeit einer Handlung relevant sind – und Ignorieren aller anderen, systemfremden Kriterien. Der programmatisch-interdiskursive Begriff der Inklusion ist also Aufhebung und Gegenteil des gleichnamigen soziologischen Fachterminus. Er fordert, was die Systemsoziologie grundsätzlich ausschließt: dass ganze Personen in die funktional differenzierten Teilsysteme aufgenommen werden sollen – und nicht nur Handlungen. Für die Systemsoziologie gehören wir als Personen zur ,Umwelt‘ der funktional differenzierten Systeme und nehmen an diesen nur durch einschlägige Handlungen teil

Das Fahnenwort Inklusion formuliert einen grundsätzlich individuellen Anspruch: Jeder Einzelne hat das Recht auf Teilhabe an Bildung, Kultur, Normalität etc. (vgl. Nassehi 2003, 331-352). Das Fahnenwort taugt aber auch dazu, eine moralisierte Wir-Gemeinschaft derjenigen Menschen zu bilden, die niemanden von den Segnungen der Normalität ausschließen wollen. In der medienöffentlichen Debatte hat das zur Folge, dass Kritiker der Inklusionspraktiken befürchten müssen, als behinderten- oder minderheitenfeindlich dargestellt zu werden. Die Inklusionsdebatte ist eine hochgradig moralisierte Debatte. In der Pädagogik löst Inklusion als Paradigma den alten Leitbegriff Integration ab, erbt aber dessen Paradoxien in verschärfter Form (vgl. Dammer 2011, 5-30). Wenn es in allen Zusammenhängen selbstverständlich ist, dass alle dazugehören sollen und dürfen, dann werden vor allem die Grenzen der Inklusion unsichtbar gemacht. Zweifellos gehören nämlich die Minderheiten nicht dazu, die gar nicht als solche anerkannt sind oder nicht dazu gehören wollen. Niemand fordert die Inklusion von Dschihadisten oder Rechtspopulisten. Auch die Armen begegnen einem nicht im Inklusionsdiskurs. Sie sind keine anerkannte Minderheit mit Opferstatus. So gesehen ist Inklusion ein ,pseudouniversalistisches‘ Programm, das die Wohlhabenden und Wohlmeinenden installieren, um Zustimmung bei denjenigen zu erzeugen, die sich lieber den Gewinnern der globalen Marktwirtschaft  zurechnen als den Verlierern. Inklusion zielt auf den ,Normalbereich‘. Die Attraktivität und Reichweite dieses Programms schrumpft daher, sobald sich auch erhebliche Teile der ,Normalbevölkerung‘ entrechtet und ausgeschlossen fühlen, die sich in den Inklusionsformeln der Wohlmeinenden nicht wiedererkennen und wiederfinden. Eine gebräuchliche Gegenstrategie besteht also darin, die ,Normalbevölkerung‘ zum eigentlichen, aber eben nicht anerkannten Opfer zu erklären.

Hochgehalten wird das Inklusionsprogramm sowohl von Moralagenturen innerhalb und außerhalb des Bildungssystems (allen voran die Aktion Mensch) als auch von progressiv-liberalen Medien, Parteien, Organisationen. Misst man das Programm der Inklusion an den wuchernden Praktiken der harten sozial-ökonomischen Exklusion (von ,gated communities‘ über gentrifizierte Wohnviertel, private Bildungseinrichtungen bis zu unbezahlbaren Mieten und wachsender Obdachlosigkeit), dann wirkt es wie der Versuch, sich trotzdem, per weicher Inklusion, ein gutes Gewissen zu verschaffen. Jedes inkludierte Individuum wirkt dann als lebendiger Beweis dafür, dass jeder es schaffen kann dazuzugehören.

Beispiele

Am meisten öffentliche Aufmerksamkeit für Inklusionsfragen gibt es im Bereich der schulischen Inklusion. Durch die werden allgemeinbildenden Schulen verpflichtet (mit erheblichen Unterschieden im Detail, je nach Bundesland), Kinder aufzunehmen und zu unterrichten, die nach bisherigen Kriterien ,Förderbedarf‘ haben und zuvor an speziellen Schulen (,für Kinder mit Förderbedarf‘) von speziell ausgebildeten Lehrkräften unterrichtet wurden. In der Regel können Eltern übergangsweise entscheiden, ob sie ihre Kinder auf allgemeine Schulen oder auf Förderschulen schicken. Erklärtes Ziel ist aber meist die Auflösung der Förderschulen. Die müssen dann von helfenden auf ausschließende und diskriminierende Institutionen umkodiert werden.

Jeder nüchterne Betrachter wird hinter der erklärten guten Inklusionsabsicht das Ziel sehen, das differenzierte System der Förderschulen (und die kostspielige Ausbildung spezialisierter Förderschullehrer) einzusparen. Das Inklusionsprogramm bietet die einmalige Chance dazu, weil jeder Kritiker als behindertenfeindlich moralisch diskreditiert werden kann.

Der Nachdruck, mit dem die Propagandisten der Bildungsprivatisierung (allen voran die Bertelsmann Stiftung) das Programm der schulischen Inklusion vorantreiben (vgl. Klemm 2013), spricht Bände: Sie wissen, dass die Pflicht, Kinder mit diversen Lernbehinderungen, psychischen Problemen, sprachlichen und sozialen Schwierigkeiten etc. in allgemeine Schulen und Klassen aufzunehmen, das System der öffentlichen Schulbildung weiter diskreditieren und schwächen (und die Nachfrage nach privaten Bildungsinstitutionen stärken) wird (vgl. Knobloch 2018, 191-210). Das individuell erstreitbare Recht, eine allgemeine Hauptschule (anstatt einer Förderschule) zu besuchen, trifft auf eine Institution, die von der ,Normalbevölkerung‘ selbst bereits als stigmatisierend und ausschließend erfahren wird. Das individuell erstreitbare Recht, ein Gymnasium zu besuchen, dessen Leistungsziel (Abitur) nicht erreicht werden kann (man spricht dann von ,zieldifferenter‘ Inklusion), versetzt denjenigen, der es erstritten hat, in ein Umfeld, mit dem er nicht mithalten kann.

Literatur

  • Dammer, Karl-Heinz (2011): All inclusive? oder: Dabei sein ist alles? Ein Versuch, die Konjunktur des Inklusionsbegriffs in der Pädagogik zu verstehen. In: Pädagogische Korrespondenz  43, 5-30 – URN: urn:nbn:de:0111-opus-88224.
  • Knobloch, Clemens (2018): Wie man öffentlich über Inklusion spricht (und was man daraus schließen kann). In ders.: Das sogenannte Gute. Zur Selbstmoralisierung der Meinungsmacht. Siegen: universi, 191-210.
  • Klemm, Klaus (2013): Inklusion in Deutschland – eine bildungsstatistische Analyse (im Auftrag der Bertelsmann Stiftung). Gütersloh: Bertelsmann.
  • Nassehi, Armin (2003): Inklusion. Von der Ansprechbarkeit zur Anspruchsberechtigung. In: Lessenich, Stephan (Hrsg.): Wohlfahrtssprachliche Grundbegriffe. Historische und aktuelle Diskurse. Frankfurt a.M.: Campus, 331-352.

Zitiervorschlag

Knobloch, Clemens (2020): Inklusion. In: Diskursmonitor. Glossar zur strategischen Kommunikation in öffentlichen Diskursen. Hg. von der Forschungsgruppe Diskursmonitor und Diskursintervention. Veröffentlicht am 23.05.2020. Online unter: https://diskursmonitor.de/glossar/inklusion.

 

Grundbegriffe

Sprachpolitik / Sprachenpolitik

Sprachpolitik bezeichnet allgemein alle politischen Prozesse, die auf eine Beeinflussung der Sprachverwendung in einer Gesellschaft oder Sprachgemeinschaft abzielen. Unterschieden wird häufig zwischen Sprachenpolitik und Sprachpolitik im engeren Sinne.

Sagbarkeit

Im öffentlichen Diskurs findet sich häufig die strategische Behauptung, dass bestimmte Fakten oder Meinungen unsagbar seien. Auf diese Weise wird zum Ausdruck gebracht, dass es Grenzen des Sagbaren gebe, die im öffentlichen Diskurs Geltung hätten.

Kulturelle Grammatik

Kulturelle Grammatik steht für ein System von Regeln und/oder etablierten Regelmäßigkeiten, die Formen richtiger und/oder normaler Kommunikation und Interaktion auszeichnen.

Epistemischer Status

Als epistemischen Status bezeichnet man die Wissensbestände und -zugänge zu Ereignissen, Sachverhalten und Personen, die Gesprächsteilnehmer*innen ihrem Gegenüber in der Interaktion zuschreiben.

Politische Kommunikation

Politische Kommunikation findet überall dort statt, wo Menschen als Teil von sozialen Gruppen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Interessen aufeinandertreffen und über das einzelne Individuum hinaus geltende Regeln des Zusammenlebens aushandeln.

Topos

Ein Topos (Plural: Topoi) ist als ein Argumentationsmuster ein allgemeines Formprinzip, nach dem Argumente gebildet werden können. Als allgemeiner, formaler bzw. kontextabstrakter Topos kann er für oder gegen jede in Frage stehende Position angeführt werden. Topoi gehören zum kollektiven Wissen aller, die sich argumentativ äußern.

Bedeutung

Der Ausdruck Bedeutung wird sowohl in der Alltagssprache als auch in der Fachsprache nicht einheitlich verwendet. Alltagssprachlich wird auf die Bedeutung von etwas – zum Beispiel einem Wort, Gegenstand oder Gesichtsausdruck – verwiesen, wenn dessen Status in der Welt unklar ist (‚was bedeutet es, dass X‘) oder seine Wichtigkeit hervorgehoben werden soll (‚X ist bedeutend‘).

Kollektivsymbol

Zur Kollektivsymbolik einer Kultur rechnet man den gesellschaftlich geteilten Vorrat an sprachlichen, bildlichen, schematischen und anderen Ressourcen, derer sich politische und mediale Akteure bedienen, um Ereignisse und Handlungen für die Allgemeinheit deutbar und verständlich zu machen.

Strategische Kommunikation

Der Ausdruck Strategische Kommunikation bezeichnet ein Bündel an zeichenbasierten und in der Regel mediengestützten Aktivitäten, mit denen Individuen, Gruppen oder Organisationen versuchen, die Akzeptanz für ihre politischen, ökonomischen, rechtlichen oder anderweitig motivierten Interessen bei ausgewählten Zielgruppen zu halten oder zu erhöhen.

Techniken

Petition

Petitionen sind eine der am meisten genutzten Partizipationsformen nach Wahlen. Sie sind sowohl ein Mittel der politischen Beteiligung als auch ein Protestmittel und damit Zwitterwesen in der politischen Landschaft. Durch die Digitalisierung haben sich Petitionen zudem maßgeblich verändert, ihre Zahl hat zugenommen, ebenso wie die Zahl der Plattformen, auf denen sich Petitionen starten lassen.

Influencer / Influencerin

Influencer:innen sind Personen, die auf Social-Media-Plattformen regelmäßig selbst produzierte Inhalte publizieren und damit eine öffentliche Reichweite über ihre Follower:innen aufbauen. Influencer:innen haben das Potenzial, Rezipient:innen in ihrem Wissen, Einstellungen und Verhalten zu beeinflussen (engl. to influence).

Litigation PR

Der Begriff Litigation PR kombiniert das englische Wort litigation, das auf lat. ,lītigātiō‘ zurückgeht und für Rechtsstreitigkeit bzw. (Gerichts )Verfahren/Prozess steht, mit dem bekannten Begriff PR (Public Relations).

Memes

Der Begriff des Internet-Memes fasst eine relativ heterogene Gruppe digitaler – und zumeist multimodaler – Texte zusammen (zum Beispiel Videos, GIFs, Image Macros), die sich durch formale oder inhaltliche Gemeinsamkeiten auszeichnen und durch Imitations- und Aneignungsprozesse verbreiten.

Aufwertung/Meliorisierung

Von Aufwertung/Meliorisierung wird in der Linguistik dann gesprochen, wenn ein Wort, das ursprünglich als Fremdbezeichnung der Diffamierung einer bestimmten Volks- oder Personengruppe diente, von dieser selbst dann als positive Eigenbezeichnung verwendet wird.

Domain-Grabbing

In der Internetkommunikation finden sich verschiedene Praktiken, die aus Sicht von Dritten (v.a. Markenhaltern) als illegitime oder gar rechtswidrige Inanspruchnahme von Domain-Namen und damit verbundener Aufmerksamkeitssteuerung kritisiert werden.

Suchmaschinenoptimierung

Durch Suchmaschinenoptimierung (search engine optimization; SEO) wird versucht, Webseiten so zu verändern, dass sie von Suchmaschinen als besonders relevant betrachtet und entsprechend hoch in den Suchergebnissen gelistet werden.

Search Engine Advertising

Als Search Engine Advertising wird die Werbung auf den Ergebnisseiten von Suchmaschinen bezeichnet. Besondere Merkmale dieser Werbeform sind, dass die Anzeigen kontextbasiert sind und in Textform dargestellt werden.

Organizing

Unter Organizing versteht man ein Bündel von Praktiken, die zur gewerkschaftlichen oder politischen Organisierung bzw. Mobilisierung dienen. Beim methodisch reflektierten Organizing spielen Recherche, Strategieentwicklung, mehr oder minder standardisierte 1:1-Gespräche, Mapping (Erstellung einer Übersicht der Beteiligten im Betrieb oder sonstigen Aktionsfeld) und einiges mehr eine Rolle.

Affirmation

Im sprachwissenschaftlichen Sinne bezeichnet Affirmation die Behauptung oder Bejahung einer Aussage. Die affirmative Form eines Wortes oder Satzes ist das Gegenteil zur Verneinung (Negation).

Schlagwörter

Antisemitismus

Mit Antisemitismus werden gemeinhin alle jene Phänomene bezeichnet, die sich gegen das Judentum oder gegen Jüdinnen*Juden als Jüdinnen*Juden richten. Die entsprechenden Erscheinungen reichen von der bloßen Distanzierung und Behauptung jüdischer Andersartigkeit, über vollständig ausgearbeitete Weltbilder, die Jüdinnen*Juden für sämtliche Probleme verantwortlich machen, bis hin zu massiven Ausgrenzungs-, Verfolgungs- und Gewaltpraktiken.

Grammatiknazi / Grammar Nazi

Das überwiegend negativ konnotierte Schlagwort Grammatiknazi – als Übersetzung von engl. grammar nazi – wird zur Benennung von Personen verwendet, die meist in eher informellen Kontexten der öffentlichen Internetkommunikation (u. a. in Foren, Kommentarbereichen auf Nachrichtenportalen, sozialen Netzwerken) ungefragt Sprachkritik an den Äußerungen anderer (häufig fremder) Kommunikationsteilnehmer*innen üben.

Respekt

Respekt oder respektvolles Verhalten wird eingefordert für die Eigengruppe (bzw. von der Eigengruppe), für wirklich oder vermeintlich diskriminierte Gruppen, für abweichende Meinungen. Mitgemeint ist bei der Forderung nach Respekt meist eine positiv bewertete Szene der (sozialen, kulturellen, ethnischen, sexuellen etc.) Vielfalt/Diversität.

Geschlechtergerechte Sprache

Mit dem heute als Fahnenwort gebrauchten Ausdruck geschlechtergerechte Sprache ist die Forderung verbunden, bei Personenbezeichnungen die einseitige, für diskriminierend erklärte Bezugnahme auf einen bestimmten Sexus, konkret: auf das männliche Geschlecht, zu unterlassen.

Identitätspolitik

Der Ausdruck steht heute für eine politische Konstellation, in der konkurrierende Wir-Gemeinschaften mit einer Diskriminierungs- und Benachteiligungsgeschichte in der Öffentlichkeit um Anerkennung konkurrieren. An der Oberfläche geht es ‚identitären‘ Wir-Gemeinschaften darum, die eigene Diskriminierung als Ermächtigungsmotiv an die Öffentlichkeit zu tragen.

Cancel Culture

Cancel Culture ist ein Kampf- und Stigmawort, das sich in skandalisierender Absicht gegen die Praxis (und oft auch bereits gegen die Forderung) des Absagens, Ausladens, Boykottierens moralisch missliebiger und politisch bekämpfter Personen, Organisationen und Positionen in Wissenschaft, Kultur und Politik wendet.

Elite

Einmal wird unter Elite eine Auswahl der Besten und Leistungsfähigsten verstanden, einmal in distanzierender Weise eine abgehobene ‚Kaste‘ der Reichen und Mächtigen im Gegensatz zum Volk. Erstere Variante wird in der Regel zur Verteidigung der etablierten Ordnung verwendet, letztere vor allem von Rechtspopulisten.

Altpartei

Der Ausdruck Altpartei wird in jüngerer Zeit häufig im Kontext des Aufstiegs des Rechtspopulismus und der AfD gebraucht. Dabei lassen sich hauptsächlich zwei Gebrauchsvarianten beobachten: Einerseits richtet sich der Ausdruck in abwertender Weise gegen etablierte Parteien, andererseits taucht er oft in sprachkritischen Kontexten auf, wo seine Verwendung und seine Sprecher kritisiert oder diskreditiert werden.

Verschwörungstheorie

Der Ausdruck gibt sich in der medialen Öffentlichkeit als analytisches Konzept, ist aber zugleich performativ hoch wirksam als Ausschluss aller erfolgreich so benannten Konzepte aus der rationalen öffentlichen Kommunikation.

Innovation

Innovation gehört seit den 60er Jahren zu den häufig verwendeten Schlag– bzw. Fahnenwörtern, vor allem in den Feldern von Ökonomie und Politik. Konzepte und Vorhaben mit der Überschrift Innovation werden oft als Sachzwänge dargestellt, gegen die Einwände als nicht legitim erscheinen.

Verschiebungen

Ökonomisierung

Ökonomisierung wird in gegenwärtigen Diskursen in der Regel zur Bezeichnung von Prozessen verwendet, in denen die spezifisch wirtschaftlichen Funktions-Elemente wie Markt, Wettbewerb/Konkurrenz, Kosten-Nutzen-Kalküle, Effizienz, Gewinnorientierung in Bereiche übertragen werden, die zuvor teilweise oder ganz nach anderen Leitkriterien ausgerichtet waren

Moralisierung

Moralisierung verlagert Macht- und Interessenkonflikte in die Sphäre der Kommunikation von Achtung / Missachtung. Sie reduziert Ambivalenz zugunsten einer Polarisierung von gut und böse.

Konstellationen

Skandal

Die Diskurskonstellation des Skandals zeichnet sich durch eine in den Medien aufgegriffene (bzw. durch sie erst hervorgerufene) empörte Reaktion eines erheblichen Teils der Bevölkerung auf einen tatsächlichen oder vermeintlichen Missstand aus. Die schuldhafte Verursachung dieses Missstandes wird dabei einem gesellschaftlichen Akteur zugeschrieben, dessen Handeln als ‚unmoralisch‘ gedeutet wird.