DiskursGlossar

Ökonomisierung

Kategorie: Verschiebungen
Verwandte Ausdrücke:
Kommerzialisierung, Rationalisierung, Kommodifizierung, In-Wert-Setzung, Finanzialisierung
Siehe auch: Moralisierung, Greenwashing
Autorin: Susanna Weber
Version: 1.1 / 22.12.2020

Kurzzusammenfassung

Ökonomisierung, dynamisierte Form von Ökonomie (‚Haushaltsführung‘, abgeleitet von griech. ‚oikos‘: ‚Haushalt und ‚nomos‘: ‚Gesetz‘). Der Ausdruck wird in gegenwärtigen Diskursen in der Regel zur Bezeichnung von Prozessen verwendet, in denen/durch die spezifisch wirtschaftliche Funktions-Elemente wie Markt, Wettbewerb/Konkurrenz, Kosten-Nutzen-Kalküle, Effizienz, Gewinnorientierung und Grundoperationen wie Messen, Zählen, Vergleichen in Bereiche übertragen werden, die zuvor teilweise oder ganz nach anderen Leitkriterien ausgerichtet waren wie z.B. Bildung (Stichwort: ‚Die unternehmerische Hochschule‘) oder Gesundheit.
Historisch sind mit dem Begriff Ökonomisierung grundlegende Prozesse der Rationalisierung bezeichnet worden, d.h. die systematische Gestaltung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse durch effiziente Organisation von Mitteleinsatz und Ertrag.
Von Ökonomisierung wird alltagssprachlich eher in (kapitalismus-)kritischen Diskurskonstellationen gesprochen, bisweilen mit einer Tendenz zum plakativen, schlagwortartigen Gebrauch. Hier wird gerne der für einen Wahlkampf Bill Clintons genutzte Slogan „It´s the economy, stupid“ zitiert.

Erweiterte Begriffsklärung

Ökonomisierung, verstanden als grundlegende Verschiebung von oder in gesellschaftlichen Verhältnissen, ist kein neues Phänomen, sie wird schon in der klassischen politischen Ökonomie des 19. Jahrhunderts (Mill, Ricardo) und von Marx beschrieben. Marx spricht von der „durch den Maschinenbetrieb erst systematisch ausgebildete(n) Ökonomisierung der Produktionsmittel“, die Leben und Gesundheit der Arbeiter verschwende (Marx 1972, 486).
Als Rationalisierung verstand der Nationalökonom und Soziologe Max Weber die Entwicklung des modernen Kapitalismus auf der Grundlage immer effizienterer Zweck-Mittel-Organisation in Form z.B. von Bürokratisierung und Verrechtlichung, begleitet von einem umfassenden Säkularisationsprozess.
Mit Bezug auf den Ökonomen Werner Sombart kann Kommerzialisierung (s.u. auch: Merchandising und Sponsoring) bestimmt werden als ‚Vermarktlichung‘ (vermarkten im Sinne von: ‚handelbar machen‘). Eingeschlossen ist Gewinnerzielung als Zweck und die Vermittlung über Geld. In gegenwärtigen Diskursen wird meist dann von Kommerzialisierung gesprochen, wenn die beschriebenen Prozesse mit ,ideellen‘ Zielsetzungen konkurrieren: Sport als Freizeitbeschäftigung und Gesundheitsvorsorge vs. Sport als Geschäft; Gesundheitswesen als öffentliche Daseinsvorsorge vs. Gesundheitseinrichtungen als Markt.
Als eine der Voraussetzungen für Ökonomisierung bezeichnete der Historiker Karl Polanyi die Kommodifizierung, d.h. die private Aneignung ursprünglich gemeinschaftlich genutzter Naturgegebenheiten (Wald, Weiden) und ihre anschließende Nutzung zur Gewinnerzielung. Daran anknüpfend fasste Elmar Altvater entsprechende Prozesse (auch zeitgenössische) der Verwandlung von öffentlichen Gütern in Waren als Inwertsetzung (vgl. Altvater 2005).
Als historisch jüngste Form von Ökonomisierung lässt sich Finanzialisierung beschreiben, deren drastischste Auswirkungen historisch einer Entwicklungsstufe des Kapitalismus seit den 1970er Jahren zuzuordnen ist, die auch als Neoliberalismus bezeichnet wird. Kern von Finanzialisierung ist, dass Kapitalvermögen ohne jeglichen Bezug auf reale produktive Prozesse erzeugt wird, und zwar über das Börsengeschehen, also Spekulation oder über mathematisch generierte sogenannte Finanzprodukte und -verfahren, die ohne Spezialwissen nicht mehr verständlich sind (vgl. hierzu literarisch eindrücklich [vgl. de Lillo 2003]). Vorausgegangen war die weitgehende De-Regulierung der Finanzmärkte.
Von Kommerzialisierung als Effekt von Ökonomisierungsprozessen lässt sich z.B. beim Sponsoring und in Bezug auf Merchandising sprechen. Sponsoring ist als Praktik dem ,Spenden‘ verwandt, mit dem Unterschied, dass Spenden (jedenfalls dem Anspruch nach) ohne Erwartung einer konkreten Gegenleistung erfolgen, Sponsoring dagegen mit der Erwartung oder dem Anspruch, mindestens reputationsfördernde Erwähnung zu erhalten bis hin zur Mitsprache bei der Mittelverwendung oder weitergehenden Interventionsmöglichkeiten. Sponsoring ist mittlerweile ein regulärer Teil der Öffentlichkeits- und Image-Arbeit vieler Unternehmen, lokal bis global. Zum Teil entstehen existentielle Abhängigkeiten zwischen Sponsor und Empfängern.
Merchandising (Vermarktung) ist ein Element von Kommerzialisierung. Grundlage ist ein in der Regel schon bekannter (Marken-) Name, ein Produkt oder eine Person, deren Reputation genutzt wird, um andere Produkte zu verkaufen, von der mit van Gogh-Motiven bedruckten Bettwäsche über Fan-Artikel wie Club-Schals und -Mützen bis zu Beethoven-Bleistiften oder Kaffeetassen mit lokalen Tourismus-Attraktionen u.v.m. Auch (oder gerade?) nicht-kommerzielle Organisationen nutzen Merchandising-Praktiken, z.B. Museen, Sportvereine, Parteien.

Obwohl umstritten ist, ob Ökonomisierung als Begriff hinreichende analytische Tiefe habe (Tagungsbericht 2018), wird er wissenschaftlich in unterschiedlichen Konzepten verwendet. Der Soziologe Ulrich Bröckling beschreibt zum Beispiel unter dem Begriff der Gouvernementalität (Foucault), die „Generalisierung der ökonomischen Form“, die zu einer „Ökonomisierung des Sozialen“ führe (Bröckling/Krasmann/Lemke 2000). Politisch-strategische Ausprägungen von Ökonomisierung wurden zwischen 2011 und 2014 im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes untersucht, das den Titel „Postdemokratie und Neoliberalismus“ trägt und diskursanalytisch und korpusbasiert große Textmengen daraufhin untersucht, inwieweit sich Ökonomisierungsprozesse (z.B. die Deregulierung der Finanzmärkte oder die Privatisierung ehemals öffentlicher Aufgaben) in der politischen Kommunikation niederschlagen (für das epol-Projekt siehe hier, zu den Ergebnissen dieses Projektes [vgl. Schaal et.al 2014]).

Auf verschiedenen Ebenen situiert, aber dennoch in Zusammenhang stehen Ökonomisierung und Moralisierung, weil diskursive Interventionen auf der Ebene von Moralisierung sich häufig auf Effekte beziehen, die durch reale Entwicklungen im Modus Ökonomisierung hervorgerufen wurden: Diskurse um ,moralischen Konsum‘ (,Kauft keine Produkte, die durch Kinderarbeit erzeugt wurden!‘) oder auch ,Greenwashing‘ (z.B. ,Kompensation‘ von Umweltschädigungen durch Zahlungen, etwa bei Flugreisen) reagieren auf wachsenden Legitimationsbedarf im Rahmen politischer Kommunikation.

Beispiele

1) Ökonomisierung als struktureller Umbau eines bisher staatlich-hoheitlich organisierten Bereiches: Sicherheitsdienstleistungen, auch militärische werden privatisiert, sodass zuvor z.B. polizeiliche Aufgaben auf private Unternehmen übertragen werden: vom Sicherheitsdienst für öffentliche Gebäude über das Betreiben von Gefängnissen (USA, UK) bis hin zur Bewachung von Atomkraftwerken (deutschlandfunk 2016). Oder bislang öffentliche Güter, vor allem Infrastrukturen wie Wasserwerke oder Verkehrswege, werden über ihre Privatisierung als Finanzprodukte umgestaltet und damit den Regeln und Risiken der Finanzmärkte ausgesetzt. Dies geschah z.B. im Rahmen des sogenannten ‚cross-border-leasings‘, bei dem Kommunen Teile ihrer Infrastruktur zunächst an Investoren verleasten, sie auf finanziell intransparenten Wegen zurückleasten und sich darüber für lange Zeit erheblich verschuldeten (vgl. Rügemer 2005).

2) Ökonomisierung als (zunächst) semantischer Umbau: New public management-Konzepte, wie sie seit Jahren v.a. in der öffentlichen Verwaltung und im Gesundheitswesen eingesetzt werden, verändern z.B. Rollen- und Kompetenz-Zuschreibungen. Aus einem Antragsteller/ Patienten wird ein ‚Kunde‘, dem Autonomie (und damit Verantwortlichkeit) und Entscheidungsfähigkeit zugeschrieben werden, die ganz offensichtlich fiktiv sind. Auf der operativen Seite werden Verwaltungsakte oder einzelne medizinische Maßnahmen strikt quantifiziert und monetär bewertet (Fallpauschalen (DRG) in Kliniken). Diese Strategie führt zu öffentlichen Krankenhäusern, die wie private Anbieter als Unternehmen und nach Fallzahlen (möglichst lukrativer medizinischer Eingriffe) bewertet werden, statt nach dem lokalen Bedarf und zu Verwaltungen, deren ‚Ausstoß‘ an Kfz-Zulassungen oder Eintreibung von Bußgeldern ihre Leistungsfähigkeit und ihren Erfolg ausweisen sollen.

3) Ökonomisierung des Privaten als Kalkulation der individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse: Ein einflussreicher theoretischer Beitrag in diesem Zusammenhang ist die so genannte Humankapitaltheorie (Gary Becker und andere), deren Grundmodell das jederzeit nutzenmaximierende und entsprechende Entscheidungen treffende Individuum ist, das ausschließlich in Kosten/Nutzen-Relationen denkt und handelt, sei es eine Beziehung betreffend oder den Kauf eines Autos. Darauf beruhen politische Programme wie der ‚aktivierende Sozialstaat‘ mit der Grundfigur der Ich-AG, die das ,unternehmerische Selbst‘ im Zentrum hat, ebenso wie eine Vielzahl von Kompetenz-orientierten Bildungskonzepten. Grundannahme ist: Jeder bewirtschaftet sein höchst individuelles ,Kapital‘ und bringt es auf den Markt. Das Mindeste, das jeder zur Verfügung hat, ist seine Lebens- und Konsumzeit, und es gibt nichts, das sich nicht ,optimieren‘ ließe: freie Zeit ist nicht Zeit der Muße, sondern soll als ‚quality time‘ optimiert werden, körperliche Aktivitäten haben nur Wert, wenn sie gemessen und verglichen werden (durch fitness-tracker etc.). Bildung wird grundsätzlich als Investition in Humankapital betrachtet, unterliegt also jederzeit der Kosten/Nutzen-Abwägung und soll möglichst hohe (monetäre) Renditen erbringen.

Literatur

Zitierte Literatur

  • Marx, Karl (1972): Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Band 1 (MEW 23). Berlin/Ost.
  • Altvater, Elmar (2005): Das Ende des Kapitalismus wie wir ihn kennen. Münster.
  • de Lillo, Don (2003): Cosmopolis. Köln.
  • Bröckling, Ulrich/Krasmann, Susanne/Lemke, Thomas (Hrsg.) (2000): Gouvernementalität der Gegenwart. Studien zur Ökonomisierung des Sozialen. Frankfurt.
  • Schaal, Gary S./Matthias Lemke/Claudia Ritzi, (Hrsg.)(2014). Die
    Ökonomisierung der Politik in Deutschland: Eine vergleichende Politikfeldanalyse. Kritische Studien zur Demokratie. Band 2. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
  • Deutschlandfunk (2016): Privatisierung von Polizeiaufgaben. Ein Rückzug des Staates? Unter: https://www.deutschlandfunk.de/privatisierung-von-polizeiaufgaben-ein-rueckzug-des-staates.724.de.html?dram:article_id=360178, Zugriff 30.11.2020.
  • Rügemer, Werner (2005): Cross Border Leasing. Münster.

Zum Weiterlesen

  • Graf, Rüdiger (Hg.) (2019): Ökonomisierung. Debatten und Praktiken in der Zeitgeschichte, Göttingen.

Zitiervorschlag

Weber, Susanna (2020): Ökonomisierung. In: Diskursmonitor. Glossar zur strategischen Kommunikation in öffentlichen Diskursen. Hg. von der Forschungsgruppe Diskursmonitor und Diskursintervention. Veröffentlicht am 23.12.2020. Online unter: https://diskursmonitor.de/glossar/oekonomisierung.

 

Grundbegriffe

Sprachpolitik / Sprachenpolitik

Sprachpolitik bezeichnet allgemein alle politischen Prozesse, die auf eine Beeinflussung der Sprachverwendung in einer Gesellschaft oder Sprachgemeinschaft abzielen. Unterschieden wird häufig zwischen Sprachenpolitik und Sprachpolitik im engeren Sinne.

Sagbarkeit

Im öffentlichen Diskurs findet sich häufig die strategische Behauptung, dass bestimmte Fakten oder Meinungen unsagbar seien. Auf diese Weise wird zum Ausdruck gebracht, dass es Grenzen des Sagbaren gebe, die im öffentlichen Diskurs Geltung hätten.

Kulturelle Grammatik

Kulturelle Grammatik steht für ein System von Regeln und/oder etablierten Regelmäßigkeiten, die Formen richtiger und/oder normaler Kommunikation und Interaktion auszeichnen.

Epistemischer Status

Als epistemischen Status bezeichnet man die Wissensbestände und -zugänge zu Ereignissen, Sachverhalten und Personen, die Gesprächsteilnehmer*innen ihrem Gegenüber in der Interaktion zuschreiben.

Politische Kommunikation

Politische Kommunikation findet überall dort statt, wo Menschen als Teil von sozialen Gruppen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Interessen aufeinandertreffen und über das einzelne Individuum hinaus geltende Regeln des Zusammenlebens aushandeln.

Topos

Ein Topos (Plural: Topoi) ist als ein Argumentationsmuster ein allgemeines Formprinzip, nach dem Argumente gebildet werden können. Als allgemeiner, formaler bzw. kontextabstrakter Topos kann er für oder gegen jede in Frage stehende Position angeführt werden. Topoi gehören zum kollektiven Wissen aller, die sich argumentativ äußern.

Bedeutung

Der Ausdruck Bedeutung wird sowohl in der Alltagssprache als auch in der Fachsprache nicht einheitlich verwendet. Alltagssprachlich wird auf die Bedeutung von etwas – zum Beispiel einem Wort, Gegenstand oder Gesichtsausdruck – verwiesen, wenn dessen Status in der Welt unklar ist (‚was bedeutet es, dass X‘) oder seine Wichtigkeit hervorgehoben werden soll (‚X ist bedeutend‘).

Kollektivsymbol

Zur Kollektivsymbolik einer Kultur rechnet man den gesellschaftlich geteilten Vorrat an sprachlichen, bildlichen, schematischen und anderen Ressourcen, derer sich politische und mediale Akteure bedienen, um Ereignisse und Handlungen für die Allgemeinheit deutbar und verständlich zu machen.

Strategische Kommunikation

Der Ausdruck Strategische Kommunikation bezeichnet ein Bündel an zeichenbasierten und in der Regel mediengestützten Aktivitäten, mit denen Individuen, Gruppen oder Organisationen versuchen, die Akzeptanz für ihre politischen, ökonomischen, rechtlichen oder anderweitig motivierten Interessen bei ausgewählten Zielgruppen zu halten oder zu erhöhen.

Korpus

In den Sprach- als auch Literaturwissenschaften versteht man unter Korpora ganz allgemein Textsammlungen.

Techniken

Petition

Petitionen sind eine der am meisten genutzten Partizipationsformen nach Wahlen. Sie sind sowohl ein Mittel der politischen Beteiligung als auch ein Protestmittel und damit Zwitterwesen in der politischen Landschaft. Durch die Digitalisierung haben sich Petitionen zudem maßgeblich verändert, ihre Zahl hat zugenommen, ebenso wie die Zahl der Plattformen, auf denen sich Petitionen starten lassen.

Influencer / Influencerin

Influencer:innen sind Personen, die auf Social-Media-Plattformen regelmäßig selbst produzierte Inhalte publizieren und damit eine öffentliche Reichweite über ihre Follower:innen aufbauen. Influencer:innen haben das Potenzial, Rezipient:innen in ihrem Wissen, Einstellungen und Verhalten zu beeinflussen (engl. to influence).

Litigation PR

Der Begriff Litigation PR kombiniert das englische Wort litigation, das auf lat. ,lītigātiō‘ zurückgeht und für Rechtsstreitigkeit bzw. (Gerichts )Verfahren/Prozess steht, mit dem bekannten Begriff PR (Public Relations).

Memes

Der Begriff des Internet-Memes fasst eine relativ heterogene Gruppe digitaler – und zumeist multimodaler – Texte zusammen (zum Beispiel Videos, GIFs, Image Macros), die sich durch formale oder inhaltliche Gemeinsamkeiten auszeichnen und durch Imitations- und Aneignungsprozesse verbreiten.

Aufwertung/Meliorisierung

Von Aufwertung/Meliorisierung wird in der Linguistik dann gesprochen, wenn ein Wort, das ursprünglich als Fremdbezeichnung der Diffamierung einer bestimmten Volks- oder Personengruppe diente, von dieser selbst dann als positive Eigenbezeichnung verwendet wird.

Domain-Grabbing

In der Internetkommunikation finden sich verschiedene Praktiken, die aus Sicht von Dritten (v.a. Markenhaltern) als illegitime oder gar rechtswidrige Inanspruchnahme von Domain-Namen und damit verbundener Aufmerksamkeitssteuerung kritisiert werden.

Suchmaschinenoptimierung

Durch Suchmaschinenoptimierung (search engine optimization; SEO) wird versucht, Webseiten so zu verändern, dass sie von Suchmaschinen als besonders relevant betrachtet und entsprechend hoch in den Suchergebnissen gelistet werden.

Search Engine Advertising

Als Search Engine Advertising wird die Werbung auf den Ergebnisseiten von Suchmaschinen bezeichnet. Besondere Merkmale dieser Werbeform sind, dass die Anzeigen kontextbasiert sind und in Textform dargestellt werden.

Organizing

Unter Organizing versteht man ein Bündel von Praktiken, die zur gewerkschaftlichen oder politischen Organisierung bzw. Mobilisierung dienen. Beim methodisch reflektierten Organizing spielen Recherche, Strategieentwicklung, mehr oder minder standardisierte 1:1-Gespräche, Mapping (Erstellung einer Übersicht der Beteiligten im Betrieb oder sonstigen Aktionsfeld) und einiges mehr eine Rolle.

Affirmation

Im sprachwissenschaftlichen Sinne bezeichnet Affirmation die Behauptung oder Bejahung einer Aussage. Die affirmative Form eines Wortes oder Satzes ist das Gegenteil zur Verneinung (Negation).

Schlagwörter

Antisemitismus

Mit Antisemitismus werden gemeinhin alle jene Phänomene bezeichnet, die sich gegen das Judentum oder gegen Jüdinnen*Juden als Jüdinnen*Juden richten. Die entsprechenden Erscheinungen reichen von der bloßen Distanzierung und Behauptung jüdischer Andersartigkeit, über vollständig ausgearbeitete Weltbilder, die Jüdinnen*Juden für sämtliche Probleme verantwortlich machen, bis hin zu massiven Ausgrenzungs-, Verfolgungs- und Gewaltpraktiken.

Grammatiknazi / Grammar Nazi

Das überwiegend negativ konnotierte Schlagwort Grammatiknazi – als Übersetzung von engl. grammar nazi – wird zur Benennung von Personen verwendet, die meist in eher informellen Kontexten der öffentlichen Internetkommunikation (u. a. in Foren, Kommentarbereichen auf Nachrichtenportalen, sozialen Netzwerken) ungefragt Sprachkritik an den Äußerungen anderer (häufig fremder) Kommunikationsteilnehmer*innen üben.

Respekt

Respekt oder respektvolles Verhalten wird eingefordert für die Eigengruppe (bzw. von der Eigengruppe), für wirklich oder vermeintlich diskriminierte Gruppen, für abweichende Meinungen. Mitgemeint ist bei der Forderung nach Respekt meist eine positiv bewertete Szene der (sozialen, kulturellen, ethnischen, sexuellen etc.) Vielfalt/Diversität.

Geschlechtergerechte Sprache

Mit dem heute als Fahnenwort gebrauchten Ausdruck geschlechtergerechte Sprache ist die Forderung verbunden, bei Personenbezeichnungen die einseitige, für diskriminierend erklärte Bezugnahme auf einen bestimmten Sexus, konkret: auf das männliche Geschlecht, zu unterlassen.

Identitätspolitik

Der Ausdruck steht heute für eine politische Konstellation, in der konkurrierende Wir-Gemeinschaften mit einer Diskriminierungs- und Benachteiligungsgeschichte in der Öffentlichkeit um Anerkennung konkurrieren. An der Oberfläche geht es ‚identitären‘ Wir-Gemeinschaften darum, die eigene Diskriminierung als Ermächtigungsmotiv an die Öffentlichkeit zu tragen.

Cancel Culture

Cancel Culture ist ein Kampf- und Stigmawort, das sich in skandalisierender Absicht gegen die Praxis (und oft auch bereits gegen die Forderung) des Absagens, Ausladens, Boykottierens moralisch missliebiger und politisch bekämpfter Personen, Organisationen und Positionen in Wissenschaft, Kultur und Politik wendet.

Elite

Einmal wird unter Elite eine Auswahl der Besten und Leistungsfähigsten verstanden, einmal in distanzierender Weise eine abgehobene ‚Kaste‘ der Reichen und Mächtigen im Gegensatz zum Volk. Erstere Variante wird in der Regel zur Verteidigung der etablierten Ordnung verwendet, letztere vor allem von Rechtspopulisten.

Altpartei

Der Ausdruck Altpartei wird in jüngerer Zeit häufig im Kontext des Aufstiegs des Rechtspopulismus und der AfD gebraucht. Dabei lassen sich hauptsächlich zwei Gebrauchsvarianten beobachten: Einerseits richtet sich der Ausdruck in abwertender Weise gegen etablierte Parteien, andererseits taucht er oft in sprachkritischen Kontexten auf, wo seine Verwendung und seine Sprecher kritisiert oder diskreditiert werden.

Verschwörungstheorie

Der Ausdruck gibt sich in der medialen Öffentlichkeit als analytisches Konzept, ist aber zugleich performativ hoch wirksam als Ausschluss aller erfolgreich so benannten Konzepte aus der rationalen öffentlichen Kommunikation.

Inklusion

Inklusion hat sich, ausgehend von einem soziologischen Fachterminus gleichen Namens, in den zwei vergangenen Jahrzehnten zu einem interdiskursiven und allgemeinen Programmbegriff gewandelt.

Verschiebungen

Moralisierung

Moralisierung verlagert Macht- und Interessenkonflikte in die Sphäre der Kommunikation von Achtung / Missachtung. Sie reduziert Ambivalenz zugunsten einer Polarisierung von gut und böse.

Konstellationen

Skandal

Die Diskurskonstellation des Skandals zeichnet sich durch eine in den Medien aufgegriffene (bzw. durch sie erst hervorgerufene) empörte Reaktion eines erheblichen Teils der Bevölkerung auf einen tatsächlichen oder vermeintlichen Missstand aus. Die schuldhafte Verursachung dieses Missstandes wird dabei einem gesellschaftlichen Akteur zugeschrieben, dessen Handeln als ‚unmoralisch‘ gedeutet wird.