DiskursGlossar

Innovation

Kategorie: Schlagwörter
Verwandte Ausdrücke:
Neuerung, schöpferische Zerstörung, (sozialer) Wandel, Modernisierung, Reform, Disruption
Siehe auch: (Technischer) Fortschritt
Autorin: Susanna Weber
Version: 1.0 / 09.05.2020

Kurzzusammenfassung

Innovation gehört seit den 60er Jahren zu den häufig verwendeten Schlag- bzw. Fahnenwörtern, vor allem in den Feldern von Ökonomie und Politik. Konzepte und Vorhaben mit der Überschrift Innovation werden oft als Sachzwänge dargestellt, gegen die Einwände als nicht legitim erscheinen. Eine der wichtigsten Rede-Figuren im Rahmen strategischer Kommunikation ist die, Innovation (als Prozess) oder Innovationen (technische) als universale Lösung für Probleme jeglicher Art zu präsentieren. Aktuell gilt die Kombination von Innovation und Digitalisierung als Schlüssel für alle Herausforderungen der Zukunft.

Erweiterte Begriffsklärung

Im frühen Mittelalter bedeutete innovatio religiöse Neuerung (die verboten wurde), und noch 1721 gab es im konservativ-ständischen Japan ein Gesetz zum Verbot von Innovationen.

Die Bewertung von Neuem hat sich seither drastisch gewandelt und gegenwärtig sind mit Innovation eher Gebote verbunden (be creative, invent yourself) als Verbote. Dieser Veränderung ging die Verbreitung von neuem Wissen und neuen Artefakten voran: Neue „nützliche und lustige“ Maschinen (de Caus) stärkten nicht nur Macht- und Repräsentationsansprüche der Herrschenden, sie wurden auch zu den wesentlichen materiellen Mitteln für den Umbau der gesellschaftlichen Verhältnisse. Im projecting age des ausgehenden 17. und 18. Jahrhunderts entstand eine neue Sozialfigur, der Projektmacher, und das Neue wurde mit Ökonomie, genauer: mit der Ökonomie des erstarkenden Kapitalismus, verbunden. Die Projektmacher mussten ihre Vorhaben noch aufwändig legitimieren und mit großen individuellen Risiken in die Welt bringen. Am Ende des 19. Jahrhunderts, nach der ersten industriellen Revolution war Innovation schon zu einer verallgemeinerten, positiv aufgeladenen Zukunftserwartung geworden: Erfindungen und Entdeckungen (von Artefakten und Verfahren) galten als Inbegriff von „Fortschritt“.

Mit teils ausdrücklichem, teils implizitem Bezug auf Marx entwickelte am Anfang des 20. Jahrhunderts der Ökonom Joseph A. Schumpeter eine Theorie der Entstehung des Neuen und der Neuerung als zentrales, evolutionäres Element der kapitalistischen Ökonomie. Das ökonomisch Neue erhielt einen Namen: Innovation. Zuvor hatte Marx den ursprünglich naturwissenschaftlich geprägten Revolutionsbegriff (bei Galilei, Kepler) zu einem politischen umbesetzt und mit der Entwicklung der Produktivkräfte verbunden. Schumpeter löste ein Element aus dieser Entwicklung heraus (Innovationen) und modellierte es zur Haupttriebkraft der kapitalistischen Ökonomie.

Vermittelt über den Schlüsselbegriff des technischen Fortschritts gelangte Innovation als Ausdruck und als Konzept in den späten 1960er und 1970er Jahren in die politischen Diskussionen um die Erklärung und Bewältigung der seinerzeit aktuellen ökonomischen Turbulenzen. Schumpeter hatte Innovation als klar definierten ökonomischen Fachterminus gebraucht. In den entstehenden politikberatenden Strukturen (Kommissionen, Forschungsinstitute) erhielt der Begriff nun zunehmend programmatisch-strategische Funktionen. Seither zirkuliert er als Fahnenwort in allen gesellschaftlichen Zentralgebieten. Was jedoch bei Schumpeter Teil einer Krise ist (die Konjunkturzyklen, verursacht durch Entstehung und Verbreitung von Innovationen), wurde zur Lösung für ökonomische Schwankungen umgebaut: Innovationen zur Stabilisierung der Wirtschaft. Aktuell ist das Deutungsmuster Fortschritt = Wachstum und Wohlstand durch Technik (= Innovation) so fest etabliert wie zuletzt vor den beginnenden Umwelt-Debatten und den Fragen nach möglichen „Grenzen des Wachstums“ am Beginn der 1970er Jahre. Dazu hat beigetragen, dass die akademische wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung auf einem seit Jahrzehnten stabilen Lehrbuchkanon ökonomischer Theorieelemente und Modelle beruht, der wachstumsfixierte, marktliberale Auffassungen festigt.

Mit dem ausgehenden 20. und dem beginnenden 21. Jahrhundert wurden erneut Haltungen begründungspflichtig, die die behauptete Notwendigkeit zur permanenten Innovation bezweifeln. So wurde etwa ein Topos aus der Frühzeit der Industrialisierung Europas wiederbelebt: Maschinenstürmerei. Er wurde am Ende der 1970er Jahre im Rahmen der ersten Automatisierungswelle reaktiviert und dient noch in jüngster Zeit zur vorauseilenden (Selbst-)Abgrenzung gegenüber technikskeptischen oder -kritischen Positionen (Hoffmann/Bogedan, 2015).

Die Eingängigkeit der Schumpeter’schen Metapher von der Innovation als schöpferischer Zerstörung wird inzwischen nicht nur verwendet, um zu illustrieren, dass mit der Technologie der Digitalisierung eine neue, die vierte „industrielle Revolution“ bevorstehe. Sie dient auch zur Legitimation dafür, dass nun auch in Kultur und Kunst oder Bildung OutputEffizienz und Sichtbarkeit als Kriterien für Anerkennung gelten sollen und für die Bereitstellung der notwendigen Ressourcen. Diese gesellschaftlichen Bereiche wurden zuvor noch nicht vollständig über ökonomische Rationalitätskriterien regiert (d.h. als Knappheitsgüter). Humankapitaltheorien bilden hier die argumentativen Brücken zwischen Verwertungsinteressen und individuellen Autonomiebestrebungen. Dieser nicht nur semantische Umbau lässt sich exemplarisch an Texten zur „Kultur- und Kreativindustrie“ nachvollziehen.

Der Spezialdiskurs, der sich um die Wortkombination soziale Innovation formierte, spiegelt den Versuch, das Kompensationspotential als „sozial“ gekennzeichneter Konzepte zu retten. Schon in den Einschätzungen zu den Projekten zur Humanisierung der Arbeit (HdA) in den 1970er Jahren war umstritten, ob und inwiefern es um reale gesellschaftliche Fortschritte gehe oder eher um politische Befriedung. Diskurse um soziale Innovationen reagieren auf die Folgeerscheinungen von Entwicklungen, die Elmar Altvater mit Bezug auf Analysen Karl Polanyis als „Entbettung“ (der Wirtschaft aus der Gesellschaft) und als „Vermarktlichung“ aller Lebensbereiche bezeichnete. Dies spiegelt sich zum Beispiel in den programmatisch verwendeten Oppositionsbildungen „sozial-technisch“ und „sozial-ökonomisch“. Ein neues Attribut aus diesem Kontext, „soziodigital“ gibt eine Vorstellung davon, welche Gegensätze hier verklammert werden sollen.

Wenn gegenwärtig Innovation thematisiert wird, ist der dominierende Kontext die Digitalisierung (der Wirtschaft, der Gesellschaft, der Kultur, des Alltags), ihre Chancen und, weit weniger, Risiken. Im Gebrauch der Argumente lassen sich zahlreiche Parallelen finden zu den Auseinandersetzungen um die Automatisierungswelle in den 1970er Jahren, etwa bei der gegenseitigen Aufrechnung von potentiellen Arbeitsplatzzuwächsen und zu erwartenden Arbeitsplatzverlusten durch Digitalisierung. Was sich allerdings verändert hat, sind erstens die Kräfteverhältnisse zwischen organisierten Arbeitskräften und Unternehmen und zweitens das Entstehen einer Vielzahl von Grauzonen. In diesen werden technische Systeme und Prozeduren eingeführt, die auf die Selbstentmächtigung (Klaus Theweleit) der Subjekte zielen, wenngleich sie unter dem Label des „technischen Fortschritts“ offeriert werden (Smart Cities, Smart Homes und ähnliche Konzepte). Das geschieht oft unterhalb der Wahrnehmungsschwellen demokratischer Öffentlichkeiten und außerhalb ihrer Möglichkeiten zur Beeinflussung (s.u. Beispiel 3).

Beispiele

1. Deutungsmuster Innovation = Technischer Fortschritt = Wachstum = Wohlstand in Regierungsdokumenten

Ein zentrales Regierungsdokument zum Thema ist die so genannte High-Tech-Strategie (HTS), die seit 2010 fortgeschrieben wird, aktuell ist es die HTS 2025. Hier ist Innovation fest eingebaut in die Argumentationsfigur, die nationale Standort-Sachzwänge, technischen Fortschritt und Zukunft verknüpft: „Vom Erfinderland zur Innovationsnation: Fortschrittsgeschichte mit Zukunftsperspektive“ (HTS 2025). Ähnliche Formulierungen finden sich auch in allen früheren Versionen der HTS sowie begleitenden Dokumenten wie der Berliner Erklärung des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung (BMWI) von 2015 oder dem Grünbuch Arbeiten 4.0 aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2016.

Die jüngste Überbietungs-Figur der politischen Innovationsrhetorik kommt aus dem Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (BMBF). Mit der Gründung einer außerordentlich üppig ausgestatteten (1 Mrd. Euro für 10 Jahre) „Agentur für Sprunginnovationen“ im August 2019 steigern die Akteure sprachlich die Dringlichkeit des Neuen noch einmal: die bisher in Fachkreisen durchaus schon gebräuchliche englische Bezeichnung „disruptive“ (Innovationen) wurde eingedeutscht, um nahezulegen, dass von nun an nicht mehr nur sehr viel mehr als bisher Neues in die Welt gebracht werde, sondern radikal Neues. Verfolgt man die Reaktionen auf diese Regierungsaktivität, so wird schnell deutlich, dass Innovation (wieder einmal) als Platzhalter dient: im beschriebenen Fall geht es in erster Linie um die schnellere Kommerzialisierung von Neuem, nicht um das Neue selbst.

2. Soziale Innovationen

Durch intensive Bemühungen aus den Sozialwissenschaften selbst und parallel zu Initiativen privater Investoren und von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) sind die Ausdrücke soziale Innovation/Sozialinnovationen inzwischen in den Sprachgebrauch von Politikern und in Regierungsdokumente eingegangen. Sie ersetzen in der Regel die mittlerweile ausstrahlungsarmen Begriffe wie Wandel oder Reform oder stehen für ältere demokratische Praktiken der Bürgerbeteiligung. Inzwischen sind Forscherinnen und Forscher mit dem Spezialgebiet Soziale Innovationen fest eingebunden in Aktivitäten der High-Tech-Initiative der Regierung. Die Redewendung „nicht nur technische, sondern auch soziale Innovationen“ ist zu einer Standardformel geworden.

Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang z.B. das neue Rahmenprogramm des BMBF „Zur Stärkung von Zusammenhalt, Innovationsfähigkeit und kulturellem Erbe“, das „sozialwissenschaftliche Forschung für praxistaugliche Anwendungen“ fördern soll. In bemerkenswerter Klarheit ist in diesem Zusammenhang von der beabsichtigten „Inwertsetzung“ die Rede. Auch wenn es sich hier um die „Kaperung“ eines Begriffes handelt, der von Karl Polanyi geprägt und u.a. von Elmar Altvater in definitiv kritischer Absicht verwendet wurde, wird deutlich, was gemeint ist: die Nutzung der positiven Ressourcen des Sozialen oder, wie ein Lehrstuhlinhaber der Zeppelin Universität 2012 bemerkenswert deutlich und schnörkellos formulierte: „Unsere gesellschaftlichen Herausforderungen und Krisen von heute sind die Geschäftsmodelle und Exportschlager von morgen. Soziale Innovationen sind Parasiten der Probleme und damit Kassenschlager von übermorgen.“ (brandeins 4/2012).

3. Innovation, Digitalisierung und Demokratie 

Gegenwärtig ist das Feld der Digitalisierung der Bereich, dem strategisch-politisch die höchste Dringlichkeit zugeschrieben wird. Die gängigen Begründungen operieren vornehmlich mit Sachzwang-Konstruktionen wie zum Beispiel „Ohne Innovationen werden wir den Herausforderungen der Zukunft und der globalen Konkurrenz nicht standhalten können.“ (HTS 2025) oder mit voraussetzungsvollen Behauptungen: „Wir werden die Weiterentwicklung eines modernen und nutzerfreundlichen E-Governments intensiv vorantreiben. Offene Daten sind ein wesentlicher Beitrag der Verwaltung auf dem Weg zur digitalen Gesellschaft.“ (HTS 2025, 50). Vor dem Hintergrund, dass Innovationen auf der Basis von Digitalisierung wie Smart Homes, Smart Cities, E-Government als ökonomisch äußerst erstrebenswert propagiert werden, bleiben kritische Positionen unterbelichtet.

Beispiele für die Erosion demokratischer Strukturen und Prozesse sind Landnahme-Prozesse etwa des Unternehmens Google in amerikanischen und kanadischen Großstädten (z.B. Toronto) durch kommerzielle Verwertung zahlreicher intransparenter Daten-Sammelvorgänge (ob zur Nutzung von Parkbänken oder zur Ausleihe von Büchern). Ihre Legitimität ist nicht einmal mehr Gegenstand demokratischer Erörterungen oder gar Entscheidungsprozesse gewesen. Dass die zurzeit von der chinesischen Regierung massiv vorangetriebenen Maßnahmen auf der Grundlage von social credit scores, (Verhaltensbeurteilungen, die zukünftig auch für Unternehmen gelten sollen) auf ähnlichen Datenbeständen und Algorithmen beruhen wie die hierzulande erlaubten, aber eher kritisch kommentiert werden, ist mindestens doppelzüngig.

Manchmal ist es auch die Bildsprache, die Zugang zu den auf Schlagwörter reduzierten Redeweisen verschafft. So wird in der HTS 2025 im Abschnitt „Zukunftskompetenzen“ unter der Überschrift „Gesellschaft. Wir befähigen Menschen zu aktiver Teilhabe und Teilnahme an gesellschaftlichen Fragen“ ein Foto präsentiert, auf dem vier Erwachsene, ein Schul- und ein Kleinkind aufgereiht nebeneinander in fünf verschiedene digitale Endgeräte blicken. Ein Beispiel für „aktive gesellschaftliche Teilhabe und Teilnahme“?

Literatur

Zitierte Literatur

  • Altvater, Elmar/Mahnkopf, Birgit (2002): Grenzen der Globalisierung. Ökonomie, Ökologie und Politik der Weltgesellschaft, Münster: Westfälisches Dampfboot.
  • Hoffmann, Reiner/ Bogedan, Claudia (Hrsg.) (2015): Arbeit der Zukunft, Frankfurt: Campus Verlag.
  • Polanyi, Karl (1978): The Great Transformation, Politische und ökonomische Ursprünge von Gesellschaften und Wirtschaftssystemen, Frankfurt/M.: Suhrkamp.
  • Schumpeter, Joseph A. (2006): Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, Berlin: Duncker und Humblot.
  • Schumpeter, Joseph A. (1987): Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie, Tübingen: Francke.
  • Weber, Susanna (2018): Innovation. Zur Begriffsgeschichte eines modernen Fahnenworts, Baden-Baden: Tectum Verlag.

Online-Ressourcen

Zitiervorschlag

Weber, Susanna (2020): Innovation. In: Diskursmonitor. Glossar zur strategischen Kommunikation in öffentlichen Diskursen. Hg. von der Forschungsgruppe Diskursmonitor und Diskursintervention. Veröffentlicht am 09.05.2020. Online unter: https://diskursmonitor.de/glossar/innovation.

 

Grundbegriffe

Epistemischer Status

Als epistemischen Status bezeichnet man die Wissensbestände und -zugänge zu Ereignissen, Sachverhalten und Personen, die Gesprächsteilnehmer*innen ihrem Gegenüber in der Interaktion zuschreiben.

Topos

Ein Topos (Plural: Topoi) ist als ein Argumentationsmuster ein allgemeines Formprinzip, nach dem Argumente gebildet werden können. Als allgemeiner, formaler bzw. kontextabstrakter Topos kann er für oder gegen jede in Frage stehende Position angeführt werden. Topoi gehören zum kollektiven Wissen aller, die sich argumentativ äußern.

Kollektivsymbol

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Strategische Kommunikation

Der Ausdruck Strategische Kommunikation bezeichnet ein Bündel an zeichenbasierten und in der Regel mediengestützten Aktivitäten, mit denen Individuen, Gruppen oder Organisationen versuchen, die Akzeptanz für ihre politischen, ökonomischen, rechtlichen oder anderweitig motivierten Interessen bei ausgewählten Zielgruppen zu halten oder zu erhöhen.

Korpus

In den Sprach- als auch Literaturwissenschaften versteht man unter Korpora ganz allgemein Textsammlungen.

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Protest

Protest ist die kollektive Artikulation von Unbehagen, Kritik oder Veränderungswillen, der sich in bestimmten Handlungen außerhalb etablierter institutioneller Kanäle des politischen Systems äußert. Organisiert wird Protest meist von Initiativen, politischen Gruppierungen oder sozialen Bewegungen in Form von Petitionen, Flugblattaktionen, Demonstrationen, Blockaden, Streiks, Happenings und andere Interventionen in der Öffentlichkeit – in direkter Präsenz, unter Einsatz des Körpers oder auch im virtuellen Raum.

Erzählen

Erzählen ist eine rekonstruktive und kommunikative Tätigkeit, in der für gewöhnlich eine vermittelnde Instanz ein Geschehen darstellt. Die Darstellung kann ein/e ErzählerIn vornehmen (entspricht einer engen Definition des Erzählens) oder sie kann medial anders – beispielsweise filmisch – dargeboten werden (entspricht einer weiten Definition des Erzählens). Dabei beruht das dargestellte Geschehen auf mindestens einem Ereignis.

Konnotation

Konnotation ist ein Fachbegriff, mit dem in der Sprachwissenschaft und benachbarten Disziplinen die Nebenbedeutung (oder der ‚Nebensinn‘) eines Ausdrucks bezeichnet wird. Die konnotative Bedeutung umfasst oft wertende (evaluative) oder handlungsauffordernde (deontische) Aspekte, die mit dem Gebrauch eines Ausdrucks aufgerufen werden können.

Framing

Kommunikationswissenschaftlicher Fachausdruck für den Deutungs- und Bewertungsrahmen, der durch einen politischen Begriff aufgerufen oder ihm fallweise beigegeben wird.

Techniken

Aufwertung/Meliorisierung

Von Aufwertung/Meliorisierung wird in der Linguistik dann gesprochen, wenn ein Wort, das ursprünglich als Fremdbezeichnung der Diffamierung einer bestimmten Volks- oder Personengruppe diente, von dieser selbst dann als positive Eigenbezeichnung verwendet wird.

Domain-Grabbing

In der Internetkommunikation finden sich verschiedene Praktiken, die aus Sicht von Dritten (v.a. Markenhaltern) als illegitime oder gar rechtswidrige Inanspruchnahme von Domain-Namen und damit verbundener Aufmerksamkeitssteuerung kritisiert werden.

Affirmation

Im sprachwissenschaftlichen Sinne bezeichnet Affirmation die Behauptung oder Bejahung einer Aussage. Die affirmative Form eines Wortes oder Satzes ist das Gegenteil zur Verneinung (Negation).

Autoritäts-Topos

So wird – angelehnt an formallogische Darstellungen von Argumentationen (Oberprämisse plus Unterprämisse ergeben die Konklusion) – mit Bezug oder unter Berufung auf Autoritäten, oft auf Wissenschaftlerinnen/Experten in politischen Debatten häufig argumentiert, in diesem Fall bezüglich der Richtigkeit/Angemessenheit einer Bewertung.

Flashmob / Smartmob

Flashmobs sind ein urbanes Phänomen, das sich zu einer populären sozialen Ausdrucksform im öffentlichen Raum entwickelt hat. Sie entstehen durch das scheinbar spontane, tatsächlich aber organisierte Zusammentreffen einer Menschenmenge, die an einem bestimmten Ort eine gemeinsame Aktion ausführt und sich anschließend, als wäre nichts geschehen, wieder zerstreut.

Gewaltaufruf

Gewaltaufrufe initiieren und unterstützen eine von nahezu allen sozialen Gruppen ausgeübte kulturelle Praxis, individuelle wie kollektive Konfliktsituationen nicht mit diskursiven, friedlichen Mitteln zu lösen, sondern durch aggressives, repressives, verletzendes und zerstörendes bzw. Verletzung androhendes Handeln, das sowohl auf den Körper wie auf die Psyche von Menschen einwirken kann.

Untersuchungsausschuss

Untersuchungsausschüsse sind ein Kernbestandteil parlamentarischer Kontrolle in Deutschland. Als Verfahren, die zu einem großen Teil öffentlich durchgeführt werden, dienen sie dazu, politische Skandale der Regierung und Verwaltung aufzuarbeiten. Durch ihre Abschlussberichte, die dem Parlament vorgelegt werden, sollen Fehler der Exekutive sichtbar gemacht und Handlungsempfehlungen beschlossen werden.

Kalkulierter Verfassungsverstoß

Der Ausdruck ist paradox und insofern ein Prädikat aus der Beobachtung zweiter Ordnung. Handelnde pflegen ihrem eigenen Verständnis nach nicht kalkuliert – also rechtlich gesprochen: vorsätzlich – gegen die Verfassung zu verstoßen. Ein kalkulierter Verfassungsverstoß ist einem kalkulierten Mord nicht ähnlich.

Jargon

Jargon (aus frz. jargon nach altfrz. gargun ‚Zwitschern‘) bezeichnet eine Sprachgebrauchsform, die mit bestimmten Praxisgemeinschaften (Gruppen, die berufliche oder andere Interessen teilen) assoziiert wird. Jargons werden als ‚typisch‘ für die Mitglieder einer bestimmten sozialen Gruppe und für deren Interessen und soziale Positionen angesehen und dienen somit nach innen wie nach außen als sprachliches Erkennungs- und Abgrenzungsmerkmal.

Kampagne

Eine Kampagne ist die kommunikative Verfolgung eines wirtschaftlichen oder gesellschaftspolitischen Ziels, das nicht ohne andere Menschen zu erreichen ist. Kampagnen zielen auf die Beeinflussung des Denkens und Handelns von Menschen. Damit sind Kampagnen kommunikative Strategien zur Erlangung von Macht.

Schlagwörter

Geschlechtergerechte Sprache

Mit dem heute als Fahnenwort gebrauchten Ausdruck geschlechtergerechte Sprache ist die Forderung verbunden, bei Personenbezeichnungen die einseitige, für diskriminierend erklärte Bezugnahme auf einen bestimmten Sexus, konkret: auf das männliche Geschlecht, zu unterlassen.

Identitätspolitik

Der Ausdruck steht heute für eine politische Konstellation, in der konkurrierende Wir-Gemeinschaften mit einer Diskriminierungs- und Benachteiligungsgeschichte in der Öffentlichkeit um Anerkennung konkurrieren. An der Oberfläche geht es ‚identitären‘ Wir-Gemeinschaften darum, die eigene Diskriminierung als Ermächtigungsmotiv an die Öffentlichkeit zu tragen.

Cancel Culture

Cancel Culture ist ein Kampf- und Stigmawort, das sich in skandalisierender Absicht gegen die Praxis (und oft auch bereits gegen die Forderung) des Absagens, Ausladens, Boykottierens moralisch missliebiger und politisch bekämpfter Personen, Organisationen und Positionen in Wissenschaft, Kultur und Politik wendet.

Elite

Einmal wird unter Elite eine Auswahl der Besten und Leistungsfähigsten verstanden, einmal in distanzierender Weise eine abgehobene ‚Kaste‘ der Reichen und Mächtigen im Gegensatz zum Volk. Erstere Variante wird in der Regel zur Verteidigung der etablierten Ordnung verwendet, letztere vor allem von Rechtspopulisten.

Altpartei

Der Ausdruck Altpartei wird in jüngerer Zeit häufig im Kontext des Aufstiegs des Rechtspopulismus und der AfD gebraucht. Dabei lassen sich hauptsächlich zwei Gebrauchsvarianten beobachten: Einerseits richtet sich der Ausdruck in abwertender Weise gegen etablierte Parteien, andererseits taucht er oft in sprachkritischen Kontexten auf, wo seine Verwendung und seine Sprecher kritisiert oder diskreditiert werden.

Verschwörungstheorie

Der Ausdruck gibt sich in der medialen Öffentlichkeit als analytisches Konzept, ist aber zugleich performativ hoch wirksam als Ausschluss aller erfolgreich so benannten Konzepte aus der rationalen öffentlichen Kommunikation.

Inklusion

Inklusion hat sich, ausgehend von einem soziologischen Fachterminus gleichen Namens, in den zwei vergangenen Jahrzehnten zu einem interdiskursiven und allgemeinen Programmbegriff gewandelt.

Postwachstum

Postwachstum ist im deutschsprachigen Diskurs Beschreibungsbegriff und Forderung zugleich: In einer Welt mit endlichen natürlichen Ressourcen müsse die bisher von Wirtschaftswachstum und Ausbeutung abhängige globale Ökonomie radikal verändert werden, um langfristig die menschliche Existenz zu sichern.

Propaganda

Propaganda als Kommunikationstechnik und -praxis umfasst eine Vielzahl von sprachlichen und visuellen, meist mediengestützten Formen der gezielten Beeinflussung und Steuerung des Denkens, Fühlens und Handelns von Menschen.

Links-Mitte-Rechts

Das Kontinuum Links-Mitte-Rechts dient der Einordnung von Personen, Parteien, Politiken etc. in den politischen Raum, ebenso auch der politischen Selbstverortung. Die Verwendung des Orientierungsschemas ist mehrfach relativ. Sie hängt einmal vom Punkt ab, an dem sich der Sprecher selbst lokalisiert, vom Nullpunkt der Verwendung.

Verschiebungen

Ökonomisierung

Ökonomisierung wird in gegenwärtigen Diskursen in der Regel zur Bezeichnung von Prozessen verwendet, in denen die spezifisch wirtschaftlichen Funktions-Elemente wie Markt, Wettbewerb/Konkurrenz, Kosten-Nutzen-Kalküle, Effizienz, Gewinnorientierung in Bereiche übertragen werden, die zuvor teilweise oder ganz nach anderen Leitkriterien ausgerichtet waren

Moralisierung

Moralisierung verlagert Macht- und Interessenkonflikte in die Sphäre der Kommunikation von Achtung / Missachtung. Sie reduziert Ambivalenz zugunsten einer Polarisierung von gut und böse.

Konstellationen

Skandal

Die Diskurskonstellation des Skandals zeichnet sich durch eine in den Medien aufgegriffene (bzw. durch sie erst hervorgerufene) empörte Reaktion eines erheblichen Teils der Bevölkerung auf einen tatsächlichen oder vermeintlichen Missstand aus. Die schuldhafte Verursachung dieses Missstandes wird dabei einem gesellschaftlichen Akteur zugeschrieben, dessen Handeln als ‚unmoralisch‘ gedeutet wird.