DiskursGlossar

Propaganda

Kategorie: Techniken, Schlagwort
Verwandte Ausdrücke:
Werbung, Reklame, Marketing, Public (Customer) Relations (PR), Öffentlichkeitsarbeit, Agitation
Siehe auch: Manipulation
Autorin: Susanna Weber
Version: 1.1 / 23.04.2020

Kurzzusammenfassung

Propaganda als Kommunikationstechnik und -praxis umfasst eine Vielzahl von sprachlichen und visuellen, meist mediengestützten Formen der gezielten Beeinflussung und Steuerung des Denkens, Fühlens und Handelns von Menschen. Propaganda-Techniken beruhen vor allem auf gesteuerter Auswahl und/oder Zensur von Informationen, auf polarisierenden Zuspitzungen und Personalisierungen. Darüber hinaus werden gezielt Impulse gesetzt, die unterbewusste Bedürfnisse und Emotionen ansprechen und an vorhandene Denkmuster anknüpfen.

Unter anderen Namen ist Propaganda in den Praktiken enthalten und weiterentwickelt, die heute z.B. Werbung, Public Relations, Öffentlichkeitsarbeit heißen und die jeweils neuesten Erkenntnisse aus Hirnforschung, Psychologie und Medienwissenschaften nutzen.

 (Erweiterte Begriffsklärung

Die Verwendungsgeschichte des Ausdrucks Propaganda zeigt markante Bedeutungsverschiebungen und Konjunkturen. Die Bewertungen wechselten mehrfach, ebenso die Hauptfelder des Wortgebrauchs: Religion, Politik, Ökonomie. Ursprünglich war Propaganda die (positiv bewertete) Bezeichnung für gegenreformatorische Missionierungsbestrebungen und eine entsprechende Institution der katholischen Kirche. In den Macht- und Meinungskämpfen der Französischen Revolution sowie späterer revolutionärer Bewegungen wurde Propaganda politisch zur gegenseitigen Kennzeichnung revolutionärer oder gegenrevolutionärer Argumentationen und Organisationen gebraucht. Im Sprachgebrauch der Nationalsozialisten wurde Propaganda zum Zentralbegriff und bezeichnete die ausgefeilten Strategien der Steuerung öffentlicher Meinung und Handlungen, vor allem zur Verfolgung politischer Gegner und zur Kriegsvorbereitung. Gegenwärtig wird Propaganda überwiegend als negativ markierter historischer Beschreibungsbegriff verwendet. In der politischen Praxis wird der Gebrauch von Propaganda als Strategie in der Regel dem jeweiligen Gegner/Kontrahenten zugeschrieben.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Propaganda synonym mit Reklame als Bezeichnung für die zunehmenden und immer weiter perfektionierten Instrumente der Produkt-Werbung im Dienste der Nachfragesteigerung etabliert. Der Gebrauch im Rahmen politischer Erziehungs- und Überzeugungsarbeit war in den Hintergrund gerückt. Die Nationalsozialisten institutionalisierten Propaganda mit dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda. Die Begriffskopplung spielt taktisch geschickt mit (noch) vorhandenen positiven Ressourcen von Aufklärung. Als einflussreiche zeitgenössische deutsche Publikation ist „Propagandamittel der Staatsidee“ von Domizlaff (1932) zu nennen. Propaganda wurde als Bezeichnung für die Kommunikationstechniken der Nationalsozialisten ausdrücklich exklusiv beansprucht. Dem gegenüber sollte Reklame als Etikett für kommerzielle Werbe- und Beeinflussungstechniken verwendet werden. Die gemeinsamen Wurzeln und Grundüberzeugungen bleiben natürlich trotzdem sichtbar, angefangen von der (empirisch gestützten) Überzeugung, dass öffentliche Meinung ,gemacht‘ wird bis zu den verwendeten Techniken (vereinfachen, illustrieren, dramatisieren, wiederholen [vgl. Bernays 2007]). 

Auf Seiten der Arbeiterbewegung wurde Propaganda als Instrument der politischen Bildung und Erziehung verstanden, war aber nicht unumstritten (vgl. Münzenberg 1937). Später etablierte sich in der sozialistischen/kommunistischen Bewegung die Kopplung und gleichzeitige Unterscheidung von Agitation und Propaganda, beides wurde positiv bewertet. Mit Bezug auf Lenins Auffassung wurde Propaganda eher mit gedrucktem Material (Schriften, Plakate etc.) verbunden, Agitation mit dem gesprochenen Wort. Propaganda ist hier assoziiert mit Schulung/Erziehung, Agitation mit Mobilisierung. Auch in der DDR blieb Propaganda eine positiv besetzte Bezeichnung.

Auch ohne die ausdrückliche Kennzeichnung mit dem Namen Propaganda waren die unmittelbare Nachkriegszeit und die Zeit des folgenden Kalten Krieges Hoch-Zeiten des Propagandaeinsatzes aller relevanten Akteure: Ob in der Werbung für die Marshallplan-Maßnahmen der USA (die als rein humanitär/demokratische Aktivitäten beworben wurden, nicht aber als ökonomischen Interessen folgend und zur politischen Beeinflussung gegen ,den Kommunismus‘, in der Konstruktion von Raketenlücken und anderen Bedrohungen zur Begründung von Rüstungseskalationen – das gesamte Arsenal von Propagandatechniken wurde und wird eingesetzt.

Seit den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts gab es in Deutschland, vor allem aber in den USA, sozialwissenschaftliche Forschung zu Propaganda (vgl. Plenge 1921; Lasswell 1927). Das schon 1928 in den USA erschienene, aber erst seit 2007 auf Deutsch verfügbare Buch von Edward Bernays (einem Neffen Sigmund Freuds) mit dem Titel „Propaganda. Die Kunst der Public Relations“ enthält in erstaunlicher Deutlichkeit die Beschreibung aller relevanten Strategien der Meinungs- und Entscheidungsmanipulation, die nach Auffassung von Bernays sowohl im politischen Raum wie in der Ökonomie zum Einsatz gebracht werden und werden sollten. Wichtige Theoretiker der modernen public relations (PR), wie Propaganda von Bernays später auch genannt wurde, stützten und stützen sich bis heute auf seine Konzepte. Grundlegend für Bernays wiederum war Walter Lippmanns Standardwerk „Die öffentliche Meinung“ von 1922.  Lippmann unterstrich z.B., dass öffentliche Meinung grundlegend durch übernommene Denkmuster und Stereotypen geprägt und durch Propaganda veränderbar sei. Bernays ging davon aus, dass die „bewusste und zielgerichtete Manipulation von Verhaltensweisen und Einstellungen der Massen (…) wesentlicher Bestandteil demokratischer Gesellschaften“ sei. Mehr noch, er setzt „eine stille gesellschaftliche Übereinkunft“ darüber voraus, „dass unser Blick durch den Einsatz von Propaganda lediglich auf eine reduzierte Auswahl an Gedanken und Gegenständen fällt“ und damit die Gesellschaft durch „im Hintergrund arbeitende Führungsinstanzen“ gesteuert werden kann (Bernays 2007, 20 f.). Er hielt dies für völlig legitim und nur dann für ,unethisch‘, wenn bewusst und gezielt mit Lügen gearbeitet werde.

Die zuvor schon in der Wirtschaft verwendeten erfolgreichen Strategien zur Nachfrageerzeugung empfiehlt er ausdrücklich auch für das Feld der Politik: nicht argumentieren, sondern abgestimmt auf die Zielgruppe Gefühle ansprechen (illustrieren, dramatisieren, inszenieren), einflussreiche Personen des öffentlichen Lebens als Identifikationsvorbilder und Multiplikatoren einsetzen, Informationen medienkompatibel filtern (vgl. Bernays 2007, 83 ff.). Es liegt nah und ist seinen Argumenten abzulesen, dass er auch die modernen tiefen- und massenpsychologischen Erkenntnisse über Triebstrukturen, Verdrängung, Verschiebung etc. nutzte. Vordergründig entweder naiv oder wissenschaftlich-technokratisch argumentierend stellte sich Bernays in den 50er Jahren in den Dienst der United Fruit Company, um den demokratisch gewählten Präsidenten Guatemalas zu stürzen (s.u.).

Propaganda als Element strategischer Kommunikation ist besonders ausgeprägt im Feld der Sicherheits- und Militärpolitik. Hier wurde zuletzt das Konzept und die Praxis des ,embedded journalism‘ aus der Zeit des Irak-Krieges (2003) auffällig, mit dem die westlichen Kriegsparteien dezidiert und massiv die Berichterstattung ausgewählter Journalisten im Sinne eigener Interessen lenkten. Darüber hinaus findet Propaganda kontinuierlich u.a. im Rahmen verschiedener Formen von Lobbyismus und internet-basierter sogenannter ,Influencer-Portale‘ statt. Im Feld der Politikberatung werden entsprechende Praktiken, teils mit neuen Namen versehen und angepasst an die Möglichkeiten moderner Medien, massiv eingesetzt (→Agendasetting, Branding, Campaigning). Propaganda wird verdeckt oder unter Geheimhaltung betrieben, wie in der Regel bei Kriegspropaganda. Andererseits sind Handbücher und Anleitungen für kommerzielles und politisches Marketing zumindest potentiell für die Öffentlichkeit zugänglich, es gibt entsprechende Lehrstühle an Hochschulen und privaten Institutionen.

Eine spezifisch westlich-kapitalistische Variante von Propaganda-Kommunikation wurde in den 70er Jahren von Wolfgang Fritz Haug analysiert. In seiner „Kritik der Warenästhetik“ von 1971 beschrieb er eindrücklich, wie sich in der Kreation von Marken kommerzielle Verwertungsinteressen und politisches Machtstreben verschränken (auch ,der Führer‘ war Ergebnis einer solchen Intervention; politische Parteien sprechen in Selbstbeschreibungen von ihrem Markenkern). Die Marke kann als Kristallisationspunkt von Erlösungserwartungen, sexualisierten Macht- bzw. Unterwerfungsfantasien und Ängsten dienen, die als erfüllbar bzw. lösbar durch den entsprechenden Kauf- bzw. Wahlakt präsentiert werden.

Nicht zufällig wird als Ziel von politischer Propaganda von mehreren einflussreichen Autoren die Herstellung eines gesellschaftlichen Konsenses angesehen (Lippmann, Bernays, Chomsky), was in der Alltagssprache als stark positiv verstandener Wert gilt. Konsens kann jedoch auch fiktional konstruiert werden. So beruht z.B. die aktuell diskutierte sogenannte ,Widerspruchslösung‘ bei der Organentnahme zu Transplantationszwecken auf einer massiven Konsensfiktion (also Propaganda), indem sie dekretiert, dass alle Betroffenen, die nicht explizit und aktiv widersprechen, als Zustimmende einzustufen seien.

Aus der Perspektive demokratischer Öffentlichkeit ist Propaganda als Machtmittel und Herrschaftsinstrument einzuordnen. Sie gehört zum Repertoire von Konzepten weicher Führung, also zu den sprachlichen, symbolischen, szenischen Gegebenheiten, die meist ohne unmittelbare materielle Gewalt funktionieren, anders als zum Beispiel Unterwerfung unter rigide Arbeits- bzw. Ausbeutungsbedingungen (Ich-AG) – die aber subjektiv als Autonomiegewinne erlebt werden.

Als Gegenstrategien zu Propaganda werden aus unterschiedlichen Gruppierungen der demokratischen Öffentlichkeit und ihren Akteuren vor allem Mittel vorgeschlagen und erprobt, die auf Transparenz und Aufklärung setzen (Ethik-Codes, Transparenzregeln, Lobby-Register u.ä.) bzw. diese selbstständig herstellen, wenn die üblichen Instrumente nicht ausreichen (Recherche-Netzwerke, Whistleblower, Leaks, Guerilla-Kommunikation).

Beispiele

a) 1953 hatte in Guatemala der demokratisch gewählte Präsident Jacobo Arbenz begonnen, die bisher nahezu unbeschränkte Verfügungsgewalt des US-amerikanischen Konzerns „United Fruit Company“ im Land einzudämmen. Unterstützt von der CIA wurde Arbenz in einer von Edward Bernays entworfenen Kampagne in allen Medien als Kommunist denunziert und als Bedrohung für die USA dargestellt. Der Coup gelang, die „United Fruit Company“ erhielt alle Verfügungsrechte zurück, und seither ist der Ausdruck ,Bananen-Republik‘ in der Welt Synonym für Staaten, die nicht von den gewählten Repräsentanten des eigenen Landes regiert werden, sondern von den ökonomischen Interessen meist internationaler Konzerne.

b) Eine aktuelle (September 2019) Plakatwerbeaktion der Bundeswehr lässt sich, zumindest in Teilen, als Beispiel für Propaganda analysieren: Der Militärapparat präsentiert sich nicht nur als ,normales‘ Unternehmen, sondern auch als Ziel einer Berufung. Als Blickfang sind auf den Plakaten Personen in Halbtotale abgebildet, die zufrieden und freundlich auf den Betrachter blicken. Pro Plakat gibt es nur je ein Schlagwort: Office, Tech, Ausbildung, darunter die Zeile „Folge Deiner Berufung“. Außer dem offiziellen Emblem der Bundeswehr weist nichts auf den Auftraggeber hin, die hochtechnisierte Armee des Landes, die mittlerweile auch wieder an einem Angriffskrieg beteiligt war und an zahlreichen Kriegs- bzw. Kriseneinsätzen teilnimmt. Als sprachliche/szenische Mittel werden folgende eingesetzt:

  • Personalisierung (nicht der Militärapparat wird gezeigt, sondern Zivilisten)
  • Emotionalisierung (Ansprache mit intimem „Du“, „Berufung“ als Wort mit religiösen Assoziationen)
  • Dekontextualisierung (keine Uniform, keine Waffen, kein Hinweis auf den Zweck eines Militärapparates oder konkrete Einsätze, Anspielen der religiös-spirituellen Sphäre durch „Berufung“)

Literatur

Zum Weiterlesen

  • Bernays, Edward (2007): Propaganda. Kempten.
  • Burke, Kenneth (1971): Die Rhetorik in Hitlers „Mein Kampf“ und andere Essays zur Strategie der Überredung. Frankfurt a.M.
  • Bussemer, Thymian (2005): Propaganda. Konzepte und Theorien. Wiesbaden.
  • Voigt, Gerhard (1975): Goebbels als Markentechniker. In: Haug, W.F. (Hrsg.): Warenästhetik. Beiträge zur Diskussion, Weiterentwicklung und Vermittlung ihrer Kritik. Frankfurt, 231-260.

Zitierte Literatur

  • Bernays, Edward (2007): Propaganda. Die Kunst der Public Relations. Kempten.
  • Chomsky, Noam; Hermann, Edward (1988): Manufacturing Consent: The Political Economy of the Mass MediaNew York.
  • Domizlaff, Hans (1932): Propagandamittel der Staatsidee. Altona.
  • Haug, Wolfgang Fritz (1971): Kritik der Warenästhetik. Frankfurt.
  • Lasswell, Harold (1927): Propaganda Technique in the World War. London.
  • Lippmann, Walter (1990): Die öffentliche Meinung. Bochum.
  • Münzenberg, Willi (1937): Propaganda als Waffe. Paris.
  • Plenge, Johann (1921): Deutsche Propaganda. Die Lehre von der Propaganda als praktische Gesellschaftslehre. Bremen.

Zitiervorschlag

Weber, Susanna (2020): Propaganda. In: Diskursmonitor. Glossar zur strategischen Kommunikation in öffentlichen Diskursen. Hg. von der Forschungsgruppe Diskursmonitor und Diskursintervention. Veröffentlicht am 23.04.2020. Online unter: https://diskursmonitor.de/glossar/propaganda.

 

Grundbegriffe

Epistemischer Status

Als epistemischen Status bezeichnet man die Wissensbestände und -zugänge zu Ereignissen, Sachverhalten und Personen, die Gesprächsteilnehmer*innen ihrem Gegenüber in der Interaktion zuschreiben.

Topos

Ein Topos (Plural: Topoi) ist als ein Argumentationsmuster ein allgemeines Formprinzip, nach dem Argumente gebildet werden können. Als allgemeiner, formaler bzw. kontextabstrakter Topos kann er für oder gegen jede in Frage stehende Position angeführt werden. Topoi gehören zum kollektiven Wissen aller, die sich argumentativ äußern.

Strategische Kommunikation

Der Ausdruck Strategische Kommunikation bezeichnet ein Bündel an zeichenbasierten und in der Regel mediengestützten Aktivitäten, mit denen Individuen, Gruppen oder Organisationen versuchen, die Akzeptanz für ihre politischen, ökonomischen, rechtlichen oder anderweitig motivierten Interessen bei ausgewählten Zielgruppen zu halten oder zu erhöhen.

Korpus

In den Sprach- als auch Literaturwissenschaften versteht man unter Korpora ganz allgemein Textsammlungen.

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Protest

Protest ist die kollektive Artikulation von Unbehagen, Kritik oder Veränderungswillen, der sich in bestimmten Handlungen außerhalb etablierter institutioneller Kanäle des politischen Systems äußert. Organisiert wird Protest meist von Initiativen, politischen Gruppierungen oder sozialen Bewegungen in Form von Petitionen, Flugblattaktionen, Demonstrationen, Blockaden, Streiks, Happenings und andere Interventionen in der Öffentlichkeit – in direkter Präsenz, unter Einsatz des Körpers oder auch im virtuellen Raum.

Erzählen

Erzählen ist eine rekonstruktive und kommunikative Tätigkeit, in der für gewöhnlich eine vermittelnde Instanz ein Geschehen darstellt. Die Darstellung kann ein/e ErzählerIn vornehmen (entspricht einer engen Definition des Erzählens) oder sie kann medial anders – beispielsweise filmisch – dargeboten werden (entspricht einer weiten Definition des Erzählens). Dabei beruht das dargestellte Geschehen auf mindestens einem Ereignis.

Konnotation

Konnotation ist ein Fachbegriff, mit dem in der Sprachwissenschaft und benachbarten Disziplinen die Nebenbedeutung (oder der ‚Nebensinn‘) eines Ausdrucks bezeichnet wird. Die konnotative Bedeutung umfasst oft wertende (evaluative) oder handlungsauffordernde (deontische) Aspekte, die mit dem Gebrauch eines Ausdrucks aufgerufen werden können.

Framing

Kommunikationswissenschaftlicher Fachausdruck für den Deutungs- und Bewertungsrahmen, der durch einen politischen Begriff aufgerufen oder ihm fallweise beigegeben wird.

Dramaturgie

Im Rahmen strategischer Kommunikation steht Dramaturgie als Beschreibungsbegriff für den gezielten Rückgriff auf typische dramatische Muster bei der Inszenierung von Ereignissen.

Techniken

Aufwertung/Meliorisierung

Von Aufwertung/Meliorisierung wird in der Linguistik dann gesprochen, wenn ein Wort, das ursprünglich als Fremdbezeichnung der Diffamierung einer bestimmten Volks- oder Personengruppe diente, von dieser selbst dann als positive Eigenbezeichnung verwendet wird.

Domain-Grabbing

In der Internetkommunikation finden sich verschiedene Praktiken, die aus Sicht von Dritten (v.a. Markenhaltern) als illegitime oder gar rechtswidrige Inanspruchnahme von Domain-Namen und damit verbundener Aufmerksamkeitssteuerung kritisiert werden.

Affirmation

Im sprachwissenschaftlichen Sinne bezeichnet Affirmation die Behauptung oder Bejahung einer Aussage. Die affirmative Form eines Wortes oder Satzes ist das Gegenteil zur Verneinung (Negation).

Autoritäts-Topos

So wird – angelehnt an formallogische Darstellungen von Argumentationen (Oberprämisse plus Unterprämisse ergeben die Konklusion) – mit Bezug oder unter Berufung auf Autoritäten, oft auf Wissenschaftlerinnen/Experten in politischen Debatten häufig argumentiert, in diesem Fall bezüglich der Richtigkeit/Angemessenheit einer Bewertung.

Gewaltaufruf

Gewaltaufrufe initiieren und unterstützen eine von nahezu allen sozialen Gruppen ausgeübte kulturelle Praxis, individuelle wie kollektive Konfliktsituationen nicht mit diskursiven, friedlichen Mitteln zu lösen, sondern durch aggressives, repressives, verletzendes und zerstörendes bzw. Verletzung androhendes Handeln, das sowohl auf den Körper wie auf die Psyche von Menschen einwirken kann.

Untersuchungsausschuss

Untersuchungsausschüsse sind ein Kernbestandteil parlamentarischer Kontrolle in Deutschland. Als Verfahren, die zu einem großen Teil öffentlich durchgeführt werden, dienen sie dazu, politische Skandale der Regierung und Verwaltung aufzuarbeiten. Durch ihre Abschlussberichte, die dem Parlament vorgelegt werden, sollen Fehler der Exekutive sichtbar gemacht und Handlungsempfehlungen beschlossen werden.

Kalkulierter Verfassungsverstoß

Der Ausdruck ist paradox und insofern ein Prädikat aus der Beobachtung zweiter Ordnung. Handelnde pflegen ihrem eigenen Verständnis nach nicht kalkuliert – also rechtlich gesprochen: vorsätzlich – gegen die Verfassung zu verstoßen. Ein kalkulierter Verfassungsverstoß ist einem kalkulierten Mord nicht ähnlich.

Jargon

Jargon (aus frz. jargon nach altfrz. gargun ‚Zwitschern‘) bezeichnet eine Sprachgebrauchsform, die mit bestimmten Praxisgemeinschaften (Gruppen, die berufliche oder andere Interessen teilen) assoziiert wird. Jargons werden als ‚typisch‘ für die Mitglieder einer bestimmten sozialen Gruppe und für deren Interessen und soziale Positionen angesehen und dienen somit nach innen wie nach außen als sprachliches Erkennungs- und Abgrenzungsmerkmal.

Kampagne

Eine Kampagne ist die kommunikative Verfolgung eines wirtschaftlichen oder gesellschaftspolitischen Ziels, das nicht ohne andere Menschen zu erreichen ist. Kampagnen zielen auf die Beeinflussung des Denkens und Handelns von Menschen. Damit sind Kampagnen kommunikative Strategien zur Erlangung von Macht.

Lexikalisches Diffundieren

Lexikalisches Diffundieren besteht darin, Begriffe – vor allem Positivbegriffe, die eng mit dem politischen Gegner assoziiert werden – zu meiden und zu ‚ersetzen‘ durch eine Anzahl wechselnder bedeutungsähnlicher Begriffe jenseits des Vokabulars, das dem politischen Gegner zugerechnet wird.

Schlagwörter

Geschlechtergerechte Sprache

Mit dem heute als Fahnenwort gebrauchten Ausdruck geschlechtergerechte Sprache ist die Forderung verbunden, bei Personenbezeichnungen die einseitige, für diskriminierend erklärte Bezugnahme auf einen bestimmten Sexus, konkret: auf das männliche Geschlecht, zu unterlassen.

Identitätspolitik

Der Ausdruck steht heute für eine politische Konstellation, in der konkurrierende Wir-Gemeinschaften mit einer Diskriminierungs- und Benachteiligungsgeschichte in der Öffentlichkeit um Anerkennung konkurrieren. An der Oberfläche geht es ‚identitären‘ Wir-Gemeinschaften darum, die eigene Diskriminierung als Ermächtigungsmotiv an die Öffentlichkeit zu tragen.

Cancel Culture

Cancel Culture ist ein Kampf- und Stigmawort, das sich in skandalisierender Absicht gegen die Praxis (und oft auch bereits gegen die Forderung) des Absagens, Ausladens, Boykottierens moralisch missliebiger und politisch bekämpfter Personen, Organisationen und Positionen in Wissenschaft, Kultur und Politik wendet.

Elite

Einmal wird unter Elite eine Auswahl der Besten und Leistungsfähigsten verstanden, einmal in distanzierender Weise eine abgehobene ‚Kaste‘ der Reichen und Mächtigen im Gegensatz zum Volk. Erstere Variante wird in der Regel zur Verteidigung der etablierten Ordnung verwendet, letztere vor allem von Rechtspopulisten.

Altpartei

Der Ausdruck Altpartei wird in jüngerer Zeit häufig im Kontext des Aufstiegs des Rechtspopulismus und der AfD gebraucht. Dabei lassen sich hauptsächlich zwei Gebrauchsvarianten beobachten: Einerseits richtet sich der Ausdruck in abwertender Weise gegen etablierte Parteien, andererseits taucht er oft in sprachkritischen Kontexten auf, wo seine Verwendung und seine Sprecher kritisiert oder diskreditiert werden.

Verschwörungstheorie

Der Ausdruck gibt sich in der medialen Öffentlichkeit als analytisches Konzept, ist aber zugleich performativ hoch wirksam als Ausschluss aller erfolgreich so benannten Konzepte aus der rationalen öffentlichen Kommunikation.

Inklusion

Inklusion hat sich, ausgehend von einem soziologischen Fachterminus gleichen Namens, in den zwei vergangenen Jahrzehnten zu einem interdiskursiven und allgemeinen Programmbegriff gewandelt.

Innovation

Innovation gehört seit den 60er Jahren zu den häufig verwendeten Schlag– bzw. Fahnenwörtern, vor allem in den Feldern von Ökonomie und Politik. Konzepte und Vorhaben mit der Überschrift Innovation werden oft als Sachzwänge dargestellt, gegen die Einwände als nicht legitim erscheinen.

Postwachstum

Postwachstum ist im deutschsprachigen Diskurs Beschreibungsbegriff und Forderung zugleich: In einer Welt mit endlichen natürlichen Ressourcen müsse die bisher von Wirtschaftswachstum und Ausbeutung abhängige globale Ökonomie radikal verändert werden, um langfristig die menschliche Existenz zu sichern.

Links-Mitte-Rechts

Das Kontinuum Links-Mitte-Rechts dient der Einordnung von Personen, Parteien, Politiken etc. in den politischen Raum, ebenso auch der politischen Selbstverortung. Die Verwendung des Orientierungsschemas ist mehrfach relativ. Sie hängt einmal vom Punkt ab, an dem sich der Sprecher selbst lokalisiert, vom Nullpunkt der Verwendung.

Verschiebungen

Ökonomisierung

Ökonomisierung wird in gegenwärtigen Diskursen in der Regel zur Bezeichnung von Prozessen verwendet, in denen die spezifisch wirtschaftlichen Funktions-Elemente wie Markt, Wettbewerb/Konkurrenz, Kosten-Nutzen-Kalküle, Effizienz, Gewinnorientierung in Bereiche übertragen werden, die zuvor teilweise oder ganz nach anderen Leitkriterien ausgerichtet waren

Moralisierung

Moralisierung verlagert Macht- und Interessenkonflikte in die Sphäre der Kommunikation von Achtung / Missachtung. Sie reduziert Ambivalenz zugunsten einer Polarisierung von gut und böse.

Konstellationen

Skandal

Die Diskurskonstellation des Skandals zeichnet sich durch eine in den Medien aufgegriffene (bzw. durch sie erst hervorgerufene) empörte Reaktion eines erheblichen Teils der Bevölkerung auf einen tatsächlichen oder vermeintlichen Missstand aus. Die schuldhafte Verursachung dieses Missstandes wird dabei einem gesellschaftlichen Akteur zugeschrieben, dessen Handeln als ‚unmoralisch‘ gedeutet wird.