
DiskursGlossar
Jargon
Kategorie: Techniken
Verwandte Ausdrücke: Argot, Slang, Register, Szenesprache, Fachsprache, sozialer Stil
Siehe auch: Kulturelle Grammatik, Schlagwort, Euphemismus, Sprachpolitik, Indexikalität
Autor: Jürgen Spitzmüller
Version: 1.2 / Datum: 24.03.2022
Kurzzusammenfassung
Jargon (aus frz. jargon nach altfrz. gargun ‚Zwitschern‘) bezeichnet eine Sprachgebrauchsform, die mit bestimmten Praxisgemeinschaften (Gruppen, die berufliche oder andere Interessen teilen) assoziiert wird. Jargons werden als ‚typisch‘ für die Mitglieder einer bestimmten sozialen Gruppe und für deren Interessen und soziale Positionen angesehen und dienen somit nach innen wie nach außen als sprachliches Erkennungs- und Abgrenzungsmerkmal. Im alltagsweltlichen Diskurs ist Jargon in der Regel ein wertendes (sprachideologisches) Konzept, das den Sprachgebrauch bzw. das soziale Auftreten anderer – oft distanzierend und abwertend – charakterisiert oder im Sinne einer ironisch-distanzierenden (Selbst-)Charakterisierung Einsatz findet.
Erweiterte Begriffsklärung
Jargon ist eine von mehreren metasprachlichen Bezeichnungen, die sowohl als sprachwissenschaftlicher Terminus als auch als alltagssprachlicher Ausdruck verwendet werden (andere Bezeichnungen, auf die das zutrifft, sind etwa Slang, Pidgin, Floskel, Dialekt, Diskurs sowie auch Sprache). Entsprechend ist der Begriff sehr schillernd und differiert stark abhängig davon, ob man auf eine der wissenschaftlichen oder der alltagssprachlichen Bedeutungen Bezug nimmt. Generell lässt sich festhalten, dass mit Jargon im sprachwissenschaftlichen Sinne eher spezifische Formen gruppengebundener Sprache mit sozial-integrativer (‚indexikalischer‘) Funktion (Indexikalität) bezeichnet werden, während Jargon im alltagssprachlichen Sinn ein genereller mit sozialen Gruppen assoziierter, stark wertbeladener Ausdruck ist, der häufig als Kampfwort (Schlagwort) zur Bewertung und Abgrenzung von Sprachstilen und Sprecher*innengruppen eingesetzt wird.
Der Ausdruck wurde im 18. Jahrhundert aus dem Französischen entlehnt, wo er die Bedeutung ‚Geschwätz‘ (aus altfrz. gargun ‚Gezwitscher‘) hatte und mit ‚Unverständlichkeit‘ und ‚sozialer Tiefe‘ assoziiert war (vgl. Kalivoda 1998: 714–716). Eingang in die sprachwissenschaftliche Terminologie fand der Ausdruck über die sog. Sondersprachenforschung, die sich mit dem Sprachgebrauch bestimmter sozialer Gruppen befasst. In Abgrenzung zu Argot (Geheimsprachen) und Slang (expressiver Stil) bezeichnet Jargon dort den Sprachgebrauch von sozialen Gruppen, die entweder durch gemeinsame berufliche Tätigkeit oder durch andere soziale Parameter (wie Alter, soziale Schicht, gemeinsame Freizeitinteressen) zusammengehalten werden, von Sprecher*innen also, „die eine gemeinsame berufliche oder außerberufliche Betätigung ausüben, die ständig miteinander verkehren oder enger zusammenleben“ (Domaschnev 1987: 313). Entsprechend dieser beiden sozialen Bereiche unterscheidet man vielfach Fachjargon und Gruppenjargon (vgl. Domaschnev 1987: 314). Jargons zeichnen sich nach dieser soziolinguistischen Fassung dadurch aus, dass Konzepte, die im sozialen Leben der betreffenden Gruppen zentral sind, spezifische (häufig metaphorische) Bezeichnungen bekommen (bspw. Pille für Fußball), die den Status der Konzepte in der Lebenswelt der Gruppenangehörigen markieren und dabei für die Gruppe eine verbindende Funktion bekommen. Fachjargons in diesem Sinne sind nicht äquivalent zu Fachsprachen, da es ihnen weniger als diesen um terminologische Präzisierung und mehr um soziale Werte geht, die durch die Jargonismen zum Ausdruck gebracht werden. Von Argots werden Jargons dadurch abgegrenzt, dass sie nach außen weniger abschließend (nicht notwendigerweise esoterisch) sind, von Slang bisweilen dadurch, dass dieser auf „den nicht fachspezifischen Wortschatz anzuwenden [sei], der eine in humoristischer, spöttischer oder gar verächtlicher Weise ‚herabgesetzte‘ Färbung aufweist“ (Domaschnev 1987: 314), also spezifische Stileffekte intendiert. Allerdings ist anzumerken, dass diese Differenzierung auch in der Sondersprachenforschung nicht immer trennscharf gemacht wird und die Konzepte teilweise stark ineinander übergehen. Dies gilt insbesondere für Jargon und Slang (vgl. Dittmar 1997: 218–221).
In der neueren Soziolinguistik wird der Terminus kaum noch (terminologisch) gebraucht. Stattdessen spricht man (je nach soziolinguistischer Schule) allgemeiner von Varietäten (Sprachgebrauchsformen, die typisch für bestimmte soziale, regionale oder situative Konstellationen sind), sozialen oder funktionalen Stilen (Sprachgebrauchsformen, die von bestimmten Personen mit bestimmten sozialen oder anderen Funktionen verwendet werden) oder Registern (Sprachgebrauchsformen, die mit bestimmten Personen und Situationen assoziiert werden) (vgl. Neuland/Schlobinski 2018; Spitzmüller 2022). Das hat einerseits damit zu tun, dass sich das Postulat klar identifizierbarer Jargons (wie etwa eines ‚Jargons der Jugend‘) empirisch als nicht tragbar erwiesen hat (vgl. etwa Androutsopoulos 2006), andererseits aber auch mit der sozialen Bedeutung des Ausdrucks in der Alltagswelt, die sich als schwer aus der terminologischen Verwendung herauszuhalten gezeigt hat.
Im alltäglichen Sprachgebrauch hat Jargon häufig eine negative Bewertungskomponente, die sich etwa in Wortpartnern ausdrückt, mit denen das Nomen überzufällig häufig vorkommt. Das zeigt ein Blick in die großen Korpora (Textsammlungen) des Deutschen. Das überwiegend aus Zeitungstexten bestehende Digitale Wörterbuch der Deutschen Sprache (DWDS) etwa listet als typische Adjektivpartner von Jargon: schnoddrig, kanalisiert, neulink, verquast, verdrückt, branchenüblich, flapsig, salopp, unverständlich, rüd und als typische Präpositionalgruppen: verfallen in, verkommen zum (DWDS-Wortprofil für „Jargon“, erstellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache). Jedenfalls verweist der Ausdruck auf eine (aus Sicht der Sprechenden oder ‚normaler‘ Sprachteilhabender) ‚unübliche‘ Sprachgebrauchsform einer bestimmten Personengruppe (meist sind dabei spezifische Wörter gemeint), die nicht notwendigerweise als ‚unverständlich‘ dargestellt werden, vielfach aber als ‚schräg‘ und häufig auch als ‚bezeichnend‘ für eine bestimmte (häufig kritisierte) Haltung dieser Personengruppen. Dies lässt sich bereits in der syntaktischen Form erahnen, die im größten deutschsprachigen Korpus, dem Deutschen Referenzkorpus des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache (Teilkorpus W-öffentlich), als typischste Form im Zusammenhang mit Jargon genannt wird: wie es im Jargon von <X> heißt (Deutsches Referenzkorpus DeReKo-2021-I; s. dazu die Beispiele unten). Der Bewertungsaspekt des Ausdrucks zeigt sich auch in Buchtiteln – von Adornos ideologiekritischem „Jargon der Eigentlichkeit“ (Adorno 1964) über das sprachkritische „‚Wer oder was ist schief gelaufen?‘: Fehler, Jargon und falsche Grammatik im schriftlichen und mündlichen Gegenwartsdeutsch“ (Deterding 2018) bis hin zum neurechten „Jargon der Weltoffenheit: Was sind unsere Werte noch wert?“ (Böckelmann 2014).
Entsprechend dieser breiten Semantik ist auch die Funktion von Jargon in gesellschaftlichen und politischen Diskursen in mindestens zweierlei Hinsicht zu unterscheiden: Als Jargon (im soziolinguistischen Sinn) dient der spezifische Sprachgebrauch sozialer Gruppen dazu, nach außen und innen Zusammengehörigkeit (Identität) zu markieren, indem auf geteilte Wissensbestände häufig in sprachspielerischer Form Bezug genommen wird – dies mitunter auch mit (bewusst oder unbewusst) ausgrenzender oder für Gruppenfremde sachverhaltsverschleiernder Wirkung (Euphemismus). Jargon dient hier also primär der Darstellung eigener sozialer Positionierung und Profilierung, wozu auch die Darstellung bzw. Behauptung von Expertise gehört (vgl. Carr 2010). Als Jargon (im Sinne eines Schlag- und Kampfworts) dient der Ausdruck dazu, zur (nicht selten auch unterstellten) Rede- und Schreibweise anderer eine kritische Position einzunehmen (also eine Position zu Positionen einzunehmen) und diese als wenigstens ‚seltsam‘, vielfach auch als ‚irreführend‘ zu markieren. In beiden Fällen hat Jargon eine wesentliche und ambivalente (verbindende und zugleich trennende) soziale Kraft, die man soziolinguistisch (in ihrer sozialen Funktionalität) beschreiben, aber (in ihren gesellschaftlichen Konsequenzen wie Ausgrenzung und Stigmatisierung) durchaus auch kritisch diskutieren kann.
Beispiele
(1) Als Jargons im soziolinguistischen Sinne gelten beispielsweise die sogenannten Szenesprachen (genauer: Szenestile), also die Sprachgebrauchsformen, die sich innerhalb von gesellschaftlichen Gruppen herausbilden, die gemeinsame Interessen (wie Musikstile und andere popkulturelle Formen oder auch Aktivitäten wie das ‚Hacking‘) verfolgen (vgl. Androutsopoulos 2005; Hitzler/Niederbacher 2010). Neben Kleidung, Symbolen und bestimmten Medien gelten spezifische Sprachgebrauchsformen hierbei als zentrale Mittel, um innerhalb dieser Gruppen Zusammengehörigkeit herzustellen und zu signalisieren. Gleichzeitig werden dadurch Abgrenzungen nach außen, aber auch gruppeninterne Hierarchien und Differenzierungen markiert. Jargonismen wie bombardieren, Tags, Crews (Graffiti-Szene), Bank, Hammer und Combo (Skater-Szene) oder mumbeln, Lautis und hönkeln (Antifa-Szene) bezeichnen (und bewerten vielfach gleichzeitig auch) zentrale Praktiken, Ideen und Gegenstände der jeweiligen Szene (vgl. www.jugendszenen.com; zur Antifa-Szene ausführlicher Wallrodt/Seibert 2016). Dabei signalisieren sie auch szenespezifisches Wissen. Dieser Aspekt ist auch zentral bei der Verwendung von Jargonismen von Akteur*innen, die in bestimmten Diskurszusammenhängen Expertise beanspruchen. Wie Carr (2010: 20) betont, geht es hierbei vielfach weniger um die sprachliche Verschleierung als um die Markierung (einer Beanspruchung) von Wissen. Eine strategische Zweitverwertung solcher Jargons findet man vielfach in der Werbung, die durch die inszenierte Verwendung entweder die Anhänger einer bestimmten Szene bzw. sozialen Gruppe anzusprechen oder aber von deren Image zu profitieren versucht, wie das folgende Beispiel einer Kampagne der Arbeiterkammer Kärnten illustriert (vgl. auch Androutsopoulos 2005 zum Beispiel chillen).
Abb. 1 :„WTF? – Der Jugendpreis der IGKA 2020“ (Quelle: https://www.creos.at/details-46/wtf-der-jugendpreis-der-igka-2020.html ; Zugriff: 22.02.2022)
(2) Wenn man in medialen Diskursen nach dem Ausdruck Jargon sucht, findet man vor allem Verwendungen im Sinne von (distanzierenden) Sprachgebrauchsbewertungen. Hier einige Beispiele aus dem Deutschen Referenzkorpus (DeReKo-2021-I):
„Wir brauchen einen Abbaupfad“, beschrieb Möllring das niedersächsische Konzept, die Kreditaufnahme Jahr für Jahr zu senken – bis zur „Null“ schon 2017. „Sinkflug“ heißt das im Jargon der Koalition, „Sturzflug“ die Politik der SPD. (Braunschweiger Zeitung 22.03.2012)
So viele Namen gibt es für die Hauptschule. Vom „Deppendepot“ sprechen manche Jugendliche. Im Jargon der Politiker heißt sie mitunter „Aufbewahrungsanstalt“ und „Pädagogen“ sehen in ihr auch schon mal die Resteschule. (FOCUS 27.07.2009: 66–71)
Doch die Art, wie Widersprüche und alte Kampflyrik mit den – wie es im modischen Jargon heißt – „neuen Herausforderungen“ verknüpft sind und wie Funktionärspositionen des Status quo festgezurrt werden, mündet nur in eine sprachliche Katastrophe. (Kleine Zeitung 30.10.1998)
Die Organisation hatte dem sächsischen Innenministerium zufolge das Ziel, eine – wie es im rechtsextremen Jargon heißt – „national befreite Zone“ zu schaffen. (Nürnberger Zeitung 07.08.2008: 6)
Die Professoren verkriechen sich in ihren Spezialgebieten, was sich etwa in den Geisteswissenschaften darin zeigt, dass der Jargon, die Terminologie, stark zugenommen hat. Die Neuphilologen schmücken sich gerne mit einer übertriebenen Fachsprache, die der Linguistik entnommen ist. Dahinter steckt das Bedürfnis, Schutz zu suchen. Wenn man sich mit Fachwissen panzert, bleibt man unangreifbar. Wer hingegen allgemein verständlich spricht, exponiert sich. Doch wo kommen wir hin, wenn der Linguist den Historiker und der Philosoph den Philologen nicht mehr versteht? (Tages-Anzeiger 24.06.2002: 49)
Eine wichtige soziale Funktion solcher Bewertungen ist die Markierung eines kritischen Standpunkts durch die, die den Jargon-Vorwurf äußern, gegenüber denen, die der Vorwurf trifft. Die Kritik kann sich dabei darauf richten, dass die kritisierten Personen nicht in der Lage sind, Dinge ‚normal‘ oder ‚klar‘ zu äußern (Fachidiotenvorwurf), dass sie Dinge in Jargon ‚verkleiden‘, um ihre Banalität zu kaschieren (Imponiervorwurf) oder sie der Kritik zu entziehen (Esoterikvorwurf), oder dass durch den Jargon Dinge weniger problematisch dargestellt werden als sie sind (Verschleierungsvorwurf siehe Euphemismus). Personen, die den Vorwurf äußern, unterstellen dadurch nicht nur anderen ‚unangemessenen‘ Sprachgebrauch, von dem sie sich distanzieren, sie weisen sich selbst durch das Jargon-Verdikt auch die Fähigkeit zu, das sprachliche ‚Fehlverhalten‘ anderer zu durchschauen und zu wissen, wie man es ‚angemessener‘ ausgedrückt hätte. Jargonvorwürfe sind somit häufig auch Behauptungen von Expertise.
Literatur
Zum Weiterlesen
- Neuland, Eva; Schlobinski, Peter (Hrsg.) (2018): Handbuch Sprache in sozialen Gruppen. Handbücher Sprachwissen 9. Berlin & Boston: De Gruyter.
- Spitzmüller, Jürgen (2022): Soziolinguistik: Eine Einführung. Heidelberg: J. B. Metzler.
Zitierte Literatur und Belege
- Adorno, Theodor W. (1964): Jargon der Eigentlichkeit: Zur deutschen Ideologie. Edition Suhrkamp. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.
- Androutsopoulos, Jannis. (2005): „… und jetzt gehe ich chillen“: Jugend- und Szenesprachen als Erneuerungsquellen des Standards. In: Eichinger; Ludwig; Kallmeyer, Werner (Hrsg.): Standardvariation: Wie viel Variation verträgt die deutsche Standardsprache? (Jahrbuch des Instituts für Deutsche Sprache 2004). Berlin & New York: de Gruyter, S. 171–206.
- Androutsopoulos, Jannis (2006): Jugendsprachen als kommunikative soziale Stile: Schnittstellen zwischen Mannheimer Soziostilistik und Jugendsprachenforschung. Deutsche Sprache 34 (1–2), S. 106–121.
- Böckelmann, Frank (2014): Jargon der Weltoffenheit: Was sind unsere Werte noch wert? Edition Sonderwege. Waltrop: Manuscriptum.
- Carr, E. Summerson (2010): Enactments of expertise. Annual Review of Anthropology, 39, S. 17– 32.
- Deterding, Klaus (2018): „Wer oder was ist schief gelaufen?“ Fehler, Jargon und falsche Grammatik im schriftlichen und mündlichen Gegenwartsdeutsch. Berlin: Wissenschaftlicher Verlag.
- Dittmar, Norbert (1997): Grundlagen der Soziolinguistik: Ein Arbeitsbuch mit Aufgaben. Konzepte der Sprach- und Literaturwissenschaft 57. Tübingen: Niemeyer.
- Domaschnev, Anatoli I. (1987): Umgangssprache/Slang/Jargon. In: Ammon, Ulrich; Dittmar Norbert; Mattheier, Klaus J. (Hrsg.): Soziolinguistik: Ein internationales Handbuch zur Wissenschaft von Sprache und Gesellschaft. Bd. 1. Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft 3.1. Berlin & New York: de Gruyter, S. 308–315.
- DWDS (o.J.): Wortprofil für „Jargon“, erstellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache. Online unter: https://www.dwds.de/wp/Jargon ; Zugriff: 24.01.2022
- Hitzler, Ronald & Arne Niederbacher (2010): Leben in Szenen: Formen juveniler Vergemeinschaftung heute. 3., vollst. überarb. Aufl. (Erlebniswelten 3). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
- Jugendszenen.com (o.J.): Jugendszenen.com – Das Portal für Jugendszenen“. Online unter: http://www.jugendszenen.com/ ; Zugriff: 22.02.2022.
- Kalivoda, Gregor (1998): Jargon. In: Ueding, Gert (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Bd. 4: Hu—K, 712–717. Tübingen: Niemeyer.
- Neuland, Eva; Schlobinski, Peter (Hrsg.) (2018): Handbuch Sprache in sozialen Gruppen. Handbücher Sprachwissen 9. Berlin & Boston: De Gruyter.
- Spitzmüller, Jürgen (2022): Soziolinguistik: Eine Einführung. Heidelberg: J. B. Metzler.
- Wallrodt, Ines; Seibert Niels (2016): Murmeln, Mumbeln, Flüstertüte: Lexikon der Bewegungssprache. Münster: Unrast.
Abbildungsverzeichnis
- Abbildung 1: „WTF? – Der Jugendpreis der IGKA 2020“ (Quelle: https://www.creos.at/details-46/wtf-der-jugendpreis-der-igka-2020.html ; Zugriff: 22.02.2022).
Zitiervorschlag
Spitzmüller, Jürgen (2022): Jargon. In: Diskursmonitor. Glossar zur strategischen Kommunikation in öffentlichen Diskursen. Hg. von der Forschungsgruppe Diskursmonitor und Diskursintervention. Veröffentlicht am 24.03.2022. Online unter: https://diskursmonitor.de/glossar/jargon.
DiskursGlossar
Grundbegriffe
Begriffsgeschichte
Die Begriffsgeschichte lässt sich allgemein als eine historische Methode beschreiben, die den zeitlichen Wandel der Bedeutungen von bestimmten Ausdrücken untersucht. Da einzelne Worte nie isoliert begegnen und ihre jeweiligen Bedeutungen erst im Kontext größerer sprachlicher Zusammenhänge oder semantischer Felder greifbar werden, verbindet sie sich flexibel mit anderen Methoden historischer Semantik, wie etwa der Diskursgeschichte, der Argumentationsgeschichte oder der Metaphernforschung (Metaphorologie).
Diskurssemantische Verschiebung
Mit dem Begriff der diskurssemantischen Verschiebung wird in der Diskursforschung ein Wandel in der öffentlichen Sprache und Kommunikation verstanden, der auf mittel- oder län-gerfristige Veränderung des Denkens, Handelns und/oder Fühlens größerer Gesellschafts-gruppen hinweist.
Domäne
Der Begriff der Domäne ist aus der soziologisch orientierten Sprachforschung in die Diskursforschung übernommen worden. Hier wird der Begriff dafür verwendet, um Muster im Sprachgebrauch und kollektiven Denken von sozialen Gruppen nach situationsübergreifenden Tätigkeitsbereichen zu sortieren.
Positionieren
Positionieren ist Grundbestandteil menschlicher Kommunikation. Wann immer wir miteinander interagieren und kommunizieren, bringen wir uns selbst, andere und die Objekte, über die wir sprechen, in bestimmte Relationen zueinander.
Deutungsmuster
Unter einem Deutungsmuster wird die problem- und lösungsbezogene Interpretation gesellschaftlicher und politischer Tatbestände verstanden, die Aussicht auf Akzeptanz in sozialen Gruppen hat. Der Begriff des Deutungsmusters hat Ähnlichkeit mit den Begriffen der Theorie und Ideologie. Meist werden gesellschaftlich verbreitete Leitdeutungen, die oft mit Schlagwörtern und Argumentationsmustern einhergehen (wie Globalisierung, Kapitalismus, Leistungsgesellschaft, Chancengleichheit etc.) als Beispiele für Deutungsmuster genannt.
Sinnformel
‚Wer sind wir? Woher kommen, wo stehen und wohin gehen wir? Wozu leben wir?‘ Auf diese und ähnliche existentielle Fragen geben Sinnformeln kondensierte Antworten, die in privaten wie sozialen Situationen Halt und Argumenten in politischen und medialen Debatten einen sicheren Unterbau geben können.
Praktik
Eine Praktik ist ein spezifisches, situativ vollzogenes und sinnhaftes Bündel von körperlichen Verhaltensweisen, an dem mehrere Menschen und Dinge beteiligt sein können (z. B. Seufzen, um Frust auszudrücken, oder einen Beschwerdebrief schreiben, Fußballspielen).
Kontextualisieren
Kontextualisieren wird im allgemeineren bildungssprachlichen Begriffsgebrauch verwendet, um das Einordnen von etwas oder jemandem in einen bestimmten Zusammenhang zu bezeichnen.
Narrativ
Mit der diskursanalytischen Kategorie des Narrativs werden Vorstellungen von komplexen Denk- und Handlungsstrukturen erfasst. Narrative in diesem Sinne gehören wie Schlagwörter, Metaphern und Topoi zu den Grundkategorien der Analyse von Diskursen.
Argumentation
Argumentation bezeichnet jene sprachliche Tätigkeit, in der man sich mithilfe von Gründen darum bemüht, die Richtigkeit einer Antwort auf eine bestimmte Frage zu erweisen. Das kann in ganz verschiedenen Situationen und Bereichen nötig sein, namentlich um eine poli-tische, wissenschaftliche, rechtliche, unternehmerische oder private Angelegenheit zu klären.
Techniken
AI-Washing/KI-Washing
Unter AI-Washing ist die Praxis von Unternehmen oder Organisationen zu verstehen, Produkte, Dienstleistungen oder Geschäftsmodelle mit dem Etikett „Künstliche Intelligenz“ (KI bzw. „Artificial Intelligence“ (AI)) zu versehen, obwohl deren tatsächlicher Einsatz von KI-Technologien entweder stark übertrieben, nur marginal vorhanden oder überhaupt nicht gegeben ist.
Dogwhistle
Unter Dogwhistle wird in Teilen der Forschung eine doppeldeutige Äußerung verstanden, die eine offene und eine verdeckte Botschaft an jeweils eine Zuhörerschaft kommuniziert.
Demonstrieren
« Zurück zur ArtikelübersichtDemonstrieren Kategorie: TechnikenVerwandte Ausdrücke: Auf die Straße gehen, Straßenprotest, Kundgebung, öffentliche Versammlung, Mahnwache, Menschenkette, Marsch, SitzblockadenSiehe auch: Protest, Politische Aktion, Politische Bildung,...
Boykottaufruf
Der Boykottaufruf ist eine Maßnahme, die darauf abzielt, ein Ziel, also meist eine Verhaltensänderung des Boykottierten, hervorzurufen, indem zu einem Abbruch etwa der wirtschaftlichen oder sozialen Beziehungen zu diesem aufgefordert wird.
Tabuisieren
Das Wort Tabuisierung bezeichnet die Praxis, etwas Unerwünschtes, Anstößiges oder Peinliches unsichtbar zu machen oder als nicht akzeptabel zu markieren. Das Tabuisierte gilt dann moralisch als unsagbar, unzeigbar oder unmachbar.
Aus dem Zusammenhang reißen
Das Aus-dem-Zusammenhang-Reißen gehört in den Funktionskreis der Redewiedergabe bzw. der Wiedergabe kommunikativer Ereignisse. Es kann (1) als intentionale argumentativ-polemische Strategie für ganz unterschiedliche diskursive Zielsetzungen von Akteuren genutzt werden, oder (2) es kann SprecherInnen und SchreiberInnen in unbeabsichtigter, fehlerhafter Weise unterlaufen.
Lobbying
Lobbying ist eine Form strategischer Kommunikation, die sich primär an Akteure in der Politik richtet. Beim Lobbying wird ein Bündel von kommunikativen Tätigkeiten mit dem Ziel eingesetzt, die Entscheidungen von Personen mit politischem Mandat oder den Entstehungsprozess von neuen Gesetzestexten interessengeleitet zu beeinflussen.
Karten
Karten dienen dazu, Raumausschnitte im Hinblick auf ausgewählte Charakteristika so darzustellen, dass die Informationen unmittelbar in ihrem Zusammenhang erfasst und gut kommuniziert werden können. Dazu ist es notwendig, Daten und Darstellungsweisen auszuwählen und komplexe und oft umkämpfte Prozesse der Wirklichkeit in einfachen Darstellungen zu fixieren.
Pressemitteilung
Pressemitteilungen sind standardisierte Mitteilungen von Organisationen, die sich an Journalist:innen und andere Multiplikator:innen richten. Sie dienen der offiziellen und zitierfähigen Informationsweitergabe und übernehmen zugleich strategische Funktionen in der öffentlichen Kommunikation und Meinungssteuerung.
Shitstorm
Der Begriff Shitstorm beschreibt eine relativ junge Diskurskonstellation, die seit den 2010er Jahren an Bedeutung gewonnen hat und gemeinhin als Online-Wutausbruch bezeichnet wer-den kann.
Schlagwörter
Brückentechnologie
Ganz allgemein wird unter dem Schlagwort der Brückentechnologie sowohl in den öffentlichen Medien als auch in technisch und wirtschaftlich dominierten Kontexten eine Technologie verstanden, die zeitlich befristet eingesetzt werden soll, bevor in Zukunft der Übergang zu einer als sinnvoller eingeschätzten anderen Technologie möglich ist.
Deindustrialisierung
Der Ausdruck Deindustrialisierung (auch De-Industrialisierung oder als Verb deindustrialisieren) beschreibt im öffentlichen Sprachgebrauch eine negativ bewertete Form des Strukturwandels durch Rückgang von produzierendem Gewerbe.
Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit als ein Schlagwort des öffentlichen Diskurses bezieht sich ganz allgemein auf einen ressourcenschonenderen Umgang mit dem, was uns Menschen der Planet Erde bietet, mit dem Ziel, dass auch nachfolgende Generationen noch die Möglichkeit haben, ähnlich gut zu leben wie wir heute (Generationengerechtigkeit).
Echokammer
Der Begriff der Echokammer steht in seiner heutigen Verwendung vor allem im Zusammenhang mit der Nutzung Sozialer Medien. Er verweist metaphorisch auf einen digitalen Kommunikations- und Resonanzraum, in dem Mediennutzer*innen lediglich Inhalten begegnen, die ihre eigenen, bereits bestehenden Ansichten bestätigen, während abweichende Perspektiven und Meinungen ausgeblendet bzw. abgelehnt werden.
Relativieren
Der Ausdruck relativieren besitzt zwei zentrale Bedeutungsvarianten: In bildungssprachlichen und wissenschaftlichen Kontexten bezeichnet er eine analytische Praxis, bei der Aussagen, Begriffe oder Phänomene durch Bezugnahme auf andere Sachverhalte eingeordnet, differen-ziert und in ihrer Geltung präzisiert werden.
Massendemokratie
Geprägt wurde der Begriff Massendemokratie im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts von völkisch-konservativen Akteuren (prominent darunter Carl Schmitt 1926). Der Ausdruck Masse hatte damals bei den bürgerlichen Eliten eine rundum bedrohliche Assoziation.
Social Bots
Als Social Bots werden Computerprogramme bezeichnet, die in der Lage sind, in sozialen Medien Kommunikation menschlicher Nutzer*innen (teilweise) automatisiert nachzuahmen.
Kriegsmüdigkeit
Der Ausdruck Kriegsmüdigkeit bezeichnet die emotionale und physische Erschöpfung von Menschen, die einen Krieg erleben, sowie die gesellschaftliche und politische Ermüdung angesichts langanhaltender Konflikte. Er beschreibt den sinkenden Kampfeswillen bei Kriegsparteien und heute wird er auch für das wachsende Desinteresse an Kriegsthemen in Medien und Öffentlichkeit genutzt.
Woke
Der Ausdruck woke stammt aus dem afroamerikanischen Englisch und bezeichnete dort zunächst den Bewusstseinszustand der Aufgeklärtheit über die Verbreitung von rassistischen Vorurteilen und Diskriminierung unter Angehörigen ethnischer Minderheiten.
Identität
Unter Identität versteht man allgemein die Summe von Merkmalen, die Individuen oder sozialen Kollektiven – etwa Nationen, Organisationen oder sozialen Gruppen – als charakteristisch oder gar als angeboren zugeordnet werden.
Verschiebungen
Dehumanisierung
Mit Dehumanisierung bzw. Anthropomorphisierung werden solche kommunikativen Techniken und Praktiken bezeichnet, die Personen, Sachverhalten oder Gegenständen menschliche Eigenschaften ab- bzw. zusprechen. Dehumanisierung und Anthropomorphisierung können sowohl durch sprachliche Mittel als auch durch andere, z. B. bildliche, Zeichen vollzogen werden.
Kriminalisierung
Kriminalität meint ein Verhalten, das gegen ein Gesetz verstößt. Folglich bedeutet Kriminalisierung im engeren Sinne den Vorgang, durch den Verhalten ungesetzlich gemacht wird – indem Gesetze geschaffen werden.
Versicherheitlichung
In akademischen Kontexten wird Versicherheitlichung in Abgrenzung zu einem naiv-realistischen Sicherheitsverständnis verwendet. Dieses betrachtet Sicherheit als einen universell erstrebenswerten und objektiv feststellbaren Zustand, dessen Abwesenheit auf das Handeln von Akteuren zurückzuführen ist, die feindselig, kriminell, unverantwortlich oder zumindest fahrlässig agieren.
Ökonomisierung
Ökonomisierung wird in gegenwärtigen Diskursen in der Regel zur Bezeichnung von Prozessen verwendet, in denen die spezifisch wirtschaftlichen Funktions-Elemente wie Markt, Wettbewerb/Konkurrenz, Kosten-Nutzen-Kalküle, Effizienz, Gewinnorientierung in Bereiche übertragen werden, die zuvor teilweise oder ganz nach anderen Leitkriterien ausgerichtet waren
Moralisierung
Moralisierung verlagert Macht- und Interessenkonflikte in die Sphäre der Kommunikation von Achtung / Missachtung. Sie reduziert Ambivalenz zugunsten einer Polarisierung von gut und böse.
Konstellationen
Krise
Krise ist vom Wort mit fachsprachlicher Bedeutung zur Zeitdiagnose und einem zentralen Begriff der öffentlich-politischen Kommunikation geworden. Der öffentlich-politische Krisenbegriff ist dabei – unabhängig vom Gegenstand der Krise – in eine krisendiskurstypische Konstellation zur Begründung von krisenüberwindenden Handlungen eingebettet.
Partizipatorischer Diskurs
Partizipation ist mittlerweile von der Forderung benachteiligter Personen und Gruppen nach mehr Beteiligung in der demokratischen Gesellschaft zu einem Begriff der Institutionen selbst geworden: Kein Programm, keine Bewilligung mehr, ohne dass bestimmte Gruppen oder Personen dazu aufgefordert werden, für (mehr) Partizipation zu sorgen.
Skandal
Die Diskurskonstellation des Skandals zeichnet sich durch eine in den Medien aufgegriffene (bzw. durch sie erst hervorgerufene) empörte Reaktion eines erheblichen Teils der Bevölkerung auf einen tatsächlichen oder vermeintlichen Missstand aus. Die schuldhafte Verursachung dieses Missstandes wird dabei einem gesellschaftlichen Akteur zugeschrieben, dessen Handeln als ‚unmoralisch‘ gedeutet wird.
DiskursReview
Review-Artikel
Memes als moderne Propaganda – Eine sprach- und medienkritische Untersuchung
Digitale Kommunikationsformen prägen heutige gesellschaftliche Debatten weitaus stärker als die klassischen Medien. Ihr Einfluss auf die politische Meinungsbildung und die Ausbildung ideologischer Positionen ist inzwischen unverkennbar und zählt zu den markantesten Entwicklungen der digitalen Gegenwart. Besonders hervorzuheben sind Memes: Sie verbreiten sich schnell, arbeiten mit humoristischen Mitteln und verdichten komplexe Inhalte auf ein Minimum an Zeichen. In öffentlichen Diskursen werden sie daher nicht mehr als spielerisches Internetphänomen betrachtet, sondern als ernstzunehmendes Instrument politischer Kommunikation und den damit einhergehenden propagandistischen Strategien.
Zeitalter der Polykrisen – Was sagt die Polykrise über die Gegenwart und Zukunft?
Beim Durchscrollen der Tagesschlagzeilen ist einem in den letzten Jahr wahrscheinlich der Ausdruck Polykrise ins Blickfeld geraten. Solche Schlagzeilen in deutschsprachigen Medien lauten beispielsweise (1) „Klimawandel, Krieg in der Ukraine, Abstiegsängste – die Welt ist aus den Fugen geraten: Drei Bücher zeigen Wege aus der Polykrise“ (Friedl 2026); (2) „Kritische Psychotherapie: Psychotherapie in der Polykrise“ (Dicks 2026); (3) „Optimismus in der Polykrise“ (Kolev 2025); (4) „Was tun gegen die …
„Genderwahn“ als sprachkritische Abwertung: Eine kritische Betrachtung
„Die Debatte über Gendern und Nicht-Gendern kann ich schon nicht mehr hören. Soll es doch jeder machen, wie er es selbst will.“ Dieses Zitat äußert der ehemalige Bundeskanzler Olaf Scholz im Rahmen der Feier zugunsten des Grundgesetzes, welches im Jahre 2024 den 75. Geburtstag feierte (vgl. Steinkohl et al. 2024). Deutlich wird hierbei, dass die Thematik rund um das Gendern in der Politik aufgefasst wird. Allerdings wird gleichzeitig deutlich, dass die Debatte in der Öffentlichkeit stark kritisiert …
Klimaterroristen: Wie Sprache politische Fronten schafft
Der öffentliche Diskurs über Klimaaktivismus ist in den vergangenen Jahren zunehmend polarisiert. Vor diesem Hintergrund hat sich der Ausdruck Klimaterrorist zu einem politisch und gesellschaftlich stark aufgeladenen Schlagwort entwickelt, das im Jahr 2022 als „Unwort des Jahres“ gewählt wurde (vgl. 2020ff. – Unwort des Jahres). Seine Verwendung verweist auf Konflikte über Legitimität, Moral und Rechtmäßigkeit verschiedener Formen des Protests. Gleichzeitig fungiert der Begriff als sprachliches …
Negativ konnotierte Fremdzuschreibung durch diskriminierende Begriffe – Ein sprachkritischer Beitrag zur Bezeichnung „Kanake“ und dem Zukunftswort „Talahon“
„Gerade diese scheinbar ›milden‹ Formen des Rassismus, die über die Sprache transportiert werden, sind schwer zu bekämpfen, da vielen Menschen nicht klar zu sein scheint, welche Macht Sprache besitzt.“ (Kunz, 2021, S. 58).
Der Begriff „Kanake“ (teilweise auch „Kanacke“) bedeutet in seiner ursprünglichen Bedeutung Mensch und bezeichnete Bewohner*innen der Inselgruppe Neukaledoniens im südlichen Pazifik (vgl. Trost, 2002). Dem Gebrauch lag dabei die Charakterisierung einer spezifischen Gesellschaft …
Wenn aus Vielen Einer wird – Warum pauschale Nationsbezeichnungen sprachlich gefährlich sind
„In dieser Situation sind die Deutschen sehr unzufrieden mit der Arbeit der Politik.“ (Kinkartz, 2025), schreibt die Deutsche Welle im November 2025. Gemeint ist dabei keine einzelne Person oder klar definierte Gruppe, sondern eine ganze Nation, welche mit einem einzigen Artikel zu einem scheinbar einheitlichen Kollektiv zusammengefasst wurde. Solche Formulierungen sind kein Einzelfall. Ähnliche Beispiele, wie „Die Russen greifen an vielen Stellen an“ (Die Welt am Morgen, 2024), „Die Ukrainer …
Das Crazy, wenn Worte Brücken zwischen Generationen sprengen! – Eine sprachkritische Betrachtung von Jugendsprache: Mediale Darstellung, Generationenkonflikt und Pädagogische Einschätzung
Das Jugendwort des Jahres 2025 lautet „das Crazy“. Es meint: „Es gibt keine wirklich passende Antwort. Oder keine wirklich höfliche. Oder eine zu ausführliche, auf die der Antwortende aber gerade keine Lust hat. Oder einfach nur okay“ (Tagesschau, 2025). Torsten Sträter, Kabarettist und Vertreter der Generation X, hört es und stockt: „…das sind zwei Worte… [außerdem] fehlt eins… Vielleicht bin ich ein zu verknöcherter alter Mann geworden, dass ich mich über so eine Kacke… Wer es sagt – Ohrfeige“ …
„Stadtbild“ als politisches Schlagwort – Ein sprach- und medienkritischer Beitrag zur migrationspolitischen Äußerung von Friedrich Merz
Im Rahmen einer Pressekonferenz äußerte sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am 14. Oktober 2025 bei einem Besuch in Brandenburg zur Migrationspolitik. Er verwies dabei auf sinkende Migrationszahlen sowie auf bereits geplante und umgesetzte Maßnahmen, insbesondere Rückführungen. Merz verwendete dabei den Ausdruck „Stadtbild“, der im gegebenen Kontext negativ konnotiert wurde und sich daraufhin innerhalb kurzer Zeit zu einem politischen Schlagwort entwickelte.
Ausgangspunkt war eine journalistische …
Sprache im Scroll-Modus – Brainrot, Memes und medienkritische Deutungen der kindlichen Kommunikation
Laut der KIM-Studie im Jahr 2024 nutzten 54 Prozent der 6- bis 13-Jährigen täglich das Internet (mpfs, 2024). Das sind 7 Prozent mehr als im Jahr 2022 (mpfs, 2024). Besonders auffällig ist, dass 23 Prozent dieser Altersgruppe täglich oder fast täglich TikTok verwenden, während Instagram nur von 11 Prozent genutzt wird (mpfs, 2024). Mit der intensiveren Nutzung der sozialen Medien gewinnen auch Memes an Bedeutung: Dabei handelt es sich um multimodale Inhalte aus Texten, Bildern, Videos, GIFs, Sounds …
Wenn ein Wort mehr sagt als ein Satz: Der Begriff „Klimakleber“ als Beispiel sprachlicher Rahmung
In einem Kommentar der Süddeutschen Zeitung erwähnt Mareen Linnarzt den Gedanken, dass Sprache lenkt, wie man denkt (vgl. Linnarzt und Steinke 2023). Diese Aussage verweist auf eine grundlegende Eigenschaft von Sprache, die im alltäglichen Mediengebrauch häufig wenig reflektiert wird. Medien verfügen über die Möglichkeit, einzelne Teilaspekte eines Themas hervorzuheben und andere in den Hintergrund zu rücken (vgl. Hasebrink). Auf diese Weise entstehen Deutungsrahmen, innerhalb derer Ereignisse …