DiskursGlossar

Links-Mitte-Rechts

Kategorie: Schlagwörter
Verwandte Ausdrücke:
politische Lager, Partei, Strömung, progressiv, gemäßigt, konservativ, liberal, patriotisch/national
Siehe auch: Totalitarismus, Demokratie, Normalismus, Mitte, Altpartei, sozialistisch, Populismus, Globalisierung
Autor: Clemens Knobloch
Version: 1.4 / 17.04.2020

Kurzzusammenfassung

Das Kontinuum Links-Mitte-Rechts dient der Einordnung von Personen, Parteien, Politiken etc. in den politischen Raum, ebenso auch der politischen Selbstverortung. Die Verwendung des Orientierungsschemas ist mehrfach relativ. Sie hängt einmal vom Punkt ab, an dem sich der Sprecher selbst lokalisiert, vom Nullpunkt der Verwendung. Dann aber auch von der jeweiligen Bestimmung der politischen Mitte, die den neutralen Nullpunkt des Schemas selbst abgibt (und laufend verschoben werden kann): Was eben noch rechts oder links war, kann morgen schon als Mitte gelten (und umgekehrt). Und je nachdem, wo man den neutralen Mittepunkt lokalisiert, verschieben sich auch die Ränder. Rückt die Mitte nach rechts, so wird links, was kürzlich noch Mitte war etc.

Die Positionen des Schemas sind zugleich lokalisierend und werthaltig. Der Wertgehalt ist ebenfalls abhängig von der Selbstlokalisierung des Sprechers. Mit der positiven Bewertung der eigenen Position korreliert automatisch die negative Bewertung der anderen Positionen im Schema.

Das Schema wird in zwei sich ergänzenden Varianten gebraucht, von denen das eine als ,Gleichgewichtswaage‘, das andere als ,symbolischer Bürgerkrieg‘ bezeichnet wird. Solange Gleichgewichtswaage gespielt wird, ist die Mitte der symbolische Wunschort, zu dem alle hinstreben. Wer sich erfolgreich als Mitte definiert, der definiert zugleich die Grenzen hin zu den Rändern: Er bestimmt auf flexible Weise, welche Positionen außerhalb der Mitte für noch integrierbar gelten und welche als ,extremistisch‘ oder ,terroristisch‘ ausgeschlossen werden. Das Modell Gleichgewichtswaage symbolisiert Normalität. Das Modell symbolischer Bürgerkrieg hingegen steht für drohende Denormalisierung. In diesem Modell verkörpert die Mitte den Ort, an welchem die Lauen, Neutralen, Liberalen stehen und von den Extremen her gemeinsam bekämpft werden. Die Mitte wird zum verächtlichen Ort und die Extreme schließen sich gegen sie zusammen. Im symbolischen Bürgerkrieg wird schon der Nachbar im politischen Spektrum zum absoluten Feind. Jede Form von Opposition gilt als ,terroristisch‘ (wie z.B. in der Türkei Erdogans). Der Feind steht überall, wo man selbst nicht steht.

Die Rede ist dann warnend vom drohenden Verlust der Mitte, vom Extremismus der Mitte, von der schrumpfenden Mitte. Gegenwärtig beschwört die (liberale) Mitte eine rechts- und linkspopulistische Bedrohung der Normalität und warnt vor den Verhältnissen des symbolischen Bürgerkriegs. Es ist ein Standardnarrativ, dass die Weimarer Republik von rechten und linken Extremisten zerstört worden sei, die gemeinsam gegen die demokratische Mitte operierten.

Eine besondere Rolle spielt die Mitte im politischen Orientierungsfeld auch darum, weil Mitte nicht nur im Zentrum des politischen Meinungskontinuums zwischen links und rechts, sondern als Kollektivsymbol zugleich auch im Zentrum der vertikalen, gesellschaftlichen, ökonomischen Klassen- oder Schichtenordnung steht: zwischen arm und reich, zwischen oben und unten (Mittelschicht). Die gesellschaftliche Mitte gilt als Trägerschicht der politischen Mitte, und jede ökonomische oder soziale Bedrohung der Mittelschichten gefährdet im Rahmen dieser Kollektivsymbolik zugleich auch die politische Stabilität.

Erweiterte Begriffsklärung

Die diskurssemantische Orientierungsfunktion des Schemas liegt darin, dass es für diskontinuierliche Inhalte, Positionen, Identitäten ein kontinuierliches und stabiles Bezugssystem zur Verfügung stellt. Man kann sich selbst noch als links oder in der Mitte bezeichnen, wenn man Positionen längst nicht mehr teilt, die einmal für links galten. Weiterhin vereinheitlicht das Schema Politiken, Einstellungen, Haltungen aus ganz unterschiedlichen Themenfeldern: von der Ökonomie über persönliche Werthaltungen bis hin zu Familie, Ökologie, Migration etc. Auf jedem Themenfeld lassen sich linke, rechte, mittige Positionen ausmachen. Das Schema verfügt also über eine Art von semantischer Gleichrichterfunktion für thematisch diverse Diskurse. Zu den symbolpolitisch wichtigen Dimensionen, die durch das Schema koordiniert werden, gehört zentral der Gegensatz zwischen universalistischen und partikularistischen Orientierungen. Traditionell steht die Linke für universalistische und internationalistische Werte, während die Rechte national und partikular denkt. Die Rhetorik der Globalisierung hat universalistische Symbole zusehends in die Mitte und nach rechts bewegt.

Eigentliche Gegenbegriffe oder Alternativen zum Schema gibt es nicht. Es fehlt allerdings zu keiner Zeit an Versuchen, das Links-Rechts-Schema öffentlich für überholt zu erklären. Zu den gebräuchlichen Varianten gehören:

[a] alternative Topologien (Tony Blair erklärte in den 1990er Jahren, er wolle weder rechts noch links sein, sondern ,vorne‘).

[b] Totalitarismusmodelle, die rechts und links gleichsetzen, und komplementär:

[c] Neue-Mitte-Modelle, die rechte und linke Positionen für überholt und endgültig diskreditiert erklären.

In der Regel verwenden aber auch diejenigen das Schema weiter, die es für obsolet/überholt erklären. Tendenziell unterlaufen auch politische Selbstbezeichnungen wie ,liberal‘ oder ,ökologisch‘ das Schema. Traditionell werden diejenigen, die sich solchermaßen etikettieren, dann nach konkreten politischen Forderungen oder Programmen in das Schema einsortiert.

Bedingung für die erfolgreiche Verwendung des Schemas ist die erfolgreiche Selbstlokalisierung an einer zum jeweiligen Zeitpunkt attraktiven und resonanten Position des Schemas. Meinungsumfragen ergeben immer wieder, dass befragte Personen bereit sind, sich selbst politisch an einer Position des Schemas einzuordnen (vgl. Lantz 2001: 165-174; Knobloch 2001: 175-190). Solange das symbolische Modell der Gleichgewichtswaage funktioniert, tendieren die politischen Selbstverortungen (ebenso wie auch die gesellschaftlich-sozialen) zur Mitte. Nur wenige Personen bezeichnen sich selbst als extremistisch oder links- oder rechtsradikal. Dadurch entsteht eine (freilich fragile) Tendenz, die Mitte als autoritativen symbolischen Ort zu besetzen. Was heute als Populismus bezeichnet wird, das ist die Gesamtheit der Strömungen, die gegenüber den Mittebesetzern skeptisch geworden sind.

Das Schema wird historisch gewöhnlich auf die Sitzordnung in der nachrevolutionären Nationalversammlung Frankreichs zurückgeführt. Während die vorrevolutionäre Ständeversammlung ihre Abgeordneten nach Ständen platzierte, sollte die nachrevolutionäre Sitzordnung Einstellungen und politische Unterschiede symbolisieren. Das ist plausibel, aber historisch uneindeutig.

Es gibt sowohl einen performativen als auch einen wissenschaftlich-analytischen Gebrauch des Schemas. In der analytischen Verwendung versucht man, Einstellungen und Überzeugungen definitorisch als links oder rechts festzulegen, was freilich mit der performativen Beweglichkeit des Orientierungsschemas kaum vereinbar ist (vgl. Noelle-Neumann 1996: 243-267). Dessen fachlicher Gebrauch tendiert dazu, hinter der performativen Realität herzuhinken. Zudem ist auch der analytische Gebrauch des Schemas darin immer auch performativ, dass er festzulegen sucht, was für den Gebrauch beweglich bleiben muss.

Veränderungen im Gebrauch des Schemas reflektieren Gewichtsverschiebungen zwischen den symbolischen Positionen. So führte die Diskreditierung alles links Konnotierten nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Länder dazu, dass ehedem gemäßigt-sozialreformerische Positionen aus der rechten Mitte nunmehr als ,sozialistisch‘ oder gar ,kommunistisch‘ rekodiert wurden. Obamas (privatkapitalistische) Krankenversicherungsinitiative wurde von Republikanern als ,Sozialismus‘ gebrandmarkt. Zunehmend erfolgreiche rechtspopulistische Organisationen bewegen mehr oder minder automatisch die Mitte ebenfalls nach rechts. Im hegemonialen Gebrauch ist das Schema auch darum nützlich, weil es, autoritativ erfolgreich eingesetzt, den Spielraum zulässiger, gehegter Positionen bei Bedarf ebenso verengen wie erweitern kann. So gilt die Forderung nach staatlicher Enteignung von Produktivvermögen zu Gemeinwohlzwecken als linksextremistisch, wiewohl die Verfassung von 1949 sie ausdrücklich ermöglicht. Umgekehrt gelten links konnotierte kulturelle Werte (Toleranz, kulturelle Offenheit, Diversität, Moralisierung von Minderheiten), die in den 1970er und 1980er Jahren als äußerst links verschrien waren, heute als erwünscht.

Beispiele

Zur Logik der ,Volksparteien‘ gehört es, in öffentlichen Wahlkampfzeiten möglichst diejenigen Positionen des eingeschlossenen Spektrums (also der linken und rechten Mitte – unter Ausschließung der Extreme) zu adressieren, mit denen die eigene Partei nicht identifiziert wird. So versucht die CSU gegenwärtig, grün-ökologische Positionen zu besetzen. Zum Niedergang der SPD gehört zweifellos, dass das Erscheinungsbild der CDU (unter Merkel) sozialdemokratische Elemente aufgenommen hat, während der SPD der ,Rückweg‘ zu weiter links konnotierten Position dadurch versperrt ist, dass diese inzwischen von der Linkspartei besetzt sind, mit der die SPD durchaus nicht identifiziert werden möchte. Die SPD hat zunehmend keinen eigenen ,Platz‘ im Schema. Wer den Eindruck erweckt oder auch nur erwecken könnte, er habe sich von der Mitte entfernt, der muss gewärtigen, dass man ihm linke oder rechte Extremisten zurechnet, was dem Image schadet. So gesehen wirkt das Schema politisch disziplinierend.

Hans-Georg Maaßen musste gehen, nachdem er als Verfassungsschutzpräsident von „Linksextremisten in der SPD“ gesprochen hatte, während die SPD in der Regierung war. Die Logik der beweglichen Grenze ist auch im Verhalten der politischen Mitte gegenüber der AfD deutlich zu sehen: Man schwankt zwischen taktischer Übernahme von AfD-Positionen (etwa in der Flüchtlingspolitik) und Ausschließung der AfD aus dem gehegten Mittebereich, während die AfD selbst auszubalancieren versucht, wie weit sie nach rechts gehen kann, ohne öffentliche Zustimmung zu verlieren oder illegalisiert zu werden.

Literatur

Zum Weiterlesen

  • Faye, Jean-Pièrre (1972): Langues totalitaires. Critique de la raison narrative – critique de l´économie narrative. Paris: Hermann.
  • Enzensberger, Hans Magnus (1988): Mittelmaß und Wahn. Gesammelte Zerstreuungen. Frankfurt/M.: Suhrkamp.
  • Bobbio, Norberto (1994): Rechts und Links. Gründe und Bedeutungen einer politischen Unterscheidung. Berlin: Wagenbach.
  • Link, Jürgen (2013): Versuch über den Normalismus. Göttingen: Vandenhoeck & Rupprecht.
  • Wikipedia (2023): Politisches Spektrum. Online unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Politisches_Spektrum ; Zugriff: 22.02.2023.

Zitierte Literatur

  • Knobloch, Clemens (2001): Aus Alt mach Neu: Links, Mitte, Rechts. In: Gerhard, Ute; Link, Jürgen; Schulte-Holtey, Ernst (Hrsg.): Infografiken, Medien, Normalisierung. Heidelberg: Synchron, 175–190.
  • Lantz, Pièrre (2001): Verräumlichte Darstellung und Raum der Vorstellung des Politischen. In: Gerhard, Ute; Link, Jürgen; Schulte-Holtey, Ernst (Hrsg.): Infografiken, Medien, Normalisierung. Heidelberg: Synchron, S. 165–174.
  • Noelle-Neumann, Elisabeth (1999): Die linken und die rechten Werte. Ein Ringen um das Meinungsklima. In: Graf Ballestrem, Karl; Ottmann, Henning (Hrsg.): Theorie und Praxis. Festschrift für Nikolaus Lobkowicz zum 65. Geburtstag. Berlin: Kuselit Verlag, S. 243–267.

Zitiervorschlag

Knobloch, Clemens (2020): Links-Mitte-Rechts. In: Diskursmonitor. Glossar zur strategischen Kommunikation in öffentlichen Diskursen. Hg. von der Forschungsgruppe Diskursmonitor und Diskursintervention. Veröffentlicht am 17.04.2020. Online unter: https://diskursmonitor.de/glossar/links-rechts.

Grundbegriffe

Agenda Setting

Rassistisch motivierte Gewalt, Zerstörung des Regenwaldes, Gender pay gap: Damit politische Institutionen solche Probleme bearbeiten, müssen sie erst als Probleme erkannt und auf die politische Tagesordnung (Agenda) gesetzt werden. Agenda Setting wird in Kommunikations- und Politikwissenschaft als eine Form strategischer Kommunikation beschrieben, mithilfe derer Themen öffentlich Gehör verschafft und politischer Druck erzeugt werden kann.

Medien

Die Begriffe Medien/Massenmedien bezeichnen diverse Mittel zur Verbreitung von Informationen und Unterhaltung sowie von Bildungsinhalten. Medien schaffen damit eine wesentliche Grundlage für Meinungsbildung und Meinungsaustausch.

Macht

Macht ist die Fähigkeit, Verhalten oder Denken von Personen zu beeinflussen. Sie ist Bestandteil sozialer Beziehungen, ist an Kommunikation gebunden und konkretisiert sich situationsabhängig. Alle expliziten und impliziten Regeln, Normen, Kräfteverhältnisse und Wissensformationen können aus diskursanalytischer Perspektive als Machtstrukturen verstanden werden, die Einfluss auf Wahrheitsansprüche und (Sprach)Handlungen in einer Gesellschaft oder Gruppe nehmen.

Normalismus

Normalismus ist der zentrale Fachbegriff für die Diskurstheorie des Literaturwissenschaftlers Jürgen Link. Die Normalismus-Theorie fragt danach, wie sich Vorstellungen von ‚Normalität‘ und ‚Anormalität‘ als Leit- und Ordnungskategorien moderner Gesellschaften herausgebildet haben.

Wissen

Kollektives Wissen von sozialen Gruppen ist sowohl Voraussetzung als auch Ziel strategischer Kommunikation in öffentlichen Diskursen. Es wird geprägt durch individuelle Erfahrung, aber auch in Diskursgemeinschaften kommunikativ geteilt – vor allem im Elternhaus, in Peergroups und Bildungseinrichtungen sowie durch Medienkonsum.

Werbung

Werbung ist ein Kommunikationsinstrument von Unternehmen, das der Positionierung im Markt dient und je nach Situation des Unternehmens auf Einführung, Erhalt oder Ausbau von Marktanteilen und damit letztlich auf ökonomischen Gewinn abzielt.

Mediale Kontrolle

Medien werden vielfältig zur Durchsetzung von Macht verwendet. So in der Zensur, wenn eine politische Selektion des Sagbaren und des Unsagbaren stattfindet; in der Propaganda, wenn eine Bevölkerung von den Ansichten oder wenigstens der Macht einer bestimmten Gruppe überzeugt werden soll; oder in der Überwachung, die unerwünschtes Verhalten nicht nur beobachten, sondern unwahrscheinlich machen soll.

Freund- und Feind-Begriffe

Freund-, Gegner- und Feindbegriffe sind Teil der Politischen Kommunikation. Sie bilden die Pole eines breiten Spektrums von kommunikativen Zeichen, mit denen politische Akteure sich selbst und ihre politischen Gegner im Kampf um beschränkte Ressourcen auf dem diskursiven Schlachtfeld positionieren.

Sprachpolitik / Sprachenpolitik

Sprachpolitik bezeichnet allgemein alle politischen Prozesse, die auf eine Beeinflussung der Sprachverwendung in einer Gesellschaft oder Sprachgemeinschaft abzielen. Unterschieden wird häufig zwischen Sprachenpolitik und Sprachpolitik im engeren Sinne.

Sagbarkeit

Im öffentlichen Diskurs findet sich häufig die strategische Behauptung, dass bestimmte Fakten oder Meinungen unsagbar seien. Auf diese Weise wird zum Ausdruck gebracht, dass es Grenzen des Sagbaren gebe, die im öffentlichen Diskurs Geltung hätten.

Techniken

Flugblatt

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Passivierung

Unter Passivierung versteht man die Formulierung eines Satzes in einer grammatischen Form des Passivs. Das Passiv ist gegenüber dem Aktiv durch die Verwendung von Hilfsverben formal komplexer. Seine Verwendung hat unter anderem zur Folge, dass handelnde Personen im Satz nicht genannt werden müssen, was beispielsweise in Gesetzestexten für eine (gewünschte) größtmögliche Abstraktion sorgt („Niemand darf wegen seines Geschlechts […] benachteiligt oder bevorzugt werden.“ Art. 3 GG).

Aufopferungs-Topos

Als Aufopferungs-Topos wird in der Diskursforschung ein Argumentationsmuster bezeichnet, das zwei strategische Funktionen erfüllen kann: einerseits kann es dazu dienen, mit der Behauptung eines besonderen Ressourceneinsatzes (z.B. Einsatz von Geld, Zeit oder emotionaler Belastung) einen hohen Achtungswert für eine Person, eine Sache bzw. für ein Ziel zu plausibilisieren. Andererseits können Akteure besondere Privilegien (wie z.B. Wertschätzung, Entscheidungsbefugnisse und Mitspracherechte) reklamieren, wenn sie sich für eine bereits in der sozialen Bezugsgruppe hochgeschätzte Sache engagieren.

Opfer-Topos

Als Opfer-Topos bezeichnet man eine diskursive Argumentationsstrategie, bei der sich Akteure als ‚Opfer‘ gesellschaftlicher Urteilsbildung inszenieren und damit eigene Interessen – vor allem Aufmerksamkeit und Berücksichtigung von Bedürfnissen – geltend zu machen versuchen.

Analogie-Topos

Der Analogie-Topos zählt zu den allgemeinen bzw. kontextabstrakten Argumentationsmustern, die genutzt werden können, um für oder gegen eine Position zu argumentieren. Analogie-Topoi werden von verschiedenen Akteuren und Akteursgruppen strategisch eingesetzt, um eine zustimmende Haltung bei den Zielgruppen zu bewirken.

Negativpreis

Ein Negativpreis ist eine Auszeichnung an Personen oder Organisationen (meist Unternehmen), die sich oder ihre Produkte positiv darstellen und vermarkten, ihre Versprechen aus Sicht des Preisverleihers allerdings nicht einhalten. Dabei dient der Preis durch seine Vergabe vor allem dem Zweck, Aufmerksamkeit zu erregen, mediale Präsenz auf ein Thema zu lenken und den Preisträger in seinem moralischen Image zu beschädigen.

Be-/Überlastungs-Topos

Der Be-/Überlastungstopos ist ein Argumentationsmuster, das vorwiegend in der politischen Kommunikation eingesetzt wird. Als zu vermeidende Konsequenz einer konkreten Situation wird mit dem Be-/Überlastungstopos ein Be- bzw. Überlastungs-Szenario skizziert.

Wahlkampf

Wahlkämpfe sind Zeiten stark intensivierter politischer Kommunikation. Politische Parteien entwickeln Programme für die nächste Legislaturperiode in der Hoffnung, durch entsprechenden Stimmengewinn zu deren Umsetzung ermächtigt zu werden.

Wir

Das Pronomen wir erfüllt aber noch eine weitere diskursive Funktion: Ein Fundament des politischen Diskurses sind dynamische politische Ideologien: Glaubens- und Wissenssysteme von politischen und sozialen Gruppen.

Petition

Petitionen sind eine der am meisten genutzten Partizipationsformen nach Wahlen. Sie sind sowohl ein Mittel der politischen Beteiligung als auch ein Protestmittel und damit Zwitterwesen in der politischen Landschaft. Durch die Digitalisierung haben sich Petitionen zudem maßgeblich verändert, ihre Zahl hat zugenommen, ebenso wie die Zahl der Plattformen, auf denen sich Petitionen starten lassen.

Schlagwörter

Toxizität / das Toxische

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Zivilgesellschaft

Im gegenwärtigen deutschen Sprachgebrauch werden so heterogene Organisationen, Bewegungen und Initiativen wie ADAC und Gewerkschaften, Trachtenvereine und Verbraucherschutzorganisationen, Umweltorganisationen und religiöse Gemeinschaften zur Zivilgesellschaft gezählt.

Demokratie

Der Ausdruck Demokratie dient häufig zur Bezeichnung einer (parlamentarischen) Staatsform und suggeriert die mögliche Beteiligung aller an den Öffentlichen Angelegenheiten. Dabei ist seine Bedeutung weniger eindeutig als es den Anschein hat.

Plagiat/Plagiarismus

Plagiarismus ist ein Begriff, der sich im öffentlichen Diskurs gegen Personen oder Produkte richten kann, um diese in zuweilen skandalisierender Absicht einer Praxis unerlaubter intermedialer Bezugnahme zu bezichtigen. Die Illegitimität dieser Praxis wird oft mit vermeintlichen moralischen Verfehlungen in Verbindung gebracht.

Fake News

Fake News wird als Schlagwort im Kampf um Macht und Deutungshoheit in politischen Auseinandersetzungen verwendet, in denen sich die jeweiligen politischen Gegenspieler und ihre Anhänger wechselseitig der Lüge und der Verbreitung von Falschnachrichten zum Zweck der Manipulation der öffentlichen Meinung und der Bevölkerung bezichtigen.

Lügenpresse

Der Ausdruck Lügenpresse ist ein politisch instrumentalisierter „Schlachtruf“ oder „Kampfbegriff“ gegen etablierte und traditionelle Medien. Dabei wird häufig nicht einzelnen Medien-Akteuren, sondern der gesamten Medienbranche vorgeworfen, gezielt die Unwahrheit zu publizieren.

Antisemitismus

Mit Antisemitismus werden gemeinhin alle jene Phänomene bezeichnet, die sich gegen das Judentum oder gegen Jüdinnen*Juden als Jüdinnen*Juden richten. Die entsprechenden Erscheinungen reichen von der bloßen Distanzierung und Behauptung jüdischer Andersartigkeit, über vollständig ausgearbeitete Weltbilder, die Jüdinnen*Juden für sämtliche Probleme verantwortlich machen, bis hin zu massiven Ausgrenzungs-, Verfolgungs- und Gewaltpraktiken.

Grammatiknazi / Grammar Nazi

Das überwiegend negativ konnotierte Schlagwort Grammatiknazi – als Übersetzung von engl. grammar nazi – wird zur Benennung von Personen verwendet, die meist in eher informellen Kontexten der öffentlichen Internetkommunikation (u. a. in Foren, Kommentarbereichen auf Nachrichtenportalen, sozialen Netzwerken) ungefragt Sprachkritik an den Äußerungen anderer (häufig fremder) Kommunikationsteilnehmer*innen üben.

Respekt

Respekt oder respektvolles Verhalten wird eingefordert für die Eigengruppe (bzw. von der Eigengruppe), für wirklich oder vermeintlich diskriminierte Gruppen, für abweichende Meinungen. Mitgemeint ist bei der Forderung nach Respekt meist eine positiv bewertete Szene der (sozialen, kulturellen, ethnischen, sexuellen etc.) Vielfalt/Diversität.

Geschlechtergerechte Sprache

Mit dem heute als Fahnenwort gebrauchten Ausdruck geschlechtergerechte Sprache ist die Forderung verbunden, bei Personenbezeichnungen die einseitige, für diskriminierend erklärte Bezugnahme auf einen bestimmten Sexus, konkret: auf das männliche Geschlecht, zu unterlassen.

Verschiebungen

Ökonomisierung

Ökonomisierung wird in gegenwärtigen Diskursen in der Regel zur Bezeichnung von Prozessen verwendet, in denen die spezifisch wirtschaftlichen Funktions-Elemente wie Markt, Wettbewerb/Konkurrenz, Kosten-Nutzen-Kalküle, Effizienz, Gewinnorientierung in Bereiche übertragen werden, die zuvor teilweise oder ganz nach anderen Leitkriterien ausgerichtet waren

Moralisierung

Moralisierung verlagert Macht- und Interessenkonflikte in die Sphäre der Kommunikation von Achtung / Missachtung. Sie reduziert Ambivalenz zugunsten einer Polarisierung von gut und böse.

Konstellationen

Skandal

Die Diskurskonstellation des Skandals zeichnet sich durch eine in den Medien aufgegriffene (bzw. durch sie erst hervorgerufene) empörte Reaktion eines erheblichen Teils der Bevölkerung auf einen tatsächlichen oder vermeintlichen Missstand aus. Die schuldhafte Verursachung dieses Missstandes wird dabei einem gesellschaftlichen Akteur zugeschrieben, dessen Handeln als ‚unmoralisch‘ gedeutet wird.