
DiskursGlossar
Tarnschrift
Kategorie: Techniken
Verwandte AusdrĂŒcke: Verkleidete Literatur, Verbotene Literatur, klandestine Literatur, Tarnen, Verbergen, VerschlĂŒsseln, Steganographie
Siehe auch: Zensur, Mediale Kontrolle, Guerillakommunikation, Flugblatt, Gegenrede/Counter Speech, Ideologie, Ironie, Macht, Politische Kommunikation, Protest, Sagbarkeit, Sprachpolitik/Sprachenpolitik
Autoren: Benjamin BĂ€umer; Friedrich Markewitz
Version: 1.0 / Datum: 21.10.2025
Kurzzusammenfassung
Als Tarnschrift bezeichnet man unter den Bedingungen von Zensur und Verfolgungsrisiko veröffentliche Texte, die insbesondere in der strategischen Kommunikation des NS-Widerstands eine zentrale Rolle spielten. Wenngleich es zahlreiche Variationen gibt, so folgen Tarnschriften prototypisch doch einem Zwei-Text-Aufbau: Ein augenscheinlich erlaubter Tarntext (etwa reale VerlagsumschlĂ€ge oder Werbung) verdeckt einen inhaltlich verbotenen Text (z. B. Reden, Aufrufe, Denkschriften, Anleitungen). Somit sahen Tarnschriften Ă€uĂerlich wie vom Nationalsozialismus geduldete, da (politisch) unverdĂ€chtige Texte aus, öffnete man sie aber und blĂ€tterte weiter, fand man etwa Schriften des kommunistischen, sozialistischen und sozialdemokratischen Widerstands vor.
Historisch schlieĂt die Praktik der Tarnschrift an eine reiche literarische wie politische Tradition des Tarnens, VerschlĂŒsselns und Verbergens von Kommunikation an und erscheint bis in die Gegenwart vor allem dort, wo (öffentliche) Kommunikation politischer Zensur und Kontrolle ausgesetzt ist. Heute finden sich neue Variationen der Tarnschrift in internetbasierten Formaten wieder, etwa wenn politische Botschaften auf sozialen Medien in scheinbar unpolitischen Formaten (z. B. Lifestyle-Ratgebern, Tutorials) versteckt werden. Ziel ist die Umgehung manueller und algorithmenbasierter Inhaltsmoderation, bei gleichzeitiger Ausnutzung empfehlungsbasierter Sichtbarkeitslogiken und Absicherung gegen mögliche Sanktionen.
Eine Sonderstellung nimmt Steganografie ein, bei der etwa bildhafte Zeichen in anderen Bildern dauerhaft versteckt, aber mit computergestĂŒtzten Verfahren sichtbar gemacht werden können.
Erweiterte BegriffsklÀrung
Das Camouflieren von Inhalten aus gesellschaftlichen, sozialen, kulturellen, aber auch politischen (vgl. Schröter 2008: 111) GrĂŒnden hat eine lange Tradition. Insbesondere in Zeiten von UnterdrĂŒckung und Diktatur kommt den verschiedensten Formen des Verbergens eine zentrale Rolle zu (vgl. Perennec 2008: 72). Aus historischer Perspektive erscheinen VerschlĂŒsselungen, Verbergungen und Camouflage oft als Reaktion auf drohende sowie vollzogene Zensur. Textkommunikationen, die gegen vom herrschenden Diskurs aufgestellte Regeln verstieĂen, waren âvon Zensur, Verbot oder Verbrennung bedroht, die Verfasser hatten mit GefĂ€ngnis, Folter und Tod zu rechnenâ (SchĂŒtz 1990: 13). Dergestalt gehören viele, wenn nicht die meisten camouflierenden Texte dem Genre der verbotenen Texte an. Um gesellschaftliche, soziale, kulturelle oder politische Verbote zu umgehen, wird zu Veruneindeutigkeitsstrategien (vgl. dazu Völker/SpieĂ 2022 sowie bezogen auf Tarnschriften Markewitz 2022) gegriffen oder werden Texte getarnt, um Zensoren zu entgehen. Damit sind solche Texte von denen zu unterscheiden, denen aufgrund esoterischer Annahmen verborgene Inhalte zugeschrieben werden â z. B. wenn man annimmt, dass Platon in seinen Dialogen Hinweise auf eine schriftlich nie realisierte, âungeschriebene Lehreâ versteckt habe, die nur von kundigen Leser*innen erkannt werden könne und eine Art Anleitung zum eigenen Philosophieren enthalte (vgl. Ferber 2007). Entscheidend ist: Produzent*innen camouflierter Texte hĂ€tten ihre Kommunikate unter anderen Bedingungen ohne Tarnung, VerschlĂŒsselung oder Verbergung veröffentlicht, können es aber, z. B. aufgrund der Gefahr fĂŒr die eigene Person, nicht und nutzen Strategien des Tarnens, um ihre Texte trotzdem dem Diskurs zukommen zu lassen.
Als âmoderne Sonderentwicklung der âVerkleideten Literaturââ (Gittig 1972: 11â12) waren Tarnschriften im Nationalsozialismus ein so konstitutives wie unsicheres Medium der kommunistischen, sozialistischen sowie sozialdemokratischen AufklĂ€rungs- und Propagandaarbeit (vgl. Gittig 1972: 52). Ihre zentrale Funktion âwar das camouflierende Einschleusen widerstĂ€ndischer Inhalte und damit epistemischer wie normativer gegendiskursiver Perspektiven und Positionenâ (Markewitz 2022: 579). Tarnschriften bzw. genauer gesagt die durch sie getarnten Texte â dahingehend war die Funktion der Tarntexte im NS auf genau das beschrĂ€nkt: zu tarnen â dienten der Anleitung zur Organisation von Widerstand. Dazu zĂ€hlte in erster Linie die AufklĂ€rung ĂŒber die Herrschaftsbedingungen und Verbrechen des Hitlerregimes, das Informieren ĂŒber andere WiderstĂ€ndler*innen und deren Aktionen und zuletzt die Bewahrung eines kulturellen Erbes vor der Revision durch den NS (vgl. Gittig 1972: 17): â[Tarnschriften] lassen sich als umfassender widerstandsdiskursiver Gegenentwurf zur NS-Ideologie und zum epistemischen Welt- wie ethisch-moralischen NormverstĂ€ndnis des NS-Diskurses verstehenâ (Markewitz 2022: 579). Von Seiten des herrschenden NS-Diskurses wurde auf diese Schriften mit Gegenstrategien wie Kriminalisierung, Verboten sowie hohen Strafen (vgl. Gittig 1972: 12) reagiert, die aber wenig verfingen, stieg doch die Zahl der Veröffentlichung ĂŒber die Jahre stĂ€ndig an (vgl. Gittig 1972: 35â38). Damit gehört diese Widerstandsgattung, zusammen mit anderen Kommunikaten wie dem Flugblatt, der Denkschrift oder Rede, zu den wichtigsten Formen der massenhaften textkommunikativen im Widerstand gegen das âDritte Reichâ.
Der Kommunikationsraum des âDritten Reichesâ kann mit Fug und Recht als diskursiver âKampfplatzâ (Bauer 1990: 10) konzeptualisiert werden. Die RestriktivitĂ€t dieses Kommunikationsraums â dass âman im Dritten Reich nicht sagen, schreiben und drucken, oft nicht einmal denken durfte, was man wollteâ (Bauer 1990: 27) â war sein zentrales Charakteristikum. Unter diesen kommunikativen Voraussetzungen waren es besonders die Texte aus der Feder bestimmter Akteursgruppen, die eine Tarnung erzwangen: Produziert wurden Tarnschriften von kommunistischen, sozialistischen sowie sozialdemokratischen Widerstandsgruppen. In der diskursiven als auch sozialen Rolle der WiderstĂ€ndler*innen waren diese Akteure bzw. Akteursgruppen besonders gefĂ€hrdet (vgl. Weber 1988: 3), richteten sich bereits erste Verfolgungswellen nach der MachtĂŒbernahme durch die Nationalsozialisten gegen ihre politisch-ideologischen Gegner. War schon âdie Justiz der Weimarer Republik auf dem rechten Auge blind [âŠ], [so verfĂŒgte sie] auf dem linken dafĂŒr ĂŒber eine geradezu phantastische Sehkraftâ (Benz 2018: 32). Diese Bedingungen verschĂ€rften sich unter dem Hakenkreuz so schnell, dass selbst die frĂŒhzeitigen Vorbereitungen der KPD auf eine Fortsetzung ihres politischen Kampfes aus dem Untergrund wenig verfing. Auch die umstĂ€ndlich-zentralisierte ParteifĂŒhrung sowohl der KPD als auch der SPD erschwerte gemeinsamen Widerstand und es sollte einige Zeit dauern, bis gegenseitige Konfliktlinien zugunsten einer geeinten Front gegen die Nationalsozialisten aufgegeben wurden. An deren Stelle traten zunehmend unabhĂ€ngig(er) voneinander agierende, kleinere Zellen, die den Kampf gegen das NS-Regime âmit FlugblĂ€ttern und Kleinzeitungen, Streuzetteln und BroschĂŒren [âŠ] [fĂŒhrten]. Sie wurden zunĂ€chst heimlich in Deutschland hergestellt, dann aber in zunehmendem MaĂe im Ausland gedruckt und unter groĂen Gefahren eingeschmuggelt und verteiltâ (Benz 2018: 76).
Die Heimlichkeit, ebenso wie der Grenzschmuggel sind nicht nur zentrale Charakteristika der Distribution klassischer Tarnschriften, sondern lassen zugleich die diskursiv-kommunikativen Voraussetzungen und Bedingungen der Produktion wie Rezeption widerstĂ€ndischer Kommunikate in autoritĂ€r-repressiven System erkennen. Das Foucaultsche Verdikt (vgl. 1983: 96), dass dort, wo es diskursive Macht gibt, es automatisch zu diskursivem Widerstand kommen wird, trifft auch hier zu: das, worĂŒber in NS-Deutschland geschrieben und gesprochen wurde, war âvielfĂ€ltiger, ĂŒberraschender als das, was offiziell darĂŒber angenommen wurdeâ (Bauer 1990: 23). So musste auch die Widerstandsgattung der Tarnschrift an den Kommunikationsraum des âDritten Reichesâ angepasst werden. Im Ausland produziert und ĂŒber grenznahe StĂŒtzpunkte eingeschleust â vermittels Schmugglermethoden wie dem Verstecken in Autos, Koffern, RucksĂ€cken, auf DĂŒngewagen oder als Flaschenpost â gelangte eine âungeheure Menge an illegalem Schrifttumâ (Ruppelt 2015: 107) nach NS-Deutschland und wurde dort, in bis zu fĂŒnfstelligen Auflagenhöhen in den Ballungszentren verbreitet. Ăber ihre tatsĂ€chliche Rezeption weiĂ man heute wenig â zumindest kam es nicht zu dem vom kommunistischen und sozialistischen Widerstand erhofften Massenwiderstand der deutschen Bevölkerung. Nichtsdestoweniger verfehlten die Tarnschriften aber nicht ihre Wirkung auf das NS-Regime, das diese als so groĂe Bedrohung wahrnahm, dass es auf Herstellung, Verbreitung und Besitz mit höchstrepressiver HĂ€rte reagierte: âHaft, Konzentrationslager oder der Todâ (Gittig 1972: 12; vgl. Ruppelt 2015).
Abbildung 1: Tarntext: Getarnter Text Persil bleibt Persil (Tarnschrift 0455).
Hinsichtlich der Arten und Typen sowie ihrer sprachlich-kommunikativer Realisierungsformen ist zwischen der prototypischen Tarnschrift und ihren historisch-situativen Variationen zu unterscheiden. Prototypisch setzt sich eine Tarnschrift aus einem Tarntext und einem getarnten Text zusammen. Der Tarntext besteht aus unverdĂ€chtigen, real existierenden Texten bzw. Textsortenteilen, z. B. SchutzumschlĂ€gen und/oder ersten sowie letzten Seiten erschienener BĂŒcher oder Werbetexten z. B. fĂŒr Pudding oder Waschpulver. Der getarnte Text, der sozusagen âimâ Tarntext versteckt ist, beinhaltet widerstĂ€ndische bzw. verbotene Kommunikate. So etwa in der Tarnschrift 0455 Persil bleibt Persil. RatschlĂ€ge und Winke fĂŒr die deutsche Hausfrau. Die Tarnschrift beginnt mit dem Tarntext â einer BroschĂŒre fĂŒr das Waschmittel âPersilâ (siehe Abbildung 1). BlĂ€ttert man die scheinbare WerbebroschĂŒre weiter durch, folgt ein widerstĂ€ndischer Text, mit Appellen und Informationen ĂŒber tatsĂ€chliche auĂenpolitische VerhĂ€ltnisse (Abbildung 2).
Abbildung 2: Getarnter Text Persil bleibt Persil (Tarnschrift 0455).
Deutlich erkennbar werden eine Vielzahl an sprachlich-kommunikativen Strategien, die vielfach von WiderstĂ€ndler*innen genutzt werden: ZunĂ€chst fĂ€llt die Gleichsetzung von Deutscher Hausfrau und Volksgenosse in der Ăberschrift auf. Diese Parallelisierung zeigt sich im weiteren Verlauf auch anhand der Verwendung eines inklusiven Wirs, mit dem zugleich eine Abgrenzung zu NS-Akteuren vorgenommen wird (Was haben sie uns wieder verschwiegen?). Von den NS-Akteuren setzen sich die Textproduzierenden weiterhin ab, indem sie die von ihnen verwendete Sprache in distanzierende AnfĂŒhrungszeichen setzen (âRoten Untermenschenâ) und persiflierende Verunglimpfungen von Namen vornehmen (Ribbentröpfe). Deutlich wird zudem das aufklĂ€rerische Ziel der Tarnschrift (Wir klemmten uns dahinter, uns zu informieren, worum es sich eigentlich handelt). Diese widerstĂ€ndische âEinleitungâ kann als Scharniertext bestimmt werden (vgl. zu dieser Bestimmung Markewitz 2022: 580) und dient dazu, die rezeptionsseitige Irritation zwischen Tarntext und getarntem Text zu erleichtern.  SchlieĂlich finden sich zwei weitere getarnte Texte in der BroschĂŒre: Eine Antwort des bulgarischen MinisterprĂ€sidenten Georgi Dimitroff an NS-AuĂenminister Joachim von Rippentrop sowie ein Brief des US-Diplomaten James G. MacDonald an den GeneralsekretĂ€r des Völkerbundes. Der Abdruck zensierter Kommunikate, wie dieser zuvor bereits erschienenen, aber in NS-Deutschland eben zensierten Briefe, ist charakteristisch fĂŒr den Inhalt einer Tarnschrift. Textgattungs- bzw. textsortenbezogen sind es vor allem Reden, Aufrufe, oder Denkschriften, die vorzufinden sind. Dass sich die Produzierenden der Tarnschrift selbst â diejenigen also, die dafĂŒr verantwortlich sind, welche Tarn- und welche getarnten Texte zueinanderkommen â zusĂ€tzlich selbst in das Textgewebe einschreiben, ist tatsĂ€chlich eine Ausnahme: Scharniertexte mit der Stimme der Tarnschriftproduzenten kommen so nur in einem geringen Teil der bekannten NS-Tarnschriften vor. Daher ist dieses Beispiel zugleich ein Beispiel einer prototypischen Tarnschrift sowie, aufgrund des Scharniertextes, einer der oben erwĂ€hnten Varianten.
Abbildung 3: Willst du gesund bleiben? (Tarnschrift 0049).
Weitere, nun aber auf den Aspekt der Tarnung bezogene Varianten sind dokumentiert: So finden sich zum Teil Tarnschriften, bei denen âdie Auswahl der Tarntitel und die Inhalte in einem ironischen Zusammenhang [stehen], ob beabsichtigt oder nicht beabsichtigt, sei dahingestelltâ (Ruppelt 2015: 112). So auch in der Tarnschrift 0049 Willst du gesund bleiben?.
In Tarnschriften wie dieser laden sich Ăberschrift, die in diesem Fall auch der Tarntext ist (Willst du gesund bleiben?), und weiterer Textinhalt, also der getarnte Text, mit zusĂ€tzlichen Bedeutungsaspekten auf, sodass die Rezeption bis zu einem gewissen Grad ironisiert wird. In diesem Beispiel durch die unscheinbare, sich auf körperliche Gesundheit beziehende Ăberschrift, die durch ihre kotextuelle NĂ€he zum getarnten Text dessen Rezeption dergestalt beeinflusst, dass die darin enthaltenden politischen Hinweise genauso âkörperlichâ gesundheitsrelevant (fĂŒr einen imaginierten âVolkskörperâ) erscheinen. Gleichzeitig konnte sich das von der Ăberschrift ausgehende Framing auch negativ auf die getarnten widerstĂ€ndischen Texte auswirken: So wurden z. B. in einem anderen Fall eine Rede von Stalin ĂŒber ein besseres Leben unter dem Titel Der tolle Invalide herausgegeben und bot damit unfreiwillige Gelegenheit zu Spott und Witzen (vgl. Kowalczuk 2023).
In postmodernen DiskurszusammenhĂ€ngen und verbunden mit dem Aufkommen des Internets bzw. insbesondere mit dem Web 2.0 wurden weiterfĂŒhrende Tarnstrategien entwickelt, die auf das grundlegende Prinzip der Tarnschrift zurĂŒckgreifen, um ihre Botschaften unter nunmehr plattformökonomisch geprĂ€gten Bedingungen medialer Kontrolle verfĂŒgbar zu machen. In der internetbasierten Kommunikation â insb. in Messengerdiensten sowie sozialen Medien wie TikTok oder Instagram â ist der Gebrauch getarnter Kommunikationen frĂŒh gebrĂ€uchlich geworden. Meist wird dabei mittels lexikalischer Variationen versucht, plattformseitige Wortlistenfilter zu umgehen oder die Strafverfolgung von ĂuĂerungsdelikten zu erschweren. Typische Beispiele sind hier das Dogwhistling, der Gebrauch symbolischer Ersatzformen oder genrespezifisches Algospeak (Maskierung von Wörtern durch Filteralgorithmen fehlleitende Zeichen: z. B. seggs statt sex). Klassische Tarnschriften sind diese Kommunikate allein durch den Gebrauch solcher Techniken noch nicht, wenngleich sie sehr wohl dem subversiven Repertoire einer semiotischen Kommunikationsguerilla (vgl. Eco 1967) zuordnen sind, das in der kommunikationsstrategischen Praxis hĂ€ufig mit Tarnschriften kombiniert genutzt wird. Hinzu kommt, dass die ZuverlĂ€ssigkeit rein lexikalischer Tarntechniken zusehends schwindet. Denn einerseits werden trainierte KI-Modelle zunehmend treffsicherer bei der Echtzeitidentifikation wort- und symbolbasierter Codes und andererseits erschweren Abweichungen vom konventionalisierten Sprachgebrauch die fĂŒr Verbreitung der eigenen Botschaft dringend erforderliche Aktivierung von Trendalgorithmen.
Eine digitale Variation der Tarnschrift findet sich daher seit einigen Jahren auf reichweitenstarken und beliebten Social-Media-Plattformen wie YouTube, TikTok oder Instagram. Diese nutzt â wie ihr historisches Vorbild â die Kombination aller fĂŒr das jeweilige Kommunikat gĂ€ngigen Gestaltungsmittel und die jeweiligen Rezeptionsbedingungen seiner/ihrer Adressat*innen aus, um unerlaubte Botschaften getarnt in Umlauf zu bringen. Dabei handelt es sich um ĂuĂerungen, deren Urheber*innen â je nach Region und vorherrschender Diskurskonstellation â zumindest damit rechnen (mĂŒssen), durch ihre Veröffentlichung gegen die Sagbarkeitsregeln der Plattform, staatliche Regulatorien oder regierungskonformes Verhalten zu verstoĂen und in der Folge ZensurmaĂnahmen (z. B. Löschung oder Shadowbans) oder politische Verfolgung zu riskieren.
Um dieses Risiko ggf. zu verringern und zugleich gĂ€ngige Trendaffordanzen (z. B. populĂ€re Hashtags, Likes oder die Provokation reichweitenstarker Influencer) auszunutzen â idealerweise um Sichtbarkeit in globalen Mainstreamfeeds zu erzielen â werden die getarnten Botschaften in die Formate populĂ€rer Genres eingebettet: Etwa in die Kategorien wie âBeautyâ, âLifestyleâ oder âGamingâ. Das Kommunikat erscheint damit augenscheinlich als alltagsnaher, unverdĂ€chtiger Social-Media-Content, der von Algorithmen auch in diesen ZusammenhĂ€ngen vorgeschlagen wird. Die Konstruktion der Tarnung erfolgt ĂŒber die den eigentlichen Inhalt begleitenden virtuellen Paratexte: Kontextualisierende Elemente wie Thumbnail, Caption, Hook (aufmerksamkeiterregende Ansprache in den ersten Sekunden eines Beitrags), Titel und Verschlagwortung erfĂŒllen â analog zum Tarnumschlag beim Buchdruck â die Funktion eines ĂŒber den tatsĂ€chlichen Inhalt hinwegtĂ€uschenden Etiketts. TatsĂ€chlich erfolgt nach einigen Sekunden der Wechsel: Entweder durch die Medienschaffenden selbst oder stellvertretend ĂŒber alternative Voice-Overs, Text- oder Bildeinblendungen, parallel anlaufende B-Rolls (Bild-in-Bild-Videos) oder die rĂ€umliche Hintergrundgestaltung werden politische ĂuĂerungen getĂ€tigt. Ăhnlich wie bei analogen Tarnschriften sind explikative Begleittexte selten, liegen diese meist nicht mehr unterhalb der Erkennungsgrenze automatisierter Filter und erschweren im Zweifel die plausible Bestreitbarkeit. DafĂŒr finden sich in der Regel ĂŒber Hashtags oder QR-Codes hypertextuelle Verweise auf zusĂ€tzliche Informationen auĂerhalb der Plattformumgebung. Â
Das Ziel ist hier im Unterschied zur klassischen Tarnschrift jedoch nicht die möglichst langfristige Umgehung von Zensur: Mit entsprechender Aufmerksamkeit folgen nahezu zwangslĂ€ufig erneute ĂberprĂŒfungen des Inhalts. TatsĂ€chlich setzt der diskursive Erfolg digitaler Tarnschriften ihr öffentliches Entlarven voraus: Kommt es oberhalb einer viralen Aufmerksamkeitsschwelle zu Reaktionen von Moderatoren oder Zensoren, können ihre repressiven Reaktionen selbst zu Belegen einer behaupteten UnterdrĂŒckung (Opfer-Topos) und als zusĂ€tzliche Mobilisierungsressource genutzt werden. Kommt es darĂŒber hinaus in sozialen Netzwerken und Medien zur Second-Order-Kommunikation (Skandal) (also einer Debatte ĂŒber die Debatte), wird die ursprĂŒnglich getarnte Botschaft nicht nur plattformĂŒbergreifend multipliziert, sondern auch fĂŒr öffentliche und politische Kommunikation zugĂ€nglich.
Eine weitere moderne Variation bezeichnet mit der Steganografie die Praxis, geheime Botschaften in anderen, nicht geheimen Botschaften oder unauffĂ€lligen physischen Objekten zu verbergen. Die computergestĂŒtzte Steganografie stellt dabei eine Variation des Tarnschreibens an der Schnittstelle von analogem und virtuellem Raum dar (vgl. Mittendorf 2006), die das Tarnschriftprinzip auf die Dateiebene ĂŒbertrĂ€gt: Eine Datei, ein Text, ein Bild oder ein Video wird unbemerkt in einer anderen Datei, Text, einem Bild oder Video versteckt. Informationen werden dabei etwa ĂŒber niederwertige Bits, die mit bloĂem Auge bzw. Ohr nicht bemerkbar sind oder unsichtbare Zeichen wie Homoglyphen (gleichaussehende Zeichen wie die Majuskel von i und die Minuskel von L) mithilfe von Algorithmen in Dateien verborgen. Diese Dateien (âSteganogrammeâ) können ĂŒber alltĂ€gliche TrĂ€germedien (z.B. CD-ROMs, USB-Sticks, Cloud- oder Messengerdienste) geteilt und verbreitet werden, ohne dass die in ihr getarnte Botschaft verloren geht. VerfĂŒgt man ĂŒber entsprechende, frei verfĂŒgbare Software lĂ€sst sich das Steganogramm allerdings problemlos entschlĂŒsseln. Im Unterschied zur klassischen Kryptografie zielen Steganogramme nĂ€mlich wie Tarnschriften auf UnauffĂ€lligkeit, nicht auf Unlesbarkeit und sie operieren gegen eine Entdeckung durch investigative PrĂŒfung, nicht aber gegen ihre EntschlĂŒsselung.
Abbildung 4: Visualisierung einer stufenweisen steganografischen Enttarnung ĂŒber FarbkanĂ€le: Bild eines Alltagsgegenstands versteckt im Bild eines Buchs. Links: Tarnendes TrĂ€gerbild; Mitte: steigende Sichtbarkeit durch zunehmendes Auslesen niederwertiger Bits. Rechts: vollstĂ€ndige Rekonstruktion des getarntem Bildes (eigene Darstellung).
Wer steganografische Tarnung in der öffentlichen Kommunikation nutzt, z. B. ĂŒber Memes oder Schlagbilder als TrĂ€germedium, hat in der Regel nicht die Kontrolle ĂŒber den Veröffentlichungskanal (z. B. verlustbehaftete Kompression) und die Handlungen Dritter (z. B. Modifikationen) (vgl. Lubig 2022). Entscheidend fĂŒr erfolgreichen Gebrauch ist daher nicht nur medientechnisches Knowhow, sondern genauso Wissen ĂŒber Zielgruppen und deren diskursive Medien- und Kommunikationspraktiken.
Beispiele
(1) Tarnschrift 0083: Mondamin-Kochbuch. 70 bewÀhrte Rezepte
3/4 Liter Milch mit 50g Zucker und dem Vanillezucker aufkochen, mit dem angerĂŒhrten Mondamin verdicken und noch 5 Minuten kochen lassen. Jetzt schnell … aber was interessiert denn das alles die WerktĂ€tigen Deutschlands, denen Hitler das StĂŒck Brot vom Munde raubt. All diese schönen Rezepte sind doch nur eine Verhöhnung fĂŒr sie. Nein, die deutschen WerktĂ€tigen interessiert etwas ganz Anderes und das ist Das soziale und nationale Befreiungsprogramm der WerktĂ€tigen Deutschlands! Kommunismus â der einzige Ausweg.
An diesem Auszug kann man die wesentlichen Eigenheiten sowie Textteile von Tarnschriften gut erkennen: Begonnen wird prototypisch mit einem Tarntext: dem Rezept fĂŒr eine Stachelbeer-Creme. Der Tarntext wird dann vom Scharniertext unterbrochen, der auch hier als Ăberleitung fungiert und in dem auf die TrivialitĂ€t von Kochrezepten empörend hingewiesen wird (⊠aber was interessiert denn das alles die WerktĂ€tigen Deutschlands, denen Hitler das StĂŒck Brot vom Munde raubt. All diese schönen Rezepte sind doch nur eine Verhöhnung fĂŒr sie. Nein, die deutschen WerktĂ€tigen interessiert etwas ganz Anderes und das ist). Wird schon der Scharniertext typographisch durch drei Punkte angezeigt, so ebenso der Wechsel von diesem zum getarnten Text, durch die satzinterne GroĂschreibung des Artikels (Das), um den getarnten Text beginnen zu lassen (Das soziale und nationale Befreiungsprogramm der WerktĂ€tigen Deutschlands! Kommunismus â der einzige Ausweg). Somit findet sich hier die Trias an Textteilen sowie Textproduzent*innenstimmen, wobei die Produzierenden der Tarnschrift lediglich anhand des Scharniertextes sichtbar werden.
(2) Tarnschrift 0071: Fischer, Dr. med.: Nieren- und Blasen-Krankheiten. Ărztliche RatschlĂ€ge
Bei den Nierenkrankheiten handelt es sich in erster Linie um eine mangelhafte Ausscheidung der harnfĂ€higen Stoffe, also vorzugsweise der Endprodukte des EiweiĂstoffwechsels; diese bleiben, da das Filter der Nieren verstopft ist, zum Teil im Körper zurĂŒck, und zwar sind es vorwiegend stickstoffhaltige Produkte, welche das Blut vergiften und zu den schwersten Störungen des Allgemeinbefindens fĂŒhren […]. Die Frage, was sich hinter der Gestapo im Dritten Reich verbirgt, könnte kurz so beantwortet werden: Alle ScheuĂlichkeiten, alle Grausamkeiten, die je zur UnterdrĂŒckung breiter Volksmassen angewandt wurden […]. Bis an die ZĂ€hne bewaffnet, mit Karabiner, Pistolen, GummiknĂŒppeln, werden HĂ€user oder ganze HĂ€userblöcke abgeriegelt. Und was sich bei solchen Aktionen der Gestapo abspielt, kann das Blut in den Adern erstarren lassen.
Die Gleichsetzung politischer Gegner*innen mit unpassenden PhĂ€nomenen, wie Krankheiten, ist weder eine neue, noch charakteristische Eigenheit des kommunikativen Kampfplatzes des âDrittes Reichsâ. Die Art und Weise, wie innerhalb tarnschriftlicher Textkommunikation solche Gleichsetzungen oft stattfinden, ist aber hervorzuheben: die Gleichsetzungen vollziehen sich auf einem indirekten Weg ĂŒber das Bedeutungswechselspiel zwischen Tarn- und getarntem Text, so auch in Beispiel 2. Wenn im getarnten Text die Gestapo im Dritten Reich mit allen ScheuĂlichkeiten, allen Grausamkeiten thematisiert wird, so lĂ€sst sich diese, aufgrund des vorangegangenen Tarntextes, als in die NĂ€he physischer Krankheiten gerĂŒckt interpretieren: Die Gestapo also als Krankheit des Volkskörpers, die fĂŒr dessen Vergiftung sorgt bzw. fĂŒr schwerste Störungen des (hier nun hinzuzudenken: gesellschaftlichen und politischen) Allgemeinbefindens. Hinter der Gestapo im Dritten Reich verbirgt sich so eine Krankheit, die durch die mangelhafte Ausscheidung unliebsamer Elemente, in diesem Fall Nationalsozialisten, entstanden ist und die aktiv und in diesem Fall widerstĂ€ndisch bekĂ€mpft werden muss.
(3) Tarnschrift Verkehrsrechts- und VerkehrsaufklĂ€rungsheft. Die neue StraĂenverkehrsordnung mit den neuen Verkehrszeichen und Hinweisschildern sowie BuĂgeldkatalog (RAF, 1971)
Abbildung 5: Die neue StraĂenverkehrsordnung (Mahler 1971).
Tarnschriften zirkulieren nicht nur in autoritĂ€ren Staaten, sondern zuweilen genauso in Demokratien. So nutzte etwa die Rote-Armee-Fraktion (RAF) klassische Tarnschriften wie die hier abgebildete: Unter dem Ă€uĂerlich originalgetreu nachgebildeten Umschlag der bundesdeutschen StraĂenverkehrsordnung befindet sich nicht der erwartete Normtext, sondern Horst Mahlers programmatischer Aufsatz âDie LĂŒcken der revolutionĂ€ren Theorie schlieĂen â Die Rote Armee aufbauen!â. Die Tarnung erfolgt hier allein ĂŒber den Umschlag und verzichtet auf einen vorgeschalteten inhaltlichen Tarn- oder Scharniertext. Dadurch gehört das Beispiel zur Variante der prototypischen Tarnschriften. Die strategische Funktion lag hierbei in der Erleichterung der Zirkulation eines strafbaren Textes innerhalb linker Bewegungen und Gruppen, vor allem bei polizeilichen und geheimdienstlichen Kontrollen und Razzien: Die Nutzung des höchstverwaltungstechnischen Designs minderte die Wahrscheinlichkeit einer prĂŒfenden Durchsicht zusĂ€tzlich.
(4) Make-up-Tutorial mit verstecktem Appell zur Lage der Uiguren in China (Feroza Aziz, 2019)
Abbildung 6: Screenshot von TikTok-Beitrag Why wonât anyone talk about this??? (ferozaaziz 2019).
Ein im Jahr 2019 veröffentlichtes TikTok-Video der US-amerikanischen Contentcreatorin Feroza Aziz ist ein bekannteres Beispiel fĂŒr eine digitale Variation des Tarnschreibens: Unter dem Anschein eines gewöhnlichen Schmink-Tutorials beginnt der Clip mit einer Beauty-Routine, die als unpolitischer Alltagsinhalt wahrgenommen wird. Erst nach einigen Sekunden wechselt die ErzĂ€hlerin abrupt das Thema und spricht direkt ĂŒber die Inhaftierung von Uigur*innen in chinesischen Lagern:
So the first thing you need to do, is to grab your lash curler, then youâre going to put it down and use your phone to search up whatâs happening in China, how theyâre getting concentration camps, throwing innocent Muslims in there, separating families from each other, kidnapping them, murdering them, raping them, forcing them to eat pork, forcing them to drink, forcing them to convert.
Die den Clip begleitenden Paratexte â Titel, Hashtags, Thumbnail â blieben dabei im Genre âBeautyâ verankert und tarnen so den politischen Gehalt vor Wortlistenfiltern und Moderation. Die virale Reichweite in diesem Format fĂŒhrte dazu, dass das Video ein internationales Massenpublikum erreichte, bevor die Plattformmoderation einschritt. Als das chinesische Unternehmen TikTok das Konto sperrte und das ursprĂŒngliche Video löschte, entstand ein zweiter Diskurszyklus: Internationale Medien berichteten ĂŒber den Fall und die Löschung selbst wurde als Beleg fĂŒr staatliche Zensur interpretiert.
Literatur
Zum Weiterlesen
- Markewitz, Friedrich (2025): Tarnschriften als Widerstandsgattung der diskursiven Disruption. In: Meier-Vieracker, Simon; Bonacchi, Silvia; Acke, Hannah; Dang-Anh, Mark; Warnke, Ingo H. (Hrsg.): Discourses in/of Disruption. Mannheim: IDS Open Access, S. 40â51.
- Markewitz, Friedrich; Wilk, Nicole M. (2023): Zur Verwendung von wörtlicher und imaginierter (Gegen-)Rede in Tarnschriften des kommunistischen und sozialistischen Widerstands. In: Markewitz, Friedrich; Scholl, Stefan; Schubert, Katrin; Wilk, Nicole M. (Hrsg.): Kommunikative Praktiken im Nationalsozialismus: Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, S. 123â142.
Zitierte Literatur und Belege
- Bauer, Gerhard (1990): Sprache und Sprachlosigkeit im âDritten Reichâ. Köln: Bund.
- Benz, Wolfgang (2018): Im Widerstand. GröĂe und Scheitern der Opposition gegen Hitler. MĂŒnchen: C. H. Beck.
- Eco, Umberto (1967): FĂŒr eine semiologische Guerilla. In: (ders.): Ăber Gott und die Welt. Essays und Glossen, 8. Aufl., MĂŒnchen 2007, S. 146â156.
- Ferber, Rafael (2007): Warum hat Platon die âungeschriebene Lehreâ nicht geschrieben? MĂŒnchen: C. H. Beck.
- Foucault, Michel (1983): Der Wille zum Wissen. SexualitÀt und Wahrheit 1. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.
- Gittig, Heinz (1972): Illegale antifaschistische Tarnschriften 1933 bis 1945. Leipzig: Bibliographisches Institut.
- Kowalczuk, Ilko-Sascha (2023): Walter Ulbricht. Der deutsche Kommunist (1893â1945). MĂŒnchen: C.H. Beck.
- Lubig, Henk-Joas (2022): Einsatz von Steganografie zur Kommunikation ĂŒber öffentliche KanĂ€le. Bachelorarbeit an der HTW Berlin.
- Mahler, Horst (1971): Verkehrsrechts- und VerkehrsaufklĂ€rungsheft. Die neue StraĂenverkehrsordnung. Die LĂŒcken der revolutionĂ€ren Theorie schliessen – Die Rote Armee aufbauen! Tarnschrift.
- Markewitz, Friedrich (2024): Ironie. Heidelberg: Winter.
- Markewitz, Friedrich (2022): Tarnschriften als Medium des diskursiven Bedeutungsbruchs sowie der diskursiven Bedeutungserweiterung und -destabilisierung. Texttypologische Reflexionen einer kaum bekannten textuellen Gattung des Widerstands. In: Zeitschrift fĂŒr Literaturwissenschaft und Linguistik Jg. 52, Heft 4, S. 569â590.
- Mittendorf, Volker (2006): Kryptografie. In: Lange, Hans-JĂŒrgen; Gasch, Matthias (Hrsg.): Wörterbuch zur Inneren Sicherheit. Wiesbaden: VS Verlag fĂŒr Sozialwissenschaften.
- Perennec, Marie-Helene (2008): LĂ€sst sich Implizites ĂŒbertragen? Der Fall der Auslandsberichterstattung. In: Pappert, Steffen; Schröter, Melanie; Fix, Ulla (Hrsg.): VerschlĂŒsseln, Verbergen, Verdecken in öffentlicher und institutioneller Kommunikation. Berlin: Erich Schmidt, S. 69â83.
- Ruppelt, Georg (2015): Wo Goethe draufstand, war nicht immer Goethe drin. Tarnschriften als Mittel der politischen Auseinandersetzung und psychologischen KriegsfĂŒhrung im 20. Jahrhundert. In: Saur, Klaus G. (Hrsg.): Widerstand im âDritten Reichâ. Kolloquium an der Staatsbibliothek zu Berlin im Mai 2014. Frankfurt a. M.: Vittorio Klostermann, S. 101â122.
- Schröter, Melanie (2008): Verschweigen und Redeerwartung im politischen Skandal am Beispiel des CDU-Parteispendenskandals. In: Pappert, Steffen; Schröter, Melanie; Fix, Ulla (Hrsg.): VerschlĂŒsseln, Verbergen, Verdecken in öffentlicher und institutioneller Kommunikation. Berlin: Erich Schmidt, S. 111â132.
- SchĂŒtz, Hans J. (1990): Verbotene BĂŒcher. Eine Geschichte der Zensur von Homer bis Henry Miller. MĂŒnchen: Beck.
- Tarnschrift 0049 (1933): Willst Du gesund bleiben. In: Nationalsozialismus, Holocaust, Widerstand und Exil 1933â1945. Online-Datenbank. Berlin: de Gruyter. Online unter: https://www.degruyterbrill.com/database/tarns/entry/ts41/html ; Zugriff: 19.09.2025.
- Tarnschrift 0071 (1934): Fischer, Dr. med.: Nieren- und Blasen-Krankheiten. Ărztliche RatschlĂ€ge. In: Nationalsozialismus, Holocaust, Widerstand und Exil 1933â1945. Online-Datenbank. Walter de Gruyter. Online unter: https://www.degruyterbrill.com/database/tarns/entry/ts63/html ; Zugriff: 19.09.2025.
- Tarnschrift 0083 (1934): Mondamin-Kochbuch. 70 bewĂ€hrte Rezepte. In: Nationalsozialismus, Holocaust, Widerstand und Exil 1933â1945. Online-Datenbank. Walter de Gruyter. Online unter: http://db.saur.de/DGO/basicFullCitationView.jsf?documentId=BTS-0076 ; Zugriff: 19.09.2025.
- Tarnschrift 0455 (1936): Persil bleibt Persil. RatschlĂ€ge und Winke fĂŒr die deutsche Hausfrau. In: Nationalsozialismus, Holocaust, Widerstand und Exil 1933â1945. Online-Datenbank. Walter de Gruyter. Online unter: https://www.degruyterbrill.com/database/tarns/entry/ts435/html ; Zugriff: 19.09.2025.
- Völker, Hanna; SpieĂ, Constanze (2022): Vereindeutigen. In: Zeitschrift fĂŒr Literaturwissenschaft und Linguistik, Jg. 52, Heft 4, S. 543â548.
- Weber, Hermann (1988): Kommunistischer Widerstand gegen die Hitler-Diktatur 1933â1939. In: BeitrĂ€ge zum Widerstand 1933â1945, Jg. 1988, Heft 33, S. 3â24.
- ferozaaziz (2019): Why wonât anyone talk about this??? TikTok. Online unter: https://www.tiktok.com/@ferozaaziz/video/6762657542972689670 ; Zugriff: 19.09.2025.
Abbildungsverzeichnis
- Abb. 1:Â Tarnschrift 0455 (1936): Persil bleibt Persil. Scan von S. 2â3. In: Nationalsozialismus, Holocaust, Widerstand und Exil 1933â1945. Online-Datenbank. Berlin: de Gruyter. Online unter: https://www.degruyterbrill.com/database/tarns/entry/ts41/html ; Zugriff: 19.09.2025.
- Abb. 2:Â Tarnschrift 0455 (1936): Persil bleibt Persil. Scan von S. 4â5. In: Nationalsozialismus, Holocaust, Widerstand und Exil 1933â1945. Online-Datenbank. Berlin: de Gruyter. Online unter: https://www.degruyterbrill.com/database/tarns/entry/ts41/html ; Zugriff: 19.09.2025.
- Abb. 3: Tarnschrift 0049 (1933): Willst Du gesund bleiben. Scan der Titelseite. In: Nationalsozialismus, Holocaust, Widerstand und Exil 1933â1945. Online-Datenbank. Berlin: de Gruyter. Online unter: https://www.degruyterbrill.com/database/tarns/entry/ts41/html ; Zugriff: 19.09.2025.
- Abb. 4: BĂ€umer, Benjamin (2025): Visualisierung einer stufenweisen steganografischen Enttarnung ĂŒber FarbkanĂ€le. Eigene Darstellung.
- Abb. 5: Mahler, Horst (1971): Abbildung aus Tarnschrift Verkehrsrechts- und VerkehrsaufklĂ€rungsheft. Die neue StraĂenverkehrsordnung. Die LĂŒcken der revolutionĂ€ren Theorie schliessen â Die Rote Armee aufbauen!
- Abb. 6: ferozaaziz (2019): Screenshot von TikTok-Beitrag Why wonât anyone talk about this??? Online unter: https://www.tiktok.com/@ferozaaziz/video/6762657542972689670 ; Zugriff: 19.09.2025.
Zitiervorschlag
Markewitz, Friedrich; BĂ€umer, Benjamin (2025): Tarnschrift. In: Diskursmonitor. Glossar zur strategischen Kommunikation in öffentlichen Diskursen. Hg. von der Forschungsgruppe Diskursmonitor und Diskursintervention. Veröffentlicht am 21.10.2025. Online unter: https://diskursmonitor.de/glossar/tarnschrift. Â
DiskursGlossar
Grundbegriffe
Begriffsgeschichte
Die Begriffsgeschichte lĂ€sst sich allgemein als eine historische Methode beschreiben, die den zeitlichen Wandel der Bedeutungen von bestimmten AusdrĂŒcken untersucht. Da einzelne Worte nie isoliert begegnen und ihre jeweiligen Bedeutungen erst im Kontext gröĂerer sprachlicher ZusammenhĂ€nge oder semantischer Felder greifbar werden, verbindet sie sich flexibel mit anderen Methoden historischer Semantik, wie etwa der Diskursgeschichte, der Argumentationsgeschichte oder der Metaphernforschung (Metaphorologie).
Diskurssemantische Verschiebung
Mit dem Begriff der diskurssemantischen Verschiebung wird in der Diskursforschung ein Wandel in der öffentlichen Sprache und Kommunikation verstanden, der auf mittel- oder lĂ€n-gerfristige VerĂ€nderung des Denkens, Handelns und/oder FĂŒhlens gröĂerer Gesellschafts-gruppen hinweist.
DomÀne
Der Begriff der DomĂ€ne ist aus der soziologisch orientierten Sprachforschung in die Diskursforschung ĂŒbernommen worden. Hier wird der Begriff dafĂŒr verwendet, um Muster im Sprachgebrauch und kollektiven Denken von sozialen Gruppen nach situationsĂŒbergreifenden TĂ€tigkeitsbereichen zu sortieren.
Positionieren
Positionieren ist Grundbestandteil menschlicher Kommunikation. Wann immer wir miteinander interagieren und kommunizieren, bringen wir uns selbst, andere und die Objekte, ĂŒber die wir sprechen, in bestimmte Relationen zueinander.
Deutungsmuster
Unter einem Deutungsmuster wird die problem- und lösungsbezogene Interpretation gesellschaftlicher und politischer TatbestĂ€nde verstanden, die Aussicht auf Akzeptanz in sozialen Gruppen hat. Der Begriff des Deutungsmusters hat Ăhnlichkeit mit den Begriffen der Theorie und Ideologie. Meist werden gesellschaftlich verbreitete Leitdeutungen, die oft mit Schlagwörtern und Argumentationsmustern einhergehen (wie Globalisierung, Kapitalismus, Leistungsgesellschaft, Chancengleichheit etc.) als Beispiele fĂŒr Deutungsmuster genannt.
Sinnformel
âWer sind wir? Woher kommen, wo stehen und wohin gehen wir? Wozu leben wir?â Auf diese und Ă€hnliche existentielle Fragen geben Sinnformeln kondensierte Antworten, die in privaten wie sozialen Situationen Halt und Argumenten in politischen und medialen Debatten einen sicheren Unterbau geben können.
Praktik
Eine Praktik ist ein spezifisches, situativ vollzogenes und sinnhaftes BĂŒndel von körperlichen Verhaltensweisen, an dem mehrere Menschen und Dinge beteiligt sein können (z. B. Seufzen, um Frust auszudrĂŒcken, oder einen Beschwerdebrief schreiben, FuĂballspielen).
Kontextualisieren
Kontextualisieren wird im allgemeineren bildungssprachlichen Begriffsgebrauch verwendet, um das Einordnen von etwas oder jemandem in einen bestimmten Zusammenhang zu bezeichnen.
Narrativ
Mit der diskursanalytischen Kategorie des Narrativs werden Vorstellungen von komplexen Denk- und Handlungsstrukturen erfasst. Narrative in diesem Sinne gehören wie Schlagwörter, Metaphern und Topoi zu den Grundkategorien der Analyse von Diskursen.
Argumentation
Argumentation bezeichnet jene sprachliche TĂ€tigkeit, in der man sich mithilfe von GrĂŒnden darum bemĂŒht, die Richtigkeit einer Antwort auf eine bestimmte Frage zu erweisen. Das kann in ganz verschiedenen Situationen und Bereichen nötig sein, namentlich um eine poli-tische, wissenschaftliche, rechtliche, unternehmerische oder private Angelegenheit zu klĂ€ren.
Techniken
AI-Washing/KI-Washing
Unter AI-Washing ist die Praxis von Unternehmen oder Organisationen zu verstehen, Produkte, Dienstleistungen oder GeschĂ€ftsmodelle mit dem Etikett âKĂŒnstliche Intelligenzâ (KI bzw. âArtificial Intelligenceâ (AI)) zu versehen, obwohl deren tatsĂ€chlicher Einsatz von KI-Technologien entweder stark ĂŒbertrieben, nur marginal vorhanden oder ĂŒberhaupt nicht gegeben ist.
Dogwhistle
Unter Dogwhistle wird in Teilen der Forschung eine doppeldeutige ĂuĂerung verstanden, die eine offene und eine verdeckte Botschaft an jeweils eine Zuhörerschaft kommuniziert.
Boykottaufruf
Der Boykottaufruf ist eine MaĂnahme, die darauf abzielt, ein Ziel, also meist eine VerhaltensĂ€nderung des Boykottierten, hervorzurufen, indem zu einem Abbruch etwa der wirtschaftlichen oder sozialen Beziehungen zu diesem aufgefordert wird.
Tabuisieren
Das Wort Tabuisierung bezeichnet die Praxis, etwas UnerwĂŒnschtes, AnstöĂiges oder Peinliches unsichtbar zu machen oder als nicht akzeptabel zu markieren. Das Tabuisierte gilt dann moralisch als unsagbar, unzeigbar oder unmachbar.
Aus dem Zusammenhang reiĂen
Das Aus-dem-Zusammenhang-ReiĂen gehört in den Funktionskreis der Redewiedergabe bzw. der Wiedergabe kommunikativer Ereignisse. Es kann (1) als intentionale argumentativ-polemische Strategie fĂŒr ganz unterschiedliche diskursive Zielsetzungen von Akteuren genutzt werden, oder (2) es kann SprecherInnen und SchreiberInnen in unbeabsichtigter, fehlerhafter Weise unterlaufen.
Lobbying
Lobbying ist eine Form strategischer Kommunikation, die sich primĂ€r an Akteure in der Politik richtet. Beim Lobbying wird ein BĂŒndel von kommunikativen TĂ€tigkeiten mit dem Ziel eingesetzt, die Entscheidungen von Personen mit politischem Mandat oder den Entstehungsprozess von neuen Gesetzestexten interessengeleitet zu beeinflussen.
Karten
Karten dienen dazu, Raumausschnitte im Hinblick auf ausgewÀhlte Charakteristika so darzustellen, dass die Informationen unmittelbar in ihrem Zusammenhang erfasst und gut kommuniziert werden können. Dazu ist es notwendig, Daten und Darstellungsweisen auszuwÀhlen und komplexe und oft umkÀmpfte Prozesse der Wirklichkeit in einfachen Darstellungen zu fixieren.
Pressemitteilung
Pressemitteilungen sind standardisierte Mitteilungen von Organisationen, die sich an Journalist:innen und andere Multiplikator:innen richten. Sie dienen der offiziellen und zitierfĂ€higen Informationsweitergabe und ĂŒbernehmen zugleich strategische Funktionen in der öffentlichen Kommunikation und Meinungssteuerung.
Shitstorm
Der Begriff Shitstorm beschreibt eine relativ junge Diskurskonstellation, die seit den 2010er Jahren an Bedeutung gewonnen hat und gemeinhin als Online-Wutausbruch bezeichnet wer-den kann.
Ortsbenennung
Die Benennung von Orten dient in erster Linie dazu, den jeweiligen geografischen Ort zu lokalisieren und ihn zu identifizieren. Doch Ortsnamen besitzen eine soziale Dimension und spielen eine entscheidende Rolle bei der sprachlich-kulturellen IdentitÀtskonstruktion.
Schlagwörter
BrĂŒckentechnologie
Ganz allgemein wird unter dem Schlagwort der BrĂŒckentechnologie sowohl in den öffentlichen Medien als auch in technisch und wirtschaftlich dominierten Kontexten eine Technologie verstanden, die zeitlich befristet eingesetzt werden soll, bevor in Zukunft der Ăbergang zu einer als sinnvoller eingeschĂ€tzten anderen Technologie möglich ist.
Deindustrialisierung
Der Ausdruck Deindustrialisierung (auch De-Industrialisierung oder als Verb deindustrialisieren) beschreibt im öffentlichen Sprachgebrauch eine negativ bewertete Form des Strukturwandels durch RĂŒckgang von produzierendem Gewerbe.
Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit als ein Schlagwort des öffentlichen Diskurses bezieht sich ganz allgemein auf einen ressourcenschonenderen Umgang mit dem, was uns Menschen der Planet Erde bietet, mit dem Ziel, dass auch nachfolgende Generationen noch die Möglichkeit haben, Àhnlich gut zu leben wie wir heute (Generationengerechtigkeit).
Echokammer
Der Begriff der Echokammer steht in seiner heutigen Verwendung vor allem im Zusammenhang mit der Nutzung Sozialer Medien. Er verweist metaphorisch auf einen digitalen Kommunikations- und Resonanzraum, in dem Mediennutzer*innen lediglich Inhalten begegnen, die ihre eigenen, bereits bestehenden Ansichten bestÀtigen, wÀhrend abweichende Perspektiven und Meinungen ausgeblendet bzw. abgelehnt werden.
Relativieren
Der Ausdruck relativieren besitzt zwei zentrale Bedeutungsvarianten: In bildungssprachlichen und wissenschaftlichen Kontexten bezeichnet er eine analytische Praxis, bei der Aussagen, Begriffe oder PhÀnomene durch Bezugnahme auf andere Sachverhalte eingeordnet, differen-ziert und in ihrer Geltung prÀzisiert werden.
Massendemokratie
GeprĂ€gt wurde der Begriff Massendemokratie im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts von völkisch-konservativen Akteuren (prominent darunter Carl Schmitt 1926). Der Ausdruck Masse hatte damals bei den bĂŒrgerlichen Eliten eine rundum bedrohliche Assoziation.
Social Bots
Als Social Bots werden Computerprogramme bezeichnet, die in der Lage sind, in sozialen Medien Kommunikation menschlicher Nutzer*innen (teilweise) automatisiert nachzuahmen.
KriegsmĂŒdigkeit
Der Ausdruck KriegsmĂŒdigkeit bezeichnet die emotionale und physische Erschöpfung von Menschen, die einen Krieg erleben, sowie die gesellschaftliche und politische ErmĂŒdung angesichts langanhaltender Konflikte. Er beschreibt den sinkenden Kampfeswillen bei Kriegsparteien und heute wird er auch fĂŒr das wachsende Desinteresse an Kriegsthemen in Medien und Ăffentlichkeit genutzt.
Woke
Der Ausdruck woke stammt aus dem afroamerikanischen Englisch und bezeichnete dort zunĂ€chst den Bewusstseinszustand der AufgeklĂ€rtheit ĂŒber die Verbreitung von rassistischen Vorurteilen und Diskriminierung unter Angehörigen ethnischer Minderheiten.
IdentitÀt
Unter IdentitĂ€t versteht man allgemein die Summe von Merkmalen, die Individuen oder sozialen Kollektiven â etwa Nationen, Organisationen oder sozialen Gruppen â als charakteristisch oder gar als angeboren zugeordnet werden.
Verschiebungen
Dehumanisierung
Mit Dehumanisierung bzw. Anthropomorphisierung werden solche kommunikativen Techniken und Praktiken bezeichnet, die Personen, Sachverhalten oder GegenstÀnden menschliche Eigenschaften ab- bzw. zusprechen. Dehumanisierung und Anthropomorphisierung können sowohl durch sprachliche Mittel als auch durch andere, z. B. bildliche, Zeichen vollzogen werden.
Kriminalisierung
KriminalitĂ€t meint ein Verhalten, das gegen ein Gesetz verstöĂt. Folglich bedeutet Kriminalisierung im engeren Sinne den Vorgang, durch den Verhalten ungesetzlich gemacht wird â indem Gesetze geschaffen werden.
Versicherheitlichung
In akademischen Kontexten wird Versicherheitlichung in Abgrenzung zu einem naiv-realistischen SicherheitsverstĂ€ndnis verwendet. Dieses betrachtet Sicherheit als einen universell erstrebenswerten und objektiv feststellbaren Zustand, dessen Abwesenheit auf das Handeln von Akteuren zurĂŒckzufĂŒhren ist, die feindselig, kriminell, unverantwortlich oder zumindest fahrlĂ€ssig agieren.
Ăkonomisierung
Ăkonomisierung wird in gegenwĂ€rtigen Diskursen in der Regel zur Bezeichnung von Prozessen verwendet, in denen die spezifisch wirtschaftlichen Funktions-Elemente wie Markt, Wettbewerb/Konkurrenz, Kosten-Nutzen-KalkĂŒle, Effizienz, Gewinnorientierung in Bereiche ĂŒbertragen werden, die zuvor teilweise oder ganz nach anderen Leitkriterien ausgerichtet waren
Moralisierung
Moralisierung verlagert Macht- und Interessenkonflikte in die SphÀre der Kommunikation von Achtung / Missachtung. Sie reduziert Ambivalenz zugunsten einer Polarisierung von gut und böse.
Konstellationen
Krise
Krise ist vom Wort mit fachsprachlicher Bedeutung zur Zeitdiagnose und einem zentralen Begriff der öffentlich-politischen Kommunikation geworden. Der öffentlich-politische Krisenbegriff ist dabei â unabhĂ€ngig vom Gegenstand der Krise â in eine krisendiskurstypische Konstellation zur BegrĂŒndung von krisenĂŒberwindenden Handlungen eingebettet.
Partizipatorischer Diskurs
Partizipation ist mittlerweile von der Forderung benachteiligter Personen und Gruppen nach mehr Beteiligung in der demokratischen Gesellschaft zu einem Begriff der Institutionen selbst geworden: Kein Programm, keine Bewilligung mehr, ohne dass bestimmte Gruppen oder Personen dazu aufgefordert werden, fĂŒr (mehr) Partizipation zu sorgen.
Skandal
Die Diskurskonstellation des Skandals zeichnet sich durch eine in den Medien aufgegriffene (bzw. durch sie erst hervorgerufene) empörte Reaktion eines erheblichen Teils der Bevölkerung auf einen tatsĂ€chlichen oder vermeintlichen Missstand aus. Die schuldhafte Verursachung dieses Missstandes wird dabei einem gesellschaftlichen Akteur zugeschrieben, dessen Handeln als âunmoralischâ gedeutet wird.
DiskursReview
Review-Artikel
âStadtbildâ â Eine gedankliche Chiffre im politischen Diskurs
Fragen Sie mal Ihre Töchter, was ich damit gemeint haben könnte, und wiederholte, er habe gar nichts zurĂŒckzunehmen und wolle an dieser Politik festhalten
Musk, Zuckerberg, Döpfner â Wie digitale Monopole die Demokratie bedrohen und wie könnte eine demokratische Alternative dazu aussehen?
Die Tech-MilliardÀre Musk (Tesla, X,xAI) Zuckerberg (Meta), Bezos (Amazon) oder Pichai (Alphabet) sind nicht Spielball der MÀrkte, sondern umgekehrt sind die MÀrkte Spielball der Tech-Oligopolisten geworden.
Beobachtung zum Begriff âDiplomatieâ beim Thema Ukraine im EuropĂ€ischen Parlament
Von EU-Vertretern waren zur Ukraine seit 2022 vor allem Aussagen zu hören, die sich unter dem Motto âas long as it takesâ beziehungsweise âso lange wie nötigâ fĂŒr die Erweiterung der militĂ€rischen Ausstattung und der VerlĂ€ngerung des Krieges aussprachen. VorschlĂ€ge oder VorstöĂe auf dem Gebiet der âDiplomatieâ im Sinne von âVerhandeln (mit Worten) zwischen Konfliktparteienâ gab es dagegen wenige, obwohl die klare Mehrheit von Kriegen mit Diplomatie beendet wurden (vgl. z.B. Wallensteen 2015: 142)
Die Macht der Worte 4/4: So geht kultivierter Streit
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Relativieren â kontextualisieren â differenzieren
Die drei Handlungsverben relativieren, kontextualisieren, differenzieren haben gemein, dass sie sowohl in Fachdiskursen als auch im mediopolitischen Interdiskurs gebraucht werden. In Fachdiskursen stehen sie unter anderem fĂŒr Praktiken, die das KerngeschĂ€ft wissenschaftlichen Arbeitens ausmachen: analytische GegenstĂ€nde miteinander in Beziehung zu setzen, einzuordnen, zu typisieren und zugleich Unterschiede zu erkennen und zu benennen.
Wehrhafte Demokratie: Vom Wirtschaftskrieg zur Kriegswirtschaft
Weitgehend ohne Ăffentlichkeit und situiert in rechtlichen Grauzonen findet derzeit die Militarisierung der ursprĂŒnglich als âFriedensprojektâ gedachten EU statt.
Tagung 2025: âDas geht zu weit!â Sprachlich-kommunikative Strategien der Legitimierung und Delegitimierung von Protest in öffentlichen, medialen und politischen Diskursen
âDas geht zu weit!â Sprachlich-kommunikative Strategien der Legitimierung undDelegitimierung von Protest in öffentlichen, medialen und politischen Diskursen Tagung der Forschungsgruppe Diskursmonitor Tagung: 04. bis 5. Juni 2025 | Ort: Freie UniversitĂ€t Berlin...