DiskursGlossar

Entlarven

Kategorie: Techniken
Verwandte Ausdrücke:
aufdecken, Debunking, desillusionieren
Siehe auch: Moralisierung, Verschwörungstheorie
Autorin: Clemens Knobloch
Version: 1.0 / 15.01.2021

Kurzzusammenfassung

Entlarven ist als kritische Alltagstechnik zentral und allgegenwärtig, und aus diesem Grund so gut wie unsichtbar und wenig reflektiert. Entlarven besteht darin, das erklärte hohe Motiv einer Handlung durch Zuschreibung eines niedrigeren Motivs zu ersetzen. Damit einher geht ein Wahrheitsanspruch: Das entlarvte Motiv wird als wahrheitswidrig, das niedere als tatsächlich zutreffend proklamiert. Wenn A sagt, er möchte als Politiker ‚Verantwortung übernehmen‘, und B daraufhin sagt, A strebe tatsächlich nach Macht und wolle seine Interessen durchsetzen, dann entlarvt B. Wenn A sagt, Europa sei eine ‚Wertegemeinschaft‘, und B antwortet, Europa sei ein Raum verdichteter und enthemmter wirtschaftlicher Standortkonkurrenz, dann entlarvt B. Wenn A sagt, man müsse ‚den Flüchtlingen helfen‘, und B sagt, in der Migrationspolitik gehe es nur um die Durchsetzung wild globalisierter Arbeitsmärkte, dann entlarvt B. Wer ein selbst erklärtes oder zugeschriebenes hohes Motiv durch ein niedrigeres ersetzt, der bedient sich der Technik des Entlarvens.

Die alltagssprachliche Konnotation von Entlarven ist mehrfach gespalten. Nach der Seite des Objektarguments ist sie insofern höchst pejorativ (das Objekt herabsetzend), als es im öffentlichen Sprachgebrauch gewöhnlich Betrüger, Kriminelle, Hochstapler etc. sind, die entlarvt werden. Anders gesagt: Wer entlarvt werden muss, ist schon per se als Abweichler und Normverletzter identifiziert und diskreditiert. Nach der Seite des Subjekt-Arguments konnotiert Entlarven aber Verbindung zur aufgedeckten Wahrheit, also positiv. Alle fachlich neutralisierten Verwendungen des Ausdrucks schleppen diese Konnotationen mit, ob sie wollen oder nicht. Auch insofern ist Entlarven ein typisches Beispiel für die innere semantische Widersprüchlichkeit kritischer Begriffe.

Erweiterte Begriffsklärung

Da wir auch im kommunikativen Alltag beständig Motivzuschreibungen prozessieren, ist uns das Entlarven sehr vertraut. Die Vorwurfsformel „Du willst doch nur…..“ ersetzt in der Regel ein vom Akteur erklärtes Handlungsmotiv durch die Zuschreibung eines anderen, weniger ‚wertvollen‘ Handlungsmotivs. Hinter allen erklärten ‚hohen‘ Motivationen verborgene Nutzen- und Interessenkalküle des Sprechers auszumachen, ist ein uralter sprachtheoretischer und rhetorischer Topos. Es ist gewissermaßen der Alltagsmodus der Sprachkritik, systematisch als sprachkritische Theorie ausgearbeitet u.a. bei Jeremy Bentham (1748-1832), dem Begründer des Utilitarismus.

So gesehen ist das Entlarven das einfache Gegenstück des Moralisierens: Eine Handlung zu moralisieren, verschiebt die ihr zugeschriebenen (eigenen oder fremden) Motive ‚nach oben‘, während das Entlarven die zugeschriebenen Motive ‚nach unten‘ in der Wertehierarchie verschiebt. Beide Techniken müssen stets im Zusammenhang gesehen werden, sie bedingen einander. Im Alltag haben Akteure die naheliegende Tendenz, ihre eigenen (bzw. der Eigengruppe zugerechneten) Motive aufzuwerten, zu moralisieren, während sie die Motive anderer Akteure (bzw. Fremdgruppen) eher abwerten bzw. entlarven. Migranten wollen nicht durch Flucht ‚sich und ihre Familien retten‘, sondern ‚in unsere Sozialsysteme einwandern‘ etc.

Daraus folgt, dass grundsätzlich immer auch die Haltung und Motivation des Entlarvers von den anderen entlarvt werden kann. Als kritische Technik oder Taktik ist das Entlarven insofern zwar alltäglich (und vielleicht sogar unvermeidlich), sein Aufklärungswert ist jedoch gering. Das hängt damit zusammen, dass es zwischen Politik und Öffentlichkeit lediglich die verbreitete Einstellung bestätigt, wonach ‚die Politik‘ ohnehin in der Hauptsache ihre eigene Interessensphäre im Blick habe und dem Publikum lediglich eine unglaubwürdige Fassade zeige, in der es stets nur um die höchsten Werte des Gemeinwohls geht. Man setzt sich für eine Politik ein, indem man sie unter ein ‚positives‘ (oder als positiv unterstelltes) motivationales Prinzip bringt, aber hinter jedem solchen positiven motivationalen Prinzip lassen sich sowohl die Niederungen seiner alltäglichen Implementierung als auch die profanen Interessen derjenigen ausmachen, die sich für das hohe Prinzip einsetzen. Alle Prinzipien können so mehr oder weniger einfach entlarvt werden. Das führt dazu, dass der Entlarver regelmäßig auch die programmatische Grundlage seiner eigenen Position untergräbt.

Zudem kennen wir aus der kommerzialisierten PR- und Werbesphäre eine massive Dauerpräsenz von Kommunikationen, an deren selbst erklärte Hochwertmotive ohnehin niemand glaubt, der seine Murmeln beisammen hat. Insgesamt beschränkt sich der politische Effekt des Entlarvens in der Regel auf die Zustimmung der Eigengruppe und die Selbstaufwertung des Sprechers. Der inszeniert sich als jemand, den man nicht so leicht täuschen kann – ein durchaus erstrebenswertes Image.

Hinzu kommt, dass Entlarven (nebst seinem Gegenstück, der moralisierenden Aufwertung) nicht allein in Alltag, Politik, Machtkommunikation beheimatet ist, sondern auch ein Verfahren, das in den Human- und Sozialwissenschaften verbreitet ist: Die Aufklärung entlarvt die Religion als machtbesessenen Priestertrug. Thomas Hobbes entlarvt den Staat als möglicherweise unschönes, aber nötiges Ergebnis einer Übereinkunft der Einzelnen, die sonst im vorstaatlichen Naturzustand des Krieges aller gegen alle verbleiben müssten (und mischt damit eine rhetorisch wirkungsvolle Moralisierung selbst autoritärer Staatsformen bei). Die Psychoanalyse legt die sexuellen Triebkräfte hinter und unseren Träumen, Kulturleistungen und Gewissensbissen frei. Diese Liste ließe sich beliebig verlängern.

Als Praxis und Technik ist Entlarven offenbar insofern elementar und ohne Alternative, als das Sprechen über menschliche (öffentliche, politische…) Angelegenheiten ohne die Selbst- und Fremdzuschreibung von Motiven unmöglich ist (vgl. Burke 1969 [1940]). In diesem Spiel ist die sprachliche Moralisierung der Motive durchweg auf dem Vormarsch. Aus den ‚geschlossenen Abteilungen‘ der Psychiatrie werden ‚geschützte Stationen‘ und aus den spezialisierten ‚Förderschulen‘ für Behinderte wird der hoch moralisierte Imperativ zur ‚Inklusion‘ aller in die Regelschulen. All das ist moralische Aufwertung von Motiven, die wiederum nach Entlarvung ruft.

Je ausgeprägter die moralisierende Zuspitzung eines Diskurses, desto stärker scheint der Bedarf an Entlarvung zu wachsen: War Kant ein Rassist? Marx ein Antisemit? Ist die britische Labourparty antisemitisch? Sind die Gegner der staatlichen Coronapolitik eigentlich Verschwörungstheoretiker? Usw.
In das begriffliche Umfeld von Entlarven gehören auch Ausdrücke wie aufdecken, enttarnen etc. Investigative Organisationen (Fact Checker, Whistleblower, Lobby Control etc.) sind aber weniger mit der Differenz zwischen (vom Akteur) beanspruchten und (von anderen) entlarvten Motiven befasst als eher mit dem Aufdecken verheimlichter Tatsachen und Verbindungen. Beides geht insofern meist Hand in Hand, als sich hinter noblen erklärten Motiven meist auch verheimlichte Tatsachen befinden.

Beispiele

Zusammen genommen bilden Entlarven und Moralisieren eine zentrale Dimension der sprachlichen Dramatisierung menschlicher Angelegenheiten. Man kann aber kaum sagen, das Moralisieren sei eine Gegenstrategie zum Entlarven oder umgekehrt, weil beide sehr eng zusammengehören und auch nur zusammen vorgestellt werden können. Sie aktivieren in dieser Dimension entgegengesetzte diskursive Ressourcen. Entlarven organisiert den Anschluss an die Sphäre vom Sprecher beanspruchter Wahrheiten und Tatsachen und bringt diese Fakten in Stellung gegen beanspruchte Hochwertmotive. Moralisieren organisiert den Anschluss an die Sphäre verbindlicher und programmatischer Wertungen und bringt somit das ‚Sollen‘ gegen die nackten Tatsachen in Stellung.

Wirkungsvolle Gegenstrategien müssen sich darum nicht allein gegen das Entlarven, sondern gegen die ganze Dimension richten, zu der Entlarven und Moralisieren gemeinsam gehören.

Das ist insofern nicht einfach, als wir auch im vermeintlich neutralen und wertungsfreien ‚Distanzmodus‘ des wissenschaftlichen Sprechens gar nicht anders können als zu dramatisieren und Motive zuzurechnen, womit wir automatisch wieder im Spielfeld des Entlarvens und Moralisierens sind.
Eine interessante Variable für die Wirkung des Entlarvens ist sicher die ‚Fallhöhe‘ zwischen den offiziell erklärten und den als faktisch entlarvten Motiven. Es ist z.B. kaum vorstellbar, dass eine ‚Moralagentur‘ wie die katholische Kirche jemals ihre moralische Autorität über das Sexualverhalten der Gläubigen umfassend erneuern kann, nachdem nachgewiesen ist, dass sie jahrzehntelang offenbar recht verbreitete Praktiken des Kindesmissbrauchs durch ihre Angehörigen systematisch gedeckt und vertuscht hat. Wollte die katholische Kirche ihr Image als Moralagentur im massendemokratischen Diskurs erhalten, wäre sie gezwungen, mit allen Mitteln juristisch aufzuklären und Täter zu bestrafen sowie glaubhaft ‚Besserungsabsicht‘ zu inszenieren. Von beidem ist wenig zu sehen.

Semantisch und pragmatisch wirkungsvolle Gegenstrategien müssten motivational entgegengesetzte, hohe und niedrige Bewertungen zusammenfügen und somit eine Perspektive ermöglichen, die motivationale Ambivalenz erhält und erkenntnisfördernd einsetzt, anstatt sich umstandslos auf die ‚gute‘ oder die ‚böse‘ Seite zu schlagen. Terminologische Beispiele sind Ausdrücke wie ‚schöpferische Zerstörung‘ (als Eigenschaft der kapitalistischen Dynamik bei Schumpeter) oder ‚trained incapacity‘, erworbene, erlernte Unfähigkeit (in der Soziologie Thorstein Veblens), ‚konservative Revolution‘, ‚antagonistische Kooperation‘ etc. Sie ermöglichen es, höhere Motive im Lichte ihrer niedrigeren Gegenstücke zu sehen und umgekehrt. Sie taugen aber auch dazu, rhetorisch beide Seiten eines Wertgegensatzes für die eigene Partei zu reklamieren, sind also selbst wiederum ambivalent. Wer etwa eine völkerrechtswidrige Aggression als ‚humanitäre Intervention‘ ausflaggt, der besetzt Moral und kriegerischen Angriff mit ein und demselben Ausdruck, und er kann sich jederzeit auf eines der beiden Bewertungszentren zurückziehen [perspective by incongruity, KB].

Aus diesem Grunde sind für die Dimension des Entlarvens und Moralisierens Diskurskonstellationen besonders aufschlussreich, in denen es einen dramatischen Richtungswechsel in der öffentlichen Bewertung von politischen Handlungen und Programmen gibt. Ein Beispiel: In der (neoliberalen) Sozialpolitik lässt sich ein radikaler Wertungswechsel im Sprechen über Sozialhilfe/Hartz IV beobachten. Von der wohlfahrtsstaatlichen ‚Absicherung gegen Armut‘ hin zur neoliberalen ‚Entmündigung‘ und ‚Bevormundung‘ des Einzelnen durch staatliche Hilfen. Nach dieser öffentlichen Umwertung staatlicher Handlungsmotive kann an die Stelle der ‚fürsorglichen‘ Wohlfahrtsterminologie dann die Rhetorik der Aktivierung, des Fitmachens für den Arbeitsmarkt, des Empowerments, des Ich-Unternehmers treten.

Weitere solche größeren diskursiven Umwertungen sind z.B.: die Umstellung vom klassischen Helden-Nationalismus zum Opfer-Nationalismus, bei der die Legitimität der nationalen Anliegen nicht aus den vergangenen Heldentaten der Nation/Ethnie, sondern aus einer Unterdrückungs-, Diskriminierungs-, Verfolgungsgeschichte abgeleitet wird (Israel, Kurdistan, Armenien, Katalonien, Baskenland…) – oder aber durch die demonstrative Identifizierung mit fremden Verfolgungsgeschichten (Knobloch 2020).

Eine historische Diskursschwelle bildet in diesem Zusammenhang auch die liberale Doktrin der ‚unsichtbaren Hand‘ des Marktes (Adam Smith), die aus den eigensüchtigen Motiven aller einzelnen Marktakteure ein System entstehen lässt, das dem Gemeinwesen maximalen Nutzen und maximale Wohlfahrt beschert. Die ‚private vices‘ werden zu ‚public benefits‘ (Bernard de Mandeville). Waren ‚Egoismus‘ und ‚Gemeinwohl‘ zuvor moralisch extreme Gegensätze, werden durch diese Doktrin die beiden Pole in ihr Gegenteil transformiert: Wer fortan dem Gemeinwohl dienen möchte, der muss das privat-egoistische Nutzenmotiv der Einzelnen fördern. Wer hingegen direkt das Gemeinwohl fördern möchte, der stört und behindert die egoistische Nutzenmaximierung und erreicht somit das Gegenteil dessen, was er anstrebt. Damit wechseln Egoismus und Gemeinwohlorientierung die Positionen in der Bewertungshierarchie. Fischer (2006) spricht in diesem Zusammenhang vom ‚semantischen Coup des Liberalismus‘. Solche Umstellungen in der Hierarchie legitimer Motive verändern das Gleichgewicht zwischen moralisierenden und entlarvenden Techniken in der kommunikativen Ökonomie einer Gesellschaft. Wer fortan eine Handlung als ‚egoistisch‘ entlarvt, der bekommt zu hören, dass sie genau deswegen maximal zum Gemeinwohl beiträgt.

Man achte also auf alle Versuche, öffentlich etablierte Werthierarchien umzuwerten, umzustellen. Jeder solche Umwertungsversuch ist auf Geländegewinn aus. Und jeder solche Umwertungsversuch lässt Entlarvungsversuche ins Leere laufen und öffnet Räume für die Moralisierung von politischen Programmen.

Zitierte Literatur

  • Burke, Kenneth (1969 [1940]): A Grammar of Motives. Berkeley, L.A.: University of California Press [zuerst 1940].
  • Burke, Kenneth (1973 [1941]): „The Virtues and Limitations of Debunking“. In: ders. The Philosophy of Literary Form, 3rd. Ed. Berkeley, L.A.: University of California Press. S. 168-190. [Deutsch in: Burke, Kenneth: Die Rhetorik in Hitlers ´Mein Kampf´ und andere Essays zur Strategie der Überredung, Frankfurt/M.: Suhrkamp 1967, S. 93-115, unter dem Titel „Vom Nutzen und Nachtteil des Entlarvens“].
  • Fischer, Karsten (2006): Moralkommunikation der Macht. Politische Konstruktion sozialer Kohäsion im Wohlfahrtsstaat. Wiesbaden: VS.
  • Knobloch, Clemens (2020): „Die Figur des Opfers und ihre Transformation im politischen Diskurs der Gegenwart“. In: Zeitschrift für Politik 67,4.

Zum Weiterlesen

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Zitiervorschlag

Knobloch, Clemens (2021): Artikel Entlarven. In: Diskursmonitor. Glossar zur strategischen Kommunikation in öffentlichen Diskursen. Hg. von der Forschungsgruppe Diskursmonitor und Diskursintervention. Veröffentlicht am 15.01.2021. Online unter: https://diskursmonitor.de/glossar/entlarven.

 

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Konnotation

Konnotation ist ein Fachbegriff, mit dem in der Sprachwissenschaft und benachbarten Disziplinen die Nebenbedeutung (oder der ‚Nebensinn‘) eines Ausdrucks bezeichnet wird. Die konnotative Bedeutung umfasst oft wertende (evaluative) oder handlungsauffordernde (deontische) Aspekte, die mit dem Gebrauch eines Ausdrucks aufgerufen werden können.

Inklusion

Inklusion hat sich, ausgehend von einem soziologischen Fachterminus gleichen Namens, in den zwei vergangenen Jahrzehnten zu einem interdiskursiven und allgemeinen Programmbegriff gewandelt.

Framing

Kommunikationswissenschaftlicher Fachausdruck für den Deutungs- und Bewertungsrahmen, der durch einen politischen Begriff aufgerufen oder ihm fallweise beigegeben wird.

Dramaturgie

Im Rahmen strategischer Kommunikation steht Dramaturgie als Beschreibungsbegriff für den gezielten Rückgriff auf typische dramatische Muster bei der Inszenierung von Ereignissen.

Schlagwort

Im Feld der politischen Kommunikation sind Schlagwörter Ausdrücke, mit denen Positionen, Programme, Tendenzen oder Sachverhalte in verdichteter Form, wertend und mit emotionaler Aufladung präsentiert werden, z.B. als (positiv besetzte) Fahnenwörter wie Demokratie, als (negativ besetzte) Stigmawörter wie Chaot oder als Hochwertwörter wie Kultur.

Guerillakommunikation

Guerillakommunikation steht für die Beobachtung, dass es Formen der Kommunikation gibt, die von normalen bzw. als normal geltenden Kommunikationsformen abweichen und mit diesen in Konflikt stehen. Die Markierung als Guerillakommunikation (von span. guerrilla = Kleinkrieg) verweist dabei auf asymmetrische Konflikte, die aus einer unterlegenen Position heraus kommunikativ ausgetragen werden.

Techniken

Euphemismus

Der Ausdruck Euphemisierung ist eine sprachliche Strategie, die den Einsatz von sprachlichen Mitteln mit verhüllender, verschleiernder, beschönigender, abschwächender Funktion im öffentlichen Sprachgebrauch meint.

Adbusting

Adbusting (Englisch: aus „ad“ – Kurzform von „advertisement“ = ‚Werbung‘ und „to bust“ = ugs. ‚zerschlagen‘) ist die Bezeichnung für eine Reihe von kommunikativen Praktiken, die zur Verfremdung kommerzieller und politischer Werbung im öffentlichen Raum eingesetzt werden. Heutzutage spielen die Sozialen Medien eine zunehmende Rolle, da erstens digitale Bearbeitungstechniken eingesetzt werden können und zweitens durch jene ein ungleich größeres Publikum erreicht wird.

Nudging

Nudging (Englisch: Schubsen, Stupsen) ist die Bezeichnung für eine Technik und Praxis strategischer Kommunikation. Dem Anspruch nach soll durch Nudging Verhalten ohne Zwang gelenkt werden, und zwar durch Veränderung der Rahmenbedingungen für Entscheidungen: durch bestimmte Voreinstellungen (z.B. Zustimmung gilt als normal, Abweichung muss markiert werden), Symbole oder auch materielle Arrangements (Barrieren, Markierungen). Nudges sind für die Adressaten oft nicht erkennbar, gleichwohl gehört Nudging inzwischen zum Repertoire aktueller Regierungstechniken.

Inszenierung

Inszenierung ist ursprünglich ein Begriff aus der Sphäre der (dramatischen) Kunst, des Theaters, der in den Kontext von Kommunikation gewandert ist. Inszenierung bezeichnet die Nutzung der Mittel des Theaters, um etwas zur Erscheinung zu bringen, „in Szene“ zu setzen. Dazu werden die Möglichkeiten der verschiedenen Zeichensysteme (sprachliche, visuelle, gestische) genutzt, darüber hinaus die Koordination in Raum und Zeit und das Spiel mit Rollen.

Propaganda

Propaganda als Kommunikationstechnik und -praxis umfasst eine Vielzahl von sprachlichen und visuellen, meist mediengestützten Formen der gezielten Beeinflussung und Steuerung des Denkens, Fühlens und Handelns von Menschen.

Schlagwörter

Identitätspolitik

Der Ausdruck steht heute für eine politische Konstellation, in der konkurrierende Wir-Gemeinschaften mit einer Diskriminierungs- und Benachteiligungsgeschichte in der Öffentlichkeit um Anerkennung konkurrieren. An der Oberfläche geht es ‚identitären‘ Wir-Gemeinschaften darum, die eigene Diskriminierung als Ermächtigungsmotiv an die Öffentlichkeit zu tragen.

Cancel Culture

Cancel Culture ist ein Kampf- und Stigmawort, das sich in skandalisierender Absicht gegen die Praxis (und oft auch bereits gegen die Forderung) des Absagens, Ausladens, Boykottierens moralisch missliebiger und politisch bekämpfter Personen, Organisationen und Positionen in Wissenschaft, Kultur und Politik wendet.

Elite

Einmal wird unter Elite eine Auswahl der Besten und Leistungsfähigsten verstanden, einmal in distanzierender Weise eine abgehobene ‚Kaste‘ der Reichen und Mächtigen im Gegensatz zum Volk. Erstere Variante wird in der Regel zur Verteidigung der etablierten Ordnung verwendet, letztere vor allem von Rechtspopulisten.

Greenwashing

Unternehmen, Regierungen, Parteien oder Organisationen bedienen sich verschiedener Praktiken, um ihr Handeln in der Öffentlichkeit ökologischer und nachhaltiger darzustellen, als es tatsächlich ist.

Altpartei

Der Ausdruck Altpartei wird in jüngerer Zeit häufig im Kontext des Aufstiegs des Rechtspopulismus und der AfD gebraucht. Dabei lassen sich hauptsächlich zwei Gebrauchsvarianten beobachten: Einerseits richtet sich der Ausdruck in abwertender Weise gegen etablierte Parteien, andererseits taucht er oft in sprachkritischen Kontexten auf, wo seine Verwendung und seine Sprecher kritisiert oder diskreditiert werden.

Verschwörungstheorie

Der Ausdruck gibt sich in der medialen Öffentlichkeit als analytisches Konzept, ist aber zugleich performativ hoch wirksam als Ausschluss aller erfolgreich so benannten Konzepte aus der rationalen öffentlichen Kommunikation.

Innovation

Innovation gehört seit den 60er Jahren zu den häufig verwendeten Schlag– bzw. Fahnenwörtern, vor allem in den Feldern von Ökonomie und Politik. Konzepte und Vorhaben mit der Überschrift Innovation werden oft als Sachzwänge dargestellt, gegen die Einwände als nicht legitim erscheinen.

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Postwachstum ist im deutschsprachigen Diskurs Beschreibungsbegriff und Forderung zugleich: In einer Welt mit endlichen natürlichen Ressourcen müsse die bisher von Wirtschaftswachstum und Ausbeutung abhängige globale Ökonomie radikal verändert werden, um langfristig die menschliche Existenz zu sichern.

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Das Kontinuum Links-Mitte-Rechts dient der Einordnung von Personen, Parteien, Politiken etc. in den politischen Raum, ebenso auch der politischen Selbstverortung. Die Verwendung des Orientierungsschemas ist mehrfach relativ. Sie hängt einmal vom Punkt ab, an dem sich der Sprecher selbst lokalisiert, vom Nullpunkt der Verwendung.

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Moralisierung

Moralisierung verlagert Macht- und Interessenkonflikte in die Sphäre der Kommunikation von Achtung / Missachtung. Sie reduziert Ambivalenz zugunsten einer Polarisierung von gut und böse.

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