DiskursGlossar

Geschlechtergerechte Sprache

Kategorie: Schlagwörter
Verwandte Ausdrücke: geschlechtersensible Sprache, gendergerechte Sprache, geschlechtergerechter/gendergerechter Sprachgebrauch, kurz auch: Gendern
Siehe auch: Identitätspolitik, Moralisierung, Politische Korrektheit
Autorin: Gisela Zifonun
Version: 1.1 / Datum: 19.7.2021

Kurzzusammenfassung

Mit dem heute als Fahnenwort gebrauchten Ausdruck geschlechtergerechte Sprache ist die Forderung verbunden, bei Personenbezeichnungen die einseitige, für diskriminierend erklärte Bezugnahme auf einen bestimmten Sexus, konkret: auf das männliche Geschlecht, zu unterlassen.  

Kritisiert wird in erster Linie der Gebrauch von Maskulina als ,generisches Maskulinum‘ wie in die Bürger dieses Landes, die Studenten. Zur Vermeidung der damit aus dieser Sicht verbundenen Diskriminierung werden zwei Strategien des ,Genderns‘ vorgeschlagen und für den Sprachgebrauch in Institutionen z.T. verbindlich vorgeschrieben: die Sichtbarmachung z.B. durch Doppelformen (wie die Bürger und Bürgerinnen dieses Landes), durch typografische Markierung (wie in die BürgerInnen / Bürger*innen dieses Landes) und die Neutralisierung (wie in die Studierenden).

Als Argumente für das Gendern werden geltend gemacht: Gebote von Höflichkeit oder Rücksichtnahme, die Anerkennung von Diversität und das Anrecht auf Inklusion. Im Hintergrund steht die Vorstellung einer starken Abhängigkeit des Denkens vom Sprechen: Die sprachliche Dominanz des Männlichen sei somit Ausdruck von Sexismus und befördere ihn gleichzeitig aktiv. Der durch das Gendern eingeleitete Sprachwandel sei also Ausdruck und Motor eines notwendigen gesellschaftlichen Wandels zugleich.

Gegen das Gendern wird die Unwirksamkeit von Sprachregelungen gegenüber realen Machtverhältnissen ins Feld geführt, daneben die Umständlichkeit oder gar Unleserlichkeit gegenderter Texte und die damit verbundenen Schwierigkeiten für bildungsfernere und nicht-muttersprachliche Personen. Ein weiteres Argument ist der als unzulässig erachtete Eingriff in das Sprachsystem mit seinen gewachsenen Strukturen. Es handle sich zudem um eine fragwürdige Moralisierung des Sprachgebrauchs von Seiten identitätspolitischer Positionen, durch die die Sprecher und Sprecherinnen in unzulässiger Weise bevormundet würden. 

Die Debatte in Fachkreisen wie in Diskussionsrunden und in Internetforen nimmt in jüngster Zeit an Schärfe zu, angeheizt durch die politische Instrumentalisierung von rechts mit einer Polemik gegen ‚Genderwahn‘ und political correctness.

Erweiterte Begriffsklärung

Der Zusammenhang zwischen der sprachlichen Kategorie Genus und der biologischen Kategorie Sexus ist auf Personenbezeichnungen (sowie Bezeichnungen für höhere Tiere) beschränkt und gilt auch dort nicht durchgängig.  Das feminine Genus ist bei Personenbezeichnungen (teilweise auch bei Bezeichnungen für Tiere; vgl. die Stute versus der Hengst) mit dem weiblichen Sexus verknüpft wie etwa bei den Verwandtschaftsbezeichnungen (die Mutter, die Schwester), das maskuline Genus mit dem männlichen (der Vater, der Bruder). Maskuline Wörter (wie Mensch) und feminine Wörter (wie Person) können jedoch auch geschlechtsneutral sein. Zudem werden maskuline Wörter wie (der) Lehrer, (der) Student auch für Personen beiderlei Geschlechts gebraucht. Nach gängiger linguistischer Lehrmeinung wird seit dem Strukturalismus, einer sehr einflussreichen (sprach-)wissenschaftlichen Forschungsrichtung, dieses so genannte ,generische Maskulinum‘ aus Strukturmerkmalen des Sprachsystems indoeuropäischer Sprachen hergeleitet: Im Deutschen, im Lateinischen oder Russischen usw. sind die Genera nicht gleichwertig, sondern das Maskulinum ist das ,unmarkierte‘, d.h. das dominante Genus:  Es kann bei Personenbezeichnungen nicht nur für den männlichen Sexus stehen, sondern auch für Personen unter Absehung vom Sexus.  Plakativ wurde daraus in der feministischen Bewegung der 1980er Jahre die Charakterisierung des Deutschen als ‚Männersprache‘ abgeleitet. Die Zurückführung der Genera auf Sexuskategorien lässt sich historisch nicht nachweisen. Alternativ wird als primäre Semantik des Maskulinums die Bezeichnung von konkreten Einzelgegenständen, des Femininums hingegen die von abstrakten Gegenständen (vgl. Freiheit, Verantwortung) und Kollektiven (vgl. Gesellschaft) vorgeschlagen (vgl. Werner 2012): Die Assoziation mit dem Sexus sei erst im Laufe der Sprachgeschichte entstanden und die Dominanz des Maskulinums sei nicht direkt der Geschlechterordnung zuzuschreiben, sondern folge aus der kognitiven wie sprachlichen Salienz von konkreten Dingen. So sind die ‚einfachen‘ Substantive des Deutschen, diejenigen ohne Ableitungsaffixe, zu zwei Dritteln Maskulina, unter ihnen an erster Stelle Bezeichnungen für konkrete Gegenstände wie Tisch, Stuhl usw. Allerdings dürfte im Laienverständnis eine Identifikation von maskulin mit männlich und feminin mit weiblich nach wie vor gegeben und damit der Boden für die Vorstellung bereitet sein, dass maskuline Wörter für Männer und nur für Männer stehen.

Der Begriff geschlechtergerechte Sprache selbst kam zu Beginn der 1990er Jahre im Zusammenhang mit ersten Gesetzesinitiativen zur sprachlichen Gleichstellung von Männern und Frauen auf, entstammt also der Behördensprache. Zunächst waren dabei nur in Reaktion auf den Sprachfeminismus Frauen als potenziell  Diskriminierte im Blick, im Zuge der neueren  Debatte auch Personen, die sich jenseits klassischer Sexuskategorien einordnen oder sich differenzierten Kategorien des sozialen Geschlechts (Genders) zuordnen. Zahlreiche Behörden, Universitäten und andere Institutionen legen in oft von den Gleichstellungsbeauftragten erarbeiteten Leitfäden detaillierte Vorschläge zur Umsetzung beider Strategien vor. Die rechtliche Haltbarkeit solcher Regelungen ist umstritten. Vor allem im Zuge der LGBTQ-Bewegung, von #MeToo und im Anschluss an das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum ,dritten Geschlecht‘ im Jahr 2017 wurde die Geschlechterdebatte ausgeweitet, und es formierten sich innerhalb der Sprachwissenschaft, im Kulturbetrieb und in den Neuen Medien unterschiedliche Lager. Die Befürworter des Genderns innerhalb der Linguistik berufen sich seit der Jahrhundertwende auf zahlreiche psycholinguistische Studien, mit denen der Nachweis erbracht worden sein soll, dass das ,generische Maskulinum‘ die Vorstellung männlicher Personen bei den Rezipienten deutlich begünstige, selbst wo Weltwissen und Kontext eher für weibliche Personen als Gemeinte sprechen (vgl. Kotthoff/Nübling 2018). Gegen das Design und die Validität solcher Studien wurden jedoch auch Bedenken angemeldet, etwa gegen die ungenügende Berücksichtigung von Kontext und semantischem Status der jeweiligen Verwendung einer maskulinen Personenbezeichnung (vgl. Zifonun 2018). Gleichzeitig wurde das Inventar der sprachlichen Mittel des Genderns um den Unterstrich und vor allem den Genderstern angereichert. Für den Genderstern wurde mit dem Knacklaut auch eine gesprochene Realisierungsform kreiert, was deutlich zur massenmedialen Verbreitung beitrug. Neuerdings wird auch in den Massenmedien verstärkt ,gegendert‘.

Diese Debatte erhält dadurch besondere Brisanz, dass sich in ihr fachlich-linguistische und moralisch-politische Anliegen exemplarisch kreuzen. Dabei treffen in der innerlinguistischen Debatte einerseits unterschiedliche Sprachkonzeptionen aufeinander, wenn der Eigenwert und die interne Logik des Sprachsystems gegen das Primat eines Sprachgebrauchs ausgespielt werden, der von moralischen Einstellungen und gesellschaftlichen Zielsetzungen bestimmt ist. Diese Trennlinie korreliert teilweise mit einer Divergenz in den Forscher-Generationen und Teildisziplinen und weist damit Parallelen mit den Fronten im Bereich cancel culture auf.  Für die Linguistik bietet das Thema die sonst kaum gegebene Möglichkeit, im öffentlichen Diskurs wahrgenommen zu werden und Resonanz zu erfahren. Einen mit den medizinischen Experten (Virologie, Epidemologie) in der Corona-Pandemie vergleichbaren Zuwachs an Renommee ist jedoch kaum zu erwarten. Der beim genderbewegten Publikum zu beobachtende Bedarf nach Ratgebern für ,richtiges Gendern‘ (vgl. Diewald/Steinhauer 2017) spiegelt eher ein Verständnis der Linguistik als Dienstleitungsbetrieb denn als ernst zu nehmende und relevante Wissenschaft wider.  Mit zunehmender öffentlicher Sichtbarkeit wächst jedoch auch die Gefahr der Vereinnahmung durch politische Lager mit der Zuspitzung von Debatten zum Sprachkampf: Nationalidentitäre Einstellungen versus linke Identitätspolitik (vgl. Lobin 2021). Von rechts, auch von der AfD, wird gendergerechte Sprache dabei als ,ideologischer Genderunfug‘ oder ,Genderwahn‘ oder ,Anschlag auf die Meinungsfreiheit‘ abgewertet. Andererseits werden Kritiker des Genderns z.T. der Nähe zu rechtem Denken verdächtigt. Ähnlich wie bei anderen umstrittenen Feldern der zeitgeistverhafteten gesellschaftlichen Debatte wird auch hier mit Strategien der wechselseitigen Unterstellung und dem Opfer-Topos gearbeitet. Allerdings wird das Links-Rechts-Schema – mit der Einordnung linker Positionen als pro und rechter Positionen als kontra Gendern – kaum dem Meinungsspektrum der Debattierenden gerecht. Linke Kritik an der Identitätspolitik, sprich: an der ggf. überzogenen Rücksichtnahme auf die Empfindlichkeiten von Gruppen zulasten einer Orientierung am Gemeinwohl bzw. universalen Werten (vgl. z.B. Pfaller 2017), kann auch die Kritik an gendersensibler Sprache einschließen.

Zur Haltung in der breiten Öffentlichkeit bzw. der ,schweigenden Mehrheit‘ liegen keine im Hinblick auf alle Aspekte des Themas verlässlichen Daten vor. Nach einer Umfrage von Infratest vom Mai 2021 lehnen ca. zwei Drittel der Befragten ,Gendersprache‘ (Binnen-I bzw. Knacklaut oder Partizipien wie Zuhörende) ab. Überwiegen dürfte vor allem aber ein kopfschüttelndes Unverständnis artikuliert etwa in „Wozu das?“ oder „Haben wir keine anderen Probleme?“

Beispiele

Verglichen mit der Fülle von individuellen Meinungsbeiträgen unterschiedlichster Spielarten – von sachlich bis zu hochemotional oder gar diffamierend – die in Print- wie in Online-Medien zum Thema verbreitet werden, bieten Diskussionsrunden die Möglichkeit zur direkten Konfrontation und ggf. zu Abgleich und Bewertung von Positionierungen. In einer als exemplarisch für die fachinterne Debatte herangezogenen Podiumsdiskussion an der Uni Gießen (s. hier für das Video) wurden in erster Linie sprachbezogene Themen kontrovers diskutiert. Während Peter Eisenberg Eingriffe in das standardsprachliche Sprachsystem, wie sie etwa mit dem Genderstern oder gar dem ,generischen Femininum‘ vorgeschlagen werden, ablehnt, befürwortet Gabriele Diewald das Experimentieren mit Innovationen, die den Sprachwandel, der ohnehin im dynamischen System Sprache unerlässlich sei, in Richtung Gendergerechtigkeit vorantreiben können. Umstritten ist ebenso die Frage, ob es das generische Maskulinum ,immer schon‘ gegeben habe oder ob es sich um eine im Laufe der Sprachentwicklung unter konkreten gesellschaftlichen Bedingungen entstandene und heute auch außer Kraft setzbare Konvention handle. Diskutiert wird aber auch die Frage, wer hier in welcher Form sprachregelnd eingreifen darf. Während die Skeptiker (Eisenberg und Ekkehard Felder) in der Einforderung (bestimmter Formen) von geschlechtergerechter Sprache eine Bevormundung des mündigen Bürgers sehen, durch die zudem die Teilhabe des ,kleinen Mannes‘ gefährdet werde, spricht die Befürworterin von einer ,Vorreiterfunktion‘ engagierter Gruppen. 

In der öffentlichen Debatte,  exemplarisch vertreten durch die ZDF-Sendung „Politisch korrekte Sprache – Muss das sein? 13 Fragen“ (s. hier für das Video), wird das Thema gendergerechte Sprache oft zusammen mit dem Thema Gebrauch anstößiger / stigmatisierter (z.B. rassistischer) Begriffe unter dem Label ,politisch korrekte Sprache‘ diskutiert. Eine Autorin, ein Autor, zwei Journalistinnen, eine Transaktivistin und ein Kabarettist sind unter anderem uneinig bei der Bewertung der Strategien Sichtbarbarmachung von Diversität versus genderneutrale Sprache. Für Genderneutralität wird geltend gemacht, dass der permanente Verweis auf das Geschlecht der Vielfalt personaler Rollen widerspreche. Dem wird entgegengehalten, dass echte Genderneutralität im Deutschen auch bei Nutzung des generischen Maskulinums nicht erreicht werden könne, da genusspezifische Pronomina (wie er/sie; jeder/jede) kaum vermieden werden können. Besonders umstritten ist die Frage der Zulässigkeit von Vorschriften in Behörden oder Firmen bzw. genereller die Akzeptanz der in Teilen des Kulturbetriebs ausgeübten Einflussnahme durch das Gendern. Die genderskeptische Fraktion befürchtet ein – für die demokratische Kultur bedenkliches – Auseinanderdriften zwischen dem Verhalten  im öffentlichen Raum, bei  dem viele sich dem Zeitgeist anschlössen, und im privaten Bereich, wo sie an der gewohnten Praxis festhielten. Auch eine Vertiefung der gesellschaftlichen Spaltung zwischen den Milieus sei zu befürchten. Dem hält die Fraktion der Genderbefürworter und -befürworterinnen entgegen, bisher Marginalisierte, also Frauen und Menschen mit nicht-binärer Geschlechtsidentität, sollten im Sinne ausgleichender Gerechtigkeit jetzt Vorrechte genießen. Dieses Argument stößt ebenfalls auf Widerspruch, da keineswegs von einer geschlossenen Gruppe von Marginalisierten mit übereinstimmenden Einstellungen auszugehen sei.  

Literatur

Zitierte Literatur

  • Diewald, Gabriele/Steinhauer, Anja (2017): Richtig gendern. Wie Sie angemessen und verständlich schreiben. Berlin: Duden.
  • Kotthoff, Helga/Nübling, Damaris (2018): Genderlinguistik. Eine Einführung in Sprache, Gespräch und Geschlecht. Tübingen: Narr.
  • Lobin, Henning (2021): Sprachkampf. Wie die Neue Rechte die deutsche Sprache instrumentalisiert. Berlin: Duden.
  • Pfaller, Robert (2017). Erwachsenensprache. Über ihr Verschwinden aus Politik und Kultur. Frankfurt a.M.: Fischer.
  • Werner, Martina (2012): Genus, Derivation und Quantifikation. Zur Funktion der Suffigierung und verwandter Phänomene im Deutschen. Berlin/Boston: De Gruyter.
  • Zifonun, Gisela (2018): Die demokratische Pflicht und das Sprachsystem: Erneute Diskussion um einen geschlechtergerechten Sprachgebrauch. In: Sprachreport 4/2018, 44–56.

Zitiervorschlag

Zifonun, Gisela (2021): Artikel Geschlechtergerechte Sprache. In: Diskursmonitor. Glossar zur strategischen Kommunikation in öffentlichen Diskursen. Hg. von der Forschungsgruppe Diskursmonitor und Diskursintervention. Veröffentlicht am 19.7.2021. Online unter: https://diskursmonitor.de/glossar/geschlechtergerechte-sprache.

Grundbegriffe

Korpus

In den Sprach- als auch Literaturwissenschaften versteht man unter Korpora ganz allgemein Textsammlungen.

Protest

Protest ist die kollektive Artikulation von Unbehagen, Kritik oder Veränderungswillen, der sich in bestimmten Handlungen außerhalb etablierter institutioneller Kanäle des politischen Systems äußert. Organisiert wird Protest meist von Initiativen, politischen Gruppierungen oder sozialen Bewegungen in Form von Petitionen, Flugblattaktionen, Demonstrationen, Blockaden, Streiks, Happenings und andere Interventionen in der Öffentlichkeit – in direkter Präsenz, unter Einsatz des Körpers oder auch im virtuellen Raum.

Erzählen

Erzählen ist eine rekonstruktive und kommunikative Tätigkeit, in der für gewöhnlich eine vermittelnde Instanz ein Geschehen darstellt. Die Darstellung kann ein/e ErzählerIn vornehmen (entspricht einer engen Definition des Erzählens) oder sie kann medial anders – beispielsweise filmisch – dargeboten werden (entspricht einer weiten Definition des Erzählens). Dabei beruht das dargestellte Geschehen auf mindestens einem Ereignis.

Konnotation

Konnotation ist ein Fachbegriff, mit dem in der Sprachwissenschaft und benachbarten Disziplinen die Nebenbedeutung (oder der ‚Nebensinn‘) eines Ausdrucks bezeichnet wird. Die konnotative Bedeutung umfasst oft wertende (evaluative) oder handlungsauffordernde (deontische) Aspekte, die mit dem Gebrauch eines Ausdrucks aufgerufen werden können.

Framing

Kommunikationswissenschaftlicher Fachausdruck für den Deutungs- und Bewertungsrahmen, der durch einen politischen Begriff aufgerufen oder ihm fallweise beigegeben wird.

Dramaturgie

Im Rahmen strategischer Kommunikation steht Dramaturgie als Beschreibungsbegriff für den gezielten Rückgriff auf typische dramatische Muster bei der Inszenierung von Ereignissen.

Schlagwort

Im Feld der politischen Kommunikation sind Schlagwörter Ausdrücke, mit denen Positionen, Programme, Tendenzen oder Sachverhalte in verdichteter Form, wertend und mit emotionaler Aufladung präsentiert werden, z.B. als (positiv besetzte) Fahnenwörter wie Demokratie, als (negativ besetzte) Stigmawörter wie Chaot oder als Hochwertwörter wie Kultur.

Guerillakommunikation

Guerillakommunikation steht für die Beobachtung, dass es Formen der Kommunikation gibt, die von normalen bzw. als normal geltenden Kommunikationsformen abweichen und mit diesen in Konflikt stehen. Die Markierung als Guerillakommunikation (von span. guerrilla = Kleinkrieg) verweist dabei auf asymmetrische Konflikte, die aus einer unterlegenen Position heraus kommunikativ ausgetragen werden.

Techniken

Lexikalisches Diffundieren

Lexikalisches Diffundieren besteht darin, Begriffe – vor allem Positivbegriffe, die eng mit dem politischen Gegner assoziiert werden – zu meiden und zu ‚ersetzen‘ durch eine Anzahl wechselnder bedeutungsähnlicher Begriffe jenseits des Vokabulars, das dem politischen Gegner zugerechnet wird.

Berichterstattungsmuster

Die Komplexität entsteht aus den unterschiedlichen Ebenen , die zusammengeführt werden in Berichterstattungsmustern. Sie symbolisieren Funktionen des Journalismus (informieren, kritisieren und kontrollieren, unterhalten) ebenso wie Ziele und Praktiken von Redaktionen (Gewinnmaximierung) und sie verweisen auf berufsstrukturelle Aspekte (Rollenselbstverständnis, Wert- und Normvorstellungen).

Euphemismus

Der Ausdruck Euphemisierung ist eine sprachliche Strategie, die den Einsatz von sprachlichen Mitteln mit verhüllender, verschleiernder, beschönigender, abschwächender Funktion im öffentlichen Sprachgebrauch meint.

Adbusting

Adbusting (Englisch: aus „ad“ – Kurzform von „advertisement“ = ‚Werbung‘ und „to bust“ = ugs. ‚zerschlagen‘) ist die Bezeichnung für eine Reihe von kommunikativen Praktiken, die zur Verfremdung kommerzieller und politischer Werbung im öffentlichen Raum eingesetzt werden. Heutzutage spielen die Sozialen Medien eine zunehmende Rolle, da erstens digitale Bearbeitungstechniken eingesetzt werden können und zweitens durch jene ein ungleich größeres Publikum erreicht wird.

False Flag

« Zurück zur ArtikelübersichtFalse Flag (Operation) Kategorie: TechnikenVerwandte Ausdrücke: Lockspitzel, agent provocateurSiehe auch: Guerillakommunikation, Propaganda, Fake-News, Täuschung, CamouflageAutorin: Christin Kölsch, Friedemann VogelVersion: 1.0 / Datum:...

Entlarven

Entlarven ist als kritische Alltagstechnik zentral und allgegenwärtig, und aus diesem Grund so gut wie unsichtbar und wenig reflektiert. Entlarven besteht darin, das erklärte hohe Motiv einer Handlung durch Zuschreibung eines niedrigeren Motivs zu ersetzen.

Nudging

Nudging (Englisch: Schubsen, Stupsen) ist die Bezeichnung für eine Technik und Praxis strategischer Kommunikation. Dem Anspruch nach soll durch Nudging Verhalten ohne Zwang gelenkt werden, und zwar durch Veränderung der Rahmenbedingungen für Entscheidungen: durch bestimmte Voreinstellungen (z.B. Zustimmung gilt als normal, Abweichung muss markiert werden), Symbole oder auch materielle Arrangements (Barrieren, Markierungen). Nudges sind für die Adressaten oft nicht erkennbar, gleichwohl gehört Nudging inzwischen zum Repertoire aktueller Regierungstechniken.

Inszenierung

Inszenierung ist ursprünglich ein Begriff aus der Sphäre der (dramatischen) Kunst, des Theaters, der in den Kontext von Kommunikation gewandert ist. Inszenierung bezeichnet die Nutzung der Mittel des Theaters, um etwas zur Erscheinung zu bringen, „in Szene“ zu setzen. Dazu werden die Möglichkeiten der verschiedenen Zeichensysteme (sprachliche, visuelle, gestische) genutzt, darüber hinaus die Koordination in Raum und Zeit und das Spiel mit Rollen.

Propaganda

Propaganda als Kommunikationstechnik und -praxis umfasst eine Vielzahl von sprachlichen und visuellen, meist mediengestützten Formen der gezielten Beeinflussung und Steuerung des Denkens, Fühlens und Handelns von Menschen.

Schlagwörter

Identitätspolitik

Der Ausdruck steht heute für eine politische Konstellation, in der konkurrierende Wir-Gemeinschaften mit einer Diskriminierungs- und Benachteiligungsgeschichte in der Öffentlichkeit um Anerkennung konkurrieren. An der Oberfläche geht es ‚identitären‘ Wir-Gemeinschaften darum, die eigene Diskriminierung als Ermächtigungsmotiv an die Öffentlichkeit zu tragen.

Cancel Culture

Cancel Culture ist ein Kampf- und Stigmawort, das sich in skandalisierender Absicht gegen die Praxis (und oft auch bereits gegen die Forderung) des Absagens, Ausladens, Boykottierens moralisch missliebiger und politisch bekämpfter Personen, Organisationen und Positionen in Wissenschaft, Kultur und Politik wendet.

Elite

Einmal wird unter Elite eine Auswahl der Besten und Leistungsfähigsten verstanden, einmal in distanzierender Weise eine abgehobene ‚Kaste‘ der Reichen und Mächtigen im Gegensatz zum Volk. Erstere Variante wird in der Regel zur Verteidigung der etablierten Ordnung verwendet, letztere vor allem von Rechtspopulisten.

Greenwashing

Unternehmen, Regierungen, Parteien oder Organisationen bedienen sich verschiedener Praktiken, um ihr Handeln in der Öffentlichkeit ökologischer und nachhaltiger darzustellen, als es tatsächlich ist.

Altpartei

Der Ausdruck Altpartei wird in jüngerer Zeit häufig im Kontext des Aufstiegs des Rechtspopulismus und der AfD gebraucht. Dabei lassen sich hauptsächlich zwei Gebrauchsvarianten beobachten: Einerseits richtet sich der Ausdruck in abwertender Weise gegen etablierte Parteien, andererseits taucht er oft in sprachkritischen Kontexten auf, wo seine Verwendung und seine Sprecher kritisiert oder diskreditiert werden.

Verschwörungstheorie

Der Ausdruck gibt sich in der medialen Öffentlichkeit als analytisches Konzept, ist aber zugleich performativ hoch wirksam als Ausschluss aller erfolgreich so benannten Konzepte aus der rationalen öffentlichen Kommunikation.

Inklusion

Inklusion hat sich, ausgehend von einem soziologischen Fachterminus gleichen Namens, in den zwei vergangenen Jahrzehnten zu einem interdiskursiven und allgemeinen Programmbegriff gewandelt.

Innovation

Innovation gehört seit den 60er Jahren zu den häufig verwendeten Schlag– bzw. Fahnenwörtern, vor allem in den Feldern von Ökonomie und Politik. Konzepte und Vorhaben mit der Überschrift Innovation werden oft als Sachzwänge dargestellt, gegen die Einwände als nicht legitim erscheinen.

Postwachstum

Postwachstum ist im deutschsprachigen Diskurs Beschreibungsbegriff und Forderung zugleich: In einer Welt mit endlichen natürlichen Ressourcen müsse die bisher von Wirtschaftswachstum und Ausbeutung abhängige globale Ökonomie radikal verändert werden, um langfristig die menschliche Existenz zu sichern.

Propaganda

Propaganda als Kommunikationstechnik und -praxis umfasst eine Vielzahl von sprachlichen und visuellen, meist mediengestützten Formen der gezielten Beeinflussung und Steuerung des Denkens, Fühlens und Handelns von Menschen.

Verschiebungen

Ökonomisierung

Ökonomisierung wird in gegenwärtigen Diskursen in der Regel zur Bezeichnung von Prozessen verwendet, in denen die spezifisch wirtschaftlichen Funktions-Elemente wie Markt, Wettbewerb/Konkurrenz, Kosten-Nutzen-Kalküle, Effizienz, Gewinnorientierung in Bereiche übertragen werden, die zuvor teilweise oder ganz nach anderen Leitkriterien ausgerichtet waren

Moralisierung

Moralisierung verlagert Macht- und Interessenkonflikte in die Sphäre der Kommunikation von Achtung / Missachtung. Sie reduziert Ambivalenz zugunsten einer Polarisierung von gut und böse.

Konstellationen

…noch keine Titel gelistet

« Zurück zum Glossar « Zurück zur ArtikelübersichtGlossar-Eintrag Kategorie: ...Verwandte Ausdrücke: ...Siehe auch: ...Autorin: ... Version: 1.0 / Datum: ...Inhaltsübersicht Kurzzusammenfassung Erweiterte Begriffserklärung Beispiele Literatur ZitiervorschlagHinweis:...