DiskursGlossar

Cancel Culture

Kategorie: Schlagwörter
Verwandte Ausdrücke: Ausgrenzen, Diskursverweigerung
Siehe auch: Identitätspolitik, Moralisierung, Politische Korrektheit
Autoren: Clemens Knobloch, Fabian Deus
Version: 1.0 / Datum: 06.05.2021

Kurzzusammenfassung

Cancel Culture ist ein Kampf- und Stigmawort, das sich in skandalisierender Absicht gegen die Praxis (und oft auch bereits gegen die Forderung) des Absagens, Ausladens, Boykottierens moralisch missliebiger und politisch bekämpfter Personen, Organisationen und Positionen in Wissenschaft, Kultur und Politik wendet. Der Ausdruck beschreibt und behauptet eine (weitverbreitete) Neigung, die argumentative und kritische Auseinandersetzung mit abgelehnten Positionen und ihren Vertretern zu verweigern, und stattdessen missliebige Standpunkte, Veranstaltungen und Personen aus dem Diskurs zu drängen. Dieser Sicht zufolge treten an die Stelle der inhaltlich-argumentativen Auseinandersetzung die Zurschaustellung von Emotionen und Empfindungen (z.B. Diskriminierungserfahrungen oder die Erwartung derselben) oder identitätspolitische Merkmale (Ethnie, Geschlecht, Alter etc.) beteiligter Personen.

Der Vorwurf der Cancel Culture ist politisch kaum festzulegen. Er ähnelt in vielen Aspekten der Kritik an der Politischen Korrektheit und scheint momentan häufig an dessen Stelle zu treten.

Erweiterte Begriffsklärung

Das Schlagwort Cancel Culture taucht praktisch ausschließlich als Anglizismus im deutschsprachigen Sprachgebrauch auf. Absage– oder Löschkultur (die Übersetzungsvorschläge der Wikipedia) tragen andere Konnotationen und sind daher zur Wiedergabe nicht geeignet.

Der Vorwurf der Cancel Culture taucht gegenwärtig häufig in Kontexten auf, in denen man zuvor das Vorkommen des Stigmawortes Politische Korrektheit erwartet hätte, und beide Ausdrücke dienen der Bearbeitung ähnlicher Konflikte. Während Politische Korrektheit jedoch zumindest für Teile des Publikums ihre negativen Assoziationen abgestreift hat, und sich verschiedene Akteure (von der Bundeszentrale für politische Bildung bis zum Duden-Verlag) positiv auf sie beziehen und sich offen zu ihr bekennen, ist ein solcher affirmativer (zustimmender) Gebrauch des Ausdrucks Cancel Culture bislang kaum zu beobachten. Die Häufigkeit, mit der der Ausdruck und mit ihm verbundene Wahrnehmungen von Ereignissen zu beobachten sind, sowie die Heftigkeit der (zustimmenden wie ablehnenden) Reaktionen, die sein Gebrauch oft provoziert, indizieren eine lagerübergreifende weitverbreitete Wahrnehmung grundsätzlicher Veränderungen des allgemeinen Debattenklimas.

Der Ausdruck taucht hauptsächlich in zwei gegenläufigen Narrationen auf: Für Kritiker einer Cancel Culture bezeichnet der Begriff in anklagender oder skandalisierender Absicht eine Kultur der Diskreditierung und Ausschließung von Personen oder Gruppen, deren Argumente oder Positionen damit als nicht diskursfähig markiert und aus dem Feld des Sagbaren ausgeschlossen werden. Als Begründung für den Ausschluss werde entweder die Gruppenzugehörigkeit der Sprechenden angeführt (und bewertet) oder aber der Verdacht, ihre Themen und Äußerungen könnten verletzend, traumatisierend, beleidigend auf anerkannte Opfergruppen wirken. Hierbei genüge häufig allein die Äußerung einer subjektiv wahrgenommen Diskriminierung (auch in Stellvertretung), und die Forderung nach sachlicher Erhärtung der Vorwürfe kann bereits als übergriffig gewertet werden. Hinzu komme oft der Anspruch, über die Angelegenheiten anerkannter Opfergruppen dürften nur deren Angehörige legitim sprechen (und schon gar nicht Angehörige von Gruppen, die aus identitätspolitischer Perspektive als ‚Tätergruppen‘ gelten). Somit beschreibt der Ausdruck Cancel Culture aus dieser Sicht ein repressives Diskursklima, in dem eine tonangebende Elite an Universitäten oder im Medien- und Kulturbetrieb abweichende Meinungen und Sichtweisen radikal unterdrückt und ausschließt, was dazu führe, dass viele Akteure sich aus Angst vor Ausgrenzungen nicht mehr trauen, frei zu sprechen. Teilweise wird in diesen Kontexten Cancel Culture auch als identitätspolitische Praxisform beschrieben, die in neoliberalen Gesellschaften Vorteile bei der Durchsetzung individueller Interessen verspreche. Derartige Cancel CultureKritik wird typischerweise von klassischen linken oder liberalen Positionen aus formuliert.

Andererseits wird die Existenz einer Cancel Culture von einigen politischen oder journalistischen Autoren grundsätzlich bestritten. Die Skandalisierung einer vermeintlichen Cancel Culture diene den etablierten Vertretern überkommender Machtstrukturen dazu, berechtigte Kritik marginalisierter Gruppen abzuwehren. In diesem Sinne könne der Gebrauch des Ausdrucks Cancel Culture (ähnlich wie Politische Korrektheit) für aufmerksamkeitspolitische Schattendebatten taugen: Akteure erweckten so den Eindruck, es drohe ihr Ausschluss aus dem Diskurs, wenn es (möglicherweise berechtigte) Kritik an ihren Taten oder Äußerungen gibt. Das sichere Resonanz und schütze gegen weitere Angriffe.

Im Effekt etabliert sich ein Spielfeld öffentlicher und politischer Kommunikation, auf dem konkurrierende Opfer-Gemeinschaften (und vor allem: ihre Fürsprecher) einander symbolisch mit Empörung überziehen. Denn auch Anti-Cancel-Culture-Communities wie das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit oder der Appell für freie Debattenräume inszenieren sich ähnlich wie ihre Gegner als Opfergruppen (bzw. als Vertretung von ‚Cancelopfern‘).

Vor diesem Hintergrund ist die Kritik an der Cancel Culture im politischen links-rechts Kontinuum kaum zu lokalisieren und entzieht sich einfachen Festlegungen:  Einerseits wird der Ausdruck gegenwärtig häufig von rechts-konservativen Positionen aus eingesetzt. Das Stigmawort ist hierbei immer da präsent, wo es politisch gegen progressiv-neoliberale Moralisierungen und Empfindlichkeiten geht, die als ‚links‘ kodiert werden können. Andererseits waren und sind es aber gerade traditionelle sozialpolitisch linke Positionen, von denen die Cancel-Culture-Kritik ausging (Bernd Stegemann, Robert Pfaller, Noam Chomsky, Sahra Wagenknecht um nur einige zu nennen) [1]. Der Versuch, die Kritik an Cancel Culture pauschal als ‚rechts‘ zu diffamieren, erscheint daher häufig als naheliegende Verteidigungsstrategie der (auch von links) Herausgeforderten. Die innerlinke Kontroverse wurde indes alsbald von rechten Diskursstrategen als Chance zur aktiven Spaltung des linken Lagers entdeckt und (nicht ohne Erfolg) eingesetzt.

Ähnliche Konfliktlinien lassen sich auch innerhalb anderer politischer Lager ausmachen (siehe unten). Relevanter für Zuordnungen in diesem Konfliktfeld scheinen andere Aspekte zu sein: Die Cancel-Culture-Kritiker sind häufig ältere (und etablierte) Vertreter gesellschaftlicher Institutionen, die sich mit dem Ausdruck gegen neue und als bedrohlich wahrgenommene Politikstile jüngerer Generationen auch in den eigenen Reihen zur Wehr setzten; Cancel Culture wird eher in urbanen Räumen praktiziert und in der Peripherie abgelehnt, sie wird in akademischen Milieus geleugnet und bildungsbürgerlich kritisiert. Ihre Kritiker beziehen sich auf die Meinungsfreiheit und die demokratische Öffentlichkeit als Ort der Vermittlung kollektiver Interessen, während sich die Gegenseite mehr für individuelle Persönlichkeitsmerkmale und damit verknüpfte Privilegien und Diskriminierungserfahrungen interessiert.

Beispiele und Anwendungskontexte

Einschlägige Kontroversen werden performativ (in der praktischen Anwendung) vornehmlich in den sozialen Medien ausgetragen, aber von reflexiven Bearbeitungen in den Feuilletons der großen Zeitungen thematisiert. Häufig genannte Beispielereignisse für Cancel Culture sind:

  • die Störung und Verhinderung der Vorlesung des AfD-Mitgründers Bernd Lucke an der Uni Hamburg;
  • der Wirbel um die Einladung von Thilo Sarrazin und Marc Jongen in ein Philosophieseminar zum Thema Meinungsfreiheit an der Uni Siegen (hierzu AG Siegen Denken 2019);
  • die Streichung des Kabarettisten Dieter Nuhr aus dem Internetauftritt der DFG, nachdem dieser sich über die Parole „Folgt der Wissenschaft!“ lustig gemacht hatte;
  • die Ausladung (und Wiedereinladung) der Kabarettistin Lisa Eckhart vom Hamburger Harbour Front Literaturfestival wegen angeblich rassistischer und antisemitischer Äußerungen.

Das sind höchst vielfältige Ereignistypen, und in der Kabarettsphäre ist der Skandal aufmerksamkeitspolitisch oft durchaus willkommen. Hier gilt: Wer es schafft, ausgeladen zu werden, hat als Satiriker oft eine Menge gewonnen. Ein wenig anders liegen die Dinge in der gegenwärtig hoch sensiblen Schnittfläche zwischen Wissenschaft und Politik, in der Politiker ihre ausnahmestaatlichen Entscheidungsbefugnisse mit wissenschaftlichen Autoritäten legitimieren, während zugleich politische Akteure mit wissenschaftlichen Ansprüchen auftreten. Im Umfeld des Kabaretts erinnern viele Cancel-Culture-Konstellationen an die Korrektheitsstreitereien der 1990er Jahre (vgl. Erdl 2004). Mit dem Herüberschwappen ‚korrekter‘ Sprachsensibilitäten aus den USA galten plötzlich die Äußerungen mancher Kabarettisten für ‚menschenverachtend‘, wenn sie sich über Minderheiten lustig machten.

Ein typisches Beispiel für die erwähnten Turbulenzen innerhalb bestehender politischer Communities lieferte die Social-Media-Präsenz der FDP-nahen Friederich-Naumann-Stiftung im Dezember 2020: Die in ihrer Selbstbeschreibung liberalen Werten wie der Meinungsfreiheit verpflichtete Stiftung sah sich auf Twitter mit dem Vorwurf konfrontiert, Personen eine Bühne zu bieten, die dem hegemonialen Pandemiediskurs in inakzeptabler Weise (‚quer‘, ‚rechts abgebogen‘) widersprechen. Konkret hatte ein libertärer Blogger und Youtuber bei einer Veranstaltung als Moderator fungiert, bei der ironischerweise über „Intoleranz, offene Debattenkultur und Cancel Culture“[2] gestritten wurde. Die Stiftung reagierte auf die Anschuldigungen zunächst mit der Ankündigung, man „nehme die Sache ernst und prüfe“ den Vorgang. Später wurde als Ergebnis dieser Prüfung verkündet, der inkriminierte Blogger arbeite „mit rechtspopulistischem und verschwörungstheoretischem Gedankengut“, man habe selber im Vorfeld nicht ausreichend „geprüft“ und werde „Vorsorge treffen, dass so etwas nicht mehr passieren kann“. Abgesehen von der bemerkenswerten Wortwahl, zu der sich die „Stiftung für die Freiheit“ hier verleiten ließ, zeigen sich hier typische Diskursmerkmale, die mit der Rede von der Cancel Culture in Verbindung stehen: Zunächst fällt direkt auf, dass (jedenfalls zunächst) von Seiten der ausgrenzenden Partei keine direkte Auseinandersetzung mit der passiven Seite stattfand, und weiterhin (für die primär adressierte Öffentlichkeit) keinerlei inhaltliche Erhärtung oder argumentative Bekräftigung der infragestehenden Punkte geliefert wurden. Gerade diese müssten als Ergebnis einer „genauen Prüfung“ ja unmittelbar vorhanden sein. Die Belegung der von Ausgrenzung betroffenen Person mit den Attributen rechtspopulistisch und verschwörungstheoretisch ist dabei als typischer Kontaminationsversuch (siehe unten) zu verstehen: Wenn die Attribute an der Person ‚haften‘ bleiben, indem sich relevante Akteure dieser Normierung anschließen, erscheint ihr Ausschluss und der Kontaktabbruch als zwingende Konsequenz – unabhängig von jeder argumentativen Klärung oder Begründung der Anschuldigungen und ungeachtet der Reaktionen der von Ausschluss bedrohten oder betroffenen Person. Nicht untypisch ist an diesem Fall jedoch auch, dass derartige Ausschließungspraktiken keineswegs immer erfolgreich verlaufen: Die überwiegende Mehrheit der Reaktionen zeigte, dass das Agieren der Stiftung vom eigenen Publikum kaum goutiert wurde.

Aufschlussreich für die Verwendung des Ausdrucks sind auch Ereignisse, die man für einschlägig halten könnte, die aber nicht als Cancel Culture kodiert werden, wie z.B. die Forderung rechter Gruppen (und auch der AfD), die akademische Genderforschung nicht weiter zu finanzieren. Auch hat niemand es als Cancel Culture kodiert, als neulich der bayrische Ministerpräsident Söder kurzerhand dem Philosophieprofessor Christoph Lütge den Stuhl vor die Tür des Bayrischen Ethikrates gesetzt hat, nachdem dieser die Coronamaßnahmen für „unverhältnismäßig“ und „überzogen“ erklärt hatte. Man muss dazu freilich wissen, dass der geschasste ‚Wirtschaftsethiker‘ selbst insofern bereits ‚skandalös‘ ist, als er das von Facebook an der TU München finanzierte und bemannte Ethikinstitut leitet und insofern das klassische Beispiel eines Bocks ist, den man zum Gärtner gemacht hat. Oder anders gesagt: Bereits die Berufung der Person Lütge steht für den Versuch, Wissenschaft aus ökonomisch-politischen Machtpositionen heraus zu steuern und zu begrenzen. Auch da, wo das Streichen ganzer Studiengänge ‚progressive‘ Wissenschaftlergruppen trifft wie etwa bei der kompletten Streichung der Studiengebiete „Critical Management Studies“ und „Political Economy“ an der Universität Leicester (GB), spricht öffentlich niemand von Cancel Culture.

Im Hinblick auf den typischen im Cancel-Culture-Diskurs zu beobachtenden Sprachgebrauch kann eine diskursive ‚Bresche‘ nicht übersehen werden, die mit Hilfe des Cancel-Culture-Vorwurfs erweitert werden soll: Im Kontext progressiv-neoliberaler Moralisierungstendenzen gibt es eine starke Neigung, ultimative Kontaminationsbegriffe wie Rassismus, Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit, Verschwörungstheorie in ihrem Gebrauch auszuweiten und so kasuistisch (haarspalterisch, spitzfindig) zu überdehnen (der Kommunikationstheoretiker Kenneth Burke (1984 [1937]), spricht von „casusistic overstretching“) dass sie tendenziell auf alle gesellschaftlichen Formen gruppenbezogener Vorurteile gegen anerkannte und moralisch geschützte Opfergruppen angewandt werden können – oft schon auf eine falsche Wortwahl. Kontaminationsbegriffe dienen tendenziell dem Ausschluss der als ‚ansteckend‘ markierten Personen und Gruppen aus dem regulären Diskurs. Zugleich dienen sie der moralischen Selbstermächtigung derjenigen, die sie so freigiebig verwenden: Mit Rassisten und Antisemiten diskutiert man nicht, man schließt sie aus, nachdem man sie als solche identifiziert hat. Und wo die Bereitschaft wächst, etwa im Migrationsbereich von Rassismus zu sprechen, wenn jemand die offizielle Migrationspolitik kritisiert (oder bereits, wenn jemand einen gebrochen Deutsch Sprechenden nach seiner Herkunft fragt), da wächst naturgemäß auch die Bereitschaft, den Diskurs abzubrechen. Insofern fördert der Cancel-Culture-Vorwurf die Polarisierung innerhalb der angegriffenen (und als ‚links‘ kodierten) liberalen Meinungselite und denen, die der Ansicht sind, dass die Praktiken der US-Polizei gegenüber der schwarzen Bevölkerung, die Praktiken der südspanischen und süditalienischen (und auch der deutschen) Agrar- und Fleischindustrie, die mit unterbezahlten, kasernierten und völlig entrechteten  illegalen Einwanderern arbeiten, als rassistisch gebrandmarkt werden sollten.

Diese Überdehnung ‚bewährter‘ Kontaminationsbegriffe suggeriert semantische Kontinuität. Vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte leuchtet es ein, dass Rassismus, Antisemitismus etc. zum Ausschluss aus dem gehegten Bereich der politischen Kommunikation führen. Indem man aber diese Begriffe so ausweitet, dass sie bereits für taktloses Alltagsverhalten, keckes Kabarett oder minimale Abweichungen von einer vorgegebenen politischen Linie stehen, führt man durch die Hintertür (und gedeckt durch bewährte Begriffe) ganz neue Spielregeln in den Diskurs ein. Ist erst einmal jede ‚unkorrekte‘ Äußerung über ‚Fremde‘ rassistisch und jede Kritik an George Soros´ „Open Society Foundation“ antisemitisch, dann verschwimmen die Grenzen. Am Ende normalisiert die kasuistische Überdehnung solcher Begriffe eben das, wogegen sie sich richten.

 

[1] Belege für die bis heute anhaltende Kritik von links an den identitätspolitischen Empfindlichkeitspraktiken, die unter CC bekämpft werden, findet man u.a. bei. Fourest (2020) und Stegemann (2021).

 

Literatur

Zitierte Literatur

  • AG Siegen Denken, Hrsg. (2019): Neue Rechte und Universität (= Navigationen 19, 2/2019).
  • Burke, Kenneth (1984 [1937]): Attitudes toward History. 3. Aufl. Berkeley, L.A.: University of California Press. [zuerst 1937].
  • Erdl, Marc Fabian (2004): Die Legende von der politischen Korrektheit. Zur Erfolgsgeschichte eines importierten Mythos. Bielefeld: transcript.
  • Fourest, Caroline (2020): Generation Beleidigt. Von der Sprachpolizei zur Gedankenpolizei. Über den wachsenden Einfluss linker Identitärer. Berlin: tiamat.
  • Stegemann, Bernd (2021): Die Öffentlichkeit und ihre Feinde. Stuttgart: Clett-Kotta.

Zum Weiterlesen

  •  

Zitiervorschlag

Knobloch, Clemens; Deus, Fabian (2021): Artikel Cancel Culture. In: Diskursmonitor. Glossar zur strategischen Kommunikation in öffentlichen Diskursen. Hg. von der Forschungsgruppe Diskursmonitor und Diskursintervention. Veröffentlicht am 06.05.2021. Online unter: https://diskursmonitor.de/glossar/Cancel-culture.

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Guerillakommunikation steht für die Beobachtung, dass es Formen der Kommunikation gibt, die von normalen bzw. als normal geltenden Kommunikationsformen abweichen und mit diesen in Konflikt stehen. Die Markierung als Guerillakommunikation (von span. guerrilla = Kleinkrieg) verweist dabei auf asymmetrische Konflikte, die aus einer unterlegenen Position heraus kommunikativ ausgetragen werden.

Techniken

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Der Ausdruck Euphemisierung ist eine sprachliche Strategie, die den Einsatz von sprachlichen Mitteln mit verhüllender, verschleiernder, beschönigender, abschwächender Funktion im öffentlichen Sprachgebrauch meint.

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Adbusting (Englisch: aus „ad“ – Kurzform von „advertisement“ = ‚Werbung‘ und „to bust“ = ugs. ‚zerschlagen‘) ist die Bezeichnung für eine Reihe von kommunikativen Praktiken, die zur Verfremdung kommerzieller und politischer Werbung im öffentlichen Raum eingesetzt werden. Heutzutage spielen die Sozialen Medien eine zunehmende Rolle, da erstens digitale Bearbeitungstechniken eingesetzt werden können und zweitens durch jene ein ungleich größeres Publikum erreicht wird.

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Entlarven ist als kritische Alltagstechnik zentral und allgegenwärtig, und aus diesem Grund so gut wie unsichtbar und wenig reflektiert. Entlarven besteht darin, das erklärte hohe Motiv einer Handlung durch Zuschreibung eines niedrigeren Motivs zu ersetzen.

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Nudging (Englisch: Schubsen, Stupsen) ist die Bezeichnung für eine Technik und Praxis strategischer Kommunikation. Dem Anspruch nach soll durch Nudging Verhalten ohne Zwang gelenkt werden, und zwar durch Veränderung der Rahmenbedingungen für Entscheidungen: durch bestimmte Voreinstellungen (z.B. Zustimmung gilt als normal, Abweichung muss markiert werden), Symbole oder auch materielle Arrangements (Barrieren, Markierungen). Nudges sind für die Adressaten oft nicht erkennbar, gleichwohl gehört Nudging inzwischen zum Repertoire aktueller Regierungstechniken.

Inszenierung

Inszenierung ist ursprünglich ein Begriff aus der Sphäre der (dramatischen) Kunst, des Theaters, der in den Kontext von Kommunikation gewandert ist. Inszenierung bezeichnet die Nutzung der Mittel des Theaters, um etwas zur Erscheinung zu bringen, „in Szene“ zu setzen. Dazu werden die Möglichkeiten der verschiedenen Zeichensysteme (sprachliche, visuelle, gestische) genutzt, darüber hinaus die Koordination in Raum und Zeit und das Spiel mit Rollen.

Propaganda

Propaganda als Kommunikationstechnik und -praxis umfasst eine Vielzahl von sprachlichen und visuellen, meist mediengestützten Formen der gezielten Beeinflussung und Steuerung des Denkens, Fühlens und Handelns von Menschen.

Schlagwörter

Identitätspolitik

Der Ausdruck steht heute für eine politische Konstellation, in der konkurrierende Wir-Gemeinschaften mit einer Diskriminierungs- und Benachteiligungsgeschichte in der Öffentlichkeit um Anerkennung konkurrieren. An der Oberfläche geht es ‚identitären‘ Wir-Gemeinschaften darum, die eigene Diskriminierung als Ermächtigungsmotiv an die Öffentlichkeit zu tragen.

Elite

Einmal wird unter Elite eine Auswahl der Besten und Leistungsfähigsten verstanden, einmal in distanzierender Weise eine abgehobene ‚Kaste‘ der Reichen und Mächtigen im Gegensatz zum Volk. Erstere Variante wird in der Regel zur Verteidigung der etablierten Ordnung verwendet, letztere vor allem von Rechtspopulisten.

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Der Ausdruck Altpartei wird in jüngerer Zeit häufig im Kontext des Aufstiegs des Rechtspopulismus und der AfD gebraucht. Dabei lassen sich hauptsächlich zwei Gebrauchsvarianten beobachten: Einerseits richtet sich der Ausdruck in abwertender Weise gegen etablierte Parteien, andererseits taucht er oft in sprachkritischen Kontexten auf, wo seine Verwendung und seine Sprecher kritisiert oder diskreditiert werden.

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