DiskursGlossar

Identitätspolitik

Kategorie: Schlagwörter,
Verwandte Ausdrücke: cultural appropriation, identity politics
Siehe auch: Cancel Culture
Autor: Clemens Knobloch
Version: 1.0 / Datum: 06.05.2021

Hinweis: Es handelt sich hier um eine vorläufige Fassung des Artikels zur Identitätspolitik. Eine an unsere Vorgaben angepasste Textversion wird vorbereitet.

Kurzzusammenfassung

Der Ausdruck Identitätspolitik ist als Lehnwort aus dem US-Amerikanischen übernommen. Geprägt wurde er dort (als Selbstbezeichnung) für die Emanzipations- und Anerkennungskämpfe benachteiligter Minderheiten in den 1990er Jahren (schwarze Bürgerrechtsbewegung, Frauenbewegung, sexuelle Minderheiten etc.). Der Ausdruck steht heute für eine politische Konstellation, in der konkurrierende Wir-Gemeinschaften mit einer Diskriminierungs- und Benachteiligungsgeschichte in der Öffentlichkeit um Anerkennung konkurrieren. An der Oberfläche geht es ‚identitären‘ Wir-Gemeinschaften darum, die eigene Diskriminierung als Ermächtigungsmotiv an die Öffentlichkeit zu tragen. In den frühen US-Auseinandersetzungen ging es meist auch darum, die dominante weiße und westliche Kultur zurückzudrängen und durch Perspektiven von unterdrückten Gruppen zu ergänzen (bzw. zu ersetzen). In diesem Kontext etablierte sich auch die Identität des heute als Feindbild allgegenwärtigen ‚alten weißen Mannes‘.

Dass es sich mittlerweile bei den vom Begriff I. zusammengefassten Praktiken nicht mehr um ein bloßes Minderheiten- und Randphänomen, sondern um einen dominierenden Politikstil handelt, ist daran zu erkennen, dass sich zunehmend auch Prominente, Eliten und Machtgruppen öffentlich als (Angehörige von) Opfergemeinschaften präsentieren.

Der Umgang mit dem Begriff Identitätspolitik ist dadurch erschwert, dass der Ausdruck in der politischen Auseinandersetzung sowohl als Fahnenwort (also programmatisch) wie auch als Stigmawort und schließlich auch als politischer Analysebegriff in Gebrauch ist.

Erweiterte Begriffsklärung

[1] Identitätspolitische Wir-Gruppen sind „imaginierte Gemeinschaften“, die durch geteilte Benachteiligungserfahrungen zusammengehalten werden. Der Begriff „imaginierte Gemeinschaft“ ist in der Politik- und Geschichtswissenschaft gebräuchlich als analytische Bezeichnung für Nationen (Benedict Anderson: „imagined communities“). Aus der einen nationalen imaginierten Gemeinschaft werden unter den Bedingungen von Identitätspolitik viele fragmentierte ‚communities‘, die tendenziell darum konkurrieren, aus ihrem Status als Angehörige einer anerkannten Opfergruppe symbolische, aufmerksamkeitspolitische oder sonstige Vorteile zu ziehen.

Insofern unterlaufen und dekonstruieren die identitätspolitischen „Neogemeinschaften“ (Reckwitz 2017) das traditionelle Selbstbild und die „Erzählung“ der Nation als einer (imaginierten) Gemeinschaft (Manow 2020: 167). Die rechtspopulistischen Gegenbewegungen gegen Identitätspolitik sind aber, so gesehen, nicht weniger identitätspolitisch, als sie demonstrativ auf die traditionellen Loyalitätspflichten gegenüber der nationalen Wir-Gemeinschaft setzen und diese zugleich als Opfer globaler, internationaler, destruktiver Akteure präsentieren. Das entspricht völlig dem identitätspolitischen Modell. Die Nation ist der Inbegriff einer ’sozialblinden‘ Wir-Gemeinschaft, ihre Angehörigen sollen trotz aller sozialen Differenzen solidarisch für einander eintreten (was in gewissen Grenzen insofern den Erfahrungen der Menschen entspricht, jedenfalls so lange der Sozialstaat einigermaßen intakt ist, als Sozialpolitik immer nationale Sozialpolitik war – während es eine europäische Sozialpolitik durchaus nicht gibt).

Und zu den auffallenden Merkmalen der modernen Identitätspolitik gehört, dass auch ihre Wir-Gruppen allesamt ’sozialblind‘ sind. Unter Migranten finden wir entrechtete illegale Sklavenarbeiter (in den Fleischfabriken und auf den südeuropäischen Obst- und Gemüsefeldern) ebenso wie die Biontech-Gründer. Und dass sich millionenschwere Angehörige des britischen Königshauses als ‚Opfer von Rassismus‘ in Szene setzen, ohne dass jemand lacht, ist bezeichnend. Und diese ‚Sozialblindheit‘ gilt für die lautstarken sexuellen Wir-Gruppen erst recht.

[2] Gewählte und zugeschriebene Identitäten: In modernen Gesellschaften gehört jedes Individuum zu zahllosen, teils frei gewählten, teils zugeschriebenen Identitätsgruppen. Manchmal stimmen Selbst- und Fremdzuschreibungen überein, manchmal divergieren sie. Charakteristisch ist ein dynamisches und widersprüchliches Wechselspiel von Selbst- und Fremdkulturalisierungen (vgl. Reckwitz 2017: 401ff). Von Identitätspolitik spricht man im Allgemeinen nur dann, wenn Wir-Gemeinschaften sich als öffentliche Akteure konstituieren (oder von anderen als solche Akteure konstituiert werden). Dazu gehören Akteure, die mit dem Ziel agieren, die Selbstkulturalisierung der Gemeinschaft bei anderen Gruppen und Akteuren als verbindlich durchzusetzen. Ein wesentlicher Teil dieses Prozesses ist oft die Durchsetzung der Selbstbezeichnung als Fremdbezeichnung auch in der Mehrheitsgesellschaft. Das kann, wie das Beispiel der schwarzen US-Bevölkerung zeigt, wechselhaft werden (Negroes, Blacks, African Americans, People of Color etc.). Erheblich weiter geht noch der identitätspolitische Anspruch, festlegen zu wollen, wie und was über die Eigengruppe gesprochen werden darf. Kritik an den Handlungen und Äußerungen einzelner Mitglieder der jeweiligen Wir-Gemeinschaft wird dann rasch als fortgesetzte Benachteiligung und Diskriminierung der Gruppe kodiert. Der Status als Mitglied der Opfergruppe schützt so gegen Kritik, weil sich stets die gesamte community angesprochen fühlt, wenn ein Mitglied angegriffen wird. Den Endpunkt dieser Linie bildet der Vorwurf der ‚cultural appropriation‘ (kulturelle Aneignung), der die Übernahme von Merkmalen, Sitten, kulturellen Formen, die der Eigengruppe zugerechnet werden, durch die Mehrheitsgesellschaft (oder durch andere Gruppen) als einen Enteignungsversuch geißelt. In diesem Feld spielen dann skurrile Konflikte wie: Darf die Rolle eines Schwulen im Film nur von einem Schwulen gespielt werden? Eignet sich ein als Indianer verkleideter Karnevalsjeck die indigene Kultur der US-Ureinwohner unrechtmäßig an? Darf eine weiße Übersetzerin die Gedichte einer schwarzen Autorin übersetzen…und manches andere mehr.

Aus dem Kampf gegen die Diskriminierung und Benachteiligung durch die (Inklusion verweigernde) Mehrheitsgesellschaft wird so rasch eine hoch exklusive Veranstaltung, die darauf setzt, den Opferstatus der Wir-Gruppe zu erhalten, zu optimieren und zu verwerten. Dabei verkehrt sich der emanzipatorische Inklusionsanspruch in sein Gegenteil, weil jede Form der Inklusion zugleich als ‚cultural appropriation‘ gedeutet werden kann. Für die Öffentlichkeit und die öffentliche Debatte entsteht dabei ein ‚double bind‘, weil sie die konkurrierenden Wir-Gemeinschaften weder als partikular markieren noch als dazugehörig und ’normal‘ entnennen kann, ohne auf heftige Gegenwehr zu stoßen. Jede Gleichbehandlung der Mitglieder ignoriert deren besonderen Status als Angehörige einer benachteiligten Minderheit, und jede Herausstellung der Gruppe als besonders unterstreicht ihre Unzugehörigkeit.

Identitätspolitisch fragmentierte Gesellschaften brauchen institutionelle Schiedsrichter, die darüber entscheiden, welche Ansprüche von Opfergruppen gelten und wie die konkurrierenden Ansprüche hierarchisiert werden sollen. Während der traditionelle nationale Sozialstaat die sozialen Differenzen innerhalb der imaginierten nationalen Gemeinschaft symbolisch oder sozialpolitisch auszugleichen hat, steht der identitätspolitische Post-Nationalstaat vor der Aufgabe, den symbolischen Ausgleich zwischen gleichermaßen sozialblinden Identitätsgruppen in seinem Inneren zu managen. Dazu setzt er Gleichstellungskommissionen, Diversitätsmanager, Ethikkommissionen, Medienakteure ein, die Wir-Gruppen-Ansprüche bewerten, ausgleichen und hierarchisieren sollen (vgl. Fischer 2006).

[3] Identitätspolitische Gemeinschaften sind keine Organisationen, sie sind darum auch selbst nicht politisch handlungsfähig. Sie bilden aber über ihre Anerkennungskämpfe symbolisches Kapital, das sowohl von Angehörigen der Gemeinschaft selbst als auch von anderen handlungsfähigen politischen Akteuren, die ‚im Namen der Gemeinschaft‘ und für sie und für ihre Werte sprechen, machtpolitisch eingesetzt und genutzt werden kann. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, dass um Anerkennung konkurrierende Opfergemeinschaften de facto wenig dazu beitragen, die soziale Lage ihrer Mitglieder nachhaltig zu verbessern. Ihr symbolisches Kapital kann nur von denen eingesetzt werden, die auch sonst (und über die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft hinaus) politisch-ökonomische Macht-, Handlungs- und Erfolgschancen haben. Aus diesem Grund sind identitätspolitische Überzeugungen keineswegs primär bei den Angehörigen der Opfergruppen selbst verbreitet (schon gar nicht bei den auch sozial, kulturell und ökonomisch marginalisierten). Ihre Trägerschicht besteht vielmehr in der Hauptsache aus jungen, urbanen, akademisch gut ausgebildeten ‚Anywheres‘, wie soziologisch immer wieder konstatiert wird (vgl. für viele Burkhardt 2020, Koppetsch 2019). In dieser professionellen und flexiblen (an globalisierte Arbeitsmärkte angepassten) Gruppe reüssiert, wer sich weltoffen, vorurteilsfrei und offen für alle denkbaren kulturellen Kontexte präsentiert. Der moralische Einsatz für benachteiligte Minderheiten kostet in dieser Schicht wenig, bringt aber potentiell viel. Wild globalisierte Arbeitsmärkte sind für dieses sozio-kulturelle Milieu die Normalität, weil die Angehörigen dieses Milieus sicher sein können, immer ‚von oben‘ einzusteigen. Für die weniger gut ausgebildeten und ortsgebundenen ‚Somewheres‘ hingegen stehen die sozio-ökonomischen Schichten derjenigen, die sich durch globalisierte Arbeitsmärkte zu Recht bedroht fühlen, sei es, weil sie von migrantischer Billigkonkurrenz zu Hause gedrückt werden, sei es, weil sie selbst künftig besseren Verdienstmöglichkeiten nachreisen (und ebenfalls zu Migranten werden) müssen. Die viel geschmähten rechtspopulistischen Regierungen in einigen osteuropäischen Ländern leben von eben dieser Konstellation: Ihre gut ausgebildeten Fachkräfte gehen nach England, Deutschland, Frankreich, Italien etc., um besser zu verdienen, und ihre heimische ‚Somewhere‘-Bevölkerung wird durch Einwanderung unter verschärften Konkurrenzdruck gesetzt. Das ist für legitime politische Macht in denjenigen Nationalstaaten, die nicht zur attraktiven Spitzenklasse der Exportweltmeister (mit ausgeprägten ‚pull-Faktoren‘) gehören, eine erkennbar fatale Lage. Sie motiviert großzügige Sozialstaaten, Abwertung kosmopolitischer Tugenden und legitimiert Versuche, die gut ausgebildeten Teile der heimischen Bevölkerung im Inland zu halten.

Identitätspolitik tendiert zu separatistischen, essenzialistischen, anti-universalistischen Modellen von Identität und Kultur, die gegen einander in Stellung gebracht werden können (Fourest 2020: 52). Das gilt gleichermaßen für ‚linke‘ wie für ‚rechte‘ Identitätspolitik. Es sind die durchweg rechten Modelle des ‚Ethnopluralismus‘ (mit ihrer Vorstellung unhintergehbarer Verschiedenheit der Ethnien, Kulturen etc., die durch strikte Trennung ‚rein‘ gehalten werden sollen), welche die ‚linke‘ Identitätspolitik für ihre moralisierten Neogemeinschaften kopiert.

Kritik an den Blüten und Exzessen von Identitätspolitik kommt einerseits aus kulturkonservativen und rechten Milieus (vgl. Cancel Culture), soweit die medientauglichen Beispiele als ‚links‘ und hegemonial kodiert werden können, anderenteils aber auch aus links-universalistischen Zusammenhängen (vgl. Stegemann 2021, Fourest 2020) und auch von bewussten Vertretern mancher Minderheitsgruppen (z.B. Czollek 2018 für die identitätspolitisch vom deutschen ‚Gedächtnistheater‘ gern vereinnahmte jüdische community). Bezeichnend für den Identitätsdiskurs ist, dass die (grundsätzlichere und heftigere) linke Kritik an der ersten Welle (vor etwa 20 Jahren) bereits so gut wie vergessen ist (vgl. Niethammer 2000).

Beispiele

[werden ergänzt]

 

 

Literatur

Zitierte Literatur

  • Burkhardt, Michael (2020): „Identitätspolitik ist Klassenkampf“. In: Der Freitag – blog vom 5.11.2020, https://www.freitag.de/autoren/mburkhardt/identitaetspolitik-ist-klassenkampf-1.
  • Czollek, Max (2018): Desintegriert Euch! München: Hanser.
  • Fischer, Karsten (2006): Moralkommunikation der Macht. Politische Konstruktion sozialer Kohäsion im Wohlfahrtsstaat. Wiesbaden: VS.
  • Fourest, Caroline (2020): Generation Beleidigt. Von der Sprachpolizei zur Gedankenpolizei. Über den wachsenden Einfluss linker Identitärer. Berlin: tiamat.
  • Koppetsch, Cornelia (2019): Die Gesellschaft des Zorns. Rechtspopulismus im globalen Zeitalter. Bielefeld: transcript.
  • Manow, Philipp (2020): (Ent-)Demokratisierung der Demokratie. Berlin: Suhrkamp.
  • Niethammer, Lutz (2000): Kollektive Identität. Heimliche Quellen einer unheimlichen Konjunktur. Reinbek: Rowohlt.
  • Reckwitz, Andreas (2017): Die Gesellschaft der Singularitäten. Berlin: Suhrkamp.
  • Stegemann, Bernd (2021): Die Öffentlichkeit und ihre Feinde. Stuttgart: Clett-Kotta.
  • Vobruba, Georg (1994): Gemeinschaft ohne Moral. Theorie und Empirie moralfreier Gemeinschafts-Konstruktionen. Wien: Passagen-Verlag.

Zitiervorschlag

Knobloch, Clemens (2021): Artikel Identitätspolitik. In: Diskursmonitor. Glossar zur strategischen Kommunikation in öffentlichen Diskursen. Hg. von der Forschungsgruppe Diskursmonitor und Diskursintervention. Veröffentlicht am 19.05.2021. Online unter: https://diskursmonitor.de/glossar/Identitätspolitik.

Grundbegriffe

Korpus

In den Sprach- als auch Literaturwissenschaften versteht man unter Korpora ganz allgemein Textsammlungen.

Protest

Protest ist die kollektive Artikulation von Unbehagen, Kritik oder Veränderungswillen, der sich in bestimmten Handlungen außerhalb etablierter institutioneller Kanäle des politischen Systems äußert. Organisiert wird Protest meist von Initiativen, politischen Gruppierungen oder sozialen Bewegungen in Form von Petitionen, Flugblattaktionen, Demonstrationen, Blockaden, Streiks, Happenings und andere Interventionen in der Öffentlichkeit – in direkter Präsenz, unter Einsatz des Körpers oder auch im virtuellen Raum.

Erzählen

Erzählen ist eine rekonstruktive und kommunikative Tätigkeit, in der für gewöhnlich eine vermittelnde Instanz ein Geschehen darstellt. Die Darstellung kann ein/e ErzählerIn vornehmen (entspricht einer engen Definition des Erzählens) oder sie kann medial anders – beispielsweise filmisch – dargeboten werden (entspricht einer weiten Definition des Erzählens). Dabei beruht das dargestellte Geschehen auf mindestens einem Ereignis.

Konnotation

Konnotation ist ein Fachbegriff, mit dem in der Sprachwissenschaft und benachbarten Disziplinen die Nebenbedeutung (oder der ‚Nebensinn‘) eines Ausdrucks bezeichnet wird. Die konnotative Bedeutung umfasst oft wertende (evaluative) oder handlungsauffordernde (deontische) Aspekte, die mit dem Gebrauch eines Ausdrucks aufgerufen werden können.

Framing

Kommunikationswissenschaftlicher Fachausdruck für den Deutungs- und Bewertungsrahmen, der durch einen politischen Begriff aufgerufen oder ihm fallweise beigegeben wird.

Dramaturgie

Im Rahmen strategischer Kommunikation steht Dramaturgie als Beschreibungsbegriff für den gezielten Rückgriff auf typische dramatische Muster bei der Inszenierung von Ereignissen.

Schlagwort

Im Feld der politischen Kommunikation sind Schlagwörter Ausdrücke, mit denen Positionen, Programme, Tendenzen oder Sachverhalte in verdichteter Form, wertend und mit emotionaler Aufladung präsentiert werden, z.B. als (positiv besetzte) Fahnenwörter wie Demokratie, als (negativ besetzte) Stigmawörter wie Chaot oder als Hochwertwörter wie Kultur.

Guerillakommunikation

Guerillakommunikation steht für die Beobachtung, dass es Formen der Kommunikation gibt, die von normalen bzw. als normal geltenden Kommunikationsformen abweichen und mit diesen in Konflikt stehen. Die Markierung als Guerillakommunikation (von span. guerrilla = Kleinkrieg) verweist dabei auf asymmetrische Konflikte, die aus einer unterlegenen Position heraus kommunikativ ausgetragen werden.

Techniken

Lexikalisches Diffundieren

Lexikalisches Diffundieren besteht darin, Begriffe – vor allem Positivbegriffe, die eng mit dem politischen Gegner assoziiert werden – zu meiden und zu ‚ersetzen‘ durch eine Anzahl wechselnder bedeutungsähnlicher Begriffe jenseits des Vokabulars, das dem politischen Gegner zugerechnet wird.

Berichterstattungsmuster

Die Komplexität entsteht aus den unterschiedlichen Ebenen , die zusammengeführt werden in Berichterstattungsmustern. Sie symbolisieren Funktionen des Journalismus (informieren, kritisieren und kontrollieren, unterhalten) ebenso wie Ziele und Praktiken von Redaktionen (Gewinnmaximierung) und sie verweisen auf berufsstrukturelle Aspekte (Rollenselbstverständnis, Wert- und Normvorstellungen).

Euphemismus

Der Ausdruck Euphemisierung ist eine sprachliche Strategie, die den Einsatz von sprachlichen Mitteln mit verhüllender, verschleiernder, beschönigender, abschwächender Funktion im öffentlichen Sprachgebrauch meint.

Adbusting

Adbusting (Englisch: aus „ad“ – Kurzform von „advertisement“ = ‚Werbung‘ und „to bust“ = ugs. ‚zerschlagen‘) ist die Bezeichnung für eine Reihe von kommunikativen Praktiken, die zur Verfremdung kommerzieller und politischer Werbung im öffentlichen Raum eingesetzt werden. Heutzutage spielen die Sozialen Medien eine zunehmende Rolle, da erstens digitale Bearbeitungstechniken eingesetzt werden können und zweitens durch jene ein ungleich größeres Publikum erreicht wird.

False Flag

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Entlarven

Entlarven ist als kritische Alltagstechnik zentral und allgegenwärtig, und aus diesem Grund so gut wie unsichtbar und wenig reflektiert. Entlarven besteht darin, das erklärte hohe Motiv einer Handlung durch Zuschreibung eines niedrigeren Motivs zu ersetzen.

Nudging

Nudging (Englisch: Schubsen, Stupsen) ist die Bezeichnung für eine Technik und Praxis strategischer Kommunikation. Dem Anspruch nach soll durch Nudging Verhalten ohne Zwang gelenkt werden, und zwar durch Veränderung der Rahmenbedingungen für Entscheidungen: durch bestimmte Voreinstellungen (z.B. Zustimmung gilt als normal, Abweichung muss markiert werden), Symbole oder auch materielle Arrangements (Barrieren, Markierungen). Nudges sind für die Adressaten oft nicht erkennbar, gleichwohl gehört Nudging inzwischen zum Repertoire aktueller Regierungstechniken.

Inszenierung

Inszenierung ist ursprünglich ein Begriff aus der Sphäre der (dramatischen) Kunst, des Theaters, der in den Kontext von Kommunikation gewandert ist. Inszenierung bezeichnet die Nutzung der Mittel des Theaters, um etwas zur Erscheinung zu bringen, „in Szene“ zu setzen. Dazu werden die Möglichkeiten der verschiedenen Zeichensysteme (sprachliche, visuelle, gestische) genutzt, darüber hinaus die Koordination in Raum und Zeit und das Spiel mit Rollen.

Propaganda

Propaganda als Kommunikationstechnik und -praxis umfasst eine Vielzahl von sprachlichen und visuellen, meist mediengestützten Formen der gezielten Beeinflussung und Steuerung des Denkens, Fühlens und Handelns von Menschen.

Schlagwörter

Geschlechtergerechte Sprache

Mit dem heute als Fahnenwort gebrauchten Ausdruck geschlechtergerechte Sprache ist die Forderung verbunden, bei Personenbezeichnungen die einseitige, für diskriminierend erklärte Bezugnahme auf einen bestimmten Sexus, konkret: auf das männliche Geschlecht, zu unterlassen.

Cancel Culture

Cancel Culture ist ein Kampf- und Stigmawort, das sich in skandalisierender Absicht gegen die Praxis (und oft auch bereits gegen die Forderung) des Absagens, Ausladens, Boykottierens moralisch missliebiger und politisch bekämpfter Personen, Organisationen und Positionen in Wissenschaft, Kultur und Politik wendet.

Elite

Einmal wird unter Elite eine Auswahl der Besten und Leistungsfähigsten verstanden, einmal in distanzierender Weise eine abgehobene ‚Kaste‘ der Reichen und Mächtigen im Gegensatz zum Volk. Erstere Variante wird in der Regel zur Verteidigung der etablierten Ordnung verwendet, letztere vor allem von Rechtspopulisten.

Greenwashing

Unternehmen, Regierungen, Parteien oder Organisationen bedienen sich verschiedener Praktiken, um ihr Handeln in der Öffentlichkeit ökologischer und nachhaltiger darzustellen, als es tatsächlich ist.

Altpartei

Der Ausdruck Altpartei wird in jüngerer Zeit häufig im Kontext des Aufstiegs des Rechtspopulismus und der AfD gebraucht. Dabei lassen sich hauptsächlich zwei Gebrauchsvarianten beobachten: Einerseits richtet sich der Ausdruck in abwertender Weise gegen etablierte Parteien, andererseits taucht er oft in sprachkritischen Kontexten auf, wo seine Verwendung und seine Sprecher kritisiert oder diskreditiert werden.

Verschwörungstheorie

Der Ausdruck gibt sich in der medialen Öffentlichkeit als analytisches Konzept, ist aber zugleich performativ hoch wirksam als Ausschluss aller erfolgreich so benannten Konzepte aus der rationalen öffentlichen Kommunikation.

Inklusion

Inklusion hat sich, ausgehend von einem soziologischen Fachterminus gleichen Namens, in den zwei vergangenen Jahrzehnten zu einem interdiskursiven und allgemeinen Programmbegriff gewandelt.

Innovation

Innovation gehört seit den 60er Jahren zu den häufig verwendeten Schlag– bzw. Fahnenwörtern, vor allem in den Feldern von Ökonomie und Politik. Konzepte und Vorhaben mit der Überschrift Innovation werden oft als Sachzwänge dargestellt, gegen die Einwände als nicht legitim erscheinen.

Postwachstum

Postwachstum ist im deutschsprachigen Diskurs Beschreibungsbegriff und Forderung zugleich: In einer Welt mit endlichen natürlichen Ressourcen müsse die bisher von Wirtschaftswachstum und Ausbeutung abhängige globale Ökonomie radikal verändert werden, um langfristig die menschliche Existenz zu sichern.

Propaganda

Propaganda als Kommunikationstechnik und -praxis umfasst eine Vielzahl von sprachlichen und visuellen, meist mediengestützten Formen der gezielten Beeinflussung und Steuerung des Denkens, Fühlens und Handelns von Menschen.

Verschiebungen

Ökonomisierung

Ökonomisierung wird in gegenwärtigen Diskursen in der Regel zur Bezeichnung von Prozessen verwendet, in denen die spezifisch wirtschaftlichen Funktions-Elemente wie Markt, Wettbewerb/Konkurrenz, Kosten-Nutzen-Kalküle, Effizienz, Gewinnorientierung in Bereiche übertragen werden, die zuvor teilweise oder ganz nach anderen Leitkriterien ausgerichtet waren

Moralisierung

Moralisierung verlagert Macht- und Interessenkonflikte in die Sphäre der Kommunikation von Achtung / Missachtung. Sie reduziert Ambivalenz zugunsten einer Polarisierung von gut und böse.

Konstellationen

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